Guido Schürenberg

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Enttäuscht

Viel Vertrauen und große Hoffnungen wurde in den vergangenen Tagen in Gesellschaft und Kirche in Deutschland enttäuscht. Chancen auf Veränderung vertan.

Politische Verbindlichkeit wurde durch machtstrategische Manöver ersetzt.

Papst Franziskus betont die wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit und den Schutz der bedrohten Mitwelt, setzt sich aber in seinem Schreiben zur Amazonas(!)-Synode über die Forderung der synodalen Versammlung den Zölibat als Zugangsvoraussetzung zum Priesteramt frei zu stellen hinweg und Frauen bleiben weiterhin von Weiheämtern ausgeschlossen, da ja dieses Thema letztgültig durch Johannes Paul II entschieden sei. Erst recht nicht wird die überkommene hierarchisch (heilige Ordnung) begründete Machtstruktur in der Kirche in Frage gestellt.

Wie es vermeintlich war zu aller Zeit, so auch jetzt und in Ewigkeit.

Nein von mir gibt es dazu kein Amen (so sei es).

Immerhin im Unterschied zum Rumlavieren der CDU ist Franziskus kein Maybe. Sein Ja ist ein Ja und sein Nein ist ein Nein, wie Jesus es in der Bergpredigt fordert, weil “alles andere ist vom Bösen” (Mt 5,37)

Nur wird auch diesmal eine Chance vertan die Zeichen der Zeit zu erkennen, entsprechend zu handeln und so das Reich Gottes mit dieser Kirche zu verwirklichen (Mt 16,3).

GS 18. Februar 2020

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Respekt!

Respekt!

Mit diesem fast schon überrascht wirkenden Ausruf endet eine Analyse der Oskar Verleihung mit dem Titel ES GEHT WIEDER UM ETWAS (Zeit-Online 10.2.20)

Respekt bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht. (Wikipedia)

Respektlosigkeit ist deshalb einer der Gründe für Hate Speech und aggressiven Umgang in unserer Gesellschaft

“Respekt” zollt auch ein Kollege in einem Facebook-Kommentar zwei Frauen, die in der vergangenen Woche in einer demonstrativen Handlung ohne Worte Ihrer Empörung gegenüber Arroganz und Ignoranz Ausdruck gaben: “Bleib aufrecht. Zeig‘ Widerstand. Sag’s mit Blumen. Dafür und deshalb, Frau Hennig-Wellsow, Respekt.” Danke, Alice Natter, für diesen Beitrag zu dem Blumenwurf, der wie der Redezerriss durch Nancy Pelosi durchaus in der Kategorie “prophetische Zeichenhandlung” verbucht werden darf. In jedem Fall: In dieser Woche haben zwei starke Frauen der Arroganz männlichen Machthungers die Stirn geboten.” (Burkhard Hose)

Offenheit und Respekt waren den Verfasser*innen des Leitbildes der KHG-Aachen so wichtig, dass sie diese als Grundhaltungen für das Leben und Arbeiten unserer Katholischen Hochschulgemeinde fest schrieben.

Die fast schon bewundernde Bedeutung von Respekt in oben genannten Artikeln und Kommentaren machen aber auch deutlich, dass die Grundannahme unseres menschlichen Zusammenlebens -und ich möchte unsere tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe durchaus einschließen- eben nicht mehr selbstverständlich ist, sondern als zumindest gefährdet erlebt wird.

