Unterbrechung-Mittendrin Dezember 2016 – Februar 2017

Auch das noch!

Der so getitelte Beitrag der Unterbrechung-Mittendrin vom 28. April 2015 ist seit Beginn dieses Jahres über 300 Mal angeklickt worden. Dieser Beitrag wurde verfasst angesichts des Erdbebens in Nepal Mitte April 2015 und bis Dezember 2016 300mal besucht.

Ich habe mich gefragt, woher diese plötzliche Nachfrage  seit Januar nach diesem Impuls-Beitrag kommt ?

Auch das noch! ist ein Aufruf oder Gedanke, der mir entfährt oder mich durchfährt, wenn ich meine, schon genug Belastendes ertragen zu müssen. Auch das noch! ist ein Mehr auf dem vermeindlich jetzt schon Unerträglichen.

Auch das noch! ist ein impulsiver Ausspruch/ Gedanke. Er passt zu einem Zeitgefühl, wo wir uns nach ToT sehnen (Tagen ohne Trump – Claus Kleber im ZDF heutejournal), wo die Bad News aus den Krisen und Katastrophenzentren der Welt, aber auch die innergesellschaftlichen  und innerkirchlichen Konflikte permanent durch die Medien auf uns einprasseln, wo wir uns am liebsten zurückziehen wollen, aus diesem negativen Sog aussteigen wollen.

Glaubende suchen in solchen Situationen Halt im Gebet. Und so passt auch das Gebet, daß unter dem Beitrag vom 28.April 2015 stand auch zu einer trotz-allem-glauben-standhalten-und-gestalten Haltung.

Dann werden wir Auch das noch! nicht nur annehmen und ertragen, sondern wir werden versuchen trotz alledem Welt zu mehr Gerechtigkeit zu verändern.                     GS 21. Febr.2017

Bleibe bei uns mit deinem Segen

Im ukrainischen Bürgerkrieg

Wenn der Boden
unter meinen Füßen schwankt,
reichst du mir deine Hand
und hältst mich fest
Wenn ich keinen Boden mehr
unter den Füßen habe,
stellst du mich auf festen Grund.
Wenn die Erde sich auftut,
um mich zu verschlingen,
umgibst du mich mit deiner Liebe,
denn dein Reich ist nicht zu zerstören.

So bleibe bei uns,
mit deinem Segen für Leib und Seele.
So bleibe bei uns,
mit deiner Kraft für Geist und Sinn.
So bleibe bei uns,
mit deiner Liebe auf allen unseren Wegen.
Bleibe bei uns, Herr, mit deinem Segen.

UWE SEIDEL (Deine Güte umsorgt uns, Verlag am Eschbach 2001, S.78)


Selbstbestimmt

… leben ist der Wunsch der meisten Menschen. Aber in Studium und Beruf wird häufig eher Anpassung gefordert: An die Wünsche Anderer, an das Machbare, an das Mögliche, an die knappen Zeitressourcen, an …
Die derzeitige gesellschaftliche und politische Situation provoziert darüber hinaus eher Ängste und Unsicherheit.
Was motiviert mich nachhaltig mein Leben selbst zu gestalten, initiativ zu werden für mich und für eine bessere, menschlichere Welt? Was motiviert mich meine kreativen Ideen zu verwirklichen
– und was hindert mich?

