„Frohe Ostern!“ – Zu früh gefreut

Schon seit einiger Zeit wird mir in der Werbung und in den Medien schon „Frohe Ostern“ gewünscht und seit 2 Wochen vorausschauend auch im eMail-Verkehr. Vielleicht hat das ja mit der Kommerzialisierung des Osterfestes zu tun. Wie auch immer, ich bin noch nicht bereit für Ostern.

Ostern feiern die Christen das Fest der Auferstehung Jesu als Fest des Lebens. Vor seiner Auferstehung ist Jesus aber von seinen Freunden verraten worden, er wurde gefoltert und ist schließlich den Tod eines Verbrechers am Kreuz gestorben.

Wenn ich jetzt schon „Frohe Ostern“ wünsche, übergehe ich Leid und Schmerz auch in diesen, unseren Tagen, denn wir glauben als Christen, dass Jesus das alles für uns ertragen und erlitten hat.

Deshalb möchte ich in diesen Tagen vor Ostern diesem Leid in der Welt nicht entziehen, sondern es wahrnehmen und auch unter meiner Hilflosigkeit leiden. Umso froher kann ich dann Ostern mich am Leben erfreuen          GS 12. April 2017

Kyrie Eleison

Für den Lehrer ohne Chance, zu unterrichten
für den Priester, der sein Gebet vergisst
für den Doktor, der viel könnte, wenn er dürfte
und für den Richter, dem nicht zu helfen ist
Kyrie Eleison

Für die Großmutter in der Abstellkammer,
für den Opa, der schon vergessen ist
für die Ängste und schlaflosen Nächte
für den Kummer, der nicht zu ermessen ist

Für die Lover, die nicht mehr singen
für die Liebste, die für immer geht
für all das sinnlose Leid hier auf Erden
für unsre Seele, die zum Teufel geht
Kyrie Eleison

Für die in Kellern gefangenen Kinder
soviel Unschuld und Leben zerstört
für die politischen Herrscher
durch Geld und Macht entehrt

für unsere bissigen, beißenden Worte
für unsre Lügen und unsren schlechten Stil
für das Paradies, das wir verloren
für unser lebenslängliches Exil

Für Knastwärter und Advokaten
für Präsidenten und Inspekteure
für Adjudanten und Kommandanten
für Kommissare und Kontrolleure

Für Fabrikanten und für Kommerzgiganten
und Händler mit großem Gewinn
durch Hormone, Drogen und Waffen
für all das Böse zwischendrin

Auch für die Fischer und für Matrosen
und für die Bauern in unsrer Näh’
für’s Zigeunervolk an den Strassen
für den Fahrer vom LKW

Für den Nachbarn und den Mechaniker
für den Schmied und für den Zimmermann
für das Kerlchen hinterm Schalter
für den Sänger, für den Orgelman

Für die Mutter des gelähmten Kindes
für den Schatz von dem toten Soldat
für das Mädchen, das keinen abkriegt
für all den Schmerz, den ihr niemals saht

Für wen soll ich hier jetzt noch singen
für diejenigen, die ich hier vergaß
ohne Frieden kann keiner leben
ob reicher Knacker oder armes Aas

Hermann van Veen

https://www.youtube.com/watch?v=aIzuxzZTjkQ

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