Wie weit weg sind wir da vom christlichen Anspruch der Nächstenliebe, wie ihn die Bergpredigt formuliert:

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.‹ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch ebenfalls lieben? Das tun auch die Betrüger! Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen! Nein, wie die Liebe eures Vaters im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.« (Die gute Nachricht Mt 5, 43-48)

Dass dieser christliche Anspruch, diese Essenz christlicher Lebenshaltung auch in der Kirche nicht selbstverständlich ist, zeigt aktuell die Einladung des Österreicher Künstlers Tschugguel, der indigene, religiöse Symbole der Pachamama während der Amazons-Synode in Rom im Tiber versenkte. Wenn und dass dieser Aktionskünstler nun von der priesterlichen Leitung einer Pfarrei in Herzogenrath eingeladen wird seine Respektlosigkeit gegenüber den religiösen Traditionen und Symbolen der indigenen Bevölkerung Ausdruck zu geben, so trifft dies auch die Teilnehmer*innen der Synode und deren Initiator und Einlader Papst Franziskus, worauf eine Stellungnahme von MISEREOR hinweist: “Der Versuch, bedeutsame Symbole Anderer mutwillig zu zerstören, ist ein Ausdruck von Hass und Feindseligkeit gegenüber Anderen, den wir aus unserem Verständnis des Evangeliums heraus nicht akzeptieren”.

Hass und Feindseligkeit können wir in Kirche und Gesellschaft nicht tolerieren, denn ES GEHT UM ETWAS, nämlich um den Kern unseres Christseins!

GS 11. Februar 2020

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Unverbindlicher Rat


Da haben sie sich am vergangenen Wochenende auf den Weg gemacht – gemeinsam, Priester und Laien, also (Kirchen-) Volk, Mitglieder katholischer Verbände und Vertreter*innen der gemeindlichen Basis, teils als gewählte Delegierte, teils qua Amt gesetzt.

“Wir müssen reden!” miteinander, offen, vom heiligen Geist geleitet, auf der Basis des gemeinsamen Glaubens; mit dem Ziel eine zukunftsfähige Kirche zu gestalten, die katholisch, also allumfassend, ist.

Die Begeisterung, die Aufbruchstimmung kam medial nicht so wirklich über, eher verhaltene Skepsis. Der Druck der unseligen Mißbrauchs-Vergangenheit, der Relevanzverlust, die Glaubwürdigkeitskrise … ist auch beim gemeinsamen Aufbruch wirksam.

Die Visionen des Zieles sind sehr unterschiedlich und auch der Weg ist wenig profiliert.

Bereits im Vorfeld war keine Einigung in der Benennung dessen, was da gemeinsam gestartet werden sollte. Ist es eine Synode(synodos= gemeinsamer Weg)?

Synode (von griechisch σύνοδος synodos‚ Versammlung, Treffen‘) steht für:
Konzil, Versammlung von Bischöfen nach dem Verständnis der meisten vorreformatorischen Kirchen.
In manchen reformatorischen Kirchen für ein Gremium aus gewählten Laien und Geistlichen.
Synodaler Weg heißt also eigentlich: “Weg eines gemeinsamen Weges” (Wortschöpfung, die einerseits etwas Neues, Kreatives ausdrückt, aber auch das kirchenrechtliche Dilemma ausdrückt).
Entsprechend die Bewertung des Kölner Kardinals bei vorzeitiger Abreise von der ersten Synodalversammlung:

“Die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt …  es wird quasi ein protestantisches Kirchenparlament … implementiert … Das sei schon beim Einzug zum Gottesdienst festzustellen gewesen, „als Bischöfe und Laien alle gemeinsam eingezogen sind und somit zum Ausdruck gebracht wurde, dass da jeder gleich ist. Und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint.“

Jetzt sind sie einmal unterwegs, das gemeinsame Ziel wird sich noch ergeben müssen und es braucht viel Begeisterung und Frustrationstoleranz, um die zu erwartenden Hindernisse und den Dissens auszuhalten und um wirklich Gemeinsames zu entwickeln.
Wo doch im Vorfeld bereits klargestellt wird: “Am Ende werden also die Diözesanbischöfe entscheiden, wie sie in ihren jeweiligen Bistümern mit Beschlüssen des Synodalen Weges verfahren.”

