Guido Schürenberg

Beiträge des Autors

Apocalypse Now

gilt als einer der größten Klassiker des Anti-Kriegs-Films. Der 1979 erschienene psychedelische Vietnam-Albtraum zeigt den Wahnsinn, die Perversion und die Sinnlosigkeit von Kriegen.

Zeitgleich wurde für den amerikanischen Kongress die Studie GLOBAL 2000 entwickelt (1980 in Deutschland veröffentlich). Deren Szenarien muteten schon damals apokalyptisch an und forderten zu weltweitem, vernetzten Handeln auf, um die sich abzeichnende ökologische Katastrophe zu verhindern.
Unterschiedlich motivierte Bewegungen in den Zivilgesellschaften und Religionsgemeinschaften und nicht zuletzt #fridaysforfuture versuchen die drohende Umwelt-Apokalyse durch Aktionen und politisch-ökonomische Forderungen zu verhindern. Der UN-Klimagipfel von Paris 2015 mit seinen von 175 Staaten unterzeichneten Klimazielen war ein politisches Hoffnungszeichen für weltweites Handeln – die Konkretionen der erforderlichen Massnahmen stehen bis heute aus. In seiner Enzyklika LAUDATO SI (2015) ruft Papst Franziskus alle Menschen auf Verantwortung für das „gemeinsame Haus“ zu übernehmen und gemeinsam die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen.

Der WELTKLIMA-Bericht des IPCC (Weltklimarat der UNO) zeigt unmissverständlich die Folgen des von uns allen verursachten Klimawandels auf und die Bilder aus Griechenland, Grönland, Kalifornien, dem Ahrtal, Erftstadt, Eschweiler, Schleiden, Stolberg, … illustrieren dies. Sie dokumentieren Versagen, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit, aber auch Solidarität und Zusammenhalt inmitten der Katastrophe.

Es gibt kein „weiter so“!

In den Religionen weisen apokalyptische Schriften und Zustände auf eine Zeitenwende hin und der religiöse Mensch besinnt sich auf die göttliche Zusage ICH BIN DA – immer.

So gibt der Psalmvers: „Doch gerade an Tagen, an denen ich mich fürchte, vertraue ich auf Dich“ (Ps 56,4) den gläubigen Beter_innen Halt in apokalyptischen Zeiten. Er entbindet uns nicht davon durch persönlichen Verzicht und einen ökologisch angepassten und verantwortlichen Lebenstil unseren Teil zur Erreichung der UN-Klimaziele beizutragen.

Das wäre ein Beitrag für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und Enkel und eine wirkliche ZEITENWENDE.

GS 11. August 2021

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Ausgesandt sein: zwischen Gehen und Bleiben

Ich bin hin- und hergerissen zwischen gehen oder bleiben angesichts des Zustands und Verhaltens meiner Kirche auf allen ihren Ebenen, Da trifft mich die Botschaft des Markus-Evangeliums von der Aussendung der Jünger (6,6-13):
Ich sei ein Ausgesandter und Bevollmächtigter. Ausgesandt die Botschaft vom Gottes Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens mitten hinein in die Krisen dieser Welt zu verkünden und damit die zerstörerischen Geister zu vertreiben. Ich soll das ohne Budget und Ausstattung tun, darauf vertrauend, dass man mich schon anhören wird. Sonst, weiterziehen und die Ignorant*innen spüren lassen, dass ihre Ignoranz Folgen haben wird.

„Die Zwölf machten sich auf den Weg und forderten die Menschen auf, ihr Leben zu ändern. Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ (Mk 6,12-13)

Also einfach gehen? Nein, sondern zu zweit und einfach wird’s sicher nicht! Denn gehen heisst auch sich verabschieden, von dem, was bisher Heimat, Sicherheit und Geborgenheit war. Die Verbindung zu den Mitaufbrechenden bleibt und führt immer wieder zusammen zum Austausch und zu neuen Impulsen.

