Unterbrechung-Mittendrin

5 Minuten Zeit für Besinnung, Meditation, Impulse
mitten am Tag, in der Mitte der Woche

Idee und Gestaltung: GUIDO SCHÜRENBERG – 0176-57756953 – guido.schuerenberg@besinnzeit.de

Foto: Phillipp Becke

Jesus-Lizenz

Es scheint ein Urheberrecht für Segenshandlungen zu geben. Das Etikett „im Namen Jesu“ wollten die Christen von Anfang an monopolisiert wissen und gebunden an die von der Gemeinschaft Beauftragten (Männer).
So jedenfalls spiegelt es sich im Markusevangelium, gerichtet an die Christengemeinde und deren Nachfolgende:

»Lehrer, wir haben da einen Mann gesehen, der hat deinen Namen dazu benutzt, böse Geister auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht zu uns gehört.« (Mk 9, 38)
Überraschend, wie Jesus mit dieser vermeintlichen Urheberrechtsverletzung umgeht:
»Lass ihn doch!«, sagte Jesus. »Wer meinen Namen gebraucht, um Wunder zu tun, kann nicht im nächsten Augenblick schlecht von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!« (Mk 9, 39f)

Das Verhaltensmuster der Jünger ist uns auch heute noch wohl vertraut und mal ehrlich, reagieren wir nicht ähnlich?
Wer darf im Namen Jesu die „die Messe halten“, Sünden vergeben, segnen? „Natürlich“ nur geweihte (männliche) Priester und „gültig“ sowieso nur bei Einhaltung der vorgeschriebenen Form.

Und was ist schlecht daran, wenn jemand christlich handelt ohne sich als Christ zu bezeichnen?
Eher ist es fatal, wenn das C missbraucht wird, um der Lehre Jesu entgegenstehendes Handeln zu Labeln.

„Böse Geister aus (der Welt) zu treiben“ ist auch für uns eine bleibende Herausforderung. Am besten gelingt dies, wenn wir Gutes zusagen (bene dicere = segnen), im Vertrauen darauf, dass es wirkt.
Den Segen Jesu, des Christus dazu haben wir allemal. Diese Lizenz ist nicht an ein Amt oder an eine Kirche gebunden, sondern Allgemeingut für ein Gutes Leben für alle Menschen auf dieser Gott geschenkten Erde.

Foto: Greenpeace-Aktion 2019 – ©spiegel.de

GS 28. Sept 2021


Richtungswahl

In diesen Wochen vor der „Richtungswahl“ ist das Popularitätsranking anscheinend das Wichtigste und so werden wir täglich statt über klare Positionierungen der Parteien zu den Zukunfts-, Lebens- und Überlebensfragen mit Parteien- und K-Kandidat*innen-Ranking hingehalten und beschäftigt. Für manche von uns interessierten Bürger*innen ist die Entscheidung -mehr oder weniger zufriedenstellend- ohnehin schon per Briefwahl gefallen. Aber die noch Unentschiedenen erwarten noch parteiliche und personelle Hinweise, was Priorität der Politik für die Zukunft haben wird und wie dies ab wann bewirkt werden soll.

Jesus hat dem Ranking-Geplänkel seiner Nachfolger eine klare Position und Richtung gewiesen: Den glaubwürdigen Einsatz für eine lebenswerte Zukunft der Kinder und Enkel und den Einsatz für die „Kleinen“:

Sie schwiegen, denn sie hatten sich gestritten, wer von ihnen wohl der Größte wäre.
Da setzte Jesus sich hin, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: »Wer der Erste sein will, der muss der Letzte von allen werden und allen anderen dienen!«
Und er winkte ein Kind heran, stellte es in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
»Wer in meinem Namen solch ein Kind aufnimmt, nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern gleichzeitig den, der mich gesandt hat.«
(Mk 9,33-37)

Stellen wir die Zukunft der Kinder und Enkel in die Mitte unseres (politischen) Handelns? Verstehen wir uns als Diener am Wohl der menschlichen Gemeinschaft?
Fragen, die sich nicht nur Politiker*innen stellen müssen, sondern genauso ich und jede*r einzelne von uns.

Das Kindes- und Enkel-Wohl bestimmt die Richtung und nicht das Konservieren des Bestehenden.
Jedenfalls definiert Jesus so christlich-parteiisches Handeln entsprechend dem Willen Gottes.

Wir haben die Richtungswahl!

GS 21.Sept 2021


Für wen hälst Du mich – eigentlich?

Jetzt präsentieren sie sich wieder, die Parteien, ihre Positionen zu den Themen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und vor allem die „Volksparteien“ ihre Kanzlerkandidat*innen und deren „Kompetenz-Teams“. Angesichts unserer Welt-Zukunft überzeugen sie alle nicht mit klaren Perspektiven und Maßnahmen. Denn das, was da auf uns zukommt, auch als Konsequenz von Ignoranz und nationalen, persönlichen, wie wirtschaftlichen Egoismen, ist existenzbedrohend für die Menschheit.

Von daher sind alle erforderlichen Massnahmen Zumutungen. Entsprechend diffus und unklar bleiben die konkreten Forderungen und Handlungsperspektiven.

Den Wähler*innen wird unterstellt, dass ihnen nichts zuzuMUTen ist, da sie sich ja in ihrem „Wohlstand“ eingerichtet haben.

Wenn wir in dieser zukunftsbedrohlichen Situation Politiker*innen wählen wollen, die die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft gestalten und mutig handeln sollen zum Wohle des Volkes, müssen wir wissen, wofür sie stehen, für welche Werte und welche Sichtweisen auf diese Welt. Es entstehen Bilder und Erwartungen, von den Kandidat*innen geweckt. Passen oder gar biedern sie sich diesen Bildern und Erwartungen an oder sind sie ehrlich und glaubwürdig und stehen zu den Zumutungen?

Im sehr „volksnahen“ Evangelium des Markus fragt Jesus seine Anhänger: „Für wen halten mich eigentlich die Leute?“ und nachdem diese ihm die Ergebnisse der kleinen Meinungsumfrage präsentiert haben, hakt er nach und fragt: „Und Ihr, für wen haltet Ihr mich?“ (Mk 8,27-29)

Er will wissen, auf wen er sich angesichts der Zumutungen seiner Zukunftsbotschaft verlassen kann, wer zu ihm stehen wird und mit ihm dieses Reich Gottes der Gerechtigkeit und Liebe gestalten und leben will. Und natürlich steht auch seine Glaubwürdigkeit in Frage, erkennbar in seinem Lebensstil, seinen Handlungen und seiner Bereitschaft, dafür alles zu geben.

Wenn wir Politiker glaubwürdig und nicht populistisch anbiedernd und indifferent erleben würden, wäre die Wahl einfacher und motivierender. Und es bestünde eine realisierbare Chance lebenswerte Zukunft gemeinsam zu gestalten und das Leben auf diesem Planeten zu retten.

GS 14. Sept 2021


Mitteilungsbedürfnis

Manche*r kann ja seine Klappe nicht halten, postet und kommentiert eigene Meinung und Erfahrungen, Beobachtungen und Analysen zu „Gott und die Welt“. Wobei der Anteil WELTERFAHRUNGEN in meiner sozialen Blase deutlich im Vordergrund steht. Und wenn von Gott mal die Rede ist, dann meist verbunden mit negativen Kirchenerfahrungen. Diese erzählen allerdings weniger von Gott, als von Ohnmachtserfahrungen angesichts menschlich-hierarchischem Machtgebahren.

Wenn dann mal ein gegenläufiges und mich bestätigendes oder aufbauendes Narrativ die Runde macht, das deutlich macht, dass GOTT* mit dieser, seiner Welt noch nicht am Ende ist, dass wir Menschen mit ihm eine Zukunft haben, dann sollen es alle erfahren.
Irritierend ist da für mich die Aufforderung Jesu bloß nichts von seinen Heilungen und Heilstaten zu erzählen: „Jesus verbot den Anwesenden, es irgendjemand weiterzusagen“ (Mk 7,36)
Offensichtlich wollte er keinen Personenkult, die Titel Heiland und Messias schon gar nicht, denn sie wecken Erwartungen. Ihm ging es darum durch sein Handeln die Menschen in ihrem Glauben an GOTT* zu bestärken und so sollte die gute Nachricht – good spell, gute Erzählung, Evangelium, Gospel- fühl- und erfahrbar werden.

Anscheinend ist auch in meiner Bubble diese Erfahrung, diese Gute Nachricht nur sehr selten, sonst müssten wir doch mehr davon erzählen, wie es ein Lied des Schriftstellers Josef Reding aus den 80ern singt: „Die gute Nachricht singt hinaus, Gott sendet seine Menschen aus, so Dich und mich und sie und ihn …“

Ja, es wäre uns ein inneres Bedürfnis, wir könnten gar nicht anders „Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben“ auch wenn man uns auffordert die Klappe zu halten, wie Petrus und Jakobus vor dem jüdischen Religionsgericht, nachdem sie im Namen Jesu Heilungen bewirkten. (Apg 4,20).

Damit unser Mitteilungsbedürfnis aber nicht in unserer kleinen Kirchen-Bubble bleibt, sondern die Menschen erreicht, sollten wir die Gute Nachricht auf allen uns zur Vefügung stehenden SocialMedia-Kanälen immer wieder posten – mit glaubwürdigen Geschichten, wie wir sie als uns gut tuend erfahren haben.

GS 7. Sept 2021


Innere Hygiene

Hygieneregeln bestimmten schon immer unseren Alltag, manche wurden zum täglichen Ritual von klein auf angelernt: „Vor dem Essen, nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen“

Unhinterfragt, hilfreich, evident. In Krisenzeiten Leben schützend und von der Mehrheitsgesellschaft, dem Mainstream fraglos gelebt.

Manche dieser Reinigungs- oder Schutzrituale werden lieb gewordene und Sicherheit gebende Tradition, von der Zivilgesellschaft oder auch nur vom näheren sozialen Umfeld, der Bubble als vorgegeben akeptiert.

Regelbrecher*innen und Ritualverweiger*innen werden diskreditiert, ohne nach den dahinterstehenden Gründen zu fragen.

Die jüdische Religion kennt eine Vielzahl überlieferter Gesetze und Regeln, die peinlichst genau beachtet werden und deren kollektive Einhaltung Voraussetzung für die Ankunft des Messias ist.

Umso mehr provoziert die Schriftgelehrten und Gesetzeshüter der laxe Umgang der Jünger Jesu, der ja als Messias (ein Titel, den er nie in Anspruch genommen hat) verkündet wird, mit den Hygieneregeln insbesondere bei den Mahlzeiten. Es geht um rein oder unrein – koscher oder treife.

Jesus bezeichnet sie als Heuchler und verweist auf ein Wort des Propheten Jesaja: ›Dieses Volk ehrt mich nur mit Worten, sagt Gott, aber mit dem Herzen ist es weit weg von mir.
Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos, denn sie lehren nur Gebote, die sich Menschen ausgedacht haben.‹
Das Gebot Gottes schiebt ihr zur Seite und haltet euch stattdessen an Vorschriften, die von Menschen stammen.« (Mk 7)

Jesus fordert die innere Hygiene, die Achtsamkeit auf gute Gedanken und eine offene, versöhnliche Haltung, das was wir als innere Werte bezeichnen.

Diese werden nicht als Gesetz verordnet, sondern aus dem Hören auf Gottes Wort entwickelt.

Wort-Gottes-Dienste statt Reinigungsrituale und verbotene Speisen.

Die Einhaltung der geltenden Hygiene-Regeln in der Pandemie schützen nicht nur mich,sondern auch die vielen Ungeschützten, insbesondere Kinder, mit denen ich Kontakt habe.

Für die richtige Händedesinfektion werden 20-30 Sekunden empfohlen – Zeit genug für ein Gebet, das von innen heraus kommt.

GS 31. Aug 2021

Ich bitte dich, Herr, um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen,
um auf dem großen Wege zu dir
einen kleinen Schritt weiterzugehen.

