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Unterbrechung-Mittendrin September – Dezember 2019

… und auf Erden ist Frieden bei den Menschen!

Die für menschliches Zusammenleben wichtigste Grundbedingung wirkt in der Weihnachtsbotschaft des Lukas-Evangeliums wie ein Anhängsel zum „Verherrlicht ist Gott in der Höhe…“ Die Verbindung stellt dieser Jesus dar. Seine Geburt verherrlicht Gott, lässt seine Größe erscheinen und bewirkt Frieden den Menschen.
Aber entspricht dies wirklich unserer Erfahrung oder ist es nur eins der vielen Weihnachtswünsche, dass mit diesem Jesus und seiner Geburt in Bethlehem der Welt Frieden geschenkt wurde? Die Geschichte der Menschheit ist doch geprägt von Krieg, Hass und Gewalt. Und immer wieder wurde im Namen Gottes und von Gotteskriegern Gräueltaten begangen.
Da wirkt dieses Geschenk Gottes, doch eher hilflos und schutzbedürftig. Das soll der Retter und Erlöser der Welt sein?
Am Ende seines Lebens wirkt er wieder genau so hilflos und ohnmächtig am Kreuz, sodass seine Spötter sagen: Wenn Du der Erlöser bist, dann hilf Dir doch selbst!
Ein ohnmächtiger Gott, ein ohnmächtiger Mensch erfüllen den Menschheitstraum Frieden?
Ja, wenn man das DAHINTER sieht und Realität werden lässt: Die Geburt Jesu als Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Diese ansteckende Liebe, die sein Leben ausgemacht hat und seine frohe Botschaft eines daraus resultierenden Gottes Reiches als Leben in Fülle. Diese Liebe ist die eigentliche Macht, die in der Lage ist allen Hass und Gewalt zu überwinden, und die Frieden auf Erden bei den Menschen bewirkt. „Jesus verkörpert (diese) Möglichkeit des Friedens, die über das Bisherige hinausgeht … ‚Friede auf Erden‘ ist ein Himmelsgeschenk, aber die Menschen müssen erst lernen seinen Wert zu ermessen.“ (Evelyn Finger, Die Zeit 53/2019 – Seite 1) – und an ihn glauben.

GS 24.Dez 2019

Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Keine deiner Entscheidungen,
keines deiner Worte,
keine deiner Gesten
kann je ungeschehen gemacht werden.

Ich wünsche dir,
dass du Spuren der Freude hinterlässt
und des Glücks,
Spuren der Hoffnung und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und dass du da, wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker

sinnentleert

“Weihnachten war einmal die Zeit der leuchtenden Augen und erfüllten Wünsche. Die Zeit der Erbauung und Entschleunigung” …
So schreibt der Soziologe Hartmut Rosa über die sozialen Folgen des modernen Kapitalismus in Zeit 52/2019
Das klingt ein bischen wehmütig, wie nach Märchen, “es war einmal …”, nach einer Sehnsucht nach Kinderzeiten, nach “früher”, in denen nicht nur “mehr Lametta war”, sondern auch mehr Besinnung und (vor-)weihnachtliche Stimmung erlebbar waren.
Dagegen ist Weihnachten in diesen Wochen immer mehr konsumistisch aufgeladen. Wohingegen der ursprüngliche Sinn entleert wird:
Die Menschwerdung Gottes in der Geburt Jesu zu feiern, dessen befreiende Botschaft von der unendlichen Liebe Gottes zu uns Menschen Hoffnung über den Tod hinaus für diese, unsere Welt gibt!
Angesichts der minimalistischen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz COP 2025 in Madrid ist diese Hoffnung höchst aktuell und Not-wendig. Eine Hoffnung, die uns Flügel verleiht und Frieden der Welt verkündet, der Gott sich in Liebe zugewandt hat.
Das entchristlichte Konsumfest x-mas verschenkt keine glücklich machende, nachhaltige und lebenswerte Zukunftsperspektive, sondern Wirtschaftswachstum. Dies ist die Gegenbewegung zur Postwachstums-Ökonomie der … for future Bewegungen.
Die Sehnsucht nach dem ursprünglichen Weihnachten möchte ich wieder spüren und in den leuchtenden Augen der Beschenkten entdecken.
Weihnachtszeit – BeSinnZeit – sinnvoll

GS 18. Dez 2019

gott
du quelle des lebens
du atem unsrer sehnsucht
du urgrund allen seins

segne uns
mit dem licht deiner gegenwart
das unsre fragen durchglüht
und unsren ängsten standhält

segne uns
damit wir ein segen sind
und mit zärtlichen händen
und einem hörenden herzen
mit offenen augen
und mutigen schritten
dem frieden den weg bereiten

segne uns
da wir einander segnen
und stärken
und hoffen lehren
wider alle hoffnung
weil du unserem hoffen
flügel schenkst