Grüner wird’s nicht🌱

Da stehst du nun knöcheltief in den Startlöchern drin,
bereit, jetzt loszulegen.
Du sagst: Auch der Startmoment soll stimm’,
brauchst Zeit zu überlegen.
Und so wartest du…
Und du wartest schon so lange auf den einen Moment,
ohne eigentlich zu wissen, woran man den erkennt.
Du hast so viele Ziele,
und trotzdem hältst du inn’.
Doch allein dein guter Wille –
der bringt dich dort nicht hin.
Dann sagst du immer.
die anderen blockieren dir das Glück.
Dabei stehst du dir selber im Weg
und hältst dich selber zurück.
Wittgenstein sagt: Sprache schafft Wirklichkeit.
Und du redest und redest, und es tut sich so wenig.
Und die Tage vergehen und sehen sich so ähnlich.
Doch nicht abstraktes Gerede über das, was nicht ist,
sondern praktisches Leben postuliert, wer du bist.
Denn Taten schaffen Wirklichkeit!
“Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!”
Du wirst nicht gelebt,
sondern kannst selber leben.
Du wirst nicht bewegt,
sondern kannst auch selber gehen.
Wähle, was du erstrebst,
und dann kannst du’s dir nehmen.
Wer zu lang überlegt,
der verpasst ein Stück Leben.
Frag dich nicht, was richtig ist,
sondern frag dich, was du fühlst.
Hör auf zu fragen, ob du kannst,
sondern frag doch, ob du willst.
Und wenn ja, dann:
Zieh die Konsequenzen aus deinen Gedanken,
begib dich vom Denken ins einfache Handeln,
red nicht vom Dancen, sondern fang an zu tanzen.
Nimm die Steine aus dem Weg
und dann feuer einen Startschuss,
lass die Leinen los, fahr auf See
und erneuer deinen Status.
Verlass mal die Metaebene,
veränder mal die Draufsicht,
so sicher es auch scheint:
Leben in Gedanken taugt nichts.
Und du kriegst, was du gibtst, wenn du tust, was du liebst.
Grenzen sind Phantome, gebaut von Angst, bloß in Gedanken.
Wenn du einmal um dich siehst,
stehen da nirgends Schranken.
Dein Weg ist frei, ganz bis zum Horizont, und bietet klare Sicht,
nur gehen musst du nun alleine,
das übernimmt keiner für dich.
Die beste Zeit ist immer jetzt,
und grüner wird’s nicht,
nur – du musst dich selbst bewegen,
denn das kann keiner für dich.

Julia Engelmann – Grüner wird’s nicht


Am liebsten weg schauen,

… bei dem, was täglich an Bildern auf mich einstürzt, wenn ich die Nachrichtenmagazine einschalte; bei dem, was um mich herum passiert.
Ich kenne das von kleinen Kinder, die sich die Augen zuhalten und meinen, dann nicht mehr gesehen zu werden, weil sie ja nichts sehen. Bei Kindern finden wir dieses Ausblenden der Realität und des eigenen involviert seins in diese Realität amüsant, bei Erwachsenen ist es krankhaft.
Diese Realitäts-Ausblendung entspringt der Überforderung, vielleicht auch der Sehnsucht nach einer heilen Welt, „es nicht sein kann, was nicht sein darf“. Aber „es“ ist Wirklichkeit -das, was wirkt-. Ich bin gefordert mich dazu zu verhalten, meine Lebenswelt mitzugestalten, denn sie ist der Ort, die Bedingung, das Umfeld, dass ich zum Leben brauche: Mein Biotop – mein Lebensort.
Und dazu gehören meine sozialen Beziehungen genauso, wie die sozial-ökonomischen Verhältnisse um mich herum, in diesem Land und weltweit. Dazu gehört meine Liebesbeziehung genauso, wie das präsidiale Handeln von Herrn Trump; meine Arbeitsbedingungen genauso, wie ungerechte Welt-Wirtschaftsstrukturen; die Entscheidung, welches Auto ich fahre genauso wie der Klimawandel.  Alles ist miteinander verwoben und von einander abhängig.
Wer nicht sehen will, wird es (zu) spüren(bekommen).
Ich bin gleichzeitig Teil und Mitgestalter dieser Welt in der wir leben. Ich will nicht gelebt werden, sondern leben. Deshalb Augen auf, wahrnehmen, nachdenken und handeln.

GS 8. Februar 2017

Foto: Christoph Greven

Es wachse in dir der Mut,
dich einzulassen
auf dieses Leben
mit all seinen Widersprüchen,
mit all seiner Unvollkommenheit,
dass du beides vermagst:
kämpfen und geschehen lassen,
ausharren und aufbrechen,
nehmen und entbehren.

