Unterbrechung-Mittendrin

5 Minuten Zeit für Besinnung, Meditation, Impulse
mitten am Tag, in der Mitte der Woche

Idee und Gestaltung: GUIDO SCHÜRENBERG – 0176-57756953 – guido.schuerenberg@besinnzeit.de

Foto: Phillipp Becke

Hakuna Matata

aufgestickt auf dem Rangerhut, den eine sambische Freundin mir aus ihrer afrikanischen Heimat mitbrachte als Sonnenschutz für meinen nur spärlich behaarten Kopf.
Hakuna Matata „es gibt keine Probleme“ war 2013 Platz 5 der Jugendwörter in Deutschland und steht für eine Lebenseinstellung, die eher beschwichtigend wirkt, statt lösungsorientiert. … unpolitisch : take it easy, no rules, no responsibility, … wie die problem-free Philosophen Timbo und Pumba in König der Löwen singen.

Auch in der Bergpredigt des Matthäusevangeliums (6,24-34) scheint Jesus diese Sorglosigkeits-Philosophie zu predigen: „Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! … Können all eure Sorgen euer Leben auch nur um einen einzigen Augenblick verlängern?“
Das klingt zynisch in unserer Krisenzeit: Lebe den Augenblick und mach Dir keinen Kopf über das Danach, die Zukunft und die Deiner Kinder? Nein, Jesus weitet die individualistisch-libertäre Perspektive hin zur gemeinsamen Zukunft der Menschheit:
„Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht. … Deshalb sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag bringt seine eigenen Belastungen. Die Sorgen von heute sind für heute genug.“
Jesu redet unsere Sorgen nicht weg, sie sind menschlich, existenziell. Er fordert vielmehr zur Veränderung der Verhältnisse und der Einstellungen auf. Er fordert auf, sich auf seine Botschaft von Gottes gerechter Weltordnung einzulassen und diese zu leben, den Willen Gottes zu tun (Vater unser). Unsere täglichen Sorgen werden sich dann von selbst erledigen.

Unser Sorgen soll dem Zustand der Welt, dem „gemeinsamen Haus“ gelten, dem guten Leben für alle und nicht der individualistischen Freiheit auf Kosten der anderen und der Natur. Dann leben wir Gottes Weltordnung, politisch und lösungsorientiert, im Vertrauen darauf, dass Gott es gut mit uns und seiner Schöpfung meint.

Hakuna Matata, in der Hoffnung auf einen baldigen Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit.
„Hakuna Matata! It means no worries for the rest of your days“

GS 17. Mai 2022


Verdrängt, aber wirksam

Wenig Beachtung und häufig ignoriert werden in diesen Kriegstagen Nachrichten rund um die Klimakrise unseres Planeten. So am 4. Mai der Earth Overshoot Day 2022 an dem Deutschland die anteiligen natürlichen Ressourcen für dieses Jahr bereits verbraucht hat und wir so den Rest des Jahres auf Kosten der Weltgemeinschaft leben.

„Der Earth Overshoot Day ist statistisches Rechenspiel mit bitterbösem Ergebnis, mit dem The Global Footprint Network zeigen will, wie groß unser Raubbau an der Natur ist. Dazu wird die Biokapazität unseres Planeten – die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe jeder Art zu produzieren oder wieder herzustellen – mit dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit verrechnet: Seit den frühen 1970er-Jahren ist unser jährlicher Verbrauch an natürlichen Ressourcen größer als die Regenerationsfähigkeit der Natur.“ (BR Wissen 4.5.22)

Oder die erschreckende Meldung vom 10. Mai: „Die UN sehen ein 50-prozentiges Risiko, dass sich die Erde temporär in den kommenden Jahren um 1,5 Grad erwärmt. Fast sicher sei bis dahin ein Hitzerekordjahr.“ (Zeit-Online, 10.5.22)

Vielleicht nehmen wir diese Warnzeichen nicht wahr, weil wir unser Verhalten ändern müssten. Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine merken wir finanziell an den Energiekosten und an den Lebensmittelpreisen. Die Übernutzung der natürlichen Resourcen und die Klimaveränderung merken wir allenfalls an zunehmender Trockenheit. Der Genuss des „schönen Wetters“ hinterlässt manchmal einen faden Beigeschmack, ist aber kein Anlass zu wirklicher Verhaltensänderung.

Flucht in die Ohnmacht, hoffnungslos?

Uns ist die Aufgabe gegeben diese Welt „gut“ zu erhalten, d.h. menschenwürdig und zukunftsfähig zu gestalten als Lebensgrundlage für die nachkommenden Generationen (1 Mose1,28f).

Wenn wir uns den Herausforderungen des Klimawandels stellen, unseren Lebensstil durch Verzicht ökologischer gestalten, können wir schon viel bewirken und trotz Krieg und Pandemie Ideen und Energien in die sozial-ökologische Transformation unserer Gesellschaft einbringen – Hoffnung schöpfen!

GS 11. Mai 2022

#weltretten #overshootday #sozialoekologischetransformation #unterbrechungmittendrin


Den Umständen entsprechend

Am Sonntag nach dem internationalen Gottesdienst der KHG sprach mich eine junge Frau aus Sambia an mit der üblichen Begrüßungsfloskel „How are you?“ Statt -wie üblich- zu antworten „Thank you , I’m fine“ entwich meinem Mund spontan und unüberlegt: „according to circumstances“. Sie schaute mich fragend an und bald waren wir im Gespräch über unsere Lebensumstände, die trotz schönem frühsommerlichem Wetter und „eigentlich müssten wir doch zufrieden sein“ vom Krieg in der Ukraine und von den Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat geprägt waren.

„Das kommt auf die Umstände an“ ist mittlerweile in meinem Leben mehr als eine Gesprächs-Einstiegs-Floskel. Es ist ein Ausdruck der Abhängigkeit meines Wohlbefindens von der geopolitischen Situation und ihren Auswirkungen auf meine Umgebung, insbesondere meiner psychischen Verfassung.

Der weise, lebenszugewandte Prediger Kohelet schreibt ca. 250 vor unserer Zeitrechnung. Er schaut auf sein Leben und das der Menschen in seiner Umgebung, er sucht einen Sinn in all dem Chaos, der Ungerechtigkeit und dem Leid und fragt, wie wir uns demgegenüber als Gott Glaubende verhalten sollen, um glücklich zu sein:

„Alles hat seine Zeit, und für jede Situation gibt es ein entsprechendes Verhalten. Doch auf dem Menschen lastet eine schwere Not: Er weiß nicht, was auf ihn zukommt, und niemand kann ihm sagen, was die Zukunft bringt.

…. Dies alles habe ich begriffen, als ich beobachtete, was auf dieser Welt geschieht – einer Welt, in der einige Menschen Macht besitzen und die anderen darunter leiden müssen. … Das kommt mir alles so sinnlos vor!
Darum empfehle ich allen, das Leben zu genießen, denn es gibt für den Menschen nichts Besseres auf der Welt, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das wird ihn bei seiner Mühe begleiten das kurze Leben hindurch, das Gott ihm gegeben hat.“ (Koh 8,6-15)

Für mich heisst das: Einen wachen Blick auf die Welt und ihren Zustand zu haben, die Möglichkeiten meines Handelns zu nutzen und mich nicht der Ohnmacht hingeben, sondern mich freuen an den kleinen alltäglichen Dingen – und das Leben geniessen, trotz aller Mühe und oft widrigen Umständen.

GS 3. Mai 2022


Das Dilemma von eigentlich und offensichtlich

Ich bin Pazifist aus familiärer Prägung und christlich gereifter Überzeugung. Aber der nahegerückte, menschenverachtende und dasVölkerrecht auf Selbstbestimmung und Freiheit sabotierende Krieg in der Ukraine lässt meine Überzeugungen bröckeln und meine Gewissheiten schwinden.

So komme ich gerade jetzt angesichts der ukrainischen Forderungen nach schweren Waffen in das Dilemma des „eigentlich …, aber“, da ja meine/ unsere Werte und Grundüberzeugungen „offensichtlich“ nicht von Kriegstreibern und freiheitsfeindlichen Mächten mitgetragen bzw. ignoriert werden.

Der Konsens jüdisch-christlicher Werte in und für Europa, der mehr als 50 Jahre Frieden hier ermöglicht hat und den Beitritt zu dieser EU-Wertegemeinschaft auch für die sich nach dem Ende des Kalten Krieges neu orientierenden Staaten Ost-Europas attraktiv machte, ist offensichtlich nicht mehr tragfähig. Anders kann ich mir den „Erfolg“ nationalistischer Parteien in nahezu allen Ländern der EU nicht erklären.

In der orthodox-christlich gefeierten Karwoche bombardieren russische Soldaten mit dem Segen des orthodoxen, Moskauer Patriarchats schutzlose Zivilisten, während der katholische Papst Franziskus in seiner Osteransprache „ein Ende des Ukraine-Kriegs fordert und an Krisen weltweit erinnert. Der Frieden sei möglich, eine Pflicht und die vorrangige Verantwortung aller. … Jeder Krieg habe Auswirkungen für die gesamte Menschheit: von den Todesfällen über das Flüchtlingsdrama bis hin zur Wirtschafts- und Ernährungskrise, deren Vorboten derzeit bereits erkennbar seien“.
Und der, an dessen Leid und Tod sich die Christen der ganzen Welt-und auch Herr Putin- in diesen Tagen erinnern, fordert uns auf zu Nächsten- und Feindesliebe und zum Friedenstiften.

Vielleicht ist es ja ein Gebot der Nächstenliebe oder zumindest das kleinere Übel, die Ukrainer mit schweren Waffen zu unterstützen, damit sie ihre und unsere Freiheit verteidigen können gegen die nationalistische Aggression und für den Erhalt der freiheitlichen Werte.
Unsere Welt braucht Frieden, um gemeinsam die Folgen des Klimawandels bekämpfen zu können und eine lebenswerte Zukunft für alle zu sichern.

GS 19. April 2022


Feindesliebe und Vergebung

Papst Franziskus hat am Palmsonntag zu Vergebung und “Feindesliebe” gerade in Kriegszeiten aufgerufen.

“Ja, Christus wird in den Müttern, die über den ungerechten Tod ihrer Männer und Kinder weinen, nochmals ans Kreuz genagelt. Er wird gekreuzigt in den Flüchtlingen, die mit den Kindern im Arm vor den Bomben fliehen. Er wird gekreuzigt in den alten Menschen, die zurückgelassen werden und einsam sterben müssen, in den jungen Menschen, die ihrer Zukunft beraubt werden, in den Soldaten, die ausgesandt werden, um ihre Geschwister zu töten.”

Franziskus wandte sich angesichts globaler Probleme entschieden gegen eine egoistische Haltung: “sich selbst retten, sich um sich selbst kümmern, an sich selbst denken; nicht an andere, sondern nur an die eigene Gesundheit, den eigenen Erfolg, die eigenen Interessen denken”. Gottes Denkweise sei einer solchen Einstellung entgegengesetzt.

