Unterbrechung-Mittendrin – Mai-August 2016

TIEF DURCHATMEN

Normanische Küste Foto: Guido Schürenberg

Normandie
Foto: Guido Schürenberg

Manchmal fehlt mir buchstäblich die Luft zum Atmen:
… wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle,
wenn etwas Unvorhergesehenes meine Pläne stört,
wenn ich mich als Opfer ungerechter Verhältnisse und Strukturen fühle,
wenn mir die Ideen fehlen,
wenn es mal wieder nicht so rund läuft,
wenn ich mal wieder kleinlich werde,
wenn es eng wird …

In solchen Momenten suche ich Orte, Aussichten, Eindrücke, – und Musik, die mich zur Ruhe kommen lassen, zum Durchatmen
… ein und aus
… ein und aus
… ein und aus
Weite statt Enge
” Und mit jedem Atemzug danken …”

Danach kann ich gelassener und entspannter mich den alltäglichen Herausforderungen stellen.
Der Sommer, der jetzt endlich Sommer wird, lässt eine Ahnung von Leichtigkeit aufkommen – und Spaß am Leben

GS 16. August 2016

Mit jedem Atemzug will ich Dir
danken für
das Leben
die Schöpfung
die Begegnungen

Mit jedem Atemzug will ich mir
bewusst werden
wie das Wesentliche im Leben
ein Geschenk ist:
meine Willenskraft
mein Hoffnungsfaden
meine Liebe zu Tier und Mensch
meine Entfaltungsmöglichkeiten

Mit jedem Atemzug will ich das
Verbindende spüren:
mit allen Menschen guten Willens
mit der Vielfalt aller das Leben
bejahenden Kulturen
mit Dir
Gott, Du Quelle aller
Beziehungen

Pierre Stutz, Einfach leben, Verlag am Eschbach, S.35


Die Erde ist freundlich – Warum wir eigentlich nicht?

Diese Liedzeile von Herbert Grönemeyer kam mir in den Sinn als ich die beunruhigenden, wenn nicht schockierenden Nachrichten las vom “Earth Overshoot Day, zu deutsch „Welterschöpfungstag“, der Tag, an dem die Weltbevölkerung ihr Jahresbudget an Ressourcen aufgebraucht hat. Ab diesem Tag machen wir Schulden und verbrauchen mehr, als die Erde verkraften kann. … Der Earth Overshoot Day kommt immer früher. Im Jahre 1987 fiel der Tag noch auf den 19. Dezember. Dieses Jahr fällt er auf den 8. August – vier Monate früher als damals, fünf Tage früher als 2015. Die Menschheit lebt momentan so, als hätte sie 1,7 Erden zur Verfügung. Laut WWF wird der jährliche Verbrauch 2020 zwei, 2050 sogar drei Planeten betragen. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.” (Utopia 4.8.16)
Diese Nachricht hat mich sehr erschüttert, macht sie doch deutlich, wie unbewusst aber rasant wir die uns geschenkten Ressourcen verbrauchen und die absehbaren Folgen für unseren Planeten und menschliches Leben auf ihm in Kauf nehmen für unseren kurzfristigen Konsum um kurzfristig “gut zu leben”.
Dabei gibt es durchaus ressourcen- und umweltschonende alternative Formen des Konsums (wöchentlich z.B. im Newsletter von utopia.de. Sich diese zu erschließen und sie zu praktizieren ist eine grund-legende Entscheidung. Der Erfolg dieser dadurch erreichten Trendwende macht sich kurzfristig und auch nachhaltig in einem “guten Gefühl” bemerkbar. Gesellschaftlich setzt er Zeichen und veranlasst auch Menschen aus unserem Umfeld zum Umdenken und mitmachen. Langfristig und global ist diese “Trendwende” Voraussetzung für das von den Vereinten Nationen angezielte Buen Vivir, das gute Leben für alle Menschen auf diesem so begrenzten Planeten.                                          GS 9. August 2016

Unterbrechung-Mittendrin_06-09Nicht nur ein Tischgebet, formuliert nach der Veröffentlichung von Global 2000:

Gott
Du bist so unverständlich und unbegreiflich

Wir haben zu essen
und so viele haben nichts
Wir haben einen reich gedeckten Tisch
und so viele nicht einmal ein Stück Brot
Wir haben ein Zuhause
und so viele leiden unter Hitze und Kälte
Wir sitzen zusammen
und so viele sind allein
Wir greifen die Fülle des Lebens
und so viele greifen ins Nichts

