Den Blick zurück ins eigene Leben wagen und der Gegenwart ins Auge schauen

Ich hab Euch heute Abend ein Bild von dem Stuttgarter Künstler Hannes Steinert mitgebracht und möchte zu Anfang einfach ein paar Stichworte in den Raum werfen und einen ersten Zugang zu dem Bild eröffnen; anschließend versuche ich eine Deutung und hoffe, ihr könnt mir folgen. Doch zuerst einige meditative Wortketten, angeregt von der Einladung, die uns heute in der Lesung zugesprochen wurde: „Forsche einmal in früheren Zeiten nach…“:

Zurückschauen in die eigene Geschichte:
• In das eigene Leben schauen
• Verweilen
• innehalten
• Genau hinschauen
• Die inneren Augen zur Ruhe kommen lassen

Zurückschauen in die eigene Geschichte:
• Geschichte anschauen
• Eigene Geschichte anschauen
• Vergangenheit in die Gegenwart transponieren
• Geschichte nicht abhaken, sondern wirken lassen
• Erlebtes, Erlittenes, Erstarktes der Verdrängung entreißen

Zurückschauen in die eigene Geschichte:
• Die Augen weiten auf Gewandeltes im Leben
• Geglücktes erkennen aus Gereiftem und Gelerntem
• Wunder erblühen sehen aus dem Gewesenen
• Leben erwachsen sehen aus dem Verblassten.

(kurze instrumentale meditative Musik)

Hannes Steinert malt einfache Bilder. Bleistiftzeichnungen. Es sind nahezu kindliche Bilder; sie geben Einblick in die Träume des Menschen. Zugleich entstehen Bilder von großer Offenheit. Schlicht sind sie, ohne Schnörkel; sie lassen einen unbändigen Lebenshunger nach Weite erahnen. Das Faszinierende: sie scheuen es dennoch nicht, der Undurchsichtigkeit des Lebens Raum zu geben. Sie zeigen Leben in einer Welt, die dem Wind der Wirklichkeit ausgesetzt ist und zugleich wahren sie den Traum eines Lebens in beglückender Freiheit und Erfülltheit.
In die Welt gehen muss nicht immer gleich heißen, weiter zu gehen, voranzugehen. Es kann auch einmal heißen, zurückzugehen. Fortschritt entwickelt sich nicht nur im Blick auf die Zukunft. Auch wer zurückblickt kann Neues entdecken, kann erkennen, dass etwas wächst, was gereift ist aus Vergangenem.

In die Welt gehen, Weite suchen, Leben suchen, sich suchen, Gott suchen. „Forsche einmal in früheren Zeiten nach, die vor dir gewesen sind, seit dem Tag, als Gott den Menschen auf der Erde schuf; forsche nach vom einen Ende des Himmels bis zum anderen Ende.“ Was mögen wir wohl sehen dann? Abgehaktes? Überwundenes? Gottlob Verarbeitetes? Oder hören wir heute im Blick zurück einen Gott aus dem Feuer im Donner zu uns sprechen und erkennen wir, dass er zu uns kommen will, durch alle Prüfungen des Lebens hindurch?…Predigt am 27. Mai 2018

Christoph Simosnen

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