Guido Schürenberg

Beiträge des Autors

Fehlt Dir was?

Meist, wenn diese Frage gestellt wird geht es um das persönliche “Wohlsein”. Irgendwie strahlen wir aus oder sieht man uns an, dass wir uns nicht “wohl” fühlen.
Irgendwie fehlt was! Unvollständig, Leere, ergänzungsbedürftig, … auch das eher ein Gefühl.
Nach 5 Monaten Corona bedingter Einschränkungen des kirchlichen Lebens und mit Blick auf die Frage “wie werden wir und insbesondere ich unter diesen Bedingungen, deren Ende ja nicht absehbar sind, als Christen in den kommenden Monaten kirchliches und spirituelles Leben gestalten und feiern”, stellt sich auch hier die irritierende Frage “Fehlt Dir was?”
Ich zögere … Gibt es ein Glaubens-Wohl-Sein? Und ist es abhängig von Hygienemassnahmen, Abstandsregeln, Maskenpflicht und Versammlungsbeschränkungen?
Mir fällt eine Postkarte vom Beginn der Coronazeit ein, die seitdem auf unserem Eßzimmertisch steht: Ich bin da und werde dasein als Dein helfender und heilvoller Gott. Was auch geschehe Ich Bin Da.
Mit dieser Zusage aus Exodus 3,14 fehlt und kann mir nichts fehlen, wenn ich daran glaube, davon überzeugt bin und diese Überzeugung lebe. Dann fehlt mir grund-sätzlich nichts.
Dieses Glaubens-Wohlsein wird verstärkt, durch Menschen mit denen ich zusammen diesen Glauben teile und noch wohler wäre mir, wenn ich deren Nähe und die Gemeinsamkeit körperlich spüren und erfahren kann im Gespräch, im Gebet, im miteinander Singen und im Gottesdienst. Ja diese Präsenz, dieses Erlebnis, diese gemeinsamen Erfahrungen und Begegnungen fehlen mir manchmal in dieser Pandemie.
“Du fehlst!”
Und ich bin gespannt auf das “Danach” und zu wem ich dann sagen werde “Du hast mir gefehlt!”

GS 4. August 2020

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Sommer- oder Schwarzes Loch?

Es ist parlamentarische Sommerpause und viele Menschen sind im Urlaub, die täglichen Corona-News aus der ganzen Welt werden schon als normal verbucht und wenig beachtet, sofern sie nicht gerade Hoffnung machen auf einen Impfstoff, der den Virus aus der Welt schafft.
Da füllt eine römische Instruktion, also eine Anordnung für die Katholische Kirche, die normalerweise als irrelevant nur von wenigen Betroffenen und Experten, die noch nach Rom hören, wahrgenommen würde, das Sommerloch. Die Instruktion zur Zukunft der Pfarrgemeinden: “Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche” wurde erstellt von der Klerus-Kongregation des Vatikans. Entsprechend hat sie die Rolle der Priester als Gemeindeleiter im Blick. Sie “besagt unter anderem, dass Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen sind. Auch Teams aus Geweihten und Nicht-Geweihten sind demnach nicht zulässig. Stattdessen wird die Rolle des Pfarrers betont.” (Katholisch.de)
Also nichts Neues aus Rom! Es wird nur das Sommerloch gefüllt? Wenn es denn so wäre!
Die krisengeschüttelte katholische Kirche in Deutschland versucht z.Zt. mit einem breit angelegten Gesprächsprozess zukunftsfähig zu werden. Gleichzeitig verliert sie an gesellschaftlicher Bedeutung und immer mehr Katholiken treten aus.
Zukunftsfähig sein? Kirche hat eine Mission: Die Botschaft Jesu verkünden und leben in dieser Zeit. Wie sie das tut und wie sie dies organisieren soll, erfahren wir nur ansatzweise in den Schriften der Apostel: Zu den Menschen gehen, ihre Sorgen und Nöte wahrnehmen, teilen, einander dienen, miteinander Brot brechen im Gedenken Jesu und seines Auftrages. Die erforderlichen Dienste bestimmt und beauftragt die Gemeinde vor Ort. Alle bringen sich ein, je nach ihren Möglichkeiten.
Mich erinnert das an basisdemokratische Strukturen in selbstverwalteten Betrieben.
Aber geht das nach 2000 Jahren Kirchengeschichte, die feudale Strukturen und Hierarchien entwickelt und verfestigt hat?
Andererseits werden -und sind- Struktur- und Machtfragen (und um solche geht es in der Instruktion) leicht zu einem Schwarzen Loch, das alle Energien absorbiert und aus dem nichts mehr nach außen kann. Energien, die sinnvoller eingesetzt wären für den Dienst am Menschen und seiner Mitwelt und im Engagement für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten.
Die Zukunft der Kirche?
Eine Kirche in der Welt und für die Welt, die den Menschen und damit Gott dient. Vielfalt entsprechend der jeweiligen Lebenssituation und dem kulturellen Umfeld, motiviert durch die befreiende Botschaft des Evangeliums und miteinander verbunden im Gebet. Im besten Sinne katholisch, also “allumfassend”. Geleitet von Menschen mit unterschiedlichen Gaben, von ihrer Gemeinde beauftragt. Gemeindeleitung, wie Paulus sie in seinen Briefen an „seine“ Gemeinden verkündet. Diese leiteten selbstverständlich auch Frauen.
Wenn Kirchenleiter (m) und Kirchenlehrer (m) zu Ideologen werden, auf ihrer Deutungshoheit bestehen, Andersdenkenden und -sprechenden die Befugnis dazu absprechen und dem (Kirchen-) Volk die Konsensfähigkeit im Glauben absprechen, die Glaubenden entmündigen, dann entspricht das nicht dem Auftrag, der Praxis und der Lehre Jesu: “Aber bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen.”(Lukas 22,26)
GS 29. Juli 2020

