Welt anschauen

Die Auseinandersetzungen um die Rodungen im Hambacher Forst bei Düren haben mir wieder mal deutlich gemacht, dass zivilgesellschaftliches und politisches Handeln mit meiner Sicht auf unsere Gesellschaft und unsere Welt zu tun hat. Welche Werte bestimmen mein Leben und Handeln, welche Perspektiven sehe ich für unsere Um- und Mitwelt, meine Zukunft, für diese Welt? Und woher kommt diese Welt-Anschauung. Neben Wertevermittlung in Elternhaus und Schule spielt meine Lebenserfahrung eine grosse Rolle und dies durchaus im wörtlichen Sinn.
Bei einem Infotag für Jugendliche, die nach Abitur oder Ausbildung einen freiwilligen, sozialen Dienst im Ausland machen wollen beeindruckte mich das Fazit der Teilnehmerinnen einer Gesprächsrunde, dass ihnen am meisten für ihre Entwicklung und für ihr Selbstbewusstsein das Kennenlernen und Eintauchen in eine völlig fremde Kultur gebracht habe, und dass sie dies auf keinen Fall missen möchten und allen versammelten Interessenten dringend empfehlen würden sich dieser Herausforderung zu stellen.
Charleen, die ein Jahr als Freiwillige in Afrika in einer Familie gelebt hat, berichtet, dass sie erlebt habe, wie es ist eine andere Hautfarbe zu haben, aus einem anderen Kulturkreis zu stammen, sich inkulturieren zu müssen, fremd zu sein. Sie hat mit Menschen und in einer Familie gelebt, wo sie grundsätzlich freundlich aufgenommen wurde und die zu ihrer Familie wurde. Sie hat eine Gemeinschaft erlebt, in der offen über gegenseitige Klischees gesprochen, diese bestätigt oder wiederlegt wurden und wo man gemeinsam darüber lachen konnte. Und sie habe durch dieses Erleben auch ihre eigenen Werte und Wichtigkeiten überprüfen müssen. Ihre Welt-Anschauung habe sich verändert.
Der Leitspruch des Freiwilligenprogramms mit dem Charleen ihre Erfahrungen machen konnte heisst “Zeig mir, wie Du lebst” Diese Bereitschaft auf einander zuzugehen, die Sichten und die Werte des Anderen kennenlernen zu wollen und sich über diese und die unterschiedlichen Ansichten austauschen zu wollen wünsche ich mir für alle notwendigen Auseinandersetzungen und Entscheidungen in unserer Gesellschaft.
“Neid und Selbstsucht führen zu Krieg und Streitigkeiten” schreibt Jakobus, der Bruder Jesu an seine Gemeinde im Jerusalem . Er stellt dagegen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Nur dies bewirkt nachhaltig Frieden in der Gesellschaft.
Welche Erfahrungen in der jeweils anderen Kultur würden Baumbesetzer, RWE-Manager, Polizeiverantwortliche und Minister machen, wenn sie sich wirklich aufeinander einlassen würden?
Sie würden danach die Welt anders anschauen.              GS 25. Sept. 2018

Ermutigung zum
Aushalten

Wenn die Ungerechtigkeiten der Welt
dir keine Ruhe lassen,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich voller Tatendrang
an die Seite der Armen zu stellen.

Wenn du zwar kleine Hoffnungszeichen erkennst,
aber das Leid in der Welt noch immer so groß ist,
dann wünsche ich dir den Mut,
diese Spannung auszuhalten.

Wenn du ungeduldig wirst
und verzweifelst,
wenn sich trotz aller Mühen
zu wenig bewegen lässt,
dann wunsche ich dir den Mut,
voll Gottvertrauen und Hingabe weiterzumachen.

Angela Lohhausen, Misereor-Fastenaktion 2012

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