Earth Cry – ein Ohrwurm

Meine persönliche Chance dieser Corona-Pandemie ist das Arbeiten im Home-Office! Nein nicht als solches, denn die Erfahrung kreativeren und konzentrierteren Arbeitens teile ich mit Vielen in dieser Zeit. Meine Chance ist der riesige Garten hinter meinem Home-Office, über dessen Pflege-Ansprüchlichkeiten ich sonst immer stöhne und denen ich nur widerwillig nachgekommen bin.
In diesen Wochen der ClimEx, den Klimaexerzitien im Alltag, die ökumenisch für Studierende in Aachen angeboten werden, führen mich die täglichen Impulse der Kolleg*innen zu den Elementen ERDE und WASSER und auch meine eigenen Impulsfragen zu LUFT immer wieder in diesen Garten hinein. So wird er neu zum Biotop, zum Lebensort für mich. In diesem Mikrokosmos erlebe ich die Folgen des Klimawandels, diese bedrohte Schöpfung. Hier wird mir täglich bewusst, wie sehr ich darin verstrickt bin.
In diesem Garten werden auch die Erfahrungen der Autoren der biblischen Bücher und ihrer erdnahen Sprache lebendig und ich kann deren Weisheit und was sie über Gott und sein Sorgen für uns Menschen, über unseren Pflegeauftrag an seiner Schöpfung aussagen, besser verstehen.
Wir sind Teil dieser Erde („Da nahm Gott, der HERR, etwas Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.“ – 1.Mose 2,7). Wir haben den göttlichen Auftrag diese Erde, Gottes Garten, seine Schöpfung, in der wir wohnen dürfen, die uns Heimat ist und Lebensgrundlage zu pflegen („Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. – 2.Mose 2,15) Bei diesem Pflegeauftrag haben wir gründlich versagt. Wir haben ihn als Recht zur Ausbeutung verstanden.
Die Erde ist ein belebter Organismus und die menschliche Ausbeutung und die unterlassene Pflege wird immer sicht- und fühlbarer in Dürren, Starkregen und anderen durch den Klimawandel bedingte Naturkatastrophen.
All dies kann ich in meinem Mikrokosmos Garten beobachten: Z.B. an den Bäumen, die jetzt schon die Blätter abwerfen, weil nach drei zu trockenen Sommern in Folge der alte Walnussbaum der bereits vor dem Bau des Hauses dort gepflanzt wurde, nicht mehr genügend Wasser bekommt. Zumal der nahe Tagebau ihm auch noch das Grundwasser wegpumpt. In den vergangenen 100 Jahren haben seine Blätter und sein Stamm ca. 1,5 Tonnen CO2 gebunden. Das Sechsfache verursache ich durch meinen Ressourcenverbrauch pro Jahr.
Wäre die Erde ein Mensch, würde sie ununterbrochen schreien (Paulus sagt das im Römerbrief 8 über die Schöpfung, die auf die Erlösung wartet), denn sie leidet unter unserer hemmungslosen Ausbeutung. Diesem Schrei der Erde hat der Gitarrist Carlos Santana in einem seiner bekanntesten Stücke Europa – Earth Cry, Heaven’s smile von 1976 einen einfühlsamen Ausdruck gegeben. – Harmonisch und aufwühlend, wie unsere Beziehung zur Erde
Earth Cry ist für mich zum Ohrwurm geworden und mahnt mich nicht nur in meinem eigenen Garten, sondern auch im Gemeinsamen Haus, der Mutter Erde (Papst Franziskus, Laudato Si) meinem Pflege-Auftrag nachzukommen.
GS 23. Juni 2020

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