Tief in uns schreit es:
Sei Du, was Du versprochen hast
ein Gott, der da ist
ein Vater, der für alle sorgt
eine Mutter, die alle nährt
ein Haus, in dem alle geborgen sind

Anton Rotzetter, Gott der mich atmen lässt, Herder 1985 – S.31f


Worte und Zeichen – und eine Ermutigung die Welt zu verändern

Immer wieder setzt er Zeichen und findet unbequeme, herausfordernde Worte angesichts von Schuld, Gewalt und Unrecht. Und er lebt überzeugend diese Botschaft.
Papst Franziskus schweigt demonstrativ im Massenvernichtungslager Auschwitz; er betet in der Todeszelle des Franziskaners Maximilian Kolbe und bittet Gott im Besucherbuch der Gedenkstätte um Verzeihung für dieses menschenverachtende und gottlästernde Grauen: “Herr, erbarm dich über dein Volk! Herr, vergib so viel Grausamkeit!” –
Schweigen und Beten angesichts der unheilvollen Geschichte dieser Folterstätte und dann mahnend und appelierend gegenüber der Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung, die für sich in Anspruch nimmt die christlichen Werte zu verteidigen.
love-tramDie jungen Gläubigen beim Weltjugendtag ruft er auf für eine neue Gesellschaft des Dialogs und gegen Hass und Ressentiments einzutreten: Nachdrücklich bat Franziskus seine jugendlichen Hörer, an die Macht der Barmherzigkeit zu glauben. Sie sollten denen widerstehen, die “versuchen, euch einzureden, dass Gott fern, streng und wenig einfühlsam ist, gut mit den Guten und böse mit den Bösen” … “Sie mögen euch als Träumer beurteilen, weil ihr an eine neue Menschheit glaubt, die den Hass zwischen den Völkern nicht annimmt, die die Grenzen der Länder nicht als Barrieren ansieht und die eigenen Traditionen ohne Egoismen und Ressentiments hütet.”
Er ermutigt zu mehr Selbstvertrauen, gegen Resignation und Pessimismus: Es sei eine Gefahr, eine geringe Meinung von sich selbst zu haben. “Sich selbst nicht zu akzeptieren, unzufrieden zu leben und negative Gedanken zu haben, bedeutet, unsere wahrste Identität nicht zu erkennen.”
Die Botschaft wird von den Jugendlichen bejubelt – und von den Politikern schweigend hingenommen
Den Dialog suchen, gemeinsames Nachdenken, aufeinander hören und um Einsicht, Mut und Kraft zu beten wäre ein Weg gemeinsam aufzubrechen, um diese Welt friedlich und lebenswert für alle Menschen zu machen.                                     GS 2. August 2016

Solidarische Menschen
möchten wir werden:
Menschen mit größter Sorgfalt
uns selber gegenüber
Menschen mit größter Einfühlsamkeit
anderen gegenüber,
Menschen mit größter Verbundenheit
mit der ganzen Mitwelt

Gerechtigkeit
Frieden
Bewahrung der Schöpfung –
das sind jene großen
Lebensaufgaben
die uns mit allen Menschen
guten Willens
auf dem ganzen Erdkreis verbinden

Dich, Gott
suchen wir in diesem
Solidaritätsprozess
Wir suchen Dich in all dem
was verbindet
in allen Religionen

Pierre Stutz, Einfach leben, Verlag am Eschbach, S.32


Gegen Angst und Unsicherheit

In diesen Tagen sind viele, insbesondere Jugendliche, Studierende und auch Eltern von Angst gelähmt.
Da sind auf der einen Seite die Amokläufe und Selbstmordattentate in Süddeutschland, die auch über die mediale Verbreitung das Gefühl vermitteln, dass diese Bedrohung, die bisher überwiegend außerhalb Deutschlands wirkte, nun auch in unserer Gesellschaft angekommen ist. Sie verunsichert weite Teile der Bevölkerung, weil es jeden und jede treffen kann. die Angst ist mitten unter uns.
Die andere Angst, die lähmt ist verbunden mit Lernzeiten und Prüfungsdruck. Sie fordert z.Zt. insbesondere Studierende heraus. Es ist die Angst zu versagen, nicht zu genügen: Den Erwartungen meiner Freunde und Familie, den Leistungserwartungen von Professoren und Dozenten, den Anforderungen meiner Lebens- und Karriereplanung; und letztlich meinen Erwartungen an mich selbst, an mein Selbstbild.

