Guido Schürenberg

Beiträge des Autors

Perspektive:wechseln

Seit einem Jahr bestimmt scheinbar nur ein Thema die täglichen Schlagzeilen, die Zusammensetzung der Talk-Shows und die Sondersendungen der öffentlich-rechtlichen TV-Sender.
Corona ist politisch und sozial viral, bringt unser Gesundheitssystem an die Grenzen und provoziert Verschwörungstheorethiker, Impfgegner und Staatsverweigerer als „Querdenker“. Da wo es um unsere persönliche Freiheit geht, fühlen wir uns bedroht, eingeschränkt, unterdrückt. Die Schutzmaske wird zum Maulkorb erklärt, die Versammlungsfreiheit zum in Kauf genommenen Super-Spreader-Event und Demonstrationen werden zu Gottesdiensten um etikettiert. Welchem Gott wird da gedient?
Das Virus und seine Mutationen bringt unsere Ordnungen, unser Sozial- und Konsumverhalten, sogar unsere Feste durcheinander – überall auf der Erde!
Es ist eine PANdemie, aber wir haben nur unsere Perspektive, unseren Nahbereich im Blick, der Rest verschwindet bestenfalls im Nebel, im schlimmeren Fall bauen wir Sichtschutzmauern.
Wenn wir den Blick doch mal von uns selbst lösen würden, über den Corona-Tellerrand hinaus auf die erschreckenden Veränderungen der „Klimakonstanten“, die Unterdrückung der Menschenrechte in autoritären Staaten und Pseudo-Demokratien und die aus allem resultierenden Flüchtlingsströme direkt vor unserer Haustür schauen würden.
„Was wäre, … wenn wir uns trauen würden, ein Herz zu haben? Wenn wir bereit wären, es uns und anderen unbequem zu machen? Lästige, aber notwendige Fragen zu stellen? Den Finger in die Wunde zu legen?
„Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung“ (2 Tim 4,2).
Das Wort der Befreiung verkünden, Wahrheiten aussprechen, die keiner hören will, zur Unzeit und hartnäckig, das war schon immer Prophetenart. Jetzt wäre es angebracht. Denn die Alleingelassenen brauchen Verbündete.“ – Petra Gaidetzka, MISEREOR
Es geht! Anders. – wenn wir die Perspektive:wechseln
GS 30. März 2021

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Anmaßend?

Ich habe mir das Vater Unser erbetet. Immer wieder, immer bewusster und immer langsamer und stockender.
Der Vers “Dein Wille geschehe” hat mich jedes Mal stocken lassen.
Er war und ist sperrig für mich. Woran erkenne ich, was der Wille Gottes ist? Wie geschieht er und was hat er mit mir, mit meinem Leben zu tun?
Hat Gott einen Plan mit mir? Sicherlich – glaube ich!
Aber wie erkenne ich, was dieser Plan ist?

Die Antwort der vatikanischen Glaubenskongregation, also der obersten Glaubensbehörde der katholischen Kirche, auf die Anfrage “Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?” maßt sich an zu wissen, was der „geoffenbarte Plan Gottes“ für gleichgeschlechtlich liebende Menschen und ihre Beziehung ist, die um den Segen der Kirche bitten.
Segen = benedicere = von jemandem gut sprechen, jemanden loben, jemandem etwas Gutes zusagen
Ziel des Segens bzw. Segnens (lateinisch signandum) ist die Förderung von Glück und Gedeihen

Die Begründung für das NEIN DER Kirche zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare spricht siebenmal vom Plan Gottes mit den Menschen und einmal ausdrücklich vom Willen Gottes.
NEIN, weil homosexuelle Paare nicht im Plan Gottes vorgesehen sind oder wörtlich: weil eine solche Verbindung „nicht auf den Plan des Schöpfers hin geordnet ist.“
NEIN, weil DIE Kirche damit „einen Entschluss und eine Lebenspraxis“ billigen und fördern würde, „die nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hin geordnet anerkannt werden können.“

Jeder Mensch versucht zu erkennen, was der Liebesplan Gottes mit ihm ist, dafür erbitten wir Gottes Segen:
für diese unsere Suche, was sein Wille ist, für unsere Beziehungen, die wir liebend gestalten und leben wollen, für die Menschen, die uns liebend verbunden sind.
Der Segen ist ein Zeichen, eine Signatur, eine Bestätigung der unverfügbaren und unermesslichen Liebe Gottes zu uns Menschen.
Dieser Segen wird bestätigend zugesprochen von einer Gott und den Menschen dienenden, sich um die Seelen sorgenden Kirche, die täglich erbetet:
DEIN REICH der Liebe komme, DEIN WILLE für Gerechtigkeit geschehe – durch uns.

GS 23. März 2021

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Bleibt besser zuhause!

