Unterbrechung-Mittendrin



15 Minuten Zeit für Besinnung, Meditation, Impulse
mitten am Tag, in der Mitte der Woche

Idee und Gestaltung: GUIDO SCHÜRENBERG – 4700124 – gs@aachen.de


Noch nicht in Stimmung

Halbzeit in der Adventszeit und ich bin noch gar nicht in Stimmung gekommen.
Höre ich die falsche Musik? Beeindruckt mich die Weihnachtswerbung in ihrer vielfältigen Eintönigkeit nicht mehr?
Sind meine Erwartungen des Alle-Jahre-wieder Festes schon so deprimierend im Vorfeld?
Oder fehlen mir einfach nur die richtigen Zutaten, um in Stimmung zu kommen: Gepflegte weihnachtliche Jazzmusik á la Nils Landgren and friends. Oder leise rieselnden Schnee – draußen? Der Duft nach Weihnachtsgebäck und die Tasse Glühwein? Die begleitende Einstimmung auf Weihnachten durch einen Adventskalender, hinter dessen 24 Türen sich eine Geschichte entdecken lässt? Die wachsende Anzahl an Kerzen und Lichterketten in unserem Wohnzimmer? Mehr Frieden auf Erden …?
Ich fürchte, ich bin einfach noch nicht bereit für all diese Stimmungsmacher, die mich in diese Erwartungszeit einstimmen, einswingen in die von mir erwartete Konsum-Zeit, die die Aachener Einzelhändler noch nicht zufrieden stellt.
Ja, ich beschäftige mich schon mit den Wünschen und mit Überraschungsgeschenken für meine Familie, aber eher unmotiviert und auch zum Weihnachtsmenü habe ich so meine Vorstellungen, aber da gibt es halt die grossfamiliären Traditionen. Und auf die jährliche Debatte, wann zu wem mit wem habe ich überhaupt keine Lust.
Mir fehlt die innere Ruhe! Und die Neugier der kleinen Kinder! Die Bereitschaft mich überraschen zu lassen …!
Die Aachener Händler haben nach dem für sie enttäuschenden, verkaufsoffenen 2. Advent-Sonntag verkündet: Da geht noch was!
Erfahrungsgemäß auch bei mir, bezogen auf Weihnachten, die Menschwerdung und den Frieden auf Erden.
Noch zwei Wochen – Carpe diem – Nutze die Zeit!            GS 11. Dezember 2018

Schweige und höre
vielleicht geht dir in der Mitte der Nacht ein Licht auf
vielleicht hörst du unverhofft eine neue Botschaft
vielleicht ahnst du plötzlich
dass Friede auf Erden denkbar ist

vielleicht erfährst du schmerzhaft
dass du Altes zurücklassen musst
vielleicht spürst du dass sich etwas verändern wird
vielleicht wirst du aufgefordert
aufzustehen und aufzubrechen

Schweige und höre sammle Kräfte und brich auf
damit du den Ort findest wo neues Leben möglich ist

Max Feigenwinter (Adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S. 29)


Erwartungen

In dieser Woche findet der UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz statt. Der Druck dort zu sichtbaren Maßnahmen zu kommen ist nach diesem Dürre-Sommer in Europa, nach den katastrophalen Waldbränden in Kalifornien, vor den zu erwartenden El Ninjo (das Christuskind) Phänomenen, die für Lateinamerika, Südafrika und die Indonesische Inselwelt erwartet werden und dem Phänomen, dass der Golfstrom in unseren Breiten nicht mehr ausreicht, um Wetterwechsel zu ermöglichen, sehr groß geworden. – Endzeit-Erwartungen
Die Leseordnungen der christlichen Kirchen für den 1. Advent zeichnen ähnliche Szenarien vom Chaos und Ende der bestehenden Ordnungen.
Aber damit wird nicht das Zeitenende eingeläutet, sondern ein neuer Anfang erwartet. Der Anfang des Gottes Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens, wie ihn Jesus verkündet – Advent- Erwartungen
Gemeinsam ist beiden Szenarien die Notwendigkeit, dass sich der Einzelne, dass sich die menschliche Gemeinschaft entscheidet für das Gute Leben für alle.
Der Klimagipfel ist herausgefordert verbindliche Maßnahmen zum Überleben der Menschheit zu beschließen, obwohl es immer noch viele nicht wahr haben wollen, dass dies Verzicht bedeutet insbesondere der Menschen in den reichen Ländern des globalen Nordens.
Advent, Erwartung des Reiches Gottes erwartet eine Haltungsänderung im Vertrauen darauf, dass Gottes Reich möglich wird – wenn wir es einfach leben.                           GS   4. Dez 2018

 

Gott gebe dir Kraft
zu einem klaren Nein
da wo es nötig ist
zu einem Nein
zu Hass und Gewalt
zu jedem Unrecht
und zum Krieg
zu allen Kräften
die zerstören wollen
was seine Liebe
für uns schuf
Gott gebe dir den Mut
zu einem klaren Nein
aus einem unbeirrten
Ja zu ihm

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2008, S.248)


Reflex – Rumorendes von einem kommunikativen Wochenende

 

Religiösität wird in einen uniformen Rahmen gepresst und aus dem Alltag der Menschen herausgelöst
Wir entmenschlichen Gott und geben ihm einen institutionellen Rahmen - die Kirche
Der Glaube ist eine Bewegung, aber die Kirche ist ohne Dynamik

Erst war alles so schlüssig am Samstag Abend. Mein Unbehagen, ja meine Unzufriedenheit mit der Institution Kirche und ihrer tradierten Form der Glaubenskommunikation; die Erkenntnis, dass ich in dieser und mit dieser Form der “Verkündigung” nicht glücklich bin, ja zunehmend in meinen Ideen und meinem Handeln blockiert, ja ausgebrannt bin.
Erik Flügge, der Kommunikationsberater mit katholischen Wurzeln, der den Kirchen vorwirft mit ihrem “Jargon der Betroffenheit” an ihrer Sprache zu “verrecken”, traf meine Stimmung und die der anderen, meist studierenden Zuhörer mit seinen teils karrikierenden Skizzen christlicher Glaubenskommunikation.
Ertapptes Lachen schafft die Möglichkeit auf die eigene Glaubens- und Kommunikationspraxis kritischer zu schauen.

 

Worte, Worte, Worte - Finde Deine Eigenen!
Nutze Deinen Messenger und teile jemandem, an dem Dir etwas liegt mit, dass Du gerade in einer Kirche sitzt und an ihn denkst.

Am nächsten Morgen erstmal Ratlosigkeit, mein verarbeitender Workshop begann ja erst nach dem Morgenimpuls. Umso erstaunender dieser Einstieg in den Sonntag: sich auf die eigenen Impulse besinnen, “einfach” Kontakt aufnehmen mit dem Kommunikationsmittel, das jeder von uns täglich benutzt. Der Bezug aus einer Kirche zu senden macht den Adressaten und die Adressatin neugierig, fragt nach Anlass und besonderem Ort – Tiefgang und Authentizität wird möglich.

 

Bist Du selbst auf diese Frage gekommen, oder haben dir andere von mir erzählt?

Dann das im Sonntagsevangelium! – Die Frage Jesu nach dem persönlichen, nach dem wirklichen Interesse. Und die Frage nach der Authentizität in dieser Befragung vor dem Gericht des Pilatus.
Bin ICH das, der in ein ehrliches, tiefes und interessiertes , ja vielleicht auch existentielles Gespräch eintritt, eine Beziehung aufnimmt? Ooder bin ich der Kontakter der Institution, der mehr schlecht als recht seinen Job macht und mit seinem Betroffenheitsjargon es aber nicht wirklich ist?

In mir rumort es!                  GS 27. Nov 2018

Gott schärfe dein Gespür
für Unrecht und Not
Gott nähre deine Sprache
mit einfachen Worten
Gott behüte die Weite
deines Denkens und Fragens
Denn du bist ein Segen
dein ganzes Wesen
redet von Gottes Liebe
zu allem
was ist

Katja Süß (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2008, S.226)


Es ist an der Zeit

In diesen Novembertagen gedenken wir der Toten der beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts.
Der erste endete im November vor 100 Jahren, kostete 20 Millionen Menschen in Europa das Leben und entmachtete die Herrscher des deutschen, russischen, osmanischen und habsburgischen Reiches, verschaffte Deutschland für kurze Zeit eine demokratische Regierung und ermöglichte Frauen das Wahlrecht. Der zweite weltweite Krieg kostete 80 Millionen Menschen das Leben. Der totale Zusammenbruch Deutschlands ermöglichte einen Wiederaufbau und ein Wirtschaftswunder, dessen Name MADE IN GERMANY weltweit als Synonym für Qualität steht.
Beide Kriege waren grausame Gemetzel ermöglicht durch neue Technologien und den Einsatz von Kampfgasen. Nicht zuletzt der Einsatz der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki und deren fürchterliche nachhaltige Zerstörungskraft traumatisierte die Zivilbevölkerung. Die psychologischen Folgen dieser kriegsbedingten Traumata sind auch in unseren Familien nach nunmehr über 70 Jahren “Frieden” in Europa immer noch spürbar, wenn man mit der “Verlorenen Generation der Kriegskinder” spricht.
Gedenken heisst sich dessen erinnern und bewusst werden, was Menschen einander antun, um sie zu demütigen, zu unterdrücken, zu manipulieren, auszubeuten, zu tyrannisieren und zu quälen.
Immer öfter habe ich den Eindruck, dass 70 Jahre Abwesenheit von Krieg in unserer unmittelbaren Umgebung, hier in Europa, uns aber auch blind und taub gemacht haben für Situationen und Stimmungen, die Unterdrückung, Terror und Krieg begünstigen.
Wenn wir Frieden und ein lebenswertes Leben erhalten wollen, müssen wir genau hinsehen, uns sensibilisieren für Unrechtsstrukturen, für Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Wir müssen eine gewaltfreie Sprache trainieren und uns undemokratischen Meinungsmachern und Aktivisten verweigern.
Die Liedermacher Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey haben ein solches erinnerndes und mahnendes Gedenken im Lied ES IST AN DER ZEIT zum Ausdruck gebracht.          GS 20. Nov 2018


Was ist denn schon gerecht ?

Gerechtigkeit ist mein Thema, seit wir uns in einer Jugendgruppe mit der Frage auseinandergesetzt haben, warum die Länder des Südens als Entwicklungsländer bezeichnet und dies Armut, Hunger, Krankheit, Ausbeutung und Krieg bedeutet. Und was ihre “Entwicklung” be- oder sogar verhindert.
Heute, 45 Jahre später, hat sich an den Lebensverhältnissen der Menschen im Süden wenig verändert. Zwar ist der Hunger trotz steigender Bevölkerungszahlen zurückgegangen, ist die Entwicklung im technischen Bereich fortgeschritten, Krankheiten können wirksamer bekämpft werden, aber die innergesellschaftliche Ungerechtigkeit ist geblieben und so klafft die Schere zwische Arm und Reich immer weiter auseinander. Und eine ungerechte Weltwirtschafts”ordnung” verschärft diese Situation.
Gerechtigkeit in meinem Umfeld, in unserer Gesellschaft, weltweit denke ich immer im Zusammenhang mit Frieden; ja Gerechtigkeit ist die Bedingung für Frieden in Familie, Gesellschaft und Welt.

Die ARD-Themenwoche GERECHTIGKEIT dokumentiert und inszeniert vom 11.-17. November unterschiedliche Aspekte dieses Themas:
Ist es gerecht, dass Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen? Dass Bildungschancen von der sozialen Herkunft abhängen? Dass Soziale Berufe verhältnismäßig schlecht bezahlt werden? Und dass manche Kinder arbeiten müssen, anstatt zu spielen?
Das Thema wird hautnah (Textilproduktion), wirft Schatten auf unseren Arbeitsmarkt (Lohngerechtigkeit) und unser Wohnen (Mietgerechtigkeit). Befragt die Justizpraxis und die Religionen, …
Die große Vision der Botschaft Jesu ist das Reich Gottes der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Diese Vision ist denke ich für alle Religionen offen.
Mich als Christen verpflichtet sie, denn sie wird nur Wirklichkeit mit mir, mit meinem Tun, meinem Gebet – und Gottes Segen.                        GS 13. Nov 2018

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S. 226)


Den Tanker umbauen?