Foto: Constantin Lindenmeyer

Foto: Constantin Lindenmeyer

Wir alle sind eingebunden in soziale Netzwerk, die -unterstützt durch die entsprechenden Medien- unser “Profil” diesem Netzwerk, den “Freunden” immer wieder aktuell vorstellen, denn wir wollen ja “drin” bleiben und nicht “draußen”. Diese Verbundenheit tut gut, wenn sie echt ist und von Empathie und Solidarität getragen ist. Sie wird bedrohlich, wenn sie den ohnehin schon verspürten Leistungsdruck nochmal verstärkt durch die Erwartungen meinem konstruierten “Bild” zu genügen.
Angst auszuhalten, zu überwinden braucht Mut, Kraft, tragfähige Beziehungen und Selbstvertrauen – und manchmal auch Verdrängung. Trotzdem: “Ich lasse mich von einem normalen Leben nicht dadurch abhalten!”           — GS 26.7.2016

Gott, der dich wahrnimmt,
lasse zu deiner Erfahrung werden,
was er dir zugesagt hat:
Bei dir zu sein
in Angst und Unsicherheit,
zu dir zu stehen
in Ausweglosigkeit und Verlassenheit,
dich zu trösten,
wenn du bekümmert bist,
deine Bedürftigkeil
zu Herzen zu nehmen,
was immer auf dir lastet.

Er schenke dir,
was du dir selbst
nicht geben kannst:
Wachsendes Vertrauen
mitten in den Widersprüchen
dieses Lebens.

Antje Sabine Naegeli (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.105)


Veränderung leben

© Albrecht E. Arnold / www.pixelio.de

© Albrecht E. Arnold / www.pixelio.de

Oft fühle ich mich ohnmächtig angesichts von Terror und Gewalt, Machtgier und Hass: Terroranschlag in Nizza, Putschversuch in der Türkei, ein minderjähriger Flüchtling aus Afganistan attackiert Passagiere im Regionalzug in der Nähe von Würzburg, … dazu die alltäglichen Hasstiraden im Netz auf Menschen anderer Meinung, die Aggressivität im Straßenverkehr,…
Ich sehne mich nach Frieden und einer Welt in der Menschen friedlich miteinander leben können, nach Menschen, die diesen Frieden leben und die deshalb anders sind.
Manchmal begegnen sie mir in meiner Umgebung, bei meiner Arbeit. Sie begegnen mir im kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel, mit einem verstehenden, offenen Blick, mit offener ausgestreckter Hand, mit einem freundlichen Lächeln, mit geduldigem Zuhören, …
Sie sind einfach da! Sie lassen mich hoffen auf eine Welt ohne Hass und Gewalt. Sie leben eine veränderte Welt, wie ich sie erstrebe und machen mir Mut mich selbst zu verändern, denn “wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen” (Mahatma Ghandi)

Danke all diesen Menschen! – GS 19. Juli 2016

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich
ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.

Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen!

Petrus Ceelen, in: C.Peters Einander Segen sein, Verlag am Eschbach 2010


Mer moß och jünne künne*

Foto: Fotolia_15176687_XS

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Wir kennen uns – der Neid und ich. Sei es als Kind, wenn die Jüngsten immer das erhielten, was ich als Ältester mir immer mühsam erkämpfen musste; sei es der Neid der hochkam, wenn dem Klassenkameraden oder Kommilitonen  die guten Noten nur so zufielen, ich alles hart erarbeiten musste und mich dann auch noch mit eher mittelmäßigen Noten zufrieden geben musste (allein das Wort sagt schon aus, dass Neid Ausdruck von Unfrieden, von innerem Konflikt ist). Oder wenn bei einer Bewerbung die Konkurrentin die Stelle bekam, weil sie über Beziehungen verfügen konnte oder das richtige Geschlecht hatte…

Neid bezeichnet den Wunsch der neidenden Person, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen.(Wikipedia)

Neid ist so alt wie die Menschheit und immer beziehungs- und gesellschaftszerstörend gewesen, deshalb wird er auch als Todsünde bezeichnet.Die Geschichte von Kain und Abel beschreibt in der Bibel dieses Grund-Beziehungsphänomen, das an vielen Stellen seine Fortsetzung findet: Welcher der Freunde wird im Himmelreich näher bei Jesus sein,  der Geschwisterkonflikt um die kümmernde Martha und ihre Schwester Maria, die einfach nur Jesus zuhört und ihre (ältere) Schwester arbeiten lässt (Jesus:„sie hat das Bessere gewählt“). Und letztlich basiert auch der Brexit genau wie populistische Strömungen in Europa und Amerika auf gezielt geschürten Neid-Kampagnen.

