Mai – November 2015

Am 3. November, 10 Tage vor den Pariser Anschläge hatte ich unter dem Thema Der Hass und was folgt über den sich ausbreitenden Hass in unserer Gesellschaft und die Folgen gepostet. Wir sollten den Hass  unsere Werte Willkommen, Solidarität, Nächstenliebe leben. Nach den schrecklichen Attentaten in Beirut, Paris und Nigeria hat die französische Bischofskonferenz in diesem Sinne ein Friedensgebet eines Domikaners veröffentlicht:

Herr, entwaffne sie – und entwaffne uns!

Entwaffne sie.
Wir wissen, dass diese extreme Gewalt das tägliche Brot im Irak, in Syrien, Palästina, Zentralafrika, Sudan, Eritrea und Afghanistan ist.
Heute hat sie sich unser bemächtigt.

Entwaffne sie, Herr.
Lass in ihrer Mitte Propheten aufstehen,
die ihre Abscheu und ihre Scham herausschreien darüber,
wie sehr das Bild des Menschen,
das Bild Gottes entstellt worden sind.

Entwaffne sie, Herr.
Gib uns alle nötigen Mittel,
um Unschuldige entschlossen zu beschützen.
Aber ohne Hass.

Entwaffne auch uns, o Herr:
In Frankreich, (in Deutschland), im Westen…
hat uns doch die Geschichte einiges gelehrt…

Lass uns nicht in Verzweiflung versinken,
auch wenn wir bestürzt darüber sind,
wie weit sich das Böse in dieser Welt verbreitet hat.

Entwaffne uns und gib,
dass wir uns nicht
hinter verschlossenen Türen, betäubten Erinnerungen und Privilegien, die wir mit niemandem teilen wollen, verschanzen.

Entwaffne uns, damit wir deinem Sohn ähnlich werden.
Nur seine Logik ist wirklich auf der Höhe dessen,
was uns widerfahren ist:
„Nicht sie nehmen mir das Leben,
sondern ich bin es, der es dahingibt.“

Dominique Motte

GS 24.November 2015


 Mensch sein

Bei all den Kommentaren und Nachdenklichkeiten, die auch mir helfen die Attentate in Beirut und Paris zu verarbeiten, ist mir ein Wortkonstrukt, als Hashtag markiert, ins Auge gesprungen. Es hat sich mit zwei Projekten der nächsten Zeit, an denen ich gerade arbeite, verbündet und beschäftigt mich: Die Selbstetikettierung #iammensch in einem Blogbeitrag von Matthias Fritz.

Vielleicht ist es das Selbstbewusstsein, das Aufgabe und lebenslangen Prozeß beinhaltet, das mich anspricht.

Foto: Kristin LangenHerbert Grönemeyer hat in Gedenken an seine verstorbene Frau im Song MENSCH dieses beschrieben und verdichtet: Der Mensch heißt Mensch, weil er: vergisst, verdrängt, schwärmt, stählt, weil er lacht und lebt und wärmt, wenn er erzählt, weil er irrt, kämpft, hofft, liebt, mitfühlt, vergibt, weil er vergisst, verdrängt, glaubt, sich anlehnt und vertraut, weil er erinnert, mitfühlt und vergibt – und weil er lacht und weil er lebt
Gegen dieses Mensch-Sein in seiner Vielfalt und Buntheit richten sich die Angriffe der schwarzen Fanatiker des IS.
Aber genau so möchte ich Mensch sein, so möchte ich auch als Mensch erlebt werden und so möchte ich auch die Menschen sehen, die mir begegnen – und mit ihnen die Menschheit sein.

GS 17. Nov. 2015


Zwischen Sehnsucht und Vertrauen

Foto: Christian Pester… und das mir: Seit Sonntag geht mir ein Psalmvers und ein entsprechendes Bild nicht mehr aus dem Kopf, mir der ich immer meine Probleme mit „den Engeln“ gehabt habe.
„… Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Ps 91) und dazu ein Engelbild, einem Fenster von Marc Chagall nachempfunden, der jüdische Maler, der so unendlich viele Engel ins Bild gesetzt hat.
In der Bibel sind Engel immer Boten Gottes – in Menschengestalt, keine geflügelten Fabelwesen, wie in der (christlichen) Ikonografie. Ich habe immer an eine direkte Gottesbeziehung geglaubt, göttliche „Hilfskräfte“ passten nicht dazu.

Aber dennoch gibt es die Sehnsucht vom Wirken Gottes etwas zu spüren. Zu fühlen, dass Gott der mitgehende Gott ist, dem ich nicht egal bin. Ja, ich brauche vielleicht diese körperliche Erfahrung, die in den Erzählungen und Bildern von Engeln zum Ausdruck kommt, die mittelbare Erfahrung der Nähe Gottes, damit ich vertrauen kann.
Und da kommt mir ein Lied in den Sinn, das nie zu den Hits des „neuen geistlichen Liedes“ geworden ist, aus den 70er Jahren, getextet vom Priester-Dichter Wilhelm Willms: welcher engel wird uns sagen.

Da ist sie die Sehnsucht! … und die Aufforderung unter den Menschen, die mich umgeben die Boten Gottes zu entdecken, die mein Vertrauen in die Nähe Gottes verkörpern.

welcher Engel wird uns sagen

(von Wilhelm Willms)

Welcher Engel wird uns sagen,
daß das Leben weitergeht,
welcher Engel wird wohl kommen,
der den Stein vom Grabe hebt?

Wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein

Welcher Engel wird uns zeigen,
wie das Leben zu bestehn?
Welcher Engel schenkt uns Augen,
die im Keim die Frucht schon sehn?

Wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein

Welcher Engel öffnet Ohren,
die Geheimnisse verstehn?
Welcher Engel leiht uns Flügel,
unsern Himmel einzusehn?

Wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein

GS 10. Nov. 2015


Der Hass und was folgt

Zunehmende Aggression in unserer Gesellschaft, grauenhafte Ausschreitungen gegenüber Flüchtlingen im ganzen Land, ja auch zunehmend in anderen Ländern Europas, machen mir Angst. Hasstiraden -wie kürzlich noch die „Rede“ des Schriftstellers Akif Pirincci beim Jahrestag der Pegida-Demonstrationen in Dresden- sind sicherlich (noch) verbale Extremausbrüche einer Polarisierung innerhalb der deutschen Bevölkerung, die sich zunehmend auch in den politischen Reden spiegeln. Man darf sicherlich von Volksverhetzung sprechen. Soziologen gehen aufgrund von Umfragen von einer 2/3 gegen 1/3 Polarisierung in der Flüchtlingsfrage innerhalb der deutschen Bevölkerung aus. Das ist kein Randphänomen mehr und längst nicht nur auf Ost-Deutschland begrenzt. -siehe ARD-Beitrag: Woher kommt der Hass-
„Hass ist eine menschliche Emotion scharfer und anhaltender Antipathie … und steht allgemein für die stärkste Form der Abwendung, Verachtung und Abneigung“ (Wikipedia). Hass entsteht langsam aus einem Gefühl des Ausgeliefert seins und der Wehrlosigkeit und ist langanhaltend und oft mit dem Wunsch verbunden den Gehassten zu vernichten (ebd.)
Dass Flüchtlinge in solchen Massen nach Europa und vor allem nach Deutschland fliehen, können wir im Moment nicht ändern, geschweige denn stoppen, denn die Fluchtursachen sind im Versagen der Politik und in der Gewinnsucht der Rüstungsindustrie zu suchen: „Warum wollen so viele Regierenden nicht den Frieden? Weil sie vom Krieg leben! Es ist die Waffenindustrie – das ist schwerwiegend! Einige Mächtige verdienen mit der ,Fabrik der Waffen‘, verkaufen Waffen an verfeindete Länder. Das ist die Industrie des Todes.“ (Papst Franziskus vor Jugendlichen im Mai dieses Jahres). Wenn die internationale Politik wirklich die Fluchtursachen bekämpfen wollte, hätte sie schon lange und konsequent damit beginnen müssen. In der Ursachen-Bekämpfung versagt die „internationale Gemeinschaft“ genau wie die „europäische Gemeinschaft“ in der Solidarität der Aufnahme und gerechten Verteilung der Europa erreichenden Flüchtlinge.
Wir als Bürger dieser europäischen „Wertegemeinschaft“ müssen für eben diese Werte einstehen in unserer Gesellschaft und sie leben in unserer Reaktion auf diese Flüchtlinge. Also Willkommen, Solidarität, Nächstenliebe.
Für Menschen, die die Botschaft Jesu von der Liebe und Solidarität mit den Armen und Unterdrückten leben und dafür einstehen, zeigt er aber auch die möglichen gesellschaftlichen Reaktionen und Konsequenzen auf: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.“ Vielleicht habe ich, vielleicht haben wir davor Angst!

