Category: Allgemein

Fragen: Was und wie und wo

Da ging der Mann „traurig weg“. Und ich geh am besten gleich hinterher. Denn auch, wenn ich kein großes Vermögen habe, so besitze ich doch einiges: Kunstwerke zum Beispiel, von denen ich mich nie trennen würde; zudem fahre ich zweimal im Jahr in Urlaub, ich liebe gutes Essen und besuche gern ausgezeichnete Restaurants. Wenn ich auch nicht viel auf der hohen Kante habe, arm bin ich auf jeden Fall nicht und wenn ich sicher auch nicht geizig bin, so habe ich dennoch nicht den Ehrgeiz, meinen Lebensstil grundsätzlich ändern zu wollen. Die Konsequenz scheint also klar: Ich muss draußen bleiben, ich Kamel bin zu groß und zu behäbig für den Weg ins ewige Leben. Was ich hier sage, das meine ich sehr ernst, das ist jetzt kein Stilmittel für diese Predigt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Auftrag Jesu, alles zu verkaufen und es den Armen zu geben, überfordert mich. Versteht mich bitte nicht falsch, ich geb gern, aber ich vermag nicht, alles zu geben und es gibt Dinge, die würde ich nie freiwillig hergeben. Was also bleibt anderes, als zu Schweigen zu diesem Evangelium?
Andererseits habe ich vor diesem Mann eine sehr hohe Achtung. Sein Mut, nach den eigenen Lebenszielen zu fragen, seine Ehrlichkeit, mit den Tatsachen wahrhaftig umzugehen, die berühren mich. Ihn muss die Frage schon sehr unter den Nägeln gebrannt haben, man spürt geradezu seine Not. Er will wirklich seinem Leben Tiefe geben und Perspektive: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Er läuft auf Jesus zu, rennt, kann es kaum abwarten, eine Antwort zu bekommen; fällt vor Jesus auf die Knie, es bleibt offen, ob als Zeichen der Demut oder weil er einfach aus der Puste ist. Von der Beantwortung dieser einen Frage scheint alles abzuhängen: sein Leben, seine Zukunft, einfach alles. Er ist wirklich beseelt von dieser einen Frage: Was gibt meinem Leben Zukunft.
Wir wissen, wie die Begegnung mit Jesus endet: traurig und zerknirscht geht der Mann weg. Er war doch so guten Mutes, die Begegnung mit Jesus zu suchen. Die erste Antwort Jesu hat ihn noch bestärkt: Er hat vieles richtig gemacht; er hat ein verantwortungsvolles Leben geführt bisher und untadelig gelebt. Aber dann trifft es ihn knüppelhart: „Verkaufe alles, was du hast und geb es den Armen…“ „Da ging er traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen“.

