Aufrappeln, Krönchen richten und unbeirrt weiter so

So scheinen die derzeit Regierenden mit der sich in den Wählervoten der vergangenen Landtagswahlen niederschlagenden, allgemeinen Unzufriedenheit und den existenziellen Ängsten umzugehen. Grundbedürfnisse der Wählenden: bezahlbares Wohnen, existenzsichernde Löhne bzw. Grundsicherung, gerechtes und verlässliche Krankenversorgung, Hitze-/Klimakatastrophenschutz, Bildungsgerechtigkeit und -Qualität ….
Unbeirrt die Regierenden: Wir sind auf dem richtigen Weg!
Das Wahlsonntags-Evangelium zeigt dagegen die Vision einer gerechten, solidarischen Gesellschaft auf, die Jesu Botschaft vom kommenden Gottesreich der Gerechtigkeit und Liebe entspricht:
Das Matthäusevangelium erzählt vom gleichen Lohn für Arbeitswillige, ungeachtet der tatsächlich geleisteten Arbeit(szeit). Das Gleichnis verweigert jede Aufrechnung oder vielleicht besser Abwertung individueller Leistungen. Es spricht einfach von der unglaublichen Güte und Gerechtigkeit Gottes, der jedem gibt, was er braucht: den Lohn für einen Tag. Das, was es

braucht, um den nächsten Tag versorgt zu sein.
Der nicaraguanische Befreiungstheologe, Priester/Dichter und postrevolutionäre Kulturminister des Landes Ernesto Cardenal provozierte 1974 mit seiner Vision über Managua:

„Wir wurden nicht geboren Handlanger zu sein, noch Herren, sondern Schwestern und Brüder…Unser Wert liegt nicht in dem, was wir den anderen nehmen, sondern in dem, was wir den anderen geben … Die Morgendämmerung eines neuen Tages, jeder gebe nach seinen Fähigkeiten! Jeder empfange nach seinen Bedürfnissen! Ein System, das alle Bedürfnisse stillt; und die Bedürfnisse bestimmen die Produktion … Ich singe ein Land, das bald geboren wird. Nur der Mensch, der Mensch muss noch kommen. Kommunismus oder Gottes Reich auf Erden, das ist gleich …“
Die Irritationen der Landtagswahlen sollten Politiker_innen und besonders die Regierenden wachrütteln -bei aller Reformnotwendigkeit- Nöte und Sorgen der Menschen als Maßstab für ihr politisches Handeln zu setzen, um so christlich- und sozial-politisch diese Vision zu realisieren.