Diesen Auf- und Ausruf von Prof. Christian Drosten habe ich nunmehr genau 1 Jahr lang befolgt, mehr noch, ich habe auch keine “Clubs oder Partys” und keine “Präsenz-“-Gottesdienste und Gremien-Sitzungen besucht. Und ich musste leider auch auf den Besuch von Kindern und Enkeln -bis auf sehr wenige Ausnahmen und diese dann noch begleitet von Schutzmaßnahmen und Quarantänen- verzichten. Hochzeiten mussten ausfallen und Tote wurden weitgehend unter Ausschluss von Freunden und Bekannten zu Grabe getragen.
Manches fehlte mir im zurückliegenden Jahr des Social Distancing: Spontane Besuche, die greifbare Nähe von Menschen, die mir wichtig sind, das Zusammensein mit Freunden, ja auch das unbekümmerte Feiern, einfach so. Mein spirituelles Leben und Erleben ist anders geworden.
Vor 1 Jahr war ich das letzte Mal an einem spirituellen Ort, mit dem mich seit 35 Jahren viel verbindet, der mir und meiner Familie spirituelle Heimat war. Ich war am Freitag, dem 13. März 2020 dort, um unseren FeierAbend+ Gottesdienst dort abzusagen und Hinweisschilder an der Kirchentür auszuhängen: Wegen des hohen Infektionsrisikos muss der Gottesdienst leider ausfallen!
“Bleibt zu Hause!” damit Ihr Euch nicht zu nahe kommt, damit Ihr nicht Euch und andere gefährdet. Gottesdienst als lebensgefährdende Versammlung, Beten und Singen als Virentransfer und das bis heute hin.
Meine Beziehung zu Gott ist geprägt von meinen Beziehungen zu Menschen. Biblisch gesprochen: Im Nächsten begegne ich Gott! – Ist Social Distancing auch Distance from God?
Wenn ich die Zusage Gottes glaube, dann ist ICH BIN DA BEI EUCH nicht an „Präsenz“veranstaltungen gebunden (und wahrscheinlich nicht in „Geistergottesdiensten“ erfahrbar), sondern in der „Distanz“-Zeit auch im ZOOM mit Menschen, mit denen ich im Glaubensgespräch und im Gebet verbunden bin. Spirituelle Heimat kann ich so auch in Netzgemeinschaften finden. Beteiligt sein (Particiatio actuosa) trotz räumlicher Distanz und mit der Hoffnung auf nachhaltige Verbundenheit mit den Menschen und mit Gott.
GS 16. März 2021

In diesen Tagen,
in denen mir der Mut fehlt,
die Kraft nachlässt,
meine Perspektivlosigkeit mich lähmt,
reich Du, Gott, mir deine Hand.
Richte mich auf,
weite meinen Blick,
lass mich die Perspektive wechseln.
Richte mich auf,
schenke meiner Hoffnung Raum,
lass mich Mut fassen.
Richte mich auf,
nimm mich an deine Hand,
schenke mir dein Heil.

Pia Biehl (spurensuche.info)

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Manchmal möchte ich …

wenn ich sehe, was in der Kirche schon seit einiger Zeit los ist, meiner Enttäuschung und ja auch Wut freien Lauf lassen.
Ich würde mir die Verantwortlichen mal so richtig vornehmen und ihnen die Meinung geigen: Ihr habt den Karren vor die Wand gefahren, stellt Euch doch Eurer Verantwortung. Ihr habt aus der Kirche, die den Menschen und Gott dienen will, einen selbstverliebten, ungerechten, exklusiven Männer-Club gemacht … – Ihr habt mich meiner geistlichen Heimat beraubt!
Manchmal möchte ich, könnte ich, würde ich … Alles Konjunktive, folgenlos, hätte, hätte, Fahrradkette …
Hat nicht auch Jesus in “heiligem Zorn” die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel getrieben? (Johannes 2, 13-17)
Jesus wandte seinen Zorn gegen die Haupteinnahmequelle der Tempelverwaltung. Seine Kritik richtet sich gegen die Kommerzialisierung des Tempelbetriebs und der Gottesanbetung und –Begegnung.
Und er macht deutlich, wie sehr er sich mit diesem Ort identifiziert: „Haus meines Vaters“, also seine geistliche Heimat. Jesu prophetische Zeichenhandlung ist ein Angriff auf die bestehende religiös-politische Ordnung … und deren Hüter, die Priesterschaft.
Wo ist meine geistliche Heimat, mein spiritueller Ort an dem und aus dem ich meinen Glauben schöpfe, den ich regelmäßig besuche und zu dem ich immer wieder zurückkehre? Und was macht diese Heimat aus?
Im Moment fällt es mir schwer meine Kirche als geistliche Heimat zu bezeichnen, wenn ich damit ihre glaubwürdige Verkündigung und gesellschaftliche Wirksamkeit meine. Da messe ich – und unsere Gesellschaft -sie am Auftrag Jesu an seine Freunde und Jünger:
Geht ohne Geld und Essen, einfach gekleidet zu den Menschen, ruft sie auf sich mit Gott und untereinander zu versöhnen. Verkündet die befreiende Botschaft von Gottes Liebe. Ich gebe Euch die Vollmacht dazu Kranke zu heilen. Seid in eurem Auftreten und Handeln glaubwürdige Botschafter des Gottesreiches der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens (Markus 6)
Manchmal möchte ich, angesichts dieser Wirklichkeit, meiner Wut und meinem Zorn –letztlich über meine Unfähigkeit diesen Anspruch glaubwürdig selbst zu leben- freien Lauf lassen können und anfangen … mich zu ändern.
GS 10. März 2021