amen
so sei es
so ist es
amen

Katja Süß, Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.240

Ankunft – Was kommt

Wenn in einem Werbespot dieser Tage ein Kind den Vater fragt “Was ist eigentlich Weihnachtsstress?” und bereits seit dem 15. November in einigen Städten “Weihnachtsmarkt ist”, dann ist es jetzt an der Zeit die fehlende Adventszeit für mich neu mit Sinn zu erfüllen.
Advent (lateinisch adventus „Ankunft“), eigentlich adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn), bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Zugleich erinnert der Advent daran, dass Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten sollen.(Wikipedia)
Vorbereitungszeit! Sich Gedanken darüber machen, was ich wem schenken kann und soll, ist das eine – aber warum zu Weihnachten?
Grundlos schenken, einfach so, weil wir Beschenkte sind, unverdient ohne erbrachte Leistung, gratis! vom lateinischem Gratia = Gnade. Dieses unverdiente Geschenk ist Gottes Liebe zu uns Menschen, verkörpert in seinem Sohn, der als Jesus Mensch geworden ist, vor mehr als 2000 Jahren. Dieses “Gratis” feiern Christen an Weihnachten seit dem Jahr 336. Dass es ein Geschenkefest (für Kinder) wurde, verdanken wir Martin Luther, der in pädagogischer Absicht seit 1535 die Aufmerksamkeit der Kinder auf das Fest der Geburt Jesu lenken wollte.
Also beschenken wir einander als Reaktion auf dieses Gottesgeschenk der Liebe und als Ausdruck unserer Liebe zu unseren Mitmenschen.
Soweit christlich-theologisch und in sich sinnvoll; aber was wir daraus gemacht haben ist doch eher weihnachts-sinn-entleert.
Und dann ist da noch das “Zugleich” der Wikipedia-Definition von Advent: Die zweite Ankunft Jesu als auferstandener Christus und damit auch dem Ende der Zeiten.
“Ankunft – Advent”: Erinnerung, wie solidarisch Gott mit uns Menschen sein will, wie menschlich er in unserer Mitte ist (Huub Osterhuis in einem Lied aus den 60ern) und in Erwartung der Endzeit, “wenn er kommt”, wenn alles zu Ende geht und wir daran unser Leben messen müssen, ob wir es gelebt haben im Bemühen um Gerechtigkeit und Liebe und im Dienst am Frieden untereinander. Denn das sind die Maßstäbe, die Jesus in der Bergpredigt als Bedingung nennt für ein Leben in der Liebe Gottes.
Diese adventliche Endzeitstimmung steht quer zur Glühweinseligkeit der Weihnachtsmärkte. Aber in Zeiten des Klimawandels und der Anfragen der #…ForFuture-Bewegungen ist gerade die Adventzeit für mich BeSinnZeit auf das, was da kommt und wie ich mein Leben darauf ausrichte “worauf es ankommt, wenn er kommt”
GS 10. Dez 2019

Es geht um das Evangelium,
das heißt, um Geschichten,
die in der Gosse liegen.
Und nicht um Weihnachten
bei den Kindern von Lilleström.

Es geht um das Evangelium,
das heißt, um Menschen,
deren Würde im Dreck stirbt.
Und nicht um Poesie
aus Kerzenschein und Tannengrün.

Es geht um das Evangelium,
das heißt, um Gott,
kurz vor der Niederkunft.
Und nicht um Moritaten
pausbäckig roter Weihnachtsmänner.

Norbert Schuster, Weihnachtsmarkt, Mainz 2001, S.15

fairsteuert

Mehr als 50 Jahre alt ist die Idee eines fairen Handels mit “Kolonialwaren”, landwirtschaftlichen Produkten und Kunsthandwerk aus den “Entwicklungsländern”.
Kompensation der ehemaligen Kolonialherren und Ausbeuter dieser Länder oder wirkliche faire Teilhabe am internationalen Markt sei dahingestellt. Die Anforderungen an eine faire Produktion und Verarbeitung legten die Hilfs- und Entwicklungsorganisationen fest, die auch Weiterverarbeitung und Vertrieb (u.a. über die Weltläden und durch Aktionsgruppen) übernahmen, verbunden mit Bildungsprogrammen und Marketing.
Offensichtlich erfolgreich, denn laut der Dachorganisation Fairtrade International nahmen im Jahr 2015 über 1,5 Millionen Landwirte an Fair-Trade-Programmen teil. Insgesamt lag der Umsatz in Deutschland bei 1,6 Milliarden Euro in 2018; bei 8,5 Milliarden Euro weltweit.
Was nach viel klingt, relativiert sich im Detail: Die fairen Klassiker Kaffee und Kakao hatten einen Marktanteil 2016 in Deutschland von 3,8 bzw. 6 Prozent und jeder deutsche Konsument gibt durchschnittlich pro Jahr nur 13€ für faire Produkte aus.
Dabei sind die Richtlinien für fairen Handel und Produktion in Kombination mit ökologischem Landbau eine nachhaltige Maßnahme den Klimawandel zumindest zu verlangsamen. Der Verbraucher honoriert das durch höhere Preise und bewussteren Konsum.
Der faire Handel und seine immer breitere Produktpalette haben unser Konsumenten-Bewusstsein in den vergangenen 50 Jahren fairändert. Waren es am Anfang eher christliche Aktionsgruppen oder linke Aktivisten, die Kleinbäuerliche Kooperativen in Lateinamerika, Afrika und Indien mit der Vermarktung fairer Produkte auf dem Markt der westlichen, reichen Länder unterstützten, so sind bereits seit einigen Jahren auch Discounter und große Handelsketten unter dem FairTrade-Label aktiv.
Eigentlich sollte unser Handel doch immer fair sein, so zumindest der Ansatz der “Gründer*innen” der Bewegung : Alle Hersteller haben Anspruch auf fairen und gleichen Zugang zu den Märkten. Der Slogan dieser Zeit „Trade not aid“ (dt.: „Handel statt Hilfe“), gewann 1968 Anerkennung, als ihn die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) übernahm, um die Betonung auf die Etablierung der Fairhandelsbeziehungen mit den Entwicklungsländern zu legen.
Von daher kommt die Initiative des Bundesministers für Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller fair gehandelten Kaffee von der Steuer zu befreien nach 50 Jahren UNCTAD doch sehr zeitverzögert daher.
Dies wird in Deutschland den Marktanteil in der Nische der Edelkaffees möglicherweise erhöhen und den Produzenten gerechteren Anteil an der Wertschöpfung bringen,
aber solang Gerechtigkeit als zentrale Massgabe und Handlungsanweisung der Botschaft Jesu (siehe die Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums Kap. 5-7) nicht grundsätzlicher Maßstab unseres Wirtschaftens und Konsumierens ist, ist diese Steuerbefreiung nur ein (Kaffee-)Tropfen auf den heissen Stein.
Gerechtigkeit ist eine Frage des guten Geschmacks – und das nicht nur zur (Vor-)Weihnachtszeit.
GS 3. Dezember 2019

