GeistSinn

Zeichen werden gesetzt in diesen Tagen vor dem christlichen Pfingstfest. Zeichen für Liebe und Versöhnungswillen: durch Segnungsfeiern für Liebende, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesetzlichen Status, durch die Teilnahme leitender Kirchenvertreter*innen an der Mahlfeier/ Eucharistie der jeweils anderen Konfession beim Ökumenischen Kirchentag, durch die Wahl einer 25 Jährigen Philosophie-Studentin zur Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, …

Während die Wahl der Regensburger Studentin Anna-Nicole Heinrich vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz als „Mut machendes Zeichen“ gewertet wird, werden Interkommunion und Segnungsfeiern als entgegen der katholischen Lehre, Gehorsam verweigernd und spaltend abgekanzelt.

Als Zeichen sind diese kirchlichen Handlungen provokant, weil sie zentrale Inhalte des christlichen Glaubens praktizieren und so die Glaubenden herausfordern sich zu Liebe und Treue, zu ökumenischem Versöhnungswillen und zu demokratischer Beteiligung an der Kirchenleitung zu stellen.

Was von den Hütern der Tradition als spaltend bezeichnet wird, kann auch als erneuerndes Wirken des heiligen Geistes in den Kirchen gesehen werden.

Die Apostelgeschichte beschreibt die Geistsendung als bewegendes, ja elementares Ereignis: Stürmisches Rauschen im Saal, in dem 120 Männer und Frauen (Apg 1,15) versammelt waren, die gerade Matthias per Gebet und Losentscheid als apostolischen Rat eingesetzt hatten (Apg 1, 24-26). Dazu das Feuer der Begeisterung und eine Sprache, die alle verstanden (Apg 2, 2-4)! Sie wissen sich von Gott berufen und begeistert: „Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich in jenen Tagen meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden.“ (Apg 2,18) Und in ihrem begeisterten und begeisternden Erzählen der befreienden Botschaft Jesu vom Gottesreich der Liebe, Versöhnung und des Friedens für alle Menschen sind sie nicht zu bremsen, erst recht nicht von den Glaubenswächtern: „Ist es vor Gott recht, euch mehr zu gehorchen als Gott? Wir können unmöglich schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben!“ (Apg 4, 19f)

Kirchenleitungen und Glaubenshüter sollten sich an diese bewegenden Anfänge des Christentums erinnern und die Zeichen des Geisteswirkens und des Aufbruchs, des immer wieder die Kirchen erneuernden Pfingsten, anerkennen und fördern, damit der Geist der Erneuerung wirken kann.

GS 18. Mai 2021

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