Neid ist das Gefühl des Zu-Kurz-Kommens, der ungerechtfertigten Benachteiligung, der mangelnden Zukunftsperspektive; im Grunde Ausdruck eines Mangels an Selbstbewusstsein.

Mit gesundem Selbstbewusstsein könnten wir mit Neid-Gefühlen besser umgehen. Die selbstbewusste, fast schon joviale Grundhaltung des Rheinländers: „Mer moß och jünne künne“* könnte den Neidhammel in mir ersetzen. – Also auf zum Sprung über den eigenen Schatten.

GS 12. Juli 2016

Es segne uns
der Gott des Erbarmens:
der Vater, von dem alles Leben ausgeht
die Mutter, die alle in die Arme nimmt

Es segne uns
der Gott des Erbarmens:
der Gefährte, der uns begleitet
der Freund, der mit uns geht:
Jesus Christus: Gottes Sohn

Es segne uns
der Gott des Erbarmens:
die Lebenskraft, die uns innewohnt
der Geist, der unser Herz bestimmt:
der Heilige Geist Gottes

Er segne uns
in allen Höhen
in allen Tiefen
jetzt und in alle Ewigkeit.
Amen

Anton Rotzetter, in: Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.70

Zeit Campus: Ohne geht es nicht


[i] Übersetzung in Deutsch: Man muss auch Gönnen können   – Ein Spruch, der uns sagt, im Leben ist es schon gelegentlich erforderlich, Andern ihr Glück aus vollem Herzen mit guten eigenen Gefühlen gönnen zu können.


Mut oder Leichtsinn? Und am Ende eine erfahrene Botschaft!

Die Roadshow der Sailing Conductors auf der Bühne des großen Saals der KHG:  Zum zweiten Mal an diesem Tag höre ich Geschichten von jungen Menschen die zu zweit aufbrechen, begeistert, mit viel Mut –oder Naivität gepaart mit Leichtsinn. Sie  begegnen Menschen die ihnen Gastfreundschaft gewähren, sich anstecken lassen von ihrer Begeisterung, eine Zeit lang mit ihnen zusammenarbeiten, kreative Kräfte in sich entdecken und diese zusammenbringen, Spaß haben miteinander, … und am Ende steht eine Botschaft, die sie verkünden.

image2_marianne-825x480Soweit das gemeinsame beider Geschichten zwischen deren Erfahrungen fast 2000 Jahre Menschheitsgeschichte liegen. Die Unterschiede sind gravierend: Die einen werden ausgesandt von ihrem Lehrer in den Dörfern und Städten Galiläas die Friedensbotschaft zu verkünden und Kranke zu heilen – Jünger Jesu nach LK 10, – oder 2000 Jahre später ohne Segelkenntnisse sich ein heruntergekommenes 9 Meter Segelboot in einem Hafen auf den Salomoninseln zu kaufen, damit über die Weltmeere zu segeln, sich Stürmen, Segelrissen und Nahrungsmittel-Knappheit auszusetzen, um sich einen Traum zu erfüllen, Weltmusik zu machen und zu produzieren –die Sailing Conductor Hannes&Ben in Australien, der Karibik, Amerika und zurück nach Berlin. – Mut oder Leichtsinn?

Alle erzählen nach ihrer Rückkehr von den Effekten, die ihr Tun ausgelöst hat und sind erstaunt über sich selbst.

Die Ergebnisse: Verbreitung der Jesus-Bewegung dokumentiert in der Bibel und Weltmusik und Geschichten dokumentiert auf Tonträgern, Videos und einem Buch …

Was bleibt und überspringt ist die Begeisterung – und am Ende die Botschaft der Achtsamkeit als Voraussetzung für Frieden.

