Unterbrechung-Mittendrin Januar – März 2020

Verbindlich-verbindende Zusage

Der Blick auf unseren Eßzimmertisch offenbart mir klare Zusagen; hilfreich gerade in Zeiten von Verunsicherung, Angst und Desinformation.

Woran kann ich mich halten, was oder wer gibt mir Orientierung und Sicherheit. Zusagen, denen ich trauen kann, auf die ich mich verlassen möchte.
Allerdings gibt es einen Unterschied. Die digitale Filiale der Sparkasse (bei der ich gar kein Konto habe) braucht für die Erreichbarkeit ein internetfähiges Kommunikationsmedium und ein stabiles und überall verfügbares Netz.
Gott erreiche ich im Gebet und im Glauben, ganz ohne Technik, kann ich sein DaSein manchmal auch spüren.

Auf die Frage des Mose, wer er denn sei antwortet Gott.
»Ich bin da«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: ›Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt< (2.Mose 3,14)

Zusage, die mich hoffen lässt – nicht nur in Krisenzeiten

GS 31. März 2020

Still connected – Gib Frieden!

Seit einer Woche arbeite ich im Homeoffice, da ich zur sogenannten Risikogruppe gehöre.
Erst fehlte mir nichts, nur die Verführung mal einen Extrakaffee zu kochen oder einen Gang durch den Garten zu machen, hatten schon was von Procrastination. Der Blick über den Laptoprand auf das eher unbelebte Wohnumfeld draußen und die Bemühungen der Nachbarn mit Balkon- und Terassengestaltungen den Spiel- sprich Wohnraum zu vergrößern, verstärken das Gefühl von eingesperrt sein.
Social distancing ist spürbar und auch die tägliche Facetime mit den Kindern und Enkeln ersetzt den physischen Kontakt nicht. Im Gegenteil, ich vermisse jetzt schon die wirklichen Begegnungen.
Still connected sollte eigentlich Christen alltagtägliche Spiritualität sein: Gebet verbindet die Betenden und mit Gott. So ist der Aufruf von Papst Franziskus für Mittwoch 12 Uhr weltweit das Vater unser zu beten ein Aufruf, das alle Christen sich im Gebet für die Welt vereinen. Ähnliche Initiativen finden sich in diesen Krisenzeiten in allen Religionen und Weltanschauungen.
Die Pandemie lässt uns trotz physischer Trennung geistlich zusammenrücken. Diese Nähe ist uns (noch) ungewohnt, aber sie kann mir zur lieben Gewohnheit werden das Gebet für die Welt wieder neu zu entdecken. Ausdruck der Achtsamkeit für die Menschen weltweit und nicht nur in Zeiten der Pandemie.
Hermann van Veen hat dies mal vor einigen Jahren in seinem Lied Kyrie eleison ausgedrückt (leider nur in der niederländischen Fassung verfügbar).
Herr, erbarme Dich unser aller in der einen Welt
GS 24. März 2020

Für den Bäcker, der den Ofen nicht mehr anmacht
für die Bauern, deren Pflüge stehn
für den Maurer, der die Kelle hinlegt
für die Hirten, die nicht mehr weitergehn
Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten
für den Priester, der sein Gebet vergisst
für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte
und für den Richter, dem nicht zu helfen ist
Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,
für den Opa, der schon vergessen ist
für die Ängste und schlaflosen Nächte
für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen
für die Liebste, die für immer geht
für all das sinnlose Leid hier auf Erden
für unsre Seele, die zum Teufel geht
Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder
soviel Unschuld und Leben zerstört
für die politischen Herrscher
durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte
für unsre Lügen und unsren schlechten Stil
für das Paradies, das wir verloren
für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten
für Präsidenten und Inspekteure
für Adjudanten und Kommandanten
für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten
und Händler mit großem Gewinn
durch Hormone, Drogen und Waffen
für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen
und für die Bauern in unsrer Näh’
für’s Zigeunervolk an den Strassen
für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker
für den Schmied und für den Zimmermann
für das Kerlchen hinterm Schalter
für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes
für den Schatz von dem toten Soldat
für das Mädchen, das keinen abkriegt
für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen
für diejenigen, die ich hier vergaß
ohne Frieden kann keiner leben
ob reicher Knacker oder armes Aas

Read more: https://muzikum.eu/en/123-85-27166/herman-van-veen/kyrie-eleison-deutsch-lyrics.html#ixzz6HbKaGYGP

Hin und Her gerissen – Gib Frieden!