Ich bitte dich, Herr, um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen

Morgengebet von Ernst Ginsberg


Glaubenskrise

„Wollt nicht auch Ihr gehen?“ seit ich diese Frage Jesu an seine seine engsten Freunde im Sonntags-Johannes-Evangelium las, klingt sie immer wieder in mir nach, beschäftigt mich und stellt auch meine Kirchenerfahrungen infrage.
Der Anlass für die Frage waren aber die Glaubenszumutungen die Jesus predigte: Er allein sei der von Gott bevollmächtigte Verkünder des Willens Gottes. Dieser von Jesus verkündete Wille Gottes bezog sich auf den persönlichen Lebensstil, wie auf den sozialen Umgang miteinander, also das, was in der „Bergpredigt“ als Grundsätze des Reiches Gottes beschrieben wird: Nächsten- und Feindesliebe, Versöhnungsbereitschaft, Gewaltverzicht, Gerechtigkeit und Frieden schaffen und halten, Verzicht auf Luxus und Ausbeutung, sich mit dem zum Leben notwendigen begnügen, Ehrlichkeit und das Vertrauen darauf, dass Gott den Menschen Gutes will, weshalb sie ihn allein als Gott verehren.
Den geistlichen Volksführern und Theologen wirft er Heuchelei und Verrat am Willen Gottes vor, weil sie vom Volk fordern, was sie selbst nicht leben und nur ihre Macht sichern wollen.

Die Reaktion der Zuhörer:

»Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!« (Joh 6,60)

Ähnliche Reaktionen kennen wir auch heute auf polarisierende Reden und Statements von Politikern und Kirchenmännern. Zumutungen, insbesondere, wenn sie unseren Lebensstil, unseren Konsum oder unsere Freiheiten betreffen, sind nur schwer zu ertragen und das Zukunftsversprechen muss schon sehr attraktiv sein, wenn wir uns darauf einlassen.

Das diese Zukunfts-Lebens-Botschaft Jesu lebbar und erlebbar ist, habe ich auch in kirchlichen Gemeinschaften erfahren, in die ich hineingewachsen bin und denen ich z.T. meine heutigen Überzeugungen und Hoffnungen verdanke.

Aber Jesu Anfrage an seine Vertrauten und auch an mich geht tiefer: Wollt Ihr euch von mir, meiner Botschaft, und damit eurer Beziehung zu Gott, der euch Vater und Mutter ist, trennen? Oder anders gesagt, ist Gott und sein Wille noch relevant für euer Leben?

Das ist eine Glaubenszumutung!

Die Antwort der Jünger damals: „Wohin sollen wir gehen, nur Du hast Worte, die uns Leben lassen!“

GS 24. Aug 2021


Vorhersehbar

Wenn ich auf die sich überschlagenden Ereignisse in Afghanistan schaue, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Menschen dort sehe, die mit und für die Natoeinsatztruppen gearbeitet haben, die für ihre Kinder und insbesondere für die Mädchen auf Bildung setzten und für die Frauen auf ein selbst bestimmtes Leben hofften, so überkommt mich Wut angesichts des völligen Versagens der Regierungen der Schutzmächte. Ich schäme mich der hysterischen Angst, die in Europa vor den zu erwartenden Flüchtlingen geschürt wird. „Wir dürfen nicht wieder in eine Situation wie 2015 kommen“. Und ich bin fassungslos angesichts der wegschauenden Politiker in einem Bundestags-Wahlkampf, der meint ohne Zumutungen angesichts der Krisen auf der Welt auskommen zu können.

Dabei war die unverzügliche Machtübernahme durch die islamistischen Taliban und die Rücknahme aller Freiheits- und Menschenrechte durch die Scharia absehbar.

Für Europäer, die sich doch den jüdisch-christlichen Werten verpflichtet fühlen, gibt es in dieser Bedrohungssituation nur die Option der Solidarität mit denen, denen „man sich vertraut gemacht hat“ und denen man Schutz versprochen hatte. Und für uns Christen das Gebot der Nächsten- und Fernstenliebe, d.h. den zu uns fliehenden Schutz, Unterkunft, Lebensmittel und medizinische Versorgung anzubieten und wenn sie bei uns bleiben wollen, für Integration, Bildung und für ein menschenwürdiges Leben Sorge zu tragen.

Andernfalls gilt für uns der Vorwurf Jesu der Heuchelei:

„Ihr Heuchler! Aus den Zeichen am Himmel oder auf der Erde könnt ihr das Wetter vorhersagen. Warum könnt ihr dann nicht beurteilen, was heute vor euren Augen geschieht? Warum weigert ihr euch zu erkennen, was gut und richtig ist?“ (Lk 12,56f) und die Anfrage:

„ … Herzensbarrikaden, wer kämpft noch für wen?
Wir meiden die richtigen Fragen, wir streunen ums Problem.
Du traust dem Impuls und bleibst immer kühl
Du erlaubst dir nicht, dich zu entziehn
Und deine Fassung ringt
Weil Fassung nichts mehr bringt, nichts mehr bringt
Bist du da, wenn Seelen verwaisen?
Bist du da, wenn zu viel Gestern droht?
Wenn wir verrohen, weil alte Geister kreisen?
Bist du da? …“ – (Herbert Grönemeyer, Tumult 2018)

GS 17. Aug 2021


Apocalypse Now

gilt als einer der größten Klassiker des Anti-Kriegs-Films. Der 1979 erschienene psychedelische Vietnam-Albtraum zeigt den Wahnsinn, die Perversion und die Sinnlosigkeit von Kriegen.

Zeitgleich wurde für den amerikanischen Kongress die Studie GLOBAL 2000 entwickelt (1980 in Deutschland veröffentlich). Deren Szenarien muteten schon damals apokalyptisch an und forderten zu weltweitem, vernetzten Handeln auf, um die sich abzeichnende ökologische Katastrophe zu verhindern.
Unterschiedlich motivierte Bewegungen in den Zivilgesellschaften und Religionsgemeinschaften und nicht zuletzt #fridaysforfuture versuchen die drohende Umwelt-Apokalyse durch Aktionen und politisch-ökonomische Forderungen zu verhindern. Der UN-Klimagipfel von Paris 2015 mit seinen von 175 Staaten unterzeichneten Klimazielen war ein politisches Hoffnungszeichen für weltweites Handeln – die Konkretionen der erforderlichen Massnahmen stehen bis heute aus. In seiner Enzyklika LAUDATO SI (2015) ruft Papst Franziskus alle Menschen auf Verantwortung für das „gemeinsame Haus“ zu übernehmen und gemeinsam die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen.

Der WELTKLIMA-Bericht des IPCC (Weltklimarat der UNO) zeigt unmissverständlich die Folgen des von uns allen verursachten Klimawandels auf und die Bilder aus Griechenland, Grönland, Kalifornien, dem Ahrtal, Erftstadt, Eschweiler, Schleiden, Stolberg, … illustrieren dies. Sie dokumentieren Versagen, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit, aber auch Solidarität und Zusammenhalt inmitten der Katastrophe.

Es gibt kein „weiter so“!

In den Religionen weisen apokalyptische Schriften und Zustände auf eine Zeitenwende hin und der religiöse Mensch besinnt sich auf die göttliche Zusage ICH BIN DA – immer.

So gibt der Psalmvers: „Doch gerade an Tagen, an denen ich mich fürchte, vertraue ich auf Dich“ (Ps 56,4) den gläubigen Beter_innen Halt in apokalyptischen Zeiten. Er entbindet uns nicht davon durch persönlichen Verzicht und einen ökologisch angepassten und verantwortlichen Lebenstil unseren Teil zur Erreichung der UN-Klimaziele beizutragen.

Das wäre ein Beitrag für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und Enkel und eine wirkliche ZEITENWENDE.

GS 11. August 2021


Ausgesandt sein: zwischen Gehen und Bleiben

Ich bin hin- und hergerissen zwischen gehen oder bleiben angesichts des Zustands und Verhaltens meiner Kirche auf allen ihren Ebenen, Da trifft mich die Botschaft des Markus-Evangeliums von der Aussendung der Jünger (6,6-13):
Ich sei ein Ausgesandter und Bevollmächtigter. Ausgesandt die Botschaft vom Gottes Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens mitten hinein in die Krisen dieser Welt zu verkünden und damit die zerstörerischen Geister zu vertreiben. Ich soll das ohne Budget und Ausstattung tun, darauf vertrauend, dass man mich schon anhören wird. Sonst, weiterziehen und die Ignorant*innen spüren lassen, dass ihre Ignoranz Folgen haben wird.

„Die Zwölf machten sich auf den Weg und forderten die Menschen auf, ihr Leben zu ändern. Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ (Mk 6,12-13)

Also einfach gehen? Nein, sondern zu zweit und einfach wird’s sicher nicht! Denn gehen heisst auch sich verabschieden, von dem, was bisher Heimat, Sicherheit und Geborgenheit war. Die Verbindung zu den Mitaufbrechenden bleibt und führt immer wieder zusammen zum Austausch und zu neuen Impulsen.

Die Kirchengeschichte erzählt von solchen Aufbruchsbewegungen in Krisenzeiten, in denen das Kirchenleben um sich selbst kreiste und die radikale Botschaft relativiert oder zur moralisierenden Drohbotschaft wurde, um die Freiheit der Kinder Gottes zu beschneiden: Charismatische Prophet*innen radikalisierten sich durch das Evangelium und gingen in die Welt, zu den Menschen, an die Ränder der Gesellschaft und verkündeten die befreiende Botschaft Jesu vom Gottesreich, das hier und jetzt gelebt werden will. Manchmal wirkten sie reformierend nach innen.
Heilung kommt von denen, die glaubwürdig die befreiende Botschaft verkünden und leben, in seinem Namen, begeisternd. Vor den Kirchentüren, an den Rändern der Gesellschaft, Heilung in Krisenzeiten.

Aufgabe der kirchlichen Gemeinschaft: Ort für Austausch, Kraft- und Quellpunkt, Heimat geistgewirkten, weltzugewandten Lebens.

Also Gehen – und immer wieder zurückkommen können.

GS 13. Juli 2021


„Damit zu leben lernen“

Ein euphemisierendes Etikett für eine handlungsunfähige Politik angesichts der derzeitigen existenziellen Weltkrisen: „Wir werden lernen müssen mit dem Virus zu leben.“ Wir werden mit den Auswirkungen des Klimawandels leben lernen“ …

Die #fridaysforfuture Bewegung weist darauf hin, dass der Klimawandel und seine Folgen seit 50 Jahren bekannt sind und in Szenarien wissenschaftlich berechenbar sei, aber die Menschheit offensichtlich nicht bereit ist die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um auch kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu erhalten.
Verhaltensänderung bedeutet Verzicht auf internalisierte Verhaltensmuster und lieb gewordene Konsumgewohnheiten.Verzicht und Einschränkungen lassen sich nur schwer als Bereicherung kommunizieren. Und man weiss ja nicht, ob diese Einschränkungen, dieser Verzicht nicht überflüssig ist, da ja vielleicht schon eine „Reparatur-Lösung“ in der Schublade liegt und überhaupt alles schon nicht so schlimm kommen wird.

Brauchen wir erst das Lernen aus Erfahrung im eigenen Leben, um zur Veränderung bereit zu sein?

Paulus schreibt in seinem Brief an die Hebräer, dass Jesus durch Leiden Gehorsam gelernt hat.(Hebr 5,8)

„Gehorsam ist das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität …“ (Wikipedia). Für den erwachsenen Jesus war diese Autorität Gott*, weil er darauf vertraute, dass diese*r es gut mit ihm und mit allen Menschen meint.

Offensichtlich trauen wir, insbesondere in Krisenzeiten, wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht und politische Entscheidungsträger*innen verzögern entsprechend zukunftsorientiertes Handeln, da dies mit vermeindlich unzumutbaren Einschränkungen der Wähler*innen verbunden ist.

„Er lernte durch Leiden Gehorsam! – „Wer nicht hören will, muss fühlen“ hat die Volkserziehung daraus gemacht. Wir und die entscheidenden Autoritäten werden unser versagendes Handeln nicht (mehr) fühlen, wohl aber die jetzt noch Wahl-Unmündigen und ihre Kinder.

GS 6. Juli 2021

#lebenlernen #unterbrechungmittendrin #besinnzeit


Aufstehen!

Tod geglaubt, keine Lebensenergie, keine Zukunft mehr; ein hoffnungsloser Fall!

