Category: Allgemein

Genieße den Tag

Nach gefühlten Monaten grauem und feuchtem Novemberwetters und dem damit einhergehenden November-Blues scheint in diesen späten Januartagen endlich wieder die Sonne an einem strahlend blauen und frostigem Wintertag. Die Luft ist klar und kalt, der Serotonin-Spiegel steigt und mit ihm der Gute-Laune-Pegel.
Bei mir braucht es immer ein paar Tage, bis ich den November-Blues ganz verabschiedet habe, aber die (Wetter-) Prognosen sind günstig und die hellen Zeiten werden länger. Ich sehe meine Umgebung mit anderen Augen, kann mich wieder freuen, wartend auf den Frühling.
In solchen Zeiten bedrückt mich auch die Zeit-Serie: “Der Zustand der Welt” nicht. Das kommt später, wenn es wieder dunkel wird, der wunderschöne Blutmond längst vergangen ist und die Klima-Prognosen noch beunruhigender werden.
Jetzt ist er da, der strahlende Himmel, die Sonne, die sich in den bizarren Schnee- und Eiskristallen spiegelt, der Augenblick sich daran zu erfreuen, diese Zeit zu geniessen.
So haben es auch immer wieder die lebensbejahenden Dichter und Philosophen betont -allen Zukunftsszenarien zum Trotz:
Carpe diem – Genieße den Tag!
Angefangen von Kohelet, dem “Prediger” im Alten Testament “Dadurch wurde mir klar, dass es das Beste für den Menschen ist, sich zu freuen und das zu genießen, was er hat. Denn es ist ein Geschenk Gottes, wenn jemand isst und trinkt und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann.” Dann Horaz: “… sei nicht dumm, filtere den Wein und verzichte auf jede weiter reichende Hoffnung! … Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden! “Oder Christian Morgenstern: “… Amüsier dich, und laß Wein und Konfekt schmecken dir wie bisher! Seufzen macht mich nervös. Nun aber Schluß! All das ist Zeitverlust! Küssen Sie mich, m’amie! Heute ist heut! …
Geniessen wir also das Leben, das Gottesgeschenk, in Dankbarkeit – unser Sekundenglück! GS 22. Januar 2019

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Eine Hochzeit ist nicht nur lustig sondern auch lehrreich

Ich fasse zusammen: Jesus, der kleine Wurm, dessen Geburtstag wir vor wenigen Wochen erst gefeiert haben, ist inzwischen größer geworden und darf jetzt schon ausgehen, wenn auch nur in Begleitung seiner Mutter. Zum ersten Mal kann er der Öffentlichkeit zeigen, wer und wie er ist. Und was macht er? Er verwandelt bei einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein. Um es mal umgangssprachlich zu formulieren: ‚Klingt komisch, ist es aber nicht‘. Die Frage ist doch: Was will uns der Evangelist Johannes damit sagen, der ja an den Schluss der Erzählung – als Höhepunkt sozusagen – feststellt, dass der erwachsenen gewordene Jesus mit diesem ersten öffentlichen Auftritt ein Zeichen für die Herrlichkeit Gottes setzen wollte?
Sollte es einen direkten Zusammenhang geben zwischen der Herrlichkeit Gottes und der Qualität des Weines, der den Gästen einer Feier eingeschenkt wird? Da ich jemand bin, der die Worte der Heiligen Schrift sehr ernst, wenn auch noch lange nicht immer wörtlich nimmt, muss ich davon ausgehen, dass sich hinter dieser Botschaft in der Tat eine göttliche Wahrheit verbirgt.
Ich kann mich noch sehr gut an das erste Mal erinnern, als ich abends nach 20h ausgehen durfte. Es war keine Hochzeit, nur eine Fete im Pfarrheim, genau genommen: eine Maibowlenfete. Und seit diesem Abend kenne ich die Tücken einer Bowle sehr genau. Im Blick auf den heutigen Text wird mir klar, dass es einen gehörigen Unterschied gibt zwischen dem Wunsch, groß und stark erscheinen zu wollen oder eben herrlich.
Ihr könnt vielleicht erkennen, worauf ich hinauswill. Ich wollte als Teenie erwachsen daher kommen und hab die Bowle getrunken, als wäre es Apfelsaft und natürlich war das Ergebnis davon, dass ich nicht groß und stark daherkam sondern kindisch und albern. Ernst nehmen konnte mich in dieser Situation keiner mehr, geschweige denn, dass da noch jemand an mich glaubte. Wer den Glauben an sich selbst noch nicht gefunden hat und meint, ihn dann zu finden, wenn er sich in was auch immer ertränkt, der kann anderen keine Stütze sein, Festigkeit und Glaube zu finden.
Anders Jesus. Er will nichts sein, nichts gelten. Vielmehr hat er etwas vor Augen: Seine Stunde. Er ist sich dessen bewusst, dass sein Leben noch Veränderungen erfahren wird, dass er Geduld haben muss. Jesus kann warten, bis seine Stunde da ist, wo er zeigen kann, wer er ist und wie er ist.
Geduld ist nicht jedermanns Sache; ich spreche da durchaus auch aus eigener Erfahrung. Aber sie kann einen Weg bereiten, sich selbst besser zu erkennen und zu finden und sie verleiht eine innere Stärke, die Zeit richtig einzuschätzen, zur richtigen Zeit das richtige zu sagen und zu tun. Und richtig ist das, was Gott verherrlicht; und Gott verherrlicht, was den Menschen befähigt, an sich selbst zu glauben.
Die Geschichte geht aber ja noch weiter. Obwohl die Stunde Jesu noch nicht da ist, lässt Jesus sich von seiner Mutter bequatschen. Das Fest soll noch nicht zu Ende sein. Jesus setzt ein Zeichen und blamiert auf diese Weise den Gastgeber. Der Wein Jesu ist besser als der Wein des Hochzeitspaares. Mittelmäßigkeit sollte nicht das Ziel sein, wenn man durchs Leben geht. Das ist wohl der Grund, weshalb Jesus in Aktion tritt, um eben diesen Rat zu geben: Der Mensch ist zu mehr berufen, als zu Mittelmaß. Deshalb tat Jesus in Kana in Galiläa sein erstes Zeichen: Um dem Menschen zu zeigen, dass wir von Gott berufen sind, das Beste zu geben, was uns zu eigen ist und uns Zeit zu nehmen, Zeit für Stille, für Gebet, für Meditation, um zu erkennen, welch große Fähigkeiten uns geschenkt sind.
Christoph Simonsen

