Fastenzeit und Ostern 2015

Ostern 2015

gott

du neubeginn ohne ende
du quelle des vertrauens
und der versöhnung

Spielspaßsegne uns
mit neuen gedanken und worten
die menschen aufhorchen lassen
mit neuen gesten und taten
die unserer lebendigkeit
raum geben

segne uns
mit träumen und hoffnungen
und der bereitschaft zu verzeihen
ohne die wir vom gestern nicht loskommen

segne uns
in diesen tag hinein

lass uns ein segen sein
und einander segnen

Katja Süß (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2008, S.85)


 

KARFREITAG 2015

kreuzworträtsel

Foto: Rebecca Ebel

Foto: Rebecca Ebel

christus
gesalbter und verratener
mit brot und wein in unseren händen
stehen wir vor deinem kreuz
verstehen nicht was einst geschah
rätseln herum
warum etwas für uns geschehen musste
hoffen dennoch
dass es nicht umsonst geschah
weil es nicht sein kann
dass unrecht siegt
und henker das sagen haben

christus
vom vater verlassener
die vergebung erbittender
geist in gotteshände befehlender
wir legen in deine hände was uns das leben nahm
unsere toten
unsere zerplatzten träume
unsere zerstrittenen familien
unsere getrennten paare

du gerechter zwischen ungerechten
halte zusammen was zusammengehört
himmel und erde
leben und tod
versagen und vergebung
schweigegebot und klatschweiber

entlasse uns nicht aus der fragwürdigkeit
denn du segnest uns
entlasse uns nicht aus dem ringen
denn du segnest uns
entlasse uns nicht von deinem tisch
denn du segnest uns

Siegfried Eckert – Österlich leben, Verlag am Eschbach 2009, S.51f


6. Fastenwoche: Das Gewohnte unterbrechen

Kennt Ihr das auch? Du bist beschäftigt, vertieft in Deine Arbeit oder in Gedanken, und dann wirst Du plötzlich unterbrochen. Der Gedanke, den Du gerade hattest, ist wie weggeblasen. Schade!

Johannes_Nadenau_2

Foto: Johannes Nadenau

Manchmal kann es aber auch ganz heilsam sein, wenn ich unterbrochen werde, mich selbst unterbreche, ausbreche aus dem, was ich alltäglich tue, ohne groß darüber nachzudenken. Eine solche Unterbrechung bringt eine neue Sicht, eine andere Perspektive:

Die Dinge erscheinen auf einmal in einem neuen Licht – und die Prioritäten verschieben sich.

Unterbrechen, das kann auch heißen: Ich nehme mir bewusst Zeit für mich selbst und vergewissere mich, was wirklich wichtig ist im Leben.

Bin ich mit meinem Leben, so wie es momentan ist, zufrieden? Was macht mich glücklich? Wie viel Zeit nehme ich mir für das, was mir etwas bedeutet in meinem Leben?

Sich eine solche Unterbrechung zu gönnen, kann vieles in Bewegung bringen. Ich kann mich neu ausrichten, neu orientieren und eine größere Zufriedenheit gewinnen.

Manchmal wird unser Alltag jäh unterbrochen – durch Katastrophen und Kriege in vielen Ländern der Welt, durch den Verlust eines geliebten Menschen, dadurch, dass ein Lebenstraum platzt und wir uns neu orientieren, neu finden müssen.

Nicht hängenbleiben bei dem Verlust, sondern uns neu orientieren im Glauben an den mitgehenden und mitleidenden Gott – oder wie Father Bong formuliert: durch Mitleidenschaft und Fürsorge Gott ein Gesicht geben und so selbst zu einer heilsamen Unterbrechung für andere werden, das gibt Orientierung und Hoffnung.

sei gesegnet

wenn ein Verlust deinen Alltag unterbricht

und wenn du Halt und Orientierung findest

sei gesegnet

wenn du dich selbst und andere unterbrichst

und wenn du zulässt, dass Gott das Gewohnte unterbricht

sei gesegnet

wenn du dein Lebens neu ausrichtest

und wenn du anderen Orientierung gibst

 

So segne und begleite uns

der mitfühlende und den Alltag durchbrechende Gott,

+ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 6. Fastenwoche  © MISEREOR, ausgewählt und ergänzt von Guido Schürenberg


5. Fastenwoche: Veränderung wagen

„Neu denken! Veränderung wagen.“ So lautet das Leitwort der MISEREOR-Fastenaktion. Wie kann das gehen? Wie kann ich neu denken, wie können wir als Weltgemeinschaft neu denken, und vor allem: Was ist das Ziel unseres neuen Denkens, wie sieht die Veränderung aus, die wir wagen wollen? Was soll sich ändern, was wollen wir verändern?

