Unterbrechung-Mittendrin

5 Minuten Zeit für Besinnung, Meditation, Impulse
mitten am Tag, in der Mitte der Woche

Idee und Gestaltung: GUIDO SCHÜRENBERG – guido.schuerenberg@besinnzeit.de

Foto: Phillipp Becke

Ihr wisst, was die Stunde geschlagen hat!

Nach den enttäuschenden, eher mal wieder unverbindlichen Absichtserklärungen und CO2 Reduktionskompromissen der UN-Klimakonferenz in Ägypten hört sich diese Mahnung des Apostel Paulus (Brief an die Gemeinde in Rom 13,11) vor mehr als 1950 Jahren sehr aktuell an.

Das Zukunftsszenario, das Paulus beschreibt setzt auf eine gesellschaftliche Zeitenwende, geprägt von Gerechtigkeit und Liebe, die es jetzt zu realisieren gilt, damit sie gelingen kann. Er meint damit die Jesus-Vision vom Gottes Reich, in dem menschliches Macht-Gerangel und interessengeleitetes, egomanisches Agieren überwunden ist und das Gemeinwohl Ziel allen Handelns ist.

In unserer Konsumwelt ist nach Black Friday, mit Weihnachtsmärkten und unterschiedlichsten Adventskalendern die Zeit der Vorbereitungen und des ungeduldigen Wartens auf das Jahres-End-Konsum-Fest angebrochen. Die Gegen-Bilder und -Symbole zum Konsumfest sind : Das Licht, das ins Dunkel unserer Welt kommt; Menschwerdung; Frieden und Gerechtigkeit für die Armen und Unterdrückten. … Hoffnungsbilder einer lebenswerten Zukunft für alle – Weihnachten, das Fest der Menschenfreundlichkeit, der Liebe und des Friedens.

Die Adventszeit ist vor-weihnachtliche #besinnzeit, in der wir unser Leben überdenken sollen, ob wir es gelebt haben und leben wollen im Bemühen um Gerechtigkeit und Liebe und im Dienst am Frieden untereinander. Denn das sind die Maßstäbe, die Jesus in der Bergpredigt als Bedingung nennt für ein Leben in der Liebe Gottes, das wir an Weihnachten eigentlich feiern.

#advent – Vier Wochen Anlass und Chance zur Besinnung auf das, was die Stunde geschlagen hat und wie wir uns, unsere Gesellschaft und unsere Zukunft verändern können und wollen.

Für eine lebenswerte Zukunft im Gemeinsamen Haus, dieser unserer Welt, im Frieden untereinander und im Einklang mit der Gott geschenkten Schöpfung. – Neu Mensch werden!

GS 29. Nov 2022


Kinder in die Mitte!

Am 20. November feiert die Welt den internationalen Tag der Kinderrechte und die Katholische Kirche das Christ-König-Fest als Bekenntnissonntag.

Im Lukas-Evangelium stellt Jesus in einem Zeichen klar, was er von den Rangstreitigkeiten seiner Jünger hält: Er nahm ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu ihnen: »Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf.«(9,46-48)
Jesus stellt sich auf eine Stufe mit den Schutzbedürftigen, den Kleinen und gesellschaftlich Ohnmächtigen und definiert so das Ranking der Achtsamkeit und Liebe, die das Reich Gottes prägen soll, das von seinen Jüngern -also uns- gelebt und gestaltet werden soll.
Kinder und ihre Rechte gehören ins Zentrum einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

  1. Gleichheit Alle Kinder haben die gleichen Rechte. Kein Kind darf benachteiligt werden.
  2. Gesundheit Kinder haben das Recht gesund zu leben, Geborgenheit zu finden und keine Not zu leiden.
  3. Bildung Kinder haben das Recht zu lernen und eine Ausbildung zu machen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.
  4. Spiel und Freizeit Kinder haben das Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein.
  5. Freie Meinungsäußerung und Beteiligung Kinder haben das Recht bei allen Fragen, die sie betreffen, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken.
  6. Schutz vor Gewalt Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung.
  7. Zugang zu Medien Kinder haben das Recht sich alle Informationen zu beschaffen, die sie brauchen, und ihre eigene Meinung zu verbreiten.
  8. Schutz der Privatsphäre und Würde Kinder haben das Recht, dass ihr Privatleben und ihre Würde geachtet werden.
  9. Schutz im Krieg und auf der Flucht Kinder haben das Recht im Krieg und auf der Flucht besonders geschützt zu werden.
  10. Besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung Behinderte Kinder haben das Recht auf besondere Fürsorge und Förderung, damit sie aktiv am Leben teilnehmen können.

