Unterbrechung-Mittendrin

5 Minuten Zeit für Besinnung, Meditation, Impulse
mitten am Tag, in der Mitte der Woche

Idee und Gestaltung: GUIDO SCHÜRENBERG – 4700124 – gs@aachen.de

Foto: Phillipp Becke

Fehlt Dir Was?

Meist, wenn diese Frage gestellt wird geht es um das persönliche “Wohlsein”. Irgendwie strahlen wir aus oder sieht man uns an, dass wir uns nicht “wohl” fühlen.
Irgendwie fehlt was! Unvollständig, Leere, ergänzungsbedürftig, … auch das eher ein Gefühl.
Nach 5 Monaten Corona bedingter Einschränkungen des kirchlichen Lebens und mit Blick auf die Frage “wie werden wir und insbesondere ich unter diesen Bedingungen, deren Ende ja nicht absehbar sind, als Christen in den kommenden Monaten kirchliches und spirituelles Leben gestalten und feiern”, stellt sich auch hier die irritierende Frage “Fehlt Dir was?”
Ich zögere … Gibt es ein Glaubens-Wohl-Sein? Und ist es abhängig von Hygienemassnahmen, Abstandsregeln, Maskenpflicht und Versammlungsbeschränkungen?
Mir fällt eine Postkarte vom Beginn der Coronazeit ein, die seitdem auf unserem Eßzimmertisch steht:
Ich bin da und werde dasein als Dein helfender und heilvoller Gott. Was auch geschehe Ich Bin Da.

Mit dieser Zusage aus Exodus 3,14 fehlt und kann mir nichts fehlen, wenn ich daran glaube, davon überzeugt bin und diese Überzeugung lebe. Dann fehlt mir grund-sätzlich nichts.
Dieses Glaubens-Wohlsein wird verstärkt, durch Menschen mit denen ich zusammen diesen Glauben teile und noch wohler wäre mir, wenn ich deren Nähe und die Gemeinsamkeit körperlich spüren und erfahren kann im Gespräch, im Gebet, im miteinander Singen und im Gottesdienst. Ja diese Präsenz, dieses Erlebnis, diese gemeinsamen Erfahrungen und Begegnungen fehlen mir manchmal in dieser Pandemie.
“Du fehlst!”
Und ich bin gespannt auf das “Danach” und zu wem ich dann sagen werde “Du hast mir gefehlt!”

GS 4. August 2020

Sommer- oder Schwarzes Loch?

Es ist parlamentarische Sommerpause und viele Menschen sind im Urlaub, die täglichen Corona-News aus der ganzen Welt werden schon als normal verbucht und wenig beachtet, sofern sie nicht gerade Hoffnung machen auf einen Impfstoff, der den Virus aus der Welt schafft.
Da füllt eine römische Instruktion, also eine Anordnung für die Katholische Kirche, die normalerweise als irrelevant nur von wenigen Betroffenen und Experten, die noch nach Rom hören, wahrgenommen würde, das Sommerloch. Die Instruktion zur Zukunft der Pfarrgemeinden: “Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche” wurde erstellt von der Klerus-Kongregation des Vatikans. Entsprechend hat sie die Rolle der Priester als Gemeindeleiter im Blick. Sie “besagt unter anderem, dass Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen sind. Auch Teams aus Geweihten und Nicht-Geweihten sind demnach nicht zulässig. Stattdessen wird die Rolle des Pfarrers betont.” (Katholisch.de)
Also nichts Neues aus Rom! Es wird nur das Sommerloch gefüllt? Wenn es denn so wäre!
Die krisengeschüttelte katholische Kirche in Deutschland versucht z.Zt. mit einem breit angelegten Gesprächsprozess zukunftsfähig zu werden. Gleichzeitig verliert sie an gesellschaftlicher Bedeutung und immer mehr Katholiken treten aus.
Zukunftsfähig sein? Kirche hat eine Mission: Die Botschaft Jesu verkünden und leben in dieser Zeit. Wie sie das tut und wie sie dies organisieren soll, erfahren wir nur ansatzweise in den Schriften der Apostel: Zu den Menschen gehen, ihre Sorgen und Nöte wahrnehmen, teilen, einander dienen, miteinander Brot brechen im Gedenken Jesu und seines Auftrages. Die erforderlichen Dienste bestimmt und beauftragt die Gemeinde vor Ort. Alle bringen sich ein, je nach ihren Möglichkeiten.
Mich erinnert das an basisdemokratische Strukturen in selbstverwalteten Betrieben.
Aber geht das nach 2000 Jahren Kirchengeschichte, die feudale Strukturen und Hierarchien entwickelt und verfestigt hat?
Andererseits werden -und sind- Struktur- und Machtfragen (und um solche geht es in der Instruktion) leicht zu einem Schwarzen Loch, das alle Energien absorbiert und aus dem nichts mehr nach außen kann. Energien, die sinnvoller eingesetzt wären für den Dienst am Menschen und seiner Mitwelt und im Engagement für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten.
Die Zukunft der Kirche?
Eine Kirche in der Welt und für die Welt, die den Menschen und damit Gott dient. Vielfalt entsprechend der jeweiligen Lebenssituation und dem kulturellen Umfeld, motiviert durch die befreiende Botschaft des Evangeliums und miteinander verbunden im Gebet. Im besten Sinne katholisch, also “allumfassend”. Geleitet von Menschen mit unterschiedlichen Gaben, von ihrer Gemeinde beauftragt. Gemeindeleitung, wie Paulus sie in seinen Briefen an „seine“ Gemeinden verkündet. Diese leiteten selbstverständlich auch Frauen.
Wenn Kirchenleiter (m) und Kirchenlehrer (m) zu Ideologen werden, auf ihrer Deutungshoheit bestehen, Andersdenkenden und -sprechenden die Befugnis dazu absprechen und dem (Kirchen-) Volk die Konsensfähigkeit im Glauben absprechen, die Glaubenden entmündigen, dann entspricht das nicht dem Auftrag, der Praxis und der Lehre Jesu: “Aber bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen.”(Lukas 22,26)
GS 29. Juli 2020

wikipedia – schwarzes Loch – https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5

Einatmen! – Ausatmen!

Die Hygiene- und Abstandsregeln der Pandemie-Situation gehen manchen zu weit. Sie werden als massiver Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden. Dabei sollen und wollen sie uns anhalten, dass wir uns gegenseitig vor der Ausbreitung des Virus schützen.
Achtsamkeit füreinander und Solidarität miteinander wurden zu Beginn der Pandemiezeit von vielen wieder neu als gesellschaftliche Grundhaltung in dieser Krisenzeit entdeckt. Mit sinkenden Infektionszahlen wird die Forderung nach “Normalität” wieder lauter und die unsichtbare Bedrohung durch Aerosole in der Atemluft wird von den einen ignoriert, den anderen gerade deswegen gefürchtet.
Die restriktiven Regeln der Pandemie-Zeit haben das Wohl der Menschen im Blick und werden dennoch oft genug von Ignorantinnen, Verschwörungstheoretikerinnen und auch von Bürgerrechtler*innen desavouiert.
Auf die Beschränkung unserer persönlichen Freiheit in der Gesellschaft und auch in der Kirche reagieren wir empfindlich, teils aggressiv, fühlen uns unterdrückt, …
Jesus nimmt unter seinen Volksgenossen ähnliche Empfindungen wahr, ausgelöst durch die das ganze Leben regulierenden Verhaltensregeln des jüdischen Gesetzbuches, als „Gesetz des Mose“ quasi göttlich legitimiert.
Er sieht die Not der Menschen, die alles richtig machen wollen, aber es nie wirklich schaffen, da viele Regeln und Gesetze unterschiedlich von den Religionsbehörden ausgelegt werden, bzw. sich sogar wiedersprechen. “Ihr plagt euch mit den Geboten, die die Gesetzeslehrer euch auferlegt haben. Kommt alle zu mir; ich werde Euch aufatmen lassen!” (Mt 11, 28 nach F.Stier) Er fordert sie auf von ihm zu lernen, dass der Maßstab jeglichen Verhaltens und Handelns das Wohl der Mitmenschen sein muss. Diese neue Lehre wird uns “aufatmen und leben” finden lassen.
So gesehen sind Masken tragen Zeichen der Achtsamkeit füreinander und der Solidarität miteinander, was ja das neue Erleben zu Beginn der Pandemie war.
Also trotz oder gerade wegen der Masken”pflicht” und anderer vermeintlich meine Freiheit einschränkenden Regeln: Einatmen … und Ausatmen …
Gelassenheit spüren und “Aufatmen finden für mein Leben” (Mt 11,29 nach F.Stier)
GS 7. Juli 2020

Selbstverzwergt statt relevant

Wenn man in Krisenzeiten und zur Zukunft Befragungen durchführt, wie die Befragten die Wirksamkeit ihres Handelns durch Änderung und Wandel einschätzen, so trauen die wenigsten dieser Wirkung. Es müsste die Politik, die Wirtschaft, die Industrie …: den gesetzlichen Rahmen vorgeben, nachhaltiger denken, effektiver produzieren, …

Stattdessen Jammern und Meckern über die Welt und vor allem die anderen.

Und in der derzeitigen Kirchenkrise? Wo sinkende Relevanz an Kirchenaustritten festgemacht wird und im Hintergrund die Angst um die Kirchensteuereinahmen zu spüren ist?
Wobei die Frage erlaubt sei, welche Art von Krise dies ist, eine systemische Krise (Maria 2.0 u.ä) oder eine Glaubenskrise (Bischof Oster u.a.)?

Die Kirchen bezeichnen sich als die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden und sich zu ihm Bekennenden. Die Mitgliedschaft liegt begründet in der (Kinder-)Taufe und deren persönliche Bestätigung (= firmare) in der Firmung (oder Konfirmation).

So verstanden ist die konstatierte Kirchenkrise eine Gemeinschaftskrise, in der wir uns fragen müssen, wie wir diese Gemeinschaft leben, wo sie glaubwürdig erfahren werden kann und wodurch sie sich auszeichnet.

Die Kirchenaustritte „zeigen, dass Kirche offensichtlich nicht mehr überall präsent ist, dass wir viele Menschen nicht mehr erreichen und dass wir intensiv arbeiten müssen, wenn wir dem Anspruch gerecht werden wollen, die Freude der Botschaft Jesu für die Menschen sichtbar werden zu lassen“ und „Die Kirche muss bereit für Veränderungen sein. … Sie muss sich zukunftsfähig aufstellen, als eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, ihr Vertrauen genießt und ihnen zur Seite steht.“ (Generalvikar Andreas Frick)

An den eigenen Ansprüchen gescheitert?

Der Auftrag Jesu an seine Nachfolger*innen: In die Welt gehen, die Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen verkünden und SEINE neue Ordnung der Gerechtigkeit und des Friedens. Ohne volle Taschen dieses Reich zu leben durch Zuwendung zu den Armen und Hilfsbedürftigen und dies vor aller Welt zu bezeugen.(Mt 10, 5-15)
Die Motivation der Jüngerinnen und Jünger auf Befragung: dass sie gar nicht anders können als überall zu erzählen, was sie von diesem Gottesreich und der befreienden Botschaft Jesu gesehen, gehört und verstanden haben.(Apg 4, 13-22)
Die Kern Kompetenz der Jünger*innen ist Zeugnis geben und Zuwendung – Verkündigung und Dienst. Nicht unabhängig voneinander, sondern auf einander bezogen. Gemeinsam essen, erinnern und feiern in herrschaftsfreier Gemeinschaft, in Anerkennung der unterschiedlichen Begabungen und einander in Solidarität verbunden.

Hohe Ansprüche an ein Christ- und Kirche-Sein!

Und wir, die wir noch in dieser Kirche leben und mitarbeiten, motiviert uns das immer noch und leben wir das?
Oder neigen wir zur Selbstverzwergung und trauen unserer Motivation und unserer Glaubwürdigkeit nichts mehr zu, weil Kirche nicht mehr relevant ist für die Welt?

