Selbstverzwergt statt relevant

Wenn man in Krisenzeiten und zur Zukunft Befragungen durchführt, wie die Befragten die Wirksamkeit ihres Handelns durch Änderung und Wandel einschätzen, so trauen die wenigsten dieser Wirkung. Es müsste die Politik, die Wirtschaft, die Industrie … : den gesetzlichen Rahmen vorgeben, nachhaltiger denken, effektiver produzieren, …
Stattdessen Jammern und Meckern über die Welt und vor allem die anderen.
Und in der derzeitigen Kirchenkrise? Wo sinkende Relevanz an Kirchenaustritten festgemacht wird und im Hintergrund die Angst um die Kirchensteuereinahmen zu spüren ist?
Wobei die Frage erlaubt sei, welche Art von Krise dies ist, eine systemische Krise (Maria 2.0 u.ä) oder eine Glaubenskrise (Bischof Oster u.a.)?
Die Kirchen bezeichnen sich als die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden und sich zu ihm Bekennenden. Die Mitgliedschaft liegt begründet in der (Kinder-)Taufe und deren persönliche Bestätigung (= firmare) in der Firmung (oder Konfirmation).
So verstanden ist die konstatierte Kirchenkrise eine Gemeinschaftskrise, in der wir uns fragen müssen, wie wir diese Gemeinschaft leben, wo sie glaubwürdig erfahren werden kann und wodurch sie sich auszeichnet.
Die Kirchenaustritte „zeigen, dass Kirche offensichtlich nicht mehr überall präsent ist, dass wir viele Menschen nicht mehr erreichen und dass wir intensiv arbeiten müssen, wenn wir dem Anspruch gerecht werden wollen, die Freude der Botschaft Jesu für die Menschen sichtbar werden zu lassen“ und „Die Kirche muss bereit für Veränderungen sein. … Sie muss sich zukunftsfähig aufstellen, als eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, ihr Vertrauen genießt und ihnen zur Seite steht.“ (Generalvikar Andreas Frick)
An den eigenen Ansprüchen gescheitert?
Der Auftrag Jesu an seine Nachfolgerinnen:
In die Welt gehen, die Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen verkünden und SEINE neue Ordnung der Gerechtigkeit und des Friedens. Ohne volle Taschen dieses Reich zu leben durch Zuwendung zu den Armen und Hilfsbedürftigen und dies vor aller Welt zu bezeugen.(Mt 10, 5-15)
Die Motivation der Jüngerinnen und Jünger auf Befragung: dass sie gar nicht anders können als überall zu erzählen, was sie von diesem Gottesreich und der befreienden Botschaft Jesu gesehen, gehört und verstanden haben.(Apg 4, 13-22)
Die Kern Kompetenz der Jüngerinnen ist Zeugnis geben und Zuwendung – Verkündigung und Dienst. Nicht unabhängig voneinander, sondern auf einander bezogen. Gemeinsam essen, erinnern und feiern in herrschaftsfreier Gemeinschaft, in Anerkennung der unterschiedlichen Begabungen und einander in Solidarität verbunden.
Hohe Ansprüche an ein Christ- und Kirche-Sein!
Und wir, die wir noch in dieser Kirche leben und mitarbeiten, motiviert uns das immer noch und leben wir das?
Oder neigen wir zur Selbstverzwergung und trauen unserer Motivation und unserer Glaubwürdigkeit nichts mehr zu, weil Kirche nicht mehr relevant ist für die Welt?
Wenn wir von uns selbst überzeugt wären hätten wir auch unserer Gesellschaft etwas zu bieten:
„Eine wichtige Aufgabe wäre es, den Glauben als etwas anzubieten, das “mehr als notwendig” (E. Jüngel) ist – also bereichernd werden möchte, auch wenn ihn offensichtlich immer weniger Menschen “brauchen” (Jan Loffeld, Utrecht).
Angesichts der menschenverachtenden, rassistischen nationalsozialistischen Bewegung und ihrer quasireligiösen Ideologie vom Herren-Menschen entstand in der ökumenischen Jugendbewegung ein Lied, das bis heute in den Volkskirchen gesungen wird und im Kern auf einen Text aus dem 18ten Jahrhundert beruht: Sonne der Gerechtigkeit
Ein Weckruf zu einem überzeugenden Christsein in einer Kirche, die relevant für diese Welt ist:
Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf in unsrer Zeit, brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie deine Stimme hört, sich zu deinem Wort bekehrt.
GS 1. Juli 2020

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