Es gehe darum, den Teufelskreis des Bösen und des Bedauerns zu durchbrechen: “auf die Nägel des Lebens mit Liebe zu antworten, auf die Schläge des Hasses mit der Zärtlichkeit der Vergebung”, so der Aufruf des Papstes. Die Vergebung Jesus gelte für alle und für jede Sünde. Keiner sei davon ausgeschlossen, “es ist nie zu spät”. (KNA)

12.April 2022


Realitätsfremd!

bezeichnete der Nach-Auszeit-immer-noch-residierende-Kardinal Woelki Papst Franziskus vor dem wichtigsten Beratergremium seines Bistums.

Welche Realität = Wirklichkeit ist gemeint, die dem Papst fremd sein soll?
Die immer massiver wirkenden Folgen des menschengemachten Klimawandels und unsere offensichtliche Unwilligkeit einschneidende Massnahmen dagegen mitzutragen?
Die nun schon 2 Jahre weltweit grassierende Pandemie und die Entsolidarisierung mit den Schutzbedürftigsten unserer Gesellschaft (Kinder, Alte, Immungeschwächte … )?
Den Menschen- und Völkerrecht verachtenden Krieg im Herzen Europas und unsere Angst vor Wirtschafts-, Konsum- und Energie-Einschränkungen?

Krisen-Realitäten, denen wir uns täglich als Menschen, als Christen und auch als kirchliche Gemeinschaften stellen müssen. Realtäten, die von uns verantwortliches Handeln auf Basis unserer christlichen Werte fordern. Dieser Realität ist sich Papst Franziskus sicher bewusst.

Unser Glaube verkündet die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle:

Der Glaube, dass Gott ein mitgehender und mitleidender Gott ist

Der Glaube, dass dieser Gott das Gute für die Menschen will

Der Glaube, dass Gott in und durch uns wirkt und Wirklichkeit gestaltet

An diese Wirklichkeit und Wirksamkeit des Guten, die die biblische Sprache Reich Gottes nennt, glaube ich trotz der wahrnehmbaren und nicht zu verleugnenden Krisenrealitäten. Denn dieser Glaube gibt Hoffnung auf Zukunft, so wie die jugendliche Maria visionär im MAGNIFICAT des Lukasevangeliums betet.
Ich hoffe und bete deshalb angesichts der grauenhaften Kriegsverbrechen in der Ukraine:

 »… Ihr Erbarmen schenkt sie von Generation zu Generation
denen, die Ehrfurcht vor ihr haben.
Gott hat Gewaltiges bewirkt.
Mit seinem Arm hat er die auseinander getrieben,
die ihr Herz darauf gerichtet haben,
sich über andere zu erheben.
Sie hat Mächtige von den Thronen gestürzt
und Erniedrigte erhöht,
Hungernde hat sie mit Gutem gefüllt
und Reiche leer weggeschickt.
…. und sich an seine Barmherzigkeit erinnert,
… für alle Zeit.«

Lk 1, 46-55 die bibel-in-gerechter-sprache.de

GS 5. April 2022


Verzichtserklärung

Die sieben Wochen vor Ostern, dem Fest des Lebens, sind für Christen schon immer eine Fastenzeit gewesen, also eine Zeit der bewussten Enthaltsamkeit, des Verzichtes.
Fasten kommt in nahezu allen Kulturen vor und soll verschiedenen Zwecken dienen, u.a. „ …einer Förderung der Wahrnehmung, einer Erhöhung der Willenskraft und Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen, dem Zuwachs an psychischer und sozialer Kontrolle …“ (Wikipedia).

Die diesjährige Fastenzeit ist eine dreifache Krisenzeit: Klimawandel, Pandemie und Krieg. Alle diese Krisen muten uns Verzicht zu: Reduktion der Klimagase, Infektionsschutzmassnahmen und Gas und Öl einsparen. Die vorgeschlagenen Verzichtsmassnahmen werden als staatlicher Eingriff in die Freiheit diffamiert bzw. als sozialunverträglich diskreditiert. Die diesbezüglichen Umfragen unter der Bevölkerung offenbaren ein anderes Bild: Offenheit, Solidarität, Verzichtsbereitschaft und Bereitschaft zum Engagement bei einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung.
Der Prophet Jesaja schreibt als „Spruch Gottes“ vor 2500 Jahren : “Fasten, wie ich es liebe, sieht so aus: … Entferne die Unterdrückung aus deiner Mitte. Lass die höhnischen Fingerzeichen und das trügerische Reden! Öffne dem Hungrigen dein Herz und hilf dem, der in Not ist. Dann wird dein Licht in der Dunkelheit aufleuchten und das, was dein Leben dunkel macht, wird hell wie der Mittag sein. ” (Jesaja 58, 6-10)

Wenn ich durch Reduktion meines Gasverbrauchs durch Absenken auf 18°C Raumtemperatur, durch Stromsparen, durch Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 kmh, durch prioritäre Nutzung von Fahrrad und ÖPNV den CO2 Ausstoß reduziere, durch Gesichtsmasken tragen und Kontaktbeschränkungen das Infektionsrisiko minimiere, durch solidarisches Inkaufnehmen höherer Energiepreise und mich im Rahmen meiner räumlichen, zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten für Flüchtlinge engagiere, … dann wäre das ein Fasten im Sinne des Fastenaufrufes von Jesaja.
Ein notwendiger Schritt heraus aus meiner Komfortzone, zur solidarischen Krisenbewältigung allemal – und hoffentlich auch über diese Fastenzeit hinaus.

GS 29. März 2022

Wenn Unwichtiges sich aufbläht

und das, was wirklich zählt, verdeckt,

dann wünsche ich dir den Mut,

innezuhalten

und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos

und unterdrückt bleiben,

während andere sich bereichern

und nur an ihren Vorteil denken,

dann wünsche ich dir den Mut,

dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote

und Meinungen verlaufen

und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,

dann wünsche ich dir den Mut,

umzukehren

und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – MISEREOR Fastenaktion 2017


Vielleicht geht da doch noch was

könnte das Fazit des biblischen Gleichnisses über den fruchtlosen Feigenbaum (Lk 13,6-9) sein, der für seine letzte Chance noch viel Zuwendung vom Gärtner braucht. Dem Anschein nach abgeschrieben, erfolglos, nicht lebenswert, versagt, …

Wie schnell bin auch ich versucht, dem Anschein nach zu urteilen, Menschen das Potential zum Nutzen der Gesellschaft und in sozialen Organisationen abzusprechen und „der Kirche“ den Willen zur synodalen Reform und einer glaubwürdigen Seelsorge nicht zuzutrauen.

Schublade auf, Schublade zu, abgehakt!

Viele solcher von mir so Abgeschriebenen und von ihrer Kirche Enttäuschten brauchen vielleicht nur vorurteilsfreie Zuwendung, Menschlichkeitsdünger, um ihr Potential zu entdecken und einzusetzen. 

In der Kirchenbildersprachwelt sind Begriffe aus der Landwirtschaft wie Hirten, Schafe, Acker, Weinberg, Rebstock, … gern gebraucht um Beziehungen, Arbeitsfelder und Situationen zu beschreiben. Sie stecken auch in der Denke derjenigen, die den Feigenbaum Katholische Kirche reformieren möchten, weil sie feststellen müssen, dass Machtmissbrauch und Fehlverhalten das Vertrauen des Kirchenvolkes zerstört und Relevanz und Glaubwürdigkeit verloren ging. Deshalb kann das biblische Gleichnis auch in der derzeitigen Kirchenkrisensituation und in den anstehenden notwendigen Veränderungsprozessen hilfreich sein.

Eine Richtung in der systemischen Organisationsentwicklung überträgt jesuanische Menschensicht als Prinzipien für Veränderungsprozesse unter breiter Beteiligung der Betroffenen: FACILITATION (Ermöglichen).

Dabei geht sie von drei Grundannahmen aus:

  • Das Wissen ist in der Welt
  • Menschen möchten Verantwortung übernehmen und etwas Sinnvollles tun
  • Jede*r gibt sein Bestes – immer!

Wobei sicherlich Letztere die Herausfordernste ist.

Früchte können nach Blüte, Selbstbefruchtung und Reifezeit geerntet werden. 

So brauchen auch meine gärtnerischen Bemühungen im mich umgebenden Biotop Geduld und Pflege, um Früchte zu tragen.

Mein Kleingärtner Tipp für den kirchlichen Feigenbaum: Zuwendung, Ermöglichen, Glaubensbiotope fördern … und viel aufrichtige Liebe zu den Menschen.

GS 21. März 2022


Betend aus der Ohnmacht

Die stündlichen Aktualisierungen des Kriegs-Live-Tickers verstärken meine Ohnmacht und lassen die Friedensideale meiner Generation schlagartig zerbröseln. Die menschliche Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und ein Gutes Leben für alle Menschen auf diesem Planeten wird durch den Wahnsinn dieses -und aller Kriege- sabotiert und wahrscheinlich nachhaltig zerstört.

Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht lähmen mich, während eine Tagereise entfernt das Weltkulturerbe Lemberg bombadiert wird, Millionen Frauen und Kinder auf der Flucht sind während die Männer, Söhne und Väter sich verzweifelt dem Aggressor entgegenstellen, um die Freiheit zu verteidigen.

Auf der Suche meiner Sprachlosigkeit und Ohnmacht einen Ausdruck geben zu können im Gebet, traf mich ein Psalm des Trierer Diozesanpriesters Stephan Wahl, der in Jerusalem lebt.

Psalmen spiegeln in besonderer Weise die Gefühle von Menschen in extremen Lebenssituationen wieder. Schmerz, Trauer, Einsamkeit, Enttäuschung wie auch Hoffnung und die Sehnsucht nach Trost und der Nähe Gottes kommen in Psalmen eindrucksvoll zur Sprache.

GS 15. März 2022

Es ist Krieg. Ein ratloser Psalm.

Aufgeschreckt bin ich, Ewiger, reibe mir zitternd die Augen,
ein Traum muss es sein, ein schrecklicher, ein Alptraum.
Entsetzt höre ich die Nachrichten, kann es nicht fassen.
Soldaten marschieren, kämpfen und sterben. Es ist Krieg.
Der Wahn eines Mächtigen treibt sie zu schändlichem Tun,
mit Lügen hat er sie aufgehetzt, mit dem Gift seiner Hassreden.
In den Kampf wirft er sie, missbraucht ihre Jugend, missbraucht ihre Kraft,
erobern sollen sie, töten sollen sie, sein Befehl ist eiskalt.
Seine Nachbarn hat er zu Feinden erklärt, ein Zerrbild gemalt,
in den dunkelsten Farben seiner wirren Machtphantasien.
Niemand wagt ihm zu widersprechen, seine Claqueure halten still,
ein Marionettentheater umgibt ihn, das er höhnisch bespielt.
Seine Bosheit hat Raffinesse, listig und schamlos geht er voran,
die Versuche, ihn umzustimmen, ließ er ins Leere laufen,
umsonst sind sie angereist aus besorgten Ländern,
Friedensappelle und Warnungen ließen ihn kalt.

Angst und Schrecken verbreiten sich, blankes Entsetzen,
wie viele Verletzte wird es geben, wieviel Tote?
Wann wird die gefräßige Gier des Tyrannen gesättigt sein,
wann der Blutstrom versiegen, wann die Waffen schweigen?
Hilflos starre ich auf die Bilder und Meldungen,
meine Fäuste voll Wut, in meinen Augen regnet es.