Wenn wir von uns selbst überzeugt wären hätten wir auch unserer Gesellschaft etwas zu bieten:

„Eine wichtige Aufgabe wäre es, den Glauben als etwas anzubieten, das “mehr als notwendig” (E. Jüngel) ist – also bereichernd werden möchte, auch wenn ihn offensichtlich immer weniger Menschen “brauchen”  (Pastoraltheologe Jan Loffeld, Utrecht).

Angesichts der menschenverachtenden, rassistischen nationalsozialistischen Bewegung und ihrer quasireligiösen Ideologie vom Herren-Menschen entstand in der ökumenischen Jugendbewegung ein Lied, das bis heute in den Volkskirchen gesungen wird und im Kern auf einen Text aus dem 18ten Jahrhundert beruht: Sonne der Gerechtigkeit
Ein Weckruf zu einem überzeugenden Christsein in einer Kirche, die relevant für diese Welt ist:

Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf in unsrer Zeit, brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann.
Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie deine Stimme hört, sich zu deinem Wort bekehrt.

Christian David 1728/ Christian Gottlob Barth 1827/ Otto Riethmüller 1932( gesamt)

GS 1. Juli 2020

Earth Cry – ein Ohrwurm

Meine persönliche Chance dieser Corona-Pandemie ist das Arbeiten im Home-Office! Nein nicht als solches, denn die Erfahrung kreativeren und konzentrierteren Arbeitens teile ich mit Vielen in dieser Zeit. Meine Chance ist der riesige Garten hinter meinem Home-Office, über dessen Pflege-Ansprüchlichkeiten ich sonst immer stöhne und denen ich nur widerwillig nachgekommen bin.
In diesen Wochen der ClimEx, den Klimaexerzitien im Alltag, die ökumenisch für Studierende in Aachen angeboten werden, führen mich die täglichen Impulse der Kolleg*innen zu den Elementen ERDE und WASSER und auch meine eigenen Impulsfragen zu LUFT immer wieder in diesen Garten hinein. So wird er neu zum Biotop, zum Lebensort für mich. In diesem Mikrokosmos erlebe ich die Folgen des Klimawandels, diese bedrohte Schöpfung. Hier wird mir täglich bewusst, wie sehr ich darin verstrickt bin.
In diesem Garten werden auch die Erfahrungen der Autoren der biblischen Bücher und ihrer erdnahen Sprache lebendig und ich kann deren Weisheit und was sie über Gott und sein Sorgen für uns Menschen, über unseren Pflegeauftrag an seiner Schöpfung aussagen, besser verstehen.
Wir sind Teil dieser Erde („Da nahm Gott, der HERR, etwas Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.“ – 1.Mose 2,7). Wir haben den göttlichen Auftrag diese Erde, Gottes Garten, seine Schöpfung, in der wir wohnen dürfen, die uns Heimat ist und Lebensgrundlage zu pflegen („Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. – 2.Mose 2,15) Bei diesem Pflegeauftrag haben wir gründlich versagt. Wir haben ihn als Recht zur Ausbeutung verstanden.
Die Erde ist ein belebter Organismus und die menschliche Ausbeutung und die unterlassene Pflege wird immer sicht- und fühlbarer in Dürren, Starkregen und anderen durch den Klimawandel bedingte Naturkatastrophen.
All dies kann ich in meinem Mikrokosmos Garten beobachten: Z.B. an den Bäumen, die jetzt schon die Blätter abwerfen, weil nach drei zu trockenen Sommern in Folge der alte Walnussbaum der bereits vor dem Bau des Hauses dort gepflanzt wurde, nicht mehr genügend Wasser bekommt. Zumal der nahe Tagebau ihm auch noch das Grundwasser wegpumpt. In den vergangenen 100 Jahren haben seine Blätter und sein Stamm ca. 1,5 Tonnen CO2 gebunden. Das Sechsfache verursache ich durch meinen Ressourcenverbrauch pro Jahr.
Wäre die Erde ein Mensch, würde sie ununterbrochen schreien (Paulus sagt das im Römerbrief 8 über die Schöpfung, die auf die Erlösung wartet), denn sie leidet unter unserer hemmungslosen Ausbeutung. Diesem Schrei der Erde hat der Gitarrist Carlos Santana in einem seiner bekanntesten Stücke Europa – Earth Cry, Heaven’s smile von 1976 einen einfühlsamen Ausdruck gegeben. – Harmonisch und aufwühlend, wie unsere Beziehung zur Erde
Earth Cry ist für mich zum Ohrwurm geworden und mahnt mich nicht nur in meinem eigenen Garten, sondern auch im Gemeinsamen Haus, der Mutter Erde (Papst Franziskus, Laudato Si) meinem Pflege-Auftrag nachzukommen.
GS 23. Juni 2020

Ausgewählt und mit Vollmacht

Unsere bundesdeutsche demokratische Zivilgesellschaft mit ihrem hohen Anspruch an vielfältigem sozialem und kulturellem Leben funktioniert nur, wenn viele sich “ehrenamtlich” engagieren, ihre Fähigkeiten unentgeltlich einbringen, hochmotiviert und engagiert.
Fast 16 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in Vereinen, Initiativen, sozialen Bewegungen, im Sport, in der Arbeit mit Jugendlichen, im Gesundheitsdienst, in der Sozialfürsorge, in der Pflege und Betreuung, in der Nachbarschaftshilfe, … und in den Kirchen.
Mit “Ehrenamt” wird im deutschen Sprachraum die Übertragung einer Aufgabe des bürgerschaftlichen Engagements durch Wahl oder Beauftragung verstanden, eben ein AMT. Dies traut den Gewählten zu, dass sie die Aufgabe ausführen zum Wohle der Gemeinschaft und zum Dienst an der Gesellschaft – und dass es ihnen Spaß macht.
Ich arbeite nun schon seit 50 Jahren “ehrenamtlich” in unterschiedlichen Gruppen und Initiativen, meist in Friedens- und Entwicklungspolitischen Initiativen, aber auch kirchlichen Initiativen und Gremien; in vielen Fällen langjährig in Leitungsfunktionen.
Entscheidend für die “freiwillige” Übernahme dieser Funktionen und für mein Engagement überhaupt war immer meine Motivation, mein Interesse an den Menschen und den damit verbundenen Herausforderungen.
Für die Kirchen in Deutschland ist ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement lebensnotwendig, um ihren Dienst an der Zivilgesellschaft und ihre internen Dienste und Angebote aufrechterhalten zu können. Hier ist für das EhrenAMT zunächst mal die Mitgliedschaft durch die Taufe und die Firmung/ Konfirmation Voraussetzung und die Einbindung in die Organisation, die Hierarchie (Heilige Ordnung). Die individuelle Motivation ist der Berufung durch die Taufe zum Dienst in der Kirche nachrangig. Ehrenamtlicher Dienst ist die zwangsläufige Konsequenz der Mitgliedschaft und keine Frage der inneren Motivation und der Voll-Macht.
Das Matthäus-Evangelium zeigt auf, wie Jesus die, die sich für seine Botschaft engagieren wollten in sein Wirken eingebunden hat und sie motivierte für ihren Dienst:
Erst verkündet er seine Botschaft vom Friedensreich der Gerechtigkeit und Liebe, dann setzt er in seinem Leben und Handeln diese Botschaft konsequent um, gewinnt Anhänger, die mit ihm gehen. Und als er erkennt, dass der Bedarf nach Botschaft, Leben und Handeln größer ist, als er allein leisten kann, wählt er unter seinen Followern Bevollmächtigte aus es ebenso zu tun, die Reichweite seiner Botschaft und seines Handelns zu vergrößern. Er nimmt ihre Motivation und ihr Engagement ernst und traut ihnen zu in seinem Sinne zu handeln. – Auch wenn einer ihn enttäuscht an die Religionsbehörde verrät.
Jesus sendet sie aus ohne Bezahlung oder Vergütung, darauf vertrauend, dass sie versorgt werden von der Gemeinschaft der ihm und mit ihm Gott Glaubenden.
Sein Motivations-Zuspruch: „Tut alles, ohne etwas dafür zu verlangen, denn ihr habt auch die Kraft dazu ohne Gegenleistung bekommen.“(Matthäus-Evangelium 10,8)
Fragen:
In unserer Individual-Gesellschaft, in der soziales Engagement sich lohnen muss, ein schwer vermittelbares Mitarbeiter Rekrutierungs- und Motivierungsmodell?
Weil Kirche der eigenen Botschaft und der Attraktivität ihrer Dienste am Nächsten und für die Gemeinschaft nicht traut? – Oder weil sie ihren Followern und deren Motivation nichts zutraut?
GS 17. Juni 2020

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? – Niemand!

Dieses Spiel mit zwei gegenüberstehenden Mannschaften spielten wir Anfang der 1960er Jahre in den Pausen an unserer Grundschule (damals noch Volksschule genannt, weil dem nachwachsenden Volk Bildung beigebracht werden sollte) in meiner Heimatstadt Essen, Zentrum des Schmelztiegels (melting pot) Ruhrgebiet, auch Ruhr-Pott genannt.

Der Ruf, der sich anschloss an das furchtlose „Niemand“ war „Und wenn er kommt?“ Darauf wurde trotzig zurück geschrien „Soll er doch!!!“, und die ohnehin schon dichte, mauerartige Menschenkette wurde noch dichter, man klammerte sich aneinander, stemmte sich dem nun unmittelbar folgenden oder taktisch verzögerten Ansturm des einzelnen  „Schwarzen Mannes“ entgegen, damit er nicht diese menschliche Mauer durchbrechen konnte.

Was heute als rassistisch vom Schulhof verbannt würde, war für uns Kinder im Wirtschaftswunderland Deutschland der frühen 1960er Jahre eine unbewusste Form des Umgangs unserer Angst vor den Fremden, den Gastarbeitern aus Südeuropa und der Türkei, die – fast alles Männer, dunkelhaarig, dunkelbraune Hautfarbe, unserer Sprache nicht mächtig – uns unheimlich waren und gegen die (und unsere Angst) wir eine kollektive Abwehrmauer errichteten.

Dieses nunmehr 50 Jahre alte Spiel ging mir durch den Kopf während der sog. Flüchtlings-Krise 2015 und jetzt wieder als ich den Protesten und Solidaritätsbekundungen der #blacklivesmatter Bewegung folgte und die nahegehenden Zeugnisse von Alltagsrassismus in Deutschland, gesammelt aus dem Erleben von Schwarzen in Deutschland im „Brennpunkt Rassismus“ von Carolin Kebekus sah.

Im Spiel, das wahrscheinlich bis in die Zeit der Pest -dem schwarzen Tod- zurückgeht, wird schwarz mit böse assoziiert und so sind wir schnell in den einfachen kindlich-kindischen Denkschemata von gut/böse, hell/dunkel, weiß/schwarz …

Das scheint auch in unserer global vernetzten, liberalen Gesellschaft, die sich gerne als christliche Wertegemeinschaft etikettiert, immer noch oder zunehmend wieder zu rassistischen Übertragungen und Hass getrieben Gewalt-Exzessen zu führen, überall auf der Welt.

Wirklich christlich dagegen wären wir, wenn wir uns davon leiten lassen würden, dass vor Gott Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, gesellschaftliche Stellung irrelevant sind (Paulus an die Kolosser) und wir so gemeinsam Verantwortung übernähmen für das gemeinsame Haus –diese von Gott geschenkte Erde-, um eine Gesellschaft der Gerechtigkeit und Liebe aufzubauen und zu leben. (Papst Franziskus, Laudato Si).
Der erste Schritt dahin ist der Respekt vor der Würde des anderen. – Vielleicht gelingt es uns dann ja auch unsere Angst zu überwinden und diesen Anderen vorurteilsfrei anzunehmen. Ja, vielleicht gelingt es uns ja ihn zu lieben.

