Kategorie: Allgemein

Infragesteller

Sie treten öffentlich auf in kritischen Zeiten, hinterfragen das Handeln von Politikern, bezweifeln die Berechtigung von Entscheidungen, stellen die dahinterstehenden Motive in Frage und stören so den gesellschaftlichen Frieden.
Nein ich denke nicht an Corona- und Klimawandel-Leugner und Verharmloser, an Verschwörungstheoretiker und andere, die sich als Querdenker bezeichnen, sondern an Propheten.
Propheten, so wie sie uns in den biblischen Krisenerzählungen vorgestellt werden. Wirkliche Querdenker, die sich berufen wussten den Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Religion und dem Volk die Wort-Gottes-Meinung zu sagen.
Sie waren und sind radikal im ursprünglichen Sinne – radix=Wurzel
Ihre unbequeme Wahrheit wurde nicht geliked aber viral geteilt, denn sie lebten konsequent und öffentlich, was sie von der Gesellschaft forderten: Gerechtigkeit und Liebe, orientiert an der befreienden Botschaft Gottes.
Sie gaben dieser Botschaft die Stimme als Mahner und Ankläger, quer zum Mainstream. Und sie erzählten die Vision von einer besseren, Gott gewollten Welt und brachten damit die Menschen in Bewegung.
Jetzt, in den Tagen der Vorbereitung auf Weihnachten, auf das Fest des Mensch-Werdens werden sie uns wie alle Jahre wieder in den biblischen Lesungen vorgestellt mit ihrer wegweisenden Botschaft.
Exemplarisch für die großen und kleinen Propheten (gemessen am Umfang ihrer schriftlichen Hinterlassenschaften) steht Johannes der Täufer. Er mahnt:
»Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!« >>Zeigt durch eure Taten, dass ihr es mit der Umkehr ernst meint!<< »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.«
Selbstverständlichkeiten für Christen? Ja, aber warum tun wir es nicht – oder zu wenig?
Die Propheten wurden für Querdenken gehasst, verfolgt, gefangen gesetzt und getötet. Ihrem Aufruf zur Umkehr zu folgen braucht offensichtlich Mut und Demut (Dien-Mut).
Prophetenbotschaft heute: Christ werde Mensch, wie Gott Mensch geworden ist

GS 16. Dez 2020

hinausgedrängt
aus den schützenden Häusern
hat es dich
den Schutzlosen die gute Nachricht zu bringen

hinaus gedrängt
aus der Enge kleingläubigen Denkens
hat es dich
Lilien und Vögel als Beispiel zu nehmen
den Ängstlichen Freiheit und Gnade zu bringen

hinaus gedrängt
haben wir dich
endgültig zu den Hinausgedrängten
und festgenagelt auf dein Wort
damit wir wissen
dass du da bist – für immer

hinausdrängen
muss es auch uns
zu denen
die nicht einmal Wohnrecht haben
an den Rändern der Städte, den Rändern der Herzen
um endlich allen Geschöpfen
von dir zu künden
der da ist – mitten unter uns

Elisabeth Bernet (adventlich leben, Verlag am Eschbach 2008, S.57)

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Dreamer – but not the only one

