Category: Unterbrechung-Mittendrin

Vielfalt und Vorurteil

Am Sonntag fand in meiner Gemeinde im Sonntagsgottesdienst eine (angkündigte) Taufe statt:
Der im Kirchenraum radschlagende Täufling, 6 Jahre alt, in weißem smokingartigen Anzug, mit weißen, LED bestückten Schuhen. Die ältere Schwester in einem weißen Kleid. Die Mutter, schrill gekleidet mit Kunstblumen im Haar. Bruder und Mutter der Taufmutter eher unauffällig als Taufpaten.
Mein erster Gedanke bei dieser Szenerie: Ist heute Zirkus?
Bereits vor dem Gottesdienst ging das Getuschel unter den ca. 250 Besuchern (Durchschnittsalter 60+) um mich herum los: ” Die hat bestimmt 5 Kinder, wie die aussieht, von unterschiedlichen Vätern”; “Schrecklich, die gehören doch nicht in unsere Messe” …
Eröffnung des Gottesdienstes mit Vorstellen des Täuflings und seiner Familie:
Motivation des Täuflings “Ich will zu Gott gehören”
Die Mutter ist lange Jahre Meßdienerin gewesen und hat die Texte und Fürbitten selbst formuliert
Die Patin (Oma) nimmt regelmässig an den Exerzitien im Alltag teil.
Im sehr persönlichen Schlußgebet bittet die Mutter am Ende des Gottesdienstes um Kraft für die Glaubens- und Lebensbegleitung ihres Sohnes, um den Segen dazu für die Tauffamilie und die Gemeinde, in der sie sich beheimatet fühlt. Und sie fordert die Gemeinde auf den Glaubensweg des Täuflings wohlwollend zu begleiten.
Spätestens da waren wir alle, die Zeugen dieser Taufe waren, eingefordert unsere Vorurteile aufzugeben und für die Integration dieser Familie in unsere vielfältige Glaubens- und Gottesdienstgemeinschaft Sorge zu tragen.
Wie gehen wir als Christen mit der gewachsenen Vielfalt in unserer Gesellschaft um und wie können wir uns von unseren Vorurteilen befreien?
Aus dem Sonntagsevangelium:
Eine Stimme vom Himmel sprach: “Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue” (Lukas 3, 22)

GS 15. Januar 2019

Ermutigung zur Liebe

Wenn du dich selbst kaum noch spürst
und du dich unfähig oder überflüssig fühlst,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich selbst anzunehmen,
so wie du bist.

Wenn dich die Bedürfnisse deiner Mitmenschen
überfordern
und du nicht weißt,
wie dein eigener Beitrag aussehen könnte,
dann wünsche ich dir den Mut,
deine Formen
von Solidarität und Nächstenliebe zu entdecken.

Wenn Gott in deinem Leben kaum noch vorkommt
und du befürchtest, dass er dich vergessen hat,
dann wünsche ich dir den Mut,
einen Neuanfang zu wagen
und ihm dein Herz zu schenken.

Angela Lohausen, Liturgische Hilfen MISEREOR Fastenaktion 2012

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Gutes Neues

schallt es mir auch noch in dieser Woche nach den Weihnachtsferien immer wieder entgegen. Und im Postfach heute morgen lagen Neujahrsgrüße von Agenturen und Firmen mit denen ich zusammenarbeite, die diesen Neujahrswunsch mit “Erfolg und Gesundheit” verbanden.
Am besten gefiel mir die Idee vom “Anpfiff im neuen Jahr” (von einem Büro für visuelle Kommunikation): Mit einem bewährten Team, neuer Energie und Spielideen die Chancen nutzen, die das Jahr uns bietet.
Politisch, sozial, ökologisch und wirtschaftlich zeichnen sich für das Jahr 2019 neben bekannten – zunehmende Gewalt und Aggression in unserer Gesellschaft – auch neue Herausforderungen ab, die oft nur in globaler Verantwortung angegangen werden können, wie die rasante Verschärfung der Klimakrise.
Statt wie so häufig die Probleme vor uns her zu schieben, zu prokrastinieren, oder auf andere zu verweisen, die erstmal … gilt es uns selbst zu motivieren unseren Teil beizutragen, unsere Möglichkeiten zur Zukunftsgestaltung zu entdecken und zu ergreifen.
Neben den Weihnachts- und Neujahrsgrüßen lag auch der Prospekt zur Misereor-Fastenaktion im Postfach. Das Leitwort
MACH WAS DRAUS: SEI ZUKUNFT
soll mein Jahresmotto, mein Motivationsmantra in diesem Jahr sein.
GS 7. Januar 2019