Es wachse in dir der Mut,
dich liebevoll wahrzunehmen,
dich einzulassen
auf andere Menschen
und ihnen teilzugeben
an dem, was du bist und hast.

Sei gesegnet, du,
und mit dir die Menschen,
die zu dir gehören,
dass ihr
inmitten dieser unbegreiflichen Welt
den Reichtum des Lebens erfahrt

Antje Sabine Naegeli Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.118)


Ich bin Ich

…. Ich will spüren, dass ich lebe
Alle Zeit, die mir verbleibt
Will ich leben, wie ich will
Ich will spüren, dass ich lebe
Wissen, dass es gut genug war

Ich will glücklich leben,
denn ich bin ich
Stark um frei zu sein,
sehen wie die Nacht in den Tag übergeht
Ich bin hier und mein Leben gehört nur mir
Und den Himmel an den ich glaube, gibt es
Ich werde ihn irgendwo finden.

Ich will spüren, dass ich mein Leben gelebt habe.

Aus dem Film „Wie im Himmel“, Schweden 2004 – Gabriella’s Song

Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat,
wie ich bin,
ich glaube an seine Kraft,
die in meiner Seele liegt.

Ich glaube, dass Gott meine Freiheit will,
die Entfaltung meiner Kräfte,
die Entwicklung meiner Möglichkeiten,
meine Art zu sein.

Ich glaube, dass Gott mich begleitet,
mich wachsen und reifen lässt,
mich fördert – und fordert ,
sein Werkzeug zu sein.

Ich glaube, dass Gott mich liebt,
durch mich wirken will ,
an sein Ja zu mir,
das ich nicht verdienen kann.

Ich glaube an die unermessliche Weisheit Gottes,
die mir Grenzen setzt
und das Vertrauen schenkt,
gehalten und geborgen zu sein.

Ich glaube,
das lässt mich leben.

Max Feigenwinter, Jeden Augenblick leben, Verlag am Eschbach 2005, S.120


Erwählt

Trotz aller Unterschiede in ihrer Politik und in ihrem Handeln sind sich die Autokraten und Theokraten dieser Welt einig in ihrem scheinbar von-Gott-auserwählt-sein. Aus diesem überzogenen Selbstbewusstsein wird dann die regenfreie Zeit während der Antrittsrede des neuen amerikanischen Präsidenten von ihm als göttliches Zeichen  gedeutet, schließlich hat er den Amtseid ja auf zwei Bibeln geschworen.
Die biblische Botschaft dagegen entwirft ein anderes Bild göttlicher Erwählung und Auftrags: „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne (und Töchter) Gottes genannt werden. … Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.“ (Bergpredigt Mt 5, 5 u.9)
Auch wenn sie proklamieren, sie würden für die Rechte der kleinen Leute eintreten, so hat das wenig mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit im biblischen Sinne zu tun. Letztlich geht es ihnen um die eigene Größe, und die Gottesbeziehung soll nur den eigenen Machtanspruch legitimieren.
Dagegen das biblische Herrschaftsmodell: Alles von Gott erwarten, auf ihn zu vertrauen und dafür auch Beschimpfung, Verleumdung und Verfolgung in Kauf nehmen (Mt 5,11), um des Buen Vivir, des guten Leben für alle Menschen auf dieser Erde.
Eine der Ikonen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Joan Baez, hat im Lied „God is God“ dieser Versuchung der Selbstvergöttlichung die Selbstbescheidung entgegengesetzt. Nur solche Menschen, „die arm sind vor Gott“ leben das „Himmelreich“ für alle Menschen (Matthäus 5,3)

GS   24. Jan 2017

GOD IS GOD
(Steve Earle)

Ich glaube an Prophetie
Einige Leute sehen Dinge, die nicht jeder sehen kann
Und ab und zu werden Sie zum Geheimnis für Dich und mich

