Eine persönlich-kirchliche Erklärung

Unter all den Betroffenheits- und “Wir schämen uns”- Bekundungen in den vergangenen Wochen zum tausendfachen Missbrauchsskandals an Kindern und Jugendlichen (allein in Deutschland, die Dunkelziffer ist wesentlich höher) und den in der Folge geweiteten Blick auf den weltkirchlichen Skandal des Amtsmissbrauchs von Klerikern an Abhängigen, wie z.B. #NunsToo über den sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Beichtväter und geistliche Begleiter, werden immer wieder die strukturellen Ursachen dieses Skandals im Begriff des Klerikalismus zwar von der Untersuchungskommission benannt, aber von den Kirchenleitungen ohne konkrete Maßnahmen gefüllt. Kirche und ihre Hierarchie (heilige Ordnung) muss sich ändern, wenn dies die Ursache von Mißbrauch ist – aber wie?
Dafür Sorge zu tragen, dass durch verpflichtende Präventionsschulungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit auf frühes Erkennen sensibilisiert werden und entsprechende Situationen vermieden werden, ist seit einigen Jahren in den meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen und sozialen Einrichtungen Standard.
Sich bei den Opfern zu entschuldigen und diese zu entschädigen ist mehr als selbstverständlich. Es verbietet sich aber dabei von der katholischen Kirche als WIR und UNS zu sprechen, denn die Opfer waren und sind teilweise immer noch Glieder ebendieser Kirche. So wird die Verantwortung kollektiviert, statt personalisiert.
Die glaubhafte Verkündigung des Evangeliums, der Guten Nachricht von der bedingungslosen Liebe Gottes und die entsprechende Lebensgestaltung und Organisationsentwicklung ist Auftrag der Kirche als Gemeinschaft der an Christus Glaubenden. Jeder Einzelne ist dazu aufgefordert und berufen (aus Taufe und Firmung, wie immer wieder betont wird). Kleriker und Bischöfe sind ausgewählt seit der frühen Kirche als Diener an der Gemeinschaft und nicht zur Herrschaft über sie.
Die Wirklichkeit von Kirche, wie wir sie zur Zeit erleben, demotiviert alle Mitarbeitenden haupt-, wie ehrenamtlich. Ich und vielleicht auch wir brauchen neue Motivation für unserem Dienst an einer lebenswerten Welt für alle Menschen aus der Zusage Jesu: “Ich bin gekommen , um ihnen das Leben zu geben, Leben in Überfluss.”(Joh 10,10)
Deshalb schließe ich mich der persönlichen Erklärung meines Kollegen Joachim Braun aus Frankfurt an:
“Ich bin immer noch überzeugt, dass das, was die Kirche hütet und in all den Missbräuchen so schändlich verraten hat, das Evangelium, ein großartiges, inspirierendes und lebenswertes Programm für jeden Menschen guten Willens ist, das es wert ist, dafür zu kämpfen, alles in der Kirche neu auf den Prüfstand zu stellen, inwieweit es dem Geist dieses Evangeliums entspricht.”     GS 2. Okt 2018

Gott
bleib nicht stumm
versteck dich nicht

wenn mir der Boden
unter den Füßen entgleitet
wenn meine Welt
zerbricht
wenn alles über mir
zusammenschlägt.

Überlasse mich nicht
dem Nichts

setz einen neuen
Anfang

schaff meinen Schritten
weiten Raum

führ mich in die Weite
die du bist.

Katja Süß
nach Psalm 18 (Segen für den Weg des Lebens, Verlag am Eschbach 2009, S.56)

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