So unbefriedigend die Begegnung endet, so sehr bin ich doch davon überzeugt: Die Haltung dieses Fremden könnte so etwas wie ein Semesterprogramm werden für uns: Die Erzählung des heutigen Evangeliums ruft uns dazu auf, uns an die Frage heranzutrauen, wie wir dem eigenen Leben Sinn geben können und wie wir eine Perspektive in unserem Leben finden können, die dankbar werden lässt gegenüber dem Leben. Natürlich stellen wir auch immer wieder Fragen, suchen immer wieder nach Antworten. Wir forschen nach dem, was unser Leben sicherer, nachhaltiger werden lässt. Aber stellen wir wirklich die richtigen Fragen. Stellen wir die Fragen, die uns bewegen, das Wertvolle, das Schöne, das Unvergängliche und Ewige des Lebens suchen? An den Hochschulen ist das Fragen und Suchen Alltagsgeschäft. Aber sind die Hochschulen alleine die richtigen Orte, um die richtigen Fragen zu stellen?
„Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor“. Wir hörten eben diese Worte aus dem Buch der Weisheit. Nun tragen Rektoren und Professoren sicher heute keine Zepter mehr und sitzen auch nicht auf Thronen. Aber es ist glaub ich nicht abwegig zu behaupten, dass sie manchmal so tun als ob. Wissenschaftliches Arbeiten ist nicht Vielen das wesentlichste Lebenselixier, aus dem heraus sie ihr persönliches wie ihr öffentliches Leben gestalten. Und derer gibt es noch viele andere innerhalb und außerhalb unserer Hochschulen: Menschen, die uns Ratschläge geben, welche Fragen zu stellen sind. Dabei bleibt doch virulent, ob dies die wirklich richtigen Fragen sind.
Weisheit und Klugheit sei notwendig, die Fragen aufkommen zu lassen, die wirklich wichtig sind. Weisheit und Klugheit ist aber etwas grundsätzlich anderes als Effizienz und Erfolgsversprechungen. Die Fragen, die uns wirklich in die Tiefe des Lebens führen, die erwachsen in der Stille – das Buch der Weisheit sagt ‚Gebet‘ dazu. In der Stille, in der Konzentration auf sich selbst und auf Gott hin, da finden sich die Fragen, die uns helfen das zu entdecken, was wirklich leben lässt. Die wirklich wichtigen Fragen entwickeln sich in uns selbst, wenn wir – wie es so schön heiß – in uns gehen. In der zweckfreien Zeit, wo nichts getan, nichts gedacht, nichts gesagt werden muss, wo ich einfach nur bin, wo ich vor Gott bin und bei mir bin, da tun sich die Fragen auf, die Leben in Bewegung bringen, nach vorne bringen.
Dieser außergewöhnliche Mensch Jesus, der in so außergewöhnlicher Weise aus der Beziehung zu Gott gelebt hat, dass sein Leben immer nur Vorbild sein kann im Wissen darum, dass kein anderer so konsequent zu leben vermag wie er: Dieser Jesus nun gibt dem Mann einen Ratschlag, der jeden überfordern muss, so wie er diesen wohlmeinenden Mann und mich und uns überfordert. „Geh verkauf alles, was du hast und geb es den Armen“. Aber er tut dies, so heißt es ausdrücklich, weil er ihn liebte. Weil er ihn liebte, überfordert er den Mann maßlos mit dieser Aufforderung, wohlwissend, dass diese maßlos ist. Nun geht der Mann traurig weg; aber wo geht er hin? Einfach so zurück in sein bisheriges Leben? Das glaub ich einfach nicht. Die maßlose – wenn auch liebevolle – Herausforderung Jesu wird diesen Mann begleitet haben. Er wird ins Nachdenken gekommen sein, vielleicht ins betende Nachdenken. Und er wird – da bin ich mir sicher – zweierlei erkannt haben: Zum einen: Haben bedeutet nicht automatisch leben. Zum anderen dann: Vertrauen und Liebe schenken eine grenzenlose innere Freiheit. Mit diesen beiden Erkenntnissen werde ich nun weggehen, in diesen Gottesdienst hinein und in das neue Wintersemester 2018/2019 und schauen, welche Fragen sich daraus für mich erschließen werden: Fragen aus mir heraus, Fragen, die meinem Leben eine Richtung geben auf die hin, die auch leben wollen, so wie ich.
Christoph Simonsen

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Gelassen bleiben

In dieser Zeit der Krisen (Entscheidungsnotwendigkeiten), Katastrophen (Umwendungen zum Schlechten) und politischen und religiösen Radikalisierungen fällt es mir schwer gelassen zu bleiben, nicht in Panik oder gar Depression zu fallen. Eine erste, spontane Reaktion ist dann oft eine Überreaktion. Dabei wäre eher nachdenken angesagt, strukturieren, differenzieren und dann erst Aktion.
“Es gehört zur Tragik von Menschen, dass wir in Situationen, in denen wir besonders gefordert sind, uns auf eine Weise in Aufgaben stürzen, die die Gefahr mit sich bringt, dass wir uns darin immer mehr verlieren. So leben wir immer weniger im Einklang mit uns selber” und unserem sozialen Umfeld. (Pierre Stutz)
Ich habe das Gefühl dass ich, dass diese Gesellschaft, in der ich lebe ihre Mitte verloren hat, ihre innere Kraft, ihre (Selbst-)Sicherheit. Ja, dass sie Gott verloren hat.
Aber ich, wir, diese Gesellschaft braucht diese innere Mitte, diese Selbstsicherheit und Orientierung, um gelassen die Herausforderungen unseres Lebens und der Zukunft dieser Welt anzunehmen und mit zu gestalten.            GS 16. Okt. 2018