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg, Früh-/Spätschichten Liturgische Hilfen Misereor 2017

Ihr wisst es doch!

… ist die wutentbrannte Antwort Jesu auf die Frage der geschädigten Händler und insbesondere des Kirchen-(Tempel-)Vorstands, woher er das Recht nimmt den Tempel-(Vorhof) von allen Geschäftsständen (Kleinviehopfertiere, Wallfahrtsandenken, Wechselstuben und Banken, Essens-und Getränke-Buden, …) zu säubern. Er sabotiert die Geschäfte der Tempelverwaltung und diffamiert sie als Räuber mit Verweis auf die göttlichen Gebote, die sie ja alle kennen müssten und denen sie verpflichtet seien: “Ihr wisst doch das Gott in den heiligen Schriften gebietet: mein Haus soll ein Ort des Gebetes sein!” (Lukasevangelium 19,46)
Für Jesus ist gesetzt, dass der öffentliche Raum einer Kirche, die wir ja oft auch als Gotteshaus bezeichnen, ausschliesslich dem Gebet zu dienen hat! Man kann durchaus die Tempelräumung als Protest gegen die Kommerzialisierung der Religion sehen.
Die reichen deutschen kirchensteuerfinanzierten Kirchen reagieren auf immer leerere Kirchen mit “Umnutzung”: Gotteshäuser als Kletterhallen, Buchhandlungen, Event-Locations, …
Orte an und in denen teils seit Jahrhunderten Menschen gebetet haben, die spirituell aufgeladen sind. Und auch so manche Kirche und Kathedrale (der Kölner Dom ist sicherlich so bedeutsam für Christen, wie der Tempel in Jerusalem für die Juden bis heute hin), die überwiegend Museum und Konzertsaal ist: mehr Kulturbetrieb als Gebetsort.
Anfragen, der sich Kirchenleitungen und -Verwaltungen stellen müssen, massnehmend an der biblischen Botschaft, aber auch am Bedürfnis der Menschen nach Gotteskommunikation und Spiritualität.
Aber auch die Veruntreuung (Skandalnachricht am 27. November) des “Peterspfennig” (Der Peterspfennig ist eine Geldsammlung, die als Ausdruck der Verbundenheit der Gläubigen mit dem Papst gilt. Mit der finanziellen Zuwendung soll die apostolische und karitative Arbeit des Papstes unterstützt werden) als weltkirchlicher Spende, insbesondere für die Armen (Papst Franziskus) würde von Jesus sicherlich auch als Räuberei bezeichnet.
Die Kirchenbezeichnung als “Ort des Gebetes” stellt aber auch mein Gebets-Verständnis und mein Beten, ja meine Spiritualität in Frage.
“Das Gebet (von althochdeutsch gibët, abgeleitet nicht von beten, sondern zu bitten ) bezeichnet eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen. Es ist eine verbale oder nonverbale rituelle oder freie Zuwendung an transzendente Wesen (Götter, Gottheiten).” (Wikipedia)
Mein Beten (Atem für die Seele, Jörg Zink) sucht die Kommunikation mit Gott, ist Ausdruck meines Fragens, meiner Sorge, meiner Zweifel, aber auch meines Glaubens und meines Dankes.
Mein Beten ist nicht an einen Ort, einen Ritus, eine Zeit gebunden, sondern ist situativ, emotional, persönlich – meine Beziehung zu Gott.
Ein Gebetsort kann mein Gebet anregen, unterstützen, insbesondere in einer wirklichen Gemeinschaft mit Menschen, denen ich mich -vielleicht auch nur in diesem Moment- verbunden fühle. Ein kommerzfreier Raum der Begegnung mit Gott und untereinander.
Und ja, ich müsste es eigentlich wissen!
Anstoss Kernausagen der biblischen Botschaft zu lesen, zu hören – und zu leben.

Foto: Guido Schürenberg

Vater,
du bist heilig.
Mach dein Wirken sichtbar.
Setze deinen Willen durch.
Gib uns das kommende Brot heute.
Lass uns neu anfangen,
wie wir dem einen neuen Anfang gewähren,
der an uns schuldig ist.
Führe uns nicht in die Gefahr,
deine Hand zu verlieren.
Und mach uns frei von der Macht des Bösen.
Denn in dir ist das All.
ln deinem Geist ist die Kraft.
Du bist alles, was Licht ist.
Von einer Weltzeit zur anderen.
Das gilt. Das bleibt. Amen.

