Existenzbedrohend

Zwei Themen beschäftigen in diesen Tagen tausende Menschen und mich nochmal besonders:
Die skandalösen Ergebnisse der Studie zum Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche und die anstehende Rodung des mehrere hundert Jahre alten Hambacher Forstes für den Braunkohle-Abbau.
Meine Kirche, in der ich nicht nur Mitglied, sondern auch in vielfacher Weise schon seit Jugend an ehrenamtlich tätig bin und in deren klerikales System, der Hierachie (Heilige Ordnung) ich als Kirchenangestellter und Theologe auch existentiell eingebunden bin, hat seit vielen Jahrzehnten weggesehen, gedeckt und vertuscht, was kirchliche Mitarbeiter*innen und insbesondere Kleriker 3766 Kindern und Jugendlichen (dokumentiert) in den vergangenen 70 Jahren angetan hat und immer noch tut. Täter sind 5,1% der Diozesan-Priester der deutschen katholischen Kirche und wahrscheinlich kenne ich den ein oder anderen.  Missbrauch zerstört die Glaubwürdigkeit der Kirche, die von Auftrag und Anspruch die Liebesbotschaft Gottes verkörpern soll und will, weil Kirchenführer ihre Macht über Abhängige und Unschuldige missbraucht haben.
Ich wohne 5 km vom Tagebau Hambach und 0,5 km vom Tagebau Inden entfernt. Der uralte Hambacher Forst verdeckt nicht nur den ökologischen Abgrund des Hambacher Loches, sondern war und ist ein kaum zu ersetzender CO2 Speicher, der zumindest ein bisschen den klimaschädlichen Ausstoß der Braunkohle- Verbrennung kompensiert.
Was bei diesem Raubbau an der Natur geschieht betrifft existentiell die Zukunft meiner Kinder und Enkel und dieses Planeten. Darüber hinaus schadet es auch unserem politischen System, wenn politische Vereinbarungen wie die Klimaziele durch Interessenpolitik unterwandert werden und die Regierungen in Stadt, Land und Bund sich wirtschaftlichen Interessen mehr verpflichtet fühlen, als einer lebenswerten Zukunft für alle Menschen auf diesem Planeten.

Es stärke dich Gott
das Richtige zu tun
gegen alle Stimmen
von rechts und von links
säuselnd oder drohend

aufzurichten
was zerstoßen ward
von dunklen Mächten
gegen das Lachen
der Spötter

Neues zu wagen
trotz blutender Hände
auszusprechen
was gefährlich ist
und schweigend zu warten
wo die Menge drängt

gegen das Verzagen
das Trotzdem zu setzen
und unbeirrt
das Rechte zu tun
das Er dir zeigt

Wilma Klevinghaus (Jeden Augenblick segnen, Verlag am Eschbach 2005, S.226)

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