Der israelische Gruß “Schalom bedeutet zunächst Unversehrtheit und Heil. Doch mit dem Begriff ist nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe.” (Wikipedia)
In diesen Tagen sehen wir uns von mindestens drei großen weltweiten Krisen herausgefordert: Der Klimakrise, der Flüchtlingskrise und der Coronakrise.
Krise kommt vom griechischen krino, was “sich entscheiden” meint.
Wie sollen wir uns verhalten, wo Prioritäten des Handelns setzen, woher Kraft und Sicherheit nehmen?
Die Soziologen benennen die 3 F als menschliche Reaktionstypen auf Krisen: fight, flight, freeze – kämpfen, fliehen, verdrängen.
Angesichts der derzeitigen dreifachen Krisenzeit bin ich versucht nicht wahrzunehmen, zu verdrängen, den Kopf in den Sand zu stecken und ich weiß so geht es vielen. Fliehen kann ich nicht – wohin auch? Zum Kämpfen brauche ich zumindest eine Hoffnung, dass der Kampf nicht umsonst geführt wird.
Schalom, was wir so unzulänglich mit Frieden übersetzen, kann ein solches Ziel sein, für das es zu kämpfen, sich einzusetzen lohnt. Denn Schalom ist nicht beschränkt auf mich und meinen Nahbereich, sondern ist weltweit gemeint, wie das Buon Vivir aus der Tradition der indigenen Völker, dem Guten Leben für Alle auf diesem Planeten, wie es von den Vereinten Nationen als Millenium Goal ausgerufen wurde.
Es bleibt die Frage, wo anfangen? Am besten da, wo meine Möglichkeiten liegen, wo ich Ideen habe, die ich mit anderen umsetzen kann zum Wohle aller *.
Und woher Kraft und Sicherheit nehmen?
Trotz social distancing weiß ich mich verbunden und getragen von Menschen, die mit mir diese Krisenzeiten durchleben und die mit mir kämpfen wollen.
Und letztlich vertraue ich auf die Zusage Gottes, der sich selbst als „Ich bin da bei Euch“ bezeichnet hat (2 Moses 3)
Das gibt mir Hoffnung – gerade in Krisenzeiten
GS 17. März 2020

*Wie’s geht haben einige Studierende des KHG-Wohnheimes Hermannstrasse und ihre Freund*innen vorgemacht mit ihrer Initiative Öcher Einkaufsdienst

Let it be – Gib Frieden!

Vor 50 Jahren, am 6. März 1970 erschien der Erfolgshit der Beatles “Let it be”. Paul Mc Cartney brachte damit den im gleichnamigen Film sichtbaren Zerfall der Band in den Songtext und drückte damit auch die von allen Bandmitgliedern empfundene Hilflosigkeit angesichts der verfahrenen Beziehungssituation zum Ausdruck.
Das namengebende Idiom ist vieldeutig: Lass es geschehn, manchmal auch übersetzt mit nimms Dir nicht so zu Herzen.
Nun mag dieser weise Rat seiner verstorbenen Mutter Mary in Zeiten, „when I found myself in trouble” hilfreich und tröstend sein, aber er stabilisiert auch die Krise.

Krisen- und Konfliktsituationen auch im weltweiten Ausmaß brauchen Weisheiten und Visionen zur Handlungsorientierung und Menschen, die den Mut haben notwendende Veränderungsprozesse zu gestalten. Die Endsechziger und beginnenden Siebziger Jahre des 20ten Jahrhunderts waren Kriegs- und Umbruchzeiten, weltweit mit heißen Konflikten im Systemischen Kalten Krieg der Blockmächte. Emanzipations- und Revolutionsbewegungen nahmen Einfluss auf Gesellschaft und Politik. Religionen und Philosophien sollten Antworten und Visionen auf die großen Fragen der Menschheit geben und so Wege aufzeigen für ein friedliches Miteinander in dieser Welt. Dazu passte die Friedensvision des Ex-Beatles John Lennon von 1971 “Imagine”, das bis heute zu den besten Rock-Balladen der Welt zählt.

Dem ” lass es zu” wurde die Friedensvision “stell Dir vor” entgegengehalten, die Hymne einer weltweiten, jugendlichen Friedensbewegung. Diese Friedenssehnsucht, basierend auf Gerechtigkeit und Liebe als christlichen Grundwerten versuchte auch der Priester, Dichter und Politiker Ernesto Cardenal (im Alter von 95 Jahren am 1. März 2020 gestorben) in einer christlichen Kommune in Nicaragua vor 50 Jahren lebbar zu machen. Ein Weg das Reich Gottes zu realisieren.

Um dieses Gottes Reich der Gerechtigkeit der Liebe und des Friedens beten Christen auf der ganzen Welt täglich: Dein Reich komme. Dieser Vater-Unser-Bitte ist wie eine Bedingung nachgestellt “Dein Wille geschehe”. “

Let it be – lass es geschehen” könnte unsere Bereitschaft zur Verwirklichung des Reiches Gottes der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ausdrücken.

GS 10. März 2020

Ermutigung zur
Liebe

Wenn du dich selbst kaum noch spürst
und du duch unfähig oder überflüssig fühlst,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich selbst anzunehmen,
so wie du bist.

Wenn dich die Bedürfnisse deiner Mitmenschen
überfordern
und du nicht weißt,
wie dein eigener Beitrag aussehen könnte,
dann wünsche ich dir den Mut,
deine Formen
von Solidarität und Nächstenliebe zu entdecken.