Jörg Zink, Atem für die Seele, Verlag am Eschbach 2010, S.2

Gedenktage-Zufall

Der 19. November bringt 2 Gedenktage zusammen:

Welt-Toiletten-Tag: Ein gutes Drittel der Weltbevölkerung hat nicht die Möglichkeit eine Toilette aufzusuchen. Wenn solche hygienischen Sanitäranlagen fehlen, wirkt sich das negativ auf die Qualität des Trinkwassers aus. Außerdem begünstigt ihr Fehlen das Ausbreiten von Keimen, Viren und Bakterien durch das verunreinigte Wasser. Wenn es kein getrenntes Ableitungs- und Reinigungssystem für Fäkalien gibt, verrichten die Menschen ihre Notdurft im Freien, was zusätzlich auch dem Ansehen ihrer Heimat schadet. (Dieser Text wurde von www.kleiner-kalender.de entnommen)

Welttag der Armen: Papst Franziskus führte ihn ein zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Der Gedenktag soll das Thema Armut als “Herzensanliegen des Evangeliums” stärker in den Blick rücken und zu einer Glaubenserneuerung in den Kirchengemeinden beitragen, „…es könne weder Gerechtigkeit noch sozialen Frieden geben, solange Arme vor den Türen der Christen lägen.“ Ob und wie sich der neue Welttag der Armen entwickelt, hängt von der Kirche und ihren Gläubigen ab.

Für mich haben diese Gedenken etwas mit Gerechtigkeit zu tun, mit der Erinnerung und Mahnung, dass Gerechtigkeit als Voraussetzung für Frieden eine der wesentlichen Aufgaben der menschlichen Gemeinschaft ist.

Die Opfer der Ungerechtigkeit werden von Jesus in der Bergpredigt „glücklich“ genannt und die Gewinnler werden zu Loosern im Reich Gottes der Gerechtigkeit und des Friedens:

Glücklich seid ihr Armen, denn euch gehört Gottes Reich. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungern müsst, denn ihr sollt satt werden. …

Glücklich schätzen könnt ihr euch, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch verachten und Schlechtes über euch erzählen, nur weil ihr zum Menschensohn gehört.

Doch wehe euch, ihr Reichen! Ihr habt euer Glück schon auf Erden genossen.

Wehe euch, die ihr jetzt satt seid! Ihr werdet Hunger leiden. Wehe euch, die ihr jetzt von allen Leuten umschmeichelt werdet, denn so haben es ihre Vorfahren auch schon mit den falschen Propheten gemacht. (Lk 6, 20-26)

Für die Armen und Unterdrückten eine Jenseits-Utopie, ein Nicht-Ort? Für uns „Reiche“ die Ideologisierung einer Looser-Religion?

Diese Gedenktage erinnern uns als „Weltbürger“ an unsere Verantwortung, die wir für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten haben, damit ALLE Menschen in Freiheit, Frieden und Würde leben können, eben für ein Gutes Leben, wie es die Weltgemeinschaft 2015 als Ziel beschlossen hat.
GS 19. Nov 2019

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wilma Klevinghaus (jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.226)

Krude* Zeit 2

Ich bin keiner, der so einfach zwischen den verschiedenen Gedenktagen und Events hin und her switchen kann, außerdem bin ich empfänglich für November-Blues.
Der 9. November, der Schicksalstag der Deutschen (u.a. 1923 Hitler-Putsch in München, 1938 Reichsprogromnacht an den Juden als Exzess des Gedenkens der”Märtyrer der Bewegung”, die beim Hitler-Putsch starben, 1989 Mauerfall) beschäftigt mich nachhaltig, insbesondere weil wir Deutschen offenbar anfällig sind für totalitäres Gedankengut und neue und alte Nazis folgsame Zuhörer und Follower finden.
Die Exkursion zur NS-Ordensburg Vogelsang mit Studierenden dokumentierte und verglich die perfiden Indoktrinations-Strategien der alten und neuen Nazis.
Und dann am10./ 11.November die “Sessionseröffnung” in Aachen und Köln: Überfüllte Züge mit kostümierten Jecken, die bereits um 8 Uhr morgens schon “vorglühten” und bis in die Abendstunden lautstark durch die Innenstädte zogen, obwohl doch eigentlich dort die Martinszüge unterwegs waren.
MARTIN (Gedenktag 11.November), römischer Soldat, der von seinem hohen Ross herunter stieg, um mit dem bettelnden Obdachlosen auf Augenhöhe zu sein und mit ihm zu teilen, das was für zwei reichte. Später wurde er Bischof von Tour.
In dieser TEIL-Tradition, die zum Wesenskern des Christenlichen gehört, steht auch die ungarische Königstochter ELISABETH (Gedenktag 19. November), die mit 14 Jahren verheiratete Gräfin von Thüringen, die sich vom Hl. Franziskus und seiner Jesusnachfolge inspirieren ließ. Wegen “Verschwendung” des familiären Vermögens und Geldes aus der Staatskasse, um Arme und Hungernde zu unterstützen wurden heftige Vorwürfe gegen sie aus der eigenen Familie erhoben, so dass sie nach dem Tod ihres Mannes an einer Seuche von ihrem Schwager mit ihren 3 Kindern vertrieben wurde. Die Königstochter wurde obdachtlosMit ihrem Witwenanteil am Familienvermögen, das sie auf Druck des Papstes dann doch noch erhielt, stiftete sie in Marburg ein Franziskus-Spital, in dem sie selbst als Pflegerin arbeitet. Sie starb mit 24 Jahren dort an einer Krankheit. Kurz vor ihrem Tod hatte sie noch ihre letzten Sachen verschenkt, um ähnlich wie Franziskus arm und von nichts und niemandem abhängig zu sterben.
Professor Schneidewind sagte bei der Auftaktveranstaltung zu unserer ökumenischen Veranstaltungsreihe SCHERBENHAUFEN, der WEG aus der Klimakrise sei in erster Linie eine ethisch-moralische Herausforderung. Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu verwirklichen -ein gutes Leben für alle Menschen auf diesem Planeten- bedarf es insbesondere in den reichen Gesellschaften eines Umdenkens, weg von den National-, Gruppen- und Individual-Egoismen zu einer Kultur des Teilens in der Weltgemeinschaft.
Nur mit einer solchen Haltung sei die GROSSE TRANSFORMATION, die die #fridaysforfuture Bewegung zu Recht fordert, möglich.
Die Gedenktage im November motivieren mich und provozieren mich zum Handeln. Da passt das Kirchenlied: JETZT ist die Zeit! JETZT ist die Stunde! HEUTE wird getan oder auch vertan worauf es ankommt …
GS 13. Nov 2019
*krude = roh, ungeschliffen, unfein, nicht kunstvoll, unkultiviert