GS 9. Juni 2020

Motivierend

Ich habe gestern mal wieder eine Runde ums Dorf gedreht, genauer eine 30 km Runde um mehrere Dörfer. Mal eben so, weil ich Lust darauf hatte – und ein neues Fahrrad!
Herrliches Wetter, blühende Landschaften, nur selten wurde dieser An- und Ausblick durch den Tagebau und die damit einhergehende Zerstörung dieses schönen Fleckchens Erde unterbrochen. Ich habe neue Wege entdeckt und erfahren.
Gut, mit dem alten Fahrrad wäre das auch möglich gewesen, aber irgendwie war das doch sehr gekoppelt an die tägliche Fahrt zur Arbeit und das nun schon 15 Jahre lang –Routine-Fahrt. Da brauchte es mal einen neuen Impuls, einen Kick, um mich in Bewegung zu bringen, die Leistungsfähigkeit des neuen Fahrrads auszuprobieren, auch in unwegsamem Gelände. Meine vom Corona-Home-Office erschlafften Muskeln in Bewegung zu bringen, mich wieder neu zu erfahren.
Wenn der Weg was steiler und herausfordernder wurde hab ich mich unterstützen lassen, denn es ist ein eBike, das mich zur Entdeckungsfahrt motiviert.
Meinen eingefahrenen Denk- und Handlungsmustern täte solch ein Booster auch mal gut. Neues Denken, ausprobieren, Experimente wagen und trotzdem mir selbst und meinem Glauben treu bleiben.
Vielleicht ging es den Jüngern Jesu auch so, nachdem er von ihnen gegangen war und Ihnen den Auftrag gegeben hatte, seine Botschaft in die Welt hinaus zu tragen, zu verkünden und zu leben. Aber wie, wo doch der, der sie inspiriert hatte nicht mehr da war? Aus den Erinnerungen zehren? Sich selbst immer wieder neu motivieren? Nein da brauchte es schon einen deutlicheren Motivationsschub:
Sie saßen zusammen und beteten, wie sie jetzt diesen, seinen Auftrag erfüllen sollten. Der Evangelist Lukas erzählt in dieser Situation von einer gemeinsamen “Begeisterung”. Dieser neue Geist motiviert sie, treibt sie nach draußen zu den Menschen aus aller Welt, denen sie endlich die befreiende Botschaft Jesu von der Gerechtigkeit, der Liebe und dem Frieden verkünden. Von da an weiß sich diese kleine, aber immer mehr wachsende Gemeinschaft von Jesu Geist, dem Heiligen Geist inspiriert und motiviert ihren Weg in die Welt hinaus zu gehen. Diese Pfingst-Power treibt sie an, immer wenn sie am Boden sind, sie können gar nicht anders. Als sie befragt werden, woher sie die Kraft zur Verkündigung und zum Heilen nehmen, verweisen sie auf den Geist Jesu und als man sie mundtot machen will sagen sie: Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben.
Diese immer wieder motivierende Power wünsche ich mir für mein Leben, meine Arbeit und für die ausgepowerte Nachfolge-Organisation dieser Jünger*innen-Gemeinschaft, die sich Kirche (=Herausgerufene) nennt.
GS 3. Juni 2020

Verdrängt

Seit Februar ist Covid 19 und die Folgen das alles beherrschende Thema unserer Kommunikation. Es gestaltet unsere Beziehungen und unser Verhalten, es bedroht unsere wirtschaftliche und physische Existenz, es bestimmt unsere Wichtigkeiten und Wertigkeiten. Einfach so!
Bei einer Videokonferenz mit Partnern in Sambia war der Einstieg ins Gespräch natürlich auch über das Leben mit der Pandemie. Ja, sicherlich es ginge eine diffuse Bedrohung davon aus, und man traue den Zahlen der Regierung nicht, die Corona-Bedrohung diene auch dazu Polizei- und Militär-Übergriffe zu rechtfertigen, … aber viel existenzieller und auch Hunger-tödlicher seien die sicht- und spürbaren Folgen des Klima-Wandels: Bereits im 3. Jahr Dürre und Schädlingsbefall.
Ich weiß seit 5 Jahren um diese immer bedrohlicher werdende Entwicklung nicht nur in Sambia. Sie trifft besonders die armen Kleinbauern, die von der Nebenerwerb-Landwirtschaft leben. Aber jetzt, da Corona alles überlagert und so nah ist, hatte ich verdrängt, was sich im globalen Süden immer schneller entwickelt und die Menschen dort in ihrer Existenz bedroht.
Am 24. Mai 2015 als die Zahl der Flüchtlinge, die über die Balkanroute und das Mittelmeer nach Europa kamen immer schneller Anwuchs, stellte Papst Franziskus seine Enzyklika LAUDATO SI – über die Sorge für das gemeinsame Haus -vor.
In der Einleitung platziert er einen Aufruf:
„Die dringende Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen, schließt die Sorge ein, die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen. … Ich lade dringlich zu einem Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln … betreffen uns alle.“
Mit der gefühlten Entspannung in der Covid19 Krise kommt der Klimawandel und seine Folgen wieder eher in den Blick und bei Meinungsumfragen ist er nach wie vor das Thema Nr.1.
Was wir zwischenzeitlich verdrängt haben ist eine gemeinsame Herausforderung geblieben; eine Anfrage an unseren Handlungswillen hier und unsere weltumspannende Solidarität in gemeinsamer Verantwortung für das gemeinsame Haus.
GS 27.Mai 2020

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Gebet für unsere Erde (Papst Franziskus, 2015)

Fakten, Deutung, Wirklichkeit und die Wahrheit

Gelockert treffen sie sich jetzt wieder zur Demo, meist den Vorschriften entsprechend, gegen die sie demonstrieren. Es geht um Fakten-Deutung, Recht(e) haben, Gestaltungsmöglichkeiten und-notwendigkeiten der Wirklichkeit unserer Zivilgesellschaft; letztlich um Demokratie gegen Expertokratie.

Unter dem Tarnnamen MEINUNGSFREIHEIT versuchen Ideologen unterschiedlichster Weltanschauungen bei diesen Versammlungen Stimmung zu machen gegen die Regierungen und ihre Experten und Berater*innen; andere nutzen die Verunsicherung der Bedrohungslage, um diffus Schuldige und ihre Machenschaften zu benennen: Bill Gates, eine geheime Weltregierung, die Mächte des Bösen, …

“Wenn sich plötzlich die Ordnung ändert, wenn die Menschen Orientierung suchen und die Realität zu kompliziert erscheint, um sie mit dem Verstand zu erfassen – dann schlägt die Stunde der einfachen Erklärungen.” (Zeit-Dossier VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN 21/ 2020 – S.12)

Auch Jesus lebte in einer Zeit der Umbrüche, die politischen Ordnungen veränderten sich, die Deuter seiner Zeit sahen die Apokalypse kommen, das Ende der Welt. Der Evangelist Johannes (Joh 14) beschreibt, dass Jesus die Verunsicherung seiner Freunde und Zuhörer spürt, zumal auch er von einer neuen Weltordnung spricht. Diese allerdings wird nicht von den Mächten des Bösen, oder von sich selbst ermächtigenden Regierungen oder Autokraten geprägt, sondern von dem neuen Geist der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Diesen neuen Geist der Wahrheit hat er Ihnen verkündet. Er soll ihnen Orientierung geben, ihnen Mut machen ihr Leben in diesem Sinne zu gestalten und so mit ihm und Gott in Verbindung zu bleiben.

Diese Wahrheit Jesu ist keine einfache Welterklärung oder Verschwörungstheorie über die Mächte des Bösen, sondern eine visionäre Lebenspraxis eines Guten Lebens für alle Menschen.

Wenn diese Wahrheit wirksam, also Wirklichkeit werden soll, ist es an uns sie glaubhaft zu leben, gegen alle Verunsicherung und im Vertrauen auf das Gute – auch in den Zeiten der Krise.

GS 19. Mai 2020

Verwirrt

“Lasst Euch nicht verwirren!”(Joh 14,1) Diese mahnenden Worte Jesu im Johannesevangelium vom Sonntag klangen mir noch in den Ohren, als ich die Berichte über die Demonstrationen des Wochenendes sah. Eigentlich waren es ja keine Demonstrationen, also Meinungsäußerungen in der Öffentlichkeit, sondern Proteste unterschiedlich motivierter Menschen und Gruppen gegen die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheiten im Rahmen der Pandemie-Gesetze und –Verordnungen, erlassen von demokratisch gewählten Gremien, in Solidarität und zugunsten des Infektionsschutzes älterer und vorerkrankter Menschen.

Die vom Grundgesetz geschützte Versammlungsfreiheit wurde nicht zur politischen Meinungsbildung genutzt, sondern von Verschwörungstheoretikern und antidemokratischen Gruppen zur Verbreitung ihrer verwirrten Ideen missbraucht. Für diese Art der populistischen Meinungs- und Panikmache waren sich auch katholische “Würdenträger” nicht zu schade und reihten sich mit einem gemeinsamen Brief ein. Sie leugnen die Ansteckungsgefahr des Virus, warnen vor Impfen und behaupten in ihren Verschwörungsmythen, dass finstere Mächte die Menschen in Panik versetzen wollten, um eine unkontrollierbare Weltregierung schaffen zu können:

“Die Eindämmungsmaßnahmen seien geschaffen worden, um in Wirklichkeit „die Einmischung von fremden Mächten“ zu begünstigen. Die Rede ist von Projekten, „um besser manipulieren und kontrollieren zu können“, einer „Politik der drastischen Bevölkerungsreduzierung“ und den Kampf gegen einen „unsichtbaren Feind“.(Weser-Kurier 10.5.20)

Angesichts solcher kruden Verschwörungstheorien, die Gut-Gläubige manipulieren und aufhetzen wollen – auch schon zur Zeit Jesu – setzt dieser auf den gesunden Menschenverstand, das Selbstvertrauen und bestärkt den Glauben seiner Freundinnen und Freunde gegen einen blinden Glauben an selbsternannte Propheten und Hirten, die er als Diebe und Räuber bezeichnet (Joh 10): „Ihr kennt den richtigen Weg!“ (Joh 14,4) Der ist vorgezeichnet in seiner Botschaft vom guten Leben für alle in Solidarität und Liebe, Gerechtigkeit und Frieden. – „Lasst Euch nicht verwirren!“

GS 13. Mai 2020

Stress-Test

Sieben Wochen ohne fühlbare Nähe durch social distancing und die Ungewissheit, wie lange das noch so gehen wird. Dazu der Blick aus dem Fenster in einen grauen, regnerischen Himmel und die bestürzenden Nachrichten im Ohr, dass Deutschland jetzt schon die für dieses Jahr zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen verbraucht hat – Earth Overshoot Day.
Sieben Wochen ohne sind mein persönlicher Stress-Test und die Corona-Pandemie scheint ein Stresstest unserer Zivilgesellschaft zu sein.
Das Ziel von Stress-Tests ist ja die Belastungsfähigkeit festzustellen. Zunächst aus der Humanmedizin kommend, fand der Begriff infolge der Bankenkrise Eingang in alle Bereiche unserer Gesellschaft.
Meine Erkenntnis: social distancing klärt Beziehungen. Wie isset?-Joot!-Beziehungen verflüchtigen sich, weil sie aus dem (zufälligen) Blick geraten. Es braucht ein wirkliches Interesse aneinander und das Suchen nach dem Gemeinsamen als Kern dieser Beziehung. Meine Hoffnung für das „Danach“: Dass diese Verdichtung bleibt und das Gemeinsame tragfähig ist.
Der gesellschaftliche Stresstest lässt u.a. erkennen, wie ernst es unserer Gesellschaft mit ihren Werten von Solidarität und Freiheit ist. Das “Danach” wird erweisen müssen, ob der Solidarität und der Verzicht auf Freiheiten der Jungen und Gesunden zugunsten und zum Schutz der Älteren und Kranken in der Coronakrise die Solidarität und der Verzicht der Älteren im Gegenzug in der Klimakrise folgt.
Krise kommt vom griechischen Krinein, was Entscheidung bedeutet. So fordert diese Krise uns zur Entscheidung in welcher Gesellschaft wir zukünftig leben wollen.
Für diese Entscheidung brauchen wir offensichtlich noch Resilienz im Umgang miteinander und mehr Achtsamkeit für einander.
GS 5. Mai 2020

Foto: Asli Yüksel

Normal?

