Category: Unterbrechung-Mittendrin

LIEBE …

… heißt seit 2003 das Soloprogramm des Kabarettisten Hagen Rether. Er legt darin seinen Schwerpunkt auf gesellschaftspolitische Themen wie Religion, Massenmedien, Kapitalismus, Konsumismus und Globalisierung. Mit seiner spitzzüngigen “Pianoplauderei” , übernimmt er die prophetische Botschaft “die Verlogenheit der Konsumgesellschaft und des Establishments zu geißeln. Dies tut er subversiv, nonchalant und hundsgemein.” (Süddeutsche Zeitung)
“Hagen Rether verkörpert etwas, das selten ist: Eine Haltung. Er weicht nie aus, sondern bezieht Stellung, auch wenn die unbequem ist.” (Abendzeitung, Tina Schlegel)
LIEBE als Haltung dem Leben, der Gesellschaft, der Welt gegenüber kommt nicht moralisierend daher, sondern legt den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft und fordert auf zum Umdenken, zum wertorientierten Handeln..
Gerade dieser Tage, wo unsere christlichen Werte zwar verbal hochgehalten werden, aber in der Realität nicht nur missachtet, sondern ihnen zuwider politisch gehandelt wird, wird LIEBE zu einem provozierenden Programm – zur Weltanschauung.
LIEBE wird zu einem radikalen Gegenentwurf gesellschaftlichen und politischen Handelns. LIEBE wird zur Haltung, zum Grundwert meines Lebens, Denkens und Handelns, wenn sie mehr ist als ein Wort, eine Phrase.
Hagen Rether belässt es nicht bei LIEBE als Weltanschauung, sondern fragt , sich selbst einschliessend: “Wir haben es doch alle gesehen – wieso ändern wir uns nicht?”                    GS 11. Juli 2018

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Gerechtigkeit ist eine Frage der inneren Entwicklungsfähigkeit

Die Anlässe waren unterschiedlich, mein Thema in diesen Tagen das Gleiche: Es geht um Gerechtigkeit: biblisch, lokal, international, global. Es geht um eine Gerechtigkeit, die einen Ausgleich schafft zwischen arm und reich, einen Ausgleich in der großen Menschheitsfamilie, wie Papst Franziskus es im Film DIENER SEINES WORTES formuliert.
Das war der erste Anlass in der vergangenen Woche mich wieder dieser latent vorhandenen Frage auszusetzen. Wir haben es verdrängt, denn die Ungerechtigkeit ist zum Normalzustand geworden. Es steht nicht mehr das Gute Leben für alle Menschen im Zentrum unserer Politik, unserer gesellschaftlichen Bemühungen , sondern die Einzel-Interessen und Egoismen.
Das Thema ist nicht neu, wie der zweite Anlass, die sonntägliche Bibellesung, mir deutlich machte. Schon in frühchristlicher Zeit mussten insbesondere die Reichen (z.B. in Korinth) vom Apostel Paulus erinnert werden, dass sie ihren Reichtum und ihre privilegierte Stellung letztlich als Gottesgeschenk betrachten müssten, mit dem sie verantwortlich umgehen sollten und die Armen daran teilhaben lassen sollten (2 Korinther Kapitel 8 und 9). Gerechtigkeit schaffen als Antwort auf das von Gottes geschenkte gute und privilegierte Leben, “Freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl” (2 Kor 9,7) . ” Ihr sollt nicht selbst in Not geraten, weil ihr anderen aus der Not helft. Es geht nur um einen gewissen Ausgleich.
Heute habt ihr so viel, dass ihr ihnen helfen könnt. Ein andermal werden sie euch von ihrem Überfluss abgeben, wenn es nötig ist. Das meine ich mit Ausgleich.” (2 Kor 8, 13f) Ein christlicher Soli bzw. eine christliche Selbstverständlichkeit und Ausdruck der Dankbarkeit von Gott bedingungslos geliebt zu sein.
Die Zeitungslektüre (Afrika-Dossier in der Zeit) führte mich als dritter Anlass wieder vor das Thema, diesmal als (neo-)kolonialeAusbeutung, ungerechte Welthandelsstrukturen und Bildungsungerechtigkeit. Obwohl rohstoffreich sind die afrikanischen Subsahara-Staaten immer einkommensärmer geworden durch den Neokolonianismus internationaler Konzerne und Staaten, wie China und Saudi Arabien, die Land aufkaufen und bewirtschaften lassen und Rohstoffvorkommen exklusiv ausbeuten. Die Folgen: Korruption, Abhängigkeit, Armut, Hunger, Krankheit, Gewalt und Terror. Jugendliche haben keine Zukunftsperspektive, wenn die Familien nicht Schul- und Studiengebühren aufbringen können (siehe Projekt Schulfee-Zambia der KHG) und fliehen vor Armut, Hunger, Klimawandel und Gewalt nach Europa. Sie haben aber hier als “Wirtschaftsflüchtlinge” keine Chance auf Einwanderung oder Asyl, sondern werden in Internierungslagern in Nordafrika festgesetzt, bezahlt von den Europäischen Regierungen, als Sklaven verkauft, vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen oder verschleppt und in der Wüste ausgesetzt. Christliche Solidarität auch als Leitmotiv politischen Handelns?
Eine Anfrage einen Kreuzweg für die Fastensolidaritätsaktion MISEREORs zu gestalten führt mich zum vierten Mal vor das Thema, diesmal speziell zum Thema Bildungsungerechtigkeit und Armut als Ursache für Gewalt und Terror in El Salvador. Und damit schließt sich gewisssermaßen der Kreis.
Ausgleich schaffen zwischen Arm und Reich auf diesem Planeten (Oxfam: 42 Reiche besitzen so viel wie 3,7 Milliarden Arme) aus Dankbarkeit für das eigene gute Leben und in Solidarität mit den Brüdern und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie mich einsetzen für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten. – Dafür brauche ich noch viel innere Entwicklungsarbeit, Anstösse und Visionen von außen, …
wie z.B. Herbert Grönemeyer, Stück vom Himmel.          GS 4. Juli 2018