Das ist das anscheinend gemeinsame einer jungen Frau zur Zeit Jesu in Palästina, wie es das Markus-Evangelium (5, 21-43) beschreibt und der deutschen katholischen Kirche im Frühjahr 2021, wie Reinhard Marx, Kardinal und einer ihrer obersten Führer in seinem Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus sie sieht: An einem toten Punkt angekommen,an dem sich alle Kräfte gegenseitig blockieren.

Resignieren, aussteigen, fliehen, wo es doch um die lebenswerte Zukunft von Menschen geht?

Der Vater der jungen Frau, seiner religiösen Gemeinschaft sehr verbunden, Gemeindevorsteher, will nicht aufgeben, glaubt an eine Zukunft für seine Tochter und bittet Jesus um Hilfe. „Hab keine Angst!“

Der Papst fordert Marx und mit ihm die ganze deutsche Kirche auf: „Mach weiter! Du bist auf dem richtigen Weg!“ Vielleicht sollte er, der Visionär, der Prophet -wie Jesus- sagen: „Steht (endlich) auf! Bewegt Euch, spürt das Leben! Übernehmt Verantwortung für die Zukunft! Werft ab, was dieses Leben und die Zukunft belastet: lähmende Traditionen, machtverliebte Strukturen, Fehlinterpretationen des göttlichen Willens, Selbstverliebtheit, … und wendet Euch der befreienden Botschaft Jesu zu.

Steht auf für das Leben, steht auf für die Zukunft.
Für alle Menschen – Christians for Future.

Empowerment – Aufstand für das Leben.

Eine Frage des Glaubens – Und des persönlichen Engagements

– auch für mich, als glaubender Vater zweier Töchter, eines Sohnes und Großvater dreier Enkel

GS 28. Juni 2021

… Bist du da
Wenn Seelen verwaisen?
Bist du da
Wenn zu viel Gestern droht?
Wenn wir verrohen
Weil alte Geister kreisen?
Bist du da?

Du siehst den Glanz in tausend Augen
Gibst einen Teil vom Glück zurück
Verschleuderst haltlos dein Vertrauen
Und du zierst dich nicht, du verzierst dich nicht
Zierst dich nicht
Immer wenn …

(Herbert Grönemeyer)


Pandemisch unfair

Eins der ersten Wertvoll-Worte zu Beginn der Pandemie war SOLIDARITÄT: Masken und Abstand zum Schutz der vulnerablen Gruppen, Solidarität der Jüngeren mit den Älteren, der Stärkeren mit den Schwächeren. Dabei nicht im Blick die Kinder und die armen Länder des globalen Südens, u.a. wegen des unauffälligen Verlaufes einer COVID-Infektion bei Kindern und wegen der geringen Testkapazitäten in den Südländern.

Bei der Bestellung und Verteilung der aussichtsreichsten Impfstoffe waren wieder die armen Länder außen vor, trotz COVAX-Initiative der WHO, die für eine gerechte Verteilung der Vakzine sorgen soll. Hier verbinden sich Impf-Nationalismus und „freie“ Marktwirtschaft, unterstützt durch Patentmonopole gegen die Pandemie-Solidarität.*

Auch wir im eine-welt-engagement e.v. wurden erst im Januar 2021 durch die COVID 19 Tode des Bischofs und des Caritasdirektors unserer Partner-Diözese in Sambia auf diese pandemische Unfairness gestoßen und reagieren nach-wie-vor hilflos.

Die Bekämpfung der Pandemie und damit verbunden die gerechte Verteilung von Tests und Impfstoffen braucht, genau wie die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, das Bewusstsein, dass wir eine Schicksalsgemeinschaft auf diesem Planeten sind. Dieser Zusammengehörigkeit müssen wir uns immer wieder bewusst werden und entsprechend handeln; sie ist die Basis eines friedlichen Zusammenlebens – und Grundlage unseres Glaubens:

„Wenn wir keinen Frieden haben, liegt es daran, dass wir vergessen haben, dass wir zueinander gehören.“ – Mutter Teresa (1910-1997)

Biblisch ausgedrückt finden wir dies im Markus-Evangelium: Die Jünger*innen sind gemeinsam mit einem Boot unterwegs und geraten in einen Sturm. Sie haben existenzielle Angst, die von Jesus infrage gestellt wird: „Warum habt Ihr solche Angst? Habt Ihr immer noch keinen Glauben?“ (MK 4, 35-43)

Glaube ich an eine gerechte und friedliche Zukunft für alle? Was kann ich dazu beitragen?

GS 22. Juni 2021


Freiheit zum Verzicht

Die Bekämpfung des Klimawandels braucht weltsolidarische Einschränkung der persönlichen Freiheit und freiwilligen Verzicht – für eine lebenswerte Zukunft für alle.
Eine Populistische Verteidigung der individuellen Freiheit gegen Selbstbeschränkungen und Verzicht auf CO2-Scleudern ist die Diffamierungskampagne gegen die Grünen und ihre Kanzlerkandidatin des arbeitgebernahen INSM zu den 10 Verboten: Annalena Baerbock präsentiert zwei steinerne Verbotstafeln dem (Wahl-)Volk in Anlehnung an die biblischen 10 Gebote auf zwei Steintafeln von Moses am Berg Sinai in göttlichem Auftrag präsentiert.

Der biblische Dekalog = 10 Worte beschreibt die Grundsätze der jüdisch-christlichen Ethik und hat seit Jahrtausenden daraus resultierende soziale und religiöse Regeln für das menschliche Zusammenleben entwickelt, die die Gesetzgebung auch in säkularen Staaten und Gesellschaften bis heute prägen. Diese 10 Worte stellen Haltungen vor, die sich aus dem Grundsatz »Ich bin dein G*tt, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.“ (Ex 20,2) ergeben. Sie sind Verhaltensregeln als Antwort auf die Befreiung.Was mit dem Gebotswort „Du sollst …“ übersetzt wird und die aus dieser Befreiung sich ergebende Haltung der Dankbarkeit und der Auftrag, es nie wieder zu solcher Versklavung kommen zu lassen, ausdrückt, kann und wird auch treffender mit „deshalb wirst Du …“ übersetzt. Dieser Zusammenhang ist im Laufe der Geschichte immer mehr ausgeblendet worden und da es einfacher ist sich an Geboten und Verboten zu orientieren, wurden und werden diese aus dem Begründungszusammenhang gerissen und haltungslos simplifiziert.

Die ökologisch konsequenten schöpfungsbewahrenden Forderungen der Grünen fordern Einschränkung und Verzicht – für eine lebenswerte Zukunft in Freiheit für alle.

Der marktradikale Liberalismus des INSM ignoriert die überlebensnotwendige internationale Solidarität durch Selbstbeschränkung und Verzicht – er ideologisiert die individualistische Freiheit.

GS 15. Juni 2021


Familien-Entmythologisierung

An diesem langen Wochenende ins heimatliche Ruhrgebiet gereist, um an einem neuen Zuhause für unsere Tochter zu bauen, mit Kindern und Enkelkindern Zeit zu verbringen und nach einem Verwandten-Geburtstagsbesuch wieder nach Hause gekommen.
Zuhause, Heimat, Familie : Worte, Werte , Orte und Menschen, die auch in unserer individualistischen Gesellschaft einen guten Klang haben. Dieses tragende und prägende Narrativ gibt Sicherheit, ist Rückzugsort und Ankerpunkt in bewegten und bewegenden Krisenzeiten, ist Grundlage für Sozial-Leben seit Jahrtausenden. Wohlfühlort und nachdenklich machende Begegnungen, gelebte Solidarität: Familienbindungen, die gut tun.

Das Sonntagsevangelium stellt diesen gesellschaftlichen und kirchlichen Mythos infrage, rückt zurecht und weitet:

Ja, auch Jesus geht nach Hause, zusammen mit den Menschen, die ihm wichtig sind! Aber er kann dort noch nicht einmal in Ruhe essen, denn die Volksmenge akzeptiert seine Privatsphäre nicht. Er lehrt und lebt öffentlich und seine Verwandten erklären ihn deswegen für verrückt und wollen ihn sogar mit Gewalt dort wegholen (Markus 3,20-21) – um ihn vor sich selbst zu schützen, oder aus Sorge auch an die Öffentlichkeit gezogen zu werden?

Als dann die Mischpoke (RuhrgebietsHeimatWort aus dem jiddischen für Verwandtschaft im weiteren Sinne) bei ihm zuhause vor der Tür steht und ihn aus seiner Lehr- und Verkündigungsarbeit herausholen will, brüskiert und konfrontiert er sie öffentlich mit seiner Neudefinition von Familie:
„Dann sah er seine Zuhörer an, die rings um ihn saßen, und sagte: »Das hier sind meine Mutter und meine Geschwister. Denn wer Gottes Willen tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter!« (Markus 3, 34-35) Damit wird das Familien-Biotop zum GlaubenLebensNetzwerk nicht nur lokal oder familial, sondern in weltweiter Verbundenheit und Solidarität. – Statt Blutsverwandtschaft Glaubensgemeinschaft. Wie hat wohl seine Mutter Maria das empfunden? Mich als Vater jedenfalls macht es sehr nachdenklich.

GS 8. Juni 2021


Sehnsuchtsvoll

In den letzten Mai-Tagen, dem Sommer-Öffnungs-Wochenende war viel von der Sehnsucht nach Normalität und Freiheit zu hören.
Wonach sehne ich mich nach fast eineinhalb Jahren Pandemie und weitgehenden Einschränkungen von Freiheiten und Infektionsängsten?

Ich sehne mich nach ein paar Tagen Urlaub am Meer, den Blick in die Weite zu haben, Sonne und Seeluft zu genießen. Sonne, Meer und Wind sind für mich Elemente der Freiheit und des Wohlfühlen – die Seele baumeln lassen..

In Sehnsucht steckt aber auch das Wort Sucht, also ein krankmachendes Sehnen:
Sehnsucht (von mittelhochdeutsch sensuht, als „krankheit des schmerzlichen verlangens“[Wörterbuch der Gebr. Grimm] ist ein inniges Verlangen nach Personen, Sachen, Zuständen oder Zeitspannen. Sie ist mit dem Gefühl verbunden, den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können. (Wikipedia)

Verlangen nach Zuständen, verbunden mit dem Gefühl dies nicht erreichen zu können, weil die derzeitigen Umstände dies nicht zulassen. Also erreichbare, kleinere Ziele/ Freiheiten? Oder andere Prioritäten für mein Leben, für meine Sorgen, für mein Sehnen?

Jesus nimmt in der radikalisieren, provozierenden Bergpredigt unsere menschlich verständlichen Sorgen und auch Sehnsüchte wahr, er entlastet, weitet den Horizont unseres Sehnens, damit wir vom Kreisen um uns selbst und unsere naheliegenden Sorgen loskommen und frei werden für die menschheitsverbindenden Notwendigkeiten, für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten:

Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht. (Mt 6,33)

Übertragen auf unser Sehnen und unser Handeln in der Pandemie könnte das heißen:

Befreien wir uns vom Impfnationalismus und verteilen wir die Impfressourcen weltweit. Halten wir die Beschränkungen noch eine Zeit aus. Vielleicht entdecken wir, dass diese Solidarität in unser aller Interesse ist und wir uns sorgenfreier wieder international und begegnen können. Die Folgen des Klimawandels und das Ziel einer lebenswerten Zukunft für alle braucht diese, unsere Solidarität auf diesem Planeten und für das „gemeinsame Haus“ (Papst Franziskus), unsere Welt.

GS 2. Juni 2021


Geistestrunken

Ein begeisterndes Erlebnis, wie es die Apostelgeschichte erzählt, habe ich an Pfingsten nicht erlebt. Der Feierabend+ Gottesdienst zum Thema GeistMachtSinn hat mir den biblischen Ruach (hebräisch für Geist) näher gebracht und zum Nachdenken angeregt, wo ich in meinem Leben diese Ruach erfahre.

Dann am Pfingstsonntag die Nachricht, dass eine Düsseldorfer Gemeinde Kardinal Woelki als Firmbischof auslädt. Das Sakrament der Firmung könne nur jemand vollziehen, “der als Christ in seinem Amt und in seinem Handeln glaubwürdig ist. Sie sind das leider für uns nicht mehr!” Sie lehnen nicht den Geist der Firmung ab, sondern den, der diesen vermitteln und zusagen soll aufgrund des Glaubensbekenntnisses der Gemeinde. firmare ‚festmachen, kräftigen, bestätigen, beglaubigen

Ganz anders, eben begeistert, werden die Jünger Jesu an Pfingsten von den Bürgern und Gästen in der Stadt Jerusalem erlebt:

„Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.“ Apg 2,4

Und sie verkünden die Gottesbotschaft in einer Sprache, die jeder versteht.

