Ich will mich nicht gewöhnen

Der Mensch sei ein Gewohnheitstier sagt man.
Wir haben unsere Gewohnheiten und Routinen mit und aus denen wir unser Leben gestalten. Es steckt ja auch das Wort “Wohnen” darin. Das gibt Sicherheit! Aber es legt auch fest, engt ein. Und lässt abstumpfen!
Manche Nachricht, die nicht in das “Gewohnte” passt, wird ausgefiltert als “ungewohnt”, berührt mich erst gar nicht, weil sie so außerhalb meiner Wahrnehmung bleibt oder weil ich mich eben schon daran gewöhnt habe … an die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer, an die Verteilungsungerechtigkeit in unserer Gesellschaft und weltweit, an immer mehr Hass und Gewalt, …
Aber ich will mich nicht an all das und noch viel mehr gewöhnen!
Deshalb trifft der Kabarettist Matthias Sieber mich mit seinem Aufschrei

– ähnlich wie Wolf Biermann mit seinem Gedicht ERMUTIGUNG von 1968:

Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.

Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
– sitzt du erst hinter Gittern –
doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.

Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.

Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid

GS 8. November 2016

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