Fahr den Kriegstreibern in die Parade, Ewiger. Allen!
Leg ihnen das Handwerk, lass sie straucheln und fallen.
Wecke den Mut und den Widerstand der Rückgrat-Starken,
lass das Volk sich erheben und die Verbrecher entlarven.
Nicht entmutigen lassen sollen sich alle, die an den Frieden glauben,
die unverdrossen ihre Stimme erheben, gegen Verführer immun sind.
Sei unter denen, die nicht schweigen, die nicht wegschauen,
die nicht achselzuckend sagen, was kann ich schon bewirken.
Höre unser Beten, unser Schreien, es töne in Deinen Ohren,
unsere Angst um die Welt unsrer Kinder und Kindeskinder.
Sie hast Du uns in die Hände gegeben, Deine Welt ist die unsrige.
In die Hände fallen soll sie nicht den Machthungrigen ohne Gewissen.

Nie werde ich verstehen, warum Du dem allen nur zusiehst,
Deine Hand nicht eingreift und die Tyrannen zerschmettert.
Mach Dich gefasst auf meine zornigen Fragen, wenn wir uns sehen werden,
später, in diesem rätselhaften Danach, Deinem geheimnisumwobenen Himmel.
Dann will ich Antworten, will Erlösung und endgültigen Frieden,
jetzt aber will ich nicht aufgeben, zu tun, was ich tun kann,
damit wir jetzt und auch künftig den Namen verdienen,
den wir so selbstverständlich als unseren eigenen tragen,
und ehrlich und glaubwürdig und unverhärtet berührbar,
als menschlicher Mensch unter menschlichen Menschen leben.

sw (Stephan Wahl, Jerusalem)


Solidaritäts-Zumutungen

Seit fast zwei Wochen erleben wir aus der Ferne den Wahnsinn eines Bruderkrieges im Osten Europas, 2000 Kilometer entfernt und gefühlt direkt vor unserer Haustür. Friedensdemos und -Gebete, Solidaritätsbekundungen und Spenden für die Freiheits- und Landes-Verteidigenden verbindet die Menschen in der „Werte-Union“ Europa. Dies drückt sich auch in der Aufnahmebereitschaft für geflüchtete Frauen und Kinder aus.

Bisher wurde unsere Mitleidens-Bereitschaft nur an der Tanksäule und beim Blick auf die Gasrechnung auf die Probe gestellt. Wenn die Wirtschaftssanktionen greifen sollen, werden wir unsere Komfortzone verlassen müssen, unsere Heizungen herunterfahren, Strom sparen, Mobilität einschränken, höhere Lebensmittelpreise in Kauf nehmen müssen, … ein solidarisches Fasten, allerdings bisher eher notgedrungen.

Freiwilliger Verzicht im privaten Konsum war in allen Kulturen und Religionen schon immer ein Ausdruck des Fastens, der Enthaltsamkeit, der geistigen und körperlichen Reinigung.

Fasten im christlichen Sinne sollte einen geistigen Änderungsprozess unterstützen. Jesus ruft auf zu metanoia, „Ändert Euer Denken“ um die Sünde, die Absonderung von den Menschen und von Gott, zu überwinden.

Wirksames Fasten stärkt zum Nein-Sagen zu jeder Form von Egoismus, Machtanspruch und Überheblichkeit (Lk 4,1-13). Es bewirkt Sensibilität für die Not der anderen und führt zu Solidarität mit den Armen, Unterdrückten und Verfolgten.

Wenn wir uns den Zumutungen stellen und sie aus Solidarität mit den leidenden und fliehenden Menschen in der Ukraineannehmen -je nach unseren Möglichkeiten-, kann die siebenwöchige Fastenzeit vor Ostern, dem Fest des Lebens zu einem wirksamen und ermutigenden Zeichen für ein friedliebendes und freiheitliches Zusammenleben der Völker in Europa werden.

Den despotischen Aggressor im Kreml wird es vielleicht nicht beeindrucken, aber möglicherweise die friedliebenden Menschen in Russland und der Ukraine stärken in ihrem Nein zu Unterdrückung und Gewalt.

GS 8. März 2022


Es passt nicht und fühlt sich auch nicht gut an

in diesen dramatischen Tagen, in denen die Welt dem wahnsinnigen Kriegs-Drehbuch Wladimir Putins ausgeliefert scheint: Frühlinghaftes Wetter und die Bilder des Winterkrieges in der Ukraine, Menschen in Karnevalskostümen und Ukrainer*innen auf der Flucht vor dem Krieg, meine pazifistisch, naive Sehnsucht nach weltweiter Abrüstung und der Beschluss zur Aufrüstung der Bundeswehr. Meine Erinnerungen an die Friedensdemos der 80er und die drohende atomare Eskalation, der konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung und die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl, die existenziell bedrohliche Entwicklung des Weltklimas im Bericht des IPCC und die Entschuldigung russischer Wissenschaftler für ihre kriegstreibende Regierung, Das Mitleid des Patriarchen von Moskau für die leidende Zivilbevölkerung und seine Verweigerung zum sofortigen Stop der Militärinvasion in das Bruderland aufzurufen …
Angesichts all dessen noch hoffen auf Deeskalation, Respekt vor nationaler Integrität, Freiheit und Menschenrechte … und vielleicht doch Frieden zwischen Brüdervölkern?

Ich finde keine Hoffnungsworte, die in diese Situation passen würden, denn ich fühle mich ohnmächtig!

Das Lukasevangelium des vergangenen Sonntags verweist darauf, dass die innere Haltung unser Reden und Handeln bestimmt: „Ein guter Mensch bringt aus einem guten Herzen gute Taten hervor, und ein böser Mensch bringt aus einem bösen Herzen böse Taten hervor. Was immer in deinem Herzen ist, das bestimmt auch dein Reden.“ (Lk 6,45)

Ich möchte das Gute in mir und im Anderen wieder neu entdecken, wieder an das Gute glauben können, mich mit Menschen zusammenschließen, die für das Gute einstehen und Gutes tun, .. um wieder hoffen zu können trotz der hoffnungslosen Weltsituation auf eine Wende zum Guten und eine Vereinigung der Guten, die die Welt und die Menschheit noch retten kann. – Darum möchte ich beten zu Gott, der das Gute ist und der nur Gutes für uns will.

„… Stell dir vor, es gäbe keine Länder, es ist nicht schwer, das zu tun. Nichts, wofür es sich lohnt zu töten oder zu sterben und auch keine Religion. …“John Lennon

GS 2. März 2022


Grund genug

für mich in den 70ern den Kriegsdienst zu verweigern fand ich damals während des Kalten Krieges zwischen den Blockstaaten in der Friedensbotschaft Jesu in der Bergpredigt. Wir waren eine hochmotivierte christlich inspirierte Minderheit, die sich dem Wehrdienst verweigerten. Meine Begründung zur Verweigerung lag in den provozierenden Worten Jesu im Lukas-Evangelium: »Euch aber, die ihr mir wirklich zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen. Bittet Gott um seinen Segen für die Menschen, die euch Böses tun, und betet für alle, die euch beleidigen.“(Lk 6,27f) – und im gewaltlosen Widerstand von Mahatma Gandhi.

Die Gewissensüberprüfung vor einem Schöffengericht war abstruß und im wahrsten Sinne des Wortes peinlich für demokratisch denkende Menschen. Vielleicht war ich ja pazifistisch naiv mit meinem friedlichen Menschenbild und meinem Glauben an Gerechtigkeit, Gewaltfreiheit und Feindesliebe.
In unseren spannungsaufgeladenen Zeiten aktuell mit diesem Jesus-Wort konfrontiert, fällt mir diese Zumutung schwer in meinem Alltag zu leben und wieviel mehr mit Blick auf eine eskalierende Kriegsbedrohung.
Die Einleitung: „Euch aber, die ihr mir wirklich zuhört, sage ich ….“ macht deutlich, dass es um eine Haltung des sich Einlassens auf die Botschaft Jesu und auf mein Gegenüber, den Menschen geht.
Feindesliebe ist eine Haltungsfrage. Feinde sind Personen, mit denen ich in einer negativen Beziehung stehe (Wiktionary). Lieben und Gutes tun überwindet diese Abneigung und Ablehnung und eröffnet Chancen zur Versöhnung, oder mindestens für Toleranz.

Der erste Schritt auf diesem haltungsverändernden Weg ist der Respekt vor dem/ der Anderen, die Offenheit ihm/ ihr zuzuhören und die Bereitschaft diese Beziehung zu verändern. Feindesliebe trotz schlechter Erfahrungen, Vorurteilen, Traditionen, toxischer Männlichkeit, Beleidigungen, …

Ein zweiter Schritt ist das Gebet für den Menschen im Feind und um Gottes Segen.

Unsere gemeinsame Zukunft in dieser „wonderful world“ ist Grund genug diese Schritte zum Frieden zu wagen.

GS 22.Febr 2022


Nur 10% !

Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel: Bei uns in den reicheren Ländern des globalen Nordens wird bereits die 4. COVID-Impfung verabreicht, um die vulnerablen Gruppen -wozu die Kinder unter 12 Jahren, die wir ja oft als „unsere Zukunft“ bezeichnen, offenbar nicht gehören,- zu schützen. Während dessen sind in den ärmeren Ländern des Südens gerade mal 10% grundgeimpft. Und das nach mehr als einem Jahr und trotz Verteil-Zusagen über die UNICEF-Initiative COVAX.
Aber was kann „der Himmel“ für unseren (Impf-)Egoismus?

Jesus nennt im Matthäusevangelium den Zustand der Welt „Himmelreich“, wenn der Wille Gottes nach Gerechtigkeit und Liebe gelebt wird. Und er macht deutlich, wie dann die Verhältnisse auf den Kopf gestellt sind: Die Armen, Hungernden, Trauernden, Gehassten und Verfolgten werden „Glückselig sein“ und die Reichen, Satten, Erfolgsverwöhnten werden am Himmelreich keinen Anteil haben, den sie haben ja jetzt schon alles (Lk 6, 20-26).
Also „der Himmel wird’s schon richten“? – Sicher nicht, denn die Vision vom Gottes Reich oder dem Buen Vivir, dem Guten Leben für alle im gemeinsamen Haus basiert auf TEILEN aus bedingungsloser Liebe und aus Verantwortung für die geschenkte Welt.

Die 10% Impf-Ungerechtigkeit, wie überhaupt Unrecht kann uns nicht egal, also gleich sein. Denn das hat die Pandemie eindrücklich gezeigt, in unserer globalisierten Welt gibt es für Viren genau wie für den Klimawandel keine territorialen, gesellschaftlichen oder ideologischen Grenzen.
Auf die Impfstoff-Verteilung haben wir allenfalls über Politik und Wirtschaft indirekt Einfluss, aber das grenzüberschreitende Teilen ist auch in anderen Unrechtsfeldern möglich, durch Unterstützung von Bildungsprojekten, Wiederaufforstungs- und Artenschutzprojekten, Wasserwirtschaft, … die #SustainableDevelopmentGoals (SDG) der Vereinten Nationen bieten genügend Handlungsfelder auf dem Weg zum #GutesLebenfüralle im gemeinsamen Haus. – Nur 10% unseres Nettoeinkommens und/ oder unseres Engagements für nachhaltige Gerechtigkeit würde diese wundervolle Welt zu einem betterplace machen.