Und ich glaube an Wunder
Etwas Heiliges brennt in jedem Busch und Baum
Wir können alle die Lieder lernen, die die  Engel singen

Ja, ich glaube an Gott und Gott ist nicht ich

Ich bin um die Welt gereist
Stand auf mächtigen Bergen und blickte über die Wüste
Ich habe  nie eine Linie im Sand gesehen oder einen Diamanten im Staub

Und wie auch unser Schicksal sich entfaltet
Jeden Tag, der vergeht werde ich ein bisschen weniger sicher
Sogar mein Geld sagt mir immer wieder es ist Gott, dem ich vertrauen soll

Und ich glaube an Gott, aber Gott ist nicht wir

Gott, von dem ich so wenig verstanden habe ist es egal, welchen Namen ich anrufe
Ob ich glaube oder nicht ist überhaupt nicht wichtig

Ich bin gesegnet
Und habe jeden Tag auf Erden eine weitere Chance, es richtig zu machen
Mein kleines Licht sei Glanz und Wut gegen die Nacht

Nur eine weitere Lektion
Vielleicht schaut jemand zu und wundert sich, was ich bekommen habe
Vielleicht bin ich deshalb hier auf der Erde und vielleicht auch nicht

Aber ich glaube an Gott und Gott ist Gott

© Exile auf Jones Street Music, verwaltet von Primary Wave Music (ASCAP)


Optimistisch betrachtet

Die Ausblicke auf dieses noch neue Jahr von politischen und wirtschaftlichen Beobachtern sind geprägt von Befürchtungen und Unsicherheiten bezüglich der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Fokus liegt für uns Europäer da auf den Auswirkungen der amerikanischen Präsidentschaft und dem Ausgang der Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und der Schweiz.
Was erwarten wir, welche Zukunftsperspektiven haben wir?
Je nach Veranlagung sind sie optimistisch oder pessimistisch. „80 Prozent der Menschen sind unrealistisch optimistisch“ sagt Tali Sharat vom University College London. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin hat dem optimism bias – unserem Hang, die Zukunft rosiger zu sehen, als sie sein dürfte – ein Buch gewidmet. Zum Schönmalen tendieren demnach Frauen wie Männer gleichermaßen, Menschen jeden Alters und aus allen Kulturkreisen. … „Das menschliche Gehirn ist auf Optimismus programmiert“ sagt Sharot. Sie … fand heraus, dass das Hirn uns einen Streich spielt: Die untere Stirnwindung des Frontallappens -der Gyrus frontalis inferior-, der Erwartungen an die Zukunft mit der Realität abgleicht, verarbeitet bei den meisten Menschen Informationen auf sehr eigene Weise: Während er positive Nachrichten über künftige Ereignisse stark wahrnimmt, blended er negative weitgehend aus.“ (Zeit 3/2017, S. 20)
Das hat Konsequenzen nicht nur für unsere „Weltsicht“ sondern auch für unser entsprechendes Handeln. „Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt“ (Pippi Langstrumpf). Wenn das Ziel meines Handelns eine bessere Welt für alle ist, wie sie die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen beschreiben, dann hilft mir dieser Optimismus auch Wiederstände zu überwinden und durchzuhalten, trotz der Trumps dieser Erde und anderer Unwägbarkeiten, denn so sagt das Rheinische Grundgesetz: „Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange“                              GS 17.Jan 2017

Blick nach vorn
Documenta – Kassel
Foto: Thomas Richter Alender

An jedem Morgen ein Stückchen Schönheit
und Augen, sie auch inmitten der Hässlichkeit
zu entdecken

An jedem Morgen eine kleine Melodie
und Ohren, ihr auch inmitten des Lärmens
zu lauschen

An jedem Morgen einer Blüte Duft
und die Nase, ihn auch inmitten von Abgaswolken
einzuatmen

An jedem Morgen eine frische Frucht
und eine Zunge, ihre Köstlichkeit
zu schmecken

An jedem Morgen einen Sonnenstrahl
und eine Haut, seine Milde und Wärme
zu spüren –

und in lichten wie in dunklen Stunden
das Wissen, geborgen zu sein
in Gottes Händen