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ferien

aus dem lateinischen feriae
bei den alten römern die tage
an denen zu ehren bestimmter götter
die arbeit
besonders die rechtspflege ruhte
mit dem wort feier verwandt

ferien

feier-tage also:
freie tage
ruhe-tage
fest-tage
kostbare atempause
leib und seele spüren

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urlaub – ein kostbares wort

zu ps 31,16

strand_daenemark
Foto: Guido Schürenberg

urlaub

ein altes wort
vom zeitwort erlauben
eigentlich erlaubnis wegzugehen

urlaub

grundsätzliche erlaubnis also:
einmal alles hinter sich lassen
aus dem gesunden abstand heraus
das gewohnte alte neu sehen können

….

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Einatmen! – Ausatmen!

Die Hygiene- und Abstandsregeln der Pandemie-Situation gehen manchen zu weit. Sie werden als massiver Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden. Dabei sollen und wollen sie uns anhalten, dass wir uns gegenseitig vor der Ausbreitung des Virus schützen.
Achtsamkeit füreinander und Solidarität miteinander wurden zu Beginn der Pandemiezeit von vielen wieder neu als gesellschaftliche Grundhaltung in dieser Krisenzeit entdeckt. Mit sinkenden Infektionszahlen wird die Forderung nach “Normalität” wieder lauter und die unsichtbare Bedrohung durch Aerosole in der Atemluft wird von den einen ignoriert, den anderen gerade deswegen gefürchtet.
Die restriktiven Regeln der Pandemie-Zeit haben das Wohl der Menschen im Blick und werden dennoch oft genug von Ignorantinnen, Verschwörungstheoretikerinnen und auch von Bürgerrechtler*innen desavouiert.
Auf die Beschränkung unserer persönlichen Freiheit in der Gesellschaft und auch in der Kirche reagieren wir empfindlich, teils aggressiv, fühlen uns unterdrückt, …
Jesus nimmt unter seinen Volksgenossen ähnliche Empfindungen wahr, ausgelöst durch die das ganze Leben regulierenden Verhaltensregeln des jüdischen Gesetzbuches, als „Gesetz des Mose“ quasi göttlich legitimiert.
Er sieht die Not der Menschen, die alles richtig machen wollen, aber es nie wirklich schaffen, da viele Regeln und Gesetze unterschiedlich von den Religionsbehörden ausgelegt werden, bzw. sich sogar wiedersprechen. “Ihr plagt euch mit den Geboten, die die Gesetzeslehrer euch auferlegt haben. Kommt alle zu mir; ich werde Euch aufatmen lassen!” (Mt 11, 28 nach F.Stier) Er fordert sie auf von ihm zu lernen, dass der Maßstab jeglichen Verhaltens und Handelns das Wohl der Mitmenschen sein muss. Diese neue Lehre wird uns “aufatmen und leben” finden lassen.
So gesehen sind Masken tragen Zeichen der Achtsamkeit füreinander und der Solidarität miteinander, was ja das neue Erleben zu Beginn der Pandemie war.
Also trotz oder gerade wegen der Masken”pflicht” und anderer vermeintlich meine Freiheit einschränkenden Regeln: Einatmen … und Ausatmen …
Gelassenheit spüren und “Aufatmen finden für mein Leben” (Mt 11,29 nach F.Stier)
GS 7. Juli 2020

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