John Lennon, einer der großen Philosophen und Friedensaktivisten der Pop-Kultur, wurde -gerade mal 40 Jahre alt- am 8. Dezember 1980 von einem Fanatiker erschossen. In seiner mitreißenden Ballade Imagine entwirft er seine Vision einer friedlichen, lebenswerten Welt ohne Ideologien und Religionen, ohne Machtansprüche und Gier – also ohne all das, wofür Menschen seit Jahrtausenden leben und sterben, kämpfen und getötet werden.
Er träumt den Menschheitstraum einer friedlichen Welt, einer vereinten Menschheit, von einem guten Leben für alle. – Im Video traumhaft inszeniert.
Dieser alte Menschheitstraum stand schon immer im Kontrast zur Wirklichkeit, ja war das Gegenbild zur erlebten Realität.
Solche Visionen eines Buon Vivir, insbesondere wenn sie von vielen geteilt wurden -„but I’m not the only one“- gaben eine Richtung, motivierten, sie wirklich-keit werden zu lassen.
Menschen, die ihr ganzes Leben einer solchen Vision widmen, nennen wir im religiösen Kontext Propheten. Sie treten immer dann auf, wenn unserer Gesellschaft, wenn der civil society eine tragfähige Perspektive für ein lebenswertes Leben fehlt, das sich am göttlichen Liebenswillen ausrichtet. So bei der Berufung des Propheten Samuel: „In jener Zeit kam es nur noch selten vor, dass der Herr zu einem Menschen sprach, Visionen waren nicht häufig …“ (1 Sam 3,1). Visionen sind zufällig, sie ergehen im Traum und wollen (mit-)geteilt werden. Manchmal brauchen sie die Deutung von Erfahrenen, von „Weisen“ Frauen und Männern und deren Mut machenden Rat, um zur Botschaft, zur Bewegung zu werden.
Was sie verkünden ist meist eine “unbequeme Wahrheit” (Al Gore), weil sie von uns Veränderung einfordert. Dafür werden Prophetinnen und Propheten gehasst, verfolgt und manchmal getötet
In unserer Zeit, in der solche Visionen überlebensnotwendig sind brauchen wir begeisternde Prophet*innen und Songs mit einer bewegenden Botschaft, die die Welt vereint:
„ … I hope some day you’ll join us and the world will live as one.“

GS 8. Dez 2020

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menschlich werden

Der MENSCH ist ein, ist mein Thema in diesem von der Pandemie weltweit bestimmten Jahr und ganz besonders in diesem Advent, der BeSinnZeit vor Weihnachten:

In Begrifflichkeiten und Werten diskutiert oder beklagt; wie MENSCHLICHKEIT und UNMENSCHLICHKEIT im Zusammenhang mit dem Flüchtlingselend an den Grenzen des reichen Europa, genau wie in der anhaltend ungerechten Verfügbarkeit von wirksamer Medizin und Impfstoffen gegen den Coronavirus und auch gegen den HIV/ AIDS-Virus.

Und welcher Zukunft sieht die Menschheit entgegen. Was tue ich/ kann ich tun, dass diese Zukunft eine lebenswerte ist für meine Kinder und Enkel. Ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten, wie es nicht nur die biblischen Lesungen in diesem Advent erhoffen und Menschen auf der ganzen Welt erbeten und besingen und das Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen seit nunmehr 5 Jahren ist.

Weihnachten feiern Christen auf der ganzen Welt die MENSCHWERDUNG Gottes in Jesus Christus

Was macht Mensch Sein aus?

Herbert Grönemeyer singt:
    Der Mensch heißt MENSCH
    weil er: vergisst, verdrängt, schwärmt, stählt
    weil er lacht und lebt und wärmt, wenn er erzählt
    weil er irrt, kämpft, hofft, liebt
    weil er glaubt, sich anlehnt und vertraut
    weil er erinnert, mitfühlt und vergibt
    – und weil er lacht und weil er lebt

Herbert Grönemeyer (Album MENSCH 2002) besingt, was IRENÄUS VON LYON (+ um 200) feststellt: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“

Diesem Menschenbild fühle ich mich verpflichtet und so menschlich werden möchte ich in diesem Advent, damit wir Weihnachten die Geburt des Menschen Jesus feiern können, in dem “die Güte Gottes, unseres Befreiers, und seine Liebe zu uns Menschen sichtbar wurde” wie Paulus an seinen Schüler Titus schreibt (Tit 3,4)

