Karfreitag – Pfingsten 2013

PSALM

Foto: Leonhard Lutz

Foto: Leonhard Lutz

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen.

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsal hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch
aus: Hüsch/Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz – tvd-Verlag, Düsseldorf, S.140

 

 

Foto: Christian Willner

Foto: Christian Willner

Heute
hat mich das Glück
in die Arme geschlossen.
Ich habe so viel
Freude erfahren,
dass ich geradezu
abheben könnte
vor Wohlbehagen
und Lebenslust.

Alle Ängste
der vergangenen Zeiten
sind zum Himmel geflogen
und mein Herz lacht
hellauf,
sodass das Echo
vergnüglich widerhallt
vom letzten Ende
der Welt.

Hanna_Dreisow

Foto: Hanna_Dreisow

 

Ich wünsche dir,
dass du bisweilen Menschen
begegnest,
mit denen du zusammen
Wunderschönes erlebst,
sodass sich die wohltuenden Bilder
der gemeinsamen Stunden
tief in dir einprägen,
damit du sie als Kostbarkeit
in deiner Seele bewahren
und sie in der Erinnerung
immer wieder neu
beleben kannst.

aus: Christa Spilling-Nöker, Halte meine Träume fest
Verlag am Eschbach 2012, S.16f

Mich ausrichten auf den Himmel:

Mein Stück vom Himmel Foto: Simone Schmitt

Mein Stück vom Himmel Foto: Simone Schmitt

Mein Blick-Feld reinigen
damit sich mir eine neue Weite eröffnet
die grenzenlose Verbundenheit schafft

Mich orientieren am Himmel:
Meinen Horizont vergrößern
damit ich den größeren Zusammenhang entdecke
der auch ein Leben vor dem Tod fördert

Mich geborgen fühlen im Himmel:
Mein Urvertrauen freilegen
damit ich mitten im Alltag höre:
Ich bin mit euch alle Tage eures Lebens!

Pierre Stutz
aus: Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.107

 

 

 

ERBARMEN  – für jede Frau, für jeden Mann, für die scheidende Königin und den neuen König der Niederlande und zum 1.Mai

Herman van Veen – Kyrie Eleison (gesungen auf niederländisch, deutscher Text unten)

Für den Bäcker, der den Ofen nicht mehr anmacht
für die Bauern, deren Pflüge stehn
für den Maurer, der die Kelle hinlegt
für die Hirten, die nicht mehr weitergehn
Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten
für den Priester, der sein Gebet vergisst
für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte
und für den Richter, dem nicht zu helfen ist
Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,
für den Opa, der schon vergessen ist
für die Ängste und schlaflosen Nächte
für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen
für die Liebste, die für immer geht
für all das sinnlose Leid hier auf Erden
für unsre Seele, die zum Teufel geht
Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder
soviel Unschuld und Leben zerstört
für die politischen Herrscher
durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte
für unsre Lügen und unsren schlechten Stil
für das Paradies, das wir verloren
für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten
für Präsidenten und Inspekteure
für Adjudanten und Kommandanten
für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten
und Händler mit großem Gewinn
durch Hormone, Drogen und Waffen
für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen
und für die Bauern in unsrer Näh’
für’s Zigeunervolk an den Strassen
für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker
für den Schmied und für den Zimmermann
für das Kerlchen hinterm Schalter
für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes
für den Schatz von dem toten Soldat
für das Mädchen, das keinen abkriegt
für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen
für diejenigen, die ich hier vergaß
ohne Frieden kann keiner leben
ob reicher Knacker oder armes Aas

aus: Im Augenblick (DVD) – 2010

Autor: Thomas Woitkewitsch, Willem Vermandere
Komponist: Willem Vermandere

 

MUTLOS

Jeden Stein habe ich umgedreht,
hinter jeder Tür habe ich geschaut,
mich gebückt ganz kleinlaut,
sogar heimlich
unter dem Teppich nachgesehen,
doch,
spurlos verschwunden bleibt er,
mein Mut.

Keine Erinnerung,
wo und wann er mir
abhanden gekommen ist,
ob er mich einfach verlassen hat,
ob ich ihn versteckte
oder ihn mir abkaufen ließ
in einem schwachen Moment.

Tatsache ist: Er fehlt mir!
Sprichst du ihn mir zu,
vielleicht?
Oder hilf mir wenigstens suchen
mutlos wie ich bin
so allein.