In dieser Woche begannen die ersten Lockerungen der Versammlungsbeschränkungen und schon wird der Ruf nach mehr! bzw. ungerecht! laut. Die Begründung: Freiheit! und Wirtschaft!

Die Sehnsucht dahinter ist die Rückkehr zur “Normalität”. Aber wohin will man dann zurück? Und was ist die (soziale) Norm, an der sich diese Normalität orientiert? Und wer legt diese als Norm fest?

Soziale Normen unterliegen immer dem sozialen Wandel und bringen (äußerliche) Erwartungen der Gesellschaft an das Verhalten von Individuen zum Ausdruck. (WIKIPEDIA)

Unsere Gesellschaft und ich als ein Teil von ihr hat sich durch die Herausforderung des Virus verändert. Da ist die diffuse Angst vor Infektion und ihren möglicherweise tödlichen Folgen, der nahezu unmögliche Versuche sich und andere zu schützen, die existenzielle wirtschaftliche Not von Selbständigen und Unternehmen, …
Aber die bedrohliche neue Situation weckt auch viel Kreativität und unsere Gesellschaft entdeckt alte Werte wieder neu, wie Solidarität, Hilfsbereitschaft wildfremden Menschen gegenüber, die urchristliche Haltung tätiger Nächstenliebe … Werte und Haltungen, die verloren gegangen schienen als in unserer Gesellschaft noch alles normal (erfolgs- und profit-orientiert) lief.

Wollen wir wirklich zurück in dieses, unser normales Leben? Oder müssen wir das Normal erst mal für uns neu definieren?
Das neue normal wäre dann für mich vielleicht Achtsamkeit, Gelassenheit, Zeit für mich selbst und andere zu haben, … und auch etwas Neues, was ich in dieser Krisenzeit erst entdecke, ausprobiere und als bereichernd erfahre für mein Leben. Das ist die viel zitierte und oft schnell über die Lippen gehende Chance, die in der Krise steckt.

So verstehe ich auch das nachösterliche Evangelium des letzten Sonntages, wo es die Freunde Jesu –ja es sind diesmal wirklich mal wieder die Männer- nach dessen Tod und einer Zeit der Enttäuschung und Trauer wieder danach drängt ins normale Leben zurückzukehren. „Ich gehe Fischen“ und die anderen schlossen sich ihm an. Erfolglos!
Erst auf die Ermunterung eines Mannes, der in gebührendem Abstand am Ufer stand und den sie erst später als den auferstandenen Jesus erkannten, es nochmal zu versuchen haben sie Erfolg.

Die Reset Taste zu drücken und beim Reboot zu erwarten, das alles wieder „normal“ läuft scheint nicht zu funktionieren, sondern es bedarf der Aufarbeitung der Krisenerfahrungen um daraus das neue normal zu entwickeln. – Das gemeinsame Mahl steht erst am Ende dieses Prozesses und nicht am Anfang, wie es jetzt Kirchenführer vorschnell fordern und mit abstrusen Regeln (Normen) durchsetzen wollen.

Für ein neues Normal brauche ich und vielleicht auch unsere Gesellschaft wohl noch was Zeit – und eine Sicherheit, dass das Virus therapierbar ist.

Das Gebet von Reinhold Niebuhr passt in unser Suchen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

GS 29. April 2020

Distanzlos

In diesen Tagen des social distancing, des Corona-Sicherheitsabstandes, des Selbst- und Fremdschutzes durch Mund-Nase-Masken, Desinfektionsmaßnahmen und Hygiene-Handschuhen ist die Begegnungsgeschichte zwischen dem auferstandenen Jesus und seinem Schüler und Freund Thomas, die am Sonntag in den katholischen Gottesdiensten über Video-Kanäle aufgezeichnet, von Lesepulten vor leeren Bänken live gestreamt oder in Video-Meetings in die Kamera gelesen, irgendwie aus der Krisenzeit gefallen.
Jesus fordert in dieser Geschichte (am Ende des Johannes-Evangeliums) zum Haut- und Wunden-Kontakt auf. Er lässt sich berühren, ungeschützt! Er fordert den kritischen, faktenorientierten Schüler auf zu begreifen, was er nicht meint glauben zu können.
Die Wirklichkeit stellt sich aus der Distanz anders dar und die Berührung verändert die Wahr-Nehmung.
Diese Begegnung ist damals wie heute ein starkes Zeichen. Es nimmt die Faktenorientierten ernst und auch in Schutz gegenüber den Gutgläubigen: Überzeuge Dich selbst von der neuen Wirklichkeit und komme dadurch zum Glauben aus echter Überzeugung.
Wenn wir Nachgeborenen ohne handgreiflichen Kontakt glauben können, können wir uns glücklich schätzen. Der Normalfall des Glaubens sind glaubwürdige Zeugen und Zeichen, die uns Hoffnung machen, dass unser Leben einen Sinn hat – und dass am Ende alles gut wird.

GS 21. April 2020

LmbF – Leben mit beschränkter Freiheit

Die Kritik einiger Politiker*innen richtet sich derzeit, 3 Wochen nach dem Lock down, gegen diese und weitere Gesetze und Verordnungen, die die Grundrechte der Bürger*innen zeitweise einschränken und teils auch aussetzen, wie die Versammlungsfreiheit. Diese eher liberalen Politiker*innen bekommen u.a. Unterstützung von ultrakonservativen Christen, die dadurch insbesondere vor dem anstehenden Osterfest, die freie Ausübung der Religion beschnitten sehen.

Sozialverbände und -politiker fürchten und beobachten einen Anstieg der häuslichen Gewalt und bei manchen Jugendlichen wie Erwachsenen macht sich der Hüttenkoller breit.

Leben und Freiheit werden in Frage gestellt.

Diese eigentlich versammlungsintensive Woche vor Ostern, die uns ja mit allen Facetten des Lebens konfrontiert wie Begeisterung, Liebe, Hoffnung, … – Verrat, Leid, Einsamkeit, Tod, Trauer …;

diese Karwoche hat ihren Höhepunkt in der Feier eben dieses, unseres Lebens im Osterfest.

Die vorübergehende Einschränkung unserer Freiheit macht mir wieder neu bewusst, wie gefährdet mein Leben und meine Freiheit sind. Dieses Virus ist lebens-gefährdend und verstärkt diese Gefahr noch für die Menschen, die ohnehin schon unter Not, Hunger, Krankheit und Krieg leiden.

Der deutsch-israelische Dichter und Journalist Schalom Ben Chorin hat ein Gedicht 1942 in der Emigration und angesichts großer Hoffnungslosigkeit und Leid geschrieben und es das Zeichen überschrieben:

“… Ein bisschen meschugge, ein bisschen verrückt ist das ja: ein zarter Blütenzweig als Protest gegen den Druck von Hoffnungslosigkeit.” So sagte Schalom Ben Chorin später dieses Gedicht (Dank an Burkhard Hose für seinen Post dazu)

Diese Zeiten sind meschugge und so will ich in all dem Schlamassel (jiddisch = Unglück) dieser Tage mich dennoch auf Ostern freuen und das Leben feiern!
GS 7. April 2020

Das Zeichen

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht in Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
so viel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering
in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
das bleibt mir ein Fingerzeig
für des Lebens Sieg.

(Schalom Ben Chorin, 1942)

Verbindlich-verbindende Zusage

Der Blick auf unseren Eßzimmertisch offenbart mir klare Zusagen; hilfreich gerade in Zeiten von Verunsicherung, Angst und Desinformation.

Woran kann ich mich halten, was oder wer gibt mir Orientierung und Sicherheit. Zusagen, denen ich trauen kann, auf die ich mich verlassen möchte.
Allerdings gibt es einen Unterschied. Die digitale Filiale der Sparkasse (bei der ich gar kein Konto habe) braucht für die Erreichbarkeit ein internetfähiges Kommunikationsmedium und ein stabiles und überall verfügbares Netz.
Gott erreiche ich im Gebet und im Glauben, ganz ohne Technik, kann ich sein DaSein manchmal auch spüren.

Auf die Frage des Mose, wer er denn sei antwortet Gott.
»Ich bin da«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: ›Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt< (2.Mose 3,14)

Zusage, die mich hoffen lässt – nicht nur in Krisenzeiten

GS 31. März 2020

Still connected – Gib Frieden!

Seit einer Woche arbeite ich im Homeoffice, da ich zur sogenannten Risikogruppe gehöre.
Erst fehlte mir nichts, nur die Verführung mal einen Extrakaffee zu kochen oder einen Gang durch den Garten zu machen, hatten schon was von Procrastination. Der Blick über den Laptoprand auf das eher unbelebte Wohnumfeld draußen und die Bemühungen der Nachbarn mit Balkon- und Terassengestaltungen den Spiel- sprich Wohnraum zu vergrößern, verstärken das Gefühl von eingesperrt sein.
Social distancing ist spürbar und auch die tägliche Facetime mit den Kindern und Enkeln ersetzt den physischen Kontakt nicht. Im Gegenteil, ich vermisse jetzt schon die wirklichen Begegnungen.
Still connected sollte eigentlich Christen alltagtägliche Spiritualität sein: Gebet verbindet die Betenden und mit Gott. So ist der Aufruf von Papst Franziskus für Mittwoch 12 Uhr weltweit das Vater unser zu beten ein Aufruf, das alle Christen sich im Gebet für die Welt vereinen. Ähnliche Initiativen finden sich in diesen Krisenzeiten in allen Religionen und Weltanschauungen.
Die Pandemie lässt uns trotz physischer Trennung geistlich zusammenrücken. Diese Nähe ist uns (noch) ungewohnt, aber sie kann mir zur lieben Gewohnheit werden das Gebet für die Welt wieder neu zu entdecken. Ausdruck der Achtsamkeit für die Menschen weltweit und nicht nur in Zeiten der Pandemie.
Hermann van Veen hat dies mal vor einigen Jahren in seinem Lied Kyrie eleison ausgedrückt (leider nur in der niederländischen Fassung verfügbar).
Herr, erbarme Dich unser aller in der einen Welt
GS 24. März 2020

Für den Bäcker, der den Ofen nicht mehr anmacht
für die Bauern, deren Pflüge stehn
für den Maurer, der die Kelle hinlegt
für die Hirten, die nicht mehr weitergehn
Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten
für den Priester, der sein Gebet vergisst
für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte
und für den Richter, dem nicht zu helfen ist
Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,
für den Opa, der schon vergessen ist
für die Ängste und schlaflosen Nächte
für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen
für die Liebste, die für immer geht
für all das sinnlose Leid hier auf Erden
für unsre Seele, die zum Teufel geht
Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder
soviel Unschuld und Leben zerstört
für die politischen Herrscher
durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte
für unsre Lügen und unsren schlechten Stil
für das Paradies, das wir verloren
für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten
für Präsidenten und Inspekteure
für Adjudanten und Kommandanten
für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten
und Händler mit großem Gewinn
durch Hormone, Drogen und Waffen
für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen
und für die Bauern in unsrer Näh’
für’s Zigeunervolk an den Strassen
für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker
für den Schmied und für den Zimmermann
für das Kerlchen hinterm Schalter
für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes
für den Schatz von dem toten Soldat
für das Mädchen, das keinen abkriegt
für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen
für diejenigen, die ich hier vergaß
ohne Frieden kann keiner leben
ob reicher Knacker oder armes Aas

Read more: https://muzikum.eu/en/123-85-27166/herman-van-veen/kyrie-eleison-deutsch-lyrics.html#ixzz6HbKaGYGP

Hin und Her gerissen – Gib Frieden!