GS 3.Nov 2015

Foto: Hannah Schürenberg-Frosch

Es lasse dich Gott
das Morgen erwarten
ohne Angst
deine Aufgaben anpacken
ohne Erschrecken
vor den Schwierigkeiten
die kommen könnten
neue Wege beschreiten
ohne Sorge wann
und wo sie enden werden
in der Irre nicht zweifeln
am Ziel
im Dunkel schon hoffen
auf das Licht
im Weinen dich schon freuen
auf das Lachen
nicht wissen aber gewiss sein
ohne Beweise dich weisen lassen
er lasse dich fallen
in Erwartung des Netzes
ruhig schlafen mitten im Sturm
und aufwachen und weitergehen
getrost

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2008, S.103)


Von den Zeichen der Zeit, von Liebe und von Barmherzigkeit

im_boot2_guido_schuerenbergJetzt stand sie mal wieder drei Wochen im Mittelpunkt des kirchlichen Interesses: Die Familie.
Die „Familiensynode“ („Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“), eine Versammlung von 270 SynodenVÄTERn (assistiert von ausgewählten katholischen Laien-Lobby-Vertretern), hatte sie bereits zum zweiten Mal, einberufen durch Papst Franziskus, zu verhandeln und seelsorgliche Empfehlungen für die Ortskirchen zu entwickeln.
Was unter Familie zu verstehen ist, war im Vorfeld schon umstritten: Ist das Vorbild für das katholische Familienverständnis die „Heilige Familie“, sprich also die Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kind(ern) oder dürfen auch andere Modelle oder besser, die von Katholiken gelebte Praxis, mitgedacht werden, wie homosexuelle Lebensgemeinschaften, bewusst kinderlose Paare, wiederverheiratet Geschiedene und Patchwork-Familien, … Und werden diese von der Katholischen Kirche ausdrücklich gewürdigt und bejaht?
Blickt man auf das Schlussdokument mit seinen 94 Aussagen zu Ehe und Familie fragt man sich, wen es denn (außer den Churchies) interessieren soll, worum mit viel Aufwand und Sitzungs-Pomp drei Wochen intensivst gerungen wurde: „Keine direkten Aussagen über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion; kaum etwas über den Respekt vor der sexuellen Orientierung gleichgeschlechtlich Liebender. Und das alles, obwohl Sexualität, Bindungen, Ehe und Familienstrukturen in den vergangenen 50 Jahren enorme Veränderungen durchgemacht haben.“ (Ludwig Ring-Eifel -KNA-)
Thema verfehlt? Die Zeichen der Zeit nicht erkannt? (LK 12,56) Oder am weltkirchlichen Verbindlichkeitsanspruch gescheitert, ausgebremst gerade von den Vertretern der „jungen Kirchen“ Afrikas, Asiens und Lateinamerikas?
„Manch Hoffnung blieb unerfüllt, wie auch manches positive Klischee widerlegt wurde. Für geraume Zeit setzte man große Erwartungen in die „jungen“ Kirchen der sogenannten „Dritten Welt“. Ihnen traute man jene Aufbrüche im Glauben zu, zu denen eine in ihren Traditionen und Institutionen erstarrte eurozentrische Kirche nicht mehr in der Lage schien. In Rom war davon wenig zu spüren. Im Gegenteil. Der aus Guinea stammende Kurienkardinal Robert Sarah fiel vor und während der Synode durch heftige dogmatische Vollbremsungen auf (und provozierte damit kirchendiplomatische Auffahrunfälle).
Die römische Synode ist vorbei. Aber die Kirche soll nach dem Wunsch von Papst Franziskus verstärkt synodalen Prinzipien folgen. Hoffentlich vermeidet sie dabei jene Paradoxie, die in Rom deutlich wurde: Die Kirche tritt bei vielen Themen heftig auf der Stelle und erweckt damit den Anschein, sie sei beträchtlich in Bewegung.“ (Hans-Joachim Höhn, katholisch.de)

Positiv und auch Hoffnung weckend sind Betonungen und Akzente, die Papst Franziskus immer wieder in die Beratungen und noch viel mehr in die die Synode begleitenden Predigten einbrachte und die hoffentlich auch ihren Niederschlag in den von ihm in Kraft zu setzenden Beschlüssen finden werden:
Den Ortskirchen soll im Sinne kultureller Vielfalt mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsraum in Lehre und Seelsorge zugemutet werden, entsprechend ihrem kulturellen Umfeld. Und das synodale Prinzip des Hörens aufeinander und der gemeinsamen Entscheidungsfindung, hierarchieübergreifend soll kirchlicher Leitungsstil werden.
Über allem aber steht der Weg der Liebe, wie ihn Paulus in 1Kor13 beschreibt und daraus folgend der Primat der Barmherzigkeit als Leitbild christlichen Lebens und Handelns.
Wenn diese Akzentsetzungen kirchliche (Leitungs-)Praxis werden und bleiben, dann war diese Synode doch mehr als eine weitere Runde der gängigen Praxis des mit sich selbst beschäftigt Seins und des Konservierens der eigenen Machtstrukturen.

Ich bitte um Gelassenheit, wenn
meine Vorstellungen nicht berücksichtigt,
meine Pläne nicht eingehalten,
meine Wünsche nicht befriedigt,
meine Vorschläge nicht ernst genommen werden.

Ich bitte um die Einsicht, dass
Stürme notwendig sind,
Fehler neue Möglichkeiten eröffnen,
Widerstand zum Denken anregt,
in Krisen eine Chance liegt,
Sanftmut weiter führt als Gewalt.

Ich bitte um den Mut,
mich an meine Grenzen vorzutasten,
meine Möglichkeiten zu entfalten,
zu sagen, was ich zu sagen habe,
zu tun, was ich tun muss,
mich zu sehen, wie ich bin.

Ich bitte um den Glauben
an die Kraft, die in mir liegt,
an das Gute in dir,
an den Wert unseres Gesprächs,
an den Sinn unseres Lebens,
dass Liebe trägt.

Max Feigenwinter Jeden Augenblick leben, Verlag am Eschbach 2005, S.36f)


Manche Menschen

Foto+Montage: Andreas Fuhrmann, HildesheimManche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich
ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.

Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen!

Petrus Ceelen (C.Peters, Einander Segen sein, Verlag am Eschbach 2010)


ANFÄNGER!

Foto: Rachel ConradIn diesen Tagen beleben sie wieder in Gruppen die Aachener Innenstadt: Die Studienanfänger
„Anfänger“, mal mit Verständnis entschuldigend gedacht oder vor sich hin gemurmelt, mal despektierlich hinterher gerufen, laut gedacht oder gar gleichgesetzt mit „Stümper!“ ist in unserem Sprachgebrauch eher negativ besetzt.
Dabei wird der Anfang doch eher positiv gesehen: neu, offen, hoffend, zukunftsorientiert, jung, …
Anfang und Ende … und dazwischen eine Entwicklung, ein Prozess, etwas Schöpferisches,…
So bereits in den ersten Worten der Bibel: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; …“ (Genesis 1,1) und am Ende dieses Schöpfungsprozesses, dieser Entwicklung steht: „Es war sehr gut“ (Genesis 1,31)
Oder wie Oscar Wilde sagt: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“
(Noch) am Anfang zu stehen, zu sein ist also eine Entwicklungschance, die zu einem guten Ende führen soll.
Der Studienanfang ist ein neuer Lebensabschnitt, eine neue Stufe auf dem Lebensweg. Und Anfänger sind mutige Menschen, die sich dieser Herausforderung stellen. Wer despektierlich über sie redet ist vielleicht nur neidisch, dass er  oder sie diese Chance und diesen Mut nicht (mehr) hat, die Chance der neuen Erfahrungen, die Chance des Anfangs.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse


 Zumutung: Führung übernehmen

Auf der Suche nach einem biblischen Impuls zum Thema Leitung in Organisationen stieß ich auf die alttestamentliche Geschichte der Berufung des Moses im Buch Exodus (Exodus 3-4). Moses bekommt vom Gott der Israeliten, Jahwe (Ich-bin-da) den Auftrag sein Volk aus der Sklaverei heraus und in das verheissene Land zu führen.
Aber wie nicht anders zu erwarten, da wo Menschen beteiligt sind, schrecken sie erst einmal vor der gewaltigen Aufgabe zurück, haben Angst, ja verweigern sich. So auch Mose, obwohl er doch am Hofe des Pharao als Führungspersönlichkeit erzogen wurde: „Aber bitte, Herr, ich bin keiner, der gut reden kann, weder gestern noch vorgestern, noch seitdem du mit deinem Knecht sprichst. Mein Mund und meine Zunge sind nämlich schwerfällig.“ Und als auch das nicht so richtig gut ankommt, versucht er sich direkt zu verweigern: „Aber bitte, Herr, schick doch einen andern!“ Aber da wird Gott richtig sauer: „Da entbrannte der Zorn des Herrn über Mose“ und stellt ihm dann jemanden zur Seite mit dem Mose nicht gerechnet hat, seinen Bruder Aaron, „Ich weiß, er kann reden“. Sie sollen ein Führungs-Duo bilden.