Ich hab’ es schon wieder getan: Auf Anfrage der Koordinatoren des synodalen Bistumsprozesses HEUTE BEI DIR habe ich zugesagt eine Teilprozessgruppe zu moderieren. Ich unterstütze damit den angestrebten Erneuerungsprozess im Bistum Aachen – als Bistumsangestellter. Bereits seit 5 Jahren bin ich in der Steuerungsgruppe eines Innovationsprozesses in unserer Pfarre – ehrenamtlich.
Auf alten Bildern wurde die Kirche als Schiff dargestellt mit vielen Menschen darauf und Jesus mitten unter Ihnen. Und in den siebziger Jahren haben wir begeistert das -evangelische- Lied vom Schiff, das sich Gemeinde nennt und durch die Zeit fährt gesungen. Die Begeisterung ist mir im Laufe meines Engagements für und meines Leben in und mit dieser Katholischen Kirche abhanden gekommen. Denn aus dem Schiff ist ein schwerfälliger Tanker geworden, auf dem nur noch wenige Menschen leben und arbeiten und der Ballast der Tradition, der Hierarchie, der Skandale und des Klerikalismus von oben und unten hat die frohe und befreiende Botschaft Jesu überdeckt. Hin und wieder gibt es Suchende, die unter all dem Ballast nachschauen und das Evangelium wieder neu für sich und ihr Leben entdecken, aber Treibstoff für das schwerfällige Kirchenschiff scheint diese Botschaft Jesu nicht mehr zu sein.
Als 2007 die Sinus Milieu-Studie U27 vorgestellt wurde, traf ein markanter Ausspruch einer 16 Jährigen: “Mit Kirche sieht man einfach Scheisse aus” den Nerv nicht nur vieler (noch) engagierter Jugendlicher, sondern auch den vieler ehrenamtlicher Erwachsenen, die sich im beruflichen, wie privaten Umfeld bis heute für dieses Engagement rechtfertigen müssen. Kirchenerneuerung “Ist das nicht eine Leiche schminken oder ein totes Pferd reiten? Du hälst ein überholtes, patriarchalisches und antidemokratisches System am Leben!”
Ja, ich habe ein Interesse an einer lebendigen Kirche , die sich der Botschaft Jesu verpflichtet weiss , diese Botschaft lebendig und zeitgemäß verkündet und die sich einsetzt für ein Gutes Leben für alle Menschen auf dieser Welt. Dafür arbeite ich hauptamtlich in dieser konkreten Kirche und ehrenamtlich mit und für Menschen, die mit mir auf der Suche sind nach fresh expressions of church, dieser Kirche.
Norbert Lüdecke -ein Kirchenrechtler- hat bei einem Vortrag zu den Ergebnissen der Mißbrauchsstudie gesagt, dass wer wirklich systemisch die Kirche verändern wolle, müsse den Druck auf sie erhöhen und die ehrenamtliche Mitarbeit verweigern. dagegen setzt Norbert Bauer, Leiter der Karl-Rahner-Akademie, in einem Kommentar, dass es den Druck von innen braucht, das Engagement für Veränderung, damit sich das System ändert.
Ich habe diese Kirche und ihren Auftrag für die Welt noch nicht aufgegeben. Beim Erneuerungsprozess kann es nicht darum gehen, den Tanker umzubauen zu einer Fregatte, sondern eher zu einer Fähre, die Welten verbindet und Menschen mitnimmt auf ihrer Lebensreise. Und warum nicht den Schrott recyclen und einen Leuchturm daraus bauen, ” dessen Licht vor den Menschen leuchtet ” und ihnen Orientierung gibt: “Sie sollen eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.” (Matthäus 5, 16)                    GS 6. Nov 2018

 

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
Was keiner sagt, das sagt heraus
Was keiner denkt, das wagt zu denken
Was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
Wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
Wo alle spotten, spottet nicht
Wo alle geizen, wagt zu schenken
Wo alles dunkel ist, macht Licht

Wo alle loben, habt Bedenken
Wo alle spotten, spottet nicht
Wo alle geizen
(Alle geizen)
Wagt zu schenken
(Wagt zu schenken)
Wo alles dunkel ist –
Macht Licht!

Text: Lothar Zenetti – Musik: Konstantin Wecker

Gesungen von Reinhard Mey und Konstantin Wecker 2010


Zuflucht und Kraft

In diesen Tagen scheint es an allen Ecken und Enden der Welt zu brennen:

Gewaltsame Ausschreitungen im Hambacher Forst, … Gruppenvergewaltigungen in Freiburg, … ein rechtsradikaler Militär gewinnt mit der Forderung Privatpersonen zu bewaffnen und der Ankündigung Brasilien von Schwarzen, Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern zu reinigen die Mehrheit der Brasilianer, … die EU macht die Grenzen für Flüchtende aus Afrika, dem Nahen und Fernen Osten dicht und kann sich nicht auf eine gerechte Verteilung einigen, … mit nationalistischen Egoismen gewinnen Politiker Wahlen, … die Folgen des Klimawandels sind überall auf der Welt hautnah erlebbar – dennoch bestreiten immer noch Politiker und Industrie den Einfluß der Menschen darauf und die Entcarbonisierung schreitet nur langsam und halbherzig voran, … die Plastikvermüllung der Welt nimmt katastrophale Ausmaße an und die Nachfrage ist ungebrochen, …

Und ich? Ich möchte mich am liebsten in meine kleine, heile Welt verkriechen, den Kopf in den Sand stecken und warten bis alles vorüber ist.
Wie Zukunftsperspektiven entwickeln und gestalten, damit Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt erhalten bleibt, wenn ich mich ohnmächtig und perspektivlos fühle?
Glaubende und suchende Menschen aller Zeiten haben ihre Hoffnung auf Gott gesetzt, auf den Gott, der sich in der Bibel als der Immer-da-seiende und Mitgehende bezeichnet hat (Exodus 3). In ihrer Not und Perspektivlosigkeit haben sie zu diesem Gott gebetet.
“Beten heißt mit Gott zu sprechen – ob es darum geht, Sorgen und Ängste zu teilen, um Vergebung zu bitten oder zu danken. So ist jeder Mensch nur ein Gebet weit von Gott entfernt. … Beim Beten geht es darum, Gott mitzuteilen, was einen bewegt. Das kann man mit fertigen Texten tun, mit eigenen Worten oder auch im Schweigen. Für Christinnen und Christen ist Gott ein Gegenüber, mit dem man genauso sprechen kann wie mit einem Menschen.” (Beten – EKD.de)
Eine besondere Form des Gebetes ist das Psalm-Gebet, dessen 2500 Jahre alte Sprache uns heute fremd vorkommt. Dabei bringen die Psalmen die Ängste und Hoffnungen, aber auch das Vertrauen auf Gott durch die Beter zum Ausdruck, in einer Welt zugwandten Sprache. Deshalb haben immer wieder Gott Suchende versucht die Psalmen mit den Bedrohungen und Ängsten, aber auch mit den Hoffnungen unserer Zeit zu verbinden.
Der holländische Priester und Dichter Huub Osterhuis hat alle Psalmen in unsere Zeit und in unsere Sprache übertragen und verdichtet.
Psalm 46 gibt mir Zuflucht und Kraft in diesen Tagen.                  GS 30. Oktober 2018

Gott unsere Zuflucht und Kraft.

Die Erde verändert sich. Er nicht.
Berge stürzen ins Meer,
Meere rasen und toben.

Doch Er ist eine feste Burg,
eine Stadt auf Felsen gegründet,
in Gärten angelegt –
glitzernde Ströme durchfluten Ihn
quer durch seine Mitte.

Gott unsere Zuflucht und Kraft.

Er wird etwas tun.
Er ist als Morgenlicht
mit einem großen Vorhaben auf den Weg gegangen:

Ende Krieg.

Er hat dem Sturmwind befohlen,
alles Waffenzeug zusammenzufegen
von überall auf der Erde –
gigantische Müllkippen.

Dann facht Er den Brand an:
Freudenfeuer, wild lodert es auf,
tief löscht es aus.

Ende Krieg.

Gott unsere Zuflucht und Kraft.

Huub Osterhuis, Psalmen – Verlag Herder 2014, S. 100f


“Bei Euch nicht!”

Macht und ihre Demonstration spielt in diesen Tagen in unserer Gesellschaft eine immer wirkmächtigere Rolle:
Sei es die “Macht der Strasse” bei den Demonstrationen am Hambacher Forst, die unteilbar-Demo in Berlin, die Anti-Brexit Demonstrationen in London oder im Osten unserer Republik die immer noch stattfindenden Pegida-Demonstrationen und ihre Geschwister.
Oder das Thema “Macht und Sex” (Die Zeit Nr. 43/2018), wie wir es in dieser Kombination immer wieder nicht nur aus amerikanischen Regierungskreisen präsentiert bekommen. Und nicht zuletzt als Machtmissbrauch, in vielen Bereichen unserer Gesellschaft bis hin zu den weltkirchenweiten Mißbrauchsskandalen mit einer Ursache im Klerikalismus.
Da trifft das Markusevangelium des vergangenen Sonntags angesichts des Machtgebahrens und Neids unter den engsten Freunden Jesu auf den Punkt, hält uns den Spiegel vor und fordert uns Christen (und auch die Parteien und Politiker, die sich so nennen)heraus :
»Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. Aber so soll es bei euch nicht sein! Im Gegenteil: Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.<< In diesem christlichen Anspruch ist kein Platz für Alpha-Tiere und Machtgehabe, erst recht nicht unter dem Zeichen des Kreuzes. Der Auftrag der Christen und ihrer Kirchen ist der Dienst an den Menschen und die Solidarität mit den Armen: “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, insbesondere der Armen und Unterdrückten aller Art , sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi”(2. Vatikanisches Konzil, 1965).
Macht und Einfluß haben dem Wohle aller Menschen auf diesem Planeten zu dienen – so soll es bei uns sein. GS 23. Okt. 2018

Gott lasse dein Leben gelingen

Der mütterlich-väterliche Gott sei dir nahe
in allem, was dir begegnet auf dem Weg deines Lebens.

Er umarme dich in Freude und Schmerz
und lasse aus beidem Gutes wachsen.

Ein offenes Herz schenke er dir für alle,
die deiner bedürftig sind.

Selbstvertrauen und den Mut, dich verwunden
und heilen zu lassen.

In aller Gefährdung bewahre er dir Seele und Leib
und lasse dein Leben gelingen.