Angelika Wolff (Weil jede Wüste einen Brunnen birgt, Verlag am Eschbach 2008, S.9)

 

STOSSGEBET

jetzt

Foto: Ralf Pauli

Foto: Ralf Pauli

ich stehe daneben
neben mir
nicht in mir
zwischen uns
ich
und nicht ich
vor dir
neben dir
nicht bei dir
und nicht bei mir

zwischen gott und mir
stehe ich
nicht bei ihm
nicht in mir
neben mir
daneben stehe ich
jetzt

gut gott
nimm mein jetzt
bitte
jetzt gleich

Almut Haneberg (Weil jede Wüste einen Brunnen birgt, Verlag am Eschbach 2008, S.28)

Auferstehung

Welchen Sinn
Hätte die Auferstehung
Wenn alles so weiterginge
Wenn wir nicht auferstehen
Uns weiter ducken
Unsere Kraft verstecken
Unsere Würde
Und die der anderen
Welchen Sinn hätte sie
Wenn wir nicht aufstehen
Stolz, mit geradem Rücken
Und erhobenem Kopf
Ja sagen und nein
Zu gegebener Zeit
Für uns sorgen
Wie für die anderen
Welchen Sinn hätte sie

Doris Bewernitz

 

hörendes Herz

Foto: Jo Hadwiger

hörendes Herz
hole ein
den Atem der Zeit

höre
Klagelieder und Jubelrufe
Verzweiflungsrufe und Versöhnungsworte
Schreie und zärtliches Flüstern
Schüsse, Parolen und Hymnen
das Lachen lebendiger Liebe

den Atem der Zeit
hole ein
hörendes Herz

höre hinein
in deine Geschichte
und die Wege der Menschen
höre sie an und hole sie ein

dich selbst, hörendes Herz
lass einholen von der Welt
dass in dir
eine Antwort wächst
die von mehr Leben erzählt

Almut Honeberg

beide Texte aus: Österlich leben, Verlag am Eschbach 2009, Seite 82f

RAUM FÜR MEINE SEELE

Foto: Tobias Reuter

Bei
Dir allein
kommt meine Seele zur Ruhe
von Dir
kommt meine Hoffnung

Ich will nicht mehr außen suchen
was ich mir in meinem Innern schenken lassen kann

Meine Unruhe werde ich überwinden
wenn ich wage, die Stille auszuhalten
wenn ich lerne
einen neuen Umgang mit mir zu suchen –

im  Dasein
im  Ausruhen
im  Genießen
im  Entdecken meiner schöpferischen Fähigkeiten

So kann ich zur Ruhe kommen
hoffend, mein Leben durch Dich vertiefen zu lassen

Jeden Tag neu

nach Psalm 62,6
aus Pierre Stutz, Einfach leben – Verlag am Eschbach, Blatt 3

 OSTERBOTSCHAFTLichtinstallation_bearb_gross

In die Lichtblicke Deiner Hoffnung und in die Schatten Deiner Angst,
in die Enttäuschung Deines Lebens und in das Geschenk Deines Zutrauens
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In das Dunkel Deiner Vergangenheit und in das Ungewisse Deiner Zukunft,
in den Segen Deines Wohlwollens und in das Elend Deiner Ohnmacht
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In das Spiel Deiner Gefühle und in den Ernst Deiner Gedanken,
in den Reichtum Deines Schweigens und in die Armut Deiner Sprache
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In die Fülle Deiner Aufgaben und in Deine leere Geschäftigkeit,
in die Vielzahl Deiner Fähigkeiten und in die Grenzen Deiner Begabung
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In das Gelingen Deiner Gespräche und in die Langeweile Deines Betens,
in die Freude Deines Erfolgs und in den Schmerz Deines Versagens
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In das Glück Deiner Begegnungen und in die Wunden Deiner Sehnsucht,
in das Wunder Deiner Zuneigung und in das Leid Deiner Ablehnung
lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !

In die Enge Deines Alltags und in die Weite Deiner Träume
und in die Kräfte Deines Herzens lege ich meine Zusage:

ICH BIN DA !

KARFREITAG

Dali-Museum Figueras Foto: Guido Schürenberg

Mein Gott, mein Gott
warum hast du mich verlassen,
bleibst fern meiner Rettung,
den Worten meiner Klage?
Psalm 22,2
Der unbegreifliche Gott
erfülle dein Leben
mit seiner Kraft,
dass du entbehren kannst,
ohne hart zu werden,
dass du leiden kannst,
ohne zu zerbrechen,
dass du Niederlagen hinnehmen kannst,
ohne dich aufzugeben,
dass du schuldig werden kannst,
ohne dich zu verachten,
dass du mit Unbeantwortbarem leben kannst,
ohne die Hoffnung preiszugeben.
Antje Sabine Naegeli
aus: Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach, S.80

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