GS 14. Febr 2022


In Fahrt gekommen und ausgebremst

Der synodale Weg der Reform der Katholischen Kirche Deutschlands hat mit der 3. Vollversammlung endlich Fahrt aufgenommen. Dazu beigetragen hat sicherlich die konfrontativen Ergebnisse der Münchner Missbrauchsstudie und in der Folge die Unfähigkeit amtierender, wie emeritierter Hierarchen Verantwortung zu übernehmen für Ignoranz des Missbrauchs durch Amtsträger, Vertuschung der Taten in den Ordinariaten und Herabwürdigung des Opferleids, bis hin zu offensichtlichem Leugnen der Verantwortlichkeit für Personalentscheidungen.

Durch #outinchurch wurden zeitgleich Geschlechter-Diversität, Lebensformen und kirchliches Arbeitsrecht thematisiert.

So waren die mit großer Mehrheit von den Synodalen auf den Weg gebrachten „Empfehlungen“ zur Öffnung von Weiheämtern für Frauen, eine größere Beteiligung des Kirchenvolkes an der Bischofswahl und die Anpassung des kirchlichen (Sonder-) Arbeitsrechts an EU Standards wichtige öffentliche Signale des Reformwillens von mehr als 2/3 der Versammelten inklusive Bischöfe
Die Euphoriebremse kam schon während der Versammlung in einer Mahn-Botschaft des päpstlichen Nuntius: In einer Erklärung vor den Delegierten betonte er die Einheit der katholischen Kirche, die weltweit dieselbe Botschaft verkünde. Dabei sei entscheidend, was der “Heilige Vater” in Rom sage. … Eine wahre Synode sei vom Heiligen Geist erfüllt “und nicht ein Parlament oder eine Befragung von Meinungen …“

Am Tag danach hörten die Sonntagsgottesdienstbesucher aus dem Korintherbrief des Paulus: „Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. … Durch diese Botschaft werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet.“ Die Essenz dieser Botschaft war am Sonntag vor dieser dritten Versammlung des Synodalen Weges zu hören und gab damit den Synoden-Ton vor: Der Weg der Liebe ist das Handlungskonzept für die kirchliche Lebenspraxis: „Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.“ (1 Kor 13)
Diese Wegweisung ist geistbewegender als die Vereinheitlichungsbremse.

GS 8. Febr 2022


Ablehnung und Zuwendung

Unbequeme Wahrheiten lassen wir uns ungern aus unserer näheren sozialen Umgebung, unserem Biotop, unserer Bubble sagen. Ja sie erreichen uns erst gar nicht, erst recht nicht, wenn sie von Menschen kommt, denen wir uns mehr als ebenbürtig sehen, weil wir mit ihnen aufgewachsen sind oder wenn sie unsere Kinder oder Schüler*innen sind. „Was kann der schon wissen, was wir nicht wissen, was bildet die sich eigentlich ein …?
Wir können nur schlecht aushalten, wenn uns der Spiegel vorgehalten wird und erst recht, wenn wir belehrt werden oder sogar zur Verhaltensänderung aufgefordert werden. Im Gegenteil eher schliessen wir uns fester zusammen und polemisieren gegen solche Zumutungen – gerade auch in Krisenzeiten.
Im Lukasevangelium (4,16-30) macht Jesus diese Erfahrung. Er erzählt in seiner Heimatgemeinde von seiner Vision des Gottesreiches für alle, von seiner Berufung den Armen die gute Nachricht zu verkünden, den Gefangenen die Freiheit zuzusprechen, den Blinden, dass sie sehen werden und den Unterdrückten die Freiheit zu bringen. Und, das alles nicht erst später, sondern jetzt. Jetzt und mit ihm beginnt eine neue Wirklichkeit, die verändert … wenn die Betreffenden sich darauf einlassen. Aber seine Zuhörer wollen sich nicht darauf einlassen, weil sie ihm die Kompetenz absprechen und weil er ihnen den Exklusivitätsanspruch verweigert. Er fühlt und weiss sich zu denen gesandt, die von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt werden, zu den Loosern.
Er macht die Erfahrung, dass „kein Prophet in seiner Heimatstadt anerkannt“ wird (Lk 4,24). Er provoziert damit Hass und der aufgebrachte Mob versucht ihn zu töten.

Diese Erfahrung Jesu machen auch die Mahner und Reformwilligen unserer Tage in Kirche, Gesellschaft und Politik. „Bloss keine Veränderung! Alles soll so bleiben wie es ist und immer schon war!“ Sicherheit statt Reform. Tradition statt Veränderungskultur. Klientelpolitik statt Soziale Gerechtigkeit. Wirtschaftswachstum statt Energiewende. Freiheit statt Solidarität mit den Ungeschützten …

Und Jesus? Er durchbricht die menschliche Wand aus Hass und Ignoranz, folgt seiner Berufung und „wendet sich den Menschen in Liebe zu“ (Lk 2,14)

GS 1. Feb 2022


alles Menschenmögliche getan

Im ZDF Spielfilm über die Wannseekonferenz „zur Endlösung der Judenfrage“ vor 80 Jahren steht dieser Satz aus dem Protokoll von Adolf Eichmann am Ende der technischen Schilderung der geplanten Ausrottung der Juden in Europa. Er soll die Anwesenden beruhigen, dass der „deutsche Volkskörper“ von der Vergasung nichts mitbekommen wird, es also eine technisch „saubere“ Lösung sei, auch ohne psychische Belastung der ausführenden Deutschen.

“alles Menschen mögliche…“: perfekt in der Unmenschlichkeit des technischen Massenmordens, geplant für 11 Millionen Juden und menschenverachtend verabredet auf einer Konferenz mit Frühstück und Cognac innerhalb von 3 Stunden in einer Luxus-Villa am idyllischen Wannsee. Wir machen es möglich – alles!

Mir kam die Zusage Jesu aus dem Matthäus-Evengelium (Mt 19,26) in den Sinn als Entgegnung auf die resignierte Aussage der Jünger*innen, dass Selbstlosigkeit, Teilen, Verzicht um Gerechtigkeit zu ermöglichen eine Menschen unmögliche Zumutung sei, um gerettet zu werden.

„Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.“

Für Gott ist alles möglich! Auch eine gerechte und friedliche Welt? Auch die Überwindung von Hass und Neid und all dem, wozu Menschen an Unrecht, Unheil und Zerstörung in Gesellschaft und auch in der Kirche fähig sind?

Jesus stellt die Zumutung vor: wenn wir verzeihen und lieben, wie wir es im Vater Unser erbeten, kann Gott das „Himmelreich“ für alle Menschen guten Willens ermöglichen.

80 Jahre nach der technokratischen Verabredung zum Massenmord an den Juden treibt antisemitischer Hass und Fremdenfeindlichkeit immer noch die selbsternannten Erben der Täter dazu den „deutschen Volkskörper“ rein zu halten und alles Menschenmögliche dazu aufzubieten. Die Auforderung Jesu: Lieben und um Erbarmen bitten – das sollte uns um der Menschlichkeit und des Reiches der Gerechtigkeit der Liebe und des Friedens möglich sein.

GS 24. Jan 2022

Für den Bäcker, der den Ofen nicht mehr anmacht

für die Bauern, deren Pflüge stehn

für den Maurer, der die Kelle hinlegt

für die Hirten, die nicht mehr weitergehn

Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten

für den Priester, der sein Gebet vergisst

für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte

und für den Richter, dem nicht zu helfen ist

Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,

für den Opa, der schon vergessen ist

für die Ängste und schlaflosen Nächte

für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen

für die Liebste, die für immer geht

für all das sinnlose Leid hier auf Erden

für unsre Seele, die zum Teufel geht

Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder

soviel Unschuld und Leben zerstört

für die politischen Herrscher

durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte

für unsre Lügen und unsren schlechten Stil

für das Paradies, das wir verloren

für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten

für Präsidenten und Inspekteure

für Adjudanten und Kommandanten

für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten

und Händler mit großem Gewinn

durch Hormone, Drogen und Waffen

für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen

und für die Bauern in unsrer Näh’

für’s Zigeunervolk an den Strassen

für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker

für den Schmied und für den Zimmermann

für das Kerlchen hinterm Schalter

für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes

für den Schatz von dem toten Soldat

für das Mädchen, das keinen abkriegt

für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen

für diejenigen, die ich hier vergaß

ohne Frieden kann keiner leben

ob reicher Knacker oder armes Aas

Source: https://muzikum.eu/en/herman-van-veen/kyrie-eleison-deutsch-lyrics


Sei mutig und stark!

…Über dieses Buch der Weisung sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genauso zu handeln, wie darin geschrieben steht. (Josua 1,6-8)

Während ich dies niederschreibe wird in München der Untersuchungsbericht zum innerkirchlichen Umgang mit Missbrauchstaten unter der Verantwortung der Münchener Erzbischöfe überreicht.

Die Kirchen-Personal-Verantwortlichen und an ihrer hierarchischen Spitze die Erzbischöfe haben weggesehen, weggehört und vertuscht, anstatt konsequent kirchliche und rechtliche Schritte gegen die Täter einzuleiten. Unter ihnen auch Kardinal Ratzinger als Erzbischof von München, als Präfekt der römischen Glaubenskongregation und als Papst Benedikt

Dieser Skandal hat System in der Weltkirche, in Gemeinden, Pfarreien, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen.

Wer sich dem erschütternden Gespräch zwischen zwei Missbrauchs-Opfern und dem Augsburger Bischof (ARD Report München 11. Januar 2022) ausgesetzt hat, kann die Grausamkeit der Täter und das entsetzliche Leid der Missbrauchten nur fassungslos erahnen.

Die deutsche und die römische Kirche versucht nun eher halbherzig in synodalen Prozessen das System zu reformieren. Sie scheitert an den selbstgebauten Hürden, dass wesentliche Strukturen und Ordnungen unverfügbar, sakrosankt seien, da sie vermeindlich göttlichem Willen entspringen oder der kirchlichen Tradition, also schon immer so geglaubt wurden.
Im „Buch der Weisung“, wie es dem Moses-Nachfolger Josua vorgehalten wird, und in den folgenden alt- und neutestamentlichen Schriften findet sich als Handlungsanweisung für Leitende – also auch für die „Hirten“- die Aufforderung zur DienMUT und zur Nächsten- und Feindesliebe um Gerechtigkeit und allumfassenden Frieden zu ermöglichen.

Wenn diese Kirche wirklich umkehren und den Weg der Erneuerung gehen will, um sexuellen und geistlichen Missbrauch zu verhindern und damit Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, braucht sie den MUT den Opfern vorbehaltlos zuzuhören, Fehler und Machtmissbrauch einzugestehen, bis in ihre hierarchische Spitze hinein die Verantwortung zu übernehmen und personelle Konsequenzen zu ziehen. Machtverzicht zugunsten von Synodalität und DienMUT der Amtsträger wären ihre Stärke in einer erneuerten Glaubensgemeinschaft in der Nachfolge Jesu.

GS 20. Jan 2022


Einatmen – Ausatmen

Bei der morgendlichen Lektüre der Schlagzeilen meiner Online-Zeitung verschlägt es mir oft den Atem. Auch die intensivere Lektüre und die Nebenher-Nachrichten verstärken eher dieses Hilflosigkeits-Gefühl gemischt mit Empörung und Resignation.

