Juli – September 2013

ICH HABE EINEN TRAUM

eine Erinnerung an den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King

Für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern: Martin Luther King während seiner berühmten Rede vor 50 Jahren  |  © AFP/dpa
Für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern: Martin Luther King während seiner berühmten Rede vor 50 Jahren | © AFP/dpa

Am Mittwoch, 28.August 1963 hält der scharze Baptistenpfarrer Martin Luther King vor 250000 Menschen am Lincoln-Memorial in Washington seine berühmte Rede mit seinem Traum für die Rechte von 23 Millionen schwarzen Amerikanern:
… “Heute sage ich, meine Freunde: Trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum.” …”Ich habe einen Traum”, ruft er der Menge zu, “dass sich eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia am Tisch der Brüderlichkeit gemeinsam niedersetzen können. […] Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.”
Der Beifall, der über den weiten Platz rauscht, klingt, als habe er nicht von einem Traum gesprochen, sondern schon verkündet, dass er wahr geworden sei. Das Ziel scheint zum Greifen nah. Und noch keiner ahnt, welch brutale Gegengewalt schon wenig später über das Land hereinbrechen wird. “Free at last”, endlich frei, beendet King, einen alten Gospelgesang zitierend, seine Ansprache: “Allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!”
Als im August 1963 eine Viertelmillion Menschen nach Washington pilgern und Martin Luther King von seinem Traum spricht, ist dies der Höhepunkt eines dramatischen Jahres. Wenige Monate zuvor hat King in der Industriestadt Birmingham in Alabama durchgesetzt, dass die Schilder “White” und “Colored” aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Die Gegenwehr der Weißen war so brutal wie nie. Aus dem Gefängnis schrieb King, auf Zeitungsrändern und Toilettenpapier ins Freie geschmuggelt, seinen berühmten Birmingham Letter an alle, die ihn zur Mäßigung ermahnten: “Die Frage ist nicht, ob wir Extremisten sein wollen, sondern vielmehr, Extremisten welcher Art. Wollen wir Extremisten des Hasses sein oder Extremisten der Liebe?” Die Extremisten des Hasses richteten unterdessen ihre Hochdruck-Wasserschläuche gegen Grundschulkinder, hetzten ihre Hunde in die Menge und pferchten Tausende in Gefängniszellen. Der Hass trug Uniform. Vor aller Augen setzte er sich prügelnd, tretend, brüllend ins Unrecht. Die Bilder gingen um die Welt. King hatte gesiegt.

Die Gewalt aber hört deshalb nicht auf. Im Gegenteil: Das Schlüsseljahr des Bürgerrechtsprotests 1963 mündet nach dem Sommer des Traums in einen “autumn of horrors” , einen Herbst der Schrecken. Er beginnt am 15. September, als eine Bombe des Ku-Klux-Klans in einer Kirche in Birmingham vier schwarze Mädchen in den Tod reißt. Er endet mit dem 22. November: An diesem Tag töten in Texas zwei Gewehrschüsse Präsident John F. Kennedy. “Ich glaube nicht, dass ich diese Revolution überleben werde”, sagt Martin Luther King zu seiner Frau, als ihn diese Hiobsbotschaft erreicht. …
Martin Luther King, so scheint es nicht wenigen, ist zu einer Gefahr für Amerika geworden.

Der Schuss des Attentäters trifft ihn direkt in den Hals. Auf dem Balkon des Lorraine Motel in Memphis bricht King am Abend des 4. April 1968 vor den Augen seiner Freunde zusammen. Kurz darauf ist er tot. Der Schütze wird gefasst; ob es Hintermänner gab, bleibt unklar. Why? The King of Love is dead, singt wenige Tage später eine erschütterte Nina Simone. In mehr als hundert Städten brechen gewaltsame Unruhen aus. “Dort kommt ja dieser Träumer. Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn […]. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird.” Dieses Bibelzitat steht heute auf einer Gedenktafel an dem ehemaligen Motel in Memphis.
zusammengestellt aus Die Zeit No.35 – 22.August 2013, S.15

 

Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist. Kohelet/Prediger

Gewürzstand auf der Ile de Ré (Frankreich) Foto: Guido Schürenberg

Mit jedem Atemzug will ich Dir
danken für
das Leben
die Schöpfung
die Begegnungen

Mit jedem Atemzug will ich mir
bewusst werden
wie das Wesentliche im Leben
ein Geschenk ist:
meine Willenskraft
mein Hoffnungsfaden
meine Liebe zu Tier und Mensch
meine Entfaltungsmöglichkeiten

Mit jedem Atemzug will ich das
Verbindende spüren:
mit allen Menschen guten Willens
mit der Vielfalt aller das Leben
bejahenden Kulturen
mit Dir
Gott, Du Quelle aller
Beziehungen

Pierre Stutz (Einfach leben, Verlag am Eschbach 22004, Blatt 35)

 

KLEINE LEBENSMAXIME

im grünen* strom des lebens
haltung finden
haltung bewahren
inne
halten können
für den nächsten schritt
vorbereitet sein
innerlich und
äußerlich

© manfred langner, aachen

(* Für die hl. Hildegard von Bingen 1098-1179, Benediktinerin, Kirchenlehrerin, ist Grün eine göttliche Farbe. Sie spricht sogar von der “Grünkraft Gottes”)

 

Jakub Both

Gott hat die Welt
nach dem Urbild des Schönen geschaffen.
Jede seiner Kreaturen
ob nun eine Landschaft, eine Rose
oder auch ein menscchliches Gesicht,
sie alle sind Abbild einer ursprünglichen Idee
des Schönen vor der Zeit.

Schönheit bedarf des Betrachters,
um sich zu entfalten.
Schönheit ist überall zu finden
in der Landschaft
in der Kunst
und vor allem in menschlichen Beziehungen.
Schön ist das, was der Natur gemäß ist,
die dunklen und die hellen Seiten des Lebens

aus: John O’Donohue, Vom Reichtum des Lebens

gefunden im Uniklinikum Aachen

Stoßgebet in Prüfungszeiten

Foto: Christian Pester

ich bin nervös
Gott, o Gott,
ich bin ganz aufgedreht, nervös,
alles ist so viel, so bunt, so aufregend.
Gib mir Richtung,
sei meine Ruhe,
meine Kraft!

Dietmar Thönnes

 

Dietmar Thönnes, Momentmal. Kurzgebete. (c) 2006 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer

 

Es ist ein Klagen in der Welt

Und täglich die Nachrichten von Menschen, die mit gewaltfreien Aktionen gegen Unrechtsregime protestieren an symbolträchtigen Orten wie dem Gezi-Park in Istanbul und dem Tahrirplatz in Ägypten und immer wieder die Antwort der Gewalt unter dem Mantel des Rechts. Willkürliche Verhaftungen, Gummigeschosse, brutale Schläge, Wasserwerfer, Gas, Vergewaltigungen, monatelange Haft, Folter, …
Dies alles gegen Menschen, die “nur” frei leben wollen.

Arabische Mädchen mit Sticker auf dem Gesichtschleier mit dem Slogan "Nein - keine Militärversuche an Zivilisten" während der Proteste in Kairo auf dem Tahrir-Platz. Foto: AP Photo/Amr Nabil

Es ist ein Klagen in der Welt.
Hörst du das Stöhnen?
Zittern die Saiten mit?
Erheben sich die Flügel der Herzen?
Horch: der Gesang schwillt an.
Die Stimmen klagen im Chor.
Sie dringen bis an die Grenzen des Leids.
Sie erflehen die große Wandlung.

Wolfgang Dietrich (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.78)

Vor 2000 Jahren ist einer aufgestanden und hat seine Botschaft verkündet:
“Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben!” (Johannes 10,10)

All denen,die das Leben suchen und dabei so viel Leid erleben:

Der unbegreifliche Gott
erfülle dein Leben
mit seiner Kraft,
dass du entbehren kannst,
ohne hart zu werden,
dass du leiden kannst,
ohne zu zerbrechen,
dass du Niederlagen hinnehmen kannst,
ohne dich aufzugeben,
dass du schuldig werden kannst,
ohne dich zu verachten,
dass du mit Unbeantwortbarem leben kannst,
ohne die Hoffnung preiszugeben.