Ermutigung zum
AUFBRUCH
Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen, Früh-/ Spätschichten, Misereor Fastenaktion 2012

Gesellschaftlicher Klimawandel

Es gärt und manchmal explodiert es. Dann ist es mehr als Dampf ablassen. Es ist Gift spritzen.
Populisten und Demagogen von Links und Rechts missbrauchen unsere auf Meinungsfreiheit und Respekt aufgebaute gesellschaftliche Grundordnung.
In diesen Tagen gedenken wir der großen Demonstrationen in der DDR vor dem Mauerfall. Der Druck der Straße sollte dem unterdrückerischen, diktatorischen System ein Ende bereiten und Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Demokratie, wirkliche Selbstbestimmung des Volkes bringen.
Die Wiedervereinigung gelang, aber forderte Opfer. Und 30 Jahre danach fühlen sich immer noch viele als Solche.
Das gesellschaftliche Klima wird rauher. Respektlosigkeit, Hate Speech, verbale Gewalt, Aggression bis hin zu körperlicher und lebensbedrohender Gewalt.
Die populistischen Hetzer stellen sich dar in der Tradition der “Wir sind das Volk” Bewegung der End 80er, ihre Sprache aber ist die der völkischen Bewegung der 30er Jahre – vor dem was folgt habe ich Angst. Angst davor, dass unsere Demokratie, unsere humanitären/ christlichen Werte nicht mehr common sense sind, sondern unsere Gesellschaft polarisiert und letztlich gespalten wird, dass Freiheit wieder in Diktatur und Unterdrückung umschlägt.
1993, also zu einer Zeit als der kalte Krieg beendet war, versuchte ein Weltparlament der Religionen unter dem Dach der Vereinten Nationen für die Menschenrechtserklärung von 1948 eine ethische Grundlage zu formulieren, denn
„Diese eine Welt braucht ein Ethos; diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“ – Hans Küng, Das Projekt Weltethos
Die vertretenen 125 Religionen und religiösen Traditionen fanden diese Grundlage in der GOLDENEN REGEL, die in ähnlichen Formulierungen zum Grundbestand der Weltreligionen gehören. So im Christentum “Alles was Ihr wollt, dass Euch die Menschen tun, das tut auch Ihr Ihnen ebenso.” – Neues Testament, Matthäus 7,12
Von daher verpflichteten sich die Religionen auf vier Grundsätze:
Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben,
Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung,
Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit,
Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.
Unsere polarisierte Gesellschaft braucht heute, 25 Jahre später, diese Selbstverpflichtungen als Common Sense, um Polarisierungen und Spaltungen zu überwinden und so die vielbeschworene europäische Wertegemeinschaft leben zu können für und in einem vereinten Europa, in einer freien Welt.
GS 5. Nov 2019

Führung im Nebel

Das Ritual der Schuldzuweisungen nach Wahlen unter den Spitzenpolitikern der Volksparteien ist wieder in vollem Gange und gleich sollen wieder Köpfe rollen:
“… Seit Jahren lege sich “wie ein Nebelteppich die Untätigkeit und die mangelnde Führung durch die Kanzlerin” über das Land, sagte Friedrich Merz dem ZDF. Das gesamte Erscheinungsbild der Bundesregierung sei “einfach grottenschlecht”. Er könne sich nicht vorstellen, dass “diese Art des Regierens in Deutschland” noch zwei Jahre so weitergehen könne. …” Zeit-Online 30.10.19
Ähnlich andere CDU-Spitzen. Und auch beim GroKo-Partner SPD ist Führungsbashing im freien Fall Ausdruck der Hilflosigkeit und Planlosigkeit gegenüber den in der Gesellschaft notwendigen Veränderungsmaßnahmen. – Oder sind diese Pauschalurteile doch nur Ausdruck der eigenen Machtgeilheit?
Die Bibel erzählt vor mehr als 3000 Jahren vom Aufbruch und Weg einer großen Gruppe Sklaven mit ihren Familien in ein besseres Land und eine aussichtsreiche Zukunft. Angeführt werden sie-aus denen später das Volk Israel entstehen soll- von einem Freiheitskämpfer, der im Affekt einen brutalen Sklavenaufseher erschlagen hat. Er (Moses), der von sich sagt, dass er ein Kommunikationsproblem hat, führt die Gruppe im Team mit seinem Bruder (Aaron), dem deshalb diese Kommunikation mit dem Volk übertragen wird und seiner Schwester (Mirjam), die für die Motivationsarbeit zuständig ist. Alle drei haben eine Vision von einem besseren Leben als Volk in einem “gelobten Land”, aber keinen Plan wie sie dieses erreichen wollen. Sie sollen dennoch das Volk zusammenhalten und führen. Dabei vertrauen sie auf die Führung und Hilfe dessen, der von sich sagt: Ich bin immer da bei Euch (Jahwe). Ich habe eure Not gesehen. Ich habe Euer Klagen über die Missstände im Land und bei eurer Arbeit gehört, ich kenne euer Leid! Deshalb führe ich Euch in die Freiheit und in ein gutes Land. Ihr werdet ein Volk sein. In dem Land werdet ihr gut mit all Euren Nachkommen leben können und auch die Fremden sollen sich bei Euch wohl fühlen. Und Ihr werdet eine friedliche und gerechte Zukunft für alle gestalten. (2. Buch Mose 3+4 und öfter)
Diese göttliche Zumutung nehmen Moses + Co. an im Vertrauen auf göttliche Hilfe, wie auch 3000 Jahre später Bundeskanzlerinnen und Ministerinnen immer noch geloben:
„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“
Auch heutige Regierungen oder überhaupt Führungskräfte in Gesellschaft, Wirtschaft und auch Kirchen müssen die Lebenssituation der Menschen in den Blick nehmen,
ihnen zuhören, sich den Sorgen und Zukunftsängsten stellen und Maßnahmen, Wege für eine gute Zukunft für alle entwickeln, entsprechend entscheiden und konsequent auf den Weg bringen.
Göttliche Führung dazu können sie (warum nicht gemeinsam) erbeten. Dabei können sie der jüdischen Weisheit gewiss sein:
Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt (Talmuth)
GS 30. Okt 2019