Soviel Begeisterung, Verständigung, Hierarchielosigkeit und Klarheit ist verdächtig: »Die sind nur betrunken, das ist alles.« Apg 2,13

Wir Kirchenmenschen, die sich gerne als Jünger Jesu bezeichnen, hocken in unseren leeren Kirchen, kreisen um unsere hausgemachten Probleme, versuchen immer noch eine heilige Ordnung -Hierarchie- als Gott gewollt zu verteidigen, zelebrieren eine leblose Liturgie, die niemanden vom Hocker reißt und predigen in einer verschwurbelten Sprache am Leben und an den Fragen der Menschen vorbei …

Das wäre mal ein Pfingstereignis, wenn wir alle mit so viel Begeisterung das Evangelium verkünden und leben würden, glaubwürdig im Handeln, in der Sprache unserer Zeit, die jede und jeder verstehen kann, selbst wenn unsere Begeisterung wie Geistestrunken überkommt! Aufmerksamkeit und Relevanz hätten wir damit allemal erreicht.

Aber dazu müssten wir offen sein für ruach, die Zeichen der Zeit erkennen und die befreiende Botschaft nach draußen in die Welt bringen, in verständlicher Sprache und glaubwürdigem Handeln.

GS 26. Mai 2021


GeistSicht

Zeichen werden gesetzt in diesen Tagen vor dem christlichen Pfingstfest. Zeichen für Liebe und Versöhnungswillen: durch Segnungsfeiern für Liebende, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesetzlichen Status, durch die Teilnahme leitender Kirchenvertreter*innen an der Mahlfeier/ Eucharistie der jeweils anderen Konfession beim Ökumenischen Kirchentag, durch die Wahl einer 25 Jährigen Philosophie-Studentin zur Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, …

Während die Wahl der Regensburger Studentin Anna-Nicole Heinrich vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz als „Mut machendes Zeichen“ gewertet wird, werden Interkommunion und Segnungsfeiern als entgegen der katholischen Lehre, Gehorsam verweigernd und spaltend abgekanzelt.

Als Zeichen sind diese kirchlichen Handlungen provokant, weil sie zentrale Inhalte des christlichen Glaubens praktizieren und so die Glaubenden herausfordern sich zu Liebe und Treue, zu ökumenischem Versöhnungswillen und zu demokratischer Beteiligung an der Kirchenleitung zu stellen.

Was von den Hütern der Tradition als spaltend bezeichnet wird, kann auch als erneuerndes Wirken des heiligen Geistes in den Kirchen gesehen werden.

Die Apostelgeschichte beschreibt die Geistsendung als bewegendes, ja elementares Ereignis: Stürmisches Rauschen im Saal, in dem 120 Männer und Frauen (Apg 1,15) versammelt waren, die gerade Matthias per Gebet und Losentscheid als apostolischen Rat eingesetzt hatten (Apg 1, 24-26). Dazu das Feuer der Begeisterung und eine Sprache, die alle verstanden (Apg 2, 2-4)! Sie wissen sich von Gott berufen und begeistert: „Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich in jenen Tagen meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden.“ (Apg 2,18) Und in ihrem begeisterten und begeisternden Erzählen der befreienden Botschaft Jesu vom Gottesreich der Liebe, Versöhnung und des Friedens für alle Menschen sind sie nicht zu bremsen, erst recht nicht von den Glaubenswächtern: „Ist es vor Gott recht, euch mehr zu gehorchen als Gott? Wir können unmöglich schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben!“ (Apg 4, 19f)

Kirchenleitungen und Glaubenshüter sollten sich an diese bewegenden Anfänge des Christentums erinnern und die Zeichen des Geisteswirkens und des Aufbruchs, des immer wieder die Kirchen erneuernden Pfingsten, anerkennen und fördern, damit der Geist der Erneuerung wirken kann.

GS 18. Mai 2021


Provokation* LiebesSegen

Segen entspricht dem lateinischen Begriff benedictio: Jemandem etwas Gutes (bene) zusagen (dicere) im Vertrauen darauf, das es wirkt. Segen ist dem lateinischen Signum = Zeichen entlehnt.

#liebegewinnt ist das Motto der Segensfeiern im Mai, in denen der Segen Gottes liebenden Paaren von katholischen Seelsorger*innen öffentlich zugesprochen und mit dem Kreuz „signiert“ wird.

Normal im Mai, dem beliebtesten Hochzeitsmonat. Allerdings wird dieser Segen allen Paaren zugesagt, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung oder ihres (kirchen-)rechtlichen Status. Denn der Segen soll die stärken, die sich öffentlich zu ihrer Liebe bekennen und diese in gegenseitiger Verbindlichkeit (Treue) leben wollen.

Wer kann gegen diese liebevolle Segenshandlung sein?

Die bundesweite Aktion #liebegewinnt ist eine Reaktion auf eine provokative Absage der römischen Glaubensbehörde zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Diese seien der katholischen Kirche nicht erlaubt.

„Ich werde dich segnen und ein Segen sollst du sein.“ sagt Gott dem Abraham zu (Genesis 12,2). Dies ist Zusage und Auftrag auch an uns heutig Glaubende diesen Segen weiterzugeben als Zeichen der Liebe Gottes und um die Liebe zu stärken.

Die LiebesSegenVollmacht ist nicht an das priesterliche Amt gebunden, denn Segenszusage und -auftrag ergehen an das ganze Volk Gottes (griech. Laos – Laien), stellvertretend durch den Stammvater Abraham und bestätigt durch den Auftrag Jesu: »Geht in die ganze Welt und verkündet die Gute Nachricht allen Menschen!“ (Mk 16,15)

#liebegewinnt – wenn Du sie lebst und zum Segen für andere wirst.

*Provokation (v. lat. provocare ‚hervorrufen‘, ‚herausfordern‘) bezeichnet das gezielte Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen.

GS 10. Mai 2021


Music was my first love

Ich starte in einen sonnigen Tag und in eine neue Woche mit Musik aus dem Radio. Der Sektor-Sender fordert mich auf über seine App an der Auswahl der besten 100 Lieblingshits zu beteiligen.

Ich brauche nicht lange nachzudenken, oder die Soundfiles meines nun schon längeren Lebens zu scannen, sondern wähle spontan MUSIC von John Miles.

Music was my first love
And it’ll be my last
Music of the future
And music of the past.
To live without my music
Would be impossible to do
In this world of troubles,
My music pulls me through

Ich kann mir mein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Musik inspiriert mich, baut mich auf, macht alles leichter, bringt meine Gefühle zum Ausdruck – Musik ist Gebet!

Nein, nicht im Sinne meiner Oma “Wer singt betet doppelt!” als Leistung, sondern als Ausdruck purer Lebensfreude, als Be-geist-erung, als in mir nachhallender Klang, als Geschenk, …

Sich über Musik ausdrücken, den Lebens-Rhythmus finden, Musik als Trost und Therapeutikum ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit.

So wird vom 1.Israelischen König Saul erzählt, dass sein junger Beraterstab ihm gegen seine Depressionen die Musik eines jungen Hirten namens David empfahl:

Immer wenn der böse Geist über Saul herfiel, griff David zur Laute und begann zu spielen. Und immer wieder brachte die Musik Saul Erleichterung. Er fühlte sich besser, und der böse Geist ließ ihn in Ruhe. (1. Samuel 16,23)

My music pulls me through, sie wird zum Lebenselexier, begleitet, tröstet, inspiriert, motiviert, … wird zum Soundtrack meines Lebens:

Music was my first love, And it’ll be my last …

So I say thank you for the music … (ABBA) in guten und in schlechten Zeiten.

GS 3. Mai 2021


Erinnernd begreifen

Zur Feier des Gedenkens an die Opfer der Corona-Pandemie hatte der Bundespräsident Angehörige von an Covid infizierten Gestorbenen oder durch die Kontaktverbote von der Sterbebegleitung ausgeschlossene Partner und Kinder eingeladen ihre Erfahrungen zu erzählen.

Das Unbegreifliche, der Schmerz, die Wut, die Ohnmacht, die Trauer brauchen solche Räume und Gelegenheiten, um die Fassungslosigkeit und das Unbegreifliche zumindest in Worten und Erinnerungen fassbar zu machen.

Das bringt die Toten nicht zurück, aber das, was sie ausgemacht hat, ihre Bedeutung für mich, unsere Beziehung wird fassbarer, begreifbarer. Es hilft neu zu leben aus dem heraus, was unsere Beziehung ausgemacht hat, das, was wertvoll daran war, das, was lebendig macht, Hoffnung gibt und was gelebt werden will.

In vielen Ostergeschichten der Bibel versuchen die Freund*innen Jesu nach seinem Tod, wenn sie zusammen waren, miteinander aßen und tranken immer wieder neu einander in ihrer persönlichen Unterschiedlichkeit diese Erfahrungen zu erzählen:
Ja, er ist gestorben und ins Grab gelegt worden, wir haben es alle gesehen, bzw. von glaubwürdigen Zeugen berichtet bekommen. Und dennoch ist mit seinem Tod nicht alles aus, sondern er lebt, er lebt weiter in uns und durch unsere Erzählungen.Seine Botschaft der Liebe und wie wir sie leben lassen ihn erlebbar werden.

„Noch während sie berichteten, stand Jesus plötzlich mitten im Kreis der Jünger. »Friede sei mit euch!«, begrüßte er sie. … »Warum habt ihr solche Angst? … Ich bin es wirklich. …« (Lk 24, 36-39)

Erinnern lässt begreifen, lässt weiterleben und lebendig werden.

GS 20. April 2021


Wie geht es Dir?

… habe ich vor einigen Jahren einen Kollegen, der einige Wochen zuvor seinen Sohn verloren hatte, gefragt. Seine Antwort: Wieviel Zeit hast Du? hat mich sehr betroffen und nachdenklich gemacht mit welchen Floskeln ich Gespräche eröffne.
Um das Floskelhafte zu überwinden hänge ich “wirklich!” an. Denn es geht mir ja um die wirklichen Gefühle und Erlebnisse, die mein Gegenüber bewegen. Und es geht um Beziehung, um zuhören können, um den/ die anderen ernst nehmen. Und um sich Zeit für einander zu nehmen. Der Evangelist Lukas, von Beruf wahrscheinlich Arzt (Kolosserbrief 4,14) beschreibt Jesus als einen, der solche Begegnungen suchte, z.B. mit einem Blinden: Er nimmt sich Zeit für ihn, lässt sein Gegenüber selbst bestimmt zu Wort kommen, ganz aufmerksam ihm/ ihr zugewandt. “Was willst Du? Was soll ich Dir tun?” (LK 18,41) Die Frage, die Haltung ermöglicht es beiden Gesprächspartnern auf den Punkt zu kommen: Das will ich von Dir, das brauche ich wirklich – das kann ich für Dich tun, dazu bin ich bereit. Und das Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen ermöglicht diesem zu helfen. In der Beratungs- und Führungs-Philosophie des FACILITATION in Veränderungsprozessen gibt es einen (störenden) Grund-Satz: „Jeder gibt sein Bestes – immer!“
Diese Grund-Annahmen für menschliche Begegnung ermöglichen Veränderung, öffnen die Augen für das, was wirklich zählt. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20,29)
GS 13. April 2021


