Lass es doch, da kann man ohnehin nichts machen

Ich kenne sie, die innere Unruhe, das Gefühl etwas tun zu müssen gegen die Gleichgültigkeit und Perspektivlosigkeit in der Welt, in unserer Gesellschaft, in meiner Kirche. Ich kenne sie, die Ignoranz meiner Mitmenschen, wenn ich mich engagiere für etwas, dass mir wichtig ist, für die Welt, für die Gesellschaft, für meine Kirche. Ich kenne sie, die innere Zerrissenheit: Wofür machst Du das? Für die Welt, für die Gesellschaft – oder für Dich? Und ich kenne sie, die wohlmeinenden, aber mich immer wieder demotivierenden Kommentare: „Reg‘ Dich doch nicht auf, es bringt doch eh nix“ oder „Lass es doch, da kann man ohnehin nichts machen“

Diese Welt, diese Gesellschaft und auch diese Kirche braucht meine, unsere Ideen und Visionen; sie braucht mein und unser Engagement und konsequentes Handeln. Aber dieses Unser, dieses Wir ist das, was so schwer zu erreichen ist, weil wir uns gegenseitig die Kompetenz, oder den Willen oder die Fähigkeit absprechen. Wir verzwergen uns oder ziehen uns zurück auf unsere kleine Komfortzone, auf der wir uns eingerichtet haben und auf der wir uns auskennen. Wir kümmern uns um das uns naheliegende, uns machbar erscheinende und verdrängen unsere Visionen. Vielleicht jammern wir sogar, dass die Welt so schlecht ist.

Und doch gibt es sie immer wieder, die Visionäre, die Propheten, die Kämpfer für eine bessere Welt, für eine gerechtere Gesellschaft, für eine lebendige Kirche.

Martin Luther King, dessen Gedenktag am 15.Januar ist, war so einer. Er konnte von seiner Vision einer besseren Welt für alle nicht lassen. Dafür nahm er alle Anfeindungen in Kauf und wurde schließlich 1968 im Alter von 39 Jahren ermordet.

Er und andere Visionäre, wie Mahatma Gandhi, Dietrich Bonhoeffer, Nelson Mandela, … und auch Papst Franziskus –  allesamt Visionäre, wollen diese Welt gewaltfrei zu einem besseren, lebenswerten und friedlichen Ort für alle Menschen machen. Sie motivieren mich, sind Vorbild – aber ihr Schicksal möchte ich nicht teilen.

GS 16. Jan 2018

Die Netzkirche DA_ZWISCHEN schreibt über Propheten wie Martin Luther King:

„Ein Prophet verkündet Gott, indem er mit seinem selbstlosen Handeln für die Rechte Unterdrückter – mit deinem politischen Handeln – seinem Glauben im Handeln ein Gesicht gibt. Gott ist im Reden des Propheten gegenwärtig, weil die Reden Hoffnungsreden sind. Als solche sind sie „über-zeitlich“. Sie sind universell. Sie machen Gott präsent, indem sie dem Himmelreich jetzt schon klare Kontur geben. Sie lassen den Himmel auf die Erde hin durchlässig werden.

Gott ist der, der außerhalb aller Zeit in die konkrete Zeit hineinwirkt. Er ist deren Schöpfer und Erhalter. Er ist Urgrund der Hoffnung auf eine Welt, die für alle Menschen lebenswert ist. Das meint seine Liebe. Der Prophet ist in seinem Tun Zeichen Seiner Liebe. Er bringt sie ins Wort.

Ob du Zukunft herbeisagen kannst?
Ob du Missstände anprangern und Hoffnung für Unterdrückte schüren kannst?
Ob du Gott verkünden kannst durch dein Tun?
Kurz: Ob du Gottes Liebe ins Wort bringen kannst?
Aber sicher doch!

Es muss kein Handeln von historischem Ausmaß sein, wie das des Martin Luther King. Es geht mehr um die Frage: Willst du werden, was du sein kannst? Willst du Prophet sein? 
Du kannst ruhig einfach Ja sagen. Ein deutlicheres, kleineres, schlichteres und zugleich größeres Wort für Liebe gibt es nicht. Trau dich ruhig.
Weil du es kannst, wenn du willst.
Das ist nicht dein Verdienst.
So hat Er dich geschaffen.“

netzgemeinde-dazwischen.de

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