LmbF – Leben mit beschränkter Freiheit

Die Kritik einiger Politiker*innen richtet sich derzeit, 3 Wochen nach dem Lock down, gegen diese und weitere Gesetze und Verordnungen, die die Grundrechte der Bürger*innen zeitweise einschränken und teils auch aussetzen, wie die Versammlungsfreiheit. Diese eher liberalen Politiker*innen bekommen u.a. Unterstützung von ultrakonservativen Christen, die dadurch insbesondere vor dem anstehenden Osterfest, die freie Ausübung der Religion beschnitten sehen.
Sozialverbände und -politiker fürchten und beobachten einen Anstieg der häuslichen Gewalt und bei manchen Jugendlichen, wie Erwachsenen macht sich der Hüttenkoller breit.
Leben und Freiheit werden in Frage gestellt.
Diese eigentlich versammlungsintensive Woche vor Ostern, die uns ja mit allen Facetten des Lebens konfrontiert wie Begeisterung, Liebe, Hoffnung, … – Verrat, Leid, Einsamkeit, Tod, Trauer …;
diese Karwoche hat ihren Höhepunkt in der Feier eben dieses, unseres Lebens im Osterfest.
Die vorübergehende Einschränkung unserer Freiheit macht mir wieder neu bewusst, wie gefährdet mein Leben und meine Freiheit sind. Dieses Virus ist lebens-gefährdend und verstärkt diese Gefahr noch für die Menschen, die ohnehin schon unter Not, Hunger, Krankheit und Krieg leiden.
Der deutsch-israelische Dichter und Journalist Schalom Ben Chorin hat ein Gedicht 1942 in der Emigration und angesichts großer Hoffnungslosigkeit und Leid geschrieben und es das Zeichen überschrieben:
“… Ein bisschen meschugge, ein bisschen verrückt ist das ja: ein zarter Blütenzweig als Protest gegen den Druck von Hoffnungslosigkeit.” So sagte Schalom Ben Chorin später dieses Gedicht (Dank an Burkhard Hose für seinen Post dazu)
Diese Zeiten sind meschugge und so will ich in all dem Schlamassel (jiddisch = Unglück) dieser Tage mich dennoch auf Ostern freuen und das Leben feiern!
GS 7. April 2020

Das Zeichen

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht in Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
so viel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering
in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
das bleibt mir ein Fingerzeig
für des Lebens Sieg.

(Schalom Ben Chorin, 1942)

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