Begreifend Erkennen

“Das liegt doch auf der Hand!” meint “Bist Du eigentlich blind? schwer von kapee? begriffsstutzig?” Ungeduldig kommentieren wir besser Wissende für sie offensichtliche Erkenntnisse, um sie sofort zu verbreiten während sich bei den Angesprochenen, die Erkenntnis erst langsam wachsen muss.
In einer alten Ostergeschichte (Lukas-Evangelium 25,13-35) sind zwei solch Begriffsstutzige nach einer gemeinsam erlebten Enttäuschung auf dem Weg zurück in ihre Heimat. Immer wieder sprechen sie, wie in einer Selbsthilfe-Gruppe über ihr Erleben, tauschen ihr Empfinden aus, suchen nach Gründen, warum sie sich in einem, den sie für den von Gott gesandten Retter, den Erlöser der Welt gehalten hatten und dessen Bewegung sie angehörten, so getäuscht hatten. Er hatte kläglich versagt, war ganz menschlich als Gotteslästerer und Revolutionär von den Religionswächtern bei der Besatzungsmacht angezeigt worden und zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet worden. Er war für sie gestorben.
Sie sind enttäuscht, weil er als Heilsbringer versagt hat und weil sie ihm geglaubt und vertraut hatten und für ihn alles verlassen und aufgegeben hatten. Sie waren mit Jesu Tod auch persönlich am Ende.
Der Sinn des Ganzen und die Be-Deutung der Ereignisse, die sie erlebt hatten, wird ihnen erst in der Erinnerung an die alten Geschichten und Erfahrungen deutlich als Plan Gottes. Und sie scheinen immer noch Teil dieses Planes zu sein, denn sie spüren, dass der, den sie für immer tot glaubten in ihrem Erzählen und Nach-denken wieder Gestalt annimmt. Er wird Teil ihrer Weg- und Erzählgemeinschaft. Sein Leben mit ihnen und seine Botschaft werden wieder lebendig.
Letztlich begreifen sie das Phänomen seiner Auferstehung aber erst beim gemeinsamen Essen und an der Art und Weise, wie sie in Erinnerung an ihr letztes Zusammensein mit Jesus das Brot gebrochen haben und er ihnen den Auftrag gab, dies immer wieder im Gedenken an ihn zu tun.
Er gibt sich ihnen zu erkennen und sie erkennen ihn. Das geteilte Brot in ihrer Hand wird zum Zeichen ihrer Gemeinschaft mit dem in ihnen weiterlebenden Jesus, dem von Gott gesandten Messias.
Das Brot in ihrer Hand und die Erkenntnis daraus, dass er auferstanden ist, erinnert sie daran Gottes Willen zu tun, zu teilen und seine frei machende Botschaft von der Liebe Gottes, die auch den Tod übersteht weiter zu erzählen, sie in ihr Leben zu übersetzen und so an einer besseren Welt mitzuarbeiten.
Handgreifliche Zeichen brauchen wir Begriffsstutzigen um zu Glauben!
GS 7. April 2021

jesus
jüdischer bruder
herz gottes
liebhaber des lebens

so auf dich vertrauend und glaubend
so auf dich setzend und hoffend
so dir nachfolgend

mit unseren möglichkeiten und
den deinen darin
wollen wir unser leben wagen

tag für tag
stufe für stufe
schritt für schritt
unser leben vor dem tod
du weist uns den weg zum leben

osterwärts

© manfred langner
(Auszug aus OSTERWÄRTS 2021)

Perspektive:wechseln

Seit einem Jahr bestimmt scheinbar nur ein Thema die täglichen Schlagzeilen, die Zusammensetzung der Talk-Shows und die Sondersendungen der öffentlich-rechtlichen TV-Sender.
Corona ist politisch und sozial viral, bringt unser Gesundheitssystem an die Grenzen und provoziert Verschwörungstheorethiker, Impfgegner und Staatsverweigerer als „Querdenker“. Da wo es um unsere persönliche Freiheit geht, fühlen wir uns bedroht, eingeschränkt, unterdrückt. Die Schutzmaske wird zum Maulkorb erklärt, die Versammlungsfreiheit zum in Kauf genommenen Super-Spreader-Event und Demonstrationen werden zu Gottesdiensten um etikettiert. Welchem Gott wird da gedient?
Das Virus und seine Mutationen bringt unsere Ordnungen, unser Sozial- und Konsumverhalten, sogar unsere Feste durcheinander – überall auf der Erde!
Es ist eine PANdemie, aber wir haben nur unsere Perspektive, unseren Nahbereich im Blick, der Rest verschwindet bestenfalls im Nebel, im schlimmeren Fall bauen wir Sichtschutzmauern.
Wenn wir den Blick doch mal von uns selbst lösen würden, über den Corona-Tellerrand hinaus auf die erschreckenden Veränderungen der „Klimakonstanten“, die Unterdrückung der Menschenrechte in autoritären Staaten und Pseudo-Demokratien und die aus allem resultierenden Flüchtlingsströme direkt vor unserer Haustür schauen würden.
„Was wäre, … wenn wir uns trauen würden, ein Herz zu haben? Wenn wir bereit wären, es uns und anderen unbequem zu machen? Lästige, aber notwendige Fragen zu stellen? Den Finger in die Wunde zu legen?
„Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung“ (2 Tim 4,2).
Das Wort der Befreiung verkünden, Wahrheiten aussprechen, die keiner hören will, zur Unzeit und hartnäckig, das war schon immer Prophetenart. Jetzt wäre es angebracht. Denn die Alleingelassenen brauchen Verbündete.“ – Petra Gaidetzka, MISEREOR
Es geht! Anders. – wenn wir die Perspektive:wechseln
GS 30. März 2021


Anmaßend?

Ich habe mir das Vater Unser erbetet. Immer wieder, immer bewusster und immer langsamer und stockender.
Der Vers “Dein Wille geschehe” hat mich jedes Mal stocken lassen.
Er war und ist sperrig für mich. Woran erkenne ich, was der Wille Gottes ist? Wie geschieht er und was hat er mit mir, mit meinem Leben zu tun?
Hat Gott einen Plan mit mir? Sicherlich – glaube ich!
Aber wie erkenne ich, was dieser Plan ist?

Die Antwort der vatikanischen Glaubenskongregation, also der obersten Glaubensbehörde der katholischen Kirche, auf die Anfrage “Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?” maßt sich an zu wissen, was der „geoffenbarte Plan Gottes“ für gleichgeschlechtlich liebende Menschen und ihre Beziehung ist, die um den Segen der Kirche bitten.
Segen = benedicere = von jemandem gut sprechen, jemanden loben, jemandem etwas Gutes zusagen
Ziel des Segens bzw. Segnens (lateinisch signandum) ist die Förderung von Glück und Gedeihen

Die Begründung für das NEIN DER Kirche zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare spricht siebenmal vom Plan Gottes mit den Menschen und einmal ausdrücklich vom Willen Gottes.
NEIN, weil homosexuelle Paare nicht im Plan Gottes vorgesehen sind oder wörtlich: weil eine solche Verbindung „nicht auf den Plan des Schöpfers hin geordnet ist.“
NEIN, weil DIE Kirche damit „einen Entschluss und eine Lebenspraxis“ billigen und fördern würde, „die nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hin geordnet anerkannt werden können.“

Jeder Mensch versucht zu erkennen, was der Liebesplan Gottes mit ihm ist, dafür erbitten wir Gottes Segen:
für diese unsere Suche, was sein Wille ist, für unsere Beziehungen, die wir liebend gestalten und leben wollen, für die Menschen, die uns liebend verbunden sind.
Der Segen ist ein Zeichen, eine Signatur, eine Bestätigung der unverfügbaren und unermesslichen Liebe Gottes zu uns Menschen.
Dieser Segen wird bestätigend zugesprochen von einer Gott und den Menschen dienenden, sich um die Seelen sorgenden Kirche, die täglich erbetet:
DEIN REICH der Liebe komme, DEIN WILLE für Gerechtigkeit geschehe – durch uns.

GS 23. März 2021


Bleibt besser zu Hause!

Diesen Auf- und Ausruf von Prof. Christian Drosten habe ich nunmehr genau 1 Jahr lang befolgt, mehr noch, ich habe auch keine “Clubs oder Partys” und keine “Präsenz-“-Gottesdienste und Gremien-Sitzungen besucht. Und ich musste leider auch auf den Besuch von Kindern und Enkeln -bis auf sehr wenige Ausnahmen und diese dann noch begleitet von Schutzmaßnahmen und Quarantänen- verzichten. Hochzeiten mussten ausfallen und Tote wurden weitgehend unter Ausschluss von Freunden und Bekannten zu Grabe getragen.
Manches fehlte mir im zurückliegenden Jahr des Social Distancing: Spontane Besuche, die greifbare Nähe von Menschen, die mir wichtig sind, das Zusammensein mit Freunden, ja auch das unbekümmerte Feiern, einfach so. Mein spirituelles Leben und Erleben ist anders geworden.
Vor 1 Jahr war ich das letzte Mal an einem spirituellen Ort, mit dem mich seit 35 Jahren viel verbindet, der mir und meiner Familie spirituelle Heimat war. Ich war am Freitag, dem 13. März 2020 dort, um unseren FeierAbend+ Gottesdienst dort abzusagen und Hinweisschilder an der Kirchentür auszuhängen: Wegen des hohen Infektionsrisikos muss der Gottesdienst leider ausfallen!
“Bleibt zu Hause!” damit Ihr Euch nicht zu nahe kommt, damit Ihr nicht Euch und andere gefährdet. Gottesdienst als lebensgefährdende Versammlung, Beten und Singen als Virentransfer und das bis heute hin.
Meine Beziehung zu Gott ist geprägt von meinen Beziehungen zu Menschen. Biblisch gesprochen: Im Nächsten begegne ich Gott! – Ist Social Distancing auch Distance from God?
Wenn ich die Zusage Gottes glaube, dann ist ICH BIN DA BEI EUCH nicht an „Präsenz“veranstaltungen gebunden (und wahrscheinlich nicht in „Geistergottesdiensten“ erfahrbar), sondern in der „Distanz“-Zeit auch im ZOOM mit Menschen, mit denen ich im Glaubensgespräch und im Gebet verbunden bin. Spirituelle Heimat kann ich so auch in Netzgemeinschaften finden. Beteiligt sein (Particiatio actuosa) trotz räumlicher Distanz und mit der Hoffnung auf nachhaltige Verbundenheit mit den Menschen und mit Gott.
GS 16. März 2021

In diesen Tagen,
in denen mir der Mut fehlt,
die Kraft nachlässt,
meine Perspektivlosigkeit mich lähmt,
reich Du, Gott, mir deine Hand.
Richte mich auf,
weite meinen Blick,
lass mich die Perspektive wechseln.
Richte mich auf,
schenke meiner Hoffnung Raum,
lass mich Mut fassen.
Richte mich auf,
nimm mich an deine Hand,
schenke mir dein Heil.

Pia Biehl (spurensuche.info)


Manchmal möchte ich …

wenn ich sehe, was in der Kirche schon seit einiger Zeit los ist, meiner Enttäuschung und ja auch Wut freien Lauf lassen.

Ich würde mir die Verantwortlichen mal so richtig vornehmen und ihnen die Meinung geigen: Ihr habt den Karren vor die Wand gefahren, stellt Euch doch Eurer Verantwortung. Ihr habt aus der Kirche, die den Menschen und Gott dienen will, einen selbstverliebten, ungerechten, exklusiven Männer-Club gemacht … – Ihr habt mich meiner geistlichen Heimat beraubt!

Manchmal möchte ich, könnte ich, würde ich … Alles Konjunktive, folgenlos, hätte, hätte, Fahrradkette …

Hat nicht auch Jesus in “heiligem Zorn” die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel getrieben? (Johannes 2, 13-17)

Jesus wandte seinen Zorn gegen die Haupteinnahmequelle der Tempelverwaltung. Seine Kritik richtet sich gegen die Kommerzialisierung des Tempelbetriebs und der Gottesanbetung und –Begegnung.
Und er macht deutlich, wie sehr er sich mit diesem Ort identifiziert: „Haus meines Vaters“, also seine geistliche Heimat. Jesu prophetische Zeichenhandlung ist ein Angriff auf die bestehende religiös-politische Ordnung … und deren Hüter, die Priesterschaft.

Wo ist meine geistliche Heimat, mein spiritueller Ort an dem und aus dem ich meinen Glauben schöpfe, den ich regelmäßig besuche und zu dem ich immer wieder zurückkehre? Und was macht diese Heimat aus?

Im Moment fällt es mir schwer meine Kirche als geistliche Heimat zu bezeichnen, wenn ich damit ihre glaubwürdige Verkündigung und gesellschaftliche Wirksamkeit meine. Da messe ich – und unsere Gesellschaft -sie am Auftrag Jesu an seine Freunde und Jünger:
Geht ohne Geld und Essen, einfach gekleidet zu den Menschen, ruft sie auf sich mit Gott und untereinander zu versöhnen. Verkündet die befreiende Botschaft von Gottes Liebe. Ich gebe Euch die Vollmacht dazu Kranke zu heilen. Seid in eurem Auftreten und Handeln glaubwürdige Botschafter des Gottesreiches der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens (Markus 6)

Manchmal möchte ich, angesichts dieser Wirklichkeit, meiner Wut und meinem Zorn –letztlich über meine Unfähigkeit diesen Anspruch glaubwürdig selbst zu leben- freien Lauf lassen können und anfangen … mich zu ändern.