Meine Sehnsucht ist groß
ich selber zu werden
nicht gelebt zu werden
sondern aus meiner Mitte heraus
mich entfalten zu können

Meine Sehnsucht ist groß
mich lassen zu können
Idealbilder von mir loszulassen
damit ich immer mehr so werde
wie Gott mich von Anfang gemeint hat:
als sein Abbild

Meine Sehnsucht ist groß
mich zu finden
weil ich nur so Gott finden kann
im tiefsten Seelengrund,
wo ich sein darf vor aller Leistung

Meine Sehnsucht ist groß
mich lassen zu können
um in meinen Gaben
meine Lebensaufgabe zu entdecken
im Entfalten und Aufgeben meiner Gaben

Pierre Stutz (Einfach leben, Verlag am Eschbach 2004, S.39)
Foto: Moritz Deschamps

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Change – Now

Der Sonderbericht des Weltklimarates IPCC, der am Wochenende veröffentlicht wurde (Zeit- Online) bestätigt den gefühlten Eindruck dieses Sommers in Europa, dass sich die Erde schneller erwärmt als angenommen und “drohen den Wissenschaftlern zufolge dramatische Folgen für das Leben auf der Erde”.
Um die Erderwärmung noch auf 1,5°C zu begrenzen, wie bei der Klimakonferenz in Paris 2015 beschlossen, sind aber “schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen” not-wendig.
Diese Nachricht kam nicht unerwartet, die absehbaren Entwicklungen wurden aber bisher von Zivilgesellschaft, Politik, Wrtschaft und Industrie weitgehend ignoriert, bagatellisiert oder verdrängt.
Insbesondere der CO2 Ausstoß ist bis 2030 um 45% gegenüber 2010 zu reduzieren und bis 2050 auf 0 zu senken. Gleichzeitig muss der Anteil erneuerbarer Energieträger bis 2050 auf 70-85% gesteigert werden, bei gleichzeitiger Entwicklung von Verfahren, die der Atmophäre Kohlendioxid in großen Mengen entziehen.
Das fordert Wissenschaft und Forschung heraus genau wie die entsprechenden Technischen Umsetzer.
Vom “Verbraucher” -also von uns- wird ganz deutlich und konsequent gefordert: Weniger Energieverbrauch, erhebliche Verhaltensänderungen (Verringerung des Fleischkonsums, Umstieg auf verbrennungslose Automotoren, Fahrrad und ÖPNV. Dazu kommen private Mehraufwendungen für ökologisch angepasst produzierte Konsumgüter, …
Die Veränderung, ja der Versuch die Welt (noch) zu retten beginnt im Kopf und bei mir und als Gemeinschaftswerk aller. Der Bericht der Wissenschaftlicher ist ein drängender Appell endlich mit einer radikalen Änderung unseres Verhaltens zu beginnen und nicht darauf zu warten, ob die anderen auch ihren Beitrag leisten.
Das heisst bewusster leben, sicherlich auch sich einschränken und vor allem die globale Zukunft für alle Menschen im Blick haben.
Denn der biblische Auftrag lautet: Die Erde, die Schöpfung Gottes zu bebauen und zu bewahren (Genesis 2, 15)      GS 9. Okt. 2018

Herr, unser Schöpfer,
gesegnet hast du deine Geschöpfe,
Menschen und Tiere,
aus deiner Hand kommen sie und wir.
Deine Liebe hat uns zusammengebracht.
Wir haben uns von dir entfernt
und darum die Mitgeschöpfe preisgegeben
an Willkür, Ausbeutung und Experiment.

Herr, dein Segen bringe uns wieder zusammen.
Lass uns den Regenbogen erkennen,
der über uns und sie gespannt ist.
Mache uns wieder dankbar für dein Geschenk;
öffne uns die Augen für den Reichtum dieser Erde.

