Lieber SchwarzMalen als SchönReden

In der vergangenen Woche hoffte ich noch, dass die klaren, sonnigen Wintertage den Novemberblues vertreiben würden, der mich mal wieder “voll im Griff” hat.
Aber nicht nur die Regentage, sondern die Nachrichten dieser Tage trüben die Stimmung um so nachhaltiger: Die zu langfristigen Empfehlungen der Kohlekommission, die akute Umweltkatastrophe in Brasilien, die fortschreitende “Plastifizierung” der Weltmeere und der fast schon verzweifelte Kampf dagegen (u.a. mit dem HoffnungsProjekt “Ocean Cleanup”, das möglicherweise auch nach wenigen Wochen schon gescheitert ist) … .
Hoffnungszeichen für mich sind dagegen die Schüler- und Studentenstreiks FRIDAYS for FUTURE in einigen europäischen Städten, die das Potential haben zu einer weltweiten Bewegung zu werden.
Sie malen die Zukunft, ihre Zukunft in düsteren Farben. Gegen das Schönreden der Politiker und Manager, die nur das eigene Versagen kaschieren. Und auch ich als Vater und Großvater muss mich fragen lassen, wo meine Mitschuld liegt durch unverantwortbaren Konsum und fehlendem Bewusstsein für die Folgen dazu beigetragen zu haben.
Die SchülerInnen und StudentInnen der Bewegung schaffen es mit Greta Thunberg, dem Gesicht der Schülerstreiks, sich Gehör zu verschaffen vor der UNO und dem Weltwirtschaftsforum in Davos: … „Ich will nicht eure Hoffnung, ich will, dass ihr in Panik geratet“ …
Umso absurder sind die Reaktionen darauf, insbesondere auf Twitter: “Dutzende erwachsene Männer halten es für angebracht, Thunberg und ihre Eltern persönlich anzugreifen und öffentlich zu diskreditieren. … Diese Tweets wurden jeweils von mehreren Tausend Menschen gelikt und retweetet. … Und so steht da tausendfache Diskriminierung gegen eine Jugendliche im Netz, frei zugänglich für alle. … Dies offenbart einige tief sitzende Charakterschwächen in der (männlichen) Gesellschaft. Sie betreiben freimütig Altersdiskriminierung, Thunberg ist 16; Sexismus, Thunberg ist ein Mädchen; Ableismus, Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Sie führen diese Dinge an, um Thunberg als Person und Individuum abzuwerten und wollen verhindern, dass ihre Argumente ein Gehör finden”. (Till Eckert, 28. Jan 2019 in ze.tt)
Es ist an der Zeit, das auch wir als Erwachsene und Eltern endlich Verantwortung für unser verantwortungsloses Handeln und Konsumieren übernehmen, unsere Kinder in ihrer berechtigten Protesthaltung unterstützen, sie vor solch charakterlosen, diskreditierenden Anwürfen schützen und alles uns mögliche tun, um diese auch durch uns bedrohte Welt zu retten. Das hat oberste Priorität unseres Handelns und wir müssen endlich aufhören uns ebenfalls als Opfer zu inszenieren und abzuwarten, dass “Die” erstmal anfangen mit Umdenken, Selbstbeschränkung, Verzicht, …
GS 29. Jan 2019

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.

Konstantin Wecker

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