Wenn Gott in deinem Leben kaum noch vorkommt
und du befürchtest, dass er dich vergessen hat,
dann wünsche ich dir den Mut,
einen Neuanfang zu wagen
und ihm dein Herz zu schenken.

Angela Lohausen – Früh-/Spätschichtreihe zur MISEREOR-Fastenaktion 2012

Gelähmt – Gib Frieden!

Die täglichen News präsentieren ein fast schon chaotisch wirkendes Bild der Welt mit unterschiedlichen Herausforderungen an die Menschheit, deren Bearbeitung in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sich gegenseitig lahm zu legen scheinen. Unterschiedliche nationale, aber auch partikulare Interessen verhindern Lösungen und auch der nicht oder nur rudimentär vorhandene Wertekonsens einer globalen Gesellschaft verhindert die Priorisierung von gemeinsamen Maßnahmen.
Die Folge dieser Lähmung ist deutlich spürbar in der zu zögerlichen und teils verhindernden Umsetzung der globalen Klimaziele, der sich erneut abzeichnenden (europäischen) Flüchtlingskrise, der Pandemie ausgelöst durch den Coronavirus und einer sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise …
Da wirkt die Aufforderung GIB FRIEDEN! schon fast surreal, auch wenn sie “nur” Headline der diesjährigen Fastenaktion des Hilfswerkes MISEREOR ist.
“Jetzt gib endlich Frieden!” hört sich wie die genervte Reaktion gestresster Eltern auf ihre quengelnden Kinder an. Aber es könnte auch ein Kurzgebet, ein Hilferuf zu Gott sein:
Gib Frieden! Weil wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind und Du Dich als der immer Da Seiende und Mitgehende Gott dem Moses vorgestellt hast (2.Mose 3,14)
Dieser Hilferuf entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung für unsere Mitwelt und deren Zukunft. GIB FRIEDEN! ist auch eine Aufforderung an uns aus der Lähmung herauszugehen, unsere Einstellungen zu überprüfen und entsprechend unseren wirklichen Möglichkeiten am weltweiten Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und den Erhalt unserer Mitwelt mitzuwirken.
Lasst uns diese Fastenzeit nutzen damit anzufangen.
GS 3. März 2020

Gebet der Nein-Sager

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was lähmt
zu allem, was krank und depressiv macht.
Gib mir
Kraft
mein Gott
dass ich nein sage
zu allem, was blind macht
zu allem, was die Sprache verschlägt

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was zerstört
zu allem, was Angst macht
Gib mir
Kraft
mein Gott
daß ich nein sage
zu allem, was trennt
zu allem, was schwächt

Nein
möchte ich sagen mit Dir
mein Gott
zu allem, was blendet
zu allem, was knechtet
Gib mir
Kraft
mein Gott
dass ich nein sage
zu allem, was tödlich ist
zu allem, was verwundet

Übersetze
mein Gott
Dein Nein in die Sprache meiner Tat
und
lass durch dieses Nein
Dein Ja hörbar werden
mir und aller Welt

Anton Rotzetter, Gott der mich Atmen lässt, Herder 1985 S.71f

Foto: Thomas Richter-Alender

Verzicht

steht auf der Agenda der heute mit dem Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit. Entsprechend sind die Fastenaktionen der kirchlichen Hilfswerke und Organisationen ausgerichtet: “Sieben Wochen ohne”, Auto-Fasten, Handy-Fasten, Plastik-fasten, …
Ziel ist immer die Fastenzeit als Anlass zum Umdenken, zur Neuausrichtung meines Lebensstils zu nutzen, zur Orientierung an den Werten der Bergpredigt: Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Verzicht aus Verantwortung für ein “Gutes Leben” für alle auf diesem Planeten ist angesichts des rasanten Klimawandels notwendiger denn je und wir in den reichen Ländern Westens sind als erste gefordert
GS 26. Februar 2020

Wir haben satt
Dieser Ausdruck könnte unsere Rundumzufriedenheit ausdrücken. Materiell versorgt, in Frieden leben, eine Berufsperspektive bzw .eine gute Arbeitsstelle zu haben, in einer liebevollen Beziehung zu leben und es sich gut gehen lassen können.
Diese Sattheit und Rundumzufriedenheit kann uns aber auch einschläfern in unserer Komfortzone, uns verführen, diesen Zustand als selbstverständlich anzunehmen und uns damit zu Frieden zu geben, dass es uns so gut geht.
Die Vereinten Nationen haben in ihrer Post-2015-Agenda „Gutes Leben für alle“-“buen vivir” als Leitfaden für politische Entscheidungen verankert. Gutes Leben bedeutet demnach mehr als wirtschaftlicher Wohlstand. Die Berücksichtigung von überlieferten kulturellen und sozialen Werten und der Respekt vor der Umwelt spielen eine ebenso wichtige Rolle. Denn wirtschaftliches Wachstum auf Kosten der Umwelt kann zu neuen Konflikten und sozialen Spannungen führen.
Dies erweitert den Blick nicht nur auf die „Entwicklungsländer“, sondern in Zeiten der Globalisierung auch auf die Entwicklungsbedürftigkeit in unseren westlichen Gesellschaften. Soziale Gerechtigkeit als Bedingung für das friedliche Zusammenleben der Menschen auf diesem Planeten ist nur global zu denken und zu realisieren und es hat mit Teilen des Überflusses zu tun. Da sind nicht nur Politiker gefragt, sondern jeder Einzelne von uns zum Wohle aller.
Die Fastenzeit fordert uns heraus unseren Lebensstil zu bedenken und uns für eben diese Idee des guten Lebens für alle zu sensibilisieren, die ja auch Ziel der biblischen Botschaft und christlichen Lebens ist: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben“ (Johannes 10) GS 14. März 2017