Segne uns durch neues Staunen .
Lass uns auf die Sprache achten,
die Bruder und Schwester Tier sprechen,
lass uns achten auf die Sprache
von Pflanzen, Blumen und Bäumen.

Segne uns durch neue Freude über alle Geschöpfe
und halte uns verbunden in dir.

Eberhard Röhrig,
Jeden Augenblick segnen – Verlag am Eschbach 2005, S.198

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Eine persönlich-kirchliche Erklärung

Unter all den Betroffenheits- und “Wir schämen uns”- Bekundungen in den vergangenen Wochen zum tausendfachen Missbrauchsskandals an Kindern und Jugendlichen (allein in Deutschland, die Dunkelziffer ist wesentlich höher) und den in der Folge geweiteten Blick auf den weltkirchlichen Skandal des Amtsmissbrauchs von Klerikern an Abhängigen, wie z.B. #NunsToo über den sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Beichtväter und geistliche Begleiter, werden immer wieder die strukturellen Ursachen dieses Skandals im Begriff des Klerikalismus zwar von der Untersuchungskommission benannt, aber von den Kirchenleitungen ohne konkrete Maßnahmen gefüllt. Kirche und ihre Hierarchie (heilige Ordnung) muss sich ändern, wenn dies die Ursache von Mißbrauch ist – aber wie?
Dafür Sorge zu tragen, dass durch verpflichtende Präventionsschulungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit auf frühes Erkennen sensibilisiert werden und entsprechende Situationen vermieden werden, ist seit einigen Jahren in den meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen und sozialen Einrichtungen Standard.
Sich bei den Opfern zu entschuldigen und diese zu entschädigen ist mehr als selbstverständlich. Es verbietet sich aber dabei von der katholischen Kirche als WIR und UNS zu sprechen, denn die Opfer waren und sind teilweise immer noch Glieder ebendieser Kirche. So wird die Verantwortung kollektiviert, statt personalisiert.
Die glaubhafte Verkündigung des Evangeliums, der Guten Nachricht von der bedingungslosen Liebe Gottes und die entsprechende Lebensgestaltung und Organisationsentwicklung ist Auftrag der Kirche als Gemeinschaft der an Christus Glaubenden. Jeder Einzelne ist dazu aufgefordert und berufen (aus Taufe und Firmung, wie immer wieder betont wird). Kleriker und Bischöfe sind ausgewählt seit der frühen Kirche als Diener an der Gemeinschaft und nicht zur Herrschaft über sie.
Die Wirklichkeit von Kirche, wie wir sie zur Zeit erleben, demotiviert alle Mitarbeitenden haupt-, wie ehrenamtlich. Ich und vielleicht auch wir brauchen neue Motivation für unserem Dienst an einer lebenswerten Welt für alle Menschen aus der Zusage Jesu: “Ich bin gekommen , um ihnen das Leben zu geben, Leben in Überfluss.”(Joh 10,10)
Deshalb schließe ich mich der persönlichen Erklärung meines Kollegen Joachim Braun aus Frankfurt an:
“Ich bin immer noch überzeugt, dass das, was die Kirche hütet und in all den Missbräuchen so schändlich verraten hat, das Evangelium, ein großartiges, inspirierendes und lebenswertes Programm für jeden Menschen guten Willens ist, das es wert ist, dafür zu kämpfen, alles in der Kirche neu auf den Prüfstand zu stellen, inwieweit es dem Geist dieses Evangeliums entspricht.”     GS 2. Okt 2018

Gott
bleib nicht stumm
versteck dich nicht

wenn mir der Boden
unter den Füßen entgleitet
wenn meine Welt
zerbricht
wenn alles über mir
zusammenschlägt.

Überlasse mich nicht
dem Nichts

setz einen neuen
Anfang

schaff meinen Schritten
weiten Raum

führ mich in die Weite
die du bist.