GS 1. Dez 2020

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Zuhören

Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Problem unserer Zeit ist, dass wir das Zuhören verlernt haben.
Sicherlich, die tägliche akustische Reizüberflutung macht es schwer zu filtern, was wichtig, richtig und wahr ist. Sofern denn dieses die Filterkriterien in den öffentlichen Debatten sind.
Laut und polarisierend dringt eher durch, findet seine Hörer. Und so powert sich das gegenseitig hoch bis zum Tumult oder der Kakophonie.
Auf der Strecke bleiben die leisen Töne, die zaghaften Einwände, die personalisierten Erfahrungen, die Gefühle, das Unsagbare und das Unsägliche.
Weil wir nicht hören können, oder weil wir nicht hören wollen?
Diese Erfahrung ist wahrscheinlich so alt, wie der Homo Sapiens und findet sich deshalb auch in den biblischen Erfahrungen des Volkes Israel. So sagt Moses resignierend am Ende seiner 40 jährigen Amtszeit als Führer seines Volkes bei einer Volksversammlung:
„Doch bis auf den heutigen Tag hat der Herr euch keinen Verstand gegeben, der begreift, keine Augen, die sehen und keine Ohren, die hören!“ (5. Moses 29,3)
Auch von der Mahnung Jesu: »Wer Ohren hat, soll gut zuhören!« (MK, MT, LK mehrfach) habe ich den Eindruck, ist bei Kirchenverantwortlichen in seiner Nachfolge nicht viel angekommen. Anders kann ich mir den schon peinlich anmutenden Umgang einiger Kirchenleitungen mit den derzeit zu veröffentlichenden Gutachten zum Umgang mit Informationen um Täter und Opfer, Wissen und Verantwortung nicht erklären. Da wurde nicht nur nicht zugehört, sondern auch weggehört oder zumindest überhört.
Zuhören und nicht sofort Zu-texten. Hinhören und Nachfragen. Nachdenken – und um Vergebung bitten. So werden Missverständnisse vermieden und Opfer finden Gerechtigkeit.
In der Pax Christi Kirche in Essen steht die kleine und unscheinbare Skulptur DER HÖHRENDE von Toni Zenz.
Passend in und für eine Kirche, die sich der Versöhnung und dem Frieden widmet und den Opfern einen Namen und ein Gedächtnis gibt.
GS 24. November 2020

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Zuversichtlich (Update)

Unter der Überschrift “Wie wollen wir leben” startet die ARD ausgerechnet am Totensonntag eine Themenwoche, die viele Aspekte einer lebenswerten Zukunft präsentieren und problematisieren will.

Der Duden definiert Zuversicht:
festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen.

Zuversicht verbreiten gegen Pandemie-Ignoranten, Verharmlosende, Zukunftsskeptiker. Wir schaffen das – irgendwie. Lichtblicke in diesen Novembertagen gibt es ja durchaus mit zwei zulassungsfähigen Impfstoffen und der erfragten Zustimmung von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen für die Infektionsschutzmaßnahmen, auch wenn sie unser soziales Leben und auch unsere berufliche Existenz stark einschränken.

Die Frage “Wie wollen wir leben” durchbricht das Kreisen um das Krisenthema Nr.1. Sie weitet den Blick „auf das, was da noch kommt“ und macht Zukunft zu einem WIR-Projekt.

Krisenmanagement –national, wie international- braucht den Willen zum WIR und die Erfahrung, dass dieses WIR trägt.

Wie wollen wir leben? erzählt Geschichten, teilt Ideen von Zukunft, zeigt Visionen von einem Guten Leben für alle. Dadurch wir ein WIR möglich, denn:

„ …es sind Geschichten, sie einen diese Welt. Nöte, Legenden, Schicksale, Leben und Tod. Glückliche Enden, Lust und Trost … wir teilen diese Welt und wir stehen in der Pflicht… die Erde ist unsere Pflicht…“ (Herbert Grönemeyer, Stück vom Himmel)

Wir Christen erzählen vom Gott* des Lebens, vom menschenfreundlichen Gott*, von der Vision eines Guten Lebens für alle. Wenn wir diese Geschichten auch leben, Wirklichkeit werden lassen –und Gott* sagt ja: Ich bin da(bei)- dann können WIR zuversichtlich sein. – Für das WIR und für die Welt.

GS 18. Nov 2020

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