Charlton Heston as Moses in the 1956 movie The Ten Commandments Photograph: Allstar/Cinetext Man weiß heute, dass sie ohne weibliche Beratung ganz schön aufgeschmissen waren und deshalb wird bei der Führungsriege während des Zuges durch die Wüste auch immer Miriam, die ältere Schwester genannt als Prophetin (Gottesdeuterin), ein Titel der Moses und Aaron verwehrt wird und der deutlich macht, wie Miriams Beraterrolle im Heilsplan Gottes mit seinem Volk war.

Die Zumutung für einen Einzelnen wird zur Herausforderung eines Teams in das auch Gott als Partner sich einbinden lässt: „Sprich mit ihm und leg ihm die Worte in den Mund! Ich aber werde mit deinem und seinem Mund sein, ich werde euch anweisen, was ihr tun sollt, und er wird für dich zum Volk reden.“
Schwere Führungsaufgaben werden also nicht von Alpha-Männchen alleine gestemmt sondern brauchen die Teamarbeit von gleichgestellten Partnern, sich ergänzenden Persönlichkeiten!


Clash of cultures …

ist nicht nur der Name eines Fantasy- und Strategie-Spiels sondern in erster Linie „eine politische Theorie der internationalen Beziehungen für einen Konflikt zwischen verschiedenen Kulturräumen, insbesondere der westlichen Zivilisation mit dem chinesischen und dem islamischen Kulturraum“ entworfen bzw. vorausgesagt von Samuel Huntington in den späten 90er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges. 9/11 wirkte wie eine Bestätigung und befeuerte die Kriegsrhetorik der Bush-Ära.

Und nun ist mit Blick auf die Flüchtlingsströme wieder die Rede davon, dass Kulturen aufeinandertreffen, die nicht in Frieden miteinander leben können, weil ihnen jeweils die kriegerische Überwindung der anderen inne ist.
Massenschlägereien in Flüchtlingsnotunterkünften scheinen dann den Befürwortern dieser Theorie Recht zu geben.

Wie anders da die Erfahrung, als bei einem katholischen Gottesdienst zur Eröffnung der interkulturellen Woche eine muslimische, afghanische Ärztin bewegt von ihrer mehrjährigen Flucht erzählte über Pakistan, Iran, Türkei und die Balkanroute bis sie endlich -mit mittlerweile 2 Kindern- in der sicheren Bundesrepublik angekommen ist.

Felsendom_jerusalemAls sie dann am Ende des Gottesdienstes das Lied „In deinen Toren werd ich stehen, du freie Stadt, Jerusalem“ begeistert mitsang, wurde ich stutzig. War sie sich bewusst, was sie da sang? War das nicht übergriffig und respektlos in der Liedauswahl? Hatte sie sich soweit aus Dankbarkeit angepasst? – Nein, sie besang die Hoffnung auf Versöhnung, die Verheißung Gottes, die Sehnsucht der abrahamitischen Religionen, die gemeinsame Heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime – auch wenn wir von Versöhnung offensichtlich in dieser Stadt noch weit entfernt sind.

„Wir schaffen das!“ wenn wir uns auf das Verbindende der Kulturen und Religionen besinnen, statt das Trennende zu verstärken – in uns.


Plötzlich mittendrin – hilflos und ohnmächtig – aber trotzdem

Die Entwicklung der Flüchtlingsströme nach Europa war seit mehr als einem Jahr absehbar, dennoch reagieren die Politiker und auch die Verwaltungen wie „Otto-Normalbürger“ in den letzten Tagen vor Weihnachten: „Weihnachten kommt dies Jahr wieder so plötzlich“.

Aber auch wir europäische und besonders wir deutsche Bürger haben die sich abzeichnende Entwicklung nicht wahrhaben wollen bzw. haben gehofft, dass die Flüchtlinge ganz weit weg, eben auf den griechischen oder italienischen Mittelmeerinseln bleiben würden in der Nähe ihrer Heimat und trotzdem in Sicherheit, wie wir wähnten.

Und nun sind sie da! Und vermeintlich „plötzlich“ stecken wir mittendrin in der Herausforderung, die schnell zum Problem werden kann und an einigen Stellen bereits ist.

Wir fühlen uns unsicher, hilflos, ohnmächtig angesichts der unglaublichen Zahlen von Menschen, die bei uns Schutz suchen und sich in Europa oder noch besser im Willkommen-Land Deutschland eine neue Heimat suchen. – Diese Gefühle sind bei den Flüchtlingen die Gleichen, umso mehr ein Grund sich mit ihnen verbunden zu fühlen.

Aber, das lähmt. Und aus der Lähmung kommen wir nur gemeinsam heraus durch selbstloses Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer -auch aus unserer KHG, die sich in Sprachkursen, Sport- und Spiel-Aktivitäten mit unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen und Patenschaften engagieren und den unermüdlichen syrischen Studenten, die ihre Landsleute in der fremden Umgebung begleiten.

Oft trifft Hilfsbereitschaft auf eine überforderte Verwaltung und insbesondere in provisorischen Durchgangsunterkünften werden Beziehungen, die sich langsam zwischen Flüchtlingen und Helfern aufbauen, abrupt abgebrochen, weil die Menschen „verlegt“ werden in ein anderes „Lager“, eine andere Stadt. Und so wird schnell aus der Sorge um … das Versorgen von …

Dann hilft uns Helfern nur das „Trotzdem“ und das Erinnern der Dankbarkeit der Menschen, denen wir begegnet sind. Und der Glaube, dass Menschlichkeit und Solidarität die beste Integrationshilfe für unsere neuen Mitbürger ist, die so „plötzlich“ vor unserer Tür stehen.

Julia Engelmann 6_2015


Individuen feiern Namenstag

Als Kind, aufgewachsen im Schmelztiegel Ruhrgebiet machte in der Schule den Unterschied aus, dass man NAMENSTAG feierte. Das hob die Katholiken über die Evangelischen oder andere Konfessionen und Relegionen hinaus – denn da gab’s Extra-Geschenke. Und in Geschichten über fremde Völker und Kulturen las ich, das die Namen oft eine Aussage über den Charakter des Benannten machen sollten oder gar ihm ein Leitbild vor Augen stellen sollten. Die Feier des Namenstages bei den Katholiken sollte offensichtlich beides miteinander verbinden: Erinnerung an die Taufe, die das Leben als Christ  und die christlichen Werte als Lebensleitlinie erinnern sollte und das Bewusstwerden des eigenen Namens, der Individualität und auch das Maßnehmen an dem/ der Heiligen, nachdem man benannt wurde. Der Name als Lebensauftrag. Und der Name weisst dem/ der Namensträgerin auch einen Platz in der Gemeinschaft zu.
Helen, eine Freiwillige des eine-welt-engagement, die z.Zt. in Sambia ein Freiwilligen Jahr verbringt, beschreibt diese Namensgebung als etwas besonderes:
„Ich wurde direkt in die Familie aufgenommen und so habe ich erstmal beim Ankommen einen Tonganamen verpasst bekommen, der nichts anderes heißt als „Blessing“ (Segen). Auf Tonga ist das Chileleko und wenn ich mich hier mit diesem Namen vorstelle, ernte ich jedes Mal erstaunte Blicke, weil dieser Jemand nicht glauben kann, dass ein weißes Mädchen Chileleko heißt. Meine Gast-Mutter ist überzeugt davon, dass ich allein hier in dieser Familie bin, weil es Gottes Wille war. Und so bin ich ein Segen, eine „Chileleko“, und ein weiteres ihrer Kinder und das fühle ich auch. Ich bin hier keine Fremde.“
In der Bibel findet diese Bindungskraft des Namens und dieses Angenommensein eine Zusage und Bestätigung: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst zu mir. (Jesaja 43)
Namenstag feiern heisst also seine Berufung und sein Leben in der christlichen Gemeinschaft zu feiern.

Foto: Jonas Höhmann

Dein Name

Passt er dir gleich wie angegossen,
oder wirst du erst hineinwachsen
in seinen Klang, seinen Sinn?

Niemand kann das voraussehen.
Jeder Name ist ein Geschenk
und darin auch ein Wagnis.