GS 10. März 2021

ERMUTIGUNG ZUM HANDELN

Wenn du dir die Hände

nicht schmutzig machen willst

und dir einredest,

dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,

dann wünsche ich dir den Mut,

dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,

dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,

dann wünsche ich dir den Mut,

dich einzumischen

und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn du erkannt hast,

was auf dem Spiel steht,

aber vor den damit verbundenen Hindernissen zurückschreckst,

dann wünsche ich dir den Mut,

über deinen Schatten zu springen.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – Fastenaktion Misereor 2017


Wir wollen glaubwürdig bleiben!

Mit diesem Leitbild positionierte sich das Team der KHG-Köln zum Wintersemester 2019 in ihrem Semesterprogramm und auf ihrer Website. Diese Positionierung passte zur kirchlichen Problemanzeige nach den skandalösen Veröffentlichungen zu sexuellem und geistlichem Missbrauch in tausenden Fällen in kirchlichen Einrichtungen und durch kirchliche und speziell priesterliche Mitarbeiter durch die sogenannte MGH Studie im September 2018.
Glaub-Würdigkeit macht eine Glaubensgemeinschaft aus. Sie muss ihre Praxis an dem messen lassen, was sie als Glaube verkündet. Sonst verspielt sie das Vertrauen nicht nur der Gläubigen, also ihrer Mitglieder, sondern auch das Vertrauen der Gesellschaft in die Kirche als Sozialorganisation mit vielen Sozial- und Bildungseinrichtungen mit gesellschaftlicher Relevanz.
Auch Jesus musste sich der Frage nach der Glaubwürdigkeit seiner Botschaft stellen und er verweist die Fragenden auf seine Praxis und Wirkung:
“Berichtet, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote werden zum Leben erweckt und den Armen wird die gute Botschaft verkündet. Freuen darf sich, wer nicht an mir irre wird!” (Matthäus 11, 4-6)
Mittlerweile werden aber viele gutwillige, auch gläubige Kirchenmitglieder an der unbeirrbaren und ignoranten Haltung und der offensichtlichen Reformunwilligkeit und-fähigkeit vieler kirchenleitender Männer irre und kehren ihrer Kirche den Rücken. Darunter auch viele über lange Jahre hoch motivierte und engagierte Ehrenamtliche. Diese und auch die, die sich auch innerkirchlich noch für eine Kirchenreform einsetzen, wollen glaubwürdig bleiben.
Ich habe mal gelernt: „Ekklesia semper reformanda“ und es sagt viel über die katholische Kirche und ihren Reformbedarf aus, wenn Papst Franziskus diesen auf den Reformator Martin Luther zurückgehenden Satz 2017 in Kolumbien in den Mittelpunkt seiner Predigt zum inneren Reformbedarf seiner Kirche stellt: „Statt einem “starren Hängen an Normen und Gesetzen” verlangt der Papst Wachsamkeit für das, was er die “wirksame Gegenwart des Herrn” nennt; diese ist zu finden “in den konkreten Bedürfnissen unserer Brüder und Schwestern”, im Hunger des Nächsten.“ (katholisch.de 10.Sept 2017)
Wenn Kirche glaubwürdig die Botschaft Jesu verkündigen und leben will, dann muss sie auf die Fragen und Nöte der Menschen eingehen und sich diesen zuwenden.
In ihrer Organisation und ihrem Machtgebahren muss sie sich entscheiden, wie Christiane Florin in einem Kommentar zur Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe schreibt: „demokratisch oder autoritär, plural oder monolitisch, emanzipatorisch oder warschonimmersoundhaltetjetztdieklappe.“ (DLF 25.2.2021)
Das die Freiheit des Meinungsaustausches und der Kritik ein Grundrecht, ja eine Verpflichtung des Gottesvolkes ist, beschreibt die päpstliche Enzyklika Communio et progressio 1971: „Die verantwortlichen kirchlichen Obrigkeiten werden dafür sorgen, dass sich innerhalb der Kirche auf der Basis der Meinungs- und Redefreiheit der Austausch legitimer Ansichten lebendig entfaltet.“
Kirchenmacht und –Ohnmachterfahrene werden zurecht fragen: Und wer bestimmt, was legitime Ansichten sind?
GS 2. März 2021

Existenzrelevant?

Seit dem ersten Lock down vor einem Jahr im März 2020 beschwerten sich insbesondere katholische Kirchenleitungen, dass Gottesdienste nicht als systemrelevant eingestuft wurden, unter das Versammlungsverbot fielen und daher für längere Zeit nicht mehr stattfinden konnten und danach nur unter erheblichen Einschränkungen.
So kommentierte die FAZ am 1. Mai 2020, die Reaktion einiger Bistümer und Landeskirchen nicht nur Gottesdienste in den Kirchen, sondern überhaupt Versammlungen pandemiebedingt auszusetzen: “Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass man sein eigenes Tun auch im existenziellen Sinn für irrelevant hält.” (FAZ.net 1.5.20)
Seitdem arbeiten sich Kirchenleitungen daran ab kirchliche Vollzüge, Angebote und Veranstaltungen als wenn schon nicht systemrelevant, dann doch existenzrelevant zu bezeichnen. So (sicherlich nicht) zuletzt der Paderborner Erzbischof Becker in einem Brief an die Mitarbeiter*innen des Bistums: “Das kirchliche Engagement in Pastoral, Betreuung und Pflege habe sich im Dienst an der Gesellschaft als unverzichtbar und “existenzrelevant” erwiesen. “Unsere Kirche wird gebraucht!”, so Becker. (katholisch.de – 18.2.21)
Relevant für wen?
Für unsere Gesellschaft sind Dienstleistungen in Betreuung und Pflege, wie sie die Kirchen als gemeinnützige Träger anbieten, unbestritten systemrelevant, gerade in dieser Gemeinnützigkeit!
Eine dienende Kirche ist in der Tat existenz-relevant und zwar für sich als Organisation und die in ihr Arbeitenden und von ihr Abhängigen, denn das ist ihr organisationaler Zweck. Oder mit den Worten des ehemaligen Bischofs von Evreux Jacques Gaillot: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“
Ob DIE KIRCHE, wie wir sie erleben relevant für uns, unseren Glauben, unsere seelische Existenz ist hängt von ihrer erlebbaren Praxis ab: Wenn sie sich und ihre Repräsentanten und Mitglieder -und das bin auch ich- als Dienende an der unverdienten Liebe Gottes zu uns Menschen versteht, ja diese bedingungslose Liebe lebt und erfahrbar macht, dann ist sie relevant und die zuwendende Antwort auf Gottes Heilssorge:
HERR, was ist schon der Mensch! Warum schenkst du ihm überhaupt Beachtung? Warum kümmerst du dich um ihn? (Ps 144,3)
Eine Kirche, die um sich selbst kreist und ihre Machtstrukturen konserviert und missbraucht, der setzt Jesus bei seinem letzten gemeinsamen Mahl mit seinen Freunden entgegen: »In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre Völker, und rücksichtslose Machthaber lassen sich als Wohltäter feiern. Aber bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen.<< (Lk 22)
Wenn sich also in dieser Woche die deutschen Bischöfe Gedanken zur Zukunft der Kirche und den synodalen Weg machen, ist der Maßstab für Relevanz gesetzt.
GS 23. Febr 2021

Foto: Asli Yüksel

Es geht! Anders.

Begrüßungsmonologe:
Wie geht’s? Wie isset?
Reaktionen je nach Stimmung, Beziehung, Dialogbereitschaft, Zeit, Herkunft … :
Jot! Muss! Geht so! Frag nich! Wie sollet sein?…
Befindlichkeitsfloskeln oder Zustandsbeschreibungen?
Mit Blick auf unsere Erde, “das gemeinsame Haus” (Papst Franziskus) und die Fragen weltweiter Gerechtigkeit und ökologischer Wende schwingt bei der Feststellung Es geht! ein “so lala” mit, also eher Skepsis als Mut machende Perspektive.
Wenn Misereor über die diesjährige Fastenaktion schreibt: Es geht! Anders.
dann ist das nicht einfach eine Zustandsbeschreibung der mühsamen Weltverbesserung, sondern gebunden an den Appell zur Veränderung des eigenen Verhaltens.
Anders werden, Alternativen der LebenssAlltagsGestaltung zu suchen.
Bewusster wirtschaften, produzieren und leben, sich der Verantwortung für das gemeinsame Haus bewusst werden, das steht nicht erst seit Mahatma Gandhis gewaltlosem Widerstand gegen die englische Kolonialmacht oder dem ökumenischen Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung als politischer Anspruch für religiös motiviertes Fasten.
Fasten als Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, um Welt und Gesellschaft „gottgewollt“ zu verändern findet sich schon vor mehr als 2500 Jahren in den Schriften des Propheten Jesaja:
„Ein Fasten, wie ich es haben will! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende!“ Jes 58,6
oder in einer Übertragung und Aktualisierung:
Ist nicht vielmehr das ein Fasten, das ICH liebe:
Ungerechte Fesseln zu lösen
zu lockern, was hinabzieht
Menschen zu befreien, die unter Gewalt und Macht leiden?
und alles was unterdrückt zu entfernen?
Tobias Kölling 2017

Es geht um Achtsamkeit für Unrecht, um Befreiung von Ohnmacht und Ausbeutung, um die Veränderung der Verhältnisse, um die gemeinsame Zukunft.

Einladender Begrüßungsdialog: Wie isset? – Wie sollet sein? (Niederrhein und westliches Ruhrgebiet)

GS 17. Februar 2021


Ich singe, weil ich ein Lied hab …

war eines der Lieder, mit dem Konstantin Wecker 1975 bekannt wurde als politischer Liedermacher und Poet. Das Lied ist eine Botschaft und muss gesungen werden, egal ob die Leute es hören wollen oder nicht. Und auch wenn der Sänger gestorben ist, sucht das Lied einen anderen Sänger.
Das Lied ist in den 1980ern ins Spanische übertragen worden und von Mercedes Sosa und Joan Baez in den (latein)amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen verbreitet worden. Es hat so bis auf den heutigen Tag eine große Reichweite.
Ähnlich muss es dem spätberufenen Apostel Paulus gegangen sein, wenn er an seine Gemeinde in Korinth schreibt: “Wenn ich das Evangelium verkünde, … kann ich ja gar nicht anders – weh mir, wenn ich es nicht weitergebe! … Ich tue es nicht freiwillig, sondern weil ich mit einem Amt betraut bin.”
Und dieses Amt ist -nach heutigem Verständnis- ein Ehrenamt, denn er wird dafür von keiner Kirche bezahlt, sondern verdient seinen Lebensunterhalt mit seinem erlernten Beruf als Zeltmacher.
Er grenzt sich sogar ab von den Berufstheologen und sagt, dass er durch diese materielle Unabhängigkeit frei ist den Menschen, ungeachtet ihrer religiösen Herkunft, ihres gesellschaftlichen Status oder ihrer Überzeugung, die befreiende Botschaft Jesu von Gottes Nähe und der neuen Ordnung der Gerechtigkeit und Liebe zu verkünden und glaubwürdig zu leben.
Paulus würde Konstantin Wecker zustimmen, dass diese Botschaft auch unabhängig vom Verkündigenden ist, denn dann wäre sie mit ihm gestorben.
“Ich singe, weil ich ein Lied hab, nicht, weil es euch gefällt, nicht, weil ihr’s bei mir bestellt, nicht weil ihr mich dafür entlohnt. … Und keiner, keiner, keiner wird von mir geschont.”
Diese mahnende, unbequeme, kritische Botschaft, die zur Veränderung der Lebensführung und der gesellschaftlichen Verhältnisse aufruft und sich einsetzt für das Buon Vivir, das gute Leben für alle, braucht unsere Gesellschaft und brauchen unsere Kirchen, egal welcher Konfession.
Und die Sänger*innen erkennt man an diesem Lied.
GS 9. Febr 2020