Krude Zeit

ging es mir durch den Kopf, als ich die beigelegten Prospekte der Sonntagszeitung durchblätterte: Alle Discounter hatten Adventskalender (oder was sie sich so unter diesem Begriff vorstellen) im Angebot: Schokolade, Playmobil, Lego, … Und Mc Donalds hat vom 17.Okt -13. Nov Weihnachts-Countdown.
Wirklich eine krude (roh, ungeschliffen, unfein, nicht kunstvoll, unkultiviert) Zeit, wo die ganze Welt mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert ist, Handelskriege die Weltwirtschaft bedrohen, Autokraten und Diktatoren ihre eigene Bevölkerung unterdrücken, regionale Konflikte sich ausweiten, Egoismen und Nationalismen Gesellschaften spalten und Radikalisierungen in Haß und Anschlägen sich überall auf der Welt Bahn brechen.
Advent – in der christlichen Tradition Zeit der Vorfreude, des Wartens auf das Fest des Friedens und der Versöhnung, auf Weihnachten.
Soll unsere Aufmerksamkeit, unser Denken und Fühlen von der uns umgebenden Realität weg gelenkt werden, eingelullt mit Christmas Lullabay, um von den eskalierenden Katastrophen-Szenarien und den halbherzigen Politreaktionen darauf (Verwässerung der Klimaziele, kein Tempolimit auf Autobahnen, nur 10€ pro Tonne CO2, … ) abgelenkt zu werden, mit was Schönem, Wohligen, Unkomplizierten beschäftigt werden? Statt uns einzuschränken, aus dem Vollen schöpfen, uns was gönnen und sei es nur was Süßes und Spielzeug für die Kids, die bei fridays for future nicht nur ihre Klima-Zukunft einfordern?
Ursprüngliche eine Zählhilfe und ein Zeitmesser für die Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, christlich die Geburt Jesu (daher auch Advent = Ankunft), wurde der Adventskalender schon einmal, in den Kriegsjahren 1941- 1944 unter dem Titel VORWEIHNACHTEN zum Instrument nationalsozialistischer Propaganda. Mit nationalsozialistischen SINNBILDERN, militärischen Inhalten, aber auch Back- und Bastelanleitungen diente zur Indoktrination der Jugendlichen. Die christlichen Rituale waren dagegen in dieser Zeit eher von der Lichtsymbolik geprägt.
Nach dem 2. Weltkrieg bediente die Bilderwelt der Adventskalender hinter den 24 Türchen die Sehnsucht nach der heilen Welt. Seit 1958 wurde er mit Schokolade gefüllt, um das Warten auf Weihnachten zu versüßen und seit einigen Jahren auch mit Kleinspielzeug, zur Vorbereitung der weihnachtlichen Geschenkeflut (s.o.)
Dem entgegen entdeckten die christlichen Verlage den Adventskalender als Geschichten- und Bastelkalender für Familien wieder und versuchen so die ursprünglichen Werte des Weihnachtsfestes als Fest des Teilens und des Friedens wieder in Erinnerung zu rufen.
Die christlichen Lesetexte in diesen Herbst-Wochen des kirchlichen Kalenders verbreiten ein eher apokalyptisch düsteres Bild vom Ende der Welt, passend zu den Zukunftsszenarien des Welt-Klima-Rates. Sie provozieren uns zur Entscheidung für das Gute, für ein lebenswertes Leben für alle auf diesem Planeten, zum Wiederstand gegen das Dunkle und für das Licht, das dann über die adventlichen Geschichten und die Lichtsymbolik in der wirklichen Adventszeit auf Weihnachten hin erzählt und gedeutet wird.
Also bitte alles zu seiner Zeit und mit Geschichten, die unsere Welt einen, weil sie Verständnis für einander schaffen und so Frieden und Versöhnung ermöglichen gegen das Dunkle, Zerstörerische in dieser, unserer Welt, ein Stück vom Himmel – und das nicht nur zur Advents- und Weihnachtszeit, sondern alle Jahre und immer wieder.
GS 22.Okt 2019