Die Umsetzung dieser Rechte wäre ein wirkliches Bekenntnis zu einer göttlichen Ordnung der Welt. Kinder dürfen nicht zur verzweifelten #lastgeneration werden, denen wir die lebenswerte Zukunft zerstören.

GS 22.Nov 2022


Apokalyptisch und brandaktuell

sind die Lesungen aus dem Lukas-Evangelium (z.B. Lk 21, 5-19) in diesen Wochen während der Klimakonferenz COP27 in Scharm El-Scheich

Die biblischen Bilder und Szenarien der Endzeit beschreiben auf der einen Seite die sich religiös gebenden und sich an dem schönen Schein, der heilen Welt Freuenden, aber für die Zeichen der Zeit, die auf radikale Veränderungen hinweisen und zur Umkehr auffordern blind sind. Auf der anderen Seite die Sensibilisierten und nach Zukunft Fragenden, die die ahnen und fürchten, dass das Ende der Menschheit droht in nicht zu kontrollierenden Kriegen und klimawandelbedingten Natur- und Umweltkatastrophen verheerenden Ausmaßes. Die Klimakonferenz COP 27 liefert die Bilder und Szenarien dazu, überlagert durch Kriege, Hunger, Flüchtlingselend in Echt-Zeit und hautnah.
Der Aufruf Jesu, sich dadurch nicht kirre machen zu lassen, weder durch pseudoreligiöse Prophetie, noch durch Kriege und andere Katastrophen, ist für uns irritierend.

Ich kann nicht einfach abwarten und all dem tatenlos zuschauen, es geht doch um meine, meiner Kinder und Enkel, um unser aller Zukunft!

Die Botschaft Jesu ist Zumutung: Ihr sollt und werdet Euch mit der Hoffnung auf ein Gutes Leben für alle der allgemeinen Resignation und dem Fatalismus entgegenstellen, auch wenn man Euch dafür der religiösen und gesellschaftlichen Diskreditierung, Shitstorms und Hatespeech ausliefert oder gar willkürlich ins Gefängnis steckt.
Fürchtet Euch nicht, „denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können“ (Lk 21,15)

Nach dieser Zumutung -nicht nur für Klimaaktivist*innen- ist Jesu Zusage auf Zukunft -„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“- Anfrage an mich, an uns: Wie möchte ich und können wir erfüllend und gut Leben? und was bin ich bereit dafür verantwortlich und nachhaltig zu tun?
Wie auch immer diese Zukunft sein wird, die Menschheit im gemeinsamen Haus dieser Welt wird eine Zukunft mit ICH-BIN-DA-Gott* haben – Gott* sei Dank.

GS 15. Nov 2022


Am Abgrund

Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Angst angesichts einer waghalsigen Neugier.Tour unserer damals ca. 8jährigen Tochter an der bretonischen Steilküste. Es gelang mir eben noch sie am Hosenbund festzuhalten und schlimmeres, wie einen Absturz, zu verhindern.

Neugier und Über-Mut, Entdeckungs-Lust und Wagnis. – Hoch-Mut kommt vor dem Fall!

Worauf die versammelten Staatsfunktionär_innen und Vertreter_innen der Zivilgesellschaften der auf der 27ten Weltklima-Konferenz „vereinten“ Nationen bei steigendem Meeresspiegel am Ufer des Roten Meeres Folgen abschätzend schauen ist das existenzbedrohende Desaster menschenverursachten Klimawandels.

Die Warnungen werden seit 50 Jahren in den Wind geschlagen, die Propheten zunächst verhöhnt, später mundtot gemacht in ihren Wissensschafts-Bubblen.

Noch sagen die Optimist_innen „wir schaffen das – irgendwie“, die Pessimisten_innen oder besser Realist_innen „das absehbare Ende menschlicher Lebensmöglichkeiten auf diesem Planeten“ noch innerhalb dieses Jahrhunderts voraus. Dazwischen Ignorant_innen, Konsum-Fixierte, Sich-selbst-was-Gönnende, Zukunfts-Blinde, Veränderungswilligkeits-Frustrierte, … -ideen- und hoffnungslos.

Kipp-Punkte und ihre Folgen lassen sich nicht kontrollieren oder gar steuern, aber kurzfristig -das heißt sofort- realisierbare Handlungsoptionen, wie Tempo 100, eine radikale Verkürzung der Genehmigungsverfahren für den Ausbau erneuerbarer Energien und der dafür notwendigen Infrastruktur, Stopp der Leerflüge, Einführung einer #Kerosinsteuer und #CO2Kompensation im Luftverkehr, Subventionsstreichungen für Massentierhaltung, … würden den CO2 Ausstoß deutlich reduzieren.

