Guido Schürenberg

Beiträge des Autors

Fakten, Deutung, Wirklichkeit und die Wahrheit

Gelockert treffen sie sich jetzt wieder zur Demo, meist den Vorschriften entsprechend, gegen die sie demonstrieren. Es geht um Fakten-Deutung, Recht(e) haben, Gestaltungsmöglichkeiten und-notwendigkeiten der Wirklichkeit unserer Zivilgesellschaft; letztlich um Demokratie gegen Expertokratie.
Unter dem Tarnnamen MEINUNGSFREIHEIT versuchen Ideologen unterschiedlichster Weltanschauungen bei diesen Versammlungen Stimmung zu machen gegen die Regierungen und ihre Experten und Berater*innen; andere nutzen die Verunsicherung der Bedrohungslage, um diffus Schuldige und ihre Machenschaften zu benennen: Bill Gates, eine geheime Weltregierung, die Mächte des Bösen, …
“Wenn sich plötzlich die Ordnung ändert, wenn die Menschen Orientierung suchen und die Realität zu kompliziert erscheint, um sie mit dem Verstand zu erfassen – dann schlägt die Stunde der einfachen Erklärungen.” (Zeit-Dossier VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN 21/ 2020 – S.12)
Auch Jesus lebte in einer Zeit der Umbrüche, die politischen Ordnungen veränderten sich, die Deuter seiner Zeit sahen die Apokalypse kommen, das Ende der Welt. Der Evangelist Johannes (Joh 14) beschreibt, dass Jesus die Verunsicherung seiner Freunde und Zuhörer spürt, zumal auch er von einer neuen Weltordnung spricht. Diese allerdings wird nicht von den Mächten des Bösen, oder von sich selbst ermächtigenden Regierungen oder Autokraten geprägt, sondern von dem neuen Geist der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Diesen neuen Geist der Wahrheit hat er Ihnen verkündet. Er soll ihnen Orientierung geben, ihnen Mut machen ihr Leben in diesem Sinne zu gestalten und so mit ihm und Gott in Verbindung zu bleiben.
Diese Wahrheit Jesu ist keine einfache Welterklärung oder Verschwörungstheorie über die Mächte des Bösen, sondern eine visionäre Lebenspraxis eines Guten Lebens für alle Menschen.
Wenn diese Wahrheit wirksam, also Wirklichkeit werden soll, ist es an uns sie glaubhaft zu leben, gegen alle Verunsicherung und im Vertrauen auf das Gute – auch in den Zeiten der Krise.
GS 19. Mai 2020

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Verwirrt

“Lasst Euch nicht verwirren!”(Joh 14,1) Diese mahnenden Worte Jesu im Johannesevangelium vom Sonntag klangen mir noch in den Ohren, als ich die Berichte über die Demonstrationen des Wochenendes sah. Eigentlich waren es ja keine Demonstrationen, also Meinungsäußerungen in der Öffentlichkeit, sondern Proteste unterschiedlich motivierter Menschen und Gruppen gegen die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheiten im Rahmen der Pandemie-Gesetze und –Verordnungen, erlassen von demokratisch gewählten Gremien, in Solidarität und zugunsten des Infektionsschutzes älterer und vorerkrankter Menschen.

Die vom Grundgesetz geschützte Versammlungsfreiheit wurde nicht zur politischen Meinungsbildung genutzt, sondern von Verschwörungstheoretikern und antidemokratischen Gruppen zur Verbreitung ihrer verwirrten Ideen missbraucht. Für diese Art der populistischen Meinungs- und Panikmache waren sich auch katholische “Würdenträger” nicht zu schade und reihten sich mit einem gemeinsamen Brief ein. Sie leugnen die Ansteckungsgefahr des Virus, warnen vor Impfen und behaupten in ihren Verschwörungsmythen, dass finstere Mächte die Menschen in Panik versetzen wollten, um eine unkontrollierbare Weltregierung schaffen zu können:

“Die Eindämmungsmaßnahmen seien geschaffen worden, um in Wirklichkeit „die Einmischung von fremden Mächten“ zu begünstigen. Die Rede ist von Projekten, „um besser manipulieren und kontrollieren zu können“, einer „Politik der drastischen Bevölkerungsreduzierung“ und den Kampf gegen einen „unsichtbaren Feind“.(Weser-Kurier 10.5.20)

Angesichts solcher kruden Verschwörungstheorien, die Gut-Gläubige manipulieren und aufhetzen wollen – auch schon zur Zeit Jesu – setzt dieser auf den gesunden Menschenverstand, das Selbstvertrauen und bestärkt den Glauben seiner Freundinnen und Freunde gegen einen blinden Glauben an selbsternannte Propheten und Hirten, die er als Diebe und Räuber bezeichnet (Joh 10): „Ihr kennt den richtigen Weg!“ (Joh 14,4) Der ist vorgezeichnet in seiner Botschaft vom guten Leben für alle in Solidarität und Liebe, Gerechtigkeit und Frieden. – „Lasst Euch nicht verwirren!“

GS 13. Mai 2020

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Stress-Test

Sieben Wochen ohne fühlbare Nähe durch social distancing und die Ungewissheit, wie lange das noch so gehen wird. Dazu der Blick aus dem Fenster in einen grauen, regnerischen Himmel und die bestürzenden Nachrichten im Ohr, dass Deutschland jetzt schon die für dieses Jahr zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen verbraucht hat – Earth Overshoot Day.
Sieben Wochen ohne sind mein persönlicher Stress-Test und die Corona-Pandemie scheint ein Stresstest unserer Zivilgesellschaft zu sein.
Das Ziel von Stress-Tests ist ja die Belastungsfähigkeit festzustellen. Zunächst aus der Humanmedizin kommend, fand der Begriff infolge der Bankenkrise Eingang in alle Bereiche unserer Gesellschaft.
Meine Erkenntnis: social distancing klärt Beziehungen. Wie isset?-Joot!-Beziehungen verflüchtigen sich, weil sie aus dem (zufälligen) Blick geraten. Es braucht ein wirkliches Interesse aneinander und das Suchen nach dem Gemeinsamen als Kern dieser Beziehung. Meine Hoffnung für das „Danach“: Dass diese Verdichtung bleibt und das Gemeinsame tragfähig ist.
Der gesellschaftliche Stresstest lässt u.a. erkennen, wie ernst es unserer Gesellschaft mit ihren Werten von Solidarität und Freiheit ist. Das “Danach” wird erweisen müssen, ob der Solidarität und der Verzicht auf Freiheiten der Jungen und Gesunden zugunsten und zum Schutz der Älteren und Kranken in der Coronakrise die Solidarität und der Verzicht der Älteren im Gegenzug in der Klimakrise folgt.
Krise kommt vom griechischen Krinein, was Entscheidung bedeutet. So fordert diese Krise uns zur Entscheidung in welcher Gesellschaft wir zukünftig leben wollen.
Für diese Entscheidung brauchen wir offensichtlich noch Resilienz im Umgang miteinander und mehr Achtsamkeit für einander.
GS 5. Mai 2020

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Normal?

Normal?

In dieser Woche begannen die ersten Lockerungen der Versammlungsbeschränkungen und schon wird der Ruf nach mehr! bzw. ungerecht! laut. Die Begründung: Freiheit! und Wirtschaft!

Die Sehnsucht dahinter ist die Rückkehr zur “Normalität”. Aber wohin will man dann zurück? Und was ist die (soziale) Norm, an der sich diese Normalität orientiert? Und wer legt diese als Norm fest?

Soziale Normen unterliegen immer dem sozialen Wandel und bringen (äußerliche) Erwartungen der Gesellschaft an das Verhalten von Individuen zum Ausdruck. (WIKIPEDIA)

Unsere Gesellschaft und ich als ein Teil von ihr hat sich durch die Herausforderung des Virus verändert. Da ist die diffuse Angst vor Infektion und ihren möglicherweise tödlichen Folgen, der nahezu unmögliche Versuche sich und andere zu schützen, die existenzielle wirtschaftliche Not von Selbständigen und Unternehmen, …
Aber die bedrohliche neue Situation weckt auch viel Kreativität und unsere Gesellschaft entdeckt alte Werte wieder neu, wie Solidarität, Hilfsbereitschaft wildfremden Menschen gegenüber, die urchristliche Haltung tätiger Nächstenliebe … Werte und Haltungen, die verloren gegangen schienen als in unserer Gesellschaft noch alles normal (erfolgs- und profit-orientiert) lief.

Wollen wir wirklich zurück in dieses, unser normales Leben? Oder müssen wir das Normal erst mal für uns neu definieren?
Das neue normal wäre dann für mich vielleicht Achtsamkeit, Gelassenheit, Zeit für mich selbst und andere zu haben, … und auch etwas Neues, was ich in dieser Krisenzeit erst entdecke, ausprobiere und als bereichernd erfahre für mein Leben. Das ist die viel zitierte und oft schnell über die Lippen gehende Chance, die in der Krise steckt.

So verstehe ich auch das nachösterliche Evangelium des letzten Sonntages, wo es die Freunde Jesu –ja es sind diesmal wirklich mal wieder die Männer- nach dessen Tod und einer Zeit der Enttäuschung und Trauer wieder danach drängt ins normale Leben zurückzukehren. „Ich gehe Fischen“ und die anderen schlossen sich ihm an. Erfolglos!
Erst auf die Ermunterung eines Mannes, der in gebührendem Abstand am Ufer stand und den sie erst später als den auferstandenen Jesus erkannten, es nochmal zu versuchen haben sie Erfolg.

Die Reset Taste zu drücken und beim Reboot zu erwarten, das alles wieder „normal“ läuft scheint nicht zu funktionieren, sondern es bedarf der Aufarbeitung der Krisenerfahrungen um daraus das neue normal zu entwickeln. – Das gemeinsame Mahl steht erst am Ende dieses Prozesses und nicht am Anfang, wie es jetzt Kirchenführer vorschnell fordern und mit abstrusen Regeln (Normen) durchsetzen wollen.

Für ein neues Normal brauche ich und vielleicht auch unsere Gesellschaft wohl noch was Zeit – und eine Sicherheit, dass das Virus therapierbar ist.

Das Gebet von Reinhold Niebuhr passt in unser Suchen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

GS 29. April 2020

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Hochschulgottesdienst@home

Der Hochschulgottesdienst findet als Video-Meeting mit der App ZOOM statt.
Der Einwahl-Link wird ca. 2 Std. vor dem Gottesdienst auf Plattformen der KHG (Instagram, Facebook und Website) eingestellt. Eine Zusendung per eMail ist bei vorheriger Anmeldung unter prayerwall@khg-aachen.de möglich.
Zur Teilnahme zuhause zünde eine Kerze an und lege oder stelle ein Kreuz neben den Bildschirm.
Während des Gottesdienstes hast Du Gelegenheit Deine Gedanken zur biblische Lesung einzubringen und auch Fürbitten zu formulieren.
Im Anschluss an den Gottesdienst bist Du eingeladen im Raum zu bleiben und mit einander ins Gespräch zu kommen.
Herzlich Willkommen! 

Sonntag, 26. April – 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/87930538076?pwd=jKEZTtWcmot9UHc0mFYYlrabUTdIeA

Meeting ID: 879 3053 8076
Password: 007891

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