Das Original meines Lebens leben

Die Stadt hat sich wieder gefüllt, das Wintersemester hat begonnen und Aachen pulsiert, denn die Stadt lebt von und durch die hier Studierenden und den Wissenschaftsbetrieb der Universitäten.
Manche der Newcomer in Aachen brauchen noch einige Zeit der Orientierung, für viele von ihnen ist der Studienbeginn ein Schritt in die Selbständigkeit, ein neuer Abschnitt auf ihrem Lebensweg mit Chancen und Risiken, Hoffnungen und Befürchtungen, ein Neuanfang, eine ZuMUTung sie selbst zu sein, Raum zu haben, um sich zu entwickeln, anzukommen, Orientierung zu finden … ihren Weg zu gehen – das Original ihres Lebens zu leben.

GS 15. Okt 2019

Geh ruhig deinen Weg und wisse,
welchen Frieden die Stille zu schenken vermag.

Steh mit allen auf gutem Fuß,
aber gib dich selbst dabei nicht auf.
Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar,
und höre die anderen an,
auch sie haben ihre Geschichte.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichst,
wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten,
denn es wird immer größere und geringere
Menschen geben als dich.

Sei immer du selbst – vor allem :
Heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.

Erwarte heilsame Selbstbeherrschung von dir.
Sei freundlich und sanft zu dir selbst.

Lebe in Frieden mit Gott,
wie du ihn jetzt für dich begreifst.

Was immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens –
nimm dir Zeit für deine Seele.

Du bist ein Kind.
du bist ein Original der Schöpfung.
Sei keine Kopie der Erwartungen, lebe als Original,
gehe deinen Weg,
lebe dein Leben.

Aus Irland

Entnommen aus:
Peter Müller, Meine Sehnsucht bekommt Füße, München 2009, 179.

Foto: Florian Esser

Dem Geld dienen

Der Klimastreik am Freitag, 20. September war ein tolles Mehr-Generationen-Erlebnis, das auch beim Rückweg an meinen Arbeitsplatz noch nachklang durch eine Gruppe Grundschüler: “Wir sind hier! Wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!”
Während sich Millionen auf der Welt im Klimastreik verbanden, hat die GroKo aus dem versprochenen Klima-Paket zur Einhaltung der Pariser Klimaziele kein Klima-Päckchen, noch nicht einmal einen Brand-Brief sondern nur eine Post-Wurf-Sendung in Hochglanz gemacht.
Bei der UN-Klimakonferenz präsentierte Deutschland dann vertreten durch 4 Minister*innen, die in unterschiedlichen Flugzeugen angereist waren, dies als vorbildlichen Beitrag zur Umsetzung der Pariser Verpflichtungen von 2015. Kein Wunder, dass die sonst eher ruhige Greta Thunberg vor der versammelten Politiker*innenschar emotional und laut wurde.
Eine konsequente, zukunftsorientierte Klimapolitik wird uns von den Regierenden nicht zugemutet, weil Teilen und Verzicht unzumutbare, vielleicht weil christliche Werte sind.
Entsprechend traf der Schlusssatz des Sonntagsevangelium: “Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld!” (Lukas 16, 13)

Foto: Gudo Schürenberg – D-Day-Strand in der Normandie

Wer schreit hat recht?

Nach den Erfahrungen der NS-Zeit mit schreienden Demagogen, die mit ihren Hass-Tiraden das Volk in den Stadien, Theatersälen und Aufmarschplätzen aufwiegelten hat sich in der deutschen Gesellschaft ein Common Sense herausgebildet, der in dem Verhaltenscodex mündete “Wer schreit hat Unrecht!” Denn, wer gute Argumente hat braucht nicht zu schreien. Das Wort überreden spiegelt etwas von diesem Negativ-Verhalten.
Aber in unserer immer lauter und chaotischeren Gesellschaft gibt es oft gerade für Minderheiten wenig Möglichkeiten sich Gehör zu verschaffen. So wurde #Aufschrei zum Forum von Frauen, die sich sexistischer Übergriffe ausgesetzt fühlten. Der Aufschrei als kollektiver Ausdruck und Mittel der Einflußnahme und des Protestes gegen Willkür und gesellschaftliche Fehlentwicklung. Wir reden ja auch vom “heiligen Zorn” als Reaktion auf Unrecht.
Auch der oft als Softie beschriebene Jesus mit seiner Botschaft der Liebe hat offensichtlich solche Gefühlsausbrüche ausgelebt. Z.B. in der biblisch von allen Evangelisten bezeugten Szene im Jerusalemer Tempel, wo er die Geldwechseltische und Opfertier-Käfige der Händler umstösst, sie aus dem Tempel-Vorhof vertreibt und dies laut schreiend kommentiert: “Mein Haus soll ein Haus des Gebetes genannt werden. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.” Mt 21, 13
In der aktuellen, polarisierten Auseinandersetzung mit der rechtspopulistischen AFD wurde nun ausgerechnet der populäre Musiker Herbert Grönemeyer, der sich seit langem eindeutig und immer direkter in seinen Liedern, Konzerten und Interviews gegen Rechts agiert, wegen seines Schreiens von AfD- Spitzen wie Beatrix von Storch in die Nähe von NS-Demagogen wie Goebbels gerückt: “Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe.”
Auslöser war eine Rede gegen Rechts während seines “Tumult”-Konzertes: “Es muss uns klar sein, dass auch wenn Politiker schwächeln, das ist in Österreich nicht anders als in Deutschland, dann liegt es an uns, zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen, für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze – der ist fehl am Platze.” Danach rief der Sänger dazu auf, “keinen Millimeter nach Rechts” zu rücken.
Einen solchen Aufschrei und solch eindeutige Positionierung wünsche ich mir öfter von denen, die wir als Stars der Pop-Kultur bezeichnen, denn “Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein, alles andere ist vom Bösen” (Mt 6,37)
GS 17. Sept. 2019

Noch mal eben gut gegangen!