ANTJE SABINE NAEGELI (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.30)


Gelassen bleiben

In dieser Zeit der Krisen (Entscheidungsnotwendigkeiten), Katastrophen (Umwendungen zum Schlechten) und politischen und religiösen Radikalisierungen fällt es mir schwer gelassen zu bleiben, nicht in Panik oder gar Depression zu fallen. Eine erste, spontane Reaktion ist dann oft eine Überreaktion. Dabei wäre eher nachdenken angesagt, strukturieren, differenzieren und dann erst Aktion.
“Es gehört zur Tragik von Menschen, dass wir in Situationen, in denen wir besonders gefordert sind, uns auf eine Weise in Aufgaben stürzen, die die Gefahr mit sich bringt, dass wir uns darin immer mehr verlieren. So leben wir immer weniger im Einklang mit uns selber” und unserem sozialen Umfeld. (Pierre Stutz)
Ich habe das Gefühl dass ich, dass diese Gesellschaft, in der ich lebe ihre Mitte verloren hat, ihre innere Kraft, ihre (Selbst-)Sicherheit. Ja, dass sie Gott verloren hat.
Aber ich, wir, diese Gesellschaft braucht diese innere Mitte, diese Selbstsicherheit und Orientierung, um gelassen die Herausforderungen unseres Lebens und der Zukunft dieser Welt anzunehmen und mit zu gestalten.                    GS 16. Okt. 2018

Meine Sehnsucht ist groß
ich selber zu werden
nicht gelebt zu werden
sondern aus meiner Mitte heraus
mich entfalten zu können

Meine Sehnsucht ist groß
mich lassen zu können
Idealbilder von mir loszulassen
damit ich immer mehr so werde
wie Gott mich von Anfang gemeint hat:
als sein Abbild

Meine Sehnsucht ist groß
mich zu finden
weil ich nur so Gott finden kann
im tiefsten Seelengrund,
wo ich sein darf vor aller Leistung

Meine Sehnsucht ist groß
mich lassen zu können
um in meinen Gaben
meine Lebensaufgabe zu entdecken
im Entfalten und Aufgeben meiner Gaben

Pierre Stutz (Einfach leben, Verlag am Eschbach 2004, S.39)


Change – Now

Der Sonderbericht des Weltklimarates IPCC, der am Wochenende veröffentlicht wurde (Zeit- Online …) bestätigt den gefühlten Eindruck dieses Sommers in Europa, dass sich die Erde schneller erwärmt als angenommen und “drohen den Wissenschaftlern zufolge dramatische Folgen für das Leben auf der Erde”.
Um die Erderwärmung noch auf 1,5°C zu begrenzen, wie bei der Klimakonferenz in Paris 2015 beschlossen, sind aber “schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen” not-wendig.
Diese Nachricht kam nicht unerwartet, die absehbaren Entwicklungen wurden aber bisher von Zivilgesellschaft, Politik, Wrtschaft und Industrie weitgehend ignoriert, bagatellisiert oder verdrängt.
Insbesondere der CO2 Ausstoß ist bis 2030 um 45% gegenüber 2010 zu reduzieren und bis 2050 auf 0 zu senken. Gleichzeitig muss der Anteil erneuerbarer Energieträger bis 2050 auf 70-85% gesteigert werden, bei gleichzeitiger Entwicklung von Verfahren, die der Atmophäre Kohlendioxid in großen Mengen entziehen.
Das fordert Wissenschaft und Forschung heraus genau wie die entsprechenden Technischen Umsetzer.
Vom “Verbraucher” -also von uns- wird ganz deutlich und konsequent gefordert: Weniger Energieverbrauch, erhebliche Verhaltensänderungen (Verringerung des Fleischkonsums, Umstieg auf verbrennungslose Automotoren, Fahrrad und ÖPNV. Dazu kommen private Mehraufwendungen für ökologisch angepasst produzierte Konsumgüter, …
Die Veränderung, ja der Versuch die Welt (noch) zu retten beginnt im Kopf und bei mir und als Gemeinschaftswerk aller. Der Bericht der Wissenschaftlicher ist ein drängender Appell endlich mit einer radikalen Änderung unseres Verhaltens zu beginnen und nicht darauf zu warten, ob die anderen auch ihren Beitrag leisten.
Das heisst bewusster leben, sicherlich auch sich einschränken und vor allem die globale Zukunft für alle Menschen im Blick haben.
Denn der biblische Auftrag lautet: Die Erde, die Schöpfung Gottes zu bebauen und zu bewahren (Genesis 2, 15)                  GS 9.Okt 2018

Herr, unser Schöpfer,
gesegnet hast du deine Geschöpfe,
Menschen und Tiere,
aus deiner Hand kommen sie und wir.
Deine Liebe hat uns zusammengebracht.
Wir haben uns von dir entfernt
und darum die Mitgeschöpfe preisgegeben
an Willkür, Ausbeutung und Experiment.

Herr, dein Segen bringe uns wieder zusammen.
Lass uns den Regenbogen erkennen,
der über uns und sie gespannt ist.
Mache uns wieder dankbar für dein Geschenk;
öffne uns die Augen für den Reichtum dieser Erde.

Segne uns durch neues Staunen .
Lass uns auf die Sprache achten,
die Bruder und Schwester Tier sprechen,
lass uns achten auf die Sprache
von Pflanzen, Blumen und Bäumen.

Segne uns durch neue Freude über alle Geschöpfe
und halte uns verbunden in dir.

Eberhard Röhrig,
Jeden Augenblick segnen – Verlag am Eschbach 2005, S. 198


Eine persönlich-kirchliche Erklärung

Unter all den Betroffenheits- und “Wir schämen uns”- Bekundungen in den vergangenen Wochen zum tausendfachen Missbrauchsskandals an Kindern und Jugendlichen (allein in Deutschland, die Dunkelziffer ist wesentlich höher) und den in der Folge geweiteten Blick auf den weltkirchlichen Skandal des Amtsmissbrauchs von Klerikern an Abhängigen, wie z.B. #NunsToo über den sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Beichtväter und geistliche Begleiter, werden immer wieder die strukturellen Ursachen dieses Skandals im Begriff des Klerikalismus zwar von der Untersuchungskommission benannt, aber von den Kirchenleitungen ohne konkrete Maßnahmen gefüllt. Kirche und ihre Hierarchie (heilige Ordnung) muss sich ändern, wenn dies die Ursache von Mißbrauch ist – aber wie?
Dafür Sorge zu tragen, dass durch verpflichtende Präventionsschulungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit auf frühes Erkennen sensibilisiert werden und entsprechende Situationen vermieden werden, ist seit einigen Jahren in den meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen und sozialen Einrichtungen Standard.
Sich bei den Opfern zu entschuldigen und diese zu entschädigen ist mehr als selbstverständlich. Es verbietet sich aber dabei von der katholischen Kirche als WIR und UNS zu sprechen, denn die Opfer waren und sind teilweise immer noch Glieder ebendieser Kirche. So wird die Verantwortung kollektiviert, statt personalisiert.
Die glaubhafte Verkündigung des Evangeliums, der Guten Nachricht von der bedingungslosen Liebe Gottes und die entsprechende Lebensgestaltung und Organisationsentwicklung ist Auftrag der Kirche als Gemeinschaft der an Christus Glaubenden. Jeder Einzelne ist dazu aufgefordert und berufen (aus Taufe und Firmung, wie immer wieder betont wird). Kleriker und Bischöfe sind ausgewählt seit der frühen Kirche als Diener an der Gemeinschaft und nicht zur Herrschaft über sie.
Die Wirklichkeit von Kirche, wie wir sie zur Zeit erleben, demotiviert alle Mitarbeitenden haupt-, wie ehrenamtlich. Ich und vielleicht auch wir brauchen neue Motivation für unserem Dienst an einer lebenswerten Welt für alle Menschen aus der Zusage Jesu: “Ich bin gekommen , um ihnen das Leben zu geben, Leben in Überfluss.”(Joh 10,10)
Deshalb schließe ich mich der persönlichen Erklärung meines Kollegen Joachim Braun aus Frankfurt an:
Ich bin immer noch überzeugt, dass das, was die Kirche hütet und in all den Missbräuchen so schändlich verraten hat, das Evangelium, ein großartiges, inspirierendes und lebenswertes Programm für jeden Menschen guten Willens ist, das es wert ist, dafür zu kämpfen, alles in der Kirche neu auf den Prüfstand zu stellen, inwieweit es dem Geist dieses Evangeliums entspricht.”     GS 2. Okt 2018

Gott
bleib nicht stumm
versteck dich nicht

wenn mir der Boden
unter den Füßen entgleitet
wenn meine Welt
zerbricht
wenn alles über mir
zusammenschlägt.

Überlasse mich nicht
dem Nichts

setz einen neuen
Anfang

schaff meinen Schritten
weiten Raum

führ mich in die Weite
die du bist.

Katja Süß
nach Psalm 18 (Segen für den Weg des Lebens, Verlag am Eschbach 2009, S.56)


Welt anschauen

Die Auseinandersetzungen um die Rodungen im Hambacher Forst bei Düren haben mir wieder mal deutlich gemacht, dass zivilgesellschaftliches und politisches Handeln mit meiner Sicht auf unsere Gesellschaft und unsere Welt zu tun hat. Welche Werte bestimmen mein Leben und Handeln, welche Perspektiven sehe ich für unsere Um- und Mitwelt, meine Zukunft, für diese Welt? Und woher kommt diese Welt-Anschauung. Neben Wertevermittlung in Elternhaus und Schule spielt meine Lebenserfahrung eine grosse Rolle und dies durchaus im wörtlichen Sinn.
Bei einem Infotag für Jugendliche, die nach Abitur oder Ausbildung einen freiwilligen, sozialen Dienst im Ausland machen wollen beeindruckte mich das Fazit der Teilnehmerinnen einer Gesprächsrunde, dass ihnen am meisten für ihre Entwicklung und für ihr Selbstbewusstsein das Kennenlernen und Eintauchen in eine völlig fremde Kultur gebracht habe, und dass sie dies auf keinen Fall missen möchten und allen versammelten Interessenten dringend empfehlen würden sich dieser Herausforderung zu stellen.
Charleen, die ein Jahr als Freiwillige in Afrika in einer Familie gelebt hat, berichtet, dass sie erlebt habe, wie es ist eine andere Hautfarbe zu haben, aus einem anderen Kulturkreis zu stammen, sich inkulturieren zu müssen, fremd zu sein. Sie hat mit Menschen und in einer Familie gelebt, wo sie grundsätzlich freundlich aufgenommen wurde und die zu ihrer Familie wurde. Sie hat eine Gemeinschaft erlebt, in der offen über gegenseitige Klischees gesprochen, diese bestätigt oder wiederlegt wurden und wo man gemeinsam darüber lachen konnte. Und sie habe durch dieses Erleben auch ihre eigenen Werte und Wichtigkeiten überprüfen müssen. Ihre Welt-Anschauung habe sich verändert.
Der Leitspruch des Freiwilligenprogramms mit dem Charleen ihre Erfahrungen machen konnte heisst “Zeig mir, wie Du lebst” Diese Bereitschaft auf einander zuzugehen, die Sichten und die Werte des Anderen kennenlernen zu wollen und sich über diese und die unterschiedlichen Ansichten austauschen zu wollen wünsche ich mir für alle notwendigen Auseinandersetzungen und Entscheidungen in unserer Gesellschaft.
“Neid und Selbstsucht führen zu Krieg und Streitigkeiten” schreibt Jakobus, der Bruder Jesu an seine Gemeinde im Jerusalem. Er stellt dagegen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Nur dies bewirkt nachhaltig Frieden in der Gesellschaft.
Welche Erfahrungen in der jeweils anderen Kultur würden Baumbesetzer, RWE-Manager, Polizeiverantwortliche und Minister machen, wenn sie sich wirklich aufeinander einlassen würden?
Sie würden danach die Welt anders anschauen.       GS 25. Sept. 2018

Ermutigung zum
Aushalten

Wenn die Ungerechtigkeiten der Welt
dir keine Ruhe lassen,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich voller Tatendrang
an die Seite der Armen zu stellen.

Wenn du zwar kleine Hoffnungszeichen erkennst,
aber das Leid in der Welt noch immer so groß ist,
dann wünsche ich dir den Mut,
diese Spannung auszuhalten.

Wenn du ungeduldig wirst
und verzweifelst,
wenn sich trotz aller Mühen
zu wenig bewegen lässt,
dann wunsche ich dir den Mut,
voll Gottvertrauen und Hingabe weiterzumachen.