Zum Ensemble unseres großen Esstisches gehören zwei Postkarten EINATMEN – AUSATMEN. Sie helfen mir in solchen Momenten, lassen mich innehalten, nachdenken, beruhigen und nach einiger Zeit auch Kraft schöpfen, … leben.
EINATMEN – AUSATMEN, mein Lebensrhytmus

Richard Rohr, Franziskaner und spiritueller Lehrer, erzählt von jüdischen Gelehrten, die die Konsonanten des Gottesnamen JHWH deuten als „Versuch, das Atmen des Menschen wiederzugeben: mit JH den Zug des Einatmens und mit WH den Zug des Ausatmens!“ (R.Rohr, Ins Herz geschrieben, Herder 2008, S.189). Gott* ICH-BIN-DA-BEI-EUCH „ist uns verfügbar und zugänglich, wie unser Atem“ (ebd.), ist lebensbegleitend – ja ist das Leben selbst!

Auch, wenn es mir mal den Atem verschlägt,kann ich zurückfinden zum EINATMEN – AUSATMEN, meinen Lebensrhytmus wiederfinden im Vertrauen darauf, dass Gott* mich atmen lässt.

Der mich atmen läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich leben läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich schweigen läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich reden läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich warten läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich handeln läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich wachsen läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich Mensch sein läßt
     bist Du, lebendiger Gott

Der mich atmen läßt
     bist Du, lebendiger Gott

(Anton Rotzetter, “Gott, der mich atmen lässt”, Herder-Verlag Freiburg, 2000, S. 98)

GS 11.Januar 2022


Besser-Wünsche-Zeit

Im Ritual des Jahreswechsels ist der Gut-Wunsch fester Bestand. Wobei den Bewünschten das subjektive „Gut“ zu füllen bleibt. Letztlich wird sich erst im Jahresrückblick zeigen, ob es wirklich ein gutes Jahr war für mich.

Aber bei allen Wunsch-Individualismen gibt es dennoch eine gemeinsame Sehnsucht nach Frieden für die Welt, sprachlich für mich am schönsten und umfassensten ausgedrückt im hebräischen Segens-Gruß SCHALOM. שלום bedeutet zunächst Unversehrtheit und Heil. Doch mit dem Begriff ist nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe (Wikipedia)

Schalom ist aber anders als SEKUNDENGLÜCK (Herbert Grönemeyer) eine Aufgabe, ein Vorsatz, eine Perspektive zur Gestaltung unserer Gesellschaft. Schalom beginnt mit mir und meinem Handeln in der Hoffnung auf Anschlussfähigkeit mit Gleichgesinnten, sozusagen eine Friedensbewegung.
In der Weihnachtsbotschaft der Bot*innen Gottes heisst es: „Gottes Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!“ (Lukas 2,14)
Friede als Gottes-Geschenk an Menschen, die versuchen in Liebe miteinander zu leben.

Am Anfang dieses neuen Jahres eine bleibende Zumutung nicht nur in Krisenzeiten.

„ … Let it begin with me… „ singen Isley Brothers & Santana in einem Gospel (Good Spell – Gute Botschaft) „ The peace that was meant to be |With God as our Father | Brothers all are we | … In perfect harmony | Let peace begin with me | Let this be the moment now | With ev’ry step I take | … To take each moment and live | Each moment in peace eternally

SCHALOM ist mein Besser-Wunsch für das eben begonnene Jahr!

GS 3. Januar 2022


Gedanken in der Zwischenzeit

Schon wieder und Gott-sei-Dank ist es Herbert Grönemeyer, der meine Zeilen in diesen Tagen der Zwischenzeit füllt:

Gerade in dieser Zeit und am Ende dieses krisengeschüttelten Jahres bin ich eher resigniert, manchmal zynisch, wenig wende-erwartungsfroh, aber doch an manchen Tagen auch wieder gegen-allen-Anschein-hoffend. Insbesondere, wenn wie heute morgen der Regenbogen am Himmel steht, das biblische Zeichen für den Friedensbund Gottes mit den Menschen.

Herbert Grönemeyer gibt mir mit „Mut“ einen Impuls zum Aufstand, dem ich mich nicht entziehen kann und will. „ Der Funke glimmt für einen Aufbruch, der gegen alle Ströme schwimmt“

Ja, ich möchte in das neue Jahr aufbrechen mit MUT und eintreten für eine“weite Zeit“, die unsere engen Sicht- und Denkweisen, unsere Egoismen weitet und offen ist für die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit für alle Menschen.
Als Glaubender hoffe ich, dass der mitgehende und sorgende ICH-BIN-DA-Gott* uns Mut und Kraft dazu gibt.

Für ein mutiges und friedenstiftendes neues Jahr unter dem Regenbogen

GS 28. Dez 2021

Mut

Es richten die Augen sich in die Stille
Es verfliegt die Unrast im Firmament
Da ist das zarte Blau im Schnee
Zuversicht zwischen Zeilen
Gedanken in der Zwischenzeit
An alle und die schon sehr fehln

Ich rede einmal nicht
Und lass mir erzählen von einer ganz anderen Sicht

Rund um den geweihten Abend
Zieht das Jahr Bilanz
Entlässt die Fehler und lehrt verzeihn
Das Leben ist ein Seiltanz
Ein hauchzartes Porzellan
Versuchung und Unwägbarkeit

Doch der Funke glimmt
für einen Aufbruch
der gegen alle Ströme schwimmt

Wie verbreitet sich der Mut des Herzens
Wie enteilt man der Raserei
Und bring ich Ruhe in die Bewegung
und steh ich auf für eine weite Zeit

Es gibt kein Süd
es gibt kein Nord
es gibt kein West, kein Osten
Es eint der Wunsch nach Heim und Hort
Nach sichrem Halt und Unterstand

Wie verbreitet sich der Mut des Herzens
Wie enteilt man der Raserei
Und bring ich Ruhe in die Bewegung
und steh ich auf für eine weite Zeit

Herbert Grönemeyer – Tumult 2018


Ihr Hirten erwacht!

Von meinen Pastoren (Hirten) erhielt ich, wie viele andere ehrenamtlich in der Pfarrei (paroikia = umzäunter Bereich am Haus, Nachbarschaft – oder: das Wohnen eines Fremden in einem Orte ohne Bürgerrecht ) Tätigen, einen weihnachtlichen Hirtenbrief mit dem Text des Liedes „Ihr Hirten erwacht“ Dem Brief beigelegt war eine dunkelblaue Tragetasche mit dem Aufdruck einer Karrikatur von Tiki Küstenmacher – eine Schafsherde mit einem herausragenden Schaf mit Kreuz um den Hals und einer Sprechblase „Ich gehöre dazu.“ Unterschrift, von anderen Schafen gehalten: „Gott sei Dank!“

Ein gut gemeinter, schmunzelnder Weihnachtsgruss?

Am Anfang meines hauptamtlichen Dienstes in der katholischen Kirche vor 41 Jahren verfasste ich, damals Zivildienstleistender mit frischem theologischen Diplom, einen Schäfchenbrief in der Zeitschrift für katholische Jugendarbeit in der Stadt Essen. Eine Reaktion auf einen Hirtenbrief der deutschen Bischöfe zum Entzug der Lehrerlaubnis des Kirchenkritikers Hans Küng (Januar 1980) und der bischöflichen Wahlempfehlung anlässlich der Bundestagswahl 1980 die CDU/ CSU zu wählen. Tenor meines Schäfchenbriefes: Bevormundung und Unterdrückung kritischer Lehre widerspricht dem mündigen Christsein und einer synodalen Kirchenordnung. Die Strafe: Ein Monat Altkleider sortieren im Keller einer stillgelegten Zechenanlage.

An der klerikalen Selbstsicht -Hirten und zu beseelsorgende Herde- hat sich anscheinend bis heute nichts geändert.

Als Kirchenschaf frage ich mich allerdings, wie hat Jesus, der gute Hirt eigentlich diese Hirtensorge gemeint?
Johannesevangelium: Der Hirte kennt jedes seiner Schafe mit Namen. Die Schafe kennen seine Stimme und folgen ihm. Jesus, der gute Hirt will das gute Leben für seine, ihm folgenden Schafe (Joh 10, 1-11).
Die Amtsanmassung der kirchlichen Hirten beruft sich auf das Liebesbekenntnis des Petrus: „Liebst du mich mehr, als die hier mich lieben? Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: »Sorge für meine Lämmer!« (Joh 21,15) Das ist der Auftrag des auferstandenen Christus, der seine Nachfolge regelt, die begründet ist in einer charismatischen Liebe und nicht in einer heiligen Kirchenordnung und Standesgesellschaft.

Botschaft und Auftrag Jesu ist auf einen Liebesdienst ausgerichtet und nicht auf fürsorgende Unmündig- und Abhängigkeit.

„Ihr Hirten erwacht!“ Wendet Euch denen zu, die in „Armut und Not“ sind und erkennt in ihnen Gott, der sich der ganzen Menschheit zugewandt hat und für alle „Leben in Fülle“ will. „Betet ihn an“, verkündet diese frohe Botschaft, dass Gott da ist und mit uns geht. Lebt das, glaubwürdig! Seit „Boten des Friedens“ in dieser friedlosen Welt, damit unsere „Nacht erhellt“ wird. Entsagt eurem Machtgehabe und -gebaren, denn „Der Herr ist zugegen mit himmlischer Macht.“ Er bringt Gerechtigkeit und Frieden in die Welt, wenn wir alle seine Liebesbotschaft glaubwürdig und geschwisterlich leben.

Frohe Menschwerdung!

GS 21.Dez 2021


Was sollen wir tun?

In diesen Wochen nach der Regierungsübernahme warten wir darauf, „dass die Regierung liefert“ . Das, was wir erwarten sind Maßnahmen, die wirkungsvoll die Pandemie bekämpfen mit dem Ziel sie zu beenden, damit wir wieder normal leben können. Gleichzeitig erwarten wir von den Regierenden eine Wende in der Klimakrise, die das Ziel der Erderwärmung auf beherrschbare maximal 1,5° C ermöglicht. – Wir warten, Ihr liefert, denn das habt ihr vor Eurer Wahl versprochen!

Führende Politiker wie Söder und Spahn haben in der Pandemiebekämpfung von Erwartungsmanagement gesprochen.

Die Notwendigkeiten zum Handeln in dieser Krisen-Zeit sind aber gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, d.h. jede*r ist zur Verhaltensänderung aufgefordert. Die dazu notwendigen Maßnahmen sind hinlänglich bekannt und werden nahezu täglich propagiert und von besonders Betroffenen appellhaft bis verzweifelt auch in den verschiedenen Socialmedia-Plattformen, in Print- und Digitalmedien und auf der Straße eingefordert.

Verhalten ändern ist schwer, insbesondere wenn sie radikal anmuten, unvorstellbar sind; auch wenn prophetische Wissenschaftler*innen und charismatische junge Menschen sie uns gebetsmühlenartig immer wieder vorstellen.

Das war auch vor 2000 Jahren schon so, als der Wendeprophet Johannes auftrat „ein einsamer Rufer in der Wüste“ und dazu aufrief die eigene Schuld einzusehen, sich Gott wieder zuzuwenden und seine Lebensweise zu ändern. „Zeigt durch euer Verhalten, dass Ihr Euer Leben wirklich ändern wollt!“ (Lk 3,8) Nur dann könne sich Wesentliches gesellschaftlich, wie religiös ändern, könnte die Wende zu Gerechtigkeit und Frieden vollzogen werden.