Unseren CO2 ausstoßenden und zukunftgefährdenden Lebensstil können wir selbst beeinflussen. Wie wissen wir medial gut Informierten genau, wenn wir nicht den Kopf in den Sand stecken und unsere Komfortzone in Frage stellenden Infos wegdrücken.

Wenn das Wohl unserer Kinder und Enkel bedroht ist, greifen wir ein und zu – warum dann nicht oder nur zögerlich, wenn es um ihr und auch unser Zukunfts-Wohl geht?

Wir haben den Auftrag zur Weltgestaltung und Schöpfungserhaltung.

GS 8. Nov 2022

Foto: Johanna Hadasch


Bist Du noch zu retten?!

Diesen Entsetzensaufschrei meiner Eltern angesichts präpubertärer „Schandtaten“ klingt mir nicht mehr nachhaltig in den Ohren. Nach Schadensregulation blieben Lebenserfahrungen und Erinnerungen.

Sind wir noch zu retten?
Seit der amerikanischen Umwelt-Entwicklungsstudie GLOBAL 2000 (1978) und der immer sicht- und spürbarer werdenden Bewahrheitung dieser „unbequemen Wahrheit“ (Al Gore) stellt sich mir diese Frage immer drängender und die Entsetzensaufschreie werden immer hör- und sichtbarer nicht nur bei der #fff Bewegung, #lastgeneration oder #extinctionrebellion, sondern auch in der überwiegenden Mehrheit der Zivilgesellschaft weltweit.
Hilflos anmutende Schadensregulierungen scheitern an Polit-, Libertär-, National-, … Egoismen. Die Vision einer lebenswerten Zukunft für und auf unserer Erde -dem gemeinsamen Haus (Papst Franziskus)- sieht eher düster apokalyptisch aus.

Im Lukasevangelium (Lk 19, 1-10) sieht Jesus sich als „Retter der Verlorenen“, egal welcher Vergangenheit, Herkunft und Weltanschauung. Vorausgesetzt, dass sie sich ehrlich machen und ihr Handeln radikal neu ausrichten, die „Zeichen der Zeit“ erkennend, die auf Umkehr stehen (Mt 16).

Viele Menschen weltweit sehen diese Menschseins-bedrohenden Zeichen der Zeit, auch schon vor den aktuellen, zusätzlichen Welt-Krisen. Aber zu Umdenken, Verhaltensänderung und Verzicht, Gegensteuern und Zukunft erhaltendem, weltweiten, gerechtem und nachhaltigem Handeln fehlt offensichtlich Mut und Wille.

Am Ende dieser Woche versammeln sich Politiker*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zur 27ten Klimakonferenz COP im ägyptischen Scharm El-Scheich auf der Sinai-Halbinsel, wo vor 3000 Jahren schon einmal Aufbrüche (Exodus) in eine lebenswerte Zukunft initiiert wurden. Vielleicht gelingt dort endlich und konkret ein weltweiter, gemeinsamer Aufbruch zur nachhaltigen Weltenrettung.
ICH-BIN-DA-GOTT* will der Menschheit immer wieder neu „eine Zukunft und eine Hoffnung geben“(Jer 29,11). Wir sind also noch zu retten – wenn wir es wollen!

GS 31. Okt 2022

#unterbrechungmittendrin #eineunbequemewahrheit #ichbindagott #COP27 #zeichenderzeit


Bigotte Selbstinszenierung

ich kann sie nicht mehr hören und sehen, diese selbstgerechte Inszenierung der eigenen religiösen Integrität und „Leistung“, meist im Gespräch innerhalb der katholischen Blase oder auch in den dazugehörenden KirchenMedia.
Das volle Programm katholischer Sozialisation, der regelmäßige „Messbesuch“, Kirchensteuer zahlen, Spenden für den guten Zweck… und dann hört es meist schon auf. „Praktizierende“ Christen, die auf die Frage, was sie denn glauben und welche Konsequenzen das für ihr Leben hat, nicht mehr zu sagen haben.
Bei den „Amtsträgern“ wird dies noch durch die uniforme Kleiderordnung und die Weihe-Liturgien besonders zelebriert: Das kollektive Niederwerfen vor dem Altar, die Salbung durch den ermächtigten und ermächtigenden Bischof und die „Handauflegung“ als Aufnahme-Ritus in die mitbrüderliche Gemeinschaft. „Der Priester ist kein Mensch wie jeder andere” zementiert Kurienkardinal Robert Sarah diese Inszenierung mit Blick auf die kirchliche Heilsordnung, die Hierarchie.