Antje Sabine Naegeli (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.80)

 

In Solidarität mit den Demonstranten für Frieden und Freiheit in der Türkei und in Ägypten, und den unter Bürgerkrieg Leidenden in vielen Ländern dieser Erde …
… hin und hergerissen zwischen den Botschaften Jesu:
„Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,39)
„Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26,52)

Wiederkäuer

Frau in Istanbul Foto: stern.de

Im Übersättigten Hungerjahrhundert
Kau ich die Legende Frieden und werde nicht satt
Kann nicht verdauen die Kriege
sie liegen mir wie Steine im Magen
Grabsteine
Der Frieden liegt mir am Herzen
ich kaue kaue das wiederholte Wort
und werde nicht satt
Rose Ausländer

Der Einstieg, der Ausstieg
Gott, der Du einstiegst in die Miseren der Welt,
der Du ausstiegst aus dem Zirkel von Verblendung, Gewalt und Zerstörung:
erleuchte uns, bevor wir zerstrahlt sind!
Erbarme Dich, damit die Erde und wir und die nach uns
nicht unwiderruflich eigener Gier und Erbarmungslosigkeit zum Opfer fallen.
Unbeirrbarer, stecke uns an mit Deiner Leidenschaft für das Leben.
Kurt Marti

 

Ermutigung zum Aushalten

Aachen: Prozess gegen zwei Containerer, die gegen Lebensmittelvernichtung eintreten. Vorwurf: Unberechtigtes Eindringen auf das Gelände eines Supermarktes und Diebstahl “abgelaufener” Lebensmittel aus einem Müllcontainer.

Sie stehen in einer biblisch, prophetischen Tradition:
Amos 8,4-11     Amos war ein Vieh- und Maulbeerfeigenbaumzüchter. Seine Predigten kritisieren besonders das Verhalten von Großgrundbesitzern gegen abhängig arbeitende Arme. Meistens waren die Predigten gegen Verschwendung, Betrug, Heuchelei, Bestechung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegenüber den Armen gerichtet.

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt.

 hr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen.
Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld.
Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.1
 Sollte deshalb die Erde nicht beben, sollten nicht alle ihre Bewohner voll Trauer sein? Sollte nicht die ganze Erde sich heben wie der Nil: [aufgewühlt sein] und sich wieder senken wie der Strom von Ägypten?
An jenem Tag – Spruch Gottes, des Herrn – lasse ich am Mittag die Sonne untergehen und breite am helllichten Tag über die Erde Finsternis aus.
Ich verwandle eure Feste in Trauer und all eure Lieder in Totenklage. Ich lege allen ein Trauergewand um und schere alle Köpfe kahl. Ich bringe Trauer über das Land wie die Trauer um den einzigen Sohn und das Ende wird sein wie der bittere Tag (des Todes).
Seht, es kommen Tage – Spruch Gottes, des Herrn -, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn.
 … und hinterfragen mit ihrer Aktion unser Konsumverhalten, das zur Lebensmittelvernichtung im großen Stil führt, während Menschen überall auf der Welt täglich von Unterernährung und Hunger bedroht sind!
Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit und nach Rückzug der Anzeige eingestellt (siehe Bericht der AN).
Der Skandal der Lebensmittelvernichtung bleibt!

 

Ermutigung zum

Aushalten

Wenn die Ungerechtigkeiten der Welt
dir keine Ruhe lassen,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich voller Tatendrang
an die Seite der Armen zu stellen.

Wenn du zwar kleine Hoffnungszeichen erkennst,
aber das Leid der Welt noch immer so groß ist,
dann wünsche ich dir den Mut,
diese Spannung auszuhalten.

Wenn du ungeduldig wirst
und verzweifelst,
wenn sich trotz aller Mühen
zu wenig bewegen lässt,
dann wünsche ich dir den Mut,
voll Gottvertrauen und Hingabe weiterzumachen.

Angela Lohausen
in MISEREOR, Liturgische Bausteine 2012

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