Still connected – Gib Frieden!

Seit einer Woche arbeite ich im Homeoffice, da ich zur sogenannten Risikogruppe gehöre. Zum ersten Mal in 40 Jahren Berufsleben, wenn ich einzelne Ausnahmetage nicht rechne.
Erst fehlte mir nichts, nur die Verführung mal einen Extrakaffee zu kochen oder einen Gang durch den Garten zu machen hatten schon was von Procrastination. Der Blick über den Laptoprand auf das eher unbelebte Wohnumfeld draußen und die Bemühungen der Nachbarn mit Balkon- und Terassengestaltungen den Spiel- sprich Wohnraum zu vergrößern, verstärken das Gefühl von eingesperrt sein.
Social distancing ist spürbar und auch die tägliche Facetime mit den Kindern und Enkeln ersetzt den physischen Kontakt nicht. Im Gegenteil ich vermisse jetzt schon die wirklichen Begegnungen.
Still connected sollte eigentlich Christen alltagtägliche Spiritualität sein: Gebet verbindet die Betenden und mit Gott. So ist der Aufruf von Papst Franziskus für Mittwoch 12 Uhr weltweit das Vater unser zu beten ein Aufruf, das alle Christen sich im Gebet für die Welt vereinen. Ähnliche Initiativen finden sich in diesen Krisenzeiten in allen Religionen und Weltanschauungen.
Die Pandemie lässt uns trotz physischer Trennung geistlich zusammenrücken. Diese Nähe ist uns (noch) ungewohnt, aber sie kann mir zur lieben Gewohnheit werden das Gebet für die Welt wieder neu zu entdecken. Ausdruck der Achtsamkeit für die Menschen aller Nationen.
Hermann van Veen hat dies mal vor einigen Jahren in seinem Lied Kyrie eleison ausgedrückt (leider nur in der niederländischen Fassung verfügbar).
Herr, erbarme Dich unser aller in der einen Welt
GS 24. März 2020

Für den Bäcker, der den Ofen nicht mehr anmacht
für die Bauern, deren Pflüge stehn
für den Maurer, der die Kelle hinlegt
für die Hirten, die nicht mehr weitergehn
Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten
für den Priester, der sein Gebet vergisst
für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte
und für den Richter, dem nicht zu helfen ist
Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,
für den Opa, der schon vergessen ist
für die Ängste und schlaflosen Nächte
für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen
für die Liebste, die für immer geht
für all das sinnlose Leid hier auf Erden
für unsre Seele, die zum Teufel geht
Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder
soviel Unschuld und Leben zerstört
für die politischen Herrscher
durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte
für unsre Lügen und unsren schlechten Stil
für das Paradies, das wir verloren
für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten
für Präsidenten und Inspekteure
für Adjudanten und Kommandanten
für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten
und Händler mit großem Gewinn
durch Hormone, Drogen und Waffen
für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen
und für die Bauern in unsrer Näh’
für’s Zigeunervolk an den Strassen
für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker
für den Schmied und für den Zimmermann
für das Kerlchen hinterm Schalter
für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes
für den Schatz von dem toten Soldat
für das Mädchen, das keinen abkriegt
für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen
für diejenigen, die ich hier vergaß
ohne Frieden kann keiner leben
ob reicher Knacker oder armes Aas

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