“Den dankbaren Vertreter*innen von Laiengremien und Verbänden mag es am Ende genügen, gesehen und gehört worden zu sein, Menschen wie Mara Klein (Cusanuswerk) und Janosch Roggel (KHG-Dortmund), die mit ihren Statements auf der ersten Synodalversammlung ihre existentielle Betroffenheit in die Waagschale geworfen haben, reicht das nicht. Den vielen Frauen, die der Kirche mit dem Synodalen Weg eine letzte Chance geben, auch nicht. An ihnen allen versündigt sich die pseudoparlamentarische Inszenierung unter kirchlichem Vorzeichen, wenn nichts anderes als Gesehen- und Gehörtwerden herauskommt. Aber das kennen Mara und Janosch und mit ihnen viele andere ja schon von Kirche.” (Burkhard Hose)

Die Reformation der Katholischen Kirche kann nur Top-Down erfolgen und nur, wenn die Lai*innen die 27 Ortsbischöfe (10% der Synodalen, aber Sperminorität)) dazu überzeugen.

Angesichts dieser strukturellen, als hierarchisch (heilige, also gottgewollte Ordnung) etikettierten Ungleichheit bleiben den Beteiligten nur der Zynismus* oder das Prinzip Hoffnung …
und allen das Vertrauen, das der Geist doch noch die festgefahrenen Machtstrukturen der Kirche bewegen kann.

*Lesenswerter Kommentar des Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke

GS 4. Febr. 2020

Hoffen wider alle Hoffnung

1. Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht. Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht.
2. Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn da, wo alles dunkel scheint. Handeln anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Tränen weint.
3. Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eignen großen Not. Aufstehn gegen Unrecht, Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht.
4. Trauen dem, der uns gesagt hat: Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit. Mit uns ist er auch in unserm Suchen, bis wir ihn schaun im Licht der Ewigkeit.



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“Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.”

Dieses Bibel-Zitat (Apg 4,20) möchte ich all jenen entgegen halten, die fordern, es müsse doch endlich mal Schluss sein sich kollektiv für den Holocaust, also für den Völkermord an 6 Millionen europäischen Juden zu entschuldigen.
Nein darüber können wir nicht schweigen und wir müssen den Zeugen und Opfern die Gelegenheit geben diese Erinnerung wach zu halten, damit dies nicht noch einmal geschieht.
Antisemitismus wirkt in unserer Gesellschaft, äußert sich beiläufig nicht nur im Stammtischgeschwätz, sondern auch in Schulen und Universitäten; er äußert sich in Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und vor Synagogen und vereinzelt mit der Absicht Juden zu erschießen.
“Als Antisemitismus werden heute alle Formen von Judenhass, pauschaler Judenfeindschaft, Judenfeindlichkeit oder Judenverfolgung bezeichnet. Der Ausdruck wurde 1879 von deutschsprachigen Antisemiten geprägt und entwickelte sich seit dem Holocaust zum Oberbegriff für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund ihrer angenommenen oder realen Zugehörigkeit zu „den Juden“ negative Eigenschaften unterstellen. Damit werden Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung jüdischer Minderheiten (Völkermord) gefördert, vorbereitet und/oder gerechtfertigt.” (Wikipedia)
Der Antijudaismus, durch fragwürdige Theologien befeuert, zieht sich durch die Geschichte der Kirchen in Europa seit dem 3. Jahrhundert und führte immer wieder zu Judenprogromen. Erst unter dem Eindruck des Holocaust bekannten sich weite Teile der christlichen Kirchen öffentlich zu dieser Schuld. Aber immer noch wird ein Unrecht (Holocaust) mit einem anderen (Christenverfolgung) verglichen und so relativiert (so, anlässlich des Holocaust-Forums in Jerusalem, der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I).
Ja auch darüber können und dürfen wir nicht schweigen, denn jegliche Form von Hass und Gewalt gegen Menschen, die in Frieden ihre Glaubensüberzeugung leben wollen ist ein Angriff auf die allgemeinen Menschenrechte und widerspricht der ethischen Grundüberzeugung aller Religionen.
Die biblische Botschaft geht für Christen mit der Bergpredigt (Mt 5) darüber noch hinaus und fordert zu vollkommener Liebe auf – der Nächsten, der Fernsten, ja auch sich selbst.
Auch darüber können wir als Christen nicht schweigen, sondern müssen es glaubwürdig leben.
GS 28. Januar 2020 (75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz)