So geht, ihr Hoffenden,
tragt eure Hoffnung
in die Welt:

Hoffnung,
die mitten in der Nacht
den neuen Morgen spürt
und in der Ungewissheit
Glauben wagt –

Hoffnung,
die in die sterbende Erde
noch Samenkörner streut
und Kinder zeugt
im Angesicht der Un-Zukunft –

Hoffnung,
die Tränen trocknet
mitten im Schmerz
und Friedenstauben
zu den Schlachtfeldern schickt –

Geht, die ihr hoffen könnt,
tragt eure Hoffnung
in die Welt!

Wilma Klevinghaus (Adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S. 119)


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Alle Jahre wieder

die Weihnachts-Botschaft , die Sehnsucht vom Frieden auf Erden, peace on earth:
»Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.« (Lukas 2,14)
Zuwendung aus Liebe schafft Frieden und gibt Hoffnung, dass die Welt eine Frieden-Zukunft hat.
Und wie alle Jahre wieder scheinen wir in diesen Tagen vor Weihnachten in Unfrieden untereinander und für diese Welt zu beharren. Wir riskieren wieder besseres Wissen den Untergang der Menschheit und der Schöpfung Gottes, durch unsere Unversöhnlichkeit und unsere Ignoranz, durch Neid und Intoleranz, durch Egoismus und Macht-Gier.
Während der Ebola-Krise in Westafrika konfrontierte das Band Aid Projekt unsere Weihnachtsseligkeit und unseren unbeschwerten Konsum mit der Realität vor unserer -geschlossenen- Tür:
There’s a world outside your window
and it’s a world of dread and fear
Where a kiss of love can kill you
Where there’s death in every tear
And the Christmas bells that ring there
are the clanging chimes of doom

Und sie fordern uns auf uns ergreifen und berühren zu lassen und die Menschen fühlen zu lassen, dass wir mit ihnen und der ganzen Menschheit solidarisch sind und so die Welt zu heilen.
Dann wird die Weihnachtsbotschaft alle Jahre wieder spürbar und er-lebbar

GS 18. Dez 2018

Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Keine deiner Entscheidungen,
keines deiner Worte,
keine deiner Gesten
kann je ungeschehen gemacht werden.
Ich wünsche dir,
dass du Spuren der Freude hinterlässt
und des Glücks,
Spuren der Hoffnung und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und dass du da, wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker (Adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S.95)