Der israelische Gruß “Schalom bedeutet zunächst Unversehrtheit und Heil. Doch mit dem Begriff ist nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe.” (Wikipedia)
In diesen Tagen sehen wir uns von mindestens drei großen weltweiten Krisen herausgefordert: Der Klimakrise, der Flüchtlingskrise und der Coronakrise.
Krise kommt vom griechischen krino, was “sich entscheiden” meint.
Wie sollen wir uns verhalten, wo Prioritäten des Handelns setzen, woher Kraft und Sicherheit nehmen?
Die Soziologen benennen die 3 F als menschliche Reaktionstypen auf Krisen: fight, flight, freeze – kämpfen, fliehen, verdrängen.
Angesichts der derzeitigen dreifachen Krisenzeit bin ich versucht nicht wahrzunehmen, zu verdrängen, den Kopf in den Sand zu stecken und ich weiß so geht es vielen. Fliehen kann ich nicht – wohin auch? Zum Kämpfen brauche ich zumindest eine Hoffnung, dass der Kampf nicht umsonst geführt wird.
Schalom, was wir so unzulänglich mit Frieden übersetzen, kann ein solches Ziel sein, für das es zu kämpfen, sich einzusetzen lohnt. Denn Schalom ist nicht beschränkt auf mich und meinen Nahbereich, sondern ist weltweit gemeint, wie das Buon Vivir aus der Tradition der indigenen Völker, dem Guten Leben für Alle auf diesem Planeten, wie es von den Vereinten Nationen als Millenium Goal ausgerufen wurde.
Es bleibt die Frage, wo anfangen? Am besten da, wo meine Möglichkeiten liegen, wo ich Ideen habe, die ich mit anderen umsetzen kann zum Wohle aller *.
Und woher Kraft und Sicherheit nehmen?
Trotz social distancing weiß ich mich verbunden und getragen von Menschen, die mit mir diese Krisenzeiten durchleben und die mit mir kämpfen wollen.
Und letztlich vertraue ich auf die Zusage Gottes, der sich selbst als „Ich bin da bei Euch“ bezeichnet hat (2 Moses 3)
Das gibt mir Hoffnung – gerade in Krisenzeiten
GS 17. März 2020

*Wie’s geht haben einige Studierende des KHG-Wohnheimes Hermannstrasse und ihre Freund*innen vorgemacht mit ihrer Initiative Öcher Einkaufsdienst

Let it be – Gib Frieden!

Vor 50 Jahren, am 6. März 1970 erschien der Erfolgshit der Beatles “Let it be”. Paul Mc Cartney brachte damit den im gleichnamigen Film sichtbaren Zerfall der Band in den Songtext und drückte damit auch die von allen Bandmitgliedern empfundene Hilflosigkeit angesichts der verfahrenen Beziehungssituation zum Ausdruck.
Das namengebende Idiom ist vieldeutig: Lass es geschehn, manchmal auch übersetzt mit nimms Dir nicht so zu Herzen.
Nun mag dieser weise Rat seiner verstorbenen Mutter Mary in Zeiten, „when I found myself in trouble” hilfreich und tröstend sein, aber er stabilisiert auch die Krise.

Krisen- und Konfliktsituationen auch im weltweiten Ausmaß brauchen Weisheiten und Visionen zur Handlungsorientierung und Menschen, die den Mut haben notwendende Veränderungsprozesse zu gestalten. Die Endsechziger und beginnenden Siebziger Jahre des 20ten Jahrhunderts waren Kriegs- und Umbruchzeiten, weltweit mit heißen Konflikten im Systemischen Kalten Krieg der Blockmächte. Emanzipations- und Revolutionsbewegungen nahmen Einfluss auf Gesellschaft und Politik. Religionen und Philosophien sollten Antworten und Visionen auf die großen Fragen der Menschheit geben und so Wege aufzeigen für ein friedliches Miteinander in dieser Welt. Dazu passte die Friedensvision des Ex-Beatles John Lennon von 1971 “Imagine”, das bis heute zu den besten Rock-Balladen der Welt zählt.

Dem ” lass es zu” wurde die Friedensvision “stell Dir vor” entgegengehalten, die Hymne einer weltweiten, jugendlichen Friedensbewegung. Diese Friedenssehnsucht, basierend auf Gerechtigkeit und Liebe als christlichen Grundwerten versuchte auch der Priester, Dichter und Politiker Ernesto Cardenal (im Alter von 95 Jahren am 1. März 2020 gestorben) in einer christlichen Kommune in Nicaragua vor 50 Jahren lebbar zu machen. Ein Weg das Reich Gottes zu realisieren.

Um dieses Gottes Reich der Gerechtigkeit der Liebe und des Friedens beten Christen auf der ganzen Welt täglich: Dein Reich komme. Dieser Vater-Unser-Bitte ist wie eine Bedingung nachgestellt “Dein Wille geschehe”. “

Let it be – lass es geschehen” könnte unsere Bereitschaft zur Verwirklichung des Reiches Gottes der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ausdrücken.

GS 10. März 2020

Ermutigung zur
Liebe

Wenn du dich selbst kaum noch spürst
und du duch unfähig oder überflüssig fühlst,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich selbst anzunehmen,
so wie du bist.

Wenn dich die Bedürfnisse deiner Mitmenschen
überfordern
und du nicht weißt,
wie dein eigener Beitrag aussehen könnte,
dann wünsche ich dir den Mut,
deine Formen
von Solidarität und Nächstenliebe zu entdecken.

Wenn Gott in deinem Leben kaum noch vorkommt
und du befürchtest, dass er dich vergessen hat,
dann wünsche ich dir den Mut,
einen Neuanfang zu wagen
und ihm dein Herz zu schenken.

Angela Lohausen – Früh-/Spätschichtreihe zur MISEREOR-Fastenaktion 2012

Gelähmt – Gib Frieden!

Die täglichen News präsentieren ein fast schon chaotisch wirkendes Bild der Welt mit unterschiedlichen Herausforderungen an die Menschheit, deren Bearbeitung in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sich gegenseitig lahm zu legen scheinen. Unterschiedliche nationale, aber auch partikulare Interessen verhindern Lösungen und auch der nicht oder nur rudimentär vorhandene Wertekonsens einer globalen Gesellschaft verhindert die Priorisierung von gemeinsamen Maßnahmen.
Die Folge dieser Lähmung ist deutlich spürbar in der zu zögerlichen und teils verhindernden Umsetzung der globalen Klimaziele, der sich erneut abzeichnenden (europäischen) Flüchtlingskrise, der Pandemie ausgelöst durch den Coronavirus und einer sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise …
Da wirkt die Aufforderung GIB FRIEDEN! schon fast surreal, auch wenn sie “nur” Headline der diesjährigen Fastenaktion des Hilfswerkes MISEREOR ist.
“Jetzt gib endlich Frieden!” hört sich wie die genervte Reaktion gestresster Eltern auf ihre quengelnden Kinder an. Aber es könnte auch ein Kurzgebet, ein Hilferuf zu Gott sein:
Gib Frieden! Weil wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind und Du Dich als der immer Da Seiende und Mitgehende Gott dem Moses vorgestellt hast (2.Mose 3,14)
Dieser Hilferuf entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung für unsere Mitwelt und deren Zukunft. GIB FRIEDEN! ist auch eine Aufforderung an uns aus der Lähmung herauszugehen, unsere Einstellungen zu überprüfen und entsprechend unseren wirklichen Möglichkeiten am weltweiten Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und den Erhalt unserer Mitwelt mitzuwirken.
Lasst uns diese Fastenzeit nutzen damit anzufangen.
GS 3. März 2020

Gebet der Nein-Sager

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was lähmt
zu allem, was krank und depressiv macht.
Gib mir
Kraft
mein Gott
dass ich nein sage
zu allem, was blind macht
zu allem, was die Sprache verschlägt

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was zerstört
zu allem, was Angst macht
Gib mir
Kraft
mein Gott
daß ich nein sage
zu allem, was trennt
zu allem, was schwächt

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was blendet
zu allem, was knechtet
Gib mir
Kraft
mein Gott
dass ich nein sage
zu allem, was tödlich ist
zu allem, was verwundet

Übersetze
mein Gott
Dein Nein in die Sprache meiner Tat
und
lass durch dieses Nein
Dein Ja hörbar werden
mir und aller Welt

Anton Rotzetter, Gott der mich Atmen lässt, Herder 1985 S.71f

Foto: Thomas Richter-Alender

Verzicht

steht auf der Agenda der heute mit dem Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit. Entsprechend sind die Fastenaktionen der kirchlichen Hilfswerke und Organisationen ausgerichtet: “Sieben Wochen ohne”, Auto-Fasten, Handy-Fasten, Plastik-fasten, …
Ziel ist immer die Fastenzeit als Anlass zum Umdenken, zur Neuausrichtung meines Lebensstils zu nutzen, zur Orientierung an den Werten der Bergpredigt: Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Verzicht aus Verantwortung für ein “Gutes Leben” für alle auf diesem Planeten ist angesichts des rasanten Klimawandels notwendiger denn je und wir in den reichen Ländern Westens sind als erste gefordert
GS 26. Februar 2020

Wir haben satt
Dieser Ausdruck könnte unsere Rundumzufriedenheit ausdrücken. Materiell versorgt, in Frieden leben, eine Berufsperspektive bzw .eine gute Arbeitsstelle zu haben, in einer liebevollen Beziehung zu leben und es sich gut gehen lassen können.
Diese Sattheit und Rundumzufriedenheit kann uns aber auch einschläfern in unserer Komfortzone, uns verführen, diesen Zustand als selbstverständlich anzunehmen und uns damit zu Frieden zu geben, dass es uns so gut geht.
Die Vereinten Nationen haben in ihrer Post-2015-Agenda „Gutes Leben für alle“-“buen vivir” als Leitfaden für politische Entscheidungen verankert. Gutes Leben bedeutet demnach mehr als wirtschaftlicher Wohlstand. Die Berücksichtigung von überlieferten kulturellen und sozialen Werten und der Respekt vor der Umwelt spielen eine ebenso wichtige Rolle. Denn wirtschaftliches Wachstum auf Kosten der Umwelt kann zu neuen Konflikten und sozialen Spannungen führen.
Dies erweitert den Blick nicht nur auf die „Entwicklungsländer“, sondern in Zeiten der Globalisierung auch auf die Entwicklungsbedürftigkeit in unseren westlichen Gesellschaften. Soziale Gerechtigkeit als Bedingung für das friedliche Zusammenleben der Menschen auf diesem Planeten ist nur global zu denken und zu realisieren und es hat mit Teilen des Überflusses zu tun. Da sind nicht nur Politiker gefragt, sondern jeder Einzelne von uns zum Wohle aller.
Die Fastenzeit fordert uns heraus unseren Lebensstil zu bedenken und uns für eben diese Idee des guten Lebens für alle zu sensibilisieren, die ja auch Ziel der biblischen Botschaft und christlichen Lebens ist: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben“ (Johannes 10) GS 14. März 2017

survival of the fattest Foto: Guido Schürenberg

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.
(Aus: Angela Lohausen/ Guido Schürenberg, Früh-/ Spätschichten in der Fastenzeit – MISEREOR 2017)

Enttäuscht

Viel Vertrauen und große Hoffnungen wurde in den vergangenen Tagen in Gesellschaft und Kirche in Deutschland enttäuscht. Chancen auf Veränderung vertan.

Politische Verbindlichkeit wurde durch machtstrategische Manöver ersetzt.

Papst Franziskus betont die wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit und den Schutz der bedrohten Mitwelt, setzt sich aber in seinem Schreiben zur Amazonas(!)-Synode über die Forderung der synodalen Versammlung den Zölibat als Zugangsvoraussetzung zum Priesteramt frei zu stellen hinweg und Frauen bleiben weiterhin von Weiheämtern ausgeschlossen, da ja dieses Thema letztgültig durch Johannes Paul II entschieden sei. Erst recht nicht wird die überkommene hierarchisch (heilige Ordnung) begründete Machtstruktur in der Kirche in Frage gestellt.

Wie es vermeintlich war zu aller Zeit, so auch jetzt und in Ewigkeit.