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Vielfalt und Vorurteil

Am Sonntag fand in meiner Gemeinde im Sonntagsgottesdienst eine (angkündigte) Taufe statt:
Der im Kirchenraum radschlagende Täufling, 6 Jahre alt, in weißem smokingartigen Anzug, mit weißen, LED bestückten Schuhen. Die ältere Schwester in einem weißen Kleid. Die Mutter, schrill gekleidet mit Kunstblumen im Haar. Bruder und Mutter der Taufmutter eher unauffällig als Taufpaten.
Mein erster Gedanke bei dieser Szenerie: Ist heute Zirkus?
Bereits vor dem Gottesdienst ging das Getuschel unter den ca. 250 Besuchern (Durchschnittsalter 60+) um mich herum los: ” Die hat bestimmt 5 Kinder, wie die aussieht, von unterschiedlichen Vätern”; “Schrecklich, die gehören doch nicht in unsere Messe” …
Eröffnung des Gottesdienstes mit Vorstellen des Täuflings und seiner Familie:
Motivation des Täuflings “Ich will zu Gott gehören”
Die Mutter ist lange Jahre Meßdienerin gewesen und hat die Texte und Fürbitten selbst formuliert
Die Patin (Oma) nimmt regelmässig an den Exerzitien im Alltag teil.
Im sehr persönlichen Schlußgebet bittet die Mutter am Ende des Gottesdienstes um Kraft für die Glaubens- und Lebensbegleitung ihres Sohnes, um den Segen dazu für die Tauffamilie und die Gemeinde, in der sie sich beheimatet fühlt. Und sie fordert die Gemeinde auf den Glaubensweg des Täuflings wohlwollend zu begleiten.
Spätestens da waren wir alle, die Zeugen dieser Taufe waren, eingefordert unsere Vorurteile aufzugeben und für die Integration dieser Familie in unsere vielfältige Glaubens- und Gottesdienstgemeinschaft Sorge zu tragen.
Wie gehen wir als Christen mit der gewachsenen Vielfalt in unserer Gesellschaft um und wie können wir uns von unseren Vorurteilen befreien?
Aus dem Sonntagsevangelium:
Eine Stimme vom Himmel sprach: “Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue” (Lukas 3, 22)

GS 15. Januar 2019

Ermutigung zur Liebe

Wenn du dich selbst kaum noch spürst
und du dich unfähig oder überflüssig fühlst,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich selbst anzunehmen,
so wie du bist.