GS 5. Juli 2016

Ermutigung zum

AUFBRUCH

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen, Früh-/ Spätschichten zur MISEREOR-Fastenaktion 2012


Aufschieben …

Nee, nicht jetzt, … am besten gar nicht, …kann das nicht jemand anderes machen?, …
Die anstehenden Herausforderungen,  Klausuren, Prüfungen sind zwar notwendig, werden aber als unangenehm empfunden, ja lösen Unlust und Angst aus. Also erstmal wegdrücken, das Lernen aufschieben, mich mit angenehmeren Tätigkeiten ablenken …
Jeder kennt das, was im Volksmund „Aufschieberitis“ und in der Psychologie „Prokrastination“ heißt, als schlechte Arbeitsgewohnheit. Manche scheinen allerdings auch diesen Druck zu brauchen, um kreative Leistungen zu erbringen.

Foto: Rachel Conrad

Foto: Rachel Conrad

Prokrastination scheint als Reaktion auf unangenehme Aufträge schon vor mehr als 3000 Jahren den Verfassern der Bibel bekannt gewesen zu sein. Von den Propheten Elias und Jonas wird zum Beispiel erzählt, wie sie sich dem göttlichen Auftrag durch Prokrastination oder Flucht zu entziehen versuchten. Der Urvater aller Propheten und geistlichen Führer Moses, der von Gott den Auftrag bekommt dem despotischen Pharao den Auszug der hebräischen Sklaven und ihrer Familien aus seinem Herrschaftsbereich anzukündigen unter der Führung des Moses. Er soll sich also gegenüber seinen Landsleuten und dem Herrscher als Kopf einer Freiheitsbewegung gegen die ägyptischen Unterdrücker outen.
Alle Versuche von Seiten Moses argumentativ diesen unangenehmen, angstmachenden, ja lebensriskanten Job loszuwerden scheitern an der Beharrlichkeit Gottes und selbst das verzweifelte Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit „ Herr, ich bin keiner, der gut reden kann…. Mein Mund und meine Zunge sind nämlich schwerfällig” (Exodus 4, 10)  provoziert göttlichen Zorn  – und eröffnet eine Teamlösung: Gott stellt dem Moses als Sprecher seinen Bruder Aaron “Ich weiß, er kann reden” (Exodus 4, 14) an die Seite.
Aufschieberitis löst das Problem nicht.  „Wirkungsvoller ist das Zerlegen von Aufgaben in kleine Einzelschritte, um Prokrastination zu verhindern.”(Wikipedia) oder fachlich ausgedrückt: Reduktion der Komplexität, z.B. im Team mit anderen

GS 28. Juni 2016

Ermutigung zum

Handeln

Wenn Du dir die Hände
nicht schmutzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.

Angela Lohausen, Früh-/Spätschichtreihe MISEREOR Fastenaktion 2012


Im Zweifel …

Papst Franziskus hat in einer Ansprache in einem römischen Studienkolleg die professionellen, genau wie die ehrenamtlichen Glaubensverkünder entlastet, indem er von seinen eigenen Glaubenszweifeln erzählt, die ihn in den einzelnen Phasen seines Glaubens- und Kirchenlebens immer begleitet haben. „Dabei habe er auch “die Unverfrorenheit besessen, Jesus zu tadeln”, und den Glauben als Illusion oder Alibi empfunden. Einem Christen, der keine Glaubenskrisen kenne, fehle etwas …“ (katholisch.de)
Mir fallen viele solcher Zweifel-Situationen ein und die damit verbundenen Krisen, ob ich so weiterleben könne als Christ, als „Churchie“, ob das denn professionell sei.
Krisen (vom griechischen krisis = Entscheidung) sind die Herausforderungen jedes Menschen sich wieder neu zu vergewissern, bin ich noch auf dem richtigen Weg, und sich jedes Mal wieder bewusst zu entscheiden. Deshalb wird ja die Krise als Chance bezeichnet, als Chance sich selbst sicherer zu werden und konsequent zu handeln.
Die Basis für diese Entscheidung ist letztlich Vertrauen als SELBSTvertrauen und GOTTvertrauen.
Die christliche Typologie kennt als Zweifelnden -nicht „Ungläubigen“- den Apostel Thomas. Einen, der sich nicht von den Erfahrungen anderer abhängig machen wollte, sondern der selbst sehen und fühlen wollte. Sein Glaube brauchte die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, um ihm Selbstvertrauen und den Impuls zu geben von seiner Erfahrung zu erzählen und die Botschaft vom liebenden, Leben schenkenden Gott in die Welt zu tragen  – bis nach Indien.
Ernst Barlach hat diese Begegnung des Zweiflers mit dem auferstandenen Jesus in Bronze gegossen

