Existenzrelevant?

Seit dem ersten Lock down vor einem Jahr im März 2020 beschwerten sich insbesondere katholische Kirchenleitungen, dass Gottesdienste nicht als systemrelevant eingestuft wurden, unter das Versammlungsverbot fielen und daher für längere Zeit nicht mehr stattfinden konnten und danach nur unter erheblichen Einschränkungen.
So kommentierte die FAZ am 1. Mai 2020, die Reaktion einiger Bistümer und Landeskirchen nicht nur Gottesdienste in den Kirchen, sondern überhaupt Versammlungen pandemiebedingt auszusetzen: “Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass man sein eigenes Tun auch im existenziellen Sinn für irrelevant hält.” (FAZ.net 1.5.20)
Seitdem arbeiten sich Kirchenleitungen daran ab kirchliche Vollzüge, Angebote und Veranstaltungen als wenn schon nicht systemrelevant, dann doch existenzrelevant zu bezeichnen. So (sicherlich nicht) zuletzt der Paderborner Erzbischof Becker in einem Brief an die Mitarbeiter*innen des Bistums: “Das kirchliche Engagement in Pastoral, Betreuung und Pflege habe sich im Dienst an der Gesellschaft als unverzichtbar und “existenzrelevant” erwiesen. “Unsere Kirche wird gebraucht!”, so Becker. (katholisch.de – 18.2.21)
Relevant für wen?
Für unsere Gesellschaft sind Dienstleistungen in Betreuung und Pflege, wie sie die Kirchen als gemeinnützige Träger anbieten, unbestritten systemrelevant, gerade in dieser Gemeinnützigkeit!
Eine dienende Kirche ist in der Tat existenz-relevant und zwar für sich als Organisation und die in ihr Arbeitenden und von ihr Abhängigen, denn das ist ihr organisationaler Zweck. Oder mit den Worten des ehemaligen Bischofs von Evreux Jacques Gaillot: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“
Ob DIE KIRCHE, wie wir sie erleben relevant für uns, unseren Glauben, unsere seelische Existenz ist hängt von ihrer erlebbaren Praxis ab: Wenn sie sich und ihre Repräsentanten und Mitglieder -und das bin auch ich- als Dienende an der unverdienten Liebe Gottes zu uns Menschen versteht, ja diese bedingungslose Liebe lebt und erfahrbar macht, dann ist sie relevant und die zuwendende Antwort auf Gottes Heilssorge:
HERR, was ist schon der Mensch! Warum schenkst du ihm überhaupt Beachtung? Warum kümmerst du dich um ihn? (Ps 144,3)
Eine Kirche, die um sich selbst kreist und ihre Machtstrukturen konserviert und missbraucht, der setzt Jesus bei seinem letzten gemeinsamen Mahl mit seinen Freunden entgegen: »In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre Völker, und rücksichtslose Machthaber lassen sich als Wohltäter feiern. Aber bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen.<< (Lk 22)
Wenn sich also in dieser Woche die deutschen Bischöfe Gedanken zur Zukunft der Kirche und den synodalen Weg machen, ist der Maßstab für Relevanz gesetzt.
GS 23. Febr 2021

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