Wilma Klevinghaus, Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.17


Heldenlos

In unsicheren Zeiten und Lebenssituationen suchen wir Orientierung an Vorbildern, die –scheinbar- alles richtig machen oder gemacht haben. Die den guten und richtigen, weil menschlichen Weg gehen.
Vorbilder verkörpern die damit einhergehenden Wertvorstellungen und sie zeigen, dass dieser Weg nicht nur erstrebenswert, sondern auch gangbar ist. Vorbilder sind praxistauglich, aber je nach Kultur und deren Wertesystem nicht nur unterschiedlich, sondern oft auch konträr. Während der IS die Zerstörung der anderen Kultur und ihrer Einrichtungen und die Unterwerfung oder Tötung der „Ungläubigen“ als Ziel in menschenverachtender Weise propagiert und seine Kämpfer zu Helden und Märtyrern (das heißt Bekenner) stilisiert, sind die Vorbilder des christlichen Kulturkreises keine Heroen, sondern eher Looser. Vorbildlich an ihnen ist, dass sie in ihren Aufgaben eher gewachsen sind, dass sie veränderungsbereit waren, dass sie sich in den Dienst an und für die anderen nehmen ließen – und sich von Gott getragen wussten. “Die Menschen-Urgeschichten der Bibel enthalten die Botschaft: Übermenschen gibt es nicht. Charakterschwäche ist im humanen Geschöpf verankert. Und: Der Mensch kann sich ändern –Schwache können Heldentaten vollbringen, Betrüger Gerechte werden, Mörder Leben retten“ (Sabine Rückert, Zeit 2/17, S.2) Die Erfahrung des Scheiterns und die Bereitschaft daraus zu lernen sind das, was unter jungen Unternehmern der Start-Up-Szene als vorbildlich etikettiert wird.

Foto: Florian Esser

Vorbilder in den freien Gesellschaften werden als Orientierungspersonen gesucht, insbesondere wo vermeintliche Respektpersonen unter den Spitzenpolitkern und Eliten in dieser Funktion häufig unglaubwürdig sind (worauf unlängst Meryl Streep bei ihrer Golden Globe Rede am Beispiel des designierten amerikanischen Präsidenten verwies). Umso mehr werden every-day-heroes der Menschlichkeit gesucht. – Werde eine/r oder erkenne Dich als eine/r!                                          GS 10. Januar 2017

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich
ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.

Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen!

Petrus Ceelen, Einander segen sein, Verlag am Eschbach 2010


Zum neuen Jahr


Gedanken – z.Zt.

Astronomische Uhr im Straßburger MünsterMöge dir ein jeder Tag
in all seinen Stunden,
seinen Minuten und seinen
unzählbar scheinenden Sekunden
von Augenblick zu Augenblick
gesegnet sein.

Möge dir die Zeit, die dich erwartet
immer wieder neue Ideen
ins Herz buchstabieren,
damit sich dein Leben
spannungsvoll fortschreibt
wie ein lesenswertes Buch.

Christa Spilling-Nöker

Die Spanne, die mir bleibt.
Die Zeit, mir zugemessen.
Die Zahl meiner künftigen Schritte.
Die wartenden Schläge des Herzens.
Die vorbehaltenen Züge des Atems.
Die Chance ungedachter Gedanken.
Die Frist ungelebter Gefühle.
Der Raum für gesammelten Dank.

Wolfgang Dietrich

aus: Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.261


… und auf Erden ist Frieden bei den Menschen!

Die für menschliches Zusammenleben wichtigste Grundbedingung wirkt in der Weihnachtsbotschaft des Lukas-Evangeliums wie ein Anhängsel zum „Verherrlicht ist Gott in der Höhe…“ Die Verbindung stellt dieser Jesus dar. Seine Geburt verherrlicht Gott, lässt seine Größe erscheinen und bewirkt Frieden den Menschen.