Wenn dich die Bedürfnisse deiner Mitmenschen
überfordern
und du nicht weißt,
wie dein eigener Beitrag aussehen könnte,
dann wünsche ich dir den Mut,
deine Formen
von Solidarität und Nächstenliebe zu entdecken.

Wenn Gott in deinem Leben kaum noch vorkommt
und du befürchtest, dass er dich vergessen hat,
dann wünsche ich dir den Mut,
einen Neuanfang zu wagen
und ihm dein Herz zu schenken.

Angela Lohausen, Liturgische Hilfen MISEREOR Fastenaktion 2012

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Herzlichen Glückwunsch, Leonardo

Auch wenn das eigentlich zur Allgemeinbildung gehört, widersetze ich mich dieser Überzeugung heute einmal ausnahmsweise. Es soll ja bekanntlich Unglück bringen, vor dem eigentlichen Geburtstag einem Menschen zu gratulieren, aber ihm wird es ganz gewiss nicht mehr schaden, zumal schon seit geraumer Zeit berauschende Feste für ihn in Vorbereitung sind. Man sagt von ihm, er sei ein Allroundgenie, Künstler genauso wie Forscher und Wissenschaftler. Keine Frage war ihm zu absurd, keine Idee zu kühn, als dass er ihnen nicht nachgegangen wäre. Das schönste Bild der Welt: Er hat es gemalt. Täglich bewundern es 20.000 Menschen. Herzlichen Glückwunsch zu deinem 500. Geburtstag, Leonardo da Vinci. Aber wir sollten uns vor jeder Art der Verklärung hüten. Leonardo da Vinci war alles andere als ein Überflieger. Sein Weg war gezeichnet von Niederschlägen. Nicht alle haben ihn ernst genommen. Wie sollte man auch? Kann jemand zugleich Maler, Sänger, Physiker, Biologe, Konstrukteur sein? Und da war noch ein Stolperstein: Leonardo da Vinci lebte in einer Zeit des Umbruchs: Der Renaissance. Eine Zeit menschlicher Emanzipation begann. Leonardo wollte verändern, gestalten, schöpferisch tätig sein. Er hat nach außen versichtbart, was sich zuvor in dieser Fülle keiner getraut hat: Der Mensch ist nicht nur Teil der Schöpfung, er selbst gestaltet sie auch mit. Sein wertvollster Lehrer war Nikolaus von Kues. Die Cusaner unter uns wird es nicht wundern. In Gott seien alle Schätze der Wissenschaft verborgen, das war die Überzeugung des Cusaners. Und weil im menschlichen Intellekt der göttliche Ursprung fortwirke, könne es doch dem höchsten Künstler – Gott also – nicht gefallen, wenn die Herrlichkeit seiner Schöpfung unerkannt bliebe. Das war und ist der Motor allen menschlichen Forschens und Suchens. Und deshalb ist bis heute die
berühmte Zeichnung von da Vinci von Bedeutung: Ein Mensch streckt seine Arme und Beine und je nachdem, wie er sie hält, fügt sich der Körper exakt in ein Quadrat und in einen Kreis. Der Mensch: die Quadratur des Kreises. Der Mensch: Das Geschöpf einer kosmischen Ordnung und doch zugleich auch Schöpfer neuer Erkenntnisse und Weisheiten. Da Vinci, der Wissenschaftler, war dennoch nie zufrieden mit sich, so viel er auch erkannte und entwickelte. Das machte ihn aber nicht depressiv oder tatenlos. Je mehr er die Dinge der Schöpfung zu erforschen versuchte, um so klarer wurde ihm, dass eines unentdeckt und unerforscht blieb: Das Gemüt des Menschen, seine Gefühle, seine Seele. Er begann zu malen und versuchte, die Schönheit zu versichtbaren und das, was mit aller Rationalität nicht zu deuten und zu erklären war. Und seine Malerei reproduzierte nicht nur in der Weise, wie zuvor die Maler gearbeitet haben. Seine Pinselstriche erwirkten mehr eine Verschwommenheit auf den Bildern als klare Strukturen und Linien. Ihm war es nicht so wichtig, dass etwas auf dem Bild klar zu erkennen sein sollte. Nicht der Wiedererkennungswert stand im Vordergrund, sondern genau das, was keiner erwarten würde, sollte in den Blick der Betrachter geraten.
Und genau deshalb erzähle ich Euch das alles heute Abend, denn da Vinci hat einen Johannes gemalt, den keiner als Johannes auf den ersten Blick erkennen würde. Eben nicht den hageren lebensabgewandten Mann in einem Gewand aus Fell, sondern vielmehr einen schelmisch dreinschauenden, gut aussehenden jungen Burschen mit lockigem Haar. Und das Besondere dieses Bildes: Er steht vor einem gänzlich schwarzen Hintergrund und es scheint und nur sein Gesicht wird von einem geheimnisvollen Licht angestrahlt. Ein Mann, umgeben von größter Dunkelheit und dennoch schaut der Betrachter in ein Gesicht, das hell erstrahlt ist. Auch hier setzt da Vinci eine Überzeugung der Renaissance um, die den Menschen damals ganz neue Lebensofferten schenkte: „Der Mensch ist nicht fürs Elend geboren. Das will Gott nicht“. So wie der Künstler die Betrachter mit in seine Bilder hineinholen möchte, ihnen nicht nur die Rolle eines Betrachters zuspricht, sondern zur Beteiligung ermutigt, so will uns auch die Heilige Schrift hineinholen in ihr Geschehen. Die Heilige Schrift will nicht gelesen, sie will erlebt werden. Johannes der Täufer ist die Personifizierung dieser Glaubensbotschaft. So wie Gott in der Taufe zu Jesus sagt: „Du bist mein geliebter Sohn“, so sagt er es allen. Kinder Gottes sind wir, und dazu berufen, in seinem Namen die Schöpfung zu entdecken und all das, was noch in ihr verborgen ist. Der geöffnete Himmel ist ein Verweis auf diesen göttlichen Auftrag an uns Menschen, uns auszustrecken mit allen unseren Sinnen, mit allen unseren Gaben und Fähigkeiten, um zu erkennen, was das Leben lebenswerter macht, was dem Leben Zukunft schenkt.