Die Kirchengeschichte erzählt von solchen Aufbruchsbewegungen in Krisenzeiten, in denen das Kirchenleben um sich selbst kreiste und die radikale Botschaft relativiert oder zur moralisierenden Drohbotschaft wurde, um die Freiheit der Kinder Gottes zu beschneiden: Charismatische Prophet*innen radikalisierten sich durch das Evangelium und gingen in die Welt, zu den Menschen, an die Ränder der Gesellschaft und verkündeten die befreiende Botschaft Jesu vom Gottesreich, das hier und jetzt gelebt werden will. Manchmal wirkten sie reformierend nach innen.
Heilung kommt von denen, die glaubwürdig die befreiende Botschaft verkünden und leben, in seinem Namen, begeisternd. Vor den Kirchentüren, an den Rändern der Gesellschaft, Heilung in Krisenzeiten.

Aufgabe der kirchlichen Gemeinschaft: Ort für Austausch, Kraft- und Quellpunkt, Heimat geistgewirkten, weltzugewandten Lebens.

Also Gehen – und immer wieder zurückkommen können.

GS 13. Juli 2021

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„Damit zu leben lernen“

Ein euphemisierendes Etikett für eine handlungsunfähige Politik angesichts der derzeitigen existenziellen Weltkrisen: „Wir werden lernen müssen mit dem Virus zu leben.“ Wir werden mit den Auswirkungen des Klimawandels leben lernen“ …

Die #fridaysforfuture Bewegung weist darauf hin, dass der Klimawandel und seine Folgen seit 50 Jahren bekannt sind und in Szenarien wissenschaftlich berechenbar sei, aber die Menschheit offensichtlich nicht bereit ist die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um auch kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu erhalten.
Verhaltensänderung bedeutet Verzicht auf internalisierte Verhaltensmuster und lieb gewordene Konsumgewohnheiten.Verzicht und Einschränkungen lassen sich nur schwer als Bereicherung kommunizieren. Und man weiss ja nicht, ob diese Einschränkungen, dieser Verzicht nicht überflüssig ist, da ja vielleicht schon eine „Reparatur-Lösung“ in der Schublade liegt und überhaupt alles schon nicht so schlimm kommen wird.

Brauchen wir erst das Lernen aus Erfahrung im eigenen Leben, um zur Veränderung bereit zu sein?

Paulus schreibt in seinem Brief an die Hebräer, dass Jesus durch Leiden Gehorsam gelernt hat.(Hebr 5,8)

„Gehorsam ist das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität …“ (Wikipedia). Für den erwachsenen Jesus war diese Autorität Gott*, weil er darauf vertraute, dass diese*r es gut mit ihm und mit allen Menschen meint.

Offensichtlich trauen wir, insbesondere in Krisenzeiten, wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht und politische Entscheidungsträger*innen verzögern entsprechend zukunftsorientiertes Handeln, da dies mit vermeindlich unzumutbaren Einschränkungen der Wähler*innen verbunden ist.

„Er lernte durch Leiden Gehorsam! – „Wer nicht hören will, muss fühlen“ hat die Volkserziehung daraus gemacht. Wir und die entscheidenden Autoritäten werden unser versagendes Handeln nicht (mehr) fühlen, wohl aber die jetzt noch Wahl-Unmündigen und ihre Kinder.

GS 6. Juli 2021

#lebenlernen #unterbrechungmittendrin #besinnzeit

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Aufstehen!

Tod geglaubt, keine Lebensenergie, keine Zukunft mehr; ein hoffnungsloser Fall!

Das ist das anscheinend gemeinsame einer jungen Frau zur Zeit Jesu in Palästina, wie es das Markus-Evangelium (5, 21-43) beschreibt und der deutschen katholischen Kirche im Frühjahr 2021, wie Reinhard Marx, Kardinal und einer ihrer obersten Führer in seinem Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus sie sieht: An einem toten Punkt angekommen,an dem sich alle Kräfte gegenseitig blockieren.

Resignieren, aussteigen, fliehen, wo es doch um die lebenswerte Zukunft von Menschen geht?