Die Menschen, Staatsbedienstete und Soldaten, die er mit seiner Botschaft erreicht sind zur Wende bereit und fragen: “Was sollen wir denn tun?“ Die Antwort des Johannes verlangt nichts Unmögliches. Die von ihm im Namen Gottes geforderte Verhaltensänderung ist in gewisser Weise sogar leicht: Teilen, wenn man mehr hat, als man braucht. Sich an die gesetzlichen Regeln halten und niemanden über den Tisch ziehen. Die eigene Macht nicht missbrauchen. –

Zumutungen, die auch in unseren Krisen die Wende bringen würden.

GS 14. Dez 2021


Changemaker


`Schafft Raum für das Kommen des Herrn! Ebnet ihm den Weg! Die Täler sollen aufgeschüttet, die Berge und Hügel eingeebnet werden! Das Krumme soll gerade und das Raue glatt werden!‘
Der Prophet Johannes markiert mit seiner Mahnung und Botschaft einen Wendepunkt:
Nicht der Tempel-Opfer-Kult und die Einhaltung der Gesetze sind das Zentrum einer geistig-geistlichen Erneuerung, wie Gott sie seinem Volk zumutet, sondern die Beseitigung dessen, was seinem Kommen im Wege steht – in uns und unserer Art zu leben, unseren Wiederstände gegen ein Leben in der göttlichen Ordnung, in der Liebe und Gerechtigkeit die Leitkriterien sind.
In seinen Reden vor den Neugierigen, die zu ihm in die Wüste kommen, um durch eine Taufe im Jordan ein Zeichen für ihre Umkehrwilligkeit zu setzen, wird Johannes radikal deutlich:
„Beweist durch euren Lebenswandel, dass ihr euch wirklich von euren Sünden abgekehrt und Gott zugewandt habt.“
Johannes bereitet die religiöse und soziale Wende vor. Er weist hin auf seinen Cousin Jesus, der von Gott berufen ist das Programm der neuen göttlichen Weltordnung, die Regierungserklärung des Reiches Gottes in der Bergpredigt zu verkünden. Er hat diese Botschaft konsequent gelebt – bis zur Selbstaufgabe im Dienst Gottes an den von ihm geliebten Menschen.

GS 5. Dezember 2021


Ich bete!

Ich bete, weil … ist eine Plakataktion des konservativ-fundamentalistischen, überkonfessionellen Fernsehsenders bibel.tv

Sie dokumentiert Gebets-Motivationen und -Traditionen von Menschen, die überwiegend freikirchlichen oder charimatischen Gruppierungen nahestehen.

Meine erste Reaktion -den Spruch: Not lehrt beten im Kopf- war im Vorbeifahren, welche Not steht als Intention dahinter? Mein zweiter Gedankenstrang nach einem Kilometer: Toll, das Gebet wird zum Bekenntnis! Der dritte Kilometer/ Gedankenstrang: Was stört Dich eigentlich an der Aktion ( hinter der viel Geld steckt!)?

Ich bete! Nicht zu festen Zeiten oder regulierten Ritualen -obwohl mir solcher Rhythmus gut tut- sondern situativ.Wenn mich etwas bewegt und ich es Gott mit-teile. Ja, vielleicht ein Selbstgespräch im Vertrauen darauf, das Gott meine Sorge teilt, meine Not sieht, weil er ein Interesse an uns Menschen und dieser seiner Schöpfung, in und von der wir leben, hat.

Manchmal bete ich auch öffentlich, ich „fürbitte“, ich lobe und danke, ich klage und zweifle.

In manchen Situationen finde ich Gebetsvorlagen in der reichen Gebetstradition meiner Religion, in den Psalmen oder in der Gebetsliteratur unserer Tage. Mein Gebet muss zu mir, in meine Situation und die der Menschen, denen ich verbunden bin, passen.
Ich bete, weil … plakativ an die Wände zu kleben widerspricht meiner Meinung der Gebetsempfehlung Jesu: »Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen, an den Straßenecken (und Kirchen), damit sie von allen gesehen werden. … Wenn du betest, geh an einen Ort, wo du allein bist, schließ die Tür hinter dir und bete in der Stille zu deinem Vater. Denn er ist auch da, wo niemand zuschaut. Dann wird dich dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, belohnen. …Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Ungläubigen. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet!“ (Mt 6)

Mit diesem Vertrauen auf den sorgenden und liebenden Gott kann ich beten: Vater und Mutter unser, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe …

GS 9. Nov 2021

Foto: Guido Schürenberg

Mit Aller Liebe für die Welt

In dieser Woche feiern die Katholiken Allerheiligen und die Protestanten Allerseelen. Das Sonntagsevangelium verweist für ein gelungenes Leben auf die Gottes- und Nächstenliebe (MK 12, 28-34) und die internationale Politik hat nichts geringeres als die Welten(Klima)Rettung auf dem Programm (COP 26).

Ergibt dieser Themenmix einen Sinn? Oder trenne ich -wie so oft- besser Glaube und Welt, Religion und Politik.

Zu meiner Welt-Anschauung und meiner politischen Praxis gehört Glaube und Handeln zusammen oder wie der Gründer von Taizé, Roger Schütz es formuliert hat „Kampf und Kontemplation“.

Der Anspruch dieses Wochen-Themen-Mix steckt für mich im Begriff ALLE.

Heilig bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges und stammt wortgeschichtlich von Heil ab.
Heilige sind also im christlichen Sprachgebrauch besondere Menschen, die sich auszeichnen durch ihren Glauben an Gott und ihren Einsatz für eine bessere Welt der Gerechtigkeit und Liebe. Manche haben einen Namen und ihre Geschichte ist bekannt, andere bleiben unerwähnt, ihre Wirkungsgeschichte wurde nicht dokumentiert und deshalb nicht mit einem eigenen Namensfest gefeiert. Paulus bezeichnet alle an Jesus Glaubenden als Heilige und so wird an Allerheiligen und an Allerseelen der lebenden und verstorbenen Christen und ihrem Wirken in der Welt gedacht.

Zwei heilige Märtyrer unserer Tage waren Dietrich Bonhoeffer und Max Joseph Metzger, beide Pfarrer und für ihren Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden von den Nationalsozialisten hingerichtet. Beide riefen die christlichen Kirchen schon in den 1930er Jahren auf Verantwortung für das Überleben der Menschheit zu übernehmen, indem sie ein ökumenisches Konzil für Gerechtigkeit und Frieden forderten. In den 1980er Jahren wurde dieser Aufruf aufgegriffen und um die Verantwortung für die bedrohte Schöpfung erweitert. Manche, die sich heute bei Christians for Future engagieren sehen sich in der Tradition dieses Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Für mich gründet dieses Engagement in Jesu Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, das auch die gottgeschenkte Schöpfung als Lebensgrundlage einschließt.

GS 3. Nov 2021


Mission irrelevant?

Am Sonntag beging die katholische Kirche den Weltmissionssonntag.

Die historischen Assoziationen kommen sofort: Zwangsmissionierung der Völker Mittel- und Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen mit Kreuz und Schwert seit dem 15ten Jahrhundert bis zum Hungertod von Inuit-Kindern in Katholischen Internaten Kanadas im 20ten(!) Jahrhundert.

Mission heisst Sendung, Christen fühlten sich von Jesus gesandt die frohe Botschaft vom liebenden, barmherzigen Gott der Gerechtigkeit, das Evangelium allen Völkern, allen Menschen zu verkünden.

Es ging um Nächstenliebe, Befreiung, Gerechtigkeit. Die Kolonisatoren bemächtigten sich dieses Auftrags und brachten Unterdrückung, Krankheiten, Ausbeutung, Sklaverei, Tod – die Perversion dessen, was Jesus verkündet hatte, mit dem Segen der Kirche. Die Missionare wollten die Heiden bekehren, sie retten vor der Verdamnis. Inkulturation ist eine Haltung des späten 20ten Jahrhunderts und in kirchlichen Kreisen auch immer noch nicht allgemeine Überzeugung.

Aber was wäre denn unsere zukunftsfähige Mission als Christen heute? Welche Botschaft haben wir zu verkünden dem Abendland, das schon längst nicht mehr durch christliche Werte geprägt ist.

Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit lohnt sich das Wiederaufgreifen der Ideen und der Spiritualität des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, an die Theologie der Befreiung und das indigene Lebensprinzip des Buen Vivir.

Mit einer solchen überzeugend gelebten Botschaft wären Christen wieder relevant und das Christentum zukunftsfähig.

GS 26. Okt. 2021


Jesus-Lizenz

Es scheint ein Urheberrecht für Segenshandlungen zu geben. Das Etikett „im Namen Jesu“ wollten die Christen von Anfang an monopolisiert wissen und gebunden an die von der Gemeinschaft Beauftragten (Männer).
So jedenfalls spiegelt es sich im Markusevangelium, gerichtet an die Christengemeinde und deren Nachfolgende:

»Lehrer, wir haben da einen Mann gesehen, der hat deinen Namen dazu benutzt, böse Geister auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht zu uns gehört.« (Mk 9, 38)
Überraschend, wie Jesus mit dieser vermeintlichen Urheberrechtsverletzung umgeht:
»Lass ihn doch!«, sagte Jesus. »Wer meinen Namen gebraucht, um Wunder zu tun, kann nicht im nächsten Augenblick schlecht von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!« (Mk 9, 39f)

Das Verhaltensmuster der Jünger ist uns auch heute noch wohl vertraut und mal ehrlich, reagieren wir nicht ähnlich?
Wer darf im Namen Jesu die „die Messe halten“, Sünden vergeben, segnen? „Natürlich“ nur geweihte (männliche) Priester und „gültig“ sowieso nur bei Einhaltung der vorgeschriebenen Form.

Und was ist schlecht daran, wenn jemand christlich handelt ohne sich als Christ zu bezeichnen?
Eher ist es fatal, wenn das C missbraucht wird, um der Lehre Jesu entgegenstehendes Handeln zu Labeln.

„Böse Geister aus (der Welt) zu treiben“ ist auch für uns eine bleibende Herausforderung. Am besten gelingt dies, wenn wir Gutes zusagen (bene dicere = segnen), im Vertrauen darauf, dass es wirkt.
Den Segen Jesu, des Christus dazu haben wir allemal. Diese Lizenz ist nicht an ein Amt oder an eine Kirche gebunden, sondern Allgemeingut für ein Gutes Leben für alle Menschen auf dieser Gott geschenkten Erde.

Foto: Greenpeace-Aktion 2019 – ©spiegel.de

GS 28. Sept 2021


Richtungswahl

In diesen Wochen vor der „Richtungswahl“ ist das Popularitätsranking anscheinend das Wichtigste und so werden wir täglich statt über klare Positionierungen der Parteien zu den Zukunfts-, Lebens- und Überlebensfragen mit Parteien- und K-Kandidat*innen-Ranking hingehalten und beschäftigt. Für manche von uns interessierten Bürger*innen ist die Entscheidung -mehr oder weniger zufriedenstellend- ohnehin schon per Briefwahl gefallen. Aber die noch Unentschiedenen erwarten noch parteiliche und personelle Hinweise, was Priorität der Politik für die Zukunft haben wird und wie dies ab wann bewirkt werden soll.

