Ich kann es nicht mehr hören und es macht mich sprachlos,…

wenn in diesen Tagen über Gewalttaten einzelner Flüchtlinge berichtet wird und wie begeistert dies von AfD und anderen rechtsradikalen Gruppen zum Anlass für Kundgebungen und Aufmärsche gemacht werden, die als Solidaritätskundgebungen und Trauermärsche etikettiert werden. Damit werden die Gefühle der Opfer und ihrer Familien missbraucht und das Volk verhetzt.
Dabei müssen wir im Gegenteil genau hinhören, was sich da -nicht nur im Osten der Republik- vollzieht: Die Destabilisierung, ja der offene Kampf gegen unsere freiheitliche Demokratie und seine Verfassung.
Und ich bekomme den Mund nicht auf, finde nicht die richtigen Worte des Widerspruchs!
Hinhören und richtiges Reden sind aber für unsere Gesellschaft existentiell wichtig. Wir leben von der offenen Kommunikation, von der freien Meinungsbildung und vom Austausch miteinander. Das ist die Basis unserer Demokratie.
Das Evangelium des vergangenen Sonntags (MK 7, 31-37) erzählt von der Begegnung Jesu mit einem Taubstummen: Er berührt ihn, spricht ihn an: “Öffne Dich!” und der Taubstumme kann hören und richtig sprechen.
Ich wünsche mir -auch wenn ich es nicht mehr hören kann und es mir die Sprache verschlägt, was Menschen anderen Menschen und unserer Gesellschaft antun- , dass ich mich gerade jetzt vom Schicksal der Menschen und von der gesellschaftlichen Krise berühren lasse und wieder die richtigen Worte finde, meinen Protest laut gegen das Unrecht zu setzen.

GS 11. Sept. 2018

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