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Sorgenfrei

“Ich zähle täglich meine Sorgen …” war ein Schlager aus der gleichnamigen deutschen Filmkomödie (1960) mit Peter Alexander. Ein typischer heile-wirtschaftswunder-welt Film.
Ähnlich belanglos, da nicht existenziell, ist mein tägliches Sorgen: was koche ich heute abend, was ziehe ich heute an, erreiche ich meinen Zug pünktlich, haben wir noch genug zu trinken für das Fußballspiel, …
Die Menschheit hat dagegen existenzielle, drängende Sorgen, die wir teilen müssen und nur gemeinsam angehen können: Klimawandel, Krisen und Kriege, Hungersnöte und Gewalt – und alles bedingt einander. Mich betrifft am meisten, die Sorge um die Zukunft unserer Kinder und Enkel auf diesem wunderbaren Planeten. Im Englischen viel differenzierter (to worry about) unterschieden vom “guten” Sorgen für …, die Sorge um und für Andere, die Sorge umeinander. … (to care about)
Ähnlich wie im o.g. Schlager beschäftigen uns diese kleinen, individuellen und großen, existenziellen Sorgen. Sie belasten uns, binden unsere Aufmerksamkeit und Kreativität. Wir kreisen um uns und diese Sorgen.
Da trifft mich der Satz Jesu aus der Bergpredigt: Besteht das Leben nicht aus mehr als nur Essen und Kleidung? … Können all eure Sorgen euer Leben auch nur einen Augenblick verlängern?
Unser tägliches Sorgen ist belanglos und Ausdruck unseres Unglaubens, denn Gott weiss, was wir brauchen und er sorgt für uns. Wir sollen gelassener und weniger selbstbezogen sein und uns stattdessen um die wirklich existenziellen Dinge kümmern, um Gerechtigkeit und Frieden in einer Gesellschaft und Welt, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht.
So gesehen ist mein tägliches Sorgen kleinlich und kleingläubig.
>>33 Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. 34 Deshalb sorgt euch nicht um morgen – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt.« (Matthäus-Evangelium, Kapitel 6)