GOTTvertrauen

© Copyright by Ernst Barlach Ratzeburg

© Copyright by Ernst Barlach Ratzeburg

glauben heißt
GOTT vertrauen
trotz aller wirklichkeitszweifel
vertrauen
dass GOTT das entscheidende wirkt
und wir nur handlanger sind
vertrauen
dass GOTT in seiner kirche wirkt
obwohl wir die unsere erhalten wollen
vertrauen
dass GOTT in jedem von uns wirkt
und dass beziehung mehr wert ist als struktur
vertrauen
dass GOTT heute wirkt
und nicht irgendwie gestern oder morgen
vertrauen
dass GOTT das entscheidende wirkt
und dass ich teil seiner wirklichkeit sein darf

(aus: Wolfgang Metz, die liebe CHRISTI drängt uns. Gedichte; Echter Verlag, 2015, S. 62.)


Wir wollen dieses Land verändern. Und das ist möglich. Jetzt.

Über Wochen Thema in Die Zeit: Generation Y, also der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, „über die ihr Soziologen, Professoren, Bildungsminister, Eltern und Spiegel-Titelgeschichten-Schreiber so gerne urteilt. Unsere Generation, meine Generation, ist angeblich unpolitisch, egoistisch, narzisstisch. Wir interessieren uns nur für uns und das iPhone. Generation Y. Generation Egotaktiker. Generation Weichei. … schreibt Online-Kolumnistin Anne-Kathrin Gerstlauer auf Zeit-Campus.
Es sind die Babyboomer (Jahrgang 1950-1965, danach kam der Pillenknick) die dieses Bild zeichnen und damit den Vorwürfen entgegentreten, sie würden der Generation Y keinen Raum lassen für eine sichere Zukunfts- und Karrieregestaltung insbesondere für Jung-Akademiker, die mit Praktika, Volontariaten und befristeten Arbeitsverträgen ihre Zukunft kaum sicher planen können.
Anne-Kathrin Gerstlauer verweist dagegen zu recht auf das breite, spontane Engagement in der Flüchtlingshilfe und auf das politische Engagement. –Das bestätigt auch die Shell-Studie 2015 : 41% der 12-25 Jährigen bezeichnet sich als politisch interessiert. –:

Foto: Asli Yüksel

Foto: Asli Yüksel

„Ich will keine politische Sache daraus machen und mich für eine Seite instrumentalisieren lassen. Ich will einfach nur helfen. Weil das selbstverständlich für uns ist. … Ein altruistischer Gedanke – und ein politischer. Denn was wir tun, geht darüber hinaus, sich nur ein bisschen besser zu fühlen, … Wir wollen ein Land, das seine Grenzen nicht dicht macht, ein Land, das etwas von seinem Reichtum abgibt, ein Land, das Schutzsuchende nicht abweist, sondern vernünftig unterbringt und integriert. … Wir wollen dieses Land verändern. Und das ist möglich. Jetzt.“
Diese sozial integrierende und motivierende Perspektive von Zukunft  mit einer sich dafür engagierenden Generation Y macht Lust – und sorgt für eine gesichertere, lebenswerte Zukunft unserer Gesellschaft und der Folge-Generationen Z, …
Gemeinsam für ein gutes Leben für alle, wie es die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen vereinbart haben
Die (schlechtere, weil apathische) Alternative dieser Zukunftsgestaltung ist der rheinische Optimismus „Et hätt noch emmer joot jejange; loss mer doch zufredde sin“

GS 14. Juni 2016

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.

Musik: Konstantin Wecker
Text: Lothar Zenetti


Schöne Aussichten

wisam_zureik2Nicht das Wetter spielt in diesen Tagen verrückt, sondern wir  bekommen die Auswirkungen des von uns mit verursachten Klimawandels buchstäblich am eigenen Körper zu spüren: durch Regen und Hagel, Herz- und Kreislaufsymptome, … und an manchen Orten Überschwemmungen und Unterflutungen.
Für manche Menschen sogar Gefahr für Leib und Leben.