Nein von mir gibt es dazu kein Amen (so sei es).

Immerhin im Unterschied zum Rumlavieren der CDU ist Franziskus kein Maybe. Sein Ja ist ein Ja und sein Nein ist ein Nein, wie Jesus es in der Bergpredigt fordert, weil “alles andere ist vom Bösen” (Mt 5,37)

Nur wird auch diesmal eine Chance vertan die Zeichen der Zeit zu erkennen, entsprechend zu handeln und so das Reich Gottes mit dieser Kirche zu verwirklichen (Mt 16,3).

GS 18. Februar 2020

Respekt!

Mit diesem fast schon überrascht wirkenden Ausruf endet eine Analyse der Oskar Verleihung mit dem Titel ES GEHT WIEDER UM ETWAS (Zeit-Online 10.2.20)

Respekt bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht. (Wikipedia)

Respektlosigkeit ist deshalb einer der Gründe für Hate Speech und aggressiven Umgang in unserer Gesellschaft

“Respekt” zollt auch ein Kollege in einem Facebook-Kommentar zwei Frauen, die in der vergangenen Woche in einer demonstrativen Handlung ohne Worte Ihrer Empörung gegenüber Arroganz und Ignoranz Ausdruck gaben: “Bleib aufrecht. Zeig‘ Widerstand. Sag’s mit Blumen. Dafür und deshalb, Frau Hennig-Wellsow, Respekt.” Danke, Alice Natter, für diesen Beitrag zu dem Blumenwurf, der wie der Redezerriss durch Nancy Pelosi durchaus in der Kategorie “prophetische Zeichenhandlung” verbucht werden darf. In jedem Fall: In dieser Woche haben zwei starke Frauen der Arroganz männlichen Machthungers die Stirn geboten.” (Burkhard Hose)

OFFENHEIT und RESPEKT waren den Verfasser*innen des Leitbildes der KHG-Aachen so wichtig, dass sie diese als Grundhaltungen für das Leben und Arbeiten unserer Katholischen Hochschulgemeinde fest schrieben.

Die fast schon bewundernde Bedeutung von Respekt in oben genannten Artikeln und Kommentaren machen aber auch deutlich, dass diese Grundannahme, diese Basis unseres menschlichen Zusammenlebens -und ich möchte unsere tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe durchaus einschließen- eben nicht mehr selbstverständlich ist, sondern als zumindest gefährdet erlebt wird.

Wie weit weg sind wir da vom christlichen Anspruch der Nächstenliebe, wie ihn die Bergpredigt formuliert:

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.‹ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch ebenfalls lieben? Das tun auch die Betrüger! Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen! Nein, wie die Liebe eures Vaters im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.« (Die gute Nachricht Mt 5, 43-48)

Dass dieser christliche Anspruch, diese Essenz christlicher Lebenshaltung auch in der Kirche nicht selbstverständlich ist, zeigt aktuell die Einladung des Österreicher Künstlers Tschugguel, der indigene, religiöse Symbole der Pachamama während der Amazons-Synode in Rom im Tiber versenkte. Wenn und dass dieser Aktionskünstler nun von der priesterlichen Leitung einer Pfarrei in Herzogenrath eingeladen wird seine Respektlosigkeit gegenüber den religiösen Traditionen und Symbolen der indigenen Bevölkerung Ausdruck zu geben, so trifft dies auch die Teilnehmer*innen der Synode und deren Initiator und Einlader Papst Franziskus, worauf eine Stellungnahme von MISEREOR hinweist: “Der Versuch, bedeutsame Symbole Anderer mutwillig zu zerstören, ist ein Ausdruck von Hass und Feindseligkeit gegenüber Anderen, den wir aus unserem Verständnis des Evangeliums heraus nicht akzeptieren”.

Hass und Feindseligkeit können wir in Kirche und Gesellschaft nicht tolerieren, denn ES GEHT UM ETWAS, nämlich um den Kern unseres Christseins!

GS 11. Februar 2020

Unverbindlicher Rat

Da haben sie sich am vergangenen Wochenende auf den Weg gemacht – gemeinsam, Priester und Laien, also (Kirchen-) Volk, Mitglieder katholischer Verbände und Vertreter*innen der gemeindlichen Basis, teils als gewählte Delegierte, teils qua Amt gesetzt.

“Wir müssen reden!” miteinander, offen, vom heiligen Geist geleitet, auf der Basis des gemeinsamen Glaubens; mit dem Ziel eine zukunftsfähige Kirche zu gestalten, die katholisch, also allumfassend, ist.

Die Begeisterung, die Aufbruchstimmung kam medial nicht so wirklich über, eher verhaltene Skepsis. Der Druck der unseligen Mißbrauchs-Vergangenheit, der Relevanzverlust, die Glaubwürdigkeitskrise … ist auch beim gemeinsamen Aufbruch wirksam.

Die Visionen des Zieles sind sehr unterschiedlich und auch der Weg ist wenig profiliert.

Bereits im Vorfeld war keine Einigung in der Benennung dessen, was da gemeinsam gestartet werden sollte. Ist es eine Synode(synodos= gemeinsamer Weg)?

Synode (von griechisch σύνοδος synodos‚ Versammlung, Treffen‘) steht für:
Konzil, Versammlung von Bischöfen nach dem Verständnis der meisten vorreformatorischen Kirchen.
In manchen reformatorischen Kirchen für ein Gremium aus gewählten Laien und Geistlichen.
Synodaler Weg heißt also eigentlich: “Weg eines gemeinsamen Weges” (Wortschöpfung, die einerseits etwas Neues, Kreatives ausdrückt, aber auch das kirchenrechtliche Dilemma ausdrückt).
Entsprechend die Bewertung des Kölner Kardinals bei vorzeitiger Abreise von der ersten Synodalversammlung:

“Die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt …  es wird quasi ein protestantisches Kirchenparlament … implementiert … Das sei schon beim Einzug zum Gottesdienst festzustellen gewesen, „als Bischöfe und Laien alle gemeinsam eingezogen sind und somit zum Ausdruck gebracht wurde, dass da jeder gleich ist. Und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint.“

Jetzt sind sie einmal unterwegs, das gemeinsame Ziel wird sich noch ergeben müssen und es braucht viel Begeisterung und Frustrationstoleranz, um die zu erwartenden Hindernisse und den Dissens auszuhalten und um wirklich Gemeinsames zu entwickeln.
Wo doch im Vorfeld bereits klargestellt wird: “Am Ende werden also die Diözesanbischöfe entscheiden, wie sie in ihren jeweiligen Bistümern mit Beschlüssen des Synodalen Weges verfahren.”

“Den dankbaren Vertreter*innen von Laiengremien und Verbänden mag es am Ende genügen, gesehen und gehört worden zu sein, Menschen wie Mara Klein (Cusanuswerk) und Janosch Roggel (KHG-Dortmund), die mit ihren Statements auf der ersten Synodalversammlung ihre existentielle Betroffenheit in die Waagschale geworfen haben, reicht das nicht. Den vielen Frauen, die der Kirche mit dem Synodalen Weg eine letzte Chance geben, auch nicht. An ihnen allen versündigt sich die pseudoparlamentarische Inszenierung unter kirchlichem Vorzeichen, wenn nichts anderes als Gesehen- und Gehörtwerden herauskommt. Aber das kennen Mara und Janosch und mit ihnen viele andere ja schon von Kirche.” (Burkhard Hose)

Die Reformation der Katholischen Kirche kann nur Top-Down erfolgen und nur, wenn die Lai*innen die 27 Ortsbischöfe (10% der Synodalen, aber Sperminorität)) dazu überzeugen.

Angesichts dieser strukturellen, als hierarchisch (heilige, also gottgewollte Ordnung) etikettierten Ungleichheit bleiben den Beteiligten nur der Zynismus* oder das Prinzip Hoffnung …
und allen das Vertrauen, das der Geist doch noch die festgefahrenen Machtstrukturen der Kirche bewegen kann.

*Lesenswerter Kommentar des Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke

GS 4. Febr. 2020

Hoffen wider alle Hoffnung

1. Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht. Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht.
2. Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn da, wo alles dunkel scheint. Handeln anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Tränen weint.
3. Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eignen großen Not. Aufstehn gegen Unrecht, Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht.
4. Trauen dem, der uns gesagt hat: Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit. Mit uns ist er auch in unserm Suchen, bis wir ihn schaun im Licht der Ewigkeit.

“Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.”

Dieses Bibel-Zitat (Apg 4,20) möchte ich all jenen entgegen halten, die fordern, es müsse doch endlich mal Schluss sein sich kollektiv für den Holocaust, also für den Völkermord an 6 Millionen europäischen Juden zu entschuldigen.
Nein darüber können wir nicht schweigen und wir müssen den Zeugen und Opfern die Gelegenheit geben diese Erinnerung wach zu halten, damit dies nicht noch einmal geschieht.
Antisemitismus wirkt in unserer Gesellschaft, äußert sich beiläufig nicht nur im Stammtischgeschwätz, sondern auch in Schulen und Universitäten; er äußert sich in Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und vor Synagogen und vereinzelt mit der Absicht Juden zu erschießen.
“Als Antisemitismus werden heute alle Formen von Judenhass, pauschaler Judenfeindschaft, Judenfeindlichkeit oder Judenverfolgung bezeichnet. Der Ausdruck wurde 1879 von deutschsprachigen Antisemiten geprägt und entwickelte sich seit dem Holocaust zum Oberbegriff für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund ihrer angenommenen oder realen Zugehörigkeit zu „den Juden“ negative Eigenschaften unterstellen. Damit werden Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung jüdischer Minderheiten (Völkermord) gefördert, vorbereitet und/oder gerechtfertigt.” (Wikipedia)
Der Antijudaismus, durch fragwürdige Theologien befeuert, zieht sich durch die Geschichte der Kirchen in Europa seit dem 3. Jahrhundert und führte immer wieder zu Judenprogromen. Erst unter dem Eindruck des Holocaust bekannten sich weite Teile der christlichen Kirchen öffentlich zu dieser Schuld. Aber immer noch wird ein Unrecht (Holocaust) mit einem anderen (Christenverfolgung) verglichen und so relativiert (so, anlässlich des Holocaust-Forums in Jerusalem, der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I).
Ja auch darüber können und dürfen wir nicht schweigen, denn jegliche Form von Hass und Gewalt gegen Menschen, die in Frieden ihre Glaubensüberzeugung leben wollen ist ein Angriff auf die allgemeinen Menschenrechte und widerspricht der ethischen Grundüberzeugung aller Religionen.
Die biblische Botschaft geht für Christen mit der Bergpredigt (Mt 5) darüber noch hinaus und fordert zu vollkommener Liebe auf – der Nächsten, der Fernsten, ja auch sich selbst.
Auch darüber können wir als Christen nicht schweigen, sondern müssen es glaubwürdig leben.
GS 28. Januar 2020 (75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz)