Jesus hat dem Ranking-Geplänkel seiner Nachfolger eine klare Position und Richtung gewiesen: Den glaubwürdigen Einsatz für eine lebenswerte Zukunft der Kinder und Enkel und den Einsatz für die „Kleinen“:

Sie schwiegen, denn sie hatten sich gestritten, wer von ihnen wohl der Größte wäre.
Da setzte Jesus sich hin, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: »Wer der Erste sein will, der muss der Letzte von allen werden und allen anderen dienen!«
Und er winkte ein Kind heran, stellte es in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
»Wer in meinem Namen solch ein Kind aufnimmt, nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern gleichzeitig den, der mich gesandt hat.«
(Mk 9,33-37)

Stellen wir die Zukunft der Kinder und Enkel in die Mitte unseres (politischen) Handelns? Verstehen wir uns als Diener am Wohl der menschlichen Gemeinschaft?
Fragen, die sich nicht nur Politiker*innen stellen müssen, sondern genauso ich und jede*r einzelne von uns.

Das Kindes- und Enkel-Wohl bestimmt die Richtung und nicht das Konservieren des Bestehenden.
Jedenfalls definiert Jesus so christlich-parteiisches Handeln entsprechend dem Willen Gottes.

Wir haben die Richtungswahl!

GS 21.Sept 2021


Für wen hälst Du mich – eigentlich?

Jetzt präsentieren sie sich wieder, die Parteien, ihre Positionen zu den Themen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und vor allem die „Volksparteien“ ihre Kanzlerkandidat*innen und deren „Kompetenz-Teams“. Angesichts unserer Welt-Zukunft überzeugen sie alle nicht mit klaren Perspektiven und Maßnahmen. Denn das, was da auf uns zukommt, auch als Konsequenz von Ignoranz und nationalen, persönlichen, wie wirtschaftlichen Egoismen, ist existenzbedrohend für die Menschheit.

Von daher sind alle erforderlichen Massnahmen Zumutungen. Entsprechend diffus und unklar bleiben die konkreten Forderungen und Handlungsperspektiven.

Den Wähler*innen wird unterstellt, dass ihnen nichts zuzuMUTen ist, da sie sich ja in ihrem „Wohlstand“ eingerichtet haben.

Wenn wir in dieser zukunftsbedrohlichen Situation Politiker*innen wählen wollen, die die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft gestalten und mutig handeln sollen zum Wohle des Volkes, müssen wir wissen, wofür sie stehen, für welche Werte und welche Sichtweisen auf diese Welt. Es entstehen Bilder und Erwartungen, von den Kandidat*innen geweckt. Passen oder gar biedern sie sich diesen Bildern und Erwartungen an oder sind sie ehrlich und glaubwürdig und stehen zu den Zumutungen?

Im sehr „volksnahen“ Evangelium des Markus fragt Jesus seine Anhänger: „Für wen halten mich eigentlich die Leute?“ und nachdem diese ihm die Ergebnisse der kleinen Meinungsumfrage präsentiert haben, hakt er nach und fragt: „Und Ihr, für wen haltet Ihr mich?“ (Mk 8,27-29)

Er will wissen, auf wen er sich angesichts der Zumutungen seiner Zukunftsbotschaft verlassen kann, wer zu ihm stehen wird und mit ihm dieses Reich Gottes der Gerechtigkeit und Liebe gestalten und leben will. Und natürlich steht auch seine Glaubwürdigkeit in Frage, erkennbar in seinem Lebensstil, seinen Handlungen und seiner Bereitschaft, dafür alles zu geben.

Wenn wir Politiker glaubwürdig und nicht populistisch anbiedernd und indifferent erleben würden, wäre die Wahl einfacher und motivierender. Und es bestünde eine realisierbare Chance lebenswerte Zukunft gemeinsam zu gestalten und das Leben auf diesem Planeten zu retten.

GS 14. Sept 2021


Mitteilungsbedürfnis

Manche*r kann ja seine Klappe nicht halten, postet und kommentiert eigene Meinung und Erfahrungen, Beobachtungen und Analysen zu „Gott und die Welt“. Wobei der Anteil WELTERFAHRUNGEN in meiner sozialen Blase deutlich im Vordergrund steht. Und wenn von Gott mal die Rede ist, dann meist verbunden mit negativen Kirchenerfahrungen. Diese erzählen allerdings weniger von Gott, als von Ohnmachtserfahrungen angesichts menschlich-hierarchischem Machtgebahren.

Wenn dann mal ein gegenläufiges und mich bestätigendes oder aufbauendes Narrativ die Runde macht, das deutlich macht, dass GOTT* mit dieser, seiner Welt noch nicht am Ende ist, dass wir Menschen mit ihm eine Zukunft haben, dann sollen es alle erfahren.
Irritierend ist da für mich die Aufforderung Jesu bloß nichts von seinen Heilungen und Heilstaten zu erzählen: „Jesus verbot den Anwesenden, es irgendjemand weiterzusagen“ (Mk 7,36)
Offensichtlich wollte er keinen Personenkult, die Titel Heiland und Messias schon gar nicht, denn sie wecken Erwartungen. Ihm ging es darum durch sein Handeln die Menschen in ihrem Glauben an GOTT* zu bestärken und so sollte die gute Nachricht – good spell, gute Erzählung, Evangelium, Gospel- fühl- und erfahrbar werden.

Anscheinend ist auch in meiner Bubble diese Erfahrung, diese Gute Nachricht nur sehr selten, sonst müssten wir doch mehr davon erzählen, wie es ein Lied des Schriftstellers Josef Reding aus den 80ern singt: „Die gute Nachricht singt hinaus, Gott sendet seine Menschen aus, so Dich und mich und sie und ihn …“

Ja, es wäre uns ein inneres Bedürfnis, wir könnten gar nicht anders „Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben“ auch wenn man uns auffordert die Klappe zu halten, wie Petrus und Jakobus vor dem jüdischen Religionsgericht, nachdem sie im Namen Jesu Heilungen bewirkten. (Apg 4,20).

Damit unser Mitteilungsbedürfnis aber nicht in unserer kleinen Kirchen-Bubble bleibt, sondern die Menschen erreicht, sollten wir die Gute Nachricht auf allen uns zur Vefügung stehenden SocialMedia-Kanälen immer wieder posten – mit glaubwürdigen Geschichten, wie wir sie als uns gut tuend erfahren haben.

GS 7. Sept 2021


Innere Hygiene

Hygieneregeln bestimmten schon immer unseren Alltag, manche wurden zum täglichen Ritual von klein auf angelernt: „Vor dem Essen, nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen“

Unhinterfragt, hilfreich, evident. In Krisenzeiten Leben schützend und von der Mehrheitsgesellschaft, dem Mainstream fraglos gelebt.

Manche dieser Reinigungs- oder Schutzrituale werden lieb gewordene und Sicherheit gebende Tradition, von der Zivilgesellschaft oder auch nur vom näheren sozialen Umfeld, der Bubble als vorgegeben akeptiert.

Regelbrecher*innen und Ritualverweiger*innen werden diskreditiert, ohne nach den dahinterstehenden Gründen zu fragen.

Die jüdische Religion kennt eine Vielzahl überlieferter Gesetze und Regeln, die peinlichst genau beachtet werden und deren kollektive Einhaltung Voraussetzung für die Ankunft des Messias ist.

Umso mehr provoziert die Schriftgelehrten und Gesetzeshüter der laxe Umgang der Jünger Jesu, der ja als Messias (ein Titel, den er nie in Anspruch genommen hat) verkündet wird, mit den Hygieneregeln insbesondere bei den Mahlzeiten. Es geht um rein oder unrein – koscher oder treife.

Jesus bezeichnet sie als Heuchler und verweist auf ein Wort des Propheten Jesaja: ›Dieses Volk ehrt mich nur mit Worten, sagt Gott, aber mit dem Herzen ist es weit weg von mir.
Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos, denn sie lehren nur Gebote, die sich Menschen ausgedacht haben.‹
Das Gebot Gottes schiebt ihr zur Seite und haltet euch stattdessen an Vorschriften, die von Menschen stammen.« (Mk 7)

Jesus fordert die innere Hygiene, die Achtsamkeit auf gute Gedanken und eine offene, versöhnliche Haltung, das was wir als innere Werte bezeichnen.

Diese werden nicht als Gesetz verordnet, sondern aus dem Hören auf Gottes Wort entwickelt.

Wort-Gottes-Dienste statt Reinigungsrituale und verbotene Speisen.

Die Einhaltung der geltenden Hygiene-Regeln in der Pandemie schützen nicht nur mich,sondern auch die vielen Ungeschützten, insbesondere Kinder, mit denen ich Kontakt habe.

Für die richtige Händedesinfektion werden 20-30 Sekunden empfohlen – Zeit genug für ein Gebet, das von innen heraus kommt.

GS 31. Aug 2021

Ich bitte dich, Herr, um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen,
um auf dem großen Wege zu dir
einen kleinen Schritt weiterzugehen.

Ich bitte dich, Herr, um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen

Morgengebet von Ernst Ginsberg


Glaubenskrise

„Wollt nicht auch Ihr gehen?“ seit ich diese Frage Jesu an seine seine engsten Freunde im Sonntags-Johannes-Evangelium las, klingt sie immer wieder in mir nach, beschäftigt mich und stellt auch meine Kirchenerfahrungen infrage.
Der Anlass für die Frage waren aber die Glaubenszumutungen die Jesus predigte: Er allein sei der von Gott bevollmächtigte Verkünder des Willens Gottes. Dieser von Jesus verkündete Wille Gottes bezog sich auf den persönlichen Lebensstil, wie auf den sozialen Umgang miteinander, also das, was in der „Bergpredigt“ als Grundsätze des Reiches Gottes beschrieben wird: Nächsten- und Feindesliebe, Versöhnungsbereitschaft, Gewaltverzicht, Gerechtigkeit und Frieden schaffen und halten, Verzicht auf Luxus und Ausbeutung, sich mit dem zum Leben notwendigen begnügen, Ehrlichkeit und das Vertrauen darauf, dass Gott den Menschen Gutes will, weshalb sie ihn allein als Gott verehren.
Den geistlichen Volksführern und Theologen wirft er Heuchelei und Verrat am Willen Gottes vor, weil sie vom Volk fordern, was sie selbst nicht leben und nur ihre Macht sichern wollen.

Die Reaktion der Zuhörer:

»Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!« (Joh 6,60)

Ähnliche Reaktionen kennen wir auch heute auf polarisierende Reden und Statements von Politikern und Kirchenmännern. Zumutungen, insbesondere, wenn sie unseren Lebensstil, unseren Konsum oder unsere Freiheiten betreffen, sind nur schwer zu ertragen und das Zukunftsversprechen muss schon sehr attraktiv sein, wenn wir uns darauf einlassen.

Das diese Zukunfts-Lebens-Botschaft Jesu lebbar und erlebbar ist, habe ich auch in kirchlichen Gemeinschaften erfahren, in die ich hineingewachsen bin und denen ich z.T. meine heutigen Überzeugungen und Hoffnungen verdanke.