Foto: Thomas Richter-Alender

Foto: Thomas Richter-Alender

Bevor wir aktionistisch beginnen, etwas zu verändern, ohne die Richtung zu kennen, sollten wir genau hinsehen, was wir ändern wollen und welche Schritte wir dazu unternehmen können.
Wir alle sind weltweit miteinander verbunden: Das CO2 , das wir in den Industrieländern ausstoßen, trägt zur Erderwärmung bei und beschleunigt so den Klimawandel. Unser Konsum von Billigprodukten fördert ungerechte Produktionsbedingungen in den Ländern des Südens. Die Rohstoffe für unsere Smartphones, Tablets, Netbooks, … werden oft von Kindern unter gesundheitsschädlichen Bedingungen gefördert und zu Dumpinglöhnen in Asien fabriziert. Unsere Nahrungsmittelproduktion setzt auf  Massentierhaltung bei uns und in Monokultur angebaute Futterpflanzen in gerodeten Regenwaldgebieten, … Wir sind verstrickt in eine unüberschaubare gegenseitige Abhängigkeit, der wir oft hilflos gegenüberstehen, die wir uns nicht bewusst machen wollen, bzw. die wir verdrängen, weil sie eine Veränderung unseres Lebensstiles und unserer Konsumgewohnheiten erfordern würde.

Wie könnte unser Beitrag aussehen, um die Schöpfung zu bewahren, um Erderwärmung und den Klimawandel nicht noch mehr anzuheizen, … um uns aus dieser Verstrickung zu befreien?

Wir können uns von kleinen Abhängigkeiten befreien durch einen bewussteren Konsum und durch den Kauf von fair produzierten und gehandelten Gütern, wir können die Nutzung klimaschädlicher Transportmittel reduzieren durch Fahrgemeinschaften und die Nutzung des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs, wir können Lebensmittelvernichtung vermeiden durch eine regionale und saisonale Ernährung, wir können … wenn wir denn wollen, verändern wollen!

sei gesegnet

wenn du deine Ziele klar vor Augen hast

und wenn du vor lauter Möglichkeiten deinen Weg nicht findest

sei gesegnet

wenn du die Zeichen deuten kannst

und wenn du dich auf einen Kurswechsel einlässt

sei gesegnet

wenn du die Veränderung scheust

und wenn du mutig und beherzt zu neuen Ufern aufbrichst

 

So segne und begleite uns

der mitgehende und Orientierung gebende Gott,

+ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 5. Fastenwoche  © MISEREOR, ausgewählt und ergänzt von Guido Schürenberg


4. Fastenwoche: Frucht bringen

Foto: Guido Schürenberg

Foto: Guido Schürenberg

An vielen Stellen in der Bibel ist von Fruchtbringen die Rede: ein sehr anschauliches Bild, das den Menschen damals aus ihrem Alltag bekannt und vertraut war. Je nachdem, wo wir leben, sind wir heute nicht mehr ganz so eng verbunden mit den Kreisläufen der Natur, in den Supermärkten erhalten wir das ganze Jahr über Früchte, auch zu Zeiten, in denen sie bei uns oder außerhalb der Gewächshäuser nicht wachsen. Viele Menschen achten jedoch wieder verstärkt darauf, Obst und Gemüse dann zu kaufen, wenn es bei uns wächst. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und zum Klimaschutz: Der Verzicht auf sogenanntes „Flugobst“ trägt dazu bei, den CO2-Ausstoß zu begrenzen.

Teilen – das lernen wir schon als kleine Kinder, vor allem, wenn wir Geschwister haben. Dabei geht es dann meistens um Süßigkeiten. Teilen zu lernen ist nicht so leicht, wollen wir doch manches gern für uns behalten. Teilen heißt nicht nur, von materiellen Dingen etwas abzugeben: Teilen kann auch heißen, Wissen weiterzugeben, Ideen oder Erfahrungen mitzuteilen, Frucht zu bringen.

sei gesegnet

wenn du Samen bist für eine gerechtere Welt

und wenn du deinen Beitrag noch nicht kennst

sei gesegnet

wenn du deine Ideen mit anderen teilst

und wenn dein Einsatz Früchte trägt

sei gesegnet

wenn du die Früchte deiner Arbeit genießt

und wenn andere ihre Früchte mit dir teilen

 

