Gesellschaftlicher Klimawandel

Es gärt und manchmal explodiert es. Dann ist es mehr als Dampf ablassen. Es ist Gift spritzen.
Populisten und Demagogen von Links und Rechts missbrauchen unsere auf Meinungsfreiheit und Respekt aufgebaute gesellschaftliche Grundordnung.
In diesen Tagen gedenken wir der großen Demonstrationen in der DDR vor dem Mauerfall. Der Druck der Straße sollte dem unterdrückerischen, diktatorischen System ein Ende bereiten und Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Demokratie, wirkliche Selbstbestimmung des Volkes bringen.
Die Wiedervereinigung gelang, aber forderte Opfer. Und 30 Jahre danach fühlen sich immer noch viele als Solche.
Das gesellschaftliche Klima wird rauher. Respektlosigkeit, Hate Speech, verbale Gewalt, Aggression bis hin zu körperlicher und lebensbedrohender Gewalt.
Die populistischen Hetzer stellen sich dar in der Tradition der “Wir sind das Volk” Bewegung der End 80er, ihre Sprache aber ist die der völkischen Bewegung der 30er Jahre – vor dem was folgt habe ich Angst. Angst davor, dass unsere Demokratie, unsere humanitären/ christlichen Werte nicht mehr common sense sind, sondern unsere Gesellschaft polarisiert und letztlich gespalten wird, dass Freiheit wieder in Diktatur und Unterdrückung umschlägt.
1993, also zu einer Zeit als der kalte Krieg beendet war, versuchte ein Weltparlament der Religionen unter dem Dach der Vereinten Nationen für die Menschenrechtserklärung von 1948 eine ethische Grundlage zu formulieren, denn
„Diese eine Welt braucht ein Ethos; diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“ – Hans Küng, Das Projekt Weltethos
Die vertretenen 125 Religionen und religiösen Traditionen fanden diese Grundlage in der GOLDENEN REGEL, die in ähnlichen Formulierungen zum Grundbestand der Weltreligionen gehören. So im Christentum “Alles was Ihr wollt, dass Euch die Menschen tun, das tut auch Ihr Ihnen ebenso.” – Neues Testament, Matthäus 7,12
Von daher verpflichteten sich die Religionen auf vier Grundsätze:
Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben,
Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung,
Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit,
Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.
Unsere polarisierte Gesellschaft braucht heute, 25 Jahre später, diese Selbstverpflichtungen als Common Sense, um Polarisierungen und Spaltungen zu überwinden und so die vielbeschworene europäische Wertegemeinschaft leben zu können für und in einem vereinten Europa, in einer freien Welt.

GS 5. Nov 2019

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