Ich informiere mich mindestens dreimal am Tag über die Wetteraussichten, um vorbereitet zu sein, auf das, was mich in den nächsten Stunden erwartet.
Entgehen? – geht nicht, also Aufbrechen ins Ungewisse, aber vorbereitet.

Aussichten – mal toll und schön, atemberaubend, mal bedrückend, düster, beängstigend: unsere Einstellung auf das, was kommt. Aussichten beeinflussen als Erwartungen unser Verhalten und prägen unser vorbereitendes Handeln. Projektion auf die Zukunft, auf das, was auf uns zukommt.

GS 7.Juni 2016

Gehe dem Sturm immer wieder entgegen,
vielleicht auf anderen Pfaden
und in neuen Schuhen
Irland

eifel-fotogräfinHoffnung lebt in mir:
Dass sich Hass in Versöhnung
Ohnmacht in Zuversicht
Gier in Teilen
Verkrampftheit in Zärtlichkeit
Verwandeln mögen

Aus dem Entdecken
der göttlichen Quelle in mir
erwachse mein Vertrauen
in Deine Verheißung

Verwandle mich, Gott
rühre mich an mit Deiner Segenskraft
Sprich mir alltäglich Gutes zu
damit Du in mir weiterträumen kannst
wie verhärtete Beziehungen
ausweglose Momente
in Hoffnungsschritte münden

Pierre Stutz


Diskrepanz: Selbstanspruch und Relevanz

„30 Sekunden Katholikentag in der Tagesschau  nach dem Hauptgottesdienst – mehr war nicht drin. Die AfD bekam den ersten Platz. Dann Merkel und Hollande in Verdun. Den Katholiken fehlen die relevanten Themen, mit denen sie in den Medien auf vordere Plätze kommen. Dann werden sie von der Politik in Sachen Inszenierung, also jetzt auch liturgisch, überholt.“  (Eckhard Bieger, explizit.net)

Foto: Hanna Dreisow

Foto: Hanna Dreisow

So wirkt also die 100. „Katholendemo“ (als solche startete der 1. Katholikentag 1848 als Gegenreaktion zur Unterdrückung der katholischen Bevölkerung durch die protestantischen Regierungen im Deutschen Reich) im Jahr 2016 mit ca. 30000 Teilnehmern in einer Stadt mit einem Katholikenanteil von 4% und in einer Gesellschaft in der die Katholiken nur noch 30% der Bevölkerung ausmachen. Immerhin hat dieser Event 9,9 Millionen Euro gekostet, davon nur 5,1 Millionen aus Kirchensteuermitteln – umgerechnet also 330€ pro Teilnehmenden.

Wenn dann auch noch RTL titelt: „Teilnehmer sprechen sich für Unterstützung von Flüchtlingen aus“, dann klingt das wie ein Parteikongress und nach Demokratie. Als Teilnehmer werden dann aber der Erzbischof von München und der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken zitiert. In der Berichterstattung ist dann von einem „Fest des Glaubens“ die Rede. „Es war eine tolle Stimmung, es gab viele interessante Begegnungen”. Die Tagesschau erwähnt einen “stimmungsvollen Gottesdienst unter freiem Himmel”;  das Domradio spricht von einem  “fünftägigen Glaubensfest” und der Eventcharakter dieser Veranstaltung wird auch deutlich, wenn die Leipziger Volkszeitung den Katholikentag als “Großereignis nach dem 25. Wave-Gotik-Treffen” bezeichnet. Gotik-Fans kleiden sich bekanntlich schwarz, ein Zustand, der ja auch in den katholischen Dress-Code passt und die Musik spielt bei beiden Treffen auch eine große Rolle.

Immerhin 1 Promille der katholischen Bevölkerung war in Leipzig dabei. Ein Zeichen für Relevanz (die finanziellen und personellen Investitionen mal außer Acht lassend) ist das ebenso wenig, wie die Berichterstattung der Tagesschau dazu.

Aber worum geht es oder besser müsste es der Katholischen Kirche in Deutschland gehen, wenn sie wirklich und sichtbar relevant sein wollte:

Nach ihrer Gründerbotschaft müsste sie „Sauerteig, Salz der Erde, Licht der Welt und Stadt auf dem Berg“ sein – also Gesellschaft durchwirkend verändernd, Geschmack machend an der befreienden Botschaft vom liebenden Gott, ein Leuchtturm für Gerechtigkeit und ein sichtbarer Ort der Freiheit. – Und dies auch glaubwürdig lebend.