Angela Lohhausen, Misereor-Fastenaktion 2012


Existenzbedrohend

Zwei Themen beschäftigen in diesen Tagen tausende Menschen und mich nochmal besonders:
Die skandalösen Ergebnisse der Studie zum Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche und die anstehende Rodung des mehrere hundert Jahre alten Hambacher Forstes für den Braunkohle-Abbau.
Meine Kirche, in der ich nicht nur Mitglied, sondern auch in vielfacher Weise schon seit Jugend an ehrenamtlich tätig bin und in deren klerikales System, der Hierachie (Heilige Ordnung) ich als Kirchenangestellter und Theologe auch existentiell eingebunden bin, hat seit vielen Jahrzehnten weggesehen, gedeckt und vertuscht, was kirchliche Mitarbeiter*innen und insbesondere Kleriker 3766 Kindern und Jugendlichen (dokumentiert) in den vergangenen 70 Jahren angetan hat und immer noch tut. Täter sind 5,1% der Diozesan-Priester der deutschen katholischen Kirche und wahrscheinlich kenne ich den ein oder anderen. Missbrauch zerstört die Glaubwürdigkeit der Kirche, die von Auftrag und Anspruch die Liebesbotschaft Gottes verkörpern soll und will, weil Kirchenführer ihre Macht über Abhängige und Unschuldige missbraucht haben.
Ich wohne 5 km vom Tagebau Hambach und 0,5 km vom Tagebau Inden entfernt. Der uralte Hambacher Forst verdeckt nicht nur den ökologischen Abgrund des Hambacher Loches, sondern war und ist ein kaum zu ersetzender CO2 Speicher, der zumindest ein bisschen den klimaschädlichen Ausstoß der Braunkohle- Verbrennung kompensiert.
Was bei diesem Raubbau an der Natur geschieht betrifft existentiell die Zukunft meiner Kinder und Enkel und dieses Planeten. Darüber hinaus schadet es auch unserem politischen System, wenn politische Vereinbarungen wie die Klimaziele durch Interessenpolitik unterwandert werden und die Regierungen in Stadt, Land und Bund sich wirtschaftlichen Interessen mehr verpflichtet fühlen, als einer lebenswerten Zukunft für alle Menschen auf diesem Planeten.

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.226)


Ich kann es nicht mehr hören und es macht mich sprachlos,

… wenn in diesen Tagen über Gewalttaten einzelner Flüchtlinge berichtet wird und wie begeistert dies von AfD und anderen rechtsradikalen Gruppen zum Anlass für Kundgebungen und Aufmärsche gemacht werden, die als Solidaritätskundgebungen und Trauermärsche etikettiert werden. Damit werden die Gefühle der Opfer und ihrer Familien missbraucht und das Volk verhetzt.
Dabei müssen wir im Gegenteil genau hinhören, was sich da -nicht nur im Osten der Republik- vollzieht: Die Destabilisierung, ja der offene Kampf gegen unsere freiheitliche Demokratie und seine Verfassung.
Und ich bekomme den Mund nicht auf, finde nicht die richtigen Worte des Widerspruchs!
Hinhören und richtiges Reden sind aber für unsere Gesellschaft existentiell wichtig. Wir leben von der offenen Kommunikation, von der freien Meinungsbildung und vom Austausch miteinander. Das ist die Basis unserer Demokratie.
Das Evangelium des vergangenen Sonntags (MK 7, 31-37) erzählt von der Begegnung Jesu mit einem Taubstummen: Er berührt ihn, spricht ihn an: “Öffne Dich!” und der Taubstumme kann hören und richtig sprechen.
Ich wünsche mir -auch wenn ich es nicht mehr hören kann und es mir die Sprache verschlägt, was Menschen anderen Menschen und unserer Gesellschaft antun- , dass ich mich gerade jetzt vom Schicksal der Menschen und von der gesellschaftlichen Krise berühren lasse und wieder die richtigen Worte finde, meinen Protest laut gegen das Unrecht zu setzen.

GS 11. Sept. 2018

Charitea …

… wird seit 2 Jahren in unserer Kneipe Chico Mendes angeboten. Der Name soll nicht nur – aber auch – das Marketing fördern und das Gefühl vermitteln, dass der Genuss eine Wohl-Tat für den Konsumenten ist, sondern auch den Erzeugern der Rohstoffe ein faires Einkommen garantiert und Bildungsprojekte gefördert werden.
Charity* als Produktbeiname wird vom Verbraucher mehr als positiv konotiert, denn der Gedanke der Charity ist insbesondere in den USA weit verbreitet. Charity gehört dort zum guten Ton in Wirtschaft und Gesellschaft.
Das deutsche Pendant Wohltätigkeit kommt dagegen muffig und uncool daher, erinnert eher an Briefmarkensammeln, denn an eine soziale Bewegung, die sich einsetzt für die Armen und Ausgegrenzten in der Gesellschaft. Wohltätigkeit gehört zu den obersten Tugenden in den Welt-Religionen und so wundert es nicht, dass ausgerechnet der Todestag einer katholischen Nonne (Mutter Teresa von Kalkutta) von den Vereinten Nationen zum Welttag der Wohltätigkeit ausgerufen wurde: 5. September

Survival of the fattest
im Hafen von Kopenhagen zur Klimaschutzkonferenz
Foto: Jesse Walker 2010

Offensichtlich müssen wir jährlich an diese Grundtugend der Christen erinnert werden, an unseren sozialen Auftrag der Nächstenliebe und daran, dass unsere Welt und unsere Gesellschaften durch Armut, Hunger und Ungerechtigkeit gekennzeichnet sind. Auf diesen Dauer-Skandal verweist der UNO-Gedenktag und stellt mit Mutter Teresa eine Aktivistin im Kampf gegen Armut, Hunger und menschliches Elend als Vorbild in den Mittelpunkt.
Charity-Aktionen kann jede und jeder von uns starten, am besten im eigenen sozialen Umfeld zur Wohl-Tat für einzelne Bedürftige und zum Benefit für unsere Welt.

GS 4. Sept. 2019

*Wohltätigkeit auch Benefiz (veraltend: Mildtätigkeit) ist das Wirken Einzelner oder von Organisationen zu Gunsten Bedürftiger durch „milde Gaben“ (Almosen, Geschenke, Spenden). Sie gilt seit alters als besondere Tugend vieler Religionen. Im Christentum, im Judentum, im Buddhismus und im Islam wird dies beispielsweise vom Einzelnen erwartet. (Wikipedia)


Ohrwurm

Ich habe seit heute morgen 6:30h wieder einen Ohrwurm: “But I still haven’t found, what I’m looking for”
Der Song von U2 (1987) drückt ein/ mein Lebensgefühl als Christ aus, damals wie heute. Ich habe das GottesReich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, auf das ich hoffe und an dessen Er-leben ich glaube, noch nicht gefunden. Aber bin ich auch wirklich auf der Suche?
Es ist ja kein Ort, sondern eher ein Zustand, ein Verhalten, eine Lebenshaltung, meine Lebenshaltung.
Das GottesReich der Gerechtigkeit der Liebe und des Friedens, von dem Jesus besonders in der Bergpredigt spricht, fällt mir nicht in den Schoß, es realisiert sich nur mit mir.
Dieses Dilemma drücken U2 in diesem Song aus: Wie kann ich etwas finden, das ich erwarte, erhoffe, ersehne, was so wesentlich von mir und meinem Verhalten abhängig ist? Nur darauf zu hoffen, dass Gott es schon richten wird – da kann ich lange suchen und immer wieder (still running).
Aber , der Ohrwurm erinnert mich und weckt wieder die Sehnsucht nach Liebe zu den Menschen meiner Mitwelt und zu Gott, verbunden und gelebt in dieser Welt.
Utopie (wo ist der Ort)? – Mein Lebens-Lauf-Ziel (I’m still running)!
GS 31. Juli 2018

Ich bestieg die höchsten Berge
Ich lief durch die Felder
Nur um bei dir zu sein
Nur um bei dir zu sein
Ich lief Ich krabbelte
Ich schabte die Mauern der Stadt ab
Nur um bei dir zu sein
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche

Ich küsste honigsüße Lippen
Fühlte die heilende Wirkung ihrer Fingerspitzen
Es brannte wie Feuer
Die brennende Sehnsucht
Ich sprach mit Engelszungen
Ich hielt die Hand des Teufels
Es war warm in der Nacht
Ich war kalt wie ein Stein
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche

Ich glaube an das Kommen des Reiches Gottes
Dann werden alle Farben in eine zusammenfließen
Doch ja, ich laufe noch immer
Du brachest die Bande
Du lockertest die Ketten
Du trugst das Kreuz
Und meine Schande
Und meine Schande
Du weißt, ich glaube es
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche
Aber bis jetzt habe ich nicht gefunden, wonach ich suche

U2 – The Joshua Tree 1987


Tag der Hängematte –

am Sonntag dem 22. Juli hätte ich mich am liebsten in selbige gelegt. Aber mal abgesehen davon, dass ich eine solche nicht besitze, lässt mich -auch an einem Sonntag- etwas in mir nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht ist es die Unterbrechung der Alltagsroutinen, vielleicht aber auch die Unfähigkeit abzuschalten, zu entspannen, was ganz anderes … zu tun?
Etwas (sinnvolles) tun müssen, aktiv sein, wozu?

Foto: Johannes Nadenau

Entspannen, das Leben genießen, aufmerksam werden für meine Mitwelt, das Schöne geniessen ohne machen zu müssen, in uns zur Ruhe zu kommen – Hängematte!
Das muss ich, das müssen wir Getriebenen, Machen-Müsser erst wieder lernen. Ich brauche dafür Ruhe, Abstand, Musik ….
Im Sonntagsevangelium höre ich, dasss Jesus seinen Freunden genau dies verordnet: ” Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.” (Markus 6)
Aber als sie dann dort ankommen sind die Leute schon wieder da und er kann sich ihnen und seinem Auftrag die Botschaft vom Gottesreich zu verkünden nicht entziehen. Immerhin gönnt er seinen Freunden und Mitarbeitern die Pause, die erholsame Unterbrechung, weil er weiß, dass sie diese, genau wie er auch brauchen, auch wenn noch so viel zu tun ist.
Eigentlich ist der Sommer, sind die Ferien und die Vorlesungsfreie Zeit für diese Unterbrechung vorgesehen. Eigentlich, wenn nicht, …
Nehmen wir uns die kleinen Auszeiten und Unterbrechungen, denn anschließend geht das Arbeiten und Lernen leichter – Work-Life-Balance.
Denn jetzt ist Sommer wie die Wise Guys -die weisen Jungs- singen:

Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert,
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.
Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht,
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht…
(Wise Guys)

GS 24. Juli 2018

Möge deiner Arbeit Bedeutung innewohnen.
Möge sie die Begabung von Händen
und Herz entfalten.
Möge sie dich erfreuen,
anderen wohl tun
und Gott sie sehen und segnen.

Möge deine Arbeit die Unterbrechung kennen.
Möge sie dich mit Lebendigem in Berührung bringen.
Möge sie Früchte tragen,
dich zuweilen überraschen
und Gott sie sehen und segnen.

Möge deine Arbeit dir Leib und Seele nicht verletzen.
Möge sie dich lehren.
Möge sie gerecht entgeltet,
ihr Tempo ein menschliches sein
und Gott sie sehen und segnen.

Möge deine Arbeit Wertschätzung erfahren.
Möge sie dir Fehler gestatten.
Möge sie dir Sicherheit schenken,
dein Leben nicht halbieren
und Gott sie sehen und segnen.