Foto: Guido Schürenberg

Aber entspricht dies wirklich unserer Erfahrung oder ist es nur eins der vielen Weihnachtswünsche, dass mit diesem Jesus und seiner Geburt in Bethlehem der Welt Frieden geschenkt wurde? Die Geschichte der Menschheit ist doch geprägt von Krieg; Hass und Gewalt und immer wieder wurde im Namen Gottes und von Gotteskriegern Gräueltaten begangen.

Da wirkt dieses Geschenk Gottes, doch eher hilflos und schutzbedürftig. Das soll der Retter und Erlöser der Welt sein? Am Ende seines Lebens wirkt er wieder genau so hilflos und ohnmächtig am Kreuz, sodass seine Spötter sagen: Wenn Du der Erlöser bist, dann hilf Dir doch selbst!

Ein ohnmächtiger Gott, ein ohnmächtiger Mensch erfüllen den Menschheitstraum Frieden? Ja, wenn man das DAHINTER sieht und Realität werden lässt: Die Geburt Jesu als Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Diese ansteckende Liebe, die sein Leben ausgemacht hat und seine frohe Botschaft eines daraus resultierenden Gottes Reiches als Leben in Fülle. Diese Liebe ist die eigentliche Macht, die in der Lage ist allen Hass und Gewalt zu überwinden, und die Frieden auf Erden bei den Menschen bewirkt. „Jesus verkörpert (diese) Möglichkeit des Friedens, die über das Bisherige hinausgeht … ‚Friede auf Erden‘ ist ein Himmelsgeschenk, aber die Menschen müssen erst lernen seinen Wert zu ermessen.“ (Evelyn Finger, Die Zeit 53/Seite 1) – und an ihn glauben.

GS 27.Dez 2016

Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Keine deiner Entscheidungen,
keines deiner Worte,
keine deiner Gesten
kann je ungeschehen gemacht werden.

Ich wünsche dir,
dass du Spuren der Freude hinterlässt
und des Glücks,
Spuren der Hoffnung und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und dass du da, wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker


Macht Euch jetzt bereit

… bis Weihnachten ist nicht mehr weit!“ So wird es in diesen Tagen immer wieder in KiTas und Schulen, bei Advent- und Weihnachtsfeiern und manchmal auch in den familiären vorweihnachtlichen Ritualen gesungen.

Foto: Rachel Conrad

Bereit sein, vorbereitet sein, wie kann man das mit Blick auf Weihnachten, wenn man mal von den Geschenken für die Menschen, denen wir verbunden sind, absieht?
Bereit sein ist eine innere Einstellung. Bei den Pfadfindern gibt es den Gruß: „Allzeit bereit!“ Noch treffender im englischen Original von Baden Powell,  dem Gründer der Pfadfinder Bewegung: „Be prepared“ – sei vorbereitet
Im  Kinderlied der Menschenkinder heisst es: „Menschen finden wieder füreinander Zeit“
Wir finden Zeit hinzuhören, auf das, was die Menschen um uns herum bewegt, wir nehmen uns die Zeit darüber nachzudenken, womit wir ihnen eine Freude machen können. Wir haben füreinander Zeit, geschenkte Zeit, außerhalb des Alltäglichen, des Normalen, denn es sind Feier-Tage.
Die Griechen  bezeichneten die Normalzeit als Chronos (daher der Chronometer = Uhr). Die Qualität der Zeit aber, also den richtigen Augenblick etwas mit und in ihr zu tun, zu leben, bezeichneten sie mit Kairos.
Weihnachten ist der Kairos des sich Zeit nehmens und Zeit habens für uns selbst und füreinander – aber dazu muß ich bereit sein.
Be prepared for Christmas!          GS 20. Dez. 2016

Vorsatz

Ich werde kein ungelebtes Leben sterben.
Ich werde nicht in Angst leben vorm Fallen oder Feuer fangen.
Ich wähle, meine Tage zu bewohnen,
und erlaube meiner Lebensweise, mich zu öffnen,
um mich weniger ängstlich sein zu lassen,
zugänglicher,
um mein Herz zu lösen,
bis es ein Flügel wird,
eine Fackel, ein Versprechen.
Ich wähle, meine Wichtigkeit zu riskieren;
so zu leben, dass das, was zu mir als Same kommt
als Blüte zum Nächsten geht,
und das, was zu mir als Blüte kommt
weitergeht, als eine Frucht.