So segne und begleite uns

der kraftvolle und Leben schenkende Gott,

+ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 4. Fastenwoche  © MISEREOR


3. Fastenwoche: Feuer und Flamme sein

Foto: Andreas Fuhrmann - pistaziengruen.de

Foto: Andreas Fuhrmann – pistaziengruen.de

Feuer und Flamme für etwas sein, für etwas brennen, aber auch mit dem Feuer spielen, sich an etwas die Finger verbrennen – es gibt im Deutschen viele Formulierungen rund um das Thema Feuer. Sich für etwas mit aller Kraft einsetzen und etwas riskieren, vielleicht sogar zu weit gehen, etwas aufs Spiel setzen, all dies scheint nah beieinander zu liegen.
Wofür würde ich etwas riskieren? Was setze ich aufs Spiel, wenn ich für eine Sache brenne? Was riskiere ich?

Zungen wie von Feuer, geisterfüllte Menschen, die gute Ideen haben und andere daran teilhaben lassen.

Menschen, die im wahrsten Sinn des Wortes begeistert sind, für eine Sache brennen, die sich für etwas einsetzen, was ihnen wichtig ist – für Gerechtigkeit, Frieden, dafür, dass alle in Würde leben können. Menschen, die etwas riskieren, die alles auf eine Karte setzen, weil sie spüren, dass sie nur gewinnen können.

Menschen, die ihre Sicherheiten und Bequemlichkeiten aufs Spiel setzen, weil es um etwas Größeres geht. Menschen, die ein Feuer in sich tragen und die nicht so leicht aufgeben – solche Menschen braucht die Welt. Sind wir bereit, zu solchen Menschen zu werden?

sei gesegnet

wenn du Feuer und Flamme bist

und wenn du dich ausgebrannt fühlst

sei gesegnet

wenn der Funke überspringt

und wenn du auf Sparflamme lebst

sei gesegnet

wenn du dich begeistern lässt

und wenn du andere mit deinen Ideen ansteckst

 

So segne und begleite uns

der leidenschaftliche und begeisternde Gott,

+ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 3. Fastenwoche  © MISEREOR


2. Fastenwoche: Den Atem anhalten

Wann haben Sie zum letzten Mal über etwas gestaunt? Gestaunt in einem positiven Sinn, nicht verwundert den Kopf geschüttelt… Haben wir es verlernt, das Staunen, ist es verloren gegangen, irgendwo auf dem Weg zwischen Kindheit und Erwachsenwerden? Können wir es neu lernen? Wollen wir es neu lernen? Was bringt es uns eigentlich?

Vielleicht macht es den Alltag etwas leichter, heller, glücklicher. Vielleicht trägt das Staunen dazu bei, manches Schöne wahrzunehmen, was uns sonst als selbstverständlich erscheint. Vielleicht bringt es uns eine Portion Gelassenheit, die uns auch in schwereren Zeiten tief durchatmen und durchhalten lässt.

 

Foto: Johannes Nadenau

Foto: Johannes Nadenau

Atmen ist Leben, der Atem ist unser Lebensstrom.

Konzentrieren wir uns eine Zeitlang auf unseren Atem, nehmen wir ihn bewusst wahr.

Atmen wir tief ein – und aus.

– Kurze Stille –

Spüren wir, wie die Atemluft durch uns hindurchfließt,

ganz ohne Anstrengung, ohne unser bewusstes Zutun.

Jeder Atemzug schenkt uns Kraft, neues, frisches Leben.

Jeder Atemzug stärkt uns auf unserem Weg durch die Fastenzeit

und an jedem Tag unseres Lebens.

Nehmen wir den Atem bewusst als Geschenk wahr

und staunen wir über Gott, unseren Schöpfer.

sei gesegnet

wenn du vor Staunen den Atem anhältst

und wenn dir die Geschehnisse in der Welt den Atem rauben

sei gesegnet

wenn du zögerst und eine Atempause brauchst

und wenn du einen langen Atem hast

sei gesegnet

wenn du die Kraft des Atems in dir spürst

und wenn du Anderen Antrieb bist.

So segne und begleite uns

der kraftvolle und lebendig machende Gott.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 2. Fastenwoche  © MISEREOR


 

1. Fastenwoche: Kraft schöpfen

Für viele Studierende ist in diesen Wochen vor Ostern Lern- und Klausurenphase. Viele stehen unter Stress, haben Angst nicht alles zu schaffen oder gar zu versagen. Andere sind am Ende ihrer Kräfte.