ERMUTIGUNG ZUM HANDELN
Wenn du dir die Hände
nicht schmutzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.

Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.

Wenn du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.

Angela Lohausen/ Guido Schürenberg – Fastenaktion Misereor 2017

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Wir wollen glaubwürdig bleiben!

Mit diesem Leitbild positionierte sich das Team der KHG-Köln zum Wintersemester 2019 in ihrem Semesterprogramm und auf ihrer Website. Diese Positionierung passte zur kirchlichen Problemanzeige nach den skandalösen Veröffentlichungen zu sexuellem und geistlichem Missbrauch in tausenden Fällen in kirchlichen Einrichtungen und durch kirchliche und speziell priesterliche Mitarbeiter durch die sogenannte MGH Studie im September 2018.
Glaub-Würdigkeit macht eine Glaubensgemeinschaft aus. Sie muss ihre Praxis an dem messen lassen, was sie als Glaube verkündet. Sonst verspielt sie das Vertrauen nicht nur der Gläubigen, also ihrer Mitglieder, sondern auch das Vertrauen der Gesellschaft in die Kirche als Sozialorganisation mit vielen Sozial- und Bildungseinrichtungen mit gesellschaftlicher Relevanz.
Auch Jesus musste sich der Frage nach der Glaubwürdigkeit seiner Botschaft stellen und er verweist die Fragenden auf seine Praxis und Wirkung:
“Berichtet, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote werden zum Leben erweckt und den Armen wird die gute Botschaft verkündet. Freuen darf sich, wer nicht an mir irre wird!” (Matthäus 11, 4-6)
Mittlerweile werden aber viele gutwillige, auch gläubige Kirchenmitglieder an der unbeirrbaren und ignoranten Haltung und der offensichtlichen Reformunwilligkeit und-fähigkeit vieler kirchenleitender Männer irre und kehren ihrer Kirche den Rücken. Darunter auch viele über lange Jahre hoch motivierte und engagierte Ehrenamtliche. Diese und auch die, die sich auch innerkirchlich noch für eine Kirchenreform einsetzen, wollen glaubwürdig bleiben.
Ich habe mal gelernt: „Ekklesia semper reformanda“ und es sagt viel über die katholische Kirche und ihren Reformbedarf aus, wenn Papst Franziskus diesen auf den Reformator Martin Luther zurückgehenden Satz 2017 in Kolumbien in den Mittelpunkt seiner Predigt zum inneren Reformbedarf seiner Kirche stellt: „Statt einem “starren Hängen an Normen und Gesetzen” verlangt der Papst Wachsamkeit für das, was er die “wirksame Gegenwart des Herrn” nennt; diese ist zu finden “in den konkreten Bedürfnissen unserer Brüder und Schwestern”, im Hunger des Nächsten.“ (katholisch.de 10.Sept 2017)
Wenn Kirche glaubwürdig die Botschaft Jesu verkündigen und leben will, dann muss sie auf die Fragen und Nöte der Menschen eingehen und sich diesen zuwenden.
In ihrer Organisation und ihrem Machtgebahren muss sie sich entscheiden, wie Christiane Florin in einem Kommentar zur Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe schreibt: „demokratisch oder autoritär, plural oder monolitisch, emanzipatorisch oder warschonimmersoundhaltetjetztdieklappe.“ (DLF 25.2.2021)
Das die Freiheit des Meinungsaustausches und der Kritik ein Grundrecht, ja eine Verpflichtung des Gottesvolkes ist, beschreibt die päpstliche Enzyklika Communio et progressio 1971: „Die verantwortlichen kirchlichen Obrigkeiten werden dafür sorgen, dass sich innerhalb der Kirche auf der Basis der Meinungs- und Redefreiheit der Austausch legitimer Ansichten lebendig entfaltet.“
Kirchenmacht und –Ohnmachterfahrene werden zu Recht fragen: Und wer bestimmt, was legitime Ansichten sind?
GS 2. März 2021

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