Jesus dagegen spiegelt seinen auserwählten Jünger*innen und den Christengemeinden in einer Geschichte (Lk 18, 10-14) was er von dieser bigotten Egomanie hält: Im Tempel, dem höchsten Heiligtum der Juden, beten gleichzeitig ein fundamentalistischer Pharisäer (ganz vorn im Tempel) und ein mit der römischen Besatzungsmacht kollaborierender Zolleinnehmer, „weit abseits“. Der eine grenzt sich mit seinen religiösen Leistungen im gemurmelten „Gebet“ von den „sündigen“ und minderwertigen „anderen Menschen, wie diesem Zolleinnehmer“ ab. Der religionsgesellschaftliche Aussenseiter betet: „Gott vergib mir! Ich weiß, dass ich ein Sünder bin“

Diese bekennende Selbsterkenntnis vor Gott macht ihn „gerecht“: »Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle, die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.«

Es braucht zum glaubwürdigen Christsein mehr als eine entsprechend gradlinige Biographie. Aus der Selbsterkenntnis erwächst DEMUT – Mut zum Dienen. Diese leben ist praktiziertes Christsein – innerhalb und außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

GS 25.Okt 2022


Wir sind hier, wir sind laut,

weil Ihr uns die Zukunft klaut. Mit diesem Demo-Spruch machte sich die #fridaysforfuture Bewegung in Politik und Gesellschaft lautstark bemerkbar für ein Umdenken und Handeln in der Klimapolitik und eine entsprechende Veränderung des Konsum- und Lebensstils. Sie fordern ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft ein.

Dieser Spruch fiel mir beim Lesen des Lukasevangeliums ein, in dem der Kampf einer Witwe für ihr Recht geschildert wird und wo diese es schafft bei einem Richter, „dem Gott und die Menschen gleichgültig waren“ zu ihrem Recht zu kommen, weil sie ihm immer wieder auf die Nerven ging.

Witwen waren in biblischer Zeit in einer patriarchalischen Gesellschaft nahezu rechtlos der Willkür und Gutwilligkeit der Familie ihres verstorbenen Mannes ausgeliefert. Schutzlos, rechtlos, existenzbedroht!

Heute würde man sie zu den besonders „vulnerablen“, also verletzlichen, verwundbaren, Bevölkerungsgruppen zählen, wie „Frauen, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, Menschen auf der Flucht, LSBTI sowie ethnische und religiöse Minderheiten.“ (Definition des BMZ).

Trotz internationalen Absichtserklärungen zu einer klimafreundlichen Energie- und Verkehrswende scheinen den Entscheidern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft „Gott und die Menschen gleichgültig“ zu sein. Macht, Geld und individuelle Freiheit sind die maßgebenden Götter und die existenzbedrohende, weltweite Umweltzerstörung kein „Klimawende“-Handeln zu erfordern.

Der „rücksichtslose“ Richter gibt der nervenden Witwe schließlich nach: „weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen.“

Zukunftsignorante Machtinhaber und Entscheider, aber auch wir als wachstums- und konsumvernarrte Gesellschaft brauchen daher weiterhin lautstarke Präsenz und zeichenhaft handelnde Aktivist*innen von #fff, #extinctionrebellion und anderen prophetisch-radikalen Protestierenden, damit wir alle unser Handeln ändern, um eine lebenswerte Zukunft auf diesem vulnerablen Planeten zu haben.

GS 18.Okt 2022

Foto: Guido Schürenberg

Wegweisend und inspirierend

ist es auch nach 60 Jahren innerkirchlicher Auseinandersetzung. Das 2.Vatikanische Konzil wurde am 11. Oktober 1962 von Papst Johannes XXIII eröffnet und sollte „frische Luft“ in die traditionsgelähmte Kirche bringen und diese zum „Aggiornamento“ zum „heutigwerden“ führen.

Die Kirche sollte sich den Fragen der Zeit stellen und versuchen Antworten aus dem Glauben zu geben. Dazu müsste sie sich aber der Welt und den Menschen öffnen.
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, insbesondere der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“

Dieser Selbstanspruch gab der kirchlichen Aufgabenbeschreibung den Titel „Gaudium et Spes“ und provoziert bis heute hin die Anfrage, ob sie diesem Solidaritäts-Anspruch gerecht wird und auch entsprechend glaubwürdig handelt.