Aus welchen Quellen schöpfe ich meine Kraft? Was lässt meine Energien überströmen?

Wo bin ich sprudelnde Quelle für andere? Was kann ich tun, damit meine Quellen nicht versiegen?

Foto:Guido König

Foto:Guido König

 

 

 

Lebendiger und kraftvoller Gott,

Du hast uns das Wasser des ewigen Lebens gegeben,

deine Quellen sprudeln in uns.

Lass uns aufbrechen, unsere eigenen Quellen neu entdecken

und aus ihnen das schöpfen, was wir zum Leben brauchen.

Lass uns behutsam mit unseren Quellen

und denen unserer Mitmenschen umgehen,

damit sie nicht versiegen.

Amen.

sei gesegnet

wenn du übersprudelst vor lauter Energie

und wenn du am Ende deiner Kräfte bist

sei gesegnet

wenn du anderen zur Kraftquelle wirst

und wenn du auf andere angewiesen bist

sei gesegnet

wenn du aufbrichst zu neuen Ufern

und wenn dich dürstet nach Gottes Gerechtigkeit.

So segne und begleite uns

der kraftvolle und Leben schenkende Gott,

+ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Angela Lohausen, Liturgische Bausteine 2015 – Früh-/Spätschichten 1.Fastenwoche  © MISEREOR


neu denken! veränderung wagen

Mit dem Aschermittwoch beginnt in unserer Region die Fastenzeit (vor Ostern). Die Klammer macht deutlich, dass es gemeinhin eine Unterscheidung gibt zwischen Fasten als „Beschränkung der Nahrungsaufnahme oder Verzicht auf Nahrung und Genussmittel“ (Wikipedia) und dem religiös verordneten oder motivierten Fasten „für bestimmte Jahreszeiten oder Zeitabschnitte, kollektiv oder individuell, als völliger oder teilweiser Verzicht auf Nahrungsmittel sowie auf Genussmittel, Fleisch, Alkohol, Sexualität u. a.“ (ebd.).

Zu den Genussmitteln kann offensichtlich auch das Auto gehören, jedenfalls gibt es als ökumenische Aktion bereits seit 18 Jahren die Aktion Autofasten.

„Im religiösen Kontext … dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Buße im Christentum, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung.“ (ebd.)

Für mich bietet die Fastenzeit neben religiösen Aspekten wie Buße und Verzicht zur Vorbereitung auf das Osterfest auch die Möglichkeit meine Lebensführung, meinen Lebensstil zu überdenken.

Fasten – Verzicht – hat eher eine negative Konnotation. Aber Fasten als Chance zum neu denken, zur (persönlichen) Veränderung zu begreifen hat etwas Positives, Perspektivisches und Motivierendes.

Die Fastenaktion von MISEREOR hat in diesem Jahr das Thema: FA_Leitwort_01

Die kommenden sechs Fastenwochen auf bei Unterbrechung-Mittendrin werden Impulse von MISEREOR aufgreifen

Woche 1: Kraft schöpfen
Woche 2: Den Atem anhalten
Woche 3: Feuer und Flamme sein
Woche 4: Frucht bringen
Woche 5: Veränderung wagen
Woche 6: Das Gewohnte unterbrechen

Foto: Guido Schürenberg

Foto: Guido Schürenberg

Der Herr, der immer an deiner Seite ist, segne dich.
Er sei dein Anker, um Ruhe zu finden und Kraft zu sammeln.
Er segne dich mit Mut, deinen eigenen Kurs neu zu setzen.
Er segne dich mit Weitsicht,
um standhaft zu bleiben, wo andere von der Flut mitgerissen werden.

Der Herr segne dich mit Stärke, um Rückenwind für andere zu sein.
Er segne dich mit Ausdauer, damit du trotz vieler Wellen deinem Weg treu bleibst.
Er segne dich mit Sehnsucht, damit du noch heute den bequemen Hafen verlässt und aufbrichst.
Er segne dich mit Zuversicht, dass du dich aufmachst in dein eigenes Abenteuer.
Er segne dich mit neuen Ideen, damit du Neuland suchst und entdeckst.

So segne uns und alle, die Flutbrecher für eine gerechte und friedliche Welt werden wollen, der stärkende und ermutigende Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

 (MISEREOR, Liturgische Bausteine 2015)


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