Der Vater der jungen Frau, seiner religiösen Gemeinschaft sehr verbunden, Gemeindevorsteher, will nicht aufgeben, glaubt an eine Zukunft für seine Tochter und bittet Jesus um Hilfe. „Hab keine Angst!“

Der Papst fordert Marx und mit ihm die ganze deutsche Kirche auf: „Mach weiter! Du bist auf dem richtigen Weg!“ Vielleicht sollte er, der Visionär, der Prophet -wie Jesus- sagen: „Steht (endlich) auf! Bewegt Euch, spürt das Leben! Übernehmt Verantwortung für die Zukunft! Werft ab, was dieses Leben und die Zukunft belastet: lähmende Traditionen, machtverliebte Strukturen, Fehlinterpretationen des göttlichen Willens, Selbstverliebtheit, … und wendet Euch der befreienden Botschaft Jesu zu.

Steht auf für das Leben, steht auf für die Zukunft.
Für alle Menschen – Christians for Future.

Empowerment – Aufstand für das Leben.

Eine Frage des Glaubens – Und des persönlichen Engagements

– auch für mich, als glaubender Vater zweier Töchter, eines Sohnes und Großvater dreier Enkel

GS 28. Juni 2021

… Bist du da
Wenn Seelen verwaisen?
Bist du da
Wenn zu viel Gestern droht?
Wenn wir verrohen
Weil alte Geister kreisen?
Bist du da?

Du siehst den Glanz in tausend Augen
Gibst einen Teil vom Glück zurück
Verschleuderst haltlos dein Vertrauen
Und du zierst dich nicht, du verzierst dich nicht
Zierst dich nicht
Immer wenn …

(Herbert Grönemeyer)

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Pandemisch unfair

Pandemisch unfair

Eins der ersten Wertvoll-Worte zu Beginn der Pandemie war SOLIDARITÄT: Masken und Abstand zum Schutz der vulnerablen Gruppen, Solidarität der Jüngeren mit den Älteren, der Stärkeren mit den Schwächeren. Dabei nicht im Blick die Kinder und die armen Länder des globalen Südens, u.a. wegen des unauffälligen Verlaufes einer COVID-Infektion bei Kindern und wegen der geringen Testkapazitäten in den Südländern.

Bei der Bestellung und Verteilung der aussichtsreichsten Impfstoffe waren wieder die armen Länder außen vor, trotz COVAX-Initiative der WHO, die für eine gerechte Verteilung der Vakzine sorgen soll. Hier verbinden sich Impf-Nationalismus und „freie“ Marktwirtschaft, unterstützt durch Patentmonopole gegen die Pandemie-Solidarität.*

Auch wir im eine-welt-engagement e.v. wurden erst im Januar 2021 durch die COVID 19 Tode des Bischofs und des Caritasdirektors unserer Partner-Diözese in Sambia auf diese pandemische Unfairness gestoßen und reagieren nach-wie-vor hilflos.

Die Bekämpfung der Pandemie und damit verbunden die gerechte Verteilung von Tests und Impfstoffen braucht, genau wie die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, das Bewusstsein, dass wir eine Schicksalsgemeinschaft auf diesem Planeten sind. Dieser Zusammengehörigkeit müssen wir uns immer wieder bewusst werden und entsprechend handeln; sie ist die Basis eines friedlichen Zusammenlebens – und Grundlage unseres Glaubens:

„Wenn wir keinen Frieden haben, liegt es daran, dass wir vergessen haben, dass wir zueinander gehören.“ – Mutter Teresa (1910-1997)

Biblisch ausgedrückt finden wir dies im Markus-Evangelium: Die Jünger*innen sind gemeinsam mit einem Boot unterwegs und geraten in einen Sturm. Sie haben existenzielle Angst, die von Jesus infrage gestellt wird: „Warum habt Ihr solche Angst? Habt Ihr immer noch keinen Glauben?“ (MK 4, 35-43)

Glaube ich an eine gerechte und friedliche Zukunft für alle? Was kann ich dazu beitragen?

GS 22. Juni 2021

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