DAWNA MARKOVA (Advent Anders, Andere Zeiten e.V. 2016, 2.Januar)


Menschheitstraum

Foto: Christian Pester

Warum feiern wir eigentlich Weihnachten? war die Frage, die ein Fernsehteam auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt Besuchern stellte. Die Antworten: „Gute Frage!“; Nee, das kann ich nicht sagen“, „Wegen der Gemütlichkeit“; „To have Party“; „Da kommt die Familie zusammen“ „Ich komme nicht aus Hamburg“, „Weil’s Tradition ist“, „Also mit Kirche hab ich es nicht; Und mit Gott auch nicht“ „Ja, warum eigentlich? Weil das so ist!“….
Doch ja, es gab auch Antworten mit christlichem Bezug: „Weil Jesus gestorben ist“; „Da wurde doch Jesus von den drei Königen zu seiner Mutter Eva Maria gebracht.“…– Sicherlich eine selektive und unvollständige Befragung.
Dagegen muten die biblischen Geschichten der Vorweihnachtszeit wie eine Parallelwelt oder Subkultur an, wenn sie die Sehnsucht nach einem friedlichen Umsturz der Verhältnisse in immer neuen Bildern ausdrücken und von einem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens erzählen, das mit der Geburt eines Kindes anbricht, eines Kindes, das „die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes“ verkörpert (Tit 3,4).
Seine werdende Mutter Maria singt sogar von der Hoffnung auf Gerechtigkeit auf dieser Erde: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“(Lk1,52)
Das ist eine revolutionäre Vision und hat nichts Süßliches, Gemütliches, Beschauliches an sich, sondern das ist der Umsturz der herrschenden Verhältnisse, mit deren ungerechten Strukturen, gewaltsamen Maßnahmen und kriegerischen Auswüchsen wir uns schon arrangiert haben.
Diese Vision vom Kommen des Reiches Gottes in diesem Kind Jesus rüttelt auf, schenkt Hoffnung den Unterdrückten und an der Ungerechtigkeit Leidenden.

Hoffen wir das wirklich? Wollen wir das wirklich? Oder bleiben wir lieber in der Komfortzone unserer Glühwein-Kollegialität?

Adventzeit ist Entscheidungszeit für das Leben und nicht nur das Träumen vom Reich der Gerechtigkeit und des Friedens für alle. Dass es mit diesem Jesus angebrochen ist, um mit uns verwirklicht zu werden, das feiern wir Weihnachten.                             GS 13.Dez 2016

Gerechtigkeit

Das ist der große Menschheitstraum: dass es anders sein kann. Dass eine Welt möglich ist, in der es gerecht zugeht. In der es kein Oben und kein Unten gibt, kein Groß und kein Klein.Die schwangere Maria besingt Gott, der in ihr wächst und kräftig wird. Und sie ersehnt seine Gerechtigkeit, die nicht nach menschlichem Maß misst. Nicht zuteilt, berechnet, wegnimmt. Sondern die barmherzig ist. Den Menschen in allen seinen Möglichkeiten, seinen Grenzen und seinen Hoffnungen begreift. Die gerade dem zuteilwerden soll, der sie nicht schon zu besitzen meint, sondern nach ihr hungert und dürstet.
Das Kind, das Maria in sich trägt, wird ein Träumer werden, ein Utopist. Es wird immer genau das fordern, was eigentlich unmöglich scheint. Und zeigt uns damit, was wir von uns selbst erwarten dürfen: Gerechtigkeit ist der Weg zu Gott, den wir finden können. Nur eine gerechte Welt ist frei. Dann, wenn nicht die Macht sich das Recht nimmt, sondern das Leben.

