Geistestrunken

Ein begeisterndes Erlebnis, wie es die Apostelgeschichte erzählt, habe ich an Pfingsten nicht erlebt. Der Feierabend+ Gottesdienst zum Thema GeistMachtSinn hat mir den biblischen Ruach (hebräisch für Geist) näher gebracht und zum Nachdenken angeregt, wo ich in meinem Leben diese Ruach erfahre.

Dann am Pfingstsonntag die Nachricht, dass eine Düsseldorfer Gemeinde Kardinal Woelki als Firmbischof auslädt. Das Sakrament der Firmung könne nur jemand vollziehen, “der als Christ in seinem Amt und in seinem Handeln glaubwürdig ist. Sie sind das leider für uns nicht mehr!” Sie lehnen nicht den Geist der Firmung ab, sondern den, der diesen vermitteln und zusagen soll aufgrund des Glaubensbekenntnisses der Gemeinde. firmare ‚festmachen, kräftigen, bestätigen, beglaubigen

Ganz anders, eben begeistert, werden die Jünger Jesu an Pfingsten von den Bürgern und Gästen in der Stadt Jerusalem erlebt:

„Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.“ Apg 2,4

Und sie verkünden die Gottesbotschaft in einer Sprache, die jeder versteht.

Soviel Begeisterung, Verständigung, Hierarchielosigkeit und Klarheit ist verdächtig: »Die sind nur betrunken, das ist alles.« Apg 2,13

Wir Kirchenmenschen, die sich gerne als Jünger Jesu bezeichnen, hocken in unseren leeren Kirchen, kreisen um unsere hausgemachten Probleme, versuchen immer noch eine heilige Ordnung -Hierarchie- als Gott gewollt zu verteidigen, zelebrieren eine leblose Liturgie, die niemanden vom Hocker reißt und predigen in einer verschwurbelten Sprache am Leben und an den Fragen der Menschen vorbei …

Das wäre mal ein Pfingstereignis, wenn wir alle mit so viel Begeisterung das Evangelium verkünden und leben würden, glaubwürdig im Handeln, in der Sprache unserer Zeit, die jede und jeder verstehen kann, selbst wenn unsere Begeisterung wie Geistestrunken überkommt! Aufmerksamkeit und Relevanz hätten wir damit allemal erreicht.

Aber dazu müssten wir offen sein für ruach, die Zeichen der Zeit erkennen und die befreiende Botschaft nach draußen in die Welt bringen, in verständlicher Sprache und glaubwürdigem Handeln.

GS 26. Mai 2021

Komm Ruach komm!

ruach, komm auf unsere Zungen
löse Furcht und banges Schweigen
gib uns Mut zum Unmut ein
niemals mehr
wollen wir sprachlos sein

ruach, komm ins unsere Augen
löse Film und blindes Glauben
gib uns Mut zum Sehen ein
niemals mehr
wollen wir lichtlos sein

ruach, treibe unseren Willen
wecke Zorn und schenke Atem
gib uns Mut zum Werden ein
niemals mehr
wollen wir harmlos sein

ruach, küsse unsere Hände
stärke Kraft und Zärtlichkeiten
gib uns Mut zum Handeln ein
niemals mehr
wollen wir machtlos sein

ruach, heile allen Mangel
eine Körper, Geist und Seele
gib uns Mut zur Freundschaft ein
niemals mehr
wollen wir gottlos sein

(Christa Peikert-Flaspöhler)

Quelle: https://feministische-theologinnen.ch/komm-ruach-komm/

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