Und dies nicht verbissen, verklemmt, gehemmt, sondern zuversichtlich, gelassen und fröhlich. Auch hier hilft uns Leonardo da Vinci. Er malte ein Bild mit Anna, der Mutter Jesu, die locker auf ihrem Knie sitzt, das eigene Kind – Jesus – in den Armen haltend, der nichts wichtigeres zu tun hat, als Johannes, seinen Cousin, der am Boden liegt und spielt, an den Füßen zu kitzeln. So leicht kann das Leben sein. Daran zu arbeiten, ist unsere Aufgabe heute.
Christoph Simonsen

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Gutes Neues

schallt es mir auch noch in dieser Woche nach den Weihnachtsferien immer wieder entgegen. Und im Postfach heute morgen lagen Neujahrsgrüße von Agenturen und Firmen mit denen ich zusammenarbeite, die diesen Neujahrswunsch mit “Erfolg und Gesundheit” verbanden.
Am besten gefiel mir die Idee vom “Anpfiff im neuen Jahr” (von einem Büro für visuelle Kommunikation): Mit einem bewährten Team, neuer Energie und Spielideen die Chancen nutzen, die das Jahr uns bietet.
Politisch, sozial, ökologisch und wirtschaftlich zeichnen sich für das Jahr 2019 neben bekannten – zunehmende Gewalt und Aggression in unserer Gesellschaft – auch neue Herausforderungen ab, die oft nur in globaler Verantwortung angegangen werden können, wie die rasante Verschärfung der Klimakrise.
Statt wie so häufig die Probleme vor uns her zu schieben, zu prokrastinieren, oder auf andere zu verweisen, die erstmal … gilt es uns selbst zu motivieren unseren Teil beizutragen, unsere Möglichkeiten zur Zukunftsgestaltung zu entdecken und zu ergreifen.
Neben den Weihnachts- und Neujahrsgrüßen lag auch der Prospekt zur Misereor-Fastenaktion im Postfach. Das Leitwort
MACH WAS DRAUS: SEI ZUKUNFT
soll mein Jahresmotto, mein Motivationsmantra in diesem Jahr sein.
GS 7. Januar 2019

So geht, ihr Hoffenden,
tragt eure Hoffnung
in die Welt:

Hoffnung,
die mitten in der Nacht
den neuen Morgen spürt
und in der Ungewissheit
Glauben wagt –

Hoffnung,
die in die sterbende Erde
noch Samenkörner streut
und Kinder zeugt
im Angesicht der Un-Zukunft –

Hoffnung,
die Tränen trocknet
mitten im Schmerz
und Friedenstauben
zu den Schlachtfeldern schickt –

Geht, die ihr hoffen könnt,
tragt eure Hoffnung
in die Welt!

Wilma Klevinghaus (Adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S. 119)


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