… mein Schatz! …

Der einer erklärten Demokratie unwürdige, volksverhetzende und nationspaltende Nach-Wahl-Kampf in der entzweiten Bevölkerung Amerikas, initiiert und angeheizt durch den notorischen Lügen-Präsidenten erinnert mich in seiner Gier und Verzweiflung an Golum im grandiosen und entsprechend verfilmten Meisterwerk von J.R. Tolkien “Herr der Ringe“.
Der „Schatz“ verleiht fast absolute Macht über alle Mächte, hält aber auch seinen vermeintlichen Besitzer oder besser Träger in Abhängigkeit. Die Macht macht süchtig und zerstört den Willen ihres Trägers. Aus der Würde des Amtes, wird die Bürde der Macht.
Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.
Golum ist dabei ein eher zeterndes, nörgelndes, narzisstisches Wesen, dessen einziger Lebensinhalt er selbst und der Schatz, der Ring, die Macht zu sein scheint. Keine Verantwortung, keine Empathie. A-sozial und SCHATZ der einzige (Selbst-) Gesprächspartner.
Biblisch würde man diesen Zustand als Sünde bezeichnen, als bewusstes absondern von der menschlichen Gemeinschaft und der Liebe Gottes.
Golum-Trump sieht sich als Opfer, dem man den Sieg, die Macht gestohlen hat und je größer die Ohn-macht, desto wütender der Kampf um sie – mit allen Mitteln und hassverzehrter Grimasse. Er merkt nicht, dass er schon längst ein Gefangener der dunklen Seite der Macht ist.
Die Weltenrettung kommt von den Kleinen, den Naiven, den nicht Berechnenden, die an die Werte der Wahrheit, Freundschaft und Liebe glauben. Die Rettung kommt -wie die Seligpreisungen der Bergpredigt sie nennt- von den Armen im Geiste. Sie opfern sich für die Gemeinschaft, für den Frieden, für die Ideale der Gerechtigkeit und Liebe, für die neue Weltordnung Gottes, wie die Bergpredigt sagen würde.
Die Weltenretter-Gefährtinnen sind eine bunte Vielfalt, unterschiedlicher Weltbewohnerinnen, mühsam zusammengehalten vom gemeinsamen Willen die dunkle Seite der Macht zu brechen und den Ring der Macht zu ent-machten, im Feuer zu schmelzen.
Mit der Vernichtung des Ringes der Macht kehrt erst einmal wieder Ruhe ein. Mordor, sein dunkler Herrscher und seine Kreaturen sind besiegt und verschwinden aus der Wahrnehmung.
Im wirklichen Nach-Wahl-Amerika kämpft der narzisstische Ringträger weiter, erlebend, dass sein Machtsystem immer mehr zerbröckelt, bis auch er aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. – Solang bis seine Hass und Lügen-Tweets wieder Anhänger*innen finden, die ihm wieder Macht über sich geben und den Trumpismus wieder aufleben lassen.
Die derzeitige Frage in diesem abgründigen Kampf: Wird er in seinem verzweifelten Kampf um den Machterhalt blutige Zerstörung anrichten und wen wird er mit in den Abgrund reißen?
Wie auch immer, die Versuchung der Macht begleitet die menschliche Geschichte, auch wenn die dunkle Seite dieser Macht erstmal unter großen Opfern besiegt scheint.

Im Lukas-Evangelium beschreibt Jesus die erfahrbare Wirklichkeit:
In dieser Welt (die unter dem Einfluss des Bösen steht) unterdrücken die Herrscher ihre Völker, und rücksichtslose Machthaber lassen sich als Wohltäter feiern. (Lk 22,25)
Aber im Johannes-Evangelium verweist er auf die Konsequenzen dieses „Regierungsstils“, wenn die mit dem Leben der Botschaft Jesu beginnende neue Weltordnung Gottes sich durchsetzt: Für den Teil der Welt, die unter dem Einfluss des Bösen steht, ist die Zeit des Gerichts gekommen, in der der Herrscher dieser Welt vertrieben wird. (Joh 12, 31)
Die Hoffnung ruht nun auf dem president elected und darauf, dass Amerika sich wirklich als „GODs own country” erweisen wird.
Deutschland gedenkt jedes Jahr am 9. November der Umbrüche der deutschen Geschichte: Ende des Kaiserreichs, Reichsprogromnacht und den Fall der Mauer. Momente von Aufstieg, Opfern und Fall ungerechter und menschenverachtender Herrschaft.
GS 9. Nov 2020

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