Geduldsprobe

In diesen Tagen des holprigen Impf-Starts für die priorisierten “vulnerablen Gruppen” fordern Politiker aller Ebenen von der Bevölkerung Geduld: Geduld mit den Produzentinnen, Geduld mit den Verhandelnden, Geduld mit den Zulassungsstellen, Geduld mit den Verwaltungsabläufen, … letztlich auch Geduld mit den politisch Verantwortlichen selbst. Die Erwartungen waren hoch, die Entwickler*innen schnell, die Wirksamkeitsstudien beachtlich, die Lieferzusagen viel versprechend.
Die Angst vor Mutationen und Kontrollverlust wächst, der Lockdown-Frust ist groß und für viele existenzgefährdend. Der versprochene Impf-Start enttäuschend. Die Impfstoffverteilung ungerecht zu Gunsten des Nordens, zu Lasten des globalen Südens.
Es wird zurück gerudert. Das Erwartungsmanagement müsse verbessert werden, sagt Markus Söder; Robert Habeck sieht dieses gar im Keller.
Erwartungsmanagement? “Im Erwartungsmanagement kommt es darauf an, die gelieferte Leistung an die Kundenerwartung anzupassen. Dabei ist es relevant, die Kundenerwartung in seinem Sinne zu steuern, um beispielsweise nicht in eine so genannte „Erwartungsspirale“ zu geraten, in der die Leistung durch induzierte Erhöhung der Kundenerwartung immer gesteigert werden muss.”(Wikipedia)
Die Erwartungen an die Bewältigung der Krise also falsch gesteuert?
Paulus schreibt während einer Glaubwürdigkeits-Krise der römischen Gemeinde:
Röm 15,5: “Gott, der Geduld und Ermutigung schenkt, soll euch helfen, eins zu sein und in Frieden miteinander zu leben. Geht miteinander so um, wie es Christus vorgelebt hat.”
Es geht in der Bewältigung von Krisen um Geduld miteinander, mit denen man gemeinsame Überzeugungen und ein gemeinsames Ziel teilt: Ein gutes Leben für alle.
Und die Bereitschaft zu Verzicht und zum Teilen.
In meiner Prioritäten-Liste stehen Corona-Krise und Klimakrise gemeinsam auf Platz 1.
Dafür brauche ich viel Gott geschenkte Geduld, auch mit mir selbst, Menschen mit denen ich gemeinsame Ziele teile und (Gott geschenkte) Ermutigung!

GS 2. Februar 2021


Symbol-Missbrauch

Die Bilder vom Sturm auf das Kapitol in Washington (am 6. Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn) sind auch nach Abtritt des dazu anstachelnden Ex-Präsidenten im Gedächtnis verankert. Die mitgeführten Symbole unterstreichen den teils religiös motivierten Anspruch dieses geplanten und inszenierten Aufstandes gegen das politische Establishment und die freiheitliche Demokratie und ihre Einrichtungen.
Plakate wie “Jesus saves“ und Kreuze in allen Größen erinnern an Prozessionen und Donald Trump inszenierte sich gerne als Messias der radikal-evangelikalen Community in “Gods own country”
Der Missbrauch christlicher Symbole und die Ideologisierung aus dem Zusammenhang gerissener Fragmente aus heiligen Schriften der Religionen sind erschreckend und können nicht einfach nur missbilligend in Kauf genommen werden.
Dies ist kein bedauerliches Missverständnis der biblischen Botschaft, sondern ein bewusster Missbrauch von Zeichen und Kernaussagen des Christentums.
Die Umdeutung religiöser Kernaussagen ist kein christlich, amerikanisches Spezifikum, sondern auch die Thora, der Koran und Schriften Buddhas werden von religiösen Fanatikern für politische Handlungen und terroristische Anschläge missbraucht.
Selbst Schuld? Religion ist eben doch Opium fürs Volk (wobei Opiate eher beruhigen bis hin zur Apathie)? Religion passt eben nicht in eine aufgeklärte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts?
Ich glaube eher, dass religiöse (Verkündigungs-)Sprache eine Klartext-Aktualisierung braucht.
Papst Johannes XXIII forderte bei der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren ein „Aggiornamento“ ein heutig werden, ausgerichtet an dem, was die Menschen unserer Zeit bewegt. Religion muss Antwort geben auf die Fragen der Menschen und lebbare Wege und Werte aufzeigen.
Die Heilige Schrift braucht ein Update, wie Bodo Wartke in seinem neuen Song DIE HEILIGEN SCHRIFTEN 2.0 vorschlägt.

Verhindert das den Missbrauch religiöser Symbole? – nein, aber religiöse Werte und Haltungen wären verstehbarer und (er-)lebbarer für uns glaubende und suchende Menschen im 21. Jahrhundert.
GS 26. Januar 2021


Von visionslosen Zeiten, Hörenden und Berufenen

Lange habe ich diese biblische Lesung (1.Samuel 3, 1-10) nicht mehr im Gottesdienst gehört; vielleicht hatte ich nicht hingehört, war mit anderem, vermeintlich Wichtigerem beschäftigt, oder sie traf damals nicht meinen Nerv.

Aber diesmal kam alles zusammen. Ort, Zeit und Botschaft. Ich horchte auf, hörte hin und fühlte mich angesprochen:

“In jenen Tagen waren Worte des HERRN selten; Visionen waren nicht häufig.” Die Vorgeschichte erzählt von korrupten Priestern, die ihr Amt und ihre Macht auf Kosten der Glaubenden missbrauchen, statt auf Gott und seine Botschaft zu hören. – Visionslose Religionsführer -.
Samuel, ein junger Priesterschüler am Heiligtum, schlief dort und wurde von Gott*, dem Ich-Bin-Da-Bei-Euch angerufen. Nachdem sein Lehrer eine Ahnung davon bekommt, dass dieser Gott* etwas mit Samuel vorhat, fordert er ihn auf genau hinzuhören und zu antworten “Sprich Herr, Dein Diener hört!”

Meine Kirche beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mehr mit sich selbst und ihrer selbstverursachten Glaubwürdigkeitskrise. Sie ist visionslos geworden und gesellschaftlich irrelevant. Dem ICH-BIN-DA-Gott* ist die Menschheit aber nicht egal, sonst hätte er nicht vor 2000 Jahren den Menschensohn Jesus mit seiner befreienden Botschaft, dem Evangelium vom Gottes Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens in diese Welt gesandt.

An uns, an der Kirche ist es diese Botschaft immer wieder neu zu hören, sie glaubwürdig in jeder Zeit zu leben und zu verkünden.
Die zukunftsfähige Vision ist in der Welt. Und vielleicht sind es die jungen, unbekümmerten, als naiv abgetanen, nicht korrumpierten “Schüler”, die dieser alten Menscheits-Vision neue Power geben können, weil sie Hörende und nicht die Tradition Verwaltende sind und sich berufen fühlen die Zukunft der Welt zu retten. – Lasst uns genau hinhören und uns von der visionären Botschaft inspirieren zu zukunftsfähigem Handeln!

GS 19. Januar 2021

Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte,
wo kämen wir hin
und keiner ginge,
um zu sehen,
wohin wir kämen,
wenn wir gingen.

Kurt Marti – (1921 – 2017) Schweizer Pfarrer und Schriftsteller

Foto: Florian Esser

vorsätzlich

Der Jahreswechsel ist die Zeit der “guten Vorsätze”: die einen wollen aufhören zu rauchen, die anderen abnehmen, wieder andere wollen sich oder etwas in ihrem Lebensstil verändern.
Aber der bloße Vorsatz ohne entsprechendes Handeln ist folgenlos! Und überhaupt “Gute Vorsätze sind auch nur eine perfide Masche, um uns Selbstoptimierung zu verkaufen.” – oder?
Da treffen sich dieser Tage internationale Spitzenpolitiker aus mehr als 50 Staaten zum Umweltgipfel “One Planet Summit” in Paris. Vorsätze, welche Klimaziele sie bis 2050 erreichen wollen, um die Klimakatastrophe abzuwenden gibt es seit der Pariser Klimakonferenz vor 5 Jahren zu Hauf, gehandelt haben sie eher zögerlich und kleinlich. Und dann kam ja noch die Flüchtlingskrise dazu und seit einem Jahr lähmt die Pandemie das konsequente Umwelthandeln und fordert naheliegendere Handlungsoptionen und unpopulären Konsum- und Kontakt-Verzicht.
Da ist die Willensbekundung fast 12 Milliarden in ein ins Stocken geratenes Umweltprojekt in Afrika zu investieren zunächst mal ein guter Vorsatz.
Beim näheren Hinsehen stellen sich Fragen nach der Ernsthaftigkeit und den Nebenabsichten solcher Beschlüsse.
Die Initiative mit dem wohlklingenden Namen “Große grüne Mauer” soll die Ausbreitung der Sahara und somit die weitere Wüstenbildung stoppen. Auch Hungersnöte und Dürren und damit einhergehende Fluchtursachen in der Region sollen so bekämpft werden. Bisher hat die Initiative, die bereits in den 2000ern ins Leben gerufen wurde, aber nur wenige Bäume gepflanzt. 15 Jahre lang verschleppt soll es nun in 10 Jahren vollendet werden, wenn der gute Vorsatz denn auch durch die notwendigen Finanzen beglaubigt wird.
Initiiert wurde der jetzige Beschluss durch die “High Ambition Coalition for Nature and People” der auch Deutschland beigetreten ist, sie will weltweit 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen schützen.
Mit der Glaubwürdigkeit solcher politischen Initiativen ist es häufig nicht weit her, wenn andere, populärere Notwendigkeiten auf nationaler Ebene sich aufdrängen. Und was gibt es Wichtigeres als die nationale Gesundheit? – Vielleicht die internationale Solidarität, auch in der Pandemie?
Der Maßstab Jesu zum vorsätzlichen Handeln ist in der Bergpredigt eindeutig markiert: “Sag einfach ›Ja‹ oder ›Nein‹. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt.« (Mt5,37)
Der Glaubwürdigkeit politischer Reden und Absichtserklärungen nicht nur in diesem Wahljahr und nach einem Failed- und Lügen- President in den USA und angesichts der autokratischen und populistischen Politik in immer mehr Staaten würde diese Haltung und Ethik der Bergpredigt gut tun.
Mein Vorsatz für dieses Jahr, auch wenn er nicht so einfach zu leben ist: “Sag einfach ›Ja‹ oder ›Nein‹. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt.« (Mt 5,37)
GS 12. Januar 2021



Sept -Dez 2020

April – August 2020

Januar – März 2020

September – Dezember 2019

Mai – August 2019

Januar – April 2019

Oktober – Dezember 2018

Juli- September 2018

Mai/ Juni 2018

Januar – Ostern 2018


Juli – Dezember 2017

Karneval – Juni 2017

Dezember 2016 – Februar 2017


September – November 2016

Mai – August 2016

Fastenzeit – Pfingsten 2016

Dezember 2015 – Februar 2016


Mai -November 2015

Fastenzeit und Ostern 2015

Januar und Februar 2015


Advent+Weihnachten 2014

August-November 2014

Juni – August 2014

Ostern – Pfingsten 2014

Fastenzeit + Ostern 2014

Januar+Februar 2014


Oktober – Dezember 2013

Juli – September 2013

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Karfreitag – Pfingsten 2013

Januar- April 2013 

Oktober bis Dezember 2012

Ein anderes Vater Unser
Im Nachgang zur Sommerschule mit sambischen und deutschen Studenten, bei der unter anderem das Thema “Globalisierung und privater Konsum” diskutiert wurde
Hagen Rether – Vater Unser

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Advent+Weihnachten 2014

Weihnachten Folge dem Stern traue deiner Intuition die dich entschiedener werden lässt Folge dem Stern der dich zusammenführt mit anderen die die Menschenfreundlichkeit Gottes in allen Dimensionen des Lebens suchen Folge dem Stern der deine dunklen Seiten erhellt im wohlwollenden Blick der Verwandlung Folge dem Stern der Menschen verschiedener Kulturen zur Begegnung beim Essen und …

