Kategorie: Allgemein

Mission irrelevant?

Am Sonntag beging die katholische Kirche den Weltmissionssonntag.

Die historischen Assoziationen kommen sofort: Zwangsmissionierung der Völker Mittel- und Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen mit Kreuz und Schwert seit dem 15ten Jahrhundert bis zum Hungertod von Inuit-Kindern in Katholischen Internaten Kanadas im 20ten(!) Jahrhundert.

Mission heisst Sendung, Christen fühlten sich von Jesus gesandt die frohe Botschaft vom liebenden, barmherzigen Gott der Gerechtigkeit, das Evangelium allen Völkern, allen Menschen zu verkünden.

Es ging um Nächstenliebe, Befreiung, Gerechtigkeit. Die Kolonisatoren bemächtigten sich dieses Auftrags und brachten Unterdrückung, Krankheiten, Ausbeutung, Sklaverei, Tod – die Perversion dessen, was Jesus verkündet hatte, mit dem Segen der Kirche. Die Missionare wollten die Heiden bekehren, sie retten vor der Verdamnis. Inkulturation ist eine Haltung des späten 20ten Jahrhunderts und in kirchlichen Kreisen auch immer noch nicht allgemeine Überzeugung.

Aber was wäre denn unsere zukunftsfähige Mission als Christen heute? Welche Botschaft haben wir zu verkünden dem Abendland, das schon längst nicht mehr durch christliche Werte geprägt ist.

Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit lohnt sich das Wiederaufgreifen der Ideen und der Spiritualität des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, an die Theologie der Befreiung und das indigene Lebensprinzip des Buen Vivir.

Mit einer solchen überzeugend gelebten Botschaft wären Christen wieder relevant und das Christentum zukunftsfähig.

GS 26. Okt. 2021

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Jesus-Lizenz

Es scheint ein Urheberrecht für Segenshandlungen zu geben. Das Etikett „im Namen Jesu“ wollten die Christen von Anfang an monopolisiert wissen und gebunden an die von der Gemeinschaft Beauftragten (Männer).
So jedenfalls spiegelt es sich im Markusevangelium, gerichtet an die Christengemeinde und deren Nachfolgende:

»Lehrer, wir haben da einen Mann gesehen, der hat deinen Namen dazu benutzt, böse Geister auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht zu uns gehört.« (Mk 9, 38)
Überraschend, wie Jesus mit dieser vermeintlichen Urheberrechtsverletzung umgeht:
»Lass ihn doch!«, sagte Jesus. »Wer meinen Namen gebraucht, um Wunder zu tun, kann nicht im nächsten Augenblick schlecht von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!« (Mk 9, 39f)

Das Verhaltensmuster der Jünger ist uns auch heute noch wohl vertraut und mal ehrlich, reagieren wir nicht ähnlich?
Wer darf im Namen Jesu die „die Messe halten“, Sünden vergeben, segnen? „Natürlich“ nur geweihte (männliche) Priester und „gültig“ sowieso nur bei Einhaltung der vorgeschriebenen Form.

Und was ist schlecht daran, wenn jemand christlich handelt ohne sich als Christ zu bezeichnen?
Eher ist es fatal, wenn das C missbraucht wird, um der Lehre Jesu entgegenstehendes Handeln zu Labeln.

„Böse Geister aus (der Welt) zu treiben“ ist auch für uns eine bleibende Herausforderung. Am besten gelingt dies, wenn wir Gutes zusagen (bene dicere = segnen), im Vertrauen darauf, dass es wirkt.
Den Segen Jesu, des Christus dazu haben wir allemal. Diese Lizenz ist nicht an ein Amt oder an eine Kirche gebunden, sondern Allgemeingut für ein Gutes Leben für alle Menschen auf dieser Gott geschenkten Erde.

Foto: Greenpeace-Aktion 2019 – ©spiegel.de

GS 28. Sept 2021

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Richtungswahl

In diesen Wochen vor der „Richtungswahl“ ist das Popularitätsranking anscheinend das Wichtigste und so werden wir täglich statt über klare Positionierungen der Parteien zu den Zukunfts-, Lebens- und Überlebensfragen mit Parteien- und K-Kandidat*innen-Ranking hingehalten und beschäftigt. Für manche von uns interessierten Bürger*innen ist die Entscheidung -mehr oder weniger zufriedenstellend- ohnehin schon per Briefwahl gefallen. Aber die noch Unentschiedenen erwarten noch parteiliche und personelle Hinweise, was Priorität der Politik für die Zukunft haben wird und wie dies ab wann bewirkt werden soll.

Jesus hat dem Ranking-Geplänkel seiner Nachfolger eine klare Position und Richtung gewiesen: Den glaubwürdigen Einsatz für eine lebenswerte Zukunft der Kinder und Enkel und den Einsatz für die „Kleinen“:

Sie schwiegen, denn sie hatten sich gestritten, wer von ihnen wohl der Größte wäre.
Da setzte Jesus sich hin, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: »Wer der Erste sein will, der muss der Letzte von allen werden und allen anderen dienen!«
Und er winkte ein Kind heran, stellte es in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
»Wer in meinem Namen solch ein Kind aufnimmt, nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern gleichzeitig den, der mich gesandt hat.«
(Mk 9,33-37)

Stellen wir die Zukunft der Kinder und Enkel in die Mitte unseres (politischen) Handelns? Verstehen wir uns als Diener am Wohl der menschlichen Gemeinschaft?
Fragen, die sich nicht nur Politiker*innen stellen müssen, sondern genauso ich und jede*r einzelne von uns.