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Noch nicht in Stimmung

Halbzeit in der Adventszeit und ich bin noch gar nicht in Stimmung gekommen.
Höre ich die falsche Musik? Beeindruckt mich die Weihnachtswerbung in ihrer vielfältigen Eintönigkeit nicht mehr?
Sind meine Erwartungen des Alle-Jahre-wieder Festes schon so deprimierend im Vorfeld?
Oder fehlen mir einfach nur die richtigen Zutaten, um in Stimmung zu kommen: Gepflegte weihnachtliche Jazzmusik á la Nils Landgren and friends. Oder leise rieselnden Schnee – draußen? Der Duft nach Weihnachtsgebäck und die Tasse Glühwein? Die begleitende Einstimmung auf Weihnachten durch einen Adventskalender, hinter dessen 24 Türen sich eine Geschichte entdecken lässt? Die wachsende Anzahl an Kerzen und Lichterketten in unserem Wohnzimmer? Mehr Frieden auf Erden …?
Ich fürchte, ich bin einfach noch nicht bereit für all diese Stimmungsmacher, die mich in diese Erwartungszeit einstimmen, einswingen in die von mir erwartete Konsum-Zeit, die die Aachener Einzelhändler noch nicht zufrieden stellt.
Ja, ich beschäftige mich schon mit den Wünschen und mit Überraschungsgeschenken für meine Familie, aber eher unmotiviert und auch zum Weihnachtsmenü habe ich so meine Vorstellungen, aber da gibt es halt die grossfamiliären Traditionen. Und auf die jährliche Debatte, wann zu wem mit wem habe ich überhaupt keine Lust.
Mir fehlt die innere Ruhe! Und die Neugier der kleinen Kinder! Die Bereitschaft mich überraschen zu lassen …!
Die Aachener Händler haben nach dem für sie enttäuschenden, verkaufsoffenen 2. Advent-Sonntag verkündet: Da geht noch was!
Erfahrungsgemäß auch bei mir, bezogen auf Weihnachten, die Menschwerdung und den Frieden auf Erden.
Noch zwei Wochen – Carpe diem – Nutze die Zeit! GS 11. Dezember 2018

Schweige und höre
vielleicht geht dir in der Mitte der Nacht ein Licht auf
vielleicht hörst du unverhofft eine neue Botschaft
vielleicht ahnst du plötzlich
dass Friede auf Erden denkbar ist

vielleicht erfährst du schmerzhaft
dass du Altes zurücklassen musst
vielleicht spürst du dass sich etwas verändern wird
vielleicht wirst du aufgefordert
aufzustehen und aufzubrechen

Schweige und höre sammle Kräfte und brich auf
damit du den Ort findest wo neues Leben möglich ist

Max Feigenwinter (Adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S. 29)

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Erwartungen

In dieser Woche findet der UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz statt. Der Druck dort zu sichtbaren Maßnahmen zu kommen ist nach diesem Dürre-Sommer in Europa, nach den katastrophalen Waldbränden in Kalifornien, vor den zu erwartenden El Ninjo (das Christuskind) Phänomenen, die für Lateinamerika, Südafrika und die Indonesische Inselwelt erwartet werden und dem Phänomen, dass der Golfstrom in unseren Breiten nicht mehr ausreicht, um Wetterwechsel zu ermöglichen, sehr groß geworden. – Endzeit-Erwartungen
Die Leseordnungen der christlichen Kirchen für den 1. Advent zeichnen ähnliche Szenarien vom Chaos und Ende der bestehenden Ordnungen.
Aber damit wird nicht das Zeitenende eingeläutet, sondern ein neuer Anfang erwartet. Der Anfang des Gottes Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens, wie ihn Jesus verkündet – Advent- Erwartungen
Gemeinsam ist beiden Szenarien die Notwendigkeit, dass sich der Einzelne, dass sich die menschliche Gemeinschaft entscheidet für das Gute Leben für alle.
Der Klimagipfel ist herausgefordert verbindliche Maßnahmen zum Überleben der Menschheit zu beschließen, obwohl es immer noch viele nicht wahr haben wollen, dass dies Verzicht bedeutet insbesondere der Menschen in den reichen Ländern des globalen Nordens.
Advent, Erwartung des Reiches Gottes erwartet eine Haltungsänderung im Vertrauen darauf, dass Gottes Reich möglich wird – wenn wir es einfach leben.                           GS   4. Dez 2018

Gott gebe dir Kraft
zu einem klaren Nein
da wo es nötig ist
zu einem Nein
zu Hass und Gewalt
zu jedem Unrecht
und zum Krieg
zu allen Kräften
die zerstören wollen
was seine Liebe
für uns schuf
Gott gebe dir den Mut
zu einem klaren Nein
aus einem unbeirrten
Ja zu ihm

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2008, S.248)

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