Katja Süß
nach Psalm 18 (Segen für den Weg des Lebens, Verlag am Eschbach 2009, S.56)

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Morgen beginnt heute

Ich glaube, ich muss heute zunächst einmal Abbitte leisten; die beiden vergangenen Sonntage waren stimmungsmäßig sehr geprägt von übergroßen Forderungen, vielleicht sogar übermenschlichen Forderungen. Die Heilige Schrift ist wahrlich keine leichte Kost. Und unsere momentane Welt- und Kirchenwirklichkeit ist momentan, das kommt dazu, alles andere als zufriedenstellend. Welt und Kirche zu gestalten aus der Überzeugung heraus, dass Gott uns diese eine Welt ans Herz gelegt hat, ist und bleibt also eine wahnsinnige Herausforderung und sie führt uns Menschen nicht selten an die Grenze unserer Möglichkeiten. Gleichwohl unser Glaube immer auch eine herausfordernde Botschaft in sich trägt, die eine gestalterische Konsequenz einfordert, so hat dieser gleiche Glaube doch auch eine beflügelnde Leichtigkeit, sich des Lebens zu freuen und sich den unbeschwerten Erlebnissen des Augenblicks hinzugeben. Ja: den Augenblick des Lebens, das gerade Hier und gerade Jetzt zu spüren und sich dankbar dem hingeben, auch das gehört zu unserem Glauben, es gehört existentiell zu unserem Glauben. Gott schenkt nicht nur Zukunft, er schenkt vor allem auch Gegenwart.

Eldad und Medad geraten in Verzückung. Sie sollten Lagerwache halten, während Moses mit den 70 Ältesten mit Gott sozusagen in Konferenz geht. Und wie Gott so ist, er hat immer ein give away in der Tasche, er lässt keinen mit leeren Händen und leeren Herzen nach Hause gehen; Moses, wie auch die anderen werden beschenkt – mit seinem guten Geist. Schön finde ich die Bemerkung, dass Gott ihnen „etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte“ schenkte. Ein bisschen Geist Gottes genügt scheinbar schon, um Menschen glücklich zu machen und zu befähigen, weltbewegendes zu entwickeln. Jetzt sind aber die beiden Lageraufpasser genauso verzückt von diesem guten Geist Gottes, wie Moses und die Ältesten es sind, obwohl sie bei der Begegnung mit Gott dabei waren. Und da wird wohl klar, dass Gott nicht nur die beschenkt, die demonstrativ zu ihm hingehen. Nein, auch die Zurückgebliebenen, die Fernstehenden werden beschenkt. Und das kann doch wohl nicht mit rechten Dingen zugehen. Geist Gottes kann schließlich nur da drin sein, wo der auch überprüfbar von Gott verteilt wurde.
Wer so denkt, der Diener des Moses nämlich, den überrascht Moses dann mit der Bemerkung, er würde sich wünschen, dass alle Menschen, das ganze Volk, zu Propheten würden, zu Geistbegabten also. Wer im Hier und Jetzt Gutes tut, Gutes sagt, wer verzückt ist davon, dass ihm Leben geschenkt ist und wer sich sichtbar, spürbar seines Lebens freut, der muss Gottes Geist in sich tragen. Das ist für Moses evident – und für Jesus auch, das heutige Evangelium belegt dies.

Jetzt ist uns heute das Wort „Verzückung“ eher fremd. Aber es weckt unweigerlich meine Phantasie, eure vielleicht ja auch. Was völlig verrücktes machen, mal ganz aus sich raus gehen, mitten am Tag zu tanzen beginnen, und dann – man stelle sich das vor – ganz man selbst sein, echt, frei von jeder konventionellen Rolle, die man sich so oft überstreift. So unverstellt, so unbedarft, so frei, da kann kein böser, kein ausgrenzender, kein diskriminierender Gedanke mehr in einem sein. In solchen Augenblicken, wo der Moment einer Ewigkeit gleicht, wo das Jetzt nicht aufhört und einfach nur Lebendigkeit, Dankbarkeit und Glück in einem ist, da muss Geist Gottes sein und da wird einem klar, dass der Glaube Berge versetzen, Grenzen verschieben und Mauern erweichen kann. Und somit sogar unsere heutige Lebenssituation aus aller Enge zu befreien vermag. Predigt am 30. September 
Christoph Simonsen

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