Jacqueline Keune (Segen für den Weg des Lebens, Verlag am Eschbach 2009, S.17)


Es ist … kompliziert

Wenn ich mir in diesen Tagen meine kleine Welt anschaue, mich an der Blütenpracht und den reichlich tragenden Obstbäumen, dem wolkenklaren Himmel und den lauen Sommernächten auf der Gartenterasse freue, dann bleibt immer ein Beigeschmack! Weil ich die außergewöhnliche Trockenheit ignoriere, daß die Bäume in der Stadt jetzt schon die Blätter abwerfen. Climate Change lässt sich auch in unseren Breiten nicht mehr leugnen.
Der Film EINE UNBEQUEME WAHRHEIT -mittlerweile 12 Jahre alt- den wir in der KHG zeigten, dokumentiert diese schleichende, in Kauf genommene Veränderung unseres Klimas mit ihren immer sichtbarer werdenden Folgen. Und er liefert Erklärungen und fordert -leider erst im Abspann- Maßnahmen, die jede*r Einzelne tun kann, um das Erschreckende abzuwehren. Aber es braucht den politischen Willen und die Bereitschaft von Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie, … entsprechende Rahmenbedingungen bereitzustellen, um die immer näher rückende Bedrohung des Lebens auf dieser Erde zu stoppen und zu kompensieren. Diese Allianz aller Player, die das Pariser Klimaabkommen im Dezember 2015 ermöglichte, bröckelt durch nationale Egoismen und individuelle Ignoranz.
Dieser Sommer ist für mich vordergründig erstmal schön, aber für manche schon in meiner Nachbarschaft, die direkt am Tagebau leben und denen das Grundwasser weggepumpt wird erschreckend. Für meine Freunde im südlichen Afrika ist der Klimawandel katastrophal, existenzgefährdend. Die Zukunft meiner Kinder und Enkel ist gefährdet. All das ist mir seit 1978 bekannt, als ich die amerikanische Umweltstudie GLOBAL 2000 las. Aber richtig bewusst wird es erst langsam, wo ich den Klimawandel spüren und sehen kann. Und das Gefühl der Ohnmacht wächst.
Die Studierenden,mit denen ich den Film gesehen habe, waren optimistischer, dass die Weltgemeinschaft nachhaltige Lösungen für eine lebenswerte Zukunft findet und umsetzt. Das wie und wann ist offen. Sie wollen sich daran beteiligen, ich kann und werde dafür beten.

Foto: Guido Schürenberg

Jetzt will ich mich am Sommer und am Leben freuen – dankbar, dass es mir so gut geht.

Die Wege
auf denen wir gehen
die verschiedenfarbigen Träume
an denen wir spinnen
unsere Erinnerungen
aus Licht und Dunkel
und die Bilder
in denen wir uns selbst
die Menschen
und Dich
Gott
denken
träumen
all dies bringen wir vor Dich:

Lege Du auf uns Deinen Segen
voller Stärke und Weisheit
und Mut des Herzens
Deinen mütterlichen Segen
lege auf uns

Lege Du auf uns Deinen Segen
voller Kraft und Fürsorge
und Zuneigung Deines Herzens
Deinen väterlichen Segen
lege auf uns

Lege Du auf uns Deinen Segen
voller Rat und Beistand
und Leidenschaft des Herzens
Deinen freundschaftlichen Segen
lege auf uns

Isabella Schneider (Segen für den Weg des Lebens, Verlag am Eschbach 2009, S.46)


Liebe …

Foto: Nastja Drofa

… heißt seit 2003 das Soloprogramm des Kabarettisten Hagen Rether. Er legt darin seinen Schwerpunkt auf gesellschaftspolitische Themen wie Religion, Massenmedien, Kapitalismus, Konsumismus und Globalisierung. Mit seiner spitzzüngigen “Pianoplauderei” , übernimmt er die prophetische Botschaft “die Verlogenheit der Konsumgesellschaft und des Establishments zu geißeln. Dies tut er subversiv, nonchalant und hundsgemein.” (Süddeutsche Zeitung)
“Hagen Rether verkörpert etwas, das selten ist: Eine Haltung. Er weicht nie aus, sondern bezieht Stellung, auch wenn die unbequem ist.” (Abendzeitung, Tina Schlegel)
LIEBE als Haltung dem Leben, der Gesellschaft, der Welt gegenüber kommt nicht moralisierend daher, sondern legt den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft und fordert auf zum Umdenken, zum wertorientierten Handeln..
Gerade dieser Tage, wo unsere christlichen Werte zwar verbal hochgehalten werden, aber in der Realität nicht nur missachtet, sondern ihnen zuwider politisch gehandelt wird, wird LIEBE zu einem provozierenden Programm – zur Weltanschauung.
LIEBE wird zu einem radikalen Gegenentwurf gesellschaftlichen und politischen Handelns. LIEBE wird zur Haltung, zum Grundwert meines Lebens, Denkens und Handelns, wenn sie mehr ist als ein Wort, eine Phrase.
Hagen Rether belässt es nicht bei LIEBE als Weltanschauung, sondern fragt , sich selbst einschliessend: “Wir haben es doch alle gesehen – wieso ändern wir uns nicht?”            GS 11. Juli 2018


Gerechtigkeit ist eine Frage der inneren Entwicklungsfähigkeit

Die Anlässe waren unterschiedlich, mein Thema in diesen Tagen das Gleiche: Es geht um Gerechtigkeit: biblisch, lokal, international, global. Es geht um eine Gerechtigkeit, die einen Ausgleich schafft zwischen arm und reich, einen Ausgleich in der großen Menschheitsfamilie, wie Papst Franziskus es im Film DIENER SEINES WORTES formuliert.
Das war der erste Anlass in der vergangenen Woche mich wieder dieser latent vorhandenen Frage auszusetzen. Wir haben es verdrängt, denn die Ungerechtigkeit ist zum Normalzustand geworden. Es steht nicht mehr das Gute Leben für alle Menschen im Zentrum unserer Politik, unserer gesellschaftlichen Bemühungen , sondern die Einzel-Interessen und Egoismen.
Das Thema ist nicht neu, wie der zweite Anlass, die sonntägliche Bibellesung, mir deutlich machte. Schon in frühchristlicher Zeit mussten insbesondere die Reichen (z.B. in Korinth) vom Apostel Paulus erinnert werden, dass sie ihren Reichtum und ihre privilegierte Stellung letztlich als Gottesgeschenk betrachten müssten, mit dem sie verantwortlich umgehen sollten und die Armen daran teilhaben lassen sollten (2 Korinther Kapitel 8 und 9). Gerechtigkeit schaffen als Antwort auf das von Gottes geschenkte gute und privilegierte Leben, “Freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl” (2 Kor 9,7) . ” Ihr sollt nicht selbst in Not geraten, weil ihr anderen aus der Not helft. Es geht nur um einen gewissen Ausgleich.
Heute habt ihr so viel, dass ihr ihnen helfen könnt. Ein andermal werden sie euch von ihrem Überfluss abgeben, wenn es nötig ist. Das meine ich mit Ausgleich.” (2 Kor 8, 13f) Ein christlicher Soli bzw. eine christliche Selbstverständlichkeit und Ausdruck der Dankbarkeit von Gott bedingungslos geliebt zu sein.
Die Zeitungslektüre (Afrika-Dossier in der Zeit) führte mich als dritter Anlass wieder vor das Thema, diesmal als (neo-)kolonialeAusbeutung, ungerechte Welthandelsstrukturen und Bildungsungerechtigkeit. Obwohl rohstoffreich sind die afrikanischen Subsahara-Staaten immer einkommensärmer geworden durch den Neokolonianismus internationaler Konzerne und Staaten, wie China und Saudi Arabien, die Land aufkaufen und bewirtschaften lassen und Rohstoffvorkommen exklusiv ausbeuten. Die Folgen: Korruption, Abhängigkeit, Armut, Hunger, Krankheit, Gewalt und Terror. Jugendliche haben keine Zukunftsperspektive, wenn die Familien nicht Schul- und Studiengebühren aufbringen können (siehe Projekt Schulfee-Zambia der KHG) und fliehen vor Armut, Hunger, Klimawandel und Gewalt nach Europa. Sie haben aber hier als “Wirtschaftsflüchtlinge” keine Chance auf Einwanderung oder Asyl, sondern werden in Internierungslagern in Nordafrika festgesetzt, bezahlt von den Europäischen Regierungen, als Sklaven verkauft, vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen oder verschleppt und in der Wüste ausgesetzt. Christliche Solidarität auch als Leitmotiv politischen Handelns?
Eine Anfrage einen Kreuzweg für die Fastensolidaritätsaktion MISEREORs zu gestalten führt mich zum vierten Mal vor das Thema, diesmal speziell zum Thema Bildungsungerechtigkeit und Armut als Ursache für Gewalt und Terror in El Salvador. Und damit schließt sich gewisssermaßen der Kreis.
Ausgleich schaffen zwischen Arm und Reich auf diesem Planeten (Oxfam: 42 Reiche besitzen so viel wie 3,7 Milliarden Arme) aus Dankbarkeit für das eigene gute Leben und in Solidarität mit den Brüdern und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie mich einsetzen für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten. – Dafür brauche ich noch viel innere Entwicklungsarbeit, Anstösse und Visionen von außen,…
wie z.B. Herbert Grönemeyer, Stück vom Himmel.             GS 4. Juli 2018


Sorgenfrei

“Ich zähle täglich meine Sorgen …” war ein Schlager aus der gleichnamigen deutschen Filmkomödie (1960) mit Peter Alexander. Ein typischer heile-wirtschaftswunder-welt Film.
Ähnlich belanglos, da nicht existenziell, ist mein tägliches Sorgen: was koche ich heute abend, was ziehe ich heute an, erreiche ich meinen Zug pünktlich, haben wir noch genug zu trinken für das Fußballspiel, …
Die Menschheit hat dagegen existenzielle, drängende Sorgen, die wir teilen müssen und nur gemeinsam angehen können: Klimawandel, Krisen und Kriege, Hungersnöte und Gewalt – und alles bedingt einander. Mich betrifft am meisten, die Sorge um die Zukunft unserer Kinder und Enkel auf diesem wunderbaren Planeten. Im Englischen viel differenzierter (to worry about) unterschieden vom “guten” Sorgen für …, die Sorge um und für Andere, die Sorge umeinander. … (to care about)
Ähnlich wie im o.g. Schlager beschäftigen uns diese kleinen, individuellen und großen, existenziellen Sorgen. Sie belasten uns, binden unsere Aufmerksamkeit und Kreativität. Wir kreisen um uns und diese Sorgen.
Da trifft mich der Satz Jesu aus der Bergpredigt: Besteht das Leben nicht aus mehr als nur Essen und Kleidung? … Können all eure Sorgen euer Leben auch nur einen Augenblick verlängern?
Unser tägliches Sorgen ist belanglos und Ausdruck unseres Unglaubens, denn Gott weiss, was wir brauchen und er sorgt für uns. Wir sollen gelassener und weniger selbstbezogen sein und uns stattdessen um die wirklich existenziellen Dinge kümmern, um Gerechtigkeit und Frieden in einer Gesellschaft und Welt, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht.
So gesehen ist mein tägliches Sorgen kleinlich und kleingläubig.
>>33 Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. 34 Deshalb sorgt euch nicht um morgen – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt.« (Matthäus-Evangelium, Kapitel 6)


Don’t be a MAYBE …

Foto: Thomas Richter-Alender

… war der Slogan einer inzwischen verbotenen Zigarettenwerbung. Er griff die Etikettierung einer ganzen Generation auf, die der Journalist  Oliver Jeges quasi in einer Selbstdefinition als Generation ohne Eigenschaften, ohne Profil – zwar gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut zu Entscheidungen bezeichnet.
Sie kommen nicht mit der ihnen gebotenen “Anything goes!”-Mentalität klar, die vielen Optionen, die ihnen offen stehen, überfordern sie. Getrieben von einem Individualitätszwang sind die “Twentysomethings” kaum noch unter einem gemeinsamen Begriff zusammenzufassen – außer vielleicht unter dem der “Zweifler”. Dinge auszuprobieren und nicht zu allem schon eine Meinung zu haben, sondern “vielleicht” zu sagen, sei ein Kennzeichen dieser Generation.
Ich finde es sehr pauschalisierend so eine ganze Generation zu etiketieren und mein Erleben von Studierenden kennt auch andere Erfahrungen. Dennoch, diese Orientierungslosigkeit und das sich (noch) nicht festlegen können oder wollen ist ja auch die Scheu und vielleicht auch die Angst sich zu binden und Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für andere und für die gemeinsame Zukunft.
In der biblischen Tageslesung vom Samstag, 16. Juni fordert Jesus seine Follower auf: Euer Ja sei ein Ja und Euer Nein ein Nein – Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt. (Mt 5, 33-37)
Hatte es Jesus schon mit MAYBEs zu tun? Nein, ihm ging es nicht um notwendige Entwicklung, sich und etwas auszuprobieren, eine Lebensrichtung zu finden. Ihm geht es um Verläßlichkeit, um Glaubwürdigkeit. Ob ich mit jemandem rechnen kann und er mit mir.
Wir erleben z.Zt. auf der politischen Bühne diese Unzuverlässigkeit und Wankelmütigkeit, gegen die sich schon Jesus gewandt hat. Da werden mit viel Aufwand Verträge ausgehandelt und Spitzentreffen inszeniert und dann reicht ein Tweet oder eine bevorstehende Wahl, um alle Absprachen von jetzt auf gleich zu kippen.
Bin ich auch manchmal ein MAYBE, der sich nicht festlegen lässt oder aktiv seine eigenen Zusagen hintertreibt? -Das wäre in der Tat vom Bösen!                    GS 19. Juni 2018

ICH HOFFE, WÜNSCHE, BITTE, BETE

Ich hoffe,
dass es irgendwann einmal
möglich sein wird,
dass alle Menschen auf der Erde
tolerant und respektvoll
miteinander umgehen.