Hoffentlich macht er dir Spaß,
und du drehst dich gerne um,
wenn jemand dich ruft.

Möge es in jeder Lebensphase Menschen geben,
die deinen Namen liebevoll aussprechen
und dich damit meinen, nur dich.

Vielleicht wird dir einmal alles genommen,
aber dein Name bleibt Gott selbst
schreibt ihn ins Buch des Lebens.

Oliver Kohler (Jeden Augenblick segnen – Verlag am Eschbach 2005, S.43)


Not trifft Hilfsbereitschaft

Engagement trifft Konzeptionslosigkeit
Zivilgesellschaft trifft auf Politik

Die europäische Wertegemeinschaft droht nicht am Euro sondern an der Flüchtlingspolitik zu zerbrechen. Die vermeintlich gemeinsamen (christlichen und humanitären) Werte, die bisher immer als Basis der europäischen Idee und der daraus resultierenden Völkergemeinschaft galten, drohen bei der Nagelprobe einer humanitären Solidarität sich als kollektive Illusion zu erweisen, den die handelnden Politiker nur in guten Zeiten zu akzeptieren und zu leben bereit sind, aber die in not-wendigen Situationen nationalen Egoismen zu weichen haben, bzw. außer Kraft gesetzt werden.

“ …Jetzt muss sich zeigen, was die europäischen Grundrechte wirklich wert sind. Jetzt muss sich zeigen, was es wirklich auf sich hat mit dem Motto vom „Raum des Rechts, der Sicherheit und der Freiheit“. Jetzt muss sich zeigen, ob all das mehr ist als ein Wasserfall voll Phrasen. Jetzt muss sich zeigen, ob die Konventionen, die man unterschrieben hat, mehr sind als ein paar Fetzen Papier. Wenn europäische Kernländer wie Ungarn oder Polen Menschen in höchster Not nicht aufnehmen wollen, weil sie den falschen Glauben haben, dann ist das ein Hochverrat an den Werten, deretwegen die Europäische Union gegründet wurde.

Es kann und darf nicht sein, dass Teile Europas hinter den Westfälischen Frieden zurückfallen. Europa lebt nicht nur vom Euro; es lebt von seinen Werten, von der Glaubens- und Gewissensfreiheit, der Freiheit der Person, der Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz und der Freizügigkeit. Europa lebt davon, dass es die Menschenwürde schützt. Wenn ihm diese Werte nichts mehr wert sind, ist Europa das Überleben nicht wert. …“ – Heribert Prantl in SZ – 6.September 2015

Jesiden nahe des Sinjaar-Gebirge (c) 2015 Kathrin Harms/Misereor

Einer der grundlegenden Werte des (christlichen) Abendlandes findet sich in der Bibel im Buch Levitikus: „Wenn bei Dir ein Fremder in Eurem Land lebt, sollt Ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll Euch wie ein Einheimischer gelten, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst, denn Ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, Euer Gott.“ – Levitikus 19, 33-34.
Gastfreundschaft, nicht nur auf die Volksgenossen beschränkt, wird hier in Erinnerung der eigenen erlebten Unterdrückungsgeschichte als göttliches Gesetz vorgestellt bzw. erinnert. Ge- und erlebt wird allerdings in der derzeitigen kollektiven Überforderungssituation das Gegenteil.
Das wird den Flüchtlingsstrom ins reiche und sichere Mitteleuropa nicht bremsen, führt aber zu neuem Unrecht und in der hilfswilligen Zivilgesellschaft zu Frustration und Resignation und verhindert die Inkulturation.

Deshalb für alle Helfer und Hilfswilligen eine

   Ermutigung zum
   HANDELN

Wenn du dir die Hände
nicht schmutzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn Du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen
zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.

aus: Ermutigungen zur MISEREOR-Fastenaktion 2012


PERSPEKTIVENWECHSEL

radfahrampel2Als leidenschaftlicher, täglicher Radfahrer war ich im Urlaub sehr erfreut über die gut ausgebauten Fahrradwege in Nordholland. Dennoch habe ich einige Tage und Kilometer gebraucht, um die Verkehrsleitsysteme und die dahinter stehende Logik zu begreifen.
Die Holländer denken vom Fahrradfahren her und nicht, wie wir Deutschen gewohnt, vom Auto her. Nur wer sich auf diesen Perspektivwechsel einlässt, erfährt die stressfreie, entschleunigte, weitgehend konkurrenz- und aggressionsfreie, schützende und rücksichtnehmende holländische Fahrrad-Kultur. Sie führt zu Orten und eröffnet Erfahrungen, die den in der Autofahrer-Logik/ -Kultur verhafteten verschlossen bleiben.
Ein kultureller Perspektivenwechsel eröffnet neue Welten, schafft Sicherheit, hilft verstehen, warum „die so drauf sind“ und verkürzt letztlich die Wege zueinander.

Der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle hat einen solchen kulturellen Perspektivwechsel in Anlehnung an die Seligpreisungen der Bergpredigt formuliert:

Seligpreisungen

Selig,
die das Interesse des anderen
lieben wie ihr eigenes –
denn sie werden Frieden und Einheit stiften.

Selig,
die immer bereit sind,
den ersten Schritt zu tun
denn sie werden entdecken,
daß der andere viel offener ist,
als er es zeigen konnte.

Selig,
die nie sagen: Jetzt ist Schluß! –
denn sie werden den neuen Anfang finden.

Selig,
die erst hören und dann reden –
denn man wird ihnen zuhören

Selig,
die das Körnchen Wahrheit in jedem
Diskussionsbeitrag heraushören –
denn sie werden integrieren
und vermitteln können.

Selig,
die ihre Position nie ausnützen
denn sie werden geachtet werden.

Selig,
die nie beleidigt oder enttäuscht sind;
denn sie werden das Klima prägen.

Selig,
die unterliegen und verlieren können;
denn der Herr kann dann gewinnen.

+ Klaus Hemmerle, Bischof von Aachen


 PRÜFUNGSPHASE

Die Anspannung in unserem Lernraum im Chico Mendes ist deutlich spürbar. Der Druck wächst , kaum einer der dort lernenden sieht entspannt und gelassen aus. Bei manchen Unsicherheit: Habe ich wirklich genügend gelernt? Verstehe ich das alles richtig? Soll ich die Klausur besser schieben? Ist das überhaupt mein Ding?

Aber auch Solidarität unter den Lernenden: Wie machst Du das? Kann ich Dir helfen? Soll ich’s Dir nochmal erklären?

Es gibt Ermunterung und Trost: Du schaffst das!

Gerade in Prüfungssituationen fehlt es uns oft an Selbstvertrauen und wir warten und hoffen auf glaubwürdige Menschen, die uns bestärken, in dem was wir tun, die Mut machen und Gelassenheit vermitteln –

und die uns vielleicht Segen(= Gutes zusagen) zusprechen

Wachsendes Vertrauen

Gott, der dich wahrnimmt,
lasse zu deiner Erfahrung werden,
was er dir zugesagt hat:
Bei dir zu sein
in Angst und Unsicherheit,
zu dir zu stehen
in Ausweglosigkeit und Verlassenheit,
dich zu trösten,
wenn du bekümmert bist,
deine Bedürftigkeit
zu Herzen zu nehmen.

Er schenke dir,
was du dir selbst
nicht geben kannst:
Wachsendes Vertrauen
mitten in den Widersprüchen
dieses Lebens.

ANTJE SABINE NAEGELI (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 7/2001, S.83)

Julia Engelmann Juli/ 2015


 

MUSIK IST DAS LEBEN

Foto: Guido SchürenbergDieser Ausspruch des schwedischen Jazz-Posaunisten Nils Landgren traf mich bei seinem Konzert auf Burg Wilhelmstein nach einer Woche völlig unterschiedlicher Musikerlebnisse:

Ein 60 Jahre- Leben-Soundtrack eines Freundes -weckt Erinnerungen an Situationen und Begegnungen, die Hymne LOOK AT THE WORLD von John Rutter im Semesterschlußgottesdienst –lässt zur Ruhe kommen und dankbar werden für das Leben auf dieser Erde, die poetischen Lieder Konstantin Weckers –rütteln immer noch oder wieder auf, die Hymnen von Herbert Grönemeyer, das Gitarrenspiel Paco de Lucias und Carlos Santanas EUROPA, die meditative nepalesische Musik eines Benefizkonzertes zugunsten der Erdbebenopfer, … und immer wieder die Vielfalt des Jazz mit seinen emotionalen Variationen und Improvisationen.