Fastenzeit und Ostern 2014

Auferstehung Welchen Sinn Hätte die Auferstehung Wenn alles so weiterginge Wenn wir nicht auferstehen Uns weiter ducken Unsere Kraft verstecken Unsere Würde Und die der anderen Welchen Sinn hätte sie Wenn wir nicht aufstehen Stolz, mit geradem Rücken Und erhobenem Kopf Ja sagen und nein Zu gegebener Zeit Für uns sorgen Wie für die anderen …

Fastenzeit und Ostern 2015

Ostern 2015 gott du neubeginn ohne ende du quelle des vertrauens und der versöhnung segne uns mit neuen gedanken und worten die menschen aufhorchen lassen mit neuen gesten und taten die unserer lebendigkeit raum geben segne uns mit träumen und hoffnungen und der bereitschaft zu verzeihen ohne die wir vom gestern nicht loskommen segne uns …

Januar- April 2013

 Wir haben durch Christus so großes Vertrauen zu Gott. 2 Korinther 3,4  Gott meint es gut mit uns. Immer. Darauf können wir uns verlassen. In jeder Lebenslage. Das ist der Kern der Botschaft Jesu. Seine guten Nachrichten von Gott malt er in Geschichten aus und macht sie spürbar und erfahrbar – besonders in seiner kraftvollen …

Januar- Ostern 2018

Aufstand für das Leben – Ostern Obwohl die Namen in den unterschiedlichen Kulturen und Religionen Europas und anderer Klimazonen verschieden sind feiern wir in diesen Tagen weltweit das Wiedererwachen der Natur und die Fruchtbarkeit: Nouruz ist das Frühlingsfest der Perser, Kurden und der Turkvölker Zentralasiens, das chinesische Neujahrsfest., das indische Frühlingsfest Holi, das albanische Fest …

Januar-Februar 2014

Brandsätze! Prügel! Tränengas! – Friedensgebet für Kiew Erneut Ausschreitungen in Kiew, gewaltbereite Demonstranten und ukrainische Sicherheitskräfte gehen in der Nacht zu Dienstag aufeinander los. Brandsätze fliegen. Und Steine. Die Lage wird immer explosiver – und dann sinkt im nächtlichen Kiew mitten auf der Straße ein Mann auf die Knie, liest aus der Bibel. Was mag …

Januar-Februar 2015

… und Jesus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. … (MK 1,31) als ich diesen Satz am Sonntag im Markus-Evangelium hörte, gingen mir die “Handreichungen” oder auch “Nichthandreichungen” der letzten Tage durch den Kopf. Insbesondere die Krisenbegegnungen von Merkel/ Hollande mit Putin. Beim ersten Treffen war anschließend das Händereichen …

Juli – Dezember 2017

Das ist Weihnachten “… Friede auf Erden ist eine Utopie. Die Lieder, die davon handeln, halten den Glauben an eine radikale Alternative fest. Das Leben würde depressiv ohne diese Widerstandslieder. Und wenn sie einen verstören, weil die Wirklichkeit so entsetzlich anders ist, haben sie Erfolg. Denn nur Menschen, die sich stören lassen und etwas vermissen, …

Juli – September 2013

ICH HABE EINEN TRAUM eine Erinnerung an den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King Für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern: Martin Luther King während seiner berühmten Rede vor 50 Jahren | © AFP/dpa Am Mittwoch, 28.August 1963 hält der scharze Baptistenpfarrer Martin Luther King vor 250000 Menschen am Lincoln-Memorial in Washington seine berühmte Rede …

Juni – August 2014

and no religion too? In den kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Tage und vor allem im arabischen Raum und im Nahen Osten ist immer wieder die Rede davon sie seien religiös motiviert. Religion wird verstanden als Weltanschauungssystem, das menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägt und Wertvorstellungen normativ beeinflusst. John Lennon, ein sehr spiritueller Friedensaktivist, wäre verkannt …

Karfreitag – Pfingsten 2013

PSALM Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit. Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich. Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich. Was macht, dass ich so …

Mai – November 2015

Am 3. November, 10 Tage vor den Pariser Anschläge hatte ich unter dem Thema Der Hass und was folgt über den sich ausbreitenden Hass in unserer Gesellschaft und die Folgen gepostet. Wir sollten den Hass  unsere Werte Willkommen, Solidarität, Nächstenliebe leben. Nach den schrecklichen Attentaten in Beirut, Paris und Nigeria hat die französische Bischofskonferenz in …

Oktober bis Dezember 2013

Du bist ein Kind GOTTES! Unsere tiefste Angst ist nicht, daß wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, daß wir grenzenlos machtvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin ich denn um brilliant, wunderschön, talentiert und fantastisch zu sein? Eigentlich, wer bist du um dies nicht …

Ostern – Pfingsten 2014

NachGedachtes – Zeugen gesucht Der Anspruch: “Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!” (1 Petrus 3, 15b) Das Bauchgefühl: “Puh, das jetzt, bei dieser kirchlichen Großwetterlage, mit all den Skandalen und Skandälchen sich outen: Ja, ich bin katholisch!”? Der Kopf: “Worum geht’s denn bei diesem …

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Kath.net: Originell: Weltweit erster Automat für Rosenkränze Wenn et bedde sich lohne däät – BAP live im Rockpalast Wenn et Bedde sich lohne däät Refr.: Wenn et Bedde sich lohne däät, wat meinste wohl, wat ich dann bedde däät, bedde däät. 1) Ohne Prioritäte, einfach su wie et köhm, fing ich ahn, nit bei Adam …

Unterbrechung-Mittendrin – Fastenzeit-Pfingsten 2016

Eine Bewegung kann die Welt verändern Pfingsten, wo so viel vom Geist die Rede ist, der die Kirche antreibt, der Veränderung bewirkt, …haben mich 2 Facebookposts nachhaltig beeindruckt: Konstantin Wecker, der bekannte Liedermacher, dessen Verdichtungen des Weltgeschehens mich immer wieder inspirieren, schreibt im Nachgang zum Eurovision Song Contest: “Vielleicht waren ja bei dem gestrigen paneuropäischen …

Unterbrechung-Mittendrin – Mai-August 2016

TIEF DURCHATMEN Manchmal fehlt mir buchstäblich die Luft zum Atmen: … wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle, wenn etwas Unvorhergesehenes meine Pläne stört, wenn ich mich als Opfer ungerechter Verhältnisse und Strukturen fühle, wenn mir die Ideen fehlen, wenn es mal wieder nicht so rund läuft, wenn ich mal wieder kleinlich werde, wenn es …

Unterbrechung-Mittendrin August-November 2014

Nachgedanken zum  Christkönigfest (23.November) … Die spannende Frage bleibt: Was mache ich aus einer solchen Zusage, dass Gott mir seine Würde schenkt? Ist die Art und Weise, wie ich lebe, einer solchen Würde würdig? Lebe ich als Tochter/ Sohn dieses Gottes, als Tochter/ Sohn des Königs, der das Leben will? Sind wir Königstöchter und Königssöhne? …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2015 – Februar 2016

Um Gelassenheit, Einsicht, Mut und Glauben Ich bitte um Gelassenheit, wenn meine Vorstellungen nicht berücksichtigt, meine Pläne nicht eingehalten, meine Wünsche nicht befriedigt, meine Vorschläge nicht ernst genommen werden. Ich bitte um die Einsicht, dass Stürme notwendig sind, Fehler neue Möglichkeiten eröffnen, Widerstand zum Denken anregt, in Krisen eine Chance liegt, Sanftmut weiter führt als …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2016 – Februar 2017

Auch das noch! Der so getitelte Beitrag der Unterbrechung-Mittendrin vom 28. April 2015 ist seit Beginn dieses Jahres über 300 Mal angeklickt worden. Dieser Beitrag wurde verfasst angesichts des Erdbebens in Nepal Mitte April 2015 und bis Dezember 2016 300mal besucht. Ich habe mich gefragt, woher diese plötzliche Nachfrage  seit Januar nach diesem Impuls-Beitrag kommt …

Unterbrechung-Mittendrin Januar-April 2019

Don’t be a MAYBE, war der Slogan einer inzwischen verbotenen Zigarettenwerbung.Er griff die Etikettierung einer ganzen Generation auf , die der Journalist Autor Oliver Jeges quasi in einer Selbstdefinition als Generation ohne Eigenschaften, ohne Profil – zwar gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut zu Entscheidungen bezeichnet. Sie kommen nicht mit der ihnen gebotenen “Anything …

Unterbrechung-Mittendrin Juli- September 2018

Welt anschauen Die Auseinandersetzungen um die Rodungen im Hambacher Forst bei Düren haben mir wieder mal deutlich gemacht, dass zivilgesellschaftliches und politisches Handeln mit meiner Sicht auf unsere Gesellschaft und unsere Welt zu tun hat. Welche Werte bestimmen mein Leben und Handeln, welche Perspektiven sehe ich für unsere Um- und Mitwelt, meine Zukunft, für diese …

Unterbrechung-Mittendrin Karneval – Juni 2017

Hör auf zu jammern! – Get over it Es gibt immer einen Anlass zu stöhnen und jammern. Mal ist es das Wetter, das nie so ist wie es sein sollte, mal das Zipperlein hier oder da, das mich plagt, mal die Reaktion von der da oder die Welt an sich und die Politik im Besonderen. …

Unterbrechung-Mittendrin Mai – August 2019

CRISIS? – What Crisis? Anflug von Retro-Romantik anlässlich 50 Jahre Woodstock-Festival. Meine Schallplattensammlung aus den 70ern durchgeschaut. Neben anderen lange nicht gehörten Schätzchen, das Album der britischen Rockgruppe SUPERTRAMP von 1975 mit dem Titel CRISIS? WHAT CRISIS? wiederentdeckt. Aufgenommen unter dem Eindruck der 1. Ölkrise. Diese demonstrierte die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie, insbesondere …

Unterbrechung-Mittendrin Mai/ Juni 2018

Sorgenfrei “Ich zähle täglich meine Sorgen …” war ein Schlager aus der gleichnamigen deutschen Filmkomödie (1960) mit Peter Alexander. Ein typischer heile-wirtschaftswunder-welt Film.Ähnlich belanglos, da nicht existenziell, ist mein tägliches Sorgen: was koche ich heute abend, was ziehe ich heute an, erreiche ich meinen Zug pünktlich, haben wir noch genug zu trinken für das Fußballspiel, …

Unterbrechung-Mittendrin Oktober – Dezember 2018

Alle Jahre wieder die Weihnachts-Botschaft , die Sehnsucht vom Frieden auf Erden,  von peace on earth:»Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.« (Lukas 2,14)Zuwendung aus Liebe schafft Frieden und gibt Hoffnung, dass die Welt eine Frieden-Zukunft hat.Und wie alle Jahre wieder scheinen wir …

Unterbrechung-Mittendrin Sept.-Dez 2020

Menschwerdung Heilig Abend erinnern wir den Anfang, den Anfang der befreienden Botschaft, dass Gott die Menschen so sehr liebt, dass er Mensch wird.Paulus beschreibt dieses Ereignis:„ … Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem …

Unterbrechung-Mittendrin September – Dezember 2019

… und auf Erden ist Frieden bei den Menschen! Die für menschliches Zusammenleben wichtigste Grundbedingung wirkt in der Weihnachtsbotschaft des Lukas-Evangeliums wie ein Anhängsel zum „Verherrlicht ist Gott in der Höhe…“ Die Verbindung stellt dieser Jesus dar. Seine Geburt verherrlicht Gott, lässt seine Größe erscheinen und bewirkt Frieden den Menschen. Aber entspricht dies wirklich unserer …

Unterbrechung-Mittendrin September-November 2016

Ich fühl mich leer und verbraucht, alles tut weh … Dieser Schnipsel aus einem Songtext von Herbert Grönemeyer (genial präsentiert bei einem Live-Konzert in der Arena auf Schalke), völlig aus dem Zusammenhang gelöst, drückt mein Lebensgefühl in dieser Woche am Ende des Novembers und kurz vor dem adventlichen Lichtermonat Dezember aus. Die sonnigen Momente sind …

Unterbrechungen Okt – Dez 2012

Zu Weihnachten: Gott fragt den Menschen: Wie geht es dir? Und um es genau zu sehen, kam er persönlich vom Himmel herunter, dorthin, wo der Mensch ist. Er sah es und sagt: Ich bleibe da, ich werde wie du, ich werde Mensch. Ich gehe mit dir – bis in den Tod, und durch den Tod …

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