survival of the fattest Foto: Guido Schürenberg

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.
(Aus: Angela Lohausen/ Guido Schürenberg, Früh-/ Spätschichten in der Fastenzeit – MISEREOR 2017)

Enttäuscht

Viel Vertrauen und große Hoffnungen wurde in den vergangenen Tagen in Gesellschaft und Kirche in Deutschland enttäuscht. Chancen auf Veränderung vertan.

Politische Verbindlichkeit wurde durch machtstrategische Manöver ersetzt.

Papst Franziskus betont die wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit und den Schutz der bedrohten Mitwelt, setzt sich aber in seinem Schreiben zur Amazonas(!)-Synode über die Forderung der synodalen Versammlung den Zölibat als Zugangsvoraussetzung zum Priesteramt frei zu stellen hinweg und Frauen bleiben weiterhin von Weiheämtern ausgeschlossen, da ja dieses Thema letztgültig durch Johannes Paul II entschieden sei. Erst recht nicht wird die überkommene hierarchisch (heilige Ordnung) begründete Machtstruktur in der Kirche in Frage gestellt.

Wie es vermeintlich war zu aller Zeit, so auch jetzt und in Ewigkeit.

Nein von mir gibt es dazu kein Amen (so sei es).

Immerhin im Unterschied zum Rumlavieren der CDU ist Franziskus kein Maybe. Sein Ja ist ein Ja und sein Nein ist ein Nein, wie Jesus es in der Bergpredigt fordert, weil “alles andere ist vom Bösen” (Mt 5,37)

Nur wird auch diesmal eine Chance vertan die Zeichen der Zeit zu erkennen, entsprechend zu handeln und so das Reich Gottes mit dieser Kirche zu verwirklichen (Mt 16,3).

GS 18. Februar 2020

Respekt!

Mit diesem fast schon überrascht wirkenden Ausruf endet eine Analyse der Oskar Verleihung mit dem Titel ES GEHT WIEDER UM ETWAS (Zeit-Online 10.2.20)

Respekt bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht. (Wikipedia)

Respektlosigkeit ist deshalb einer der Gründe für Hate Speech und aggressiven Umgang in unserer Gesellschaft

“Respekt” zollt auch ein Kollege in einem Facebook-Kommentar zwei Frauen, die in der vergangenen Woche in einer demonstrativen Handlung ohne Worte Ihrer Empörung gegenüber Arroganz und Ignoranz Ausdruck gaben: “Bleib aufrecht. Zeig‘ Widerstand. Sag’s mit Blumen. Dafür und deshalb, Frau Hennig-Wellsow, Respekt.” Danke, Alice Natter, für diesen Beitrag zu dem Blumenwurf, der wie der Redezerriss durch Nancy Pelosi durchaus in der Kategorie “prophetische Zeichenhandlung” verbucht werden darf. In jedem Fall: In dieser Woche haben zwei starke Frauen der Arroganz männlichen Machthungers die Stirn geboten.” (Burkhard Hose)

OFFENHEIT und RESPEKT waren den Verfasser*innen des Leitbildes der KHG-Aachen so wichtig, dass sie diese als Grundhaltungen für das Leben und Arbeiten unserer Katholischen Hochschulgemeinde fest schrieben.

Die fast schon bewundernde Bedeutung von Respekt in oben genannten Artikeln und Kommentaren machen aber auch deutlich, dass diese Grundannahme, diese Basis unseres menschlichen Zusammenlebens -und ich möchte unsere tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe durchaus einschließen- eben nicht mehr selbstverständlich ist, sondern als zumindest gefährdet erlebt wird.