Live Musik – Lebens-Musik, das alles ist „recorded“ in meinem Kopf, samt den Situationen, Bildern und Gefühlen die mit dieser Musik jeweils verbunden ist. Musik erinnert mich, berührt mich, rüttelt auf, beruhigt, weckt Sehnsucht und Protest, lässt träumen … Sie lässt mich nicht los, gehört zu meinem Leben, ja wird zum Soundtrack meines Lebens – auch wenn ich nicht selbst Musik mache, d.h. meine Gefühle in Musik ausdrücken kann, sondern nur „Konsument“ bin.

MUSIK SPIEGELT DAS LEBEN UND BERÜHRT MEIN LEBEN

„Music was my first love – and it will be my last“; Musik die mich öffnet, aufmerksam macht, neue Sichten eröffnet, tief in mich eindringt, mein Leben begleitet, prägt und bereichert, mir in die Glieder fährt, mich mitreißt, mich lebendig erhält …

„Thank you fort the music …“ diesen Soundtrack meines Lebens


Alles schlecht? – ZEIT ZU LEBEN!

Foto: Guido Schürenberg

Die chaotischen Entwicklungen in Politik und Wetter (Grexit –ja oder nein oder vielleicht doch noch irgendwann; Temperatursprünge von bis zu 20°C innerhalb eines Tages und das gleich 2-3mal pro Woche; IS und Pegida – Extremismus provoziert Extremismus; …) verleiten mich manchmal zu depressiver Stimmung, Lustlosigkeit, … und Fatalismus-da kannste ja eh nichts dran ändern.

Nur, das zieht mich noch mehr runter und tötet auch noch die letzten Reste meiner Motivation.

Wie rauskommen aus dieser Spirale, wo sind die Lichtblicke, die mich motivieren, die Spaß machen, mich in Bewegung bringen.

Also mache ich mich auf die Suche nach Trotzallemschön-Momenten: Die Kornblumen im Getreidefeld –im Vorbeifahren mit dem Fahrrad auf dem Weg ins Büro entdeckt, fotografiert und an die Pinnwand geheftet. Mit Freunden zusammen Gerichte aus meinem Lieblingsurlaubsland kochen und mich erinnern … Im Tee- oder Gewürzladen die Vielfalt der Gerüche und Farben wahrnehmen und ein bisschen träumen von südfranzösischen Märkten … Am Abend auf der Terrasse sitzen mit einem Glas Rotwein und Musik hören … „Der Moment, der die Wirklichkeit maskiert. Es tut nur gut zu wissen, dass das wirklich funktioniert“ (Wolke 4, Dittberner&Marv).

Die Wirklichkeit bleibt, aber ich bekomme neue Motivation zum Leben und Handeln in dieser Wirklichkeit. – ZEIT ZU LEBEN

Zeit des Fluchs und Zeit des Segens,

Zeit der Dürre, Zeit des Regens,

Zeit der Ernte, Zeit der Not,

Zeit für Steine, Zeit für Brot.

Zeit der Liebe, Nacht der Frage,

Stunde Wahrheit, Tag der Tage,

Zukunft, die gekommen ist,

Wort, das voll der Stille ist.

 

D-Day-Strand Foto: Guido Schürenberg

Zeit des Trostes, Zeit der Tränen,

Zeit der Schönheit, Zeit zu schämen,

Zeit des Jagens, jetzt und nimmer.

Zeit des Hoffens, einmal – immer.

Sinnvergessne Zeit zu schweigen,

niemand kennen, nirgends bleiben,

Zeit Bedrückung, Angst und Neid,

Meer von Zeit und Einsamkeit.

 

Wer ans Dasein sich verloren,

neuem Anfang abgeschworen,

wer nur, was er hat, erstrebt,

sterben wird er ungelebt.

Zeit des Lebens, um mit vielen

Brot und Atemzug zu teilen –

wer die Selbsterhaltung brach,

findet Leben hundertfach.

 

Huub Oosterhuis,Jeden Augenblick segnen – Verlag am Eschbach 2005, S.260


 Die Spuren der Stürme annehmen

Foto: Guido Schürenberg

Die Macht der Gefühle

nicht länger

der Vernunft unterordnen,

kanalisieren

oder ganz unterdrücken.

Die Leidenschaft

strömen lassen

voller Kraft:

mit der Wut

und der Freude,

mit der Lust

und der Liebe.

 

Foto: Guido SchürenbergSich nicht länger

abhängig machen

von anderen Menschen;

nicht mehr

in die Knie gehen

vor Enttäuschung.

Stattdessen aufstehen,

gerade gegen

den Schmerz,

denn dein Leben

gehört dir

allein.

 

Foto: Kristina BroeringManchmal

sehne ich mich

nach dem geraden Weg,

nach der einfachen Lösung,

nach der Eindeutigkeit.

Und doch weiß ich,

dass es die verschlungenen Pfade,

die verworrenen Gefühle

und die Irrtümer sind,

die mich unterwegs sein .lassen,

um zu werden,

die ich bin.

 

Foto: Guido Schürenberg

Wachsen dürfen

ohne beschnitten zu werden ein

wenig knorrig vielleicht

in späteren Jahren,

aber doch wissen,

sich nicht gebeugt zu haben

der Normierung

des angeblich Schönen.

Die Spuren der Stürme annehmen

und die rissige Rinde

mit Stolz tragen zum Zeichen

einmaligen Gewordenseins –

einsam wohl oft, aber frei.

 

Christa Spilling-Nöker, Liebe das Leben, Verlag am Eschbach 2003


Endlich Sommer!

Zeit das Leben zu genießen: die Natur um mich herum, die Farbenpracht, die gut gelaunten, lächelnden Menschen, die mir begegnen, der Wochenmarkt mit seiner reichen Auswahl an frischem Obst und Gemüse aus der Region,… mich anstecken lassen von der Fröhlichkeit und Gelassenheit um mich herum, …

„Die Menschheit muss sich ändern!“ – Diese Aufforderung des Papstes in seiner Umweltenzyklika hindert mich nicht diesen Moment, den Sommer zu genießen. Im Gegenteil! Der Lobgesang des Heiligen Franziskus – „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“- der dieses päpstliche Lehrschreiben einleitet, bestärkt mich eher darin alles mir mögliche zu tun, damit meine Kinder und Enkel, damit die ganze Menschheit eine lebenswerte Zukunft hat in Einklang mit einer intakten Mitwelt und als Kinder dieser einmaligen Erde. Und dass wir dankbar das Leben “ in Fülle „(Johannes 10,10) genießen können – nicht nur diesen Sommer.

Spielspaß

Ile de Re Foto: Guido SchürenbergAllmächtiger Gott,

der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

der du alles, was existiert,

mit deiner Zärtlichkeit umschließt,

gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden,

damit wir als Brüder und Schwestern leben

und niemandem schaden.

 

Vater der Armen,

hilf uns,

die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

die so wertvoll sind in deinen Augen,

zu retten.

 

Heile unser Leben,

damit wir Beschützer der Welt sind

und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen

und nicht Verseuchung und Zerstörung.

 

Rühre die Herzen derer an,

die nur Gewinn suchen

auf Kosten der Armen und der Erde.

 

Lehre uns,

den Wert von allen Dingen zu entdecken

und voll Bewunderung zu betrachten;

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind

mit allen Geschöpfen

auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

 

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte in unserem Kampf

für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

 

Franziskus I(2015), Laudato si


LEBENSTRAUMRAUM – RADIKAL

Ein Leitartikel vom letzten Donnerstag, dem Tag an dem das päpstliche Lehrschreiben LAUDATO SI veröffentlicht wurde, hat erst gestört, dann provoziert mich gepackt und spukt seitdem in seinen Etikettierungen und Ansprüchlichkeiten immer wieder durch meinen Kopf:
„Wir sind genau die Zyniker und Drübersteher geworden, vor denen wir unsere Eltern mit kapitalismus- und kleruskritischen Gesängen immer gewarnt haben. …Wir wollen keinen, der unseren Lebensstil durcheinanderwirbelt. … Jetzt sind wir verstört, weil Franziskus sie (die Kirche) zum Traumraum umgestaltet. … Der Mann in Rom ist radikal. … Er ist zornig, wir sind bürgerlich. Er ist sohondeherbahar, wir sind vernünftig….“
Es sind die Worte, die mir immer wieder den Spiegel vorhalten und es geht um etwas Existentielles: Um das Leben auf diesem Planeten und unsere Verantwortung dafür. Es geht um das, was ich und die Menschheit (noch) vom und für das Leben erwarten (können), dafür erhoffen, erträumen; und wie wir dies durch unseren Lebensstil beeinflussen. Ja, und es geht ganz persönlich um unsere Träume, um unsere Ideale.
Das diese Worte in einem kirchlichen Lehrschreiben stehen, gerichtet an alle Menschen guten Willens ist nicht übergriffig, sondern macht die Existentialität deutlich. Es markiert aber auch die Kirche als Ort in der Welt und mit einer Botschaft für die Welt, in der Träume und Visionen Radikalitäten provozieren, denen glaubwürdiges Handeln folgen muss. (Zum Beispiel durch Divestment).
Wir mit unserem Lifestyle, unserem ökonomischen und ökologischen Handeln sind gefordert, damit wir die uns geschenkte Erde als Menschheit weiter bevölkern können und auf ihr buen vivir -gut leben- können.
Die Botschaft der Kirche, inspiriert von ihrer biblischen Wurzel (radix) hatte immer den Traum des Lebens in Fülle (Joh 10, 10) verkündet. Nun muss sie diesem Traum Raum geben, mitten in und für diese Welt und ihn radikal selbst und glaubwürdig leben. Stilbildend, zum Heil der Welt.