 INKEN CHRISTIANSEN (Advent Anders, Andere Zeiten e.V. 2016, 3.Advent)


Da hilft nur Beten

Foto: Tobias Otto

Foto: Tobias Otto

Beten Sie? Mit kaum einer anderen Frage kann man Menschen so irritieren. Die Frage ist peinlich, die Antwort ist peinlich; es offenbart sich in dieser sprachlosen Peinlichkeit so etwas wie eine transzendentale Obdachlosigkeit.
Beten gilt als kindlich und kindisch – weil das Gebet meist die erste frühe Begegnung mit dem Glauben war. Und doch sind die frommen Verse, die einem die Oma als Abendgebet gelehrt hat, auf zarte Weise vertraut geblieben. Oft ist Beten daher auch das Letzte, was Menschen in ihrem Leben tun. Alpha und Omega.
Beten Sie? Die Frage gilt als Zumutung, die gestammelte Antwort ist meist auch eine – weil der der Beter weiß, dass Beten ohne einen Rest von kindlichem Urvertrauen nicht funktioniert. Beten ist Reden mit Gott, mit einem Wesen also, das nicht antwortet. Das ist naiv, das ist seltsam, das ist suspekt, das gilt als ein Überbleibsel der alten und unaufgeklärten Zeiten in einer säkularisierten Welt.
Ist das wirklich so? Ist Beten praktizierte Unvernunft?( … )
Das Gebet ist lebendiger als die Kirchen, die es lehren. Es ist deswegen lebendiger, weil man die kirchlichen Lehren und ihre Hierarchie dazu nicht unbedingt braucht; andererseits hängen die Rituale auch daran, dass die Institutionen, die diese Rituale tradieren, weiter existieren.
Das Beten gibt der Not eine Sprache, es vermeidet die Sprachlosigkeit in existenzieller Lage. Beten heißt: eine Sprache und eine Geste finden für Glück, Unglück und Wünsche. Da gibt es nichts, was man nicht sagen dürfte – bis dahin, dass  der Beter seinen Gott schüttelt und anklagt: »Warum hast du mich verlassen? Warum?<< klagt der Beter. >>Wie lange?«, fragt er. Man erlegt sich keine Zensur auf im Gebet.
Ist das Glaube? Das ist nicht wichtig. Man kann auch ungläubig beten.
Wichtig ist: Wer Fragen stellt, resigniert nicht. Wer fragt, klagt, bittet, wer aufbegehrt – der hat schon  angefangen, etwas zu unternehmen gegen das, was ihm und den anderen angetan wird.

HERIBERT PRANTL (Der andere Advent 2016, Andere Zeiten e.V. Hamburg, 29.11.)


Ab 1.Dezember wird wieder gewartet.

Die Wartezeit beträgt 24 Tage und das Ende dieser zeit trägt den Namen Weihnachten. Wir verbringen diese Zeit sehr unterschiedlich, abhängig von unseren Erwartungen und Gewohnheiten. In jedem Fall wird von uns alljährlich eine Steigerung des privaten Konsums erwartet.
Die Wartezeit soll Vorfreude sein, sie soll stimmungsvoll sein. Deshalb feiern wir schon mal Weihnachten vor, auf Betriebs- und Vereinsfeiern, hochprozentig und kalorienreich, um uns die Wartezeit zu verkürzen.

Was bedeutet mir Weihnachten und worauf warten wir, wenn wir vorweihnachtlich warten?          GS 29. Nov 2016

Foto: Alexander Brüggemann

Foto: Alexander Brüggemann

wenn wir warten
vertreiben wir
die zeit
mit roten männern
und bratkartoffeln

wenn wir erwarten
würden
nähmen wir die zeit
zum pflug
unser leben
umzupflügen

neu werden
empfangen
frucht bringen
begegnen

detlef stäps, WarteZeit, Verlag Haus Altenberg 2007, S.115