Wie weit weg sind wir da vom christlichen Anspruch der Nächstenliebe, wie ihn die Bergpredigt formuliert:

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.‹ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch ebenfalls lieben? Das tun auch die Betrüger! Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen! Nein, wie die Liebe eures Vaters im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.« (Die gute Nachricht Mt 5, 43-48)

Dass dieser christliche Anspruch, diese Essenz christlicher Lebenshaltung auch in der Kirche nicht selbstverständlich ist, zeigt aktuell die Einladung des Österreicher Künstlers Tschugguel, der indigene, religiöse Symbole der Pachamama während der Amazons-Synode in Rom im Tiber versenkte. Wenn und dass dieser Aktionskünstler nun von der priesterlichen Leitung einer Pfarrei in Herzogenrath eingeladen wird seine Respektlosigkeit gegenüber den religiösen Traditionen und Symbolen der indigenen Bevölkerung Ausdruck zu geben, so trifft dies auch die Teilnehmer*innen der Synode und deren Initiator und Einlader Papst Franziskus, worauf eine Stellungnahme von MISEREOR hinweist: “Der Versuch, bedeutsame Symbole Anderer mutwillig zu zerstören, ist ein Ausdruck von Hass und Feindseligkeit gegenüber Anderen, den wir aus unserem Verständnis des Evangeliums heraus nicht akzeptieren”.

Hass und Feindseligkeit können wir in Kirche und Gesellschaft nicht tolerieren, denn ES GEHT UM ETWAS, nämlich um den Kern unseres Christseins!

GS 11. Februar 2020

Unverbindlicher Rat

Da haben sie sich am vergangenen Wochenende auf den Weg gemacht – gemeinsam, Priester und Laien, also (Kirchen-) Volk, Mitglieder katholischer Verbände und Vertreter*innen der gemeindlichen Basis, teils als gewählte Delegierte, teils qua Amt gesetzt.

“Wir müssen reden!” miteinander, offen, vom heiligen Geist geleitet, auf der Basis des gemeinsamen Glaubens; mit dem Ziel eine zukunftsfähige Kirche zu gestalten, die katholisch, also allumfassend, ist.

Die Begeisterung, die Aufbruchstimmung kam medial nicht so wirklich über, eher verhaltene Skepsis. Der Druck der unseligen Mißbrauchs-Vergangenheit, der Relevanzverlust, die Glaubwürdigkeitskrise … ist auch beim gemeinsamen Aufbruch wirksam.

Die Visionen des Zieles sind sehr unterschiedlich und auch der Weg ist wenig profiliert.

Bereits im Vorfeld war keine Einigung in der Benennung dessen, was da gemeinsam gestartet werden sollte. Ist es eine Synode(synodos= gemeinsamer Weg)?

Synode (von griechisch σύνοδος synodos‚ Versammlung, Treffen‘) steht für:
Konzil, Versammlung von Bischöfen nach dem Verständnis der meisten vorreformatorischen Kirchen.
In manchen reformatorischen Kirchen für ein Gremium aus gewählten Laien und Geistlichen.
Synodaler Weg heißt also eigentlich: “Weg eines gemeinsamen Weges” (Wortschöpfung, die einerseits etwas Neues, Kreatives ausdrückt, aber auch das kirchenrechtliche Dilemma ausdrückt).
Entsprechend die Bewertung des Kölner Kardinals bei vorzeitiger Abreise von der ersten Synodalversammlung:

“Die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt …  es wird quasi ein protestantisches Kirchenparlament … implementiert … Das sei schon beim Einzug zum Gottesdienst festzustellen gewesen, „als Bischöfe und Laien alle gemeinsam eingezogen sind und somit zum Ausdruck gebracht wurde, dass da jeder gleich ist. Und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint.“

Jetzt sind sie einmal unterwegs, das gemeinsame Ziel wird sich noch ergeben müssen und es braucht viel Begeisterung und Frustrationstoleranz, um die zu erwartenden Hindernisse und den Dissens auszuhalten und um wirklich Gemeinsames zu entwickeln.
Wo doch im Vorfeld bereits klargestellt wird: “Am Ende werden also die Diözesanbischöfe entscheiden, wie sie in ihren jeweiligen Bistümern mit Beschlüssen des Synodalen Weges verfahren.”

“Den dankbaren Vertreter*innen von Laiengremien und Verbänden mag es am Ende genügen, gesehen und gehört worden zu sein, Menschen wie Mara Klein (Cusanuswerk) und Janosch Roggel (KHG-Dortmund), die mit ihren Statements auf der ersten Synodalversammlung ihre existentielle Betroffenheit in die Waagschale geworfen haben, reicht das nicht. Den vielen Frauen, die der Kirche mit dem Synodalen Weg eine letzte Chance geben, auch nicht. An ihnen allen versündigt sich die pseudoparlamentarische Inszenierung unter kirchlichem Vorzeichen, wenn nichts anderes als Gesehen- und Gehörtwerden herauskommt. Aber das kennen Mara und Janosch und mit ihnen viele andere ja schon von Kirche.” (Burkhard Hose)

Die Reformation der Katholischen Kirche kann nur Top-Down erfolgen und nur, wenn die Lai*innen die 27 Ortsbischöfe (10% der Synodalen, aber Sperminorität)) dazu überzeugen.