10505138_841163469298522_5210585848980787956_oWenn du ganz lebst,
ganz und gar versuchst zu sein,
was du sein kannst,
strahlst du,
geht Licht und Wärme von dir aus,
wirkst du.

Wenn du ganz lebst,
schaffst du eine Atmosphäre,
in der sich Menschen wohlfühlen,
einander begegnen,
miteinander reden,
füreinander da sind.

Wenn du ganz lebst,
echt und ehrlich bist,
Anteil nimmst und gibst,
schaffst du neue Möglichkeiten,
neue Welt.

Max Feigenwinter

Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.119


Solidarisch werden

In den Grenzsituationen unseres Lebens können wir keine Lösungen herbeizaubern. Wenn wir zu sehr meinen, wir müssten etwas tun, dann vergessen wir das nahe Liegende: das Mitsein.
Gott offenbart sich dem Mose mit den Worten >>Ich bin da«. Gottes Name ist Ausdruck seines Wesens. Gottes Wesen bedeutet, immer da zu sein.
Diese Zuversicht konkretisiert sich auch durch uns, wenn wir die Kraft des stillen Daseins, des Zuhörens, des Tröstens wieder in einem größeren Zusammenhang -im Angesicht der Ewigkeit- sehen. Der Sinn stiftenden Kraft des Daseins trauen bedeutet, mehr im Hier und Jetzt zu leben.
In welchem Lebensalter ich auch stehe, bis ins hohe Alter habe ich eine ureigene Aufgabe auf dieser Welt. Sie wird Wirklichkeit, wenn ich weder zu sehr in der Vergangenheit noch dauernd in der Zukunft lebe. Denn beides verhindert uns, der Kraft des Augenblicks zu trauen .
Dies ist die Umkehr, von der Jesus spricht: das Reich Gottes ist schon da. Das Wesentliche ist schon da. Die Lösung ist in dir. Gott ist schon da.
Es gibt keinen gottlosen Menschen auf dieser Welt, weil kein Mensch Gott los werden kann.
Durch das stündliche Innehalten im Alltag, dem tiefen Ein-und Ausatmen, können wir einüben, der Kraft des Mitseins zu trauen.

Mit allen Menschen guten Willens

Foto: Asli YükselSolidarische Menschen
möchten wir werden:
Menschen mit größter Sorgfalt
uns selber gegenüber
Menschen mit größter Einfühlsamkeit
anderen gegenüber,
Menschen mit größter Verbundenheit
mit der ganzen Mitwelt

Gerechtigkeit
Frieden
Bewahrung der Schöpfung –
das sind jene großen
Lebensaufgaben
die uns mit allen Menschen
guten Willens
auf dem ganzen Erdkreis verbinden

Dich, Gott
suchen wir in diesem
Solidaritätsprozess
Wir suchen Dich in all dem
was verbindet
in allen Religionen

Pierre Stutz, Einfach leben, Verlag am Eschbach 2004, Blatt 31f


KLIMAWANDEL

Da bestätigen die Staatschefs der führenden (demokratischen) Industrienationen auf dem G7-Gipfel gestern nach mühsamem Ringen den gemeinsamen Willen ein Klimaschutzziel zu erreichen durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas.
Um die Erderwärmung unter die kritische Marke von 2°C bis zum Ende des Jahrhunderts zu halten, soll der weltweite Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2050 um 70% des Niveaus von 2010 gesenkt werden.
Dazu wollen sie auf dem UN-Klimagipfel im Dezember in Paris Verpflichtungen für eigene Klimabeiträge abgeben.
„Alle bisherigen Zusagen der Industrie- und Schwellenländer reichen allenfalls aus die Erderwärmung auf 3,5°C zu begrenzen“ (Klima-sucht-Schutz.de)
Endlich! – Denn auch die Existenz der Menschheit ist angesichts dieses lebensbedrohenden, von Menschen verursachten Klimawandels endlich! Die armen Gegenden der Erde spüren dies schon jetzt und die Unwetterkatastrophen in Europa lassen uns ahnen, was da auf uns und die kommenden Generationen zukommt.
“ Gottes Schöpfung, uns anvertraut, ist bedroht, existenziell bedroht durch Konsumismus und Kapitalismus. Und es trifft zuerst die Armen.“ – so provokant wird es Papst Franziskus in diesem Monat in seiner Enzyklika „Laudate sii“ ausdrücken , mit der er im Sommer auf „Welttournee“ geht.Für Christen ist das „grüne“ Thema schon ein „alter Hut“, auch in der Kombination mit internationaler Gerechtigkeit und Frieden. Seit 1983 kennen sie den „Konziliaren Prozess zu Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung (Integrity) der Schöpfung“, also als Lernweg der christlichen Kirchen. Seit der Jahrtausenwende hat diese ökumenische Bewegung allerdings nur noch wenig und wenige politisch bewegt. Von daher können die deutlichen Worte des Papstes möglicherweise dem UN-Klima-Gipfel im Dezember einen katholischen, d.h.das Ganze betreffend, Impuls geben, dass die Weltgemeinschaft sich ihrer Verantwortung für die Existenz der Menschheit bewusst wird, glaubwürdige Maßnahmen beschliesst und für ihre Realisierung sorgt. Das wäre ein wirklicher Klimawandel!Unterbrechung-Mittendrin_06-09

Es segne uns der Gott der Verheißung,
er gebe uns Mut,
unseren Träumen von Gerechtigkeit zu trauen
und nicht den sogenannten Sachzwängen,
er gebe uns Hoffnung auf gelingenden Frieden,
der keine Mauern aufbaut,
um die eigenen Reichtümer zu befrieden,
er gebe uns die Vision einer unbeschädigten Natur,
die ihren Wert nicht nur für uns,
sondern in sich selber hat.
Es segne uns der Gott der Verheißung
auf den Wegen seiner Verheißung.

Angelika Büchelin, Jeden Augenblick segnen, Eschbach 2005, S.257


 DAS MORGEN ERWARTEN OHNE ANGST

Ich kenne sie die GERMAN ANGST, wie die in der deutschen Bevölkerung sicherlich weitverbreitete Zukunftsskepsis im anglo-amerikanischen Sprachraum oft verächtlich genannt wird.

Ja auch ich habe manchmal Angst, wenn ich an die Zukunft denke. Nicht für mich persönlich, aber für die Zukunft der Welt, so wie meine Kinder und Enkel und wie die Studierenden, mit denen ich zusammenarbeite, sie erleben werden.

Meine Sensibilisierung und Politisierung begann vor 40 Jahren mit einer Studie des Club of Rome DIE GRENZEN DES WACHSTUMS und in der Folge im Jahr 1980 mit GLOBAL 2000 –einem Bericht an den amerikanischen Präsidenten, der mit der Perspektive endet: „Die Schlussfolgerungen, zu denen wir gelangt sind, sind beunruhigend. Sie deuten für die Zeit bis zum Jahr 2000 auf ein Potential globaler Probleme von alarmierendem Ausmaß (…) Weltweite Veränderung der Politik ist erforderlich, bevor sich diese Probleme weiter verschlimmern und die Möglichkeiten für wirkungsvolles Handeln immer stärker eingeschränkt werden (…) Angesichts der Dringlichkeit, Reichweite und Komplexität der vor uns liegenden Herausforderungen bleiben die auf der ganzen Welt in Gang gekommenen Anstrengungen allerdings weit hinter dem zurück, was erforderlich ist. Es muss eine neue Ära der globalen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Verpflichtungen beginnen, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel ist.“ Und diese Perspektive hat sich nach dem Jahr 2000 eher noch verschärft, wie wir an den Umwelt- und Klimakatastrophen der vergangenen Jahre sehen und erleben konnten.

