“Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.”

Dieses Bibel-Zitat (Apg 4,20) möchte ich all jenen entgegen halten, die fordern, es müsse doch endlich mal Schluss sein sich kollektiv für den Holocaust, also für den Völkermord an 6 Millionen europäischen Juden zu entschuldigen.
Nein darüber können wir nicht schweigen und wir müssen den Zeugen und Opfern die Gelegenheit geben diese Erinnerung wach zu halten, damit dies nicht noch einmal geschieht.
Antisemitismus wirkt in unserer Gesellschaft, äußert sich beiläufig nicht nur im Stammtischgeschwätz, sondern auch in Schulen und Universitäten; er äußert sich in Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und vor Synagogen und vereinzelt mit der Absicht Juden zu erschießen.
“Als Antisemitismus werden heute alle Formen von Judenhass, pauschaler Judenfeindschaft, Judenfeindlichkeit oder Judenverfolgung bezeichnet. Der Ausdruck wurde 1879 von deutschsprachigen Antisemiten geprägt und entwickelte sich seit dem Holocaust zum Oberbegriff für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund ihrer angenommenen oder realen Zugehörigkeit zu „den Juden“ negative Eigenschaften unterstellen. Damit werden Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung jüdischer Minderheiten (Völkermord) gefördert, vorbereitet und/oder gerechtfertigt.” (Wikipedia)
Der Antijudaismus, durch fragwürdige Theologien befeuert, zieht sich durch die Geschichte der Kirchen in Europa seit dem 3. Jahrhundert und führte immer wieder zu Judenprogromen. Erst unter dem Eindruck des Holocaust bekannten sich weite Teile der christlichen Kirchen öffentlich zu dieser Schuld. Aber immer noch wird ein Unrecht (Holocaust) mit einem anderen (Christenverfolgung) verglichen und so relativiert (so, anlässlich des Holocaust-Forums in Jerusalem, der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I).
Ja auch darüber können und dürfen wir nicht schweigen, denn jegliche Form von Hass und Gewalt gegen Menschen, die in Frieden ihre Glaubensüberzeugung leben wollen ist ein Angriff auf die allgemeinen Menschenrechte und widerspricht der ethischen Grundüberzeugung aller Religionen.
Die biblische Botschaft geht für Christen mit der Bergpredigt (Mt 5) darüber noch hinaus und fordert zu vollkommener Liebe auf – der Nächsten, der Fernsten, ja auch sich selbst.
Auch darüber können wir als Christen nicht schweigen, sondern müssen es glaubwürdig leben.
GS 28. Januar 2020 (75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz)

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