Aber Jesu Anfrage an seine Vertrauten und auch an mich geht tiefer: Wollt Ihr euch von mir, meiner Botschaft, und damit eurer Beziehung zu Gott, der euch Vater und Mutter ist, trennen? Oder anders gesagt, ist Gott und sein Wille noch relevant für euer Leben?

Das ist eine Glaubenszumutung!

Die Antwort der Jünger damals: „Wohin sollen wir gehen, nur Du hast Worte, die uns Leben lassen!“

GS 24. Aug 2021


Vorhersehbar

Wenn ich auf die sich überschlagenden Ereignisse in Afghanistan schaue, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Menschen dort sehe, die mit und für die Natoeinsatztruppen gearbeitet haben, die für ihre Kinder und insbesondere für die Mädchen auf Bildung setzten und für die Frauen auf ein selbst bestimmtes Leben hofften, so überkommt mich Wut angesichts des völligen Versagens der Regierungen der Schutzmächte. Ich schäme mich der hysterischen Angst, die in Europa vor den zu erwartenden Flüchtlingen geschürt wird. „Wir dürfen nicht wieder in eine Situation wie 2015 kommen“. Und ich bin fassungslos angesichts der wegschauenden Politiker in einem Bundestags-Wahlkampf, der meint ohne Zumutungen angesichts der Krisen auf der Welt auskommen zu können.

Dabei war die unverzügliche Machtübernahme durch die islamistischen Taliban und die Rücknahme aller Freiheits- und Menschenrechte durch die Scharia absehbar.

Für Europäer, die sich doch den jüdisch-christlichen Werten verpflichtet fühlen, gibt es in dieser Bedrohungssituation nur die Option der Solidarität mit denen, denen „man sich vertraut gemacht hat“ und denen man Schutz versprochen hatte. Und für uns Christen das Gebot der Nächsten- und Fernstenliebe, d.h. den zu uns fliehenden Schutz, Unterkunft, Lebensmittel und medizinische Versorgung anzubieten und wenn sie bei uns bleiben wollen, für Integration, Bildung und für ein menschenwürdiges Leben Sorge zu tragen.

Andernfalls gilt für uns der Vorwurf Jesu der Heuchelei:

„Ihr Heuchler! Aus den Zeichen am Himmel oder auf der Erde könnt ihr das Wetter vorhersagen. Warum könnt ihr dann nicht beurteilen, was heute vor euren Augen geschieht? Warum weigert ihr euch zu erkennen, was gut und richtig ist?“ (Lk 12,56f) und die Anfrage:

„ … Herzensbarrikaden, wer kämpft noch für wen?
Wir meiden die richtigen Fragen, wir streunen ums Problem.
Du traust dem Impuls und bleibst immer kühl
Du erlaubst dir nicht, dich zu entziehn
Und deine Fassung ringt
Weil Fassung nichts mehr bringt, nichts mehr bringt
Bist du da, wenn Seelen verwaisen?
Bist du da, wenn zu viel Gestern droht?
Wenn wir verrohen, weil alte Geister kreisen?
Bist du da? …“ – (Herbert Grönemeyer, Tumult 2018)

GS 17. Aug 2021


Apocalypse Now

gilt als einer der größten Klassiker des Anti-Kriegs-Films. Der 1979 erschienene psychedelische Vietnam-Albtraum zeigt den Wahnsinn, die Perversion und die Sinnlosigkeit von Kriegen.

Zeitgleich wurde für den amerikanischen Kongress die Studie GLOBAL 2000 entwickelt (1980 in Deutschland veröffentlich). Deren Szenarien muteten schon damals apokalyptisch an und forderten zu weltweitem, vernetzten Handeln auf, um die sich abzeichnende ökologische Katastrophe zu verhindern.
Unterschiedlich motivierte Bewegungen in den Zivilgesellschaften und Religionsgemeinschaften und nicht zuletzt #fridaysforfuture versuchen die drohende Umwelt-Apokalyse durch Aktionen und politisch-ökonomische Forderungen zu verhindern. Der UN-Klimagipfel von Paris 2015 mit seinen von 175 Staaten unterzeichneten Klimazielen war ein politisches Hoffnungszeichen für weltweites Handeln – die Konkretionen der erforderlichen Massnahmen stehen bis heute aus. In seiner Enzyklika LAUDATO SI (2015) ruft Papst Franziskus alle Menschen auf Verantwortung für das „gemeinsame Haus“ zu übernehmen und gemeinsam die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen.

Der WELTKLIMA-Bericht des IPCC (Weltklimarat der UNO) zeigt unmissverständlich die Folgen des von uns allen verursachten Klimawandels auf und die Bilder aus Griechenland, Grönland, Kalifornien, dem Ahrtal, Erftstadt, Eschweiler, Schleiden, Stolberg, … illustrieren dies. Sie dokumentieren Versagen, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit, aber auch Solidarität und Zusammenhalt inmitten der Katastrophe.

Es gibt kein „weiter so“!

In den Religionen weisen apokalyptische Schriften und Zustände auf eine Zeitenwende hin und der religiöse Mensch besinnt sich auf die göttliche Zusage ICH BIN DA – immer.

So gibt der Psalmvers: „Doch gerade an Tagen, an denen ich mich fürchte, vertraue ich auf Dich“ (Ps 56,4) den gläubigen Beter_innen Halt in apokalyptischen Zeiten. Er entbindet uns nicht davon durch persönlichen Verzicht und einen ökologisch angepassten und verantwortlichen Lebenstil unseren Teil zur Erreichung der UN-Klimaziele beizutragen.

Das wäre ein Beitrag für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und Enkel und eine wirkliche ZEITENWENDE.

GS 11. August 2021


Ausgesandt sein: zwischen Gehen und Bleiben

Ich bin hin- und hergerissen zwischen gehen oder bleiben angesichts des Zustands und Verhaltens meiner Kirche auf allen ihren Ebenen, Da trifft mich die Botschaft des Markus-Evangeliums von der Aussendung der Jünger (6,6-13):
Ich sei ein Ausgesandter und Bevollmächtigter. Ausgesandt die Botschaft vom Gottes Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens mitten hinein in die Krisen dieser Welt zu verkünden und damit die zerstörerischen Geister zu vertreiben. Ich soll das ohne Budget und Ausstattung tun, darauf vertrauend, dass man mich schon anhören wird. Sonst, weiterziehen und die Ignorant*innen spüren lassen, dass ihre Ignoranz Folgen haben wird.

„Die Zwölf machten sich auf den Weg und forderten die Menschen auf, ihr Leben zu ändern. Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ (Mk 6,12-13)

Also einfach gehen? Nein, sondern zu zweit und einfach wird’s sicher nicht! Denn gehen heisst auch sich verabschieden, von dem, was bisher Heimat, Sicherheit und Geborgenheit war. Die Verbindung zu den Mitaufbrechenden bleibt und führt immer wieder zusammen zum Austausch und zu neuen Impulsen.

Die Kirchengeschichte erzählt von solchen Aufbruchsbewegungen in Krisenzeiten, in denen das Kirchenleben um sich selbst kreiste und die radikale Botschaft relativiert oder zur moralisierenden Drohbotschaft wurde, um die Freiheit der Kinder Gottes zu beschneiden: Charismatische Prophet*innen radikalisierten sich durch das Evangelium und gingen in die Welt, zu den Menschen, an die Ränder der Gesellschaft und verkündeten die befreiende Botschaft Jesu vom Gottesreich, das hier und jetzt gelebt werden will. Manchmal wirkten sie reformierend nach innen.
Heilung kommt von denen, die glaubwürdig die befreiende Botschaft verkünden und leben, in seinem Namen, begeisternd. Vor den Kirchentüren, an den Rändern der Gesellschaft, Heilung in Krisenzeiten.

Aufgabe der kirchlichen Gemeinschaft: Ort für Austausch, Kraft- und Quellpunkt, Heimat geistgewirkten, weltzugewandten Lebens.

Also Gehen – und immer wieder zurückkommen können.

GS 13. Juli 2021


„Damit zu leben lernen“

Ein euphemisierendes Etikett für eine handlungsunfähige Politik angesichts der derzeitigen existenziellen Weltkrisen: „Wir werden lernen müssen mit dem Virus zu leben.“ Wir werden mit den Auswirkungen des Klimawandels leben lernen“ …

Die #fridaysforfuture Bewegung weist darauf hin, dass der Klimawandel und seine Folgen seit 50 Jahren bekannt sind und in Szenarien wissenschaftlich berechenbar sei, aber die Menschheit offensichtlich nicht bereit ist die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um auch kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu erhalten.
Verhaltensänderung bedeutet Verzicht auf internalisierte Verhaltensmuster und lieb gewordene Konsumgewohnheiten.Verzicht und Einschränkungen lassen sich nur schwer als Bereicherung kommunizieren. Und man weiss ja nicht, ob diese Einschränkungen, dieser Verzicht nicht überflüssig ist, da ja vielleicht schon eine „Reparatur-Lösung“ in der Schublade liegt und überhaupt alles schon nicht so schlimm kommen wird.

Brauchen wir erst das Lernen aus Erfahrung im eigenen Leben, um zur Veränderung bereit zu sein?

Paulus schreibt in seinem Brief an die Hebräer, dass Jesus durch Leiden Gehorsam gelernt hat.(Hebr 5,8)

„Gehorsam ist das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität …“ (Wikipedia). Für den erwachsenen Jesus war diese Autorität Gott*, weil er darauf vertraute, dass diese*r es gut mit ihm und mit allen Menschen meint.

Offensichtlich trauen wir, insbesondere in Krisenzeiten, wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht und politische Entscheidungsträger*innen verzögern entsprechend zukunftsorientiertes Handeln, da dies mit vermeindlich unzumutbaren Einschränkungen der Wähler*innen verbunden ist.

„Er lernte durch Leiden Gehorsam! – „Wer nicht hören will, muss fühlen“ hat die Volkserziehung daraus gemacht. Wir und die entscheidenden Autoritäten werden unser versagendes Handeln nicht (mehr) fühlen, wohl aber die jetzt noch Wahl-Unmündigen und ihre Kinder.

GS 6. Juli 2021


April-Juni 2021

Januar-März 2021

Sept -Dez 2020

April – August 2020

Januar – März 2020

September – Dezember 2019

Mai – August 2019

Januar – April 2019

Oktober – Dezember 2018

Juli- September 2018

Mai/ Juni 2018

Januar – Ostern 2018


Juli – Dezember 2017

Karneval – Juni 2017

Dezember 2016 – Februar 2017


September – November 2016

Mai – August 2016

Fastenzeit – Pfingsten 2016

Dezember 2015 – Februar 2016


Mai -November 2015

Fastenzeit und Ostern 2015

Januar und Februar 2015


Advent+Weihnachten 2014

August-November 2014

Juni – August 2014

Ostern – Pfingsten 2014

Fastenzeit + Ostern 2014

Januar+Februar 2014


Oktober – Dezember 2013

Juli – September 2013

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Karfreitag – Pfingsten 2013

Januar- April 2013 

Oktober bis Dezember 2012

Ein anderes Vater Unser
Im Nachgang zur Sommerschule mit sambischen und deutschen Studenten, bei der unter anderem das Thema “Globalisierung und privater Konsum” diskutiert wurde
Hagen Rether – Vater Unser

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