Ich wünsche mir
eine Welt ohne Wettrüsten
und ohne Krieg,
eine Welt, in der kein Mensch
Angst um sein Leben haben muss.

Ich bitte,
dass es der Medizin bald gelingen wird,
alle bis jetzt noch unheilbaren Krankheiten
behandeln und erfolgreich bekämpfen
zu können.

Ich bete
für eine Zeit, in der kein Bewohner
dieses Erdballs
hungern und dürsten muss,
und für humane Lebensbedingungen
auf jedem Fleck dieser Erde.

Ich hoffe, bitte, bete
und ich wünsche mir all dies,
aber es fällt mir schwer zu glauben,
dass dies wirklich einmal Realität werden könnte.

Susanne Thielert (Love&Pray, Verlag Haus Altenberg 2011, S.22)


Great Again oder Degrowth?

Foto: Guido Schürenberg

Er schafft es immer wieder die Welt zu spalten. Donald Trump vernichtet mit seinem nationalegoistischen Mantra “Let’s make America great again” jegliche auf Zusammenarbeit ausgerichtete internationale Entwicklungsarbeit für ein “Gutes Leben für alle”, der Entwicklungsvision der Vereinten Nationen. Wir als Menschen brauchen aber solche Visionen , die zukunftsfähig und nachhaltig sind, damit dieser blaue Planet, wie wir ihn dieser Tage durch den Astronauten Alexander Gerk immer wieder vor Augen geführt bekommen, auch weiterhin Heimat für uns Menschen sein kann.
Again suggeriert ein Wiederholen, bestenfalls ein Anknüpfen an einen Zustand und an die damit verbundene Zeit, die als “großartig” empfunden wurde. – Von allen? Oder ist auch dies nur ein schön gemalter Mythos, um die gekränkte Seele weißer, amerikanischer Männer der unteren Mittelschicht, die sich als Verlierer der Globalisierung fühlen zu mobilisieren und sich von ihnen ein Veränderungsmandat geben zu lassen, damit reiche, alte, weiße Männer Amerika entsprechend ihren Interessen gestalten können. Die anderen Völker und Nationen haben diesen Interessen zu dienen.
Nationaler Egoismus und “früher war alles besser” bietet aber gerade angesichts der auch in den Vereinigten Staaten von Amerika spürbaren Weltproblemen des Klimawandels und der sozialen Ungerechtigkeit keine nachhaltige Vision.
Anders dagegen die internationale Degrowth-Bewegung: “Unter Degrowth oder Postwachstum verstehen wir eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebenswelt und ein umfassender kultureller Wandel notwendig. …”
Diese Vision greift die Leitziele der Vereinten Nationen auf und knüpft so an die Botschaft Jesu vom Gottesreich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens an. Eine so beschriebene Zukunft braucht den Wandel im Denken, die Begeisterung für ein Gutes Leben für alle, den Mut Unrecht beim Namen zu nenen und für Veränderungen sich einzusetzen und die Kreativität in einzelnen Aktionen diese Vision zu erden und erfahrbar zu machen – das wäre in der Tat GROSSARTIG.
GS 12. Juni 2018

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wi!ma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.226)


Erklärungsbedarf

In diesen Tagen scheint es einen großen Bedarf an Erklärung zu geben:
Jeden Tag werden wir -Dank EU-DSGVO- aufgefordert ausdrücklich zu erklären, dass wir einverstanden sind, dass unsere persönlichen Daten, die die auffordernde Institution, Firma, Verein, … über und von uns gesammelt hat, weiterhin genutzt werden dürfen, um uns Newsletter und Werbung zuzusenden.
Anlass sich zu wundern, wer alles über welche unserer persönlichen Daten verfügt und andererseits Gelegenheit die Fülle dieser eMails -hoffentlich- zu reduzieren.
Herr Gauland erklärt das nationalsozialistische Terror-Regime als einen “Vogelschiss” in der deutschen Geschichte. Hoffentlich Anlass für Demokraten sich zu positionieren für Verantwortung gegenüber den Opfern dieses Regimes und für Rechtstaatlichkeit und Respekt, gegen Volksverhetzung.
Der Vatikan -genauer gesagt die Glaibenskongregation mit ausdrücklicher päpstlicher Unterstützung- erklärt die “Handreichung der deutschen Bischöfe zum Kommunionempfang von nicht-katholischen Ehepartnern” für noch nicht veröffentlichungsreif.
Anlass für Appelle konfessionsverbindende Paare zu stärken in ihrer Glaubenspraxis und die Familien, Priester und Gemeinden nicht noch mehr zu verunsichern (Zentralkommittee der deutschen Katholiken) und “eine einmütige Regelung in der Bischofskonferenz zu finden”(Kardinal Marx)

Blick nach vorn
Documenta – Kassel
Foto: Thomas Richter Alender

Im allgemeinen Sprachgebrauch des Alltags beschränkt sich die Erklärung auf die Erläuterung der Bedeutung eines Wortes, Vorgangs oder Zustands oder stellt einfach eine Rechtfertigung oder Rechenschaft für ein bestimmtes Handeln, Dulden oder Unterlassen dar. (Wikipedia)
In Erklärung steckt das Wort klären (lat clarare) = aufhellen. Die derzeitigen Erklärungen tragen dazu wenig bei, sie vernebeln und verdüstern die gesellschaftliche und kirchliche Wahrnehmung und Kommunikation.
Anlass mich zu positionieren? – Nicht als Opfer, sondern als Auf-klärer, der die Hintergründe entdeckt, Interessen offenlegt, eine eigene Meinung bildet und für Klarheit sorgt. – So wahr mir Gott helfe!

GS 5. Juni 2018

Der Du den Strahl der Klarheit schickst:
Decke die trüben Intrigen
und dunklen Machenschaften auf.
Enttarne die üblen
Aushorcher, Ausnutzer, Ausbeuter.
Verstöre die versteckten
Brutstätten der Zerstörung.
Zerschneide den Drahtziehern
der Zerbombung die Drähte.
Verdirb den offenen und verkappten
Waffenhändlern das Geschäft.
Wirf die Tische um auf den Märkten
des schmählichen Profits.
Reiß der hocheleganten Mafia
die Masken von den Gesichtern.
Den Verfälschern der Erde
entziehe den Boden unter den Füßen.
Und hilf, den Duft und die Atmosphäre
der Wahrheit zu verbreiten.

Wolfgang Dietrich (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.48)


Geist Zeiten

Er ist in diesen Tagen Thema – der Geist von gesellschaftlich/ politischen Bewegungen. Nicht christlich-kirchlich anlässlich Pfingsten und Dreifaltigkeitssonntag als Heiliger Geist, sondern als gesellschaftsverändernde, inspirierende und motivierende Kraft.

Foto: Thomas Richter-Alender

Der rechtsradikale Brandanschlag auf ein Haus der türkischen Großfamilie Genc in Solingen vor 25 Jahren wird in einer Reihe genannt mit den fremdenfeindlichen Haß- und Gewalt-Anschlägen in Hoyerswerda, Hünxe, Rostock-Lichtenhage und Mölln der beginnenden 90er Jahre. Die Anschläge in Mölln und Solingen waren, wie die späteren NSU- Morde, rechtsradikal motiviert und “Solingen” wurde zum Synonym für gewaltbereiten Fremdenhass.

Diese gewaltbereite, rassistische Szene ist längst zu einer Bewegung geworden, die mit der AFD auch eine parlamentarische Basis hat.
Dagegen standen die 68er grund-sätzlich außerhalb der parlamentarischen Politik (APO = Außerparlamentarische Oppositon), sie standen gleichzeitig für das DAGEGEN zu Faschismus, Unterdrückung, das bürgerliche Establishment und für das DAFÜR zu Emanzipation, individueller Freiheit und eine offene, tolerante Gesellschaft.
Auch diese Bewegung hatte einen gewaltbereiten Auswuchs im antikapitalistischen Kampf der RAF in den 70er jahren und fand eine parlamentarische Gestaltungsmöglichkeit in den GRÜNEN.
Und “wes Geistes Kind” sind wir? Was bleibt von der “Studentenrevolte von 68”?
Meine Jugend in den 70er Jahren war sehr stark durch die Aufbrüche “der 68er”, das freiheitliche, gesellschaftliche Klima in Deutschland geprägt. Sie haben mein politisches, wie theologisches Denken und mein gesellschaftliches, wie kirchliches Handeln stark beeinflusst und das nachhaltig.

Umsomehr befremdet mich die Aussage jetziger Aachener Studenten: “Der revolutionäre Duktus an Unishat sich zum Glück in Luft aufgelöst” (Arno, Automatisierungstechnik) … “In Aachen liegt das besonders an der unpolitischen Mentalität der Studenten, das ist die Wesensart der Techniker. Schon damals gab es ja den Spruch “Berlin brennt. Aachen pennt.” Die Bewegung spielt auch heute keine Rolle mehr” (Henning, Geografie).
Das Fazit von Julie (Politikwissenschaft) lässt mich hoffen, dass etwas vom bewegenden, verändernden Geist geblieben ist: “Hinterfragen und Dinge nicht als gegeben hinnehmen: Das ist etwas, das wir von den 68ern lernen können. Wir sollten die Diskussion wieder mehr aufleben lassen.” AZ- Sonderbeilage 68er

GS 29. Mai 2018

Die sagen, der Mensch
sei ein Wesen aus Fleisch und Blut
warmherzig, wehmütig, schutzbedürftig

Sie übersehen das Wasser
aus dem er vor allem besteht
unentflammbar, neutral, geschmacklos

Sie übersehen den Kalk
der seine Glieder hart macht
und sein Gedächtnis löscht

Bleibt er allein, hat er die Wahl
bei aufrechter Haltung
die Fassung zu verlieren

Innerlich zu zerbrechen
äußerlich zu zerfließen
oder sich zu vergessen

Ecce homo- seht diesen Menschen
warmherzig, sanftmütig, grausam verspottet
einsam, verraten, getötet

Er sagte, der Mensch
sei ein Wesen aus Geist und Gott
und nannte uns seine Brüder und Schwestern

Bernd Kebelmann (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S. 113)


Flammende Begeisterung

gab es an diesem Pfingstwochenende reichlich: Die Royale Hochzeit in England, der überraschende Sieg von Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalendspiel, … und so manches andere öffentliche Ereignis.
Dagegen hat das kirchliche Leben dieser Tage offensichtlich wenig mit Begeisterung zu tun. Auch der Blick in die besuchten oder medial vermittelten Gottesdienste war wenig begeisternd. Man würde eher sagen Business as usual – die gleichen immer weniger werdenden Gesichter. Kein Sturm in den Kirchenmauern, der die Menschen auf die Strassen und Plätze hinaustreibt, wo sie andere begeisternd von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung erzählen.