Strukturell und substantiell haben die Beschlüsse des Konzils keine wesentlichen Reformen bewirkt oder gar das Machtgefüge verändert. Die Beteiligung an Kirchenleitung von nicht Geweihten oder gar Frauen ist allenfalls beratend, und synodale Wege der substantiellen Veränderung von Lehrinhalten und Partizipation scheitern an Sperrminoritäten der Kirchenhierarchen. Dabei wäre ein Aggiornamento nicht nur in Fragen der Sexuallehre und dem Zugang zu kirchlichen Ämtern, sondern auch der Offenheit gegenüber anderen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen dringend notwendig, um die Kirche aus ihrer gesellschaftlichen Irrelevanz herauszuführen und glaubwürdige Verkündigung und Handeln zu ermöglichen.

Im Lukasevangelium dieses Sonntages macht Jesus die Erfahrung, das Glaubwürdigkeit und Heilung eher von den vom religiösen Establishment Ausgestossenen und Andersglaubenden, wie dem aussätzigen Samariter, erkannt und in Dankbarkeit angenommen werden, während andere ihr Heil in den traditionellen Reinigungsritualen und Opferliturgien bei den Priestern suchen.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute …“ sind für mich auch nach 60 Jahren mit und in Kirche Anspruch und Herausforderung zu glaubwürdigem Leben und Handeln.

GS 11.Okt 2022


ENTSOLIDARISIERT

„mit Deiner Hilfe könnte …“ Dieser Satz auf einer Plakatwand sprang mir auf meiner Tag-der-deutschen-Einheit-Brötchen-kaufen-Tour im Vorbeifahren ins Auge.

Könnte, würde, … wenn ich, wenn wir bereit wären … uns mit den Notleidenden, den Armen, den Verfolgten, den Ausgestossenen, den Unterdrückten, den Ausgebeuteten, den Vulnerablen, den schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen, den überforderten und unterbezahlten Pflegekräften, den von Diktatoren überfallenen Völkern … solidarisieren würden.

Solidarität oder solidarisch bezeichnet eine zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit –und Unterstützung von– Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus. Der Gegenbegriff zur Solidarität ist die Konkurrenz.“ (Wikipedia)

Die derzeitigen Krisen haben unsere Gesellschaft entsolidarisiert, denn häufig ist neben Solidaritätserklärungen auch Handlungsbedarf, bzw. unterstützendes Teilen oder Verzicht auf Konsum gefordert. Zumutungen und Einschränkungen, insbesondere wenn sie den individuellen Lifestyle und die persönliche Freiheit betreffen, werden von weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend abgelehnt und von polarisierenden Politiker*innen wortstark (Sozialtourismus) desavouiert. Die verbalen Wertegemeinschaften sind längst zu Interessen gesteuerten, exklusiven Clubs geworden und das Gegenteil einer offenen, humanitären Weltgemeinschaft auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft für alle.

Christliches Handeln lässt sich von Jesu Botschaft der Nächsten- und Feindesliebe, von Gerechtigkeit und Friedenssuche leiten und zeigt sich glaubwürdig, solidarisch handelnd auch in Krisenzeiten. Nur so gelingt die Transformation unserer Gesellschaft für eine lebenswerte Zukunft – und mit meiner Hilfe wird die Welt ein bisschen lebenswerter.

GS 4.Okt 2022

Foto: Asli Yüksel


Mai – September 2022

Januar – April 2022

Juli-Dezember 2021

April-Juni 2021

Januar-März 2021

Sept -Dez 2020

April – August 2020

Januar – März 2020

September – Dezember 2019

Mai – August 2019

Januar – April 2019

Oktober – Dezember 2018

Juli- September 2018

Mai/ Juni 2018

Januar – Ostern 2018


Juli – Dezember 2017

Karneval – Juni 2017

Dezember 2016 – Februar 2017


September – November 2016

Mai – August 2016

Fastenzeit – Pfingsten 2016

Dezember 2015 – Februar 2016


Mai -November 2015

Fastenzeit und Ostern 2015

Januar und Februar 2015


Advent+Weihnachten 2014

August-November 2014

Juni – August 2014

Ostern – Pfingsten 2014

Fastenzeit + Ostern 2014

Januar+Februar 2014


Oktober – Dezember 2013

Juli – September 2013

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Karfreitag – Pfingsten 2013

Januar- April 2013 

Oktober bis Dezember 2012

Ein anderes Vater Unser
Im Nachgang zur Sommerschule mit sambischen und deutschen Studenten, bei der unter anderem das Thema “Globalisierung und privater Konsum” diskutiert wurde
Hagen Rether – Vater Unser

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