I bless the rains down in Africa …

dieser Kehrvers des Songs Africa von Toto klingt mir seid einigen Tagen wieder als Ohrwurm im Kopf nachdem ich “good news” aus Afrika -genauer aus Sambia- bekam, dass endlich, zwei Monate zu spät, der Regen die anhaltende Dürreperiode unterbrochen hat.
Seit 2011 steht die Katholische Hochschulgemeinde in Kontakt mit der Diocese of Monze in Sambia. Es gab gemeinsame SUMMERSCHOOL und seit 2014 das Projekt SCHULFEE-SAMBIA, das sambischen Jugendlichen den Schulbesuch ermöglicht durch Übernahme der Schulgebühren.
Partnerschaft heißt, dass man sich für “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, insbesondere der Armen und Unterdrückten” interessiert, ja sie sich zu eigen macht, wie das 2. Vatikanische Konzil es vor mehr als 50 Jahren als Anspruch der Katholischen Weltkirche formuliert hat.
Die schon seit Jahren anhaltenden Dürren im südlichen Afrika, und daraus resultierend Hunger und Tod, ist unseren Nachrichtenportalen und -Magazinen selten eine Notiz wert. Katastrophen, Hunger, Elend, … prägt unser Bild dieses Kontinents – wenn wir uns nicht für die Vielfalt und Schönheit des Kontinentes interessieren und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen kennen. Erst wenn Tourismus-Ziele und Attraktionen von Katastrophen betroffen sind, wachen wir aus unserer Abgestumpftheit (manchmal)auf.
So, wie um Weihnachten, als Bilder des BBC-Fernsehens und von Spiegel-Online von den fast trockenen Viktoria-Fällen auch uns berührten, weil die entsprechenden Reportagen endlich auch die Folgen des Klimawandels und das daraus folgende Leid der Menschen und Tiere durch Missernten und Dürre dokumentierten.
Aber den good news, dem blessing des Regens folgt prompt die nächste Klimakatastrophe: Überschwemmungen, weil die ausgetrocknete Erde das Wasser nicht aufnehmen kann und damit die Jungpflanzen weggeschwemmt werden.
Ich höre unsere Partner, sehe die Bilder und fühle mich genau so hilflos wie sie. Wie weit kann oder muss meine/ unsere Solidarität gehen?
Mein sambischer Freund hat einmal bei einer SUMMERSCHOOL in Sambia gesagt, dass das Interesse aneinander und das Wissen umeinander unser Handeln leitet. Das unser Lebensstil und unser Handeln weltweit Konsequenzen hat können wir mittlerweile nicht nur in den Medien sehen in Echtzeit, sondern wir bekommen es auch in den Wetterextremen bei uns zu spüren.
Solidarität mit den Menschen im südlichen Afrika und in all den besonders vom Klimawandel betroffenen Ländern heißt also Verzicht bei und für uns und Teilen von Geld und Know-how, um nachhaltig die Auswirkungen des Klimawandels weltweit zu mildern.
In der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums findet sich die „Goldene Regel“ und ähnlich auch in allen Weltreligionen:
„Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Mt 7, 12)

GS 21. Jan 2020

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – Früh/Spätschichten MISEREOR Fastenaktion 2017

Folge Deiner Berufung!

Diese Aufforderung einer jungen Frau in Marineuniform auf einer Plakatwand sprang mir im Vorbeifahren auf dem morgendlichen Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit regelrecht ins Auge und hat nachhaltige Irritation bei mir ausgelöst.
Dies war sicherlich die Absicht der Macher dieser Werbekampagne der Bundeswehr um neue Rekruten. Der entsprechende Hashtag könnte eher zu einer Kampagne des päpstlichen Werkes für Geistliche Berufe passen, oder ist mein Assoziieren schon so churchiemässig, dass ich bei Berufung automatisch an Priester- und Ordensberufe denke?.
Als anerkannter Kriegsdienstverweigerer, dessen pazifistische Gesinnung noch in den Zeiten des kalten Krieges auf dem behördlichen Prüfstand stand, bin ich wohl die falsche Zielgruppe (auch ein militärisches Vokabular). Die durch die Kampagne der Bundeswehr Angesprochenen sind in der Berufsfindungsphase, aber würden sie von Berufung sprechen und -wenn ja- von oder durch wen? Und wie merkt das der/ die sich berufen Fühlende?
Berufung hat offensichtlich ihre Exklusivität verloren sowohl in Zivilgesellschaft, als auch in Kirche.
Das Gemeinsame aller Berufungen ist das Erfüllen des Auftrags des/ der Berufenden und die Anforderung an den/ die Berufene*n sich ganz in den Dienst nehmen zu lassen.
Die biblischen Berufungs-Vorbilder Moses und Jesus sind sich nicht so schnell sicher und überzeugt: “Doch Mose protestierte erneut: »Aber sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören. Sie werden einwenden: `Der Herr ist dir nicht erschienen!´« (Exodus 4,1) und Jesus wird von seinem Cousin Johannes gebremst: „Doch Johannes weigerte sich. »Eigentlich müsste ich mich von dir taufen lassen«, sagte er, »warum kommst du zu mir?« Der/ die Berufene nimmt den Ruf an, weil er/ sie den Sinn erkennt. „Jesus erwiderte: »Es muss sein. Wir müssen alles so halten, wie es von Gott aus sein soll.” (Matthäus 3)
Berufung ist mehr als die sprachliche Kurzform Beruf, sie ist eher die Entscheidung für eine Lebensweise, sich in einen Dienst nehmen zu lassen – aus Überzeugung.
Bei den biblischen Berufungen ist es Gott, der sich als der ICH-BIN-DA-BEI-EUCH offenbart und der in den Dienst ruft; bei der Bundeswehr letztlich das Volk, dem der Staatsapparat und seine Einrichtungen zu dienen haben. Denn weder Kirche noch Staat sind Selbstzweck.
Die Berufung der Christen ist es sich glaubwürdig und selbstkritisch für Gerechtigkeit und Liebe einzusetzen und für ein gutes Leben für ALLE auf dieser Erde.
Folge Deiner Berufung!
GS 14. Januar 2020

WAGE DEN ANFANG

In dir
schlummern Kräfte
von denen
du nichts
weißt
sie warten
auf dich
deinen Mut
dich zu trauen
vergiss
die Angst
den Feind
deiner Träume
wage den Anfang
vertraue
auf dich
lass dich überraschen
von dir

Peter Schiestl (lebe mutig, Verlag am Eschbach 2013, S.14)

Ich brauche keine Könige, aber die Welt braucht Weg-Weise

Bei seiner Geburt werden auf der nachgetragenen Gästeliste 3 Könige als Überraschungsgäste verzeichnet. Ursprünglich war es eine Gruppe von Magiern “aus dem Osten” vermutlich aus Persien, der Sterndeutung kundige Männer, auf der Suche nach dem “König der Juden”. Ein besonderes Sternbild hatte sie auf dessen Geburt aufmerksam gemacht. Sie versetzen den von der römischen Besatzungsmacht installierten Marionettenkönig Herodes in der jüdischen Hauptstadt Jerusalem in Aufregung, der einen Staatsstreich befürchtet und sich umgehend des Kron-Konkurrentens entledigen will.
Eine 2. Version nennt diese Gruppe Weise aus dem Morgenland, die dem Stern folgen zum Geburtshaus Jesu und ihm Geschenke (Gold, Weihrauch und Myrrhe) machen, die eines Königs der antiken Welt würdig waren, woraus die Leser der Geschichte (ab dem 3. Jahrhundert) schlossen, dass dies nur Könige sein könnten, die einem der ihren die Aufwartung machten. Allerdings ist Myrrhe eine Heilpflanzen und passt eher für einen Heiler, einen „Heiland“ und Weihrauch gehörte schon damals in die Kirche, in den Tempel als Wohlgeruch zur Verehrung der Gottheit, dargebracht von den Priestern. Also ist dieser Neugeborene mehr als ein König, er ist auch Heiler und Priester, nicht legitimiert durch seine Blutlinie oder gar durch Wahl, auch nicht durch erworbene Qualifikation oder weil er einer bestimmten Berufsgruppe entstammt sondern, … – ja wodurch eigentlich? Durch fremde, weise Männer und durch die Verkündigung von Engeln, also göttlichen Boten, letztlich also durch Gott. Das sollte ein Herrscher der damaligen Welt erst mal toppen. Und auch heutige Autokraten und Polit-Clowns können sich damit nicht messen.
Ihre Zahl schwankt zwischen 2 und 4. Wegen der mitgebrachten Geschenke hielt man lange an 3 Königen fest, bis dann im 19. + 20. Jahrhundert ein vierter König auftaucht, der obendrein zu spät nach Bethlehem kommt, aber gerade noch rechtzeitig zum Kreuz auf Golgatha.
Aus den Morgenländern wurden im Mittelalter die Herkunft aus den 3 damals bekannten Kontinenten: Europa, Asien und Afrika, was sich auch in den entsprechenden Darstellungen fand, obendrein in 3 Typen von Mann: Jüngling, Erwachsener und Greis.
Martin Luther verwarf die ganzen Königsspekulationen und übersetzte stattdessen nur „Weise aus dem Morgenland“.
Das Interesse an ihren Knochen war groß und politisch und wirtschaftlich folgenreich: Helena, die Mutter Kaiser Konstantins “fand” sie im 3. Jahrhundert; der Kaiser verschenkte sie an den Bischof von Mailand; Kaiser Friedrich Barbarossa wiederum raubte sie in Mailand und verschenkte sie an den Erzbischof von Köln, um mit diesen Knochen der ersten christlichen Könige seinen Anspruch als christlicher Kaiser -unabhängig vom Papst- zu legitimieren. Die geschäftstüchtigen Kölner schließlich steckten sie in den Dreikönigenschrein, der Köln zum Pilgermagneten machte und daraus resultierender wirtschaftlicher Boom-Town, sodass 1248 dafür ein größerer Dom gebaut werden musste.
Ich brauche keine Könige, aber die Welt braucht weise Männer und Frauen, die die Nöte und Sorgen dieser Welt sehen, die die Zeichen der Zeit deuten und uns aufmerksam machen (demonstrieren), wie diese Welt gerettet werden kann – und die uns den anderen Weg zu unserem Ziel einer gerechten und lebenswerten, friedlichen Welt zeigen und vorangehen. “Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, … zogen sie auf einem anderen Weg heim …”
GS 7. Jan 2020

aus deinem Herzen
der Stern
an den Himmel gehängt –
Könige
verstanden das Zeichen
und machten sich auf –
hinter ihnen
Sicherheit und Zukunft –
Vor ihnen
das Wagnis des Weges
und das Ziel
nur geahnt –

und nachher
spürten sie
ohne den Stern
sind wir weglos

und er wurde ihnen
zum Ziel

Eva-Maria Leiber (Gesegnete Weihnacht, Verlag am Eschbach 2011, S.35)

Zumthor-Kapelle, Mechernich Foto: Rudi Hürtgen

Neujahrssegen

Spende deinen Segen, Gott,
über unsere Welt
und bleib uns treu
in allem, was geschehen kann.
Wir wollen unser Dasein
mit all seinen Sorgen und Freuden
empfangen aus deiner hand.
Und wir erhoffen ein glückliches Leben,
hier und jetzt
und in Ewigkeit.