D-Day-Strand Foto: Guido SchürenbergDiese neue Ära der globaler Zusammenarbeit und der gegenseitigen Verpflichtungen begann hoffnungsvoll mit den MILLENIUM GOALS , beschlossen durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2000, einem Maßnahmenkatalog mit konkreten Ziel- und Zeitvorgaben und dem übergeordneten Ziel, die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

Das Fazit beim G7-Gipfel an diesem Wochenende in Bayern wird weitgehend negativ ausfallen und schon zeichnet sich die nächste Zukunftsinitiative ab …

Die FDP setzte auf ihrem Zukunftsparteitag im Mai dagegen das Programm GERMAN MUT. Ein euphemisierender Versuch die eigene Perspektivlosigkeit zu kaschieren oder können wir wirklich zuversichtlich auf die Zukunft der Welt schauen?

Papst Franziskus hat in seiner unnachahmlichen Weise einen christlichen Lebensentwurf formuliert:

Blicke auf die Vergangenheit mit Dankbarkeit
Lebe die Gegenwart mit Leidenschaft und Freude
Und
Umarme die Zukunft mit Hoffnung

Das heißt für mich leidenschaftlich und glaubwürdig für eine lebenswerte Zukunft der Menschheit mich zu engagieren und mich dabei nicht von Angst und Pessimismus leiten zu lassen, sondern von Hoffnung, vertrauend darauf, dass ich und die ganze Menschheit von Gott getragen ist:

Es lasse dich Gott
das Morgen erwarten
ohne Angst

deine Aufgaben anpacken
ohne Erschrecken
vor den Schwierigkeiten
die kommen könnten

neue Wege beschreiten
ohne Sorge wann
und wo sie enden werden

in der Irre nicht zweifeln
am Ziel

im Dunkel schon hoffen
auf das Licht

im Weinen dich schon freuen
auf das Lachen

nicht wissen aber gewiss sein
ohne Beweise dich weisen lassen
er lasse dich fallen
in Erwartung des Netzes
ruhig schlafen mitten im Sturm
und aufwachen und weitergehen
getrost

Wilma Klevinghaus

aus: Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.103


 Pfingsten hat es nach 2000 Jahren auf die Titelseite geschafft …

„als radikaler Gegenentwurf zur Gesellschaft der atomatisierten Bürger“ in der jeder nur noch um das eigene Ego kreist und deren Gemeinsamkeit „ihre schier unüberwindliche Fremdheit“ ist.

So beschreibt der Leitartikel der  ZEIT 21/ 2015 von Thomas Assheuer: Die multikulturelle Gesellschaft des ersten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung im Nahen Osten erging sich in Kulturkämpfen, die römische Besatzungsmacht beutete das Land und seine Bewohner aus und schlug jegliche Form von Widerstand brutal nieder. So auch die Friedensbotschaft des Jesus von Nazareth, die man glaubte durch dessen Hinrichtung erfolgreich aus der Welt geschafft zu haben. Da realisierte sich eben Diese am jüdischen Wochenfest als gemeinsame „Geisterfahrung“, die erlebbar machte, was möglich ist, wenn jeder jeden versteht und das durchaus nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell.

Unsere egomane, liberale Gesellschaft muss zwar aus eigenem Willen und eigener Kraft diesen „Geist der Gemeinschaft“ immer wieder neu erzeugen, aber die Erinnerung an das religiöse Pfingstereignis motiviert die Veränderungskräfte und weckt die Begeisterung, dies immer neu zu versuchen.

Zumthor-Kapelle, Mechernich Foto: Rudi Hürtgen„Das kommunikative Pfingstwunder rührt an ein menschliches Elementarverlangen, es rührt an die Sehnsucht nach Frieden, oder nüchterner gesagt, an den Wunsch nach Differenz ohne Gewalt. So illusorisch und weltfremd diese Sehnsucht auch sein mag, so sehr existiert sie angesichts einer chaotisch verworrenen Weltlage heute erst recht. Die Killerhorden des „Islamischen Staates“, der lauernde Kriegszustand zwischen Israelis und Palästinensern, Assads staatlich kommandiertes Massenmorden in Syrien – gerade im Nahen Osten ist die Verfeindung so gnadenlos , dass nur die Hoffnung auf ein säkulares Pfingsten bleibt, die Hoffnung auf ein politisches Wunder. Nicht, dass die Todfeinde plötzlich mit einer Zunge reden sollten; es würde völlig reichen, wenn sie sich darüber verständigten, einander nicht länger mit aller Macht zu bekämpfen, bis zum Äußersten. Denn sonst bliebe nur ewiger Kampf.“

Die Ego-Wirkung des Geistwunders beschreibt Hanns-Dieter Hüsch:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen.

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein‘ Trübsal hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch
aus: Hüsch/Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz – tvd-Verlag, Düsseldorf, S.140


„Die sind doch nicht von dieser Welt!“

Wenn mir dieser Satz entfährt, dann meistens, weil ich mich über ganz konkrete Menschen und ihre maßlosen Forderungen aufrege – wie Piloten und Lokführer. Oder eher verständnisvoll über naive, idealistische oder weltfremde Einschätzungen und Aktionen von Zeitgenossen, die noch nicht so etabliert und abgeklärt oder auch resigniert sich mit der Welt „so wie sie nun mal ist“ arrangiert haben. Die noch versuchen etwas zu verändern, zu retten.

Oder: „Spinner, Nicht für voll zu nehmen, Phantasten, … oder gar Gut-Menschen …“

Was lässt mich so urteilen über Ideale und Motivationen meiner Zeitgenossenschaft, egal welchen Alters, Milieus, Position, …?

Ist es Neid oder gar Resignation? Weil ich meine Ideale verloren habe und mich abgefunden habe mit mir und meiner Um- und Mitwelt, mit den vermeintlichen Ordnungen, die auch mir helfen „mein Leben zu meistern“ und mich nicht permanent in Frage zu stellen? – Oder Bewunderung?

D-Day-Strand Foto: Guido SchürenbergNicht von dieser Welt sein und eine heilige Ordnung vollstrecken ist aber auch die Motivation für religiöse Fundamentalisten, die dann auch ihre „heilige Ordnung“ mit brutalster Gewalt herbei bomben!

Umso mehr trifft mich da ein Satz aus dem Johannes-Evangelium (am Sonntag gehört), wo Jesus für seine Jünger –und als Christen sind wir das- betet: „Sie sind nicht von der Welt“ und „weil sie nicht von der Welt sind, hat die Welt sie gehasst“ – weil sie sich nicht der vermeintlichen Ordnung und den Gesetzen „der Welt“ – also dem Mainstream –unterwerfen wollen, sondern die Welt christlich, menschlich gestalten wollen. „Ich habe sie in die Welt gesandt“, um das Reich Gottes zu verkünden und zu leben.

Also in der Welt sein und glaubwürdig Welt gestalten!

Ermutigung zum
HANDELN

Wenn du dir die Hände
nicht schmutzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn Du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen
zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.

aus: Ermutigungen zur MISEREOR-Fastenaktion 2012


Jetzt wäre die Zeit …

Jo-Hadwiger-5in der Sonne zu sitzen, in Strassencafés und Biergärten, auf Balkonen und Terrassen.
Zeit den Frühling, die Sonne, den Sound des Lebens um uns herum zu genießen.

Keine Zeit? – Kenne ich!

Aber, „wenn nicht jetzt, wann dann?“

Wir sind doch „geboren um zu leben, mit den Wundern jeder Zeit …“ Dieser Song der Aachener Gruppe UNHEILIG liegt mir im Ohr; er ist nicht der Soundtrack meines Lebens, aber dazu gehört er sicherlich, weil er mich auffordert jetzt und hier zu leben, es zu geniessen. Und weil dieser Moment mich davor bewahrt an all den vielen ungelösten Aufgaben und Herausforderungen, die täglich in der Welt und in meinem Umfeld auf mich einstürzen zu verzweifeln. Das Leben geniessen ist eine Unterbrechung und ermöglicht durchzuatmen und dann kreativ und konstruktiv mich den Herausforderungen meines Lebens zu stellen.

Mich ermutigt immer wieder die Zusage Jesu im Johannesevangelium: “ Ich bin gekommen, dass sie (gemeint sind wir!) das Leben haben und es in Fülle haben!“ Johannes 10,10

 

Foto: Johannes NadenauMöge dir ein jeder Tag
in all seinen Stunden,
seinen Minuten und seinen
unzählbar scheinenden Sekunden
von Augenblick zu Augenblick
gesegnet sein.

Möge dir die Zeit, die dich erwartet,
immer wieder neue Ideen
ins Herz buchstabieren,
damit sich dein Leben
spannungsvoll fortschreibt
wie ein lesenswertes Buch.