Angesichts dieser strukturellen, als hierarchisch (heilige, also gottgewollte Ordnung) etikettierten Ungleichheit bleiben den Beteiligten nur der Zynismus* oder das Prinzip Hoffnung …
und allen das Vertrauen, das der Geist doch noch die festgefahrenen Machtstrukturen der Kirche bewegen kann.

*Lesenswerter Kommentar des Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke

GS 4. Febr. 2020

Hoffen wider alle Hoffnung

1. Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht. Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht.
2. Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn da, wo alles dunkel scheint. Handeln anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Tränen weint.
3. Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eignen großen Not. Aufstehn gegen Unrecht, Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht.
4. Trauen dem, der uns gesagt hat: Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit. Mit uns ist er auch in unserm Suchen, bis wir ihn schaun im Licht der Ewigkeit.

“Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.”

Dieses Bibel-Zitat (Apg 4,20) möchte ich all jenen entgegen halten, die fordern, es müsse doch endlich mal Schluss sein sich kollektiv für den Holocaust, also für den Völkermord an 6 Millionen europäischen Juden zu entschuldigen.
Nein darüber können wir nicht schweigen und wir müssen den Zeugen und Opfern die Gelegenheit geben diese Erinnerung wach zu halten, damit dies nicht noch einmal geschieht.
Antisemitismus wirkt in unserer Gesellschaft, äußert sich beiläufig nicht nur im Stammtischgeschwätz, sondern auch in Schulen und Universitäten; er äußert sich in Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und vor Synagogen und vereinzelt mit der Absicht Juden zu erschießen.
“Als Antisemitismus werden heute alle Formen von Judenhass, pauschaler Judenfeindschaft, Judenfeindlichkeit oder Judenverfolgung bezeichnet. Der Ausdruck wurde 1879 von deutschsprachigen Antisemiten geprägt und entwickelte sich seit dem Holocaust zum Oberbegriff für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund ihrer angenommenen oder realen Zugehörigkeit zu „den Juden“ negative Eigenschaften unterstellen. Damit werden Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung jüdischer Minderheiten (Völkermord) gefördert, vorbereitet und/oder gerechtfertigt.” (Wikipedia)
Der Antijudaismus, durch fragwürdige Theologien befeuert, zieht sich durch die Geschichte der Kirchen in Europa seit dem 3. Jahrhundert und führte immer wieder zu Judenprogromen. Erst unter dem Eindruck des Holocaust bekannten sich weite Teile der christlichen Kirchen öffentlich zu dieser Schuld. Aber immer noch wird ein Unrecht (Holocaust) mit einem anderen (Christenverfolgung) verglichen und so relativiert (so, anlässlich des Holocaust-Forums in Jerusalem, der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I).
Ja auch darüber können und dürfen wir nicht schweigen, denn jegliche Form von Hass und Gewalt gegen Menschen, die in Frieden ihre Glaubensüberzeugung leben wollen ist ein Angriff auf die allgemeinen Menschenrechte und widerspricht der ethischen Grundüberzeugung aller Religionen.
Die biblische Botschaft geht für Christen mit der Bergpredigt (Mt 5) darüber noch hinaus und fordert zu vollkommener Liebe auf – der Nächsten, der Fernsten, ja auch sich selbst.
Auch darüber können wir als Christen nicht schweigen, sondern müssen es glaubwürdig leben.
GS 28. Januar 2020 (75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz)

I bless the rains down in Africa …

dieser Kehrvers des Songs Africa von Toto klingt mir seid einigen Tagen wieder als Ohrwurm im Kopf nachdem ich “good news” aus Afrika -genauer aus Sambia- bekam, dass endlich, zwei Monate zu spät, der Regen die anhaltende Dürreperiode unterbrochen hat.
Seit 2011 steht die Katholische Hochschulgemeinde in Kontakt mit der Diocese of Monze in Sambia. Es gab gemeinsame SUMMERSCHOOL und seit 2014 das Projekt SCHULFEE-SAMBIA, das sambischen Jugendlichen den Schulbesuch ermöglicht durch Übernahme der Schulgebühren.
Partnerschaft heißt, dass man sich für “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, insbesondere der Armen und Unterdrückten” interessiert, ja sie sich zu eigen macht, wie das 2. Vatikanische Konzil es vor mehr als 50 Jahren als Anspruch der Katholischen Weltkirche formuliert hat.
Die schon seit Jahren anhaltenden Dürren im südlichen Afrika, und daraus resultierend Hunger und Tod, ist unseren Nachrichtenportalen und -Magazinen selten eine Notiz wert. Katastrophen, Hunger, Elend, … prägt unser Bild dieses Kontinents – wenn wir uns nicht für die Vielfalt und Schönheit des Kontinentes interessieren und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen kennen. Erst wenn Tourismus-Ziele und Attraktionen von Katastrophen betroffen sind, wachen wir aus unserer Abgestumpftheit (manchmal)auf.
So, wie um Weihnachten, als Bilder des BBC-Fernsehens und von Spiegel-Online von den fast trockenen Viktoria-Fällen auch uns berührten, weil die entsprechenden Reportagen endlich auch die Folgen des Klimawandels und das daraus folgende Leid der Menschen und Tiere durch Missernten und Dürre dokumentierten.
Aber den good news, dem blessing des Regens folgt prompt die nächste Klimakatastrophe: Überschwemmungen, weil die ausgetrocknete Erde das Wasser nicht aufnehmen kann und damit die Jungpflanzen weggeschwemmt werden.
Ich höre unsere Partner, sehe die Bilder und fühle mich genau so hilflos wie sie. Wie weit kann oder muss meine/ unsere Solidarität gehen?
Mein sambischer Freund hat einmal bei einer SUMMERSCHOOL in Sambia gesagt, dass das Interesse aneinander und das Wissen umeinander unser Handeln leitet. Das unser Lebensstil und unser Handeln weltweit Konsequenzen hat können wir mittlerweile nicht nur in den Medien sehen in Echtzeit, sondern wir bekommen es auch in den Wetterextremen bei uns zu spüren.
Solidarität mit den Menschen im südlichen Afrika und in all den besonders vom Klimawandel betroffenen Ländern heißt also Verzicht bei und für uns und Teilen von Geld und Know-how, um nachhaltig die Auswirkungen des Klimawandels weltweit zu mildern.
In der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums findet sich die „Goldene Regel“ und ähnlich auch in allen Weltreligionen:
„Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Mt 7, 12)