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I bless the rains down in Africa …

dieser Kehrvers des Songs Africa von Toto klingt mir seid einigen Tagen wieder als Ohrwurm im Kopf nachdem ich “good news” aus Afrika -genauer aus Sambia- bekam, dass endlich, zwei Monate zu spät, der Regen die anhaltende Dürreperiode unterbrochen hat.
Seit 2011 steht die Katholische Hochschulgemeinde in Kontakt mit der Diocese of Monze in Sambia. Es gab gemeinsame SUMMERSCHOOL und seit 2014 das Projekt SCHULFEE-SAMBIA, das sambischen Jugendlichen den Schulbesuch ermöglicht durch Übernahme der Schulgebühren.
Partnerschaft heißt, dass man sich für “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, insbesondere der Armen und Unterdrückten” interessiert, ja sie sich zu eigen macht, wie das 2. Vatikanische Konzil es vor mehr als 50 Jahren als Anspruch der Katholischen Weltkirche formuliert hat.
Die schon seit Jahren anhaltenden Dürren im südlichen Afrika, und daraus resultierend Hunger und Tod, ist unseren Nachrichtenportalen und -Magazinen selten eine Notiz wert. Katastrophen, Hunger, Elend, … prägt unser Bild dieses Kontinents – wenn wir uns nicht für die Vielfalt und Schönheit des Kontinentes interessieren und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen kennen. Erst wenn Tourismus-Ziele und Attraktionen von Katastrophen betroffen sind, wachen wir aus unserer Abgestumpftheit (manchmal)auf.
So, wie um Weihnachten, als Bilder des BBC-Fernsehens und von Spiegel-Online von den fast trockenen Viktoria-Fällen auch uns berührten, weil die entsprechenden Reportagen endlich auch die Folgen des Klimawandels und das daraus folgende Leid der Menschen und Tiere durch Missernten und Dürre dokumentierten.
Aber den good news, dem blessing des Regens folgt prompt die nächste Klimakatastrophe: Überschwemmungen, weil die ausgetrocknete Erde das Wasser nicht aufnehmen kann und damit die Jungpflanzen weggeschwemmt werden.
Ich höre unsere Partner, sehe die Bilder und fühle mich genau so hilflos wie sie. Wie weit kann oder muss meine/ unsere Solidarität gehen?
Mein sambischer Freund hat einmal bei einer SUMMERSCHOOL in Sambia gesagt, dass das Interesse aneinander und das Wissen umeinander unser Handeln leitet. Das unser Lebensstil und unser Handeln weltweit Konsequenzen hat können wir mittlerweile nicht nur in den Medien sehen in Echtzeit, sondern wir bekommen es auch in den Wetterextremen bei uns zu spüren.
Solidarität mit den Menschen im südlichen Afrika und in all den besonders vom Klimawandel betroffenen Ländern heißt also Verzicht bei und für uns und Teilen von Geld und Know-how, um nachhaltig die Auswirkungen des Klimawandels weltweit zu mildern.
In der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums findet sich die „Goldene Regel“ und ähnlich auch in allen Weltreligionen:
„Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Mt 7, 12)

GS 21. Jan 2020

Wenn Unwichtiges sich aufbläht
und das, was wirklich zählt, verdeckt,
dann wünsche ich dir den Mut,
innezuhalten
und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wenn Menschen hungrig, heimatlos
und unterdrückt bleiben,
während andere sich bereichern
und nur an ihren Vorteil denken,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für das Reich Gottes zu entscheiden.

Wenn du dich im Gewirr der Angebote
und Meinungen verlaufen
und eine falsche Richtung eingeschlagen hast,
dann wünsche ich dir den Mut,
umzukehren
und aufzubrechen in ein neues Leben.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – Früh/Spätschichten MISEREOR Fastenaktion 2017

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