Huub Oosterhuis (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.74)

Januar – April 2019

Oktober – Dezember 2018

Juli- September 2018

Mai/ Juni 2018

Januar – Ostern 2018


Juli – Dezember 2017

Karneval – Juni 2017

Dezember 2016 – Februar 2017


September – November 2016

Mai – August 2016

Fastenzeit – Pfingsten 2016

Dezember 2015 – Februar 2016


Mai -November 2015

Fastenzeit und Ostern 2015

Januar und Februar 2015


Advent+Weihnachten 2014

August-November 2014

Juni – August 2014

Ostern – Pfingsten 2014

Fastenzeit + Ostern 2014

Januar+Februar 2014


Oktober – Dezember 2013

Juli – September 2013

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Karfreitag – Pfingsten 2013

Januar- April 2013 

Oktober bis Dezember 2012

Ein anderes Vater Unser
Im Nachgang zur Sommerschule mit sambischen und deutschen Studenten, bei der unter anderem das Thema “Globalisierung und privater Konsum” diskutiert wurde
Hagen Rether – Vater Unser

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Advent+Weihnachten 2014

Weihnachten Folge dem Stern traue deiner Intuition die dich entschiedener werden lässt Folge dem Stern der dich zusammenführt mit anderen die die Menschenfreundlichkeit Gottes in allen Dimensionen des Lebens suchen Folge dem Stern der deine dunklen Seiten erhellt im wohlwollenden Blick der Verwandlung Folge dem Stern der Menschen verschiedener Kulturen zur Begegnung beim Essen und …

Fastenzeit und Ostern 2014

Auferstehung Welchen Sinn Hätte die Auferstehung Wenn alles so weiterginge Wenn wir nicht auferstehen Uns weiter ducken Unsere Kraft verstecken Unsere Würde Und die der anderen Welchen Sinn hätte sie Wenn wir nicht aufstehen Stolz, mit geradem Rücken Und erhobenem Kopf Ja sagen und nein Zu gegebener Zeit Für uns sorgen Wie für die anderen …

Fastenzeit und Ostern 2015

Ostern 2015 gott du neubeginn ohne ende du quelle des vertrauens und der versöhnung segne uns mit neuen gedanken und worten die menschen aufhorchen lassen mit neuen gesten und taten die unserer lebendigkeit raum geben segne uns mit träumen und hoffnungen und der bereitschaft zu verzeihen ohne die wir vom gestern nicht loskommen segne uns …

Januar- April 2013

 Wir haben durch Christus so großes Vertrauen zu Gott. 2 Korinther 3,4  Gott meint es gut mit uns. Immer. Darauf können wir uns verlassen. In jeder Lebenslage. Das ist der Kern der Botschaft Jesu. Seine guten Nachrichten von Gott malt er in Geschichten aus und macht sie spürbar und erfahrbar – besonders in seiner kraftvollen …

Januar- Ostern 2018

Aufstand für das Leben – Ostern Obwohl die Namen in den unterschiedlichen Kulturen und Religionen Europas und anderer Klimazonen verschieden sind feiern wir in diesen Tagen weltweit das Wiedererwachen der Natur und die Fruchtbarkeit: Nouruz ist das Frühlingsfest der Perser, Kurden und der Turkvölker Zentralasiens, das chinesische Neujahrsfest., das indische Frühlingsfest Holi, das albanische Fest …

Januar-Februar 2014

Brandsätze! Prügel! Tränengas! – Friedensgebet für Kiew Erneut Ausschreitungen in Kiew, gewaltbereite Demonstranten und ukrainische Sicherheitskräfte gehen in der Nacht zu Dienstag aufeinander los. Brandsätze fliegen. Und Steine. Die Lage wird immer explosiver – und dann sinkt im nächtlichen Kiew mitten auf der Straße ein Mann auf die Knie, liest aus der Bibel. Was mag …

Januar-Februar 2015

… und Jesus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. … (MK 1,31) als ich diesen Satz am Sonntag im Markus-Evangelium hörte, gingen mir die “Handreichungen” oder auch “Nichthandreichungen” der letzten Tage durch den Kopf. Insbesondere die Krisenbegegnungen von Merkel/ Hollande mit Putin. Beim ersten Treffen war anschließend das Händereichen …

Juli – Dezember 2017

Das ist Weihnachten “… Friede auf Erden ist eine Utopie. Die Lieder, die davon handeln, halten den Glauben an eine radikale Alternative fest. Das Leben würde depressiv ohne diese Widerstandslieder. Und wenn sie einen verstören, weil die Wirklichkeit so entsetzlich anders ist, haben sie Erfolg. Denn nur Menschen, die sich stören lassen und etwas vermissen, …

Juli – September 2013

ICH HABE EINEN TRAUM eine Erinnerung an den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King Für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern: Martin Luther King während seiner berühmten Rede vor 50 Jahren | © AFP/dpa Am Mittwoch, 28.August 1963 hält der scharze Baptistenpfarrer Martin Luther King vor 250000 Menschen am Lincoln-Memorial in Washington seine berühmte Rede …

Juni – August 2014

and no religion too? In den kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Tage und vor allem im arabischen Raum und im Nahen Osten ist immer wieder die Rede davon sie seien religiös motiviert. Religion wird verstanden als Weltanschauungssystem, das menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägt und Wertvorstellungen normativ beeinflusst. John Lennon, ein sehr spiritueller Friedensaktivist, wäre verkannt …

Karfreitag – Pfingsten 2013

PSALM Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit. Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich. Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich. Was macht, dass ich so …

Mai – November 2015

Am 3. November, 10 Tage vor den Pariser Anschläge hatte ich unter dem Thema Der Hass und was folgt über den sich ausbreitenden Hass in unserer Gesellschaft und die Folgen gepostet. Wir sollten den Hass  unsere Werte Willkommen, Solidarität, Nächstenliebe leben. Nach den schrecklichen Attentaten in Beirut, Paris und Nigeria hat die französische Bischofskonferenz in …

Oktober bis Dezember 2013

Du bist ein Kind GOTTES! Unsere tiefste Angst ist nicht, daß wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, daß wir grenzenlos machtvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin ich denn um brilliant, wunderschön, talentiert und fantastisch zu sein? Eigentlich, wer bist du um dies nicht …

Ostern – Pfingsten 2014

NachGedachtes – Zeugen gesucht Der Anspruch: “Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!” (1 Petrus 3, 15b) Das Bauchgefühl: “Puh, das jetzt, bei dieser kirchlichen Großwetterlage, mit all den Skandalen und Skandälchen sich outen: Ja, ich bin katholisch!”? Der Kopf: “Worum geht’s denn bei diesem …

Pfingsten bis Semesterschluss 2013

Kath.net: Originell: Weltweit erster Automat für Rosenkränze Wenn et bedde sich lohne däät – BAP live im Rockpalast Wenn et Bedde sich lohne däät Refr.: Wenn et Bedde sich lohne däät, wat meinste wohl, wat ich dann bedde däät, bedde däät. 1) Ohne Prioritäte, einfach su wie et köhm, fing ich ahn, nit bei Adam …

Unterbrechung-Mittendrin – Fastenzeit-Pfingsten 2016

Eine Bewegung kann die Welt verändern Pfingsten, wo so viel vom Geist die Rede ist, der die Kirche antreibt, der Veränderung bewirkt, …haben mich 2 Facebookposts nachhaltig beeindruckt: Konstantin Wecker, der bekannte Liedermacher, dessen Verdichtungen des Weltgeschehens mich immer wieder inspirieren, schreibt im Nachgang zum Eurovision Song Contest: “Vielleicht waren ja bei dem gestrigen paneuropäischen …

Unterbrechung-Mittendrin – Mai-August 2016

TIEF DURCHATMEN Manchmal fehlt mir buchstäblich die Luft zum Atmen: … wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle, wenn etwas Unvorhergesehenes meine Pläne stört, wenn ich mich als Opfer ungerechter Verhältnisse und Strukturen fühle, wenn mir die Ideen fehlen, wenn es mal wieder nicht so rund läuft, wenn ich mal wieder kleinlich werde, wenn es …

Unterbrechung-Mittendrin August-November 2014

Nachgedanken zum  Christkönigfest (23.November) … Die spannende Frage bleibt: Was mache ich aus einer solchen Zusage, dass Gott mir seine Würde schenkt? Ist die Art und Weise, wie ich lebe, einer solchen Würde würdig? Lebe ich als Tochter/ Sohn dieses Gottes, als Tochter/ Sohn des Königs, der das Leben will? Sind wir Königstöchter und Königssöhne? …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2015 – Februar 2016

Um Gelassenheit, Einsicht, Mut und Glauben Ich bitte um Gelassenheit, wenn meine Vorstellungen nicht berücksichtigt, meine Pläne nicht eingehalten, meine Wünsche nicht befriedigt, meine Vorschläge nicht ernst genommen werden. Ich bitte um die Einsicht, dass Stürme notwendig sind, Fehler neue Möglichkeiten eröffnen, Widerstand zum Denken anregt, in Krisen eine Chance liegt, Sanftmut weiter führt als …

Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2016 – Februar 2017

Auch das noch! Der so getitelte Beitrag der Unterbrechung-Mittendrin vom 28. April 2015 ist seit Beginn dieses Jahres über 300 Mal angeklickt worden. Dieser Beitrag wurde verfasst angesichts des Erdbebens in Nepal Mitte April 2015 und bis Dezember 2016 300mal besucht. Ich habe mich gefragt, woher diese plötzliche Nachfrage  seit Januar nach diesem Impuls-Beitrag kommt …

Unterbrechung-Mittendrin Januar-April 2019

Don’t be a MAYBE, war der Slogan einer inzwischen verbotenen Zigarettenwerbung.Er griff die Etikettierung einer ganzen Generation auf , die der Journalist Autor Oliver Jeges quasi in einer Selbstdefinition als Generation ohne Eigenschaften, ohne Profil – zwar gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut zu Entscheidungen bezeichnet. Sie kommen nicht mit der ihnen gebotenen “Anything …

Unterbrechung-Mittendrin Juli- September 2018

Welt anschauen Die Auseinandersetzungen um die Rodungen im Hambacher Forst bei Düren haben mir wieder mal deutlich gemacht, dass zivilgesellschaftliches und politisches Handeln mit meiner Sicht auf unsere Gesellschaft und unsere Welt zu tun hat. Welche Werte bestimmen mein Leben und Handeln, welche Perspektiven sehe ich für unsere Um- und Mitwelt, meine Zukunft, für diese …

Unterbrechung-Mittendrin Karneval – Juni 2017

Hör auf zu jammern! – Get over it Es gibt immer einen Anlass zu stöhnen und jammern. Mal ist es das Wetter, das nie so ist wie es sein sollte, mal das Zipperlein hier oder da, das mich plagt, mal die Reaktion von der da oder die Welt an sich und die Politik im Besonderen. …

Unterbrechung-Mittendrin Mai – August 2019

CRISIS? – What Crisis? Anflug von Retro-Romantik anlässlich 50 Jahre Woodstock-Festival. Meine Schallplattensammlung aus den 70ern durchgeschaut. Neben anderen lange nicht gehörten Schätzchen, das Album der britischen Rockgruppe SUPERTRAMP von 1975 mit dem Titel CRISIS? WHAT CRISIS? wiederentdeckt. Aufgenommen unter dem Eindruck der 1. Ölkrise. Diese demonstrierte die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie, insbesondere …

Unterbrechung-Mittendrin Mai/ Juni 2018

Sorgenfrei “Ich zähle täglich meine Sorgen …” war ein Schlager aus der gleichnamigen deutschen Filmkomödie (1960) mit Peter Alexander. Ein typischer heile-wirtschaftswunder-welt Film.Ähnlich belanglos, da nicht existenziell, ist mein tägliches Sorgen: was koche ich heute abend, was ziehe ich heute an, erreiche ich meinen Zug pünktlich, haben wir noch genug zu trinken für das Fußballspiel, …

Unterbrechung-Mittendrin Oktober – Dezember 2018

Alle Jahre wieder die Weihnachts-Botschaft , die Sehnsucht vom Frieden auf Erden,  von peace on earth:»Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.« (Lukas 2,14)Zuwendung aus Liebe schafft Frieden und gibt Hoffnung, dass die Welt eine Frieden-Zukunft hat.Und wie alle Jahre wieder scheinen wir …

Unterbrechung-Mittendrin September – Dezember 2019

… und auf Erden ist Frieden bei den Menschen! Die für menschliches Zusammenleben wichtigste Grundbedingung wirkt in der Weihnachtsbotschaft des Lukas-Evangeliums wie ein Anhängsel zum „Verherrlicht ist Gott in der Höhe…“ Die Verbindung stellt dieser Jesus dar. Seine Geburt verherrlicht Gott, lässt seine Größe erscheinen und bewirkt Frieden den Menschen. Aber entspricht dies wirklich unserer …

Unterbrechung-Mittendrin September-November 2016

Ich fühl mich leer und verbraucht, alles tut weh … Dieser Schnipsel aus einem Songtext von Herbert Grönemeyer (genial präsentiert bei einem Live-Konzert in der Arena auf Schalke), völlig aus dem Zusammenhang gelöst, drückt mein Lebensgefühl in dieser Woche am Ende des Novembers und kurz vor dem adventlichen Lichtermonat Dezember aus. Die sonnigen Momente sind …

Unterbrechungen Okt – Dez 2012

Zu Weihnachten: Gott fragt den Menschen: Wie geht es dir? Und um es genau zu sehen, kam er persönlich vom Himmel herunter, dorthin, wo der Mensch ist. Er sah es und sagt: Ich bleibe da, ich werde wie du, ich werde Mensch. Ich gehe mit dir – bis in den Tod, und durch den Tod …

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