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Don’t be a MAYBE …

… war der Slogan einer inzwischen verbotenen Zigarettenwerbung.
Er griff die Etikettierung einer ganzen Generation auf, die der Journalist Oliver Jeges quasi in einer Selbstdefinition als Generation ohne Eigenschaften, ohne Profil – zwar gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut zu Entscheidungen bezeichnet. Sie kommen nicht mit der ihnen gebotenen “Anything goes!”-Mentalität klar, die vielen Optionen, die ihnen offen stehen, überfordern sie. Getrieben von einem Individualitätszwang sind die “Twentysomethings” kaum noch unter einem gemeinsamen Begriff zusammenzufassen – außer vielleicht unter dem der “Zweifler”. Dinge auszuprobieren und nicht zu allem schon eine Meinung zu haben, sondern “vielleicht” zu sagen, sei ein Kennzeichen dieser Generation.
Ich finde es sehr pauschalisierend so eine ganze Generation zu etikettieren und mein Erleben von Studierenden kennt auch andere Erfahrungen. Dennoch, diese Orientierungslosigkeit und das sich (noch) nicht festlegen können oder wollen ist ja auch die Scheu und vielleicht auch die Angst sich zu binden und Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für andere und für die gemeinsame Zukunft.
In der biblischen Tageslesung vom Samstag, 16. Juni fordert Jesus seine Follower auf: Euer Ja sei ein Ja und Euer Nein ein Nein – Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt. (Mt 5, 33-37)
Hatte es Jesus schon mit MAYBEs zu tun? Nein, ihm ging es nicht um notwendige Entwicklung, sich und etwas auszuprobieren, eine Lebensrichtung zu finden. Ihm geht es um Verläßlichkeit, um Glaubwürdigkeit. Ob ich mit jemandem rechnen kann und er mit mir.
Wir erleben z.Zt. auf der politischen Bühne diese Unzuverlässigkeit und Wankelmütigkeit, gegen die sich schon Jesus gewandt hat. Da werden mit viel Aufwand Verträge ausgehandelt und Spitzentreffen inszeniert und dann reicht ein Tweet oder eine bevorstehende Wahl, um alle Absprachen von jetzt auf gleich zu kippen.
Bin ich auch manchmal ein MAYBE, der sich nicht festlegen lässt oder aktiv seine eigenen Zusagen hintertreibt? -Das wäre in der Tat vom Bösen!            GS 19. Juni 2018

ICH HOFFE, WÜNSCHE, BITTE, BETE

Ich hoffe,
dass es irgendwann einmal
möglich sein wird,
dass alle Menschen auf der Erde
tolerant und respektvoll
miteinander umgehen.

Ich wünsche mir
eine Welt ohne Wettrüsten
und ohne Krieg,
eine Welt, in der kein Mensch
Angst um sein Leben haben muss.

Ich bitte,
dass es der Medizin bald gelingen wird,
alle bis jetzt noch unheilbaren Krankheiten
behandeln und erfolgreich bekämpfen
zu können.

Ich bete
für eine Zeit, in der kein Bewohner
dieses Erdballs
hungern und dürsten muss,
und für humane Lebensbedingungen
auf jedem Fleck dieser Erde.

Ich hoffe, bitte, bete
und ich wünsche mir all dies,
aber es fällt mir schwer zu glauben,
dass dies wirklich einmal Realität werden könnte.

Susanne Thielert (Love&Pray, Verlag Haus Altenberg 2011, S.22)

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Great Again oder Degrowth?

Er schafft es immer wieder die Welt zu spalten. Donald Trump vernichtet mit seinem nationalegoistischen Mantra “Let’s make America great again” jegliche auf Zusammenarbeit ausgerichtete internationale Entwicklungsarbeit für ein “Gutes Leben für alle”, der Entwicklungsvision der Vereinten Nationen. Wir als Menschen brauchen aber solche Visionen , die zukunftsfähig und nachhaltig sind, damit dieser blaue Planet, wie wir ihn dieser Tage durch den Astronauten Alexander Gerk immer wieder vor Augen geführt bekommen, auch weiterhin Heimat für uns Menschen sein kann.
Again suggeriert ein Wiederholen, bestenfalls ein Anknüpfen an einen Zustand und an die damit verbundene Zeit, die als “großartig” empfunden wurde. – Von allen? Oder ist auch dies nur ein schön gemalter Mythos, um die gekränkte Seele weißer, amerikanischer Männer der unteren Mittelschicht, die sich als Verlierer der Globalisierung fühlen zu mobilisieren und sich von ihnen ein Veränderungsmandat geben zu lassen, damit reiche, alte, weiße Männer Amerika entsprechend ihren Interessen gestalten können. Die anderen Völker und Nationen haben diesen Interessen zu dienen.
Nationaler Egoismus und “früher war alles besser” bietet aber gerade angesichts der auch in den Vereinigten Staaten von Amerika spürbaren Weltproblemen des Klimawandels und der sozialen Ungerechtigkeit keine nachhaltige Vision.
Anders dagegen die internationale Degrowth-Bewegung: “Unter Degrowth oder Postwachstum verstehen wir eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebenswelt und ein umfassender kultureller Wandel notwendig. …”
Diese Vision greift die Leitziele der Vereinten Nationen auf und knüpft so an die Botschaft Jesu vom Gottesreich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens an. Eine so beschriebene Zukunft braucht den Wandel im Denken, die Begeisterung für ein Gutes Leben für alle, den Mut Unrecht beim Namen zu nenen und für Veränderungen sich einzusetzen und die Kreativität in einzelnen Aktionen diese Vision zu erden und erfahrbar zu machen – das wäre in der Tat GROSSARTIG.
GS 12. Juni 2018

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wi!ma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.226)

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