Foto: Jo Hadwiger

Die Kirchen sind kein Ort mehr für Begeisterung, wenn man von Jugend- und Kirchentagen oder Intensiverlebnissen wie Taizé oder ähnliche spirituelle Orte einmal absieht.
Vielleicht müssen wir ja auch den Geist wieder neu in uns entdecken und spüren – ohne vergeistigt, also eher entrückt durchs Leben zu laufen.
Den Geist in uns neu entdecken, der uns im und “durch’s Leben trägt”.                       GS 22. Mai 2018

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen.

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsal hält,
weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Pfingst-PSALM, Hanns Dieter Hüsch (* 6. Mai 1925 in Moers; † 6. Dezember 2005 in Werfen) war ein deutscher Kabarettist, Schriftsteller, Kinderbuchautor, Schauspieler, Liedermacher, Synchronsprecher und Rundfunkmoderator.)
aus: Hüsch/Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz – tvd-Verlag, Düsseldorf, S.140


Fair ändern

Foto: Johanna Hadasch

Wer die Facebook-Seite der KHG-Aachen abonniert, bekommt jede Woche Videoclips zu sehen, in denen es um gut aufbereitete und wissenschaftlich fundierte Informationen zu globalen Umweltproblemen geht. Lehrreich, Bewusstsein schärfend, aufrüttelnd, … bestärkend, dass man ohnehin nichts ändern kann? …
Das hat doch nichts mit Glauben zu tun! Oder doch?
Als Christen haben wir den Auftrag uns einzusetzen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.
Die oben genannten Beiträge sollen anstössig sein im besten Sinne des Wortes, dass wir unseren Konsum ändern, da wo er Ursache für die ökologischen Krisen unserer Erde ist. Eine globalisierte Welt braucht Menschen, die ihr Handeln überdenken, ihre Konsumgewohnheiten verändern und so teilnehmen an einer weltweiten Bewegung für ein lebenswertes und gutes Leben für alle Menschen auf diesem Planeten Erde.
Das fängt beim Verzicht auf den Plastikstrohhalm (wer braucht den eigentlich, außer wenn er/ sie krank ist) an, denn da wird’s konkret. Wenn wir allerdings nicht zum Verzicht auf so manches Überflüssige bereit sind, hört es hier auch schon auf, denn die Welt fairändern zu wollen ist eine Grundeinstellung, die aus unserem Auftrag als Christen erwächst.
Jedes Handeln verändert, hat Folgen. An mir ist es dass diese Folgen FAIR sind, d.h. gerecht. Fairändern hat mit Verzicht zu tun und mit Entdecken. Unser täglicher Konsum ist ja nicht alternativlos. Im Gegenteil er zeugt eher von einem Mangel an Kreativität und Offenheit alternativ neues zu entdecken … und zu tun.
Mein Handeln soll die Welt FAIRändern!                               GS 15. Mai 2018

SICH VERWANDELN

Hoffnung lebt in mir:
Dass sich Hass in Versöhnung
Ohnmacht in Zuversicht
Gier in Teilen
Verkram pftheit in Zärtl ichke it
verwandeln möge

Aus dem Entdecken
der göttlichen Quelle in mir
erwachse mein Vertrauen
in Deine Verheißung

Verwandle mich, Gott
rühre mich an mit Deiner Segenskraft
Sprich mir all tägl ich Gutes zu
damit Du in mir weiterträumen kannst
wie verhärtete Beziehungen
ausweglose Momente
in Hoffnungsschritte münden

Pierre Stutz, Einfach leben, Verlag am Eschbach 2004, S 25


Strahlend

Foto: Tilman Frosch

begann dieser Morgen. Die mediterane Sonne, die klare Luft mit sommerlichen Temperaturen und die explodierende Pflanzen- und Farben-Vielfalt in der Natur wecken alle Lebensgeister und machen Lust auf diesen Tag und lassen die Arbeit leichter erscheinen.
Dieses sommerliche Lebensgefühl begegnet mir auch in den Gesichtern der Menschen auf dem Weg und es strahlt zurück.
Und während ich dieses unbeschwerte Lebensgefühl in der strahlenden Sonne dieses Morgens geniesse, klingen in mir Sätze aus dem Sonntags-Evangelium nach: “Ihr seid meine Freunde … ich habe euch erwählt … Liebt einander!” (Johannes-Evangelium 15)
Und weil die Welt so schön ist im Moment, kann ich nachdenken: Was ist für mich Freundschaft? Wer sind diese meine Freunde, die ich erwählt habe? Wer hat mich zum Freund erwählt? Was ist attraktiv -anziehend- daran mit mir befreundet zu sein?
Und ich frage tiefer: Was erwarte ich von einer Freundschaft? Und was erwartet dieser Jesus, wenn er mich als Freund bezeichnet?
Tiefsinnige Fragen – an einem strahlenden Frühlings-Sommer-Tag verbunden mit dem Auftrag, der deutlich macht was Freundschaft ausmacht:
“Liebet einander!”                                  GS 8. Mai 2018

GOTT KANN MAN SPÜREN

Ich glaube an Gott,
der über allem steht,
der die Weit erschaffen hat,
um uns Menschen das Leben zu schenken.

Ich glaube, dass Gott
uns die Liebe schenkt,
damit wir andere Menschen
glücklich machen
und anderen verzeihen können.

Ich glaube, dass Gott uns Menschen
die Hoffnung schenkt,
damit wir nie den Mut verlieren
und auch in aussichtslosen Situationen
ein Ziel vor Augen haben.

Ich glaube ganz fest daran,
dass man Gott in jedem von uns
wiederfinden kann und man ihn,
wenn man sich nur darauf einlässt,
in jeder Blume, jedem Baum, jedem Tier
und jedem Atemzug spüren kann.

Petra (Love & Pray ,Verlag Haus Altenberg 2011, S.114)


Aufgebraucht

Die Positionierung im Nachrichtenranking macht es deutlich, welchen Stellenwert wir der Katastrophe beimessen und wie wir sie im täglichen Leben verdrängen.
Platz 1 heute hat die expandierende Aufrüstung weltweit: Rüstungsausgaben steigen weltweit
Es wird so stark aufgerüstet wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Spitzenreiter sind die USA. Auch China und Saudi-Arabien investieren kräftig in Waffen und Militär. …
Und erst zuletzt die katastrophale Information, die anscheinend nur noch Resignation hervorruft:
Ökologischer Fußabdruck – Alle Ressourcen für 2018 aufgebraucht. Deutschland überzieht ab morgen sein ökologisches Konto für 2018 und lebt auf Pump. Ausbaden müssten das nachfolgende Generationen und die Menschen im Süden, sagen Umweltschützer.

Die weltweite Aufrüstung mag das Sicherheitsgefühl besänftigen oder Kriegsängste verstärken -je nach Blickwinkel- aber der Verbrauch der natürlichen Resourcen der Erde ist Fakt und unumkehrbar. Er geht zu Lasten unserer Kinder und Kindeskinder und der Menschen im globalen Süden, die deutlich weniger Resourcen verbrauchen als die Industrienationen im Norden.
“Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte 1,7 Erden, um den globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland und Wäldern nachhaltig zu decken. Der weltweite “Erdüberlastungstag” wird im August erwartet. Er ist in den zurückliegenden Jahrzehnten immer weiter nach vorn gerückt: 1987 war das Ökokonto nur leicht überzogen: Damals lag der Earth Overshoot Day “erst” am 19. Dezember. Im Jahr 2000 fiel er auf den 23. September. 2008 – vor 10 Jahren – war es der 16. August. 2017 der 2. August.” (ZDF-HEUTE 1.Mai 2018)
Innerhalb einer Generation ist unser Verbrauch so rasant angestiegen ohne dass wir es wahrgenommen haben und auch jetzt noch nehmen wir es achselzuckend hin. “Kann man halt nix machen”
Sind wir etwa Opfer einer weltweiten Zwangsläufigkeit, die auf das Ende der menschlichen Existenz auf diesem Planeten zurast?
Und “die Mächtigen” bedienen ohnehin nur die Bedürfnisse von Industrie und Wirtschaft und vermeiden aus Angst nicht wiedergewählt zu werden uns, die Verbraucher zu nachhaltigen Einschränkungen aufzufordern, bzw. belassen es beim folgenlosen Appell?
Wie war noch gleich der Auftrag Gottes an den Menschen, den er nach seinem Abbild geschaffen hat, angesichts der Schönheit und Fülle der Schöpfung, des Paradieses auf Erden: “Gott, der HERR, brachte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren.” (Gen 2,15)
Wir sind also Täter nicht Opfer, unser Auftrag ist es alles daran zu setzen diese Erde zu bewahren und damit eine lebenswerte Existenz für alle dauerhaft zu sichern.
Wider die Resignation hilft nur der bewusste Verzicht – und der fängt im Kleinen und bei uns und jetzt an.
GS 2. Mai 2018

Foto: Benjamin Fuhrt

Herr, unser Schöpfer,
gesegnet hast du deine Geschöpfe,
Menschen und Tiere,
aus deiner Hand kommen sie und wir.
Deine Liebe hat uns zusammengebracht.
Wir haben uns von dir entfernt
und darum die Mitgeschöpfe preisgegeben
an Willkür, Ausbeutung und Experiment.

Herr, dein Segen bringe uns wieder zusammen.
Lass uns den Regenbogen erkennen,
der über uns und sie gespannt ist.
Mache uns wieder dankbar für dein Geschenk;
öffne uns die Augen für den Reichtum dieser Erde.

Segne uns durch neues Staunen.
Lass uns auf die Sprache achten,
die Bruder und Schwester Tier sprechen,
lass uns achten auf die Sprache
von Pflanzen, Blumen und Bäumen.

Segne uns durch neue Freude über alle Geschöpfe
und halte uns verbunden in dir.

Eberhard Röhrig (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.198


Mir reicht’s – Ich fang an

Es springt ins Auge, stinkt zum Himmel, verseucht die Umfeld und wird endlich als Problem auch in immer größeren Kreisen unserer Konsumgesellschaft erkannt: Plastik
Populärwissenschaftlich sollten wir als Verbraucher eigentlich schon seit langem sensibilisiert sein. Ich erinnere mich , dass ich vor mehr als 20 Jahren zusammen mit meinen Kindern einen Beitrag in der SENDUNG MIT DER MAUS zum Thema wie allgegenwärtig Plastik in unserem Leben ist. Zwischenzeitlich haben der grüne Punkt und der Gelbe Sack unser allmählich unruhiges Umwelt-Gewissen beruhigt: Wenn wir gut den Müll sortieren, wird er recycelt. Der Abfall unseres Konsums wird zum Wertstoff. In der bundesdeutschen Realität werden allerdings noch nicht einmal 20 Prozent der Plastikverpackungen wiederverwendet.
Seitdem sich China weigert unseren Plastikmüll zu übernehmen und auch andere Länder des Südens sich weigern mit unserem nicht verrottbaren Müll ihre noch halbwegs intakte Umwelt zumüllen zu lassen bzw. mit ihrem eigenen Plastikkonsum genug Probleme haben und nun ihrerseits radikale Verbote von Plastikverpackungen aussprechen (Ruanda 2008) haben wir ein offensichtliches Problem.
Wenn jemand bis hierher gelesen hat und sich fragt, was soll das in einem Block der besinnzeit.de/Unterbrechung-Mittendrin heisst und alltagsspirituelle Akzente setzen will, der/ die sei verwiesen auf zwei biblische Texte, an denen ich nicht vorbei kann:
In der Schöpfungserzählung wird die Erde dem Menschen zur Fürsorge anvertraut und Gott ermächtigt ihn dazu entsprechend die göttliche Schöpfung zum Wohle aller Lebewesen zu nutzen und sie für alle Generationen zu erhalten ( Genesis 1,27-31). Aber da der Mensch immer zuerst an sich und sein eigenes Wohlergehen denkt verkündet der Prophet Amos in Gottes Namen: Weh euch, ihr Sorglosen … , Ihr Selbstsicheren …. , Ihr Vornehmen … , bei denen die Leute Rat und Hilfe suchen!
… Ihr meint, das Unheil sei noch fern – dabei habt ihr ein System der Unterdrückung und Ausbeutung eingeführt! Ihr lebt im Wohlstand und geniesst den Luxus, aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt. … (Amos 6)
Eingedenk dies göttlichen Auftrags und der prophetischen Mahnung und angesichts der Gelben Tonne des monatlich in unserem 3 Personen Haushalt anfallenden Verpackungsmülls fange ich jetzt an, soweit als möglich unverrottbare Plastikverpackungen zu vermeiden und trete ein für Verbote und Steuern, um meinen Kindern und Enkeln diese Erde in einem lebenswerten Zustand zu erhalten. Das das geht habe ich von einer Studierenden aus Aachen glaubhaft erfahren, der es gelungen ist ihren Plastikkon