Das Kindes- und Enkel-Wohl bestimmt die Richtung und nicht das Konservieren des Bestehenden.
Jedenfalls definiert Jesus so christlich-parteiisches Handeln entsprechend dem Willen Gottes.

Wir haben die Richtungswahl!

GS 21.Sept 2021

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Für wen hälst Du mich – eigentlich?

Jetzt präsentieren sie sich wieder, die Parteien, ihre Positionen zu den Themen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und vor allem die „Volksparteien“ ihre Kanzlerkandidat*innen und deren „Kompetenz-Teams“. Angesichts unserer Welt-Zukunft überzeugen sie alle nicht mit klaren Perspektiven und Maßnahmen. Denn das, was da auf uns zukommt, auch als Konsequenz von Ignoranz und nationalen, persönlichen, wie wirtschaftlichen Egoismen, ist existenzbedrohend für die Menschheit.

Von daher sind alle erforderlichen Massnahmen Zumutungen. Entsprechend diffus und unklar bleiben die konkreten Forderungen und Handlungsperspektiven.

Den Wähler*innen wird unterstellt, dass ihnen nichts zuzuMUTen ist, da sie sich ja in ihrem „Wohlstand“ eingerichtet haben.

Wenn wir in dieser zukunftsbedrohlichen Situation Politiker*innen wählen wollen, die die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft gestalten und mutig handeln sollen zum Wohle des Volkes, müssen wir wissen, wofür sie stehen, für welche Werte und welche Sichtweisen auf diese Welt. Es entstehen Bilder und Erwartungen, von den Kandidat*innen geweckt. Passen oder gar biedern sie sich diesen Bildern und Erwartungen an oder sind sie ehrlich und glaubwürdig und stehen zu den Zumutungen?

Im sehr „volksnahen“ Evangelium des Markus fragt Jesus seine Anhänger: „Für wen halten mich eigentlich die Leute?“ und nachdem diese ihm die Ergebnisse der kleinen Meinungsumfrage präsentiert haben, hakt er nach und fragt: „Und Ihr, für wen haltet Ihr mich?“ (Mk 8,27-29)

Er will wissen, auf wen er sich angesichts der Zumutungen seiner Zukunftsbotschaft verlassen kann, wer zu ihm stehen wird und mit ihm dieses Reich Gottes der Gerechtigkeit und Liebe gestalten und leben will. Und natürlich steht auch seine Glaubwürdigkeit in Frage, erkennbar in seinem Lebensstil, seinen Handlungen und seiner Bereitschaft, dafür alles zu geben.

Wenn wir Politiker glaubwürdig und nicht populistisch anbiedernd und indifferent erleben würden, wäre die Wahl einfacher und motivierender. Und es bestünde eine realisierbare Chance lebenswerte Zukunft gemeinsam zu gestalten und das Leben auf diesem Planeten zu retten.

GS 14. Sept 2021

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Mitteilungsbedürfnis

Manche*r kann ja seine Klappe nicht halten, postet und kommentiert eigene Meinung und Erfahrungen, Beobachtungen und Analysen zu „Gott und die Welt“. Wobei der Anteil WELTERFAHRUNGEN in meiner sozialen Blase deutlich im Vordergrund steht. Und wenn von Gott mal die Rede ist, dann meist verbunden mit negativen Kirchenerfahrungen. Diese erzählen allerdings weniger von Gott, als von Ohnmachtserfahrungen angesichts menschlich-hierarchischem Machtgebahren.

Wenn dann mal ein gegenläufiges und mich bestätigendes oder aufbauendes Narrativ die Runde macht, das deutlich macht, dass GOTT* mit dieser, seiner Welt noch nicht am Ende ist, dass wir Menschen mit ihm eine Zukunft haben, dann sollen es alle erfahren.
Irritierend ist da für mich die Aufforderung Jesu bloß nichts von seinen Heilungen und Heilstaten zu erzählen: „Jesus verbot den Anwesenden, es irgendjemand weiterzusagen“ (Mk 7,36)
Offensichtlich wollte er keinen Personenkult, die Titel Heiland und Messias schon gar nicht, denn sie wecken Erwartungen. Ihm ging es darum durch sein Handeln die Menschen in ihrem Glauben an GOTT* zu bestärken und so sollte die gute Nachricht – good spell, gute Erzählung, Evangelium, Gospel- fühl- und erfahrbar werden.

Anscheinend ist auch in meiner Bubble diese Erfahrung, diese Gute Nachricht nur sehr selten, sonst müssten wir doch mehr davon erzählen, wie es ein Lied des Schriftstellers Josef Reding aus den 80ern singt: „Die gute Nachricht singt hinaus, Gott sendet seine Menschen aus, so Dich und mich und sie und ihn …“

Ja, es wäre uns ein inneres Bedürfnis, wir könnten gar nicht anders „Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben“ auch wenn man uns auffordert die Klappe zu halten, wie Petrus und Jakobus vor dem jüdischen Religionsgericht, nachdem sie im Namen Jesu Heilungen bewirkten. (Apg 4,20).

Damit unser Mitteilungsbedürfnis aber nicht in unserer kleinen Kirchen-Bubble bleibt, sondern die Menschen erreicht, sollten wir die Gute Nachricht auf allen uns zur Vefügung stehenden SocialMedia-Kanälen immer wieder posten – mit glaubwürdigen Geschichten, wie wir sie als uns gut tuend erfahren haben.

GS 7. Sept 2021

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