… sind die Reaktionen in den politischen Medien mit Blick auf die Wahlen in Brandenburg und Sachsen am vergangenen Sonntag.
Aber ist es gut, wenn fast ein Drittel der Wähler*innen -insbesondere Jüngere (22%)- eine Partei gewählt haben, die sich immer mehr als Gegner des demokratischen Parteiensystems der Bundesrepublik generiert, sich nationalistisch exponiert und zumindest deren rechter Flügel und seine Sprecher die Nähe zu Nazis suchen?
Ein regionales Phänomen? Ein Protest derjenigen, die sich “vom Westen” und der vermeintlich “Grünen Dominanz” (U 30 wählten 23 bzw 19% Grün) bevormunded fühlen?
Das wäre zu einfach und in dieser Kolumne, die religiös motiviert Anstösse zum Nachdenken geben will, fehl am Platz.
Mir fällt auf, dass unsere Gesellschaft offenbar keinen Wertekonsens mehr hat und damit die Integration der gesellschaftlichen Strömungen zunehmend schwerer fällt. Zwar wird auch von den nationalistischen Kräften in Europa immer wieder die jüdisch-christlichen Grundlagen der europäischen Gesellschaft betont, aber nie gesagt, was darunter zu verstehen ist. In der Regel ist diese vermeintliche Basis oder dies Europäische Wertepostulat nämlich nicht integrativ, sondern ausgrenzend gemeint.
Jesus war mit seiner Radikalisierung der jüdischen Gesellschaftsordnung revolutionär und auch spaltend. Aber er stellte die Grundwerte, wie die 10 Gebote nicht in Frage, sondern forderte im Gegenteil seine Zuhörer und Jünger auf sie wirklich radikal zu leben, insbesondere die unbedingte Nächsten- und Feindesliebe. Eine weitere Tugend , die Jesus lebte war das Teilen.
Unsere Gesellschaft täte gut daran sich auf ihre jüdisch-christlichen Grundwerte, die auch von Muslimen wesentlich geteilt werden, zu besinnen und sie zum Masstab gesellschaftlichen und politischen Handelns zu machen. Nur dann werden wir in der Lage sein die anstehenden Herausforderungen des Klimawandels, einer gerechten Weltordnung und des internationalen Friedens anzugehen.
Das “Gebet der Vereinten Nationen” ( Prayer To GOD OF THE FREE by Stephen Vincent Benét -1942) bietet eine solche globale richtungweisende und integrative Vision eines “Guten Lebens für alle” als freie Menschen mit einem Gott, der unsere Freiheit will.
GS 5. Sept. 2019

Gott der Freien, wir verpflichten unsere Herzen und Leben heute der Sache der gesamten freien Menschheit.
Gewähre uns Sieg über die Tyrannen, die alle freien Menschen und Nationen versklaven würden. Gewähre uns Glauben und Verständnis um all jene zu ehren, die für Freiheit kämpfen, als wären sie unsere Brüder. Gewähre uns Brüderlichkeit in Hoffnung und Einheit, nicht nur für die Zeit dieses bitteren Krieges, sondern für die kommenden Tage, die alle Kinder der Erde vereinen werden und müssen.
Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.*
Der menschliche Geist ist erwacht und die Seele des Menschen ist ausgezogen. Gib uns die Weisheit und die Vision, die Größe des menschlichen Geistes zu verstehen, der für ein Ziel jenseits seiner eigenen kurzen Spanne so enorm leidet und erträgt. Gib uns Ehre für unsere Toten, die im Glauben gestorben sind, Ehre für unsere Lebenden, die nach dem Glauben streben und für ihn arbeiten, Erlösung und Sicherheit für alle gefangenen Länder und Völker. Schenke uns Geduld mit den Verblendeten und Mitleid mit den Betrogenen. Und gib uns die Fähigkeit und den Mut, die die Welt von Unterdrückung reinigen sollen und der alten Doktrin, dass die Starken die Schwachen essen müssten weil sie stark sind.
Doch vor allem gewähren uns Brüderlichkeit, nicht nur für den heutigen Tag, sondern für alle unsere Jahre – eine Brüderlichkeit nicht der Worte, sondern der Handlungen und Taten. Wir alle sind Kinder der Erde – gewähre uns einfach Wissen. Wenn unsere Brüder unterdrückt werden, dann werden wir unterdrückt. Wenn sie hungern, hungern wir. Wenn ihnen die Freiheit genommen wird, dann ist unsere Freiheit nicht sicher. Gib uns einen gemeinsamen Glauben, dass der Mensch Brot und Frieden kenne – dass er Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit, gleiche Möglichkeiten und gleiche Chancen sein Bestes zu tun, nicht nur in unseren Heimatländern, sondern in der ganzen Welt. Und in diesem Glauben lass uns auf die reine Welt zumarschieren, die unsere Hände erschaffen können. Amen.
* Ausschnitt veröffentlicht im Gotteslob 20,1

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