Januar – Ostern 2018


Juli – Dezember 2017

Karneval – Juni 2017

Dezember 2016 – Februar 2017


September – November 2016

Mai – August 2016

Fastenzeit – Pfingsten 2016

Dezember 2015 – Februar 2016


Mai -November 2015

Fastenzeit und Ostern 2015

Januar und Februar 2015


Advent+Weihnachten 2014

August-November 2014

Juni – August 2014

Ostern – Pfingsten 2014

Fastenzeit + Ostern 2014

Januar+Februar 2014


Oktober – Dezember 2013

Juli – September 2013

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Karfreitag – Pfingsten 2013

Januar- April 2013 

Oktober bis Dezember 2012

Ein anderes Vater Unser
Im Nachgang zur Sommerschule mit sambischen und deutschen Studenten, bei der unter anderem das Thema “Globalisierung und privater Konsum” diskutiert wurde
Hagen Rether – Vater Unser

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://besinnzeit.de/unterbrechung-mittendrin/

Advent+Weihnachten 2014

Weihnachten Folge dem Stern traue deiner Intuition die dich entschiedener werden lässt Folge dem Stern der dich zusammenführt mit anderen die die Menschenfreundlichkeit Gottes in allen Dimensionen des Lebens suchen Folge dem Stern der deine dunklen Seiten erhellt im wohlwollenden Blick der Verwandlung Folge dem Stern der Menschen verschiedener Kulturen zur Begegnung beim Essen und …

Fastenzeit und Ostern 2014

Auferstehung Welchen Sinn Hätte die Auferstehung Wenn alles so weiterginge Wenn wir nicht auferstehen Uns weiter ducken Unsere Kraft verstecken Unsere Würde Und die der anderen Welchen Sinn hätte sie Wenn wir nicht aufstehen Stolz, mit geradem Rücken Und erhobenem Kopf Ja sagen und nein Zu gegebener Zeit Für uns sorgen Wie für die anderen …

Fastenzeit und Ostern 2015

Ostern 2015 gott du neubeginn ohne ende du quelle des vertrauens und der versöhnung segne uns mit neuen gedanken und worten die menschen aufhorchen lassen mit neuen gesten und taten die unserer lebendigkeit raum geben segne uns mit träumen und hoffnungen und der bereitschaft zu verzeihen ohne die wir vom gestern nicht loskommen segne uns …

Januar- April 2013

 Wir haben durch Christus so großes Vertrauen zu Gott. 2 Korinther 3,4  Gott meint es gut mit uns. Immer. Darauf können wir uns verlassen. In jeder Lebenslage. Das ist der Kern der Botschaft Jesu. Seine guten Nachrichten von Gott malt er in Geschichten aus und macht sie spürbar und erfahrbar – besonders in seiner kraftvollen …

Januar- Ostern 2018

Aufstand für das Leben – Ostern Obwohl die Namen in den unterschiedlichen Kulturen und Religionen Europas und anderer Klimazonen verschieden sind feiern wir in diesen Tagen weltweit das Wiedererwachen der Natur und die Fruchtbarkeit: Nouruz ist das Frühlingsfest der Perser, Kurden und der Turkvölker Zentralasiens, das chinesische Neujahrsfest., das indische Frühlingsfest Holi, das albanische Fest …

Januar-Februar 2014

Brandsätze! Prügel! Tränengas! – Friedensgebet für Kiew Erneut Ausschreitungen in Kiew, gewaltbereite Demonstranten und ukrainische Sicherheitskräfte gehen in der Nacht zu Dienstag aufeinander los. Brandsätze fliegen. Und Steine. Die Lage wird immer explosiver – und dann sinkt im nächtlichen Kiew mitten auf der Straße ein Mann auf die Knie, liest aus der Bibel. Was mag …

Januar-Februar 2015

… und Jesus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. … (MK 1,31) als ich diesen Satz am Sonntag im Markus-Evangelium hörte, gingen mir die “Handreichungen” oder auch “Nichthandreichungen” der letzten Tage durch den Kopf. Insbesondere die Krisenbegegnungen von Merkel/ Hollande mit Putin. Beim ersten Treffen war anschließend das Händereichen …

Juli – Dezember 2017

Das ist Weihnachten “… Friede auf Erden ist eine Utopie. Die Lieder, die davon handeln, halten den Glauben an eine radikale Alternative fest. Das Leben würde depressiv ohne diese Widerstandslieder. Und wenn sie einen verstören, weil die Wirklichkeit so entsetzlich anders ist, haben sie Erfolg. Denn nur Menschen, die sich stören lassen und etwas vermissen, …

Juli – September 2013

ICH HABE EINEN TRAUM eine Erinnerung an den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King Für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern: Martin Luther King während seiner berühmten Rede vor 50 Jahren | © AFP/dpa Am Mittwoch, 28.August 1963 hält der scharze Baptistenpfarrer Martin Luther King vor 250000 Menschen am Lincoln-Memorial in Washington seine berühmte Rede …

Juni – August 2014

and no religion too? In den kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Tage und vor allem im arabischen Raum und im Nahen Osten ist immer wieder die Rede davon sie seien religiös motiviert. Religion wird verstanden als Weltanschauungssystem, das menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägt und Wertvorstellungen normativ beeinflusst. John Lennon, ein sehr spiritueller Friedensaktivist, wäre verkannt …

Karfreitag – Pfingsten 2013

PSALM Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit. Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich. Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich. Was macht, dass ich so …

Mai – November 2015

Am 3. November, 10 Tage vor den Pariser Anschläge hatte ich unter dem Thema Der Hass und was folgt über den sich ausbreitenden Hass in unserer Gesellschaft und die Folgen gepostet. Wir sollten den Hass  unsere Werte Willkommen, Solidarität, Nächstenliebe leben. Nach den schrecklichen Attentaten in Beirut, Paris und Nigeria hat die französische Bischofskonferenz in …

Oktober bis Dezember 2013

Du bist ein Kind GOTTES! Unsere tiefste Angst ist nicht, daß wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, daß wir grenzenlos machtvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin ich denn um brilliant, wunderschön, talentiert und fantastisch zu sein? Eigentlich, wer bist du um dies nicht …

Ostern – Pfingsten 2014

NachGedachtes – Zeugen gesucht Der Anspruch: “Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!” (1 Petrus 3, 15b) Das Bauchgefühl: “Puh, das jetzt, bei dieser kirchlichen Großwetterlage, mit all den Skandalen und Skandälchen sich outen: Ja, ich bin katholisch!”? Der Kopf: “Worum geht’s denn bei diesem …

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Kath.net: Originell: Weltweit erster Automat für Rosenkränze Wenn et bedde sich lohne däät – BAP live im Rockpalast Wenn et Bedde sich lohne däät Refr.: Wenn et Bedde sich lohne däät, wat meinste wohl, wat ich dann bedde däät, bedde däät. 1) Ohne Prioritäte, einfach su wie et köhm, fing ich ahn, nit bei Adam …

Unterbrechung-Mittendrin – Fastenzeit-Pfingsten 2016

Eine Bewegung kann die Welt verändern Pfingsten, wo so viel vom Geist die Rede ist, der die Kirche antreibt, der Veränderung bewirkt, …haben mich 2 Facebookposts nachhaltig beeindruckt: Konstantin Wecker, der bekannte Liedermacher, dessen Verdichtungen des Weltgeschehens mich immer wieder inspirieren, schreibt im Nachgang zum Eurovision Song Contest: “Vielleicht waren ja bei dem gestrigen paneuropäischen …

Unterbrechung-Mittendrin – Mai-August 2016

TIEF DURCHATMEN Manchmal fehlt mir buchstäblich die Luft zum Atmen: … wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle, wenn etwas Unvorhergesehenes meine Pläne stört, wenn ich mich als Opfer ungerechter Verhältnisse und Strukturen fühle, wenn mir die Ideen fehlen, wenn es mal wieder nicht so rund läuft, wenn ich mal wieder kleinlich werde, wenn es …

Unterbrechung-Mittendrin August-November 2014

Nachgedanken zum  Christkönigfest (23.November) … Die spannende Frage bleibt: Was mache ich aus einer solchen Zusage, dass Gott mir seine Würde schenkt? Ist die Art und Weise, wie ich lebe, einer solchen Würde würdig? Lebe ich als Tochter/ Sohn dieses Gottes, als Tochter/ Sohn des Königs, der das Leben will? Sind wir Königstöchter und Königssöhne? …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2015 – Februar 2016

Um Gelassenheit, Einsicht, Mut und Glauben Ich bitte um Gelassenheit, wenn meine Vorstellungen nicht berücksichtigt, meine Pläne nicht eingehalten, meine Wünsche nicht befriedigt, meine Vorschläge nicht ernst genommen werden. Ich bitte um die Einsicht, dass Stürme notwendig sind, Fehler neue Möglichkeiten eröffnen, Widerstand zum Denken anregt, in Krisen eine Chance liegt, Sanftmut weiter führt als …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2016 – Februar 2017

Auch das noch! Der so getitelte Beitrag der Unterbrechung-Mittendrin vom 28. April 2015 ist seit Beginn dieses Jahres über 300 Mal angeklickt worden. Dieser Beitrag wurde verfasst angesichts des Erdbebens in Nepal Mitte April 2015 und bis Dezember 2016 300mal besucht. Ich habe mich gefragt, woher diese plötzliche Nachfrage  seit Januar nach diesem Impuls-Beitrag kommt …

Unterbrechung-Mittendrin Karneval – Juni 2017

Hör auf zu jammern! – Get over it Es gibt immer einen Anlass zu stöhnen und jammern. Mal ist es das Wetter, das nie so ist wie es sein sollte, mal das Zipperlein hier oder da, das mich plagt, mal die Reaktion von der da oder die Welt an sich und die Politik im Besonderen. …

Unterbrechung-Mittendrin September-November 2016

Ich fühl mich leer und verbraucht, alles tut weh … Dieser Schnipsel aus einem Songtext von Herbert Grönemeyer (genial präsentiert bei einem Live-Konzert in der Arena auf Schalke), völlig aus dem Zusammenhang gelöst, drückt mein Lebensgefühl in dieser Woche am Ende des Novembers und kurz vor dem adventlichen Lichtermonat Dezember aus. Die sonnigen Momente sind …

Unterbrechungen Okt – Dez 2012

Zu Weihnachten: Gott fragt den Menschen: Wie geht es dir? Und um es genau zu sehen, kam er persönlich vom Himmel herunter, dorthin, wo der Mensch ist. Er sah es und sagt: Ich bleibe da, ich werde wie du, ich werde Mensch. Ich gehe mit dir – bis in den Tod, und durch den Tod …

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