Christa Spilling-Nöker, Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.261


Unser tägliches Brot gib‘ uns heute

Drei Informationen habe ich heute Morgen aufgenommen und versuche sie miteinander in Beziehung zu bringen:
1.    Heute am 5.5.15 ist der TAG DES DEUTSCHEN BROTES „zu Ehren der deutschen Brotkultur“ ausgerufen durch den Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks.
2.    „Bei der Expo in Mailand dreht sich alles um das Thema Ernährung – doch die Millionen Menschen, die hungern, thematisiert nur der Vatikan. Stattdessen sind Lebensmittelgiganten wie Coca Cola, Nestlé und McDonald’s präsent.“ (tagesschau.de)
3.    In diesem Jahr laufen die MILLENIUM GOALS der Vereinten Nationen aus, die u.a. sich zum Ziel gesetzt haben „Zwischen 1990 und 2014 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden“ –„Zwar können einige aktuelle Zahlen optimistisch stimmen – so ist die Zahl der hungernden Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten um ein Drittel gesunken – aber noch immer müssen mehr als 840 Millionen Menschen Hunger leiden.“(pflanzenforschung.de Mai 2014)
Drei Ernährungsthemen  – aber auch Fragen nach Kultur, Sicherheit und Zukunft auf diesem Planeten. Unsere Nahrung ist Grundlage menschenwürdigen Lebens.
Hunger ist nach wie vor einer der Hauptgründe für Flucht in die reichen Länder des Nordens. Und Nahrungshilfe ist neben medizinischer Versorgung und Behausung die dringlichste Hilfsmaßnahme z.B. nach der  Erdbebenkatastrophe in Nepal.
Wir wissen die Vielfalt der deutschen Brotkultur oft nicht zu schätzen, können mit dem liturgischen Gebet “… Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ nur noch wenig anfangen, verdrängen die häufig industrielle Herkunft unserer Nahrung und haben  -wie es ein sambischer Student formulierte- „die Ehrfurcht vor unseren Lebensmitteln verloren“. Eine Konsequenz des Nahrungsmittelüberflusses?
In allen Religionen ist Essen, insbesondere in Gemeinschaft, ein Zeichen der Kultur und Anlass für dieses Geschenk dankbar zu sein. Deshalb wird vor dem Essen gebetet oder/ und ein Segen gesprochen.
Ich möchte mir diese Ehrfurcht vor dieser menschlichen Kulturleistung wieder zurückgewinnen und in Dankbarkeit beten und segnen können:

In der Mitte des Tages

www.zugutfuerdietonne.deGott, in der Mitte des Tages
sammeln wir unsere Gedanken.
Wir denken an dich.
Wenn wir Hunger haben
auf halbem Weg,
bist du da
und stärkst uns.

Auf den Durststrecken mitten am Tag
bist du da,
erfrischst uns
und trägst uns weiter.

Wir legen dir die Menschen ans Herz,
die uns lieb sind.
Sei mit ihnen.
Sei mit allen, denen etwas fehlt.
Segne du unsere Tischgemeinschaft
und gib uns dankbare Herzen
für das, was du uns schenkst.

FRITZ BALTRUWEIT (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.44)


 AUCH DAS NOCH …

habe ich am Samstagabend gedacht, als die Nachrichten über die Erdbebenkatastrophe in Nepal berichteten.
Auch das noch … in unserer ohnehin schon krisen-, katastrophen- und kriegsgequälten Welt.
Auch das noch …
Und jetzt? – So wirklich betroffen bin ich ja nicht, weder hat das Erdbeben klimatische oder geologische  Folgen für mich und meine Heimat Deutschland, noch kenne ich Menschen, die z.Zt. als Touristen dort unterwegs sind.
Aber dann fällt mir Deepus ein, ein Student aus Nepal, der sich in unserer Katholischen Hochschulgemeinde in unterschiedlichen Gruppen und Initiativen engagiert.
Über ihn habe ich andere getroffen und meine erste Frage, wie es ihren Familien geht, hat auch mich zu einem Betroffenen gemacht, der zwar immer noch nicht weiß, wie er damit umgehen soll – aber, das Schicksal der Nepalesen ist mir nicht mehr egal seit ich sie getroffen habe, denn über Deepus, Prajwol und die anderen kommt es mir näher und ich kann spenden, mich solidarisieren, … ja auch für sie, ihre Angehörigen und auch für mich und uns beten – weil mich etwas mit Ihnen verbindet.

Bleibe bei uns mit deinem Segen

Foto: Nina Bartz Gebetsfahnen im Himalaya - Sie werden von den Gläubigen bis zur vollständigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt, damit nach ihrer Überzeugung die Gebete dem Himmel zugetragen werdenWenn der Boden
unter meinen Füßen schwankt,
reichst du mir deine Hand
und hältst mich fest
Wenn ich keinen Boden mehr
unter den Füßen habe,
stellst du mich auf festen Grund.
Wenn die Erde sich auftut,
um mich zu verschlingen,
umgibst du mich mit deiner Liebe,
denn dein Reich ist nicht zu zerstören.

So bleibe bei uns,
mit deinem Segen für Leib und Seele.
So bleibe bei uns,
mit deiner Kraft für Geist und Sinn.
So bleibe bei uns,
mit deiner Liebe auf allen unseren Wegen.
Bleibe bei uns, Herr, mit deinem Segen.

UWE SEIDEL (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.78)


Wut und Hilflosigkeit, Trauer und Scham

empfinde ich in diesen Tagen, wenn ich die Nachrichten wahrnehme in denen täglich von dem nicht abreißen wollenden Flüchtlingssterben im Mittelmeer berichtet wird.
Wut – auf die europäische Unfähigkeit elementare, humanitäre Hilfe vorzuhalten und dies mit nicht zumutbaren Kosten zu begründen. („Die Rettung der Bank Hypo Real Estate hat die deutschen Steuerzahler um die 20 Milliarden Euro gekostet, das sind etwa 185 Jahre Mare Nostrum.“ -Stefan Hebel, fr-online-), aber auch auf die menschenverachtende internationale Schlepper-Mafia, die sich am Elend der Flüchtline bereichert und deren Tod bewusst in Kauf nimmt.

Foto: ap/Massimo Sestini auf rp-online.deHilflosigkeit – angesichts der so komplexen Kriegs- und Terror-Situation in den Herkunftsländern, der herrschenden Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit und das diese selbst auf den Booten noch ihre Opfer in erneutem Terror und Gewalt findet. Andererseits gibt es in den südeuropäischen Gesellschaften ebenfalls riesige soziale Probleme, von denen die Jugendarbeitslosigkeit von teilweise über 50% nur eines ist. Wieviel hilfloser müssen sich die Menschen dort fühlen.

Trauer – angesichts des Elends und des sinnlosen Sterbens, angesichts der Opfer dieser Katastrophe und dass unsere europäische Gesellschaft so wenig emphatisch und solidarisch reagiert, wo sie sich doch gerne auf ihre christlichen Werte beruft.

Scham – ja ich schäme mich für mein eigenes abgestumpft sein, für meine diffusen Ängste gegenüber dieser Katastrophe, für mein Verdrängen und Wegsehen.

Zwei Ermutigungen helfen mir in diesen Tagen zwischen AUSHALTEN und HANDELN:

Ermutigung zum
AUSHALTEN

Wenn die Ungerechtigkeiten der Welt
dir keine Ruhe lassen,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich voller Tatendrang
an die Seite der Armen zu stellen.

Wenn du zwar kleine Hoffnungszeichen erkennst,
aber das Leid der Welt noch immer so groß ist,
dann wünsche ich dir den Mut,
diese Spannung auszuhalten.

Wenn du ungeduldig wirst
und verzweifelst,
wenn sich trotz aller Mühen
zu wenig bewegen lässt,
dann wünsche ich dir den Mut,
voll Gottvertrauen und Hingabe weiterzumachen.

 

Ermutigung zum
HANDELN

Wenn du dir die Hände
nicht schmtzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mutdich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen
zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.
Wenn du dir die Hände
nicht schmutrzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

(Ermutigungen zur Früh- und Spätschichtreihe zur MISEREOR-Fastenaktion 2012)


 Ganz Leben

Foto: Tilman FroschWenn du ganz lebst,
ganz und gar versuchst zu sein,
was du sein kannst,
strahlst du,
geht Licht und Wärme von dir aus,
wirkst du.

Wenn du ganz lebst,
schaffst du eine Atmosphäre,
in der sich Menschen wohlfühlen,
einander begegnen,
miteinander reden,
füreinander da sind.

Wenn du ganz lebst,
echt und ehrlich bist,
Anteil nimmst und gibst,
schaffst du neue Möglichkeiten,
neue Welt.

Max Feigenwinter (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.119)