Für die Gesellschaft wäre sie relevant, wenn sie sich einmischen würde in die Wertediskussion, sich einsetzen für die Armen und Benachteiligten weltweit, und nachhaltig und ökologisch investieren und wirtschaften würde  – Beispielhaft in ihren Einrichtungen.

Dass das geht und auch Spaß machen kann, konnte man an dem Engagement der WISE GUYS für Misereorprojekte, an neuen kirchlichen Aufbrüchen – den fresh X of church – oder den vielen kulturellen und musikalischen Initiativen beim Katholikentag erleben.

Relevant wird dies aber erst, wenn das Erlebte nachhaltig die Kirche verändert und aus einer Leben bejahenden alltagstauglichen Spiritualität erwächst.

GS 31. Mai 2016

Es segne uns der Geist,
der war und ist,
dass wir
als Gewordene werden,
wozu wir gemacht sind,
als Geliebte lieben,
die ungeliebt sind,
als Beschenkte beschenken,
die gabenlos sind,
als Gerufene rufen,
die keiner sonst ruft,
als Entfachte entfachen
das Feuer der Liebe,
entzündet aus ihm.

Wilma Klevinghaus, Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.112


Geistlose Wortfindungsstörungen ?

Ich hänge immer noch dem Pfingstereignis nach, von dem berichtet wird, dass jeder der am Ort versammelten Menschen aus unterschiedlichen Herkünften und Kulturen die Botschaft der Apostel in seiner Sprache hören konnte. Diese hatten keinen Sprachkurs gemacht und kein interkulturelles Training, sondern der Geist Gottes befähigte sie dazu sich den Menschen verständlich zu machen und in ihnen ebenfalls Begeisterung auszulösen für die befreiende Botschaft des Evangeliums.
Diese “Gute Nachricht” kam an bei denen, die sie hören wollten, weil sie neugierig waren auf das, was diese Männer, die Apostel (Gesandte) so bewegte, dass sie “unmöglich schweigen konnten, von dem, was sie gehört und gesehen hatten” (Apostelgeschichte 4,20).

Martin Luther King, I have a dream

Martin Luther King, I have a dream – einer der begeisterte, wenn er frei redete; Foto: AP

Dieses Verständigungsereignis war so einmalig, dass die Kirche es bis heute feiert als Gründungsereignis oder besser als Gründungserfahrung. Der Impuls zur Verkündigung kommt aus diesem Geistereignis und die Erfahrung, dass dieses Zeugnis überzeugend ist.
Wenn man sich auf diesem Grundereignis ausruht -und das tun anscheinend die meisten heutigen Verkünder der Jesus-Botschaft, sonst gäbe es ja immer wieder pfingstliche Verständigungsereignisse und die Kirchen brauchten  nicht über das Desinteresse der Menschen an dem was sie zu sagen haben zu jammern- macht man die gegenteilige Erfahrung zum Pfingstereignis: Die verbale Botschaft wird nicht mehr verstanden und weckt daher keine Begeisterung mehr.
Ich, als Verkündender, als Transporteur der befreienden Botschaft, finde mich dann in den Fragen von Erik Flügge, Theologe und Kommunikationsberater, wieder: “Wie soll ich denn so von Gott sprechen, dass es gleichzeitig würdig und nahbar ist? Wie soll ich denn so von Gott sprechen, dass es meine eigene Beziehung mit Gott zum Ausdruck bringt und gleichzeitig das Gegenüber zum Entdecken Gottes anregt? Wie finde ich den schmalen Grat zwischen Belehren und Erfahrbarmachen, und warum klingen diese drei Fragen schon wieder so, als hätte ein Theologe sie geschrieben?” (Erik Flügge, Der Jargon der Betroffenheit- Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt-, Kösel-Verlag S.15)
Es fehlt mir anscheinend oft sowohl am Geist als auch an der Sprache, die von den Menschen meiner Umgebung verstanden wird – die Neugier der Hörenden/Lesenden an mir und meiner Begeisterung mal vorausgesetzt.

GS 24. Mai 2016

Du
Gott in mir

Du
Gott in meinen Gedanken
Du
Gott in meinen Gefühlen

Du
Gott in der Tiefe meines Herzens
Zeig Dich
Offenbar Dich
Schein auf in meinem Leben

Anton Rotzetter, Gott, der mich atmen lässt, Herder-Verlag S.90