GS 21. Jan 2020

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – Früh/Spätschichten MISEREOR Fastenaktion 2017

Folge Deiner Berufung!

Diese Aufforderung einer jungen Frau in Marineuniform auf einer Plakatwand sprang mir im Vorbeifahren auf dem morgendlichen Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit regelrecht ins Auge und hat nachhaltige Irritation bei mir ausgelöst.
Dies war sicherlich die Absicht der Macher dieser Werbekampagne der Bundeswehr um neue Rekruten. Der entsprechende Hashtag könnte eher zu einer Kampagne des päpstlichen Werkes für Geistliche Berufe passen, oder ist mein Assoziieren schon so churchiemässig, dass ich bei Berufung automatisch an Priester- und Ordensberufe denke?.
Als anerkannter Kriegsdienstverweigerer, dessen pazifistische Gesinnung noch in den Zeiten des kalten Krieges auf dem behördlichen Prüfstand stand, bin ich wohl die falsche Zielgruppe (auch ein militärisches Vokabular). Die durch die Kampagne der Bundeswehr Angesprochenen sind in der Berufsfindungsphase, aber würden sie von Berufung sprechen und -wenn ja- von oder durch wen? Und wie merkt das der/ die sich berufen Fühlende?
Berufung hat offensichtlich ihre Exklusivität verloren sowohl in Zivilgesellschaft, als auch in Kirche.
Das Gemeinsame aller Berufungen ist das Erfüllen des Auftrags des/ der Berufenden und die Anforderung an den/ die Berufene*n sich ganz in den Dienst nehmen zu lassen.
Die biblischen Berufungs-Vorbilder Moses und Jesus sind sich nicht so schnell sicher und überzeugt: “Doch Mose protestierte erneut: »Aber sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören. Sie werden einwenden: `Der Herr ist dir nicht erschienen!´« (Exodus 4,1) und Jesus wird von seinem Cousin Johannes gebremst: „Doch Johannes weigerte sich. »Eigentlich müsste ich mich von dir taufen lassen«, sagte er, »warum kommst du zu mir?« Der/ die Berufene nimmt den Ruf an, weil er/ sie den Sinn erkennt. „Jesus erwiderte: »Es muss sein. Wir müssen alles so halten, wie es von Gott aus sein soll.” (Matthäus 3)
Berufung ist mehr als die sprachliche Kurzform Beruf, sie ist eher die Entscheidung für eine Lebensweise, sich in einen Dienst nehmen zu lassen – aus Überzeugung.
Bei den biblischen Berufungen ist es Gott, der sich als der ICH-BIN-DA-BEI-EUCH offenbart und der in den Dienst ruft; bei der Bundeswehr letztlich das Volk, dem der Staatsapparat und seine Einrichtungen zu dienen haben. Denn weder Kirche noch Staat sind Selbstzweck.
Die Berufung der Christen ist es sich glaubwürdig und selbstkritisch für Gerechtigkeit und Liebe einzusetzen und für ein gutes Leben für ALLE auf dieser Erde.
Folge Deiner Berufung!
GS 14. Januar 2020

WAGE DEN ANFANG

In dir
schlummern Kräfte
von denen
du nichts
weißt
sie warten
auf dich
deinen Mut
dich zu trauen
vergiss
die Angst
den Feind
deiner Träume
wage den Anfang
vertraue
auf dich
lass dich überraschen
von dir

Peter Schiestl (lebe mutig, Verlag am Eschbach 2013, S.14)

Ich brauche keine Könige, aber die Welt braucht Weg-Weise

Bei seiner Geburt werden auf der nachgetragenen Gästeliste 3 Könige als Überraschungsgäste verzeichnet. Ursprünglich war es eine Gruppe von Magiern “aus dem Osten” vermutlich aus Persien, der Sterndeutung kundige Männer, auf der Suche nach dem “König der Juden”. Ein besonderes Sternbild hatte sie auf dessen Geburt aufmerksam gemacht. Sie versetzen den von der römischen Besatzungsmacht installierten Marionettenkönig Herodes in der jüdischen Hauptstadt Jerusalem in Aufregung, der einen Staatsstreich befürchtet und sich umgehend des Kron-Konkurrentens entledigen will.
Eine 2. Version nennt diese Gruppe Weise aus dem Morgenland, die dem Stern folgen zum Geburtshaus Jesu und ihm Geschenke (Gold, Weihrauch und Myrrhe) machen, die eines Königs der antiken Welt würdig waren, woraus die Leser der Geschichte (ab dem 3. Jahrhundert) schlossen, dass dies nur Könige sein könnten, die einem der ihren die Aufwartung machten. Allerdings ist Myrrhe eine Heilpflanzen und passt eher für einen Heiler, einen „Heiland“ und Weihrauch gehörte schon damals in die Kirche, in den Tempel als Wohlgeruch zur Verehrung der Gottheit, dargebracht von den Priestern. Also ist dieser Neugeborene mehr als ein König, er ist auch Heiler und Priester, nicht legitimiert durch seine Blutlinie oder gar durch Wahl, auch nicht durch erworbene Qualifikation oder weil er einer bestimmten Berufsgruppe entstammt sondern, … – ja wodurch eigentlich? Durch fremde, weise Männer und durch die Verkündigung von Engeln, also göttlichen Boten, letztlich also durch Gott. Das sollte ein Herrscher der damaligen Welt erst mal toppen. Und auch heutige Autokraten und Polit-Clowns können sich damit nicht messen.
Ihre Zahl schwankt zwischen 2 und 4. Wegen der mitgebrachten Geschenke hielt man lange an 3 Königen fest, bis dann im 19. + 20. Jahrhundert ein vierter König auftaucht, der obendrein zu spät nach Bethlehem kommt, aber gerade noch rechtzeitig zum Kreuz auf Golgatha.
Aus den Morgenländern wurden im Mittelalter die Herkunft aus den 3 damals bekannten Kontinenten: Europa, Asien und Afrika, was sich auch in den entsprechenden Darstellungen fand, obendrein in 3 Typen von Mann: Jüngling, Erwachsener und Greis.
Martin Luther verwarf die ganzen Königsspekulationen und übersetzte stattdessen nur „Weise aus dem Morgenland“.
Das Interesse an ihren Knochen war groß und politisch und wirtschaftlich folgenreich: Helena, die Mutter Kaiser Konstantins “fand” sie im 3. Jahrhundert; der Kaiser verschenkte sie an den Bischof von Mailand; Kaiser Friedrich Barbarossa wiederum raubte sie in Mailand und verschenkte sie an den Erzbischof von Köln, um mit diesen Knochen der ersten christlichen Könige seinen Anspruch als christlicher Kaiser -unabhängig vom Papst- zu legitimieren. Die geschäftstüchtigen Kölner schließlich steckten sie in den Dreikönigenschrein, der Köln zum Pilgermagneten machte und daraus resultierender wirtschaftlicher Boom-Town, sodass 1248 dafür ein größerer Dom gebaut werden musste.
Ich brauche keine Könige, aber die Welt braucht weise Männer und Frauen, die die Nöte und Sorgen dieser Welt sehen, die die Zeichen der Zeit deuten und uns aufmerksam machen (demonstrieren), wie diese Welt gerettet werden kann – und die uns den anderen Weg zu unserem Ziel einer gerechten und lebenswerten, friedlichen Welt zeigen und vorangehen. “Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, … zogen sie auf einem anderen Weg heim …”
GS 7. Jan 2020

aus deinem Herzen
der Stern
an den Himmel gehängt –
Könige
verstanden das Zeichen
und machten sich auf –
hinter ihnen
Sicherheit und Zukunft –
Vor ihnen
das Wagnis des Weges
und das Ziel
nur geahnt –

und nachher
spürten sie
ohne den Stern
sind wir weglos

und er wurde ihnen
zum Ziel

Eva-Maria Leiber (Gesegnete Weihnacht, Verlag am Eschbach 2011, S.35)

Zumthor-Kapelle, Mechernich Foto: Rudi Hürtgen

Neujahrssegen

Spende deinen Segen, Gott,
über unsere Welt
und bleib uns treu
in allem, was geschehen kann.
Wir wollen unser Dasein
mit all seinen Sorgen und Freuden
empfangen aus deiner hand.
Und wir erhoffen ein glückliches Leben,
hier und jetzt
und in Ewigkeit.

Huub Oosterhuis (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.74)

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