Guido Schürenberg

Beiträge des Autors

Changemaker

`Schafft Raum für das Kommen des Herrn! Ebnet ihm den Weg! Die Täler sollen aufgeschüttet, die Berge und Hügel eingeebnet werden! Das Krumme soll gerade und das Raue glatt werden!‘
Der Prophet Johannes markiert mit seiner Mahnung und Botschaft einen Wendepunkt:
Nicht der Tempel-Opfer-Kult und die Einhaltung der Gesetze sind das Zentrum einer geistig-geistlichen Erneuerung, wie Gott sie seinem Volk zumutet, sondern die Beseitigung dessen, was seinem Kommen im Wege steht – in uns und unserer Art zu leben, unseren Wiederstände gegen ein Leben in der göttlichen Ordnung, in der Liebe und Gerechtigkeit die Leitkriterien sind.
In seinen Reden vor den Neugierigen, die zu ihm in die Wüste kommen, um durch eine Taufe im Jordan ein Zeichen für ihre Umkehrwilligkeit zu setzen, wird Johannes radikal deutlich:
„Beweist durch euren Lebenswandel, dass ihr euch wirklich von euren Sünden abgekehrt und Gott zugewandt habt.“
Johannes bereitet die religiöse und soziale Wende vor. Er weist hin auf seinen Cousin Jesus, der von Gott berufen ist das Programm der neuen göttlichen Weltordnung, die Regierungserklärung des Reiches Gottes in der Bergpredigt zu verkünden. Er hat diese Botschaft konsequent gelebt – bis zur Selbstaufgabe im Dienst Gottes an den von ihm geliebten Menschen.
GS 5. Dezember 2021

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Ich bete!

Ich bete, weil … ist eine Plakataktion des konservativ-fundamentalistischen, überkonfessionellen Fernsehsenders bibel.tv

Sie dokumentiert Gebets-Motivationen und -Traditionen von Menschen, die überwiegend freikirchlichen oder charimatischen Gruppierungen nahestehen.

Meine erste Reaktion -den Spruch: Not lehrt beten im Kopf- war im Vorbeifahren, welche Not steht als Intention dahinter? Mein zweiter Gedankenstrang nach einem Kilometer: Toll, das Gebet wird zum Bekenntnis! Der dritte Kilometer/ Gedankenstrang: Was stört Dich eigentlich an der Aktion ( hinter der viel Geld steckt!)?

Ich bete! Nicht zu festen Zeiten oder regulierten Ritualen -obwohl mir solcher Rhythmus gut tut- sondern situativ.Wenn mich etwas bewegt und ich es Gott mit-teile. Ja, vielleicht ein Selbstgespräch im Vertrauen darauf, das Gott meine Sorge teilt, meine Not sieht, weil er ein Interesse an uns Menschen und dieser seiner Schöpfung, in und von der wir leben, hat.

Manchmal bete ich auch öffentlich, ich „fürbitte“, ich lobe und danke, ich klage und zweifle.

In manchen Situationen finde ich Gebetsvorlagen in der reichen Gebetstradition meiner Religion, in den Psalmen oder in der Gebetsliteratur unserer Tage. Mein Gebet muss zu mir, in meine Situation und die der Menschen, denen ich verbunden bin, passen.
Ich bete, weil … plakativ an die Wände zu kleben widerspricht meiner Meinung der Gebetsempfehlung Jesu: »Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen, an den Straßenecken (und Kirchen), damit sie von allen gesehen werden. … Wenn du betest, geh an einen Ort, wo du allein bist, schließ die Tür hinter dir und bete in der Stille zu deinem Vater. Denn er ist auch da, wo niemand zuschaut. Dann wird dich dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, belohnen. …Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Ungläubigen. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet!“ (Mt 6)

Mit diesem Vertrauen auf den sorgenden und liebenden Gott kann ich beten: Vater und Mutter unser, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe …

GS 9. Nov 2021

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Mit Aller Liebe für die Welt

In dieser Woche feiern die Katholiken Allerheiligen und die Protestanten Allerseelen. Das Sonntagsevangelium verweist für ein gelungenes Leben auf die Gottes- und Nächstenliebe (MK 12, 28-34) und die internationale Politik hat nichts geringeres als die Welten(Klima)Rettung auf dem Programm (COP 26).

Ergibt dieser Themenmix einen Sinn? Oder trenne ich -wie so oft- besser Glaube und Welt, Religion und Politik.

Zu meiner Welt-Anschauung und meiner politischen Praxis gehört Glaube und Handeln zusammen oder wie der Gründer von Taizé, Roger Schütz es formuliert hat „Kampf und Kontemplation“.

Der Anspruch dieses Wochen-Themen-Mix steckt für mich im Begriff ALLE.

Heilig bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges und stammt wortgeschichtlich von Heil ab.
Heilige sind also im christlichen Sprachgebrauch besondere Menschen, die sich auszeichnen durch ihren Glauben an Gott und ihren Einsatz für eine bessere Welt der Gerechtigkeit und Liebe. Manche haben einen Namen und ihre Geschichte ist bekannt, andere bleiben unerwähnt, ihre Wirkungsgeschichte wurde nicht dokumentiert und deshalb nicht mit einem eigenen Namensfest gefeiert. Paulus bezeichnet alle an Jesus Glaubenden als Heilige und so wird an Allerheiligen und an Allerseelen der lebenden und verstorbenen Christen und ihrem Wirken in der Welt gedacht.

Zwei heilige Märtyrer unserer Tage waren Dietrich Bonhoeffer und Max Joseph Metzger, beide Pfarrer und für ihren Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden von den Nationalsozialisten hingerichtet. Beide riefen die christlichen Kirchen schon in den 1930er Jahren auf Verantwortung für das Überleben der Menschheit zu übernehmen, indem sie ein ökumenisches Konzil für Gerechtigkeit und Frieden forderten. In den 1980er Jahren wurde dieser Aufruf aufgegriffen und um die Verantwortung für die bedrohte Schöpfung erweitert. Manche, die sich heute bei Christians for Future engagieren sehen sich in der Tradition dieses Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Für mich gründet dieses Engagement in Jesu Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, das auch die gottgeschenkte Schöpfung als Lebensgrundlage einschließt.

GS 3. Nov 2021

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Mission irrelevant?

Am Sonntag beging die katholische Kirche den Weltmissionssonntag.

Die historischen Assoziationen kommen sofort: Zwangsmissionierung der Völker Mittel- und Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen mit Kreuz und Schwert seit dem 15ten Jahrhundert bis zum Hungertod von Inuit-Kindern in Katholischen Internaten Kanadas im 20ten(!) Jahrhundert.

Mission heisst Sendung, Christen fühlten sich von Jesus gesandt die frohe Botschaft vom liebenden, barmherzigen Gott der Gerechtigkeit, das Evangelium allen Völkern, allen Menschen zu verkünden.

Es ging um Nächstenliebe, Befreiung, Gerechtigkeit. Die Kolonisatoren bemächtigten sich dieses Auftrags und brachten Unterdrückung, Krankheiten, Ausbeutung, Sklaverei, Tod – die Perversion dessen, was Jesus verkündet hatte, mit dem Segen der Kirche. Die Missionare wollten die Heiden bekehren, sie retten vor der Verdamnis. Inkulturation ist eine Haltung des späten 20ten Jahrhunderts und in kirchlichen Kreisen auch immer noch nicht allgemeine Überzeugung.

Aber was wäre denn unsere zukunftsfähige Mission als Christen heute? Welche Botschaft haben wir zu verkünden dem Abendland, das schon längst nicht mehr durch christliche Werte geprägt ist.

Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit lohnt sich das Wiederaufgreifen der Ideen und der Spiritualität des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, an die Theologie der Befreiung und das indigene Lebensprinzip des Buen Vivir.

Mit einer solchen überzeugend gelebten Botschaft wären Christen wieder relevant und das Christentum zukunftsfähig.

GS 26. Okt. 2021

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Jesus-Lizenz

Es scheint ein Urheberrecht für Segenshandlungen zu geben. Das Etikett „im Namen Jesu“ wollten die Christen von Anfang an monopolisiert wissen und gebunden an die von der Gemeinschaft Beauftragten (Männer).
So jedenfalls spiegelt es sich im Markusevangelium, gerichtet an die Christengemeinde und deren Nachfolgende:

»Lehrer, wir haben da einen Mann gesehen, der hat deinen Namen dazu benutzt, böse Geister auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht zu uns gehört.« (Mk 9, 38)
Überraschend, wie Jesus mit dieser vermeintlichen Urheberrechtsverletzung umgeht:
»Lass ihn doch!«, sagte Jesus. »Wer meinen Namen gebraucht, um Wunder zu tun, kann nicht im nächsten Augenblick schlecht von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!« (Mk 9, 39f)

Das Verhaltensmuster der Jünger ist uns auch heute noch wohl vertraut und mal ehrlich, reagieren wir nicht ähnlich?
Wer darf im Namen Jesu die „die Messe halten“, Sünden vergeben, segnen? „Natürlich“ nur geweihte (männliche) Priester und „gültig“ sowieso nur bei Einhaltung der vorgeschriebenen Form.

Und was ist schlecht daran, wenn jemand christlich handelt ohne sich als Christ zu bezeichnen?
Eher ist es fatal, wenn das C missbraucht wird, um der Lehre Jesu entgegenstehendes Handeln zu Labeln.

„Böse Geister aus (der Welt) zu treiben“ ist auch für uns eine bleibende Herausforderung. Am besten gelingt dies, wenn wir Gutes zusagen (bene dicere = segnen), im Vertrauen darauf, dass es wirkt.
Den Segen Jesu, des Christus dazu haben wir allemal. Diese Lizenz ist nicht an ein Amt oder an eine Kirche gebunden, sondern Allgemeingut für ein Gutes Leben für alle Menschen auf dieser Gott geschenkten Erde.

Foto: